richard k. breuer

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Donald Trump und der hasserfüllte Mainstream

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Präsident Donald Trump ist gerade mal zwei Wochen im Amt und der mediale und politische Mainstream wetzt die Messer und will – im wahrsten Sinne des Wortes – Blut sehen. Man hat den Eindruck, die (links-liberale) Welt stünde am Rande des Abgrunds und die Lichter, die gerade verlöschen, würden wir in unserem Leben nie wieder brennen sehen. Edward Grey, damaliger britischer Außenminister, dem dieses Zitat in den Mund gelegt wird, sprach diese melancholisch-dunklen Worte am Vorabend des 1. Weltkrieges. In der Tat sollte er in gewisser Weise recht behalten – wer kann schon behaupten, das Licht am Ende des Tunnels zu sehen? 103 Jahre ist es demnach her, als diese principsche Kettenreaktion (mit britischer Mithilfe) nicht nur gekrönte Häupter fortjagte und Monarchien von der Landkarte fegte, sondern auch und vor allem die althergebrachten und fest verankerten Werte auf den Kopf stellte. Zwei Generationen später sollte es ein weiteres Mal passieren. Aber erst mit dem (vom Establishment inszenierten) Generationenkonflikt der 1960er und 1970er wurden die Weichen für das Kommende gestellt. Das Resultat dieser brachialen Umformungen hätte eine liberale Gesellschaft bringen sollen, die sich über Grenzen, Rasse, Klasse, Nation und Kultur hinwegsetzen würde. Die Willkommenskultur der merkelschen Hauruck-Politik schlägt genauso in diese Kerbe wie die Zentralisierung und Machtkonzentration der Europäischen Union in Brüssel – am Ende, so die Vision der erleuchteten Staatsmänner, stehen die Vereinigten Staaten von Europa.

Aber irgendwie ist diese Umformung der Gesellschaft ins Stocken geraten. How come? Der Brexit war das erste Ausrufezeichen einer zornigen Bevölkerung, die sich von all den gewählten und nicht gewählten Politikern verraten und verkauft fühlt. Der überraschende Wahlsieg von Donald Trump setzte aber dem Ganzen erst die Krone auf. Political correctness? Fehlanzeige! Noch in seiner Antrittsrede sprach er davon, den Sumpf in Washington D.C. trocken zu legen und ein Präsident für das amerikanische Volk zu sein. Hört, hört! Aber was, wenn es nur leere Versprechungen sind? Schlag nach bei Barack „change“ Obama! Ich denke, wir, die aufgeklärten Bürger dieser Welt, haben wohl keine andere Chance mehr, als all unsere Münzen auf die Karte Trump zu setzen. Sollte der Trumpf nicht stechen, können wir uns auf orwellsche Zeiten für die einen, huxleysche für die anderen gefasst machen.

John F. Kennedy sprach einst in einer Rede von einem möglichen Frieden mit dem Erzfeind UdSSR. Hätte er damals den (vom Establishment inszenierten) Kalten Krieg beenden können? Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Wichtiger bei alledem ist aber der Umstand, dass JFK diese Möglichkeit öffentlich in Betracht zog und somit die Saat in die Köpfe der Leute pflanzte. Darum geht es am Ende. Nämlich Hoffnung und Optimismus zu verbreiten. Genau das aber will der Mainstream mit allen Mitteln verhindern. Warum nur? Was liegt ihm daran, den Teufel an die Wand zu malen? Es deutet alles darauf hin, dass die Presse nicht auf Seiten der aufgeklärten Bürger steht, sondern vielmehr dem Establishment dient. Während der Mainstream wie tollwütige Hunde über den sog. #MuslimBan der Trump-Administration herfiel, applaudierte und bejubelte man die Entscheidung der Obama-Regierung, Libyen in die Steinzeit zurückzubomben und in Syrien einen „Bürgerkrieg“ zu entfachen. Ist demnach ein zeitweiliges Einreiseverbot für Reisende aus 7 Staaten wirklich fürchterlicher und ablehnenswerter als der Einsatz todbringender Waffen (bzw. die Finanzierung und Anleitung rebellischer Terroristen) gegenüber einer unschuldigen Zivilbevölkerung?

Donald Trump ist gerade einmal zwei Wochen im Amt. Wäre es da nicht angebracht, mit Sinn und Verstand seine getroffenen Entscheidungen zu kritisieren? Das emotionale Geschrei in der Presse sorgt nur dafür, dass Politikern immer weniger Spielraum gegeben wird, um sich zu verständigen. Siehe die Anti-Putin-Propaganda in den westlichen Medien. In einem Gespräch mit FOX, versuchte der Journalist Trump in die Ecke zu drängen, weil dieser bereit ist, mit Putin zusammenzuarbeiten.

Journalist: „Aber Putin ist ein Mörder!“

Donald Trump: „Es gibt eine Menge Mörder. Wir haben eine Menge Mörder. Glauben Sie, unser Land ist so unschuldig?“

Wenn Fake News zum kometenhaften Bumerang wird

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Im Moment geht es ja in den mit Gewinnabsicht geführten Medienkonzernen drunter und drüber. Vor allem in den USA, aber generell ist der meltdown, der Niedergang der Presse, in den westlichen Ländern zu bemerken. Deren Glaubwürdigkeit ist seit dem überraschenden Wahlsieg von Donald Trump im Keller. Und dort versteckt man bekanntermaßen die Leichen bzw. Falschnachrichten.

Die gut und weniger gut bezahlten Presseleute versuchen zu retten, was noch zu retten ist. Vor allem in Europa sind die Mainstream-Lichter noch lange nicht ausgegangen. Dort werden die elitären Qualitätsmedien Washington Post und New York Times oder die über alle Zweifel erhabene britische Rundfunkanstalt BBC auf ein Podest gehoben und angebetet. Falschnachrichten aka fake news gibt es bei diesen Säulen der vierten Gewalt nicht. Wer das hingegen in Zweifel zieht, macht sich verdächtig. Im Moment ist es gerade hip, zu behaupten, dass es die russische Regierung geschafft haben soll, über Umwege des weltweiten Netzes und mit brachialer Propaganda die US-Wahl zu Gunsten von Donald Trump manipuliert zu haben. Ach? Wie hat das die Kreml-Mannschaft gemacht? In einem Artikel der Die Presse, der sich wiederum auf die von amazon.com-Gründer Jeff Bezos gekaufte  Washington Post bezieht, seien »vertrauliche E-Mails aus der Parteizentrale der Demokraten sowie aus dem Mailkonto von Clintons Wahlkampfmanager John Podesta ans Licht« geholt worden.

Warum, müsste man sich jetzt fragen, haben diese Leaks überhaupt zur Niederlage von Hillary Clinton beigetragen? Hätte die Clinton-Wahlkampftruppe und Hillary selbst eine weiße Weste, die geleakten E-Mails hätten ihr nicht schaden können. Bis heute hat übrigens niemand die Authentizität der ans Licht gebrachten E-Mails in Frage gestellt. Es erinnert frappant an jene dunkle Episode, in der die Ehefrau (oder Ehemann) von einem guten Freund über die Seitensprünge des Partners aufgeklärt wird. Wenn der Fremd gehende Ehepartner zur Rede gestellt wird, weist er mit dem Finger erbost auf den guten Freund und bezichtigt ihn, etwas im Schilde zu führen. Kommt es schließlich zur Scheidung, glaubt sich der betrügende Ehepartner betrogen und gibt die alleinige Schuld dem hinterlistigen Freund, weil der ihn verraten hätte. Sie sehen, im zwischenmenschlichen Bereich würden wir klar und deutlich sehen, was hier gespielt wird. In der Politik hingegen, da wird uns von den Medien oftmals ein X für ein U vorgemacht. Insider Craig Murray weiß davon ein Lied zu singen.

Bezüglich #PizzaTürUndTor schlagen die erbosten Wellen medial hoch. Sowohl von der einen als auch von der anderen Seite. Man kann gut erkennen, wie die einen alles, die anderen nichts sehen. Wie so oft liegt die Wahrheit dazwischen. Falls Sie ein wenig Starthilfe in dieses Verbrechensgenre benötigen, empfehle ich Ihnen die TV-Doku Conspiracy of Silence. Gucken Sie sich das an, so lange es noch erlaubt ist.

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Unnützes Wissen 2.0: »Die unterlegene Präsidentschaftskandidatin [Hillary Clinton] bezeichnet Falschmeldungen im Internet als Epidemie. Sie warnt mit drastischen Worten: Menschenleben seien in Gefahr«, heißt es in einem Artikel der Wochenzeitung Die Zeit. Dem kann man freilich nur zustimmen. Wir erinnern uns an die Falschmeldung bezüglich Saddam Husseins Massenvernichtungswaffen im Irak. Der dadurch entstandene Krieg kostete Millionen Menschen nicht nur die Existenz, sonder auch das Leben. Oder der Zwischenfall im Golf von Tonkin, der zwar niemals stattgefunden hat, aber trotzdem medial ausgeschlachtet wurde, um den Krieg in Vietnam vom Stapel zu lassen. Oder die Sache mit den kuwaitischen Babys, die von irakischen Soldaten aus den Inkubatoren gerissen und zu Boden geworfen wurden. Eine klassische Propaganda-Arbeit Washingtons, die den Weg für den ersten Irak-Krieg frei machte. Sie sehen, all diese Falschmeldungen (und noch viel, viel mehr), die der breiten Masse von gewählten Politikern und glaubwürdigen Medienhäuser als „Wahrheit“ bzw. „Tatsache“ verkauft wurden (und weiterhin werden), haben viele Menschenleben in Gefahr gebracht. Ich denke, das wollte uns Hillary Clinton zwischen den Zeilen sagen. Meinen Sie nicht auch?

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Unnützes Wissen 2.0: In der im Sommer 1995 ausgestrahlten Folge 6 (Staffel 12) von The Simpsons werden die Machenschaften einer Geheimgesellschaft amüsant aufs Korn genommen. Wirklich spaßig. Besonders jene Stelle, als der Hohepriester seine offizielle Ansprache beendet und die Initiierten laut jubelnd rufen:

»Und jetzt gehen wir Ping Pong spielen!«

Präsident Trump und der ‚meltdown‘ der westlichen Mainstream Medien

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Fakten statt Emotionen?

Er ist nun eine Woche her, der Wahlsieg von Donald J. Trump, aber die Gemüter der ›unabhängigen‹ links-liberalen Mainstream-Medien in Europa und den USA haben sich noch immer nicht beruhigt. Bestes Beispiel mag die Kolumne des Chefredakteurs B. im KURIER vom Samstag, 12.11.sein. Als ich das abgehobene und realitätsferne Geschreibsel las, fragte ich mich, welche bewusstseinsverengenden Substanzen so Redakteure zu sich nehmen. Die Berichterstattung bzw. Meinungsmache in den Zeitungen, wenn es um Donald Trump geht, schießt dermaßen übers Ziel hinaus, dass man glauben könnte, hier handelt es sich um eine Persiflage auf die Artikel bornierter und stiefelleckender Günstlinge des Establishments. Ausgewogenheit? Fehlanzeige. Es ist, als würden die Medienleute in einer Blase sitzen, die sie von der Außenwelt abschirmt. Dabei handelt es sich bei ihnen um intelligente Menschen, die für gewöhnlich in der Lage sind, jedes Geschehnis zu reflektieren, zu relativieren und in einen Kontext einzuordnen. Doch wenn es um Donald Trump geht brennen bei den Redakteuren die Sicherungen durch und sie gebärden sich wie uneinsichtige Kinder, die nicht wahrhaben wollen, dass der Weihnachtsmann nur eine Erfindung der Kommerzkultur ist.

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EM 2016: Spieltag 11 – Entscheidung Gruppe B

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Spieltag 11 der Europameisterschaft in Frankreich 2016
Entscheidung Gruppe B

SLOWAKEI : ENGLAND 0:0

Das war dann wohl eine der unansehnlichsten Partien dieser Europameisterschaft. Zum einen wollten die Slowakei nicht spielen – sie begnügte sich mit einem Unentschieden – zum anderen hatten die Engländer keine rechte Lust, eine Entscheidung am Platz herbeizuführen, da sie mit einem zweiten Gruppenplatz ganz gut Leben konnten. Gewiss, die Engländer hatten durchaus Chancen auf den Führungstreffer. Vardy, der neue Superstar der Premier League, vergab bereits eine Viertelstunde nach Anpfiff die beste Möglichkeit im Spiel: Nach einer weiten Flanke sprintete er auf Torhüter Kozacik zu, nur verfolgt von Skrtel, der Mühe hatte, an ihm dran zu bleiben, aber sein Abschluss geriet zu zentral und konnte deshalb von Kozacik abgewehrt werden. Nach einer Stunde Spielzeit hätte der gerade eingewechselte Delle Alli beinahe alles richtig gemacht, aber sein Schuss wurde von Skrtel auf der Linie geblockt. Das waren sie, die größten Chancen im Spiel – abgesehen vielleicht von einem Patzer in der englischen Hintermannschaft, der beinahe zum Tor geführt hätte, weil sich Tormann Hart und Innenverteidiger Smalling uneins waren. Aber Mak verhaute, im wahrsten Sinne des Wortes, diese gute Möglichkeit.

Trainer Roy Hodgson schickte gleich sechs neue Spieler von Beginn an aufs Feld und wechselte Rooney erst nach einer Stunde ein. Es ist müßig zu spekulieren, ob andere Spieler die Aufgabe besser gelöst hätten. Auffällig in diesem Match war jedenfalls die erschreckende Ideenlosigkeit der Engländer. Stur und unbelehrbar wollten sie sich durch das Zentrum kombinieren, aber gerade dort gab es kein Durchkommen, parkten die Slowaken den Mourinho-Bus am eigenen Strafraum und warfen sich in jeden Schuss. Die Flankenläufe, die vielleicht ein probates Mittel gewesen wären, wurden nach einer Weile völlig eingestellt. Wayne Rooney, der Alaba der Three Lions, fand nie wirklich ins Spiel und konnte deshalb keine Akzente setzen. Beängstigend, wie viele der von den Engländern geschlagenen weiten Bälle ins Nirgendwo gingen. Fällt das englische Team wieder in alte Muster zurück, damals, als ihnen der Spielgestalter, der Ideen- und Taktgeber fehlte? Rooney ist jedenfalls kein Iniesta, kein Pogba, kein Kroos – ob er es jemals werden kann, steht in den Sternen. Unter vorgehaltener Hand munkeln manche Fußballversteher, dass Rooney – wie seinerzeit Raul bei den Spaniern – die Weiterentwicklung der englischen Nationalmannschaft hemmen würde. Kann sein, muss nicht sein. Unbestreitbar ist jedoch der Umstand, dass Rooney in den britischen Medien eine gewichtige Rolle spielt.

Was werden wir also von den Engländern noch erwarten dürfen? Wenn sie Glück haben, spielen sie im Achtelfinale gegen Ungarn, wenn sie Pech haben, gegen Island. Eines liegt jedenfalls klar auf der Hand: Gegen eine disziplinierte tief stehende Defensive können ihre sprintstarken Spieler den Geschwindigkeitsvorteil nicht ausnützen – dann ist vielmehr Technik und Kombinationsspiel genauso gefragt wie Übersicht und Kreativität. Freilich, am Ende kann es auch reichen, wenn ein Sturridge den Ball ins Tor stolpert und Vardy glücklich abstaubt. Erinnern wir uns an die letzte Weltmeisterschaft, als sich Holland mit nur einem überzeugenden Spiel bis ins Halbfinale schummeln konnte. Warum sollte es England nicht ähnlich machen?

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RUSSLAND : WALES 0:3

Wer hätte noch zu Beginn der Europameisterschaft gedacht, dass Wales die Gruppenphase an erster Stelle abschließen würde? Natürlich hatte niemand die Waliser auf der Rechnung. Vermutlich auch deshalb, weil man das russische Team stärker einschätzte. Ach, die Russen. Sie gehören wohl zu den schwächsten Mannschaften dieser Europameisterschaft. Langsam kristallisiert sich heraus, dass die EM-Qualifikation der Österreicher so beeindruckend nicht gewesen ist, spielten doch die zwei schwersten Gegner in der Gruppe – Russland und Schweden – einen antiquierten Stehfußball.

Wales hat gezeigt, dass man mit Engagement und einem fitten Superstar fast jede Partie für sich entscheiden kann. Spielerisch können sie mit den Top-Teams freilich nicht mithalten – aber im Konterspiel und bei Freistößen sind sie dank Gareth Bale eine nicht zu unterschätzende Größe. Ob es reichen wird, die Überraschungsmannschaft der EM zu werden, bezweifle ich. Andererseits, wie war das seinerzeit, mit Holland und Arjen Robben?

EM 2016: Spieltag 6

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Spieltag 6 der Europameisterschaft in Frankreich 2016

RUSSLAND : SLOWAKEI 1:2

Vielleicht sollten die russischen Spieler ein Schusstraining bei Marek Hamšík absolieren. Während sein erster Schuss knapp neben das Tor strich, schlug sein zweiter ein wie ne Granate. Obwohl seine Schussposition an der linken Straufraumbegrenzungslinie gar nicht sonderlich ideal war, hämmerte er den Ball ins lange Kreuzeck. Muss man gesehen haben. Herrliche Schusstechnik. Etwa eine Viertelstunde früher setzte er Mitspieler Weiss mit einem langen Ball perfekt in Szene. Dass sich dabei die beiden russischen Innenverteidiger wie Schülerligabuben anstellten, zeigt einmal mehr, dass auch Fußballprofis nie gänzlich erwachsen werden. Weiss zirkelte jedenfalls den Ball ins lange Tormanneck. Führungstreffer. Gegen den Spielverlauf. Zwar übten sich die Russen im Verstolpern von Offensivaktionen und Torchancen, trotzdem hatten sie bis dahin mehr vom Spiel. Aber Ballbesitz kauft keinen Europameistertitel – die spanische Ausnahme bestätigt natürlich diese Regel.

In der zweiten Halbzeit – mit zwei Toren im Hintertreffen – versuchten die Russen noch mehr Offensivdrang zu entwickeln. Aber so oft sie auch in den Strafraum an den Ball kamen, irgendwie wirkte der Abschluss stümperhaft. Zwar wirkte die slowakische Abwehr zuweilen nicht gerade sattelfest, aber vor diesen Russen mussten sie sich nicht fürchten. Erst als Glushakov 10 Minuten vor Schluss doch noch der Anschlusstreffer gelang – nicht mit dem Fuß, versteht sich, sondern mit Köpfchen – gerieten die Slowaken ordentlich durcheinander. Mit angezogener Handbremse versuchten sie die Zeit runter zu spielen – ein Konzept, das bereits bei den Engländern ziemlich in die Hose ging. Dass es diesmal doch nicht mehr für den russischen Ausgleich reichte, dürfte am Ende dem schusstechnischen Unvermögen der Sbornaja zu verdanken sein. Ich gehen jetzt mal davon aus, dass sie einfach einen schlechten Tag hatten und im nächsten Spiel, gegen Wales, können sie beweisen, was in ihren Füßen steckt.

Die Slowaken überließen von Beginn an den Russen den Platz und warteten geduldig auf ihre Konterchance. Wie man sieht, ein durchaus praktikables Rezept, vorausgesetzt, man hat einen Hamšík in den eigenen Reihen. Im Großen und Ganzen haben die Slowaken nicht sonderlich überzeugt. Dass sie in der Lage sind, schnelle und flüssige Kombinationen zu spielen, haben sie hin und wieder aufblitzen lassen. Aber zumeist begnügten sie sich mit schnellen Vorstößen, ohne dabei ihr defensives Mittelfeld zu entblößen. Man darf gespannt sein, ob die Engländer in der Lage sein werden, dieses effiziente Konterspiel zu unterbinden. Spannung garantiert.

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RUMÄNIEN : SCHWEIZ 1:1

Den erhofften Schlagabtausch gab es dann doch nicht. Weil beide Mannschaften mit einem Unentschieden ganz gut leben konnten. Dabei hätte eigentlich der VFL Kosovo respektive die Eidgenossen in den ersten zwanzig Minuten alles klar machen können, aber Haris Seferovic vergab recht leichtfertig zwei Großchancen. Ein dummes Textilfoul im Strafraum – Übeltäter der sonst so erfahrene Stephan Lichtsteiner – führte zum Elfmeter und dem überraschenden Führungstreffer für die Rumänen. Alles in allem gefallen mir unsere westlichen Nachbarn recht gut – auch wenn noch nicht alles rund läuft, merkt man doch, dass die Mannschaft ein taktisches Konzept umsetzt. Zusätzlich haben sie auch noch versierte Techniker in ihren Reihen, die durchaus für eine spektakuläre Einzelleistung gut sind (siehe den seitlichen Scherenschlag von Xherdan Shaqiri: damit hätte er Schweizer Fußballgeschichte schreiben können, aber der Ball ging dann doch in die zweite Etage) und konditionell dürften sie keine Probleme haben.

So wie es aussieht, haben die Schweizer nun gute Chancen das Achtelfinale zu erreichen. Freilich, noch ist nichts in Stein gemeißelt, heißt der letzte Gegner doch Frankreich und bei diesem Namen werden in den Schweizer Köpfen mit Sicherheit unangenehme Erinnerungen wachgerufen. Eine erneut hohe Niederlage können sich die Schweizer jedenfalls nicht leisten, falls sie mit einem zweiten Platz liebäugeln, spielen doch die Rumänen ihr Finalspiel gegen Außenseiter Albanien. Spannend bleibt es allemal und das ist ja das Wichtigste, nicht wahr?

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FRANKREICH : ALBANIEN 2:0

Die Franzosen sind die neuen Türken der EM 2008. Auch diesmal konnten sie am letzten Drücker, also in den letzten Minuten der Spielzeit, den Sieg fixieren. Eine Stunde lang war es ein Spiel auf Augenhöhe. Wer hätte das gedacht? Ja, die Albaner kämpften beherzt gegen den recht ideenlos wirkenden Favoriten. Erst die Einwechselung von Pogba und Griezmann in der zweiten Hälfte brachte die Wende gegen immer müder werdende Albaner. Deren laufintensives Spielsystem zerrte an Lungen und Beinen. Aber man muss diese albanische Mannschaft gesehen haben, wie sie rackerte, wie sie lief, wie sie sich die eine oder andere Chance erspielte. Bewundernswert! Der italienische Trainer Gianni de Biasi wusste genau, mit welchem Konzept man spielstarke Teams Paroli bieten würde können. Gegen die Schweizer hatte es knapp nicht gereicht – weil der Ausschluss von Kapitän Lorik Cana durch ein dummes Handspiel nach 37 Minuten alle Pläne zunichte machte – und trotzdem, mit einem Spieler weniger, heizten sie den Schweizern immer wieder gehörig ein. Vielleicht, wer weiß, wäre Trainerfuchs de Biasi genau der Richtige für unser Nationalteam, das oftmals ohne Plan und System agiert. Ist es, weil sich einzelne freigeistige Spieler nicht an taktische Vorgaben halten wollen? Darüber wird an anderer Stelle noch zu schreiben sein. Albanien ist jedenfalls für mich eine ausgesprochen positive Überraschung bei dieser EM und erinnert mich bereits ein wenig an die vom bosnischen Trainer Vahid Halihodzic gecoachte algerische Mannschaft der WM 2014, die seinerzeit der Löw-Truppe die Stirn bieten konnte. Übrigens schrieb ich damals, dass der französische Verband Deschamps feuern und an seiner Stelle Halilhodzic engagieren sollte. Gehört hat mich leider – zum Glück? – niemand.

Die Franzosen haben sich mit dem Sieg nun einen Platz im Achtelfinale gesichert. Das nächste Spiel gegen die Schweiz könnte somit zu einem Trainingsspiel werden. Aber wie oft hat man bei Turnieren gesehen, dass jene Mannschaften, die zuvor ein unwichtiges Match herunterspielten und dabei Schlüsselspieler schonten, nicht mehr in den Realitätsmodus schalten konnten, weil die Spannkraft verloren gegangen ist? Bis jetzt haben die Franzosen jedenfalls zwei glückliche Arbeitssiege gegen defensiv ausgerichtete Teams auf ihrem Konto verbuchen können. Noch weiß aber niemand, ob die Equipe Tricolore auch gegen spielstarke und erfahrene Teams bestehen wird können. Erinnern wir uns an die WM 2012, als bereits so mancher Zuschauer die Franzosen als Geheimtipp auf den Lippen hatte, spielten sie doch in der Gruppenphase einen formidablen Fußball. Im Besonderen beeindruckten die fünf Tore gegen die Eidgenossen. Aber das deutsche Nationalteam zeigte den Franzosen im Viertelfinale die Grenzen auf – sang- und klanglos, ohne jemals wirklich ins Spiel zu kommen, mussten sie sich geschlagen geben. Ist die Mannschaft von Didier Deschamps nun reifer, abgeklärter, spielstärker? Ehrlich gesagt, als ein funktionierendes Team sehe ich sie noch immer nicht. Primär ist es die Qualität der einzelnen Spieler, die je nach Tagesverfassung im Alleingang Spiele entscheiden können. Ob es reicht, ein Turnier zu gewinnen, bezweifle ich. Aber noch haben Les Bleus zumindest zwei Spiele Zeit, um als Mannschaft zusammenzuwachsen. On y va.