Schlagwort-Archive: rückblick

John F. Kennedy und das 55-jährige Schweigen

Letzte Woche jährte sich der Tod des damaligen US-Präsidenten John F. Kennedy zum 55. Male. Ich habe mir nicht die Mühe gemacht, die obligaten Wiederholungen der Wiederholungen im Mainstream zu lesen oder zu hören. Für Presse und Politiker ist die Sache klar und längst zu den Akten gelegt. Der „lone gunman„, der Einzeltäter namens Lee Harvey Oswald, hat exakt drei Schüsse mit einem Gewehr abgegeben – zwei davon trafen den Präsidenten in der offenen Limousine und verletzten ihn tödlich. Die Treffer sind auch – mehr oder weniger – im Zapruder-Film zu sehen, der freilich Veränderungen im behördlichen Labor erfahren hat (Schnipp Schnapp) und den die Bevölkerung erst in den 1970er Jahren zu Gesicht bekam. Warum wurde dieser kurze Filmclip so lange unter Verschluss gehalten? Wovor hatten die Verantwortlichen Angst?

Zwei Monate vor seinem Tod sprach Kennedy vor den Vereinten Nationen über eine friedliche Kooperation mit der UdSSR und dem Wunsch, die Raumfahrt gemeinsam voranzutreiben. Nebenbei bemerkt, hatte Kennedy eine private Korrespondenz mit dem damaligen Regierungschef der Sowjets Nikita Chruschtschow. Wollten die beiden am Ende den Kalten Krieg beenden?

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WM 2018: Ausblick auf das Viertelfinale

Meine weltmeisterliche Reise nach Russland ließ es nicht zu, über die Achtelfinalspiele zu bloggen – eine hübsche Zusammenfassung gibt es hier zu sehen: FIFA-Videoclip. Einerseits hatte ich keinen ständigen Internetzugang, zum anderen war ich gerade auf der Rückreise, als Brasilien und Belgien ihren Viertelfinaleinzug erspielten. Das Spiel der Kroaten gegen überraschend starke Dänen durfte ich dafür leibhaftig im Stadion von Nischni Novgorod verfolgen, das Russlandspiel gegen Spanien, Stunden zuvor, im Restaurantbereich eines Einkaufszentrums. Der Jubel der anwesenden russischen Fans war schon gewaltig.

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Meine Buchpräsentation im MQ – 10 Jahre später

Kinder, wie die Zeit vergeht. Vor zehn Jahren, einem Jahrzehnt wenn man so will, am 29. Februar 2008, habe ich offiziell Die Liebesnacht des Dichters Tiret im Quartier 21 des MQs vorgestellt. Viel Wasser ist seitdem die Donau hinabgeflossen und noch mehr Buchstaben sind aufs Papier meiner Bücher gedruckt worden. Mehr wollte ich jetzt gar nicht sagen. Am Ende ist es nur eine weitere Erinnerung, die langsam verblasst, einer zarten und einzigartigen Schneeflocke gleich, die eine Weile im Wind tanzt, vor dem Fenster eines Schreiberlings, der sich müht, Worte zu finden, für eine Erinnerung, die langsam verblasst.

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EM 2016: Viertelfinale 4 – FRA : ISL

EM-2016-VF-4

Gedanken zum Viertelfinale 4 der Europameisterschaft in Frankreich 2016

FRANKREICH : ISLAND 5:2

Die alte Hackordnung wurde also wieder hergestellt. Es dauerte keine 20 Minuten, da führte der Hausherr bereits mit zwei Toren und ließ erkennen, dass diesmal die Qualität der Einzelspieler die Oberhand gegen eine geordneten Mannschaftsleistung haben würde. Aber, wie so oft, es hätte auch anders kommen können. Weil die französischen Fans bereits nach wenigen Minuten unzufrieden wurden und das ideenlose Ballgeschiebe der Equipe mit Pfiffen bedachte. Aber in diese Pfiffe hinein war es dann ein hoher Ball in den Rücken der isländischen Abwehr auf den ganz leicht im Abseits stehenden Giroud, der Halldorsson durch die Beine ins Tor schoss. Damit waren die Fans zufriedengestellt, damit fiel der erste große Stein vom Herzen der Spieler. Fünf Minuten später erhöhte Pogba auf 2:0 – und die französische Erleichterung war bis in den letzten Rang des Stadions spürbar. Doch wiederum nur fünf Minuten später hätte es beinahe den Anschlusstreffer gegeben – aber Bödvarsson schob den Ball nicht ins, sondern übers Tor. Man mag sich nicht vorstellen, wie Fans und Spieler der Grande Nation reagiert hätten, wäre Island mit dem Anschlusstreffer noch einmal aufgekommen. Müßig darüber zu sinnieren. In den letzten Minuten der ersten Halbzeit machten Payet und Griezmann alles klar und Frankreich ging mit einer wohltuenden 4:0 Führung in die Pause. In der zweiten Halbzeit taten die Franzosen nur noch das Notwendigste, weshalb die Isländer mehr vom Spiel hatten und sogar noch zwei Tore erzielen konnten. Doch Giroud machte mit dem fünften französischen Treffer den Deckel drauf. C’est ça – das isländische Wunder war damit offiziell beendet.

So beeindruckend die französische Demontage der gefürchteten Isländer auch war, die Equipe ist für mich noch immer nicht zu einer Mannschaft zusammengewachsen. Es sind vor allem überragende Einzelleistungen mancher Spieler, die die bisherigen Begegnungen zu Gunsten Frankreichs entschieden haben. Payet! Griezmann! Giroud! Pogba! Lloris! Das sind sie, die Musketiere Dechamps – der Rest der Bleus tut ihren Job – manchmal besser, manchmal schlechter. Man kann die französischen Ausnahmespieler durchaus mit den deutschen vergleichen – vorausgesetzt Fitness, Tagesverfassung und Moral stimmen:

Lloris = Neuer
Payet = Özil
Griezmann = Müller
Pogba = Kroos
Giroud = Gomez

Was den Franzosen definitiv fehlt, ist ein Boateng, ein Hummels, ein Khedira, ein Schweinsteiger. Ironischerweise sind es gerade die letzten drei, die wohl nicht im Halbfinale spielen werden können. Damit ist der Vorteil der Löw-Truppe so gut wie dahin und es wird wohl auf eine ausgeglichene Partie hinauslaufen.

Was dürfen wir uns vom Halbfinale erwarten? Eine Wiederholung des Viertelfinales Deutschland gegen Italien: Rasenschach, kontrollierte Offensive, wenig Räume und der Versuch, die Taktgeber auf beiden Seiten (Kroos und Pogba) aus dem Spiel zu nehmen. Löw, der auf Solospitze Gomez verzichten muss, wird mit Götze eine „falsche 9“ aufs Feld schicken. Damit ändert sich natürlich die Spielanlage – ob zum Guten oder zum Schlechten wird man erst sehen. Wunder Punkt der Equipe ist und bleibt jedenfalls die marode Defensivleistung – im Gegensatz zu den Deutschen, die im Turnierverlauf noch keinen Gegentreffer aus dem Spiel heraus zuließen.

Kurz und gut, in diesem Halbfinale ist alles möglich – und sollte sich eine Mannschaft in einen Spielrausch spielen, könnte es sogar eine Packung für die andere geben. Das ist freilich unwahrscheinlich – aber das haben wir vor zwei Jahren, bei der Weltmeisterschaft, auch gesagt, als Deutschland das Auswärtsspiel gegen Brasilien bestritt. Der Rest ist bekanntlich Geschichte.