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WM 2018: Ausblick auf das Viertelfinale

Meine weltmeisterliche Reise nach Russland ließ es nicht zu, über die Achtelfinalspiele zu bloggen – eine hübsche Zusammenfassung gibt es hier zu sehen: FIFA-Videoclip. Einerseits hatte ich keinen ständigen Internetzugang, zum anderen war ich gerade auf der Rückreise, als Brasilien und Belgien ihren Viertelfinaleinzug erspielten. Das Spiel der Kroaten gegen überraschend starke Dänen durfte ich dafür leibhaftig im Stadion von Nischni Novgorod verfolgen, das Russlandspiel gegen Spanien, Stunden zuvor, im Restaurantbereich eines Einkaufszentrums. Der Jubel der anwesenden russischen Fans war schon gewaltig.

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WM 2018: Tag #7 – Der Sieg des Minimalismus

Portugal : Marokko 1:0
Uruguay : Saudi Arabien 1:0
Iran : Spanien 0:1

Gedanken zu den Spielen.

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Meine Buchpräsentation im MQ – 10 Jahre später

Kinder, wie die Zeit vergeht. Vor zehn Jahren, einem Jahrzehnt wenn man so will, am 29. Februar 2008, habe ich offiziell Die Liebesnacht des Dichters Tiret im Quartier 21 des MQs vorgestellt. Viel Wasser ist seitdem die Donau hinabgeflossen und noch mehr Buchstaben sind aufs Papier meiner Bücher gedruckt worden. Mehr wollte ich jetzt gar nicht sagen. Am Ende ist es nur eine weitere Erinnerung, die langsam verblasst, einer zarten und einzigartigen Schneeflocke gleich, die eine Weile im Wind tanzt, vor dem Fenster eines Schreiberlings, der sich müht, Worte zu finden, für eine Erinnerung, die langsam verblasst.

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EM 2016: Viertelfinale 4 – FRA : ISL

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Gedanken zum Viertelfinale 4 der Europameisterschaft in Frankreich 2016

FRANKREICH : ISLAND 5:2

Die alte Hackordnung wurde also wieder hergestellt. Es dauerte keine 20 Minuten, da führte der Hausherr bereits mit zwei Toren und ließ erkennen, dass diesmal die Qualität der Einzelspieler die Oberhand gegen eine geordneten Mannschaftsleistung haben würde. Aber, wie so oft, es hätte auch anders kommen können. Weil die französischen Fans bereits nach wenigen Minuten unzufrieden wurden und das ideenlose Ballgeschiebe der Equipe mit Pfiffen bedachte. Aber in diese Pfiffe hinein war es dann ein hoher Ball in den Rücken der isländischen Abwehr auf den ganz leicht im Abseits stehenden Giroud, der Halldorsson durch die Beine ins Tor schoss. Damit waren die Fans zufriedengestellt, damit fiel der erste große Stein vom Herzen der Spieler. Fünf Minuten später erhöhte Pogba auf 2:0 – und die französische Erleichterung war bis in den letzten Rang des Stadions spürbar. Doch wiederum nur fünf Minuten später hätte es beinahe den Anschlusstreffer gegeben – aber Bödvarsson schob den Ball nicht ins, sondern übers Tor. Man mag sich nicht vorstellen, wie Fans und Spieler der Grande Nation reagiert hätten, wäre Island mit dem Anschlusstreffer noch einmal aufgekommen. Müßig darüber zu sinnieren. In den letzten Minuten der ersten Halbzeit machten Payet und Griezmann alles klar und Frankreich ging mit einer wohltuenden 4:0 Führung in die Pause. In der zweiten Halbzeit taten die Franzosen nur noch das Notwendigste, weshalb die Isländer mehr vom Spiel hatten und sogar noch zwei Tore erzielen konnten. Doch Giroud machte mit dem fünften französischen Treffer den Deckel drauf. C’est ça – das isländische Wunder war damit offiziell beendet.

So beeindruckend die französische Demontage der gefürchteten Isländer auch war, die Equipe ist für mich noch immer nicht zu einer Mannschaft zusammengewachsen. Es sind vor allem überragende Einzelleistungen mancher Spieler, die die bisherigen Begegnungen zu Gunsten Frankreichs entschieden haben. Payet! Griezmann! Giroud! Pogba! Lloris! Das sind sie, die Musketiere Dechamps – der Rest der Bleus tut ihren Job – manchmal besser, manchmal schlechter. Man kann die französischen Ausnahmespieler durchaus mit den deutschen vergleichen – vorausgesetzt Fitness, Tagesverfassung und Moral stimmen:

Lloris = Neuer
Payet = Özil
Griezmann = Müller
Pogba = Kroos
Giroud = Gomez

Was den Franzosen definitiv fehlt, ist ein Boateng, ein Hummels, ein Khedira, ein Schweinsteiger. Ironischerweise sind es gerade die letzten drei, die wohl nicht im Halbfinale spielen werden können. Damit ist der Vorteil der Löw-Truppe so gut wie dahin und es wird wohl auf eine ausgeglichene Partie hinauslaufen.

Was dürfen wir uns vom Halbfinale erwarten? Eine Wiederholung des Viertelfinales Deutschland gegen Italien: Rasenschach, kontrollierte Offensive, wenig Räume und der Versuch, die Taktgeber auf beiden Seiten (Kroos und Pogba) aus dem Spiel zu nehmen. Löw, der auf Solospitze Gomez verzichten muss, wird mit Götze eine „falsche 9“ aufs Feld schicken. Damit ändert sich natürlich die Spielanlage – ob zum Guten oder zum Schlechten wird man erst sehen. Wunder Punkt der Equipe ist und bleibt jedenfalls die marode Defensivleistung – im Gegensatz zu den Deutschen, die im Turnierverlauf noch keinen Gegentreffer aus dem Spiel heraus zuließen.

Kurz und gut, in diesem Halbfinale ist alles möglich – und sollte sich eine Mannschaft in einen Spielrausch spielen, könnte es sogar eine Packung für die andere geben. Das ist freilich unwahrscheinlich – aber das haben wir vor zwei Jahren, bei der Weltmeisterschaft, auch gesagt, als Deutschland das Auswärtsspiel gegen Brasilien bestritt. Der Rest ist bekanntlich Geschichte.

 

EM 2016: Spieltag 5

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Spieltag 5 der Europameisterschaft in Frankreich 2016

ÖSTERREICH : UNGARN 0:2

Was sagt man dazu? Der Favorit verliert gegen den Underdog ziemlich klar. Was mag in dem Spiel der Österreicher nur falsch gelaufen sein? Besser, man fragt sich: Was ist dem Team eigentlich in den 90 Minuten gelungen? War es am Ende einfach ein Zeichen der Fußballgötter, die die Anmaßung und Überheblichkeit österreichischer Fans und Funktionäre und Presseleute strafen wollten? Es sieht ganz so aus.

Dabei hatte alles wie im Märchen begonnen. Fulminanter Start der Österreicher. Es war noch nicht mal eine Minute gespielt, da knallt David Alaba den Ball an die Stange. Gut, sagte sich der Zuseher, das ist ein Ausrufezeichen und es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis wir den ungarischen Betonmischern ein Tor machen. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Weil sich die Ungarn mit Kampfkraft und Disziplin gegen die erste Angriffswelle der Österreicher stemmten. Weil sich ausgerechnet Junuzovic unglücklich verletzte und später ausgetauscht werden musste. Weil Alaba die Spielmacherrolle nicht mal im Ansatz ausfüllen konnte. Weil sich der sonst so ruhige Dragovic von der Nervosität der restlichen Spieler hat anstecken lassen. Weil Harnik – wie schon in den letzten Spielen – die fehlende Spielpraxis nicht kompensieren konnte. Weil  die Einwechselspieler Sabitzer, Okotie und Schöpf mehr Verschwächung denn Verstärkung waren. Weil die österreichischen Spieler wieder in den längst überwunden geglaubten aufgeschreckten Hühnerhaufenmodus schalteten. Weil niemand in der Mannschaft diesen Hühnerhaufen hätte beruhigen können (Ach, warum hatte man Stranzl nicht auf Händen und Knien gebeten, doch noch für die EM aufzulaufen?). Weil das unglückliche Foul von Dragovic nicht nur zu seinem Ausschluss, sondern auch noch zur Aberkennung des Ausgleichs von Hinteregger führte. Weil Arnautovic laufend in die ungarische Beißzange genommen wurde und er so seine Technik nicht auf den Rasen bringen konnte. Weil die Ungarn mit gesunder Härte den Österreichern die Schneid abkauften. Weil der tiefe Boden jedes schnelle Spiel bremste und das bereits ungenaue Zuspiel der Österreicher noch ungenauer machte.

Kurz und gut: Nichts, aber auch gar nichts lief gestern für die Österreicher und alles für die Ungarn. Okay, Baumgartlinger, wie sonst auch immer, rackerte sich die Stollen ab und versuchte wenigstens, dagegen zu halten. Auch war es nicht die Schuld von Dragovic, dass er die zweite gelbe Karte sah – eher hatte hier der schwache Schiedsrichter überreagiert.

That’s football. You’re riding high in April the qualification, shot down in EURO 2016, sozusagen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass wir uns Tor- und Punktelos von der EM verabschieden, ist nach der gestrigen starken Vorstellung sowohl der Portugiesen als auch der Isländer ziemlich hoch. Es sei denn, es gäbe bis Samstag eine wundersame Leistungssteigerung gepaart mit mentaler Entschlossenheit. Im Fußball, wie wir wissen, ist alles möglich und die Hoffnung stirbt zuletzt. Freilich, Glück muss man schon haben. Und mit all dem Pech (gut, zuweilen war es auch Unvermögen), das den Spielern förmlich auf ihren Schussstiefeln klebte, könnte man glatt eine ganze WM-Qualifikation verlieren.

Vielleicht hätte die Mannschaft nach der Verletzung von Spielmacher und Taktgeber Junuzovic in der 16. Minute einen Gang zurückschalten und aus einer gesicherten Defensivposition heraus den Ungarn mit Nadelstichen weh tun sollen. Weil, je länger die Nullnummer gestanden wäre, desto ballsicherer und damit torgefährlicher wären die Österreicher geworden. Vielleicht war es am Ende der fixe Glaube, man könne mit der hopp-oder-dropp-Brechstange ein spielschwächeres Team auseinandernehmen, der die Niederlage heraufbeschwor. Weil all die bisherigen Spiele dieser EM das genaue Gegenteil gezeigt haben: Für die favorisierten spielstärkeren Teams brauchte es vor allem Geduld, Ausdauer, Disziplin und das Quäntchen Glück, um drei Punkte aus einem Match mitzunehmen.

Wenn man eines positiv herausstreichen kann, dann ist es, dass Geheimfavorit Belgien ebenfalls im ersten Spiel mit 0:2 unterlag. Und wenn man den Belgiern noch den Aufstieg zutraut, warum nicht auch den Österreichern? But I know I’m gonna change that tune. When I’m back on top, back on top in June, sozusagen.

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PORTUGAL : ISLAND 1:1

Was sagt man dazu? Der Favorit erreicht gegen den Underdog nur ein Unentschieden. Dabei hätten die Torchancen der Portugiesen gereicht, zwei oder drei Spiele zu gewinnen. Auf der anderen Seite muss man den Isländern zugutehalten, dass sie sich nicht versteckt und ihre Torgefährlichkeit das eine oder andere Mal unter Beweis gestellt haben. Gegen Portugal ein Tor zu erzielen ist bitteschön keine Kleinigkeit. Respekt. Die Portugiesen wiederum konnten ihre Leistung als Mannschaft abrufen und haben gezeigt, dass sie sich gegen eine körperlich äußert robuste Mannschaft mit einstudiertem Defensivkonzept nicht die Spielfreude nehmen lassen. Auch wenn sich das 1:1 wie eine Niederlage für Ronaldo & Co anfühlen muss, so dürfen wir nicht vergessen, dass die nächsten Gegner Österreich und Ungarn heißen – Stolpersteine sind die beiden Mannschaften für die Portugiesen keine.

Island hat mich positiv überrascht. Andererseits durfte man schon einiges von ihnen erwarten, ließen sie doch in der EM-Qualifikation die Türken und Niederländer hinter sich und erreichten den zweiten Platz, knapp hinter Tschechien. Was mir besonders an den Isländern gefallen hat, war das Selbstvertrauen und die Körpersprache, die sie gegen Favorit Portugal an den Tag legten. Man merkte, dass hier eine eingeschworene Truppe am Platz stand und jeder Spieler genau wusste, was er zu tun hatte. Aus österreichischer Sicht einfach nur beneidenswert.