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Eine Rezension für Madeleine: Tarantino goes 1789

Die folgende Rezension zum Buch
»Madeleine – Anatomie einer Tragödie am Vorabend der Französischen Revolution«
von Richard K. Breuer
stammt von Friederike Bülig, Literaturwissenschaftlerin aus Mainz.

***Buchumschlag Madeleine von Richard K. Breuer

Buchumschlag Madeleine von Richard K. Breuer

***diese Rezension enthält Spoilers***

Madeleine ist die wesentlich brutalere Fortsetzung von Tiret und Brouillé, der historischen Romanreihe von Richard K. Breuer. Doch auch Madeleine  zeichnet sich durch eine reichhaltige Handlung aus, die genauso spannend, pfiffig und witzig ist wie die der Vorgängerromane.

In Madeleine begibt sich die schwangere Ludomila Opalińska zusammen mit dem Arzt Steinitz, Major Haddengast und ihrer Schwester Madeleine nach Penly, um dort den Vater ihres Kindes, den polnischen Gelehrten Mickiewicz, zu heiraten. Die lange Kutschfahrt von Österreich zur Nordküste Frankreichs wird zum turbulenten Sittengemälde der damaligen Zeit kurz vor der Französischen Revolution. Richard K. Breuer fasst die Mentalität dieser Zeit durch verschiedene Facetten ein. Inhaltlich zeigt er den bedeutenden Dualismus zwischen der verarmten Landbevölkerung und dem reichen Adel besonders durch Gesten und Körperhaltungen auf. So muss ein Adeliger nur mit dem kleinen Finger winken, um etwas zu bekommen, während der Untertan mit gesenktem Kopf stehen bleiben muss, bis der Herr an ihm vorbei geritten ist. Auch sprachlich greift Breuer die Ständeunterschiede auf und gibt der ländlichen Bevölkerung einem derben Akzent.

Eine weitere formale wie inhaltliche Besonderheit Breuers ist die Einarbeitung authentischen Materials aus Briefen des Gouverneur Morris, der 1789 aus den Vereinigten Staaten nach Frankreich reist und damit ein Augenzeuge der schlimmen Verhältnisse ist. In diese Brutalität der Geschehnisse der Französischen Revolution, die den Rahmen der vier Bände bildet, wird eine weitere existenzialistische Brutalität eingebettet, die körperliche.

Es ist die körperliche Gewalt die dieses Buch auszeichnet und die auch auf den Leser abschreckend wirken kann, da diese auf den ersten Blick als sinnlos und spontan beschrieben wird. Diese Gewalt gibt aber nicht nur eine Ahnung des damaligen Lebenskampfes wieder, sondern rückt die Vergänglichkeit und Hässlichkeit des Körperlichen in die Aufmerksamkeit. Gerade dann wenn der halbverdaute Bohneneintopf am Bein herunterläuft oder Lakaien zwei verarmten Jungen die Hände brechen, weil diese ein Stück Brot stehlen wollten. Die Brutalität in Madeleine reicht von starken Bildern des Tötens, Aufschlitzens, Erdrosselns und Erstechens über psychologische Formen des Auflauerns, Beobachtens und Misstrauens bis hin zu handfesten Intrigen. Doch wird diese Brutalität erzählerisch gebrochen bzw. aufgelockert. Die gewalttätigen Szenen sind mit Witz und einigen Zwischentönen verstärkt, die den Leser schmunzeln lassen können. So folgen einige Szenen dem Slapstick, schlechten Westernfilmen und auch einige Kampfszenen wirken wie witzige Reminiszenzen an Zombiefilmen, in denen die Totgeglaubten immer wieder aufstehen. Generell erinnert die Ausführung von Themen und Szenen an Filme wie die von Quentin Tarantino oder an den Film Natural Born Killers (Oliver Stone, 1994 – imdb)sowie durch der Einführung des italienischen Killerpaars Lorenzo und Stella an Bonnie and Clyde (Arthur Penn, 1967 – imdb). Mit dieser Art filmischer Schreibweise wirkt Madeleine lebendig und modern.

Ein weiterer Bruch der starken körperlichen Brutalität erfolgt durch die naiven Reflexionen der Figuren über die Liebe, was den ironischen Unterton des Buches ausmacht. Galkin, Sohn des Kosaken Dassajew, verfällt in Liebe zu der hübschen Madeleine und um diese zu erobern, fingiert er einen Überfall auf ihre Kutsche. Doch dieser Überfall artet in ein Gemetzel aus, das Galkin nicht steuern kann. Paradoxerweise ist für Galkin die Gewalt Beweis und Mittel seiner Liebe. Ein positiver Gedanken in negativer Ausführung, da sich letztendlich diese Gewalt gegen ihn selbst wendet: Während des Kutschüberfalls, der der Höhepunkt des Romans ist, gibt sich Galkin in körperlicher Befriedigung seiner Liebes-Tagträumerei hin ohne zu merken, dass sich die Umwelt gegen ihn wendet und ihn mit dem Tod bedroht.

»Langsam kehrt Galkin wieder in das Hier und Jetzt zurück. Man hört das zufriedene Seufzen Galkins und das Einrasten  eines Pistolenhahnes. Galkin dreht sich zu Madeleine, die ihren Oberkörper aufgerichtet hat und mit seiner Pistole auf ihn anhält. Mit beiden Händen umfasst sie den Kolben. Der rechte und der linke Zeigefinger liegen am Abzug. Galkin versteht nicht. Schüttelt verständnislos den Kopf. Haben sie sich nicht gerade geliebt?« (S. 256)

Was an diesem Zitat auch deutlich wird, ist, dass die Figuren aneinander vorbei reden und somit Madeleine das positiv gemeinte Engagement Galkins brutal beendet. Breuer schafft es, diese Brüche ohne viel Psychologie und ohne viel Worte allein durch die reichhaltige Figurenkonstellation und Handlung zu konstruieren, in der jede Figur ihr Ziel verfolgt und sich dennoch mit den Absichten anderer Personen verflechtet. Doch Madeleine bietet noch mehr an Reflexionen. Auf der Reise nach Penly entspinnt sich zwischen den Schwestern ein Konflikt um Schönheit, Liebe und Identität. Der  Schwesternkonflikt zwischen Madeleine und Ludomila zeigt sich schon in ihren Äußeren: Beide Schwestern werden wie Tag und Nacht konzipiert, die eine besonders hübsch, willensstark und emotional aufbrausend, die andere hässlich, bedacht, einsam und Trost suchend in Büchern. Auch verkörpern die Schwestern zwei unterschiedliche Liebeskonzepte. Während Ludomila meint, dass man die Liebe erlernen kann, da diese nicht aus einen einzigen und ersten Blick entspringt, hält Madeleine am Gegenteil fest und erntet damit Kritik:

»Madeleine verschwendet keinen Gedanken daran, dass sie gestern noch diesen nüchternen Gelehrten vergessen wollte und sich heute wieder nach ihm sehnt. Und morgen? Darauf gibt es keine Antwort. Madeleine fühlt. Hier. Jetzt. Alles andere hat keinerlei Bedeutung.« (S. 232)

Diese Kritik, die vom Erzähler stammt, stellt die namensgebende Protagonistin des Romans in ein zwiespältiges Licht. Doch wird ihr Verhalten in diesem Handlungsgeflecht nicht bewertet, außer vielleicht an einer Stelle des Romans, die hier aus Spannungsgründen nicht verraten werden soll.

Wie die Schwestern sind auch die anderen zentralen Figuren Typen, die zum Teil gegensätzliche Prinzipien verkörpern. So auch Doktor Steinitz, der das Prinzip des Lebens, Heilens und des Pazifismus vertritt und Major Haddengast, der als Beschützer und Kämpfer der Ehre auftritt.

Der Autor zeichnet seine Figuren gut, sie sind trotz ihrer Typenhaftigkeit nicht oberflächlich. Jeder Figur hat ihr Recht und ihren Platz im Sinne von »Beide haben recht. Beide haben unrecht.« (S. 233), bis dann doch der Stärke siegt.

Richard K. Breuer schafft mit Madeleine einen spannungsreichen und bildlichen Text, der durch ein schnelles Erzählen lebt. Das verdeutlichen die kurzen Dialogsätze, die filmische Schreibweise und auch die Zeitsprünge, die eine Art Gleichzeitigkeit vermitteln sollen. Breuer schreibt nicht pathetisch und wenn doch an einigen Stellen ein Pathos auftritt, ist es nicht selten der Figurenpersönlichkeit geschuldet und schafft den ironischen Unterton. Dieser Unterton und der eher deskriptiv statt psychologisch erzählende Erzähler regt den Leser zum mit- und nachdenken an. Denn das interpretierende Fazit muss sich jeder Leser selbst ersuchen.

Friederike Bülig
Mainz

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Das Buch ist als E-Book in den Formaten PDF, epub und kindle hier erhältlich.

Krimikomödie Schwarzkopf? GRANDIOS!

Wunderbar! In der Ausgabe 04/2011 des Magazins hörBÜCHER wurde meine absurde Wiener Krimikomödie SCHWARZKOPF in allerhöchsten Tönen gelobt und für GRANDIOS befunden, die höchste Auszeichnung, die das Magazin vergibt. Das ist nicht gerade üblich und sollte gebührend herausgestrichen werden. Was ich hiermit tue.

»Wien-Reiseführer gibt es viele, sehr gute sogar. Wer aber wirklich etwas über das Innerste der Wiener Seele erfahren möchte, darüber, wie Wien funktioniert, der ist mit Richard K. Breuers absurder Krimi-Komödie ›Schwarzkopf‹ bestens bedient. Hintergrund der Handlung ist der Versuch des in Hollywood lebenden Regisseurs Harald Schwarzkopf, Investorengelder für ein Remake des „Dritten Manns“ einzuwerben. Als Schwarzkopf dafür nach Wien reist, geht es dort drunter und drüber. Breuer beherrscht das Slapstick-Genre, seine Komödie ist absurd, schwarz und immer wieder abgründig amüsant. Ein besonderers Lektüre-Erlebnis, auch für den, der glaubt, Wien schon gut zu kennen. Sucht-Gefahr!« Bewertung: ***** (5 Bücher: Grandios) PDF

Schwarzkopf goes FALTER

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Falter Buchbeilage 42/09

Vor wenigen Tagen war es, als mich EH. anrief. Sie fragte mich, ob ich wüsste, dass ich im FALTER sei. In der Buchbeilage. Mit Schwarzkopf. Äh. Nein, wusste ich nicht. Hat mir niemand gesagt, dass es eine Buchbesprechung gegeben hat. Ein Glück, dass mich EH. darauf aufmerksam machte. Hier der Link zu jener welchen Besprechungsseite: FALTER 42/09 – MD. aus A. meinte, übrigens dass die Kritik nichts Gutes über Schwarzkopf zu sagen hätte; nun, ich sehe das freilich anders; weil in der Kritik auf den Inhalt eingegangen wird und nicht auf den Sachverhalt, dass ich z.B. ein „eigenbrötlerischer Selbstverleger“ sei; es kommt leider immer wieder vor, dass sich manch einer der potenziellen Rezensenten gar nicht erst die Mühe macht, das Buch aufzublättern, wenn es heißt „Ich gebe meine Bücher selber heraus.“ Deshalb erachte ich die Besprechung im Falter als ein großes Lob, ob der  äußeren Qualität des Machwerks, werde ich doch mit drei Verlagstiteln in einem Beitrag  genannt. Wer noch andere Meinungen zum Inhalt einholen möchte, bitte sehr, bitte gleich, der sei auf die Feedback.Site verwiesen.

Dass sich die Literaturkritikerin der Leipziger Volkszeitung, Janina Fleischer, ebenfalls für „Schwarzkopf“ interessiert, freut mich besonders, da der Prophet im eigenen Land ja nichts gilt (das trifft vor allem auf Wien zu; ja, diese Stadt hat schon so manche Künstlerseele auf dem Gewissen; woran es liegt, dass hier Neid & Missgunst so ausgeprägt sind, nun, da müssten wir wohl beim guten Freud nachfragen).

Bei genauerer Betrachtung war es eigentlich M. D. aus A. („Radiotin“), die sich als erste „Schwarzkopf“ auf eine kritsiche Weise genähert hat („Marijkes Schwarzkopfgedanken„). Im Dezember möchte sie daraus vorlesen. Im Rahmen des SUBKULTUR-Winter-Abends, veranstaltet vom Hochschulradio Aachen. Jetzt muss M. nur noch den einen oder anderen Wiener finden, der sich bereit erklärt, die Charaktere in der Wiener Mundart zu sprechen. Andererseits, man hätte etwas zum Lachen, würde ein Germane oder Germanin sich am Wienerischen versuchen. „Peitscherlbub“ wurde erst unlängst freudigst zur Kenntnis genommen. Falsch betont, aber immerhin.

In der Komunity der Berliner Zeitung Der Freitag habe ich nun einen Beitrag geschrieben („RezensentInnen gesucht“), in dem ich mitteilte, nach weiteren KritikerInnen Ausschau zu halten („hereinspaziert“). Das Dumme ist: wer sein eigenes Sprachrohr ist, wird zwar gehört, aber zumeist überhört. Das Web2.0 ist ja voll von Selbstbeweihräucherungsfantasten („Willkommen im Club“). Zwar vermeinte ich, mit dem Falter und der LVZ einen guten Köder ausgeworfen zu haben (und hat nicht  der Zeitungs-Herausgeber JA. mit mir kurz geplaudert?), aber das zählt bekanntlich 11 (also nix).

Die Bloggerin Gunwoman ist erst jetzt wieder auf ihr Rezi-Exemplar „Schwarzkopf“ gestoßen (lag unter einem Berg Uni-Lektüre). Nach dem sie Tiret klammheimlich in ihrem Blog besprochen hat, wird sie mir jetzt hoffentlich Bescheid geben, wenn sie über „Schwarzkopf“ herzieht.

2 Auflagen 1 Buch

Bezüglich der 2. Auflage wird es eine Änderung des Umschlags (vulgo Cover) geben. Aus weiß mach schwarz. Passend zum Namen, nicht? Ich spekuliere, dass all jene, die bereits die 1. Auflage ihr eigen nennen, unbedingt auch das Exemplar zur 2. Auflage haben müssen. Das klingt nach Marketing-Hokuspokus und ist es auch. Ich finde jedenfalls das schwarze Cover cool. Jetzt müssen wir nur noch eine Druckerei finden, eine Auslieferung (soll ich vielleicht 1.000 Stück zu Hause stapeln?), viele Buchhandlungen und noch mehr Käufer. Und schon kann’s los gehen. Jetzt würde ich natürlich diesen Beitrag damit schließen, dass ich anmerke (dezent), Vorbestellungen zur 2. Auflage bereits entgegen  zu nehmen. Aber ohne PR und virale Marketing-Aktionen ist das herzlich sinnlos. Warum sollte jemand bereits jetzt das Buch vorbestellen? Gibt ja genügend. Stimmt. Aber wer weiß, ob der Autor und Eigenverleger noch in einer Woche höchstpersönlich das Buch signiert. Und das Kuvert ableckt (Schuhe nur gegen Barzahlung).

Tiret: Rezension gesucht, Buchbesprechung gefunden

Stern

Na bitte. Geht ja. Ein Rezensions-Exemplar nach Leipzig geschickt und die gute Jana von leser-welt.de hat in kurzer Zeit „Tiret“ nicht nur gelesen, sondern auch mustergültig besprochen und bewertet. Die Devise „umgehend lesen und bewerten“ (copyright by wortman) wurde also zu meiner vollsten Zufriedenheit erfüllt.

Jetzt hab ich mal nachgezählt, wie viele Buchbesprechungen „Tiret“ bekommen hat, im weiten Web. Hm. Dazu brauche ich keine fünf Finger, um das abzuzählen. Da hat die Marketing-Abteilung in meinem Verlag wohl gepennt („Sie sind gefeuert!“). Freilich, der Fragebogen wurde, soweit, brav ausgefüllt. Aber am Ende zählt doch nur das weithin Sicht- und Abrufbare. Wo viel Schatten, da auch ein wenig Licht: „Tiret“ darf sich rühmen, die längste Buchbesprechung in einem Weblog bekommen zu haben: besue. Bei BookCrossing erweist sich Tiret (im Gegensatz zu Ro2069) als äußerst lesefreundlich: bookray. Und eine mystische Verquickung zwischen Literatur und Leben, zwischen Tiret und Löwengasse, wurde für die Nachwelt festgehalten: pebo.

So. Nun aber der verlinkende Hinweis zur mustergültigen Rezension der Jana auf leser-welt.de: LINK

[da fällt mir ein: der gute Pebo hat auf amazon.de seine Buchsprechung zu „Tiret“ eingestellt!]