richard k. breuer

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EM 2016: Spieltag 13 – Entscheidung GruppeE und F

EM-2016-Spieltag13

Spieltag 13 der Europameisterschaft in Frankreich 2016
Entscheidung Gruppe E und F

ITALIEN : IRLAND 0:1
SCHWEDEN : BELGIEN 0:1

ISLAND : ÖSTERREICH 1:2
UNGARN : PORTUGAL 3:3

Tja. Das war es also, mit der EM-Teilnahme der österreichischen Nationalmannschaft. Es ist schon verblüffend, dass es Trainer Marcel Koller von Beginn an mit einer defensiven Aufstellung versuchte. Ich hatte nach dem Spiel gegen Portugal einen ähnlichen Vorschlag gemacht – und darf mir zugutehalten, dass meine Überlegung vermutlich zielführender gewesen wäre. Während Koller jeden verfügbaren Defensivspieler auf den Platz stellte und die (noch nie gespielte) Formation 3-4-3 vorgab (die auf dem Platz eher wie eine 3-7-0 daherkam), wäre ich bei der bisher üblichen 4-2-3-1 geblieben, hätte aber Arnautovic in die Spitze gegeben, Alaba auf links gestellt und Schöpf als Junuzovic-Ersatz vorgesehen. Wie man in der ersten Hälfte gesehen hat, ist das Team nicht in der Lage, die Vorgaben einer neuer Formation zu erfüllen. Als Koller in der zweiten Hälfte wieder zur üblichen Aufstellung zurückkehrte, konnte man sofort erkennen, dass sich die Spieler wohler fühlten und damit auch ballsicherer wurden. Alles in allem hat mich die zweite Hälfte des Spiels gegen Island einigermaßen versöhnt, hat man – endlich, endlich – gesehen, dass die österreichische Nationalmannschaft sehr wohl in der Lage ist, auf internationalem Niveau Fußball zu spielen. In den anderen 5 Hälften wirkte das Spiel der Österreicher oftmals wie ein Monty Python Sketch: völlig surreal.

Koller hatte also die richtige Eingebung: Mittels Defensivtaktik und Aufbietung aller Defensivspieler soll wieder zur gewohnten Sicherheit zurückgefunden werden; ist das Selbstbewusstsein der Spieler einigermaßen im grünen Bereich angelangt, würde man die Offensivkräfte einwechseln und auf Angriff setzen. Aber wie so oft, wenn man die Lösung für ein großes Problem gefunden hat, übertreibt man in der Umsetzung. Natürlich kann ich im Nachhinein überlegen schreiben, dass der Lösungsansatz richtig, die Umsetzung jedoch falsch war – wäre beispielsweise Arnautovic nicht weggerutscht, hätte Dragovic den Elfer gemacht, hätte der Schiedsrichter das Foul im Strafraum gepfiffen, wäre der Schuss von Schöpf nicht abgewehrt worden, ich müsste den Hut vor Koller ziehen. Aber Tatsache ist, dass es nicht Wagemut war, der Koller veranlasste, die neue Defensivformation zu wählen, sondern Verzweiflung und Angst.

So rächt es sich, dass man es in Freundschaftsspielen verabsäumt hatte, neue Aufstellungsvarianten auszuprobieren. Andererseits braucht jedes Team eine Reihe von Spielen in einer fixen Aufstellung, um Vertrauen und Sicherheit zu gewinnen. Ein Dilemma, wenn man so will. Kann ich die Defensivtaktik Kollers gut nachvollziehen, so ist mir absolut unverständlich, warum er ein spanisches Offensivmittelfeldspiel mit Arnautovic, Alaba und Sabitzer aufziehen wollte. Dazu braucht es nicht nur ein grandioses Spielverständnis, sondern neben Disziplin auch eine gehörige Portion Spielerintelligenz. Dass diese Taktik nur in die Hose gehen kann, war eigentlich abzusehen – zumal Alaba in all seinen Spielen immer nur aus dem Rückraum agierte, nie an vorderster Front, zumal Arnautovic das Tempo aus dem Angriffsspiel generell herausnimmt und zumal Sabitzer – wollen wir es freundlich sagen – die internationale Klasse fehlt.

Der Führungstreffer der Isländer – ein Fehler im österreichischen Stellungsspiel – erinnerte frappant an jenen der Ungarn! Die erste Hälfte war jedenfalls zum Vergessen. Die Umstellung in der zweiten Halbzeit – Janko und Schöpf ersetzten mit Ilsanker und Prödl zwei Defensivkräfte – zurück zum gewohnten 4-2-3-1 mit Alaba neben Baumgartlinger im Zentrum und Schöpf als Spielmacher, ließ das Team wieder zur gewohnten Stärke zurückkehren. Plötzlich machten sie – vor allem über links – Druck, plötzlich gelangen die eingespielten Passkombinationen, plötzlich erwachte das verloren geglaubte Selbstbewusstsein, plötzlich merkte man als Außenstehender, dass ein Ruck durch die Mannschaft ging und all das beflügelte die Hoffnung, die man nach der grauenhaften ersten Halbzeit längst begraben hatte.

So wie es aussieht, werden sich Alaba & Co an dieser zweiten Halbzeit aufrichten können. Die Qualifikation zur WM 2018 steht bekanntlich vor der Tür. Dass sich die zwei Schwergewichte in unserer Gruppe – Irland und Wales – in das Achtelfinale gespielt und damit viel Selbstbewusstsein abgeholt haben, dürfte die Ausgangslage unseres Teams nicht gerade verbessern. Sei es wie es sei. Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Ach ja, bevor ich es vergesse: Natürlich sollte es Konsequenzen für das Versagen der Mannschaft geben. Wer auch immer den Job für die psychologische Betreuung der Mannschaft inne hatte, gehörte an die Luft gesetzt. Sofort!

Ungarn? Ein Fußballwunder! Bei dem Spiel gegen Portugal blieb einem der Mund vor Staunen offen. Gewiss, die Ungarn konnten befreit das Leder treten – waren sie bereits fix für das Achtelfinale qualifiziert, während die Portugiesen zumindest ein Unentschieden benötigten und bei einer Niederlage die Heimreise hätten antreten müssen. Da können die Nerven schon flattern. Sieht man sich die erste Stunde der Begegnung an, dann erkennt man sofort, dass die Ungarn die Seiten gut zustellten. Im Gegensatz zu den Österreichern, die die größten Probleme mit dem portugiesischem Flankenspiel hatten, ließen die Ungarn  nur selten Hereingaben von den Seiten zu. Den Ungarn gelang es immer wieder, den Ball laufen zu lassen und mit gutem Kombinationsspiel Offensivaktionen einzuleiten; die Portugiesen waren deshalb gezwungen, mehr für die Absicherung zu tun, weshalb sie weniger Beine für ihre Angriffsbemühungen zur Verfügung hatten. Auch waren die Ungarn im schnellen Offensivspiel gefährlich – ein Stangenschuss unterstreicht es. Gut möglich also, dass sie im Achtelfinale die Belgiern ärgern werden – so das ungarische Nervenkostüm hält. Vergessen wir aber auch nicht, dass es die Belgier sind, die in dieser Begegnung unter dem größtmöglichen Druck stehen. Der geheime Favorit soll gegen einen 40-jährigen Torhüter in Jogginghose straucheln? Unvorstellbar! Ja, das dachten sich 8 Millionen Österreicher auch.

Portugal? Es kann nur noch besser werden. Nach der blamablen Leistung in einer der schwächsten Gruppen dieser EM, könnte nun Ronaldo & Co zeigen, was sie wirklich drauf haben. Ihr Achtelfinalgegner Kroatien ist dummerweise mit allen Wässcherchen der Spielkunst gewaschen. Sollten die Portugiesen diese schwere Hürde nehmen, dann stehen sie wohl im Finale und keiner lacht mehr über den vergebenen Elfmeter von Ronaldo. Ja, so absurd kann Fußball sein.

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Belgien tat sich im Spiel gegen die Schweden recht schwer. Seltsam. Weil das Team rund um Ibrahimovic wohl zu den schwächsten dieser EM gehörte. In zwei Spielen gaben sie keinen einzigen (!) Schuss auf das gegnerische Tor ab. Möchte man nicht glauben, aber die Statistik lügt nicht. Mit dieser beschaulichen Leistung werden die Belgier gegen die Ungarn wohl keinen Stich machen. Spannung ist demnach am Rasen, nicht auf dem Papier, garantiert.

Italien? Irland? Man wird sehen, wie sich die beiden Betonmischer im Achtelfinale aus der offensiven Affäre ziehen werden. Ihre Gegner, Spanien und Frankreich, sollten vielleicht ein Abrissunternehmen anheuern, ansonsten wird es mit dem Tore schießen sehr, sehr schwer.

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EM 2016: Spieltag 8

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Spieltag 8 der Europameisterschaft in Frankreich 2016

ITALIEN : SCHWEDEN 1:0

Das ist sie also, die italienische efficienza – aus zwei Torchancen machten sie am Ende ein Tor und fixierten damit bereits – wie Frankreich und Spanien – den Aufstieg in das Achtelfinale. Dabei war die Azzurri im Spielaufbau weit weg von einer Normalform. Pässe in die Spitze – kurz oder lang – fanden keine Abnehmer; Abwehr- und Mittelfeldspieler übten sich über 90 Minuten lang in Fehlpässen – sogar Abwehrchef Chiellini – sonst ein Ruhepol in der Mannschaft – schenkte den Ball viele Male her. Auf der anderen Seite stand aber keine Mannschaft, die diese Fehler hätte ausnutzen können. Schweden war zu harmlos. Zwar ging die größte Gefahr von Ibrahimovic aus, aber über weite Strecken wurde er von der italienischen Abwehr entschärft und aus dem Spiel genommen. Deshalb ließ er sich oft zurückfallen und versuchte sich als Regisseur, als hängende Spitze, als Ballverteiler, aber damit fehlte wiederum der torgefährlichste Spieler im Strafraum – ein schwedisches Dilemma. Die Italiener wiederum kamen kaum ins Offensivspiel – vielleicht wollten sie es auch nicht erzwingen, konnten sie mit einem Unentschieden ganz gut leben. Aber dann, wie aus dem Nichts, setzte 8 Minuten vor Schluss Parolo einen Kopfball an die Latte. Eigentlich dachte man, das italienische Pulver wäre damit verschossen. No! Knapp vor Schluss nahm sich der gebürtige Brasilianer Eder ein Herz, ignorierte die halbe schwedische Mannschaft links und rechts, schob den Ball mit Effet in die lange Ecke und ließ ganz Italien jubeln.

Mir gefällt die italienische Mannschaft. Die jungen genauso wie die alten Spieler haben das Fußballerherz am rechten Fleck. Aber den Stiefel, den sie oftmals zusammenspielen, der geht auf keine Kuhhaut. Und trotzdem sind sie bereits nach zwei Spielen im Achtelfinale. Ist es am Ende die Europameisterschaft der abgebrühten Defensivmannschaften? Man wird sehen.

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TSCHECHIEN : KROATIEN 2:2

Ein Spiel, das vermutlich in die Geschichte der Europameisterschaftsspiele eingehen wird. Weil eine Viertelstunde vor dem Ende und beim Stand von 2:1 für die Kroaten, deren Fans Böller und Leuchtraketen auf das Spielfeld abfeuerten. Spielunterbrechung! Die kroatischen Spieler standen kopfschüttelnd und verständnislos vor dem Sektor ihrer randalierenden Fans und versuchten mit Gesten die Lage in den Griff zu bekommen. Ein Abbruch lag in der Luft. Zum Glück beruhigte sich die aufgeheizte Stimmung, konnte das Spiel fortgesetzt werden – aber zu welchem Preis! Die Tschechen – eigentlich chancenlos – schafften dann doch noch den überraschenden Ausgleich durch einen Elfmeter – Vida lenkte im Strafraum den Ball mit der Hand ab. Ein Unentschieden, das für die Tschechen nicht glücklicher hätte sein können. Weil sie über 75 Minuten lang nicht ins Offensivspiel kamen, keine einzige Torchance kreieren konnten. Im Gegensatz dazu wirbelten die Kroaten – angetrieben von Modric, Rakitic und Srna – und spielten die Tschechen im wahrsten Sinne des Wortes schwindlig. Dass die Führung der Kroaten nicht höher ausfiel, ist vermutlich ihrer Lässigkeit geschuldet. Bester Beweis dafür ist die frühe Auswechslung von Spielmacher Modric in der 62. Minute. Aber man möchte hier dem Trainer nicht die Schuld geben – niemand, nicht einmal der treuherzigste Tscheche, hätte auch nur eine böhmische Krone auf einen Anschlusstreffer gesetzt. Das 3:0 lag in der Luft, war zum Greifen nahe. Gut möglich, dass deshalb die kroatischen Spieler innerlich bereits den Aufstieg bejubelten und den Gegner nicht mehr auf der Rechnung hatten. So dürfte der Anschlusstreffer – ein perfekter Kopfball vom eingewechselten Skoda – die Kroaten völlig am falschen Fuß erwischt haben. Für die Tschechen war es ein Weckruf, aber ob dieser gereicht hätte? Ich gehe davon aus, dass die Kroaten die Führung über die Zeit gespielt und den Sieg nicht mehr aus der Hand gegeben hätten. Die Qualität dafür hatten sie allemal. Aber die Spielunterbrechung und der Anblick des Wahnsinns, den kroatische Fan-Chaoten auslösten, zeigte Wirkung. Man möchte nicht wissen, was in den Köpfen der kroatischen Spieler vor sich ging. Man stelle sich vor: Jene Menschen, die dich anfeuern, die dich um jeden Preis siegen sehen wollen, stoßen dir das Messer in den Rücken. Ob sich die Kroaten von diesem fußballerischen Dolchstoß erholen werden, bleibt abzuwarten. Im letzten Spiel geht es gegen bereits für das Achtelfinale qualifizierte Spanier, die vermutlich zeigen wollen, was in ihnen steckt, wenn man sie von der Leine lässt. Für die Europameisterschaft wäre es natürlich ein herber Verlust, sollten die Kroaten den Aufstieg verpassen, haben sie doch gezeigt, wie man Ball und Gegner mit Offensivfußball laufen lässt.

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SPANIEN : TÜRKEI 0:3

Hola. Da sind sie also wieder, die selbstbewussten Spanier, die drauf und dran sind, den dritten Europameistertitel in Folge nach Hause zu bringen. Aber haben die bisherigen zwei Spiele wirklich gezeigt, was die Mannschaft von Del Bosque kann? Im ersten Spiel ging es gegen defensivst ausgerichtete Tschechen, die nur in den Schlussminuten gefährlich vor das spanische Tor kamen, ansonsten mit Mann und Maus verteidigten. Das gestrige Match wiederum zeigte, was geschieht, wenn man einer der spielstärksten Mannschaften Raum und Platz gewährt, während man selber nicht in der Lage ist, mit aggressivem Pressing und offensiven Aktionen Gegendruck zu erzeugen. Die Türken waren zwar anfänglich gewillt, nach vorne zu spielen, aber sie wollten ihre Defensive nicht entblößen. Löblich. Aber dieses halbherzige Spiel – nicht Fisch, nicht Fleisch – bereitete der spanischen Verteidigung kein Kopfzerbrechen. Folglich konnten die Spanier ihr Kombinationsspiel aufziehen und zeigen, wie man’s richtig macht. Es hätte gestern Abend knüppeldick für die Türken kommen können, aber ich schätze, die Spanier schalteten nach dem dritten Tor gedanklich einen Gang zurück und ließen ihren Gegner am Leben.

Wahrlich, die Truppe von Fatih Terim zeigte in den beiden Spielen äußerst wenig. Überhaupt wirkten die Spieler müde und ausgelaugt. Es fehlte der Biss. Kein Vergleich zu jener Mannschaft, die bei der EM 2008 bis zur letzten Minute kämpfte, kein Spiel aufgab und deshalb die unglaublichsten Partien noch gewinnen konnte. Alles in allem gehören die Türken zu den schwächsten Teams dieser Europameisterschaft. Habe ich bereits erwähnt, dass der/die türkische Auswärtsdress Augenkrampf verursacht? Schmerz lass nach.

EM 2016: Spieltag 4

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Spieltag 4 der Europameisterschaft in Frankreich 2016

SPANIEN : TSCHECHIEN 1:0

Bis zur 87. Minute war es für beide Mannschaften nur eine Trainingseinheit. Die Tschechen hatten die Vorgabe, den Laden dicht zu machen und die Spanier, den Sack zuzumachen. Fußballspiel war es demnach keines. Dass die Tschechen durchaus gefährlich werden konnten, zeigten sie vielleicht zwei oder drei Mal in den 90 Minuten. Somit dürften sie das Angriffsspiel sehr wohl beherrschen. Die Spanier wiederum praktizierten das allseits bekannte Ballgeschiebe spielstarker Favoriten vor dem gegnerischen Strafraum und suchten die Lücke in den Verteidigungslinien. Das Ganze erinnerte frappant an das Spiel der Deutschen gegen die Ukraine, die ebenfalls tief gestaffelt alle Angriffsbemühungen zu vereiteln suchte. Dass ausgerechnet Innenverteidiger Piqué das entscheidende Tor für Spanien knapp vor Schluss erzielte, ist bezeichnend – schließlich hatte er die längste Zeit nichts zu tun. Zwei recht gute Chancen der Tschechen – einmal rettete Fàbregas auf der Linie in extremis, das andere Mal stand Goalie de Gea goldrichtig – möchte ich natürlich nicht unter den Teppich kehren. Es hätte demnach auch anders kommen können. Das wäre dann zwar ungerecht gewesen, aber, hey, so ist Fußball: Wer die Tore nicht schießt, der …

In der nächsten Begegnung treffen die Spanier auf die Türkei. Wir dürfen uns auf eine weitere Trainingseinheit freuen. Schützenfest nicht ausgeschlossen. Im Gegensatz dazu wird das Spiel Kroatien gegen Tschechien ein heißer Tanz. Rieche ich hier bereits einen offenen Schlagabtausch?

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IRLAND : SCHWEDEN 1:1

Also, die erste Halbzeit vergessen wir jetzt mal besser. Da gab es nicht viel Fußball zu sehen. Gut, die Iren versuchten es wenigstens und knallten den Ball mit Gefühl sogar an die Latte. Aber sonst war es eine verhaltene, nervöse, zerfahrene Kickerei. Gottlob schlenzte Wes Hoolahan Minuten nach Wiederbeginn den Ball wunderschön in die lange Ecke. Das Tor weckte endlich die schwedischen Geister und von da an liefen Ball und Beine. Die schwedischen Angriffsversuche wurde schließlich belohnt. Mittendrin und irgendwie auch nur dabei: Superstar Ibrahimovic. Sein Querpass köpfte Ciaran Clark ins eigene Tor. Ausgleich. Nun war es ein offener Schlagabtausch im Kleinformat – beide Mannschaften wollten den Siegestreffer erzielen, beide Mannschaften rackerten und kämpften bis zum Abpiff. Freilich, spielerisch konnten sowohl die Schweden als auch die Iren nicht sonderlich überzeugen. Die Stärke, vor allem der Iren, liegt nun mal darin, aus einer gesicherten Abwehr die Entscheidung herbeizuführen. Wir dürfen nicht vergessen, dass die Iren mit Deutschland und Polen in der Gruppe D der EM-Qualifikation waren. Nicht nur, dass sie der Löw-Truppe eine Niederlage beibringen konnten, erhielten sie auch die wenigsten Tore in dieser Gruppe. Italien und Belgien, die nächsten Gegner, werden alles aufbieten müssen, um das irische Catanaccio zu knacken. Die Schweden wiederum hatten den Kampfgeist am rechten Fleck und ließen sich durch den Führungstreffer nicht aus der Verfassung bringen. Sie präsentierten sich als eine robuste und kompakte, aber zuweilen ideenlose Mannschaft, frei nach dem Motto: Ibra wird’s schon richten.

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BELGIEN : ITALIEN 0:2

Hola. Das war mal ein Spiel nach meinem Geschmack. Die beiden Mannschaften schenkten sich nichts. Belgien – seit der WM 2014 der geheimste aller geheimen Favoriten – machte gegen Italien von Beginn an Druck. Mit technisch versierten Spielern wie Hazard, De Bruyne oder Witsel konnten sie das eine oder andere Mal die gegnerische Fünferkette in Verlegenheit bringen. Es war schon imposant, was die routinierte (und bereits angegraute) Hintermannschaft des italienischen Teams leistete. Goalie Buffon, mit 38 Lenzen, möchte wohl noch den Altersrekord von Torhüterlegende Dino Zoff brechen, der sich ja noch mit 40 gegen die Angriffe stemmte (freilich konnte er sich damals auf die weltbeste Betonabwehr verlassen). Gianluigi Buffon dirigierte seine Vorderleute, feuerte sie an und konnte auch noch die eine oder andere brenzlige Situation meistern. Respekt.

Die beiden Formationen der Italiener überraschten mich dann doch: ein 5-3-2 im Defensiv-, ein 2-5-3 im Offensivspiel. Noch mehr überraschte mich aber, dass die Italiener schnörkellos und überfallsartig nach vorne spielten. So probierten sie es sowohl mit schnellem Kurzpassspiel als auch mit langen Bällen, um die belgische Abwehr auszuhebeln und hin und wieder blitzte eine unglaubliche Spielkombination auf. Leider verschenkten sie beim Vorwärtsspiel immer wieder leichtfertig die Bälle und leiteten so gefährliche Gegenstöße der Belgier ein. Wäre Lukaku abgebrühter gewesen, hätte er die größte Chance im Spiel verwertet. Das Konterspiel, das diese Chance erst ermöglichte, gehört jedenfalls in jedes Schulbuch für angehende Fußballprofis: mustergültig in Szene gesetzt, über drei Stationen gehend und im Vollsprint ausgeführt. Herrlich zum Anschauen. Apropos. Den Führungstreffer der Italiener konnte man sich auch auf der Zunge zergehen lassen: Weite Flanke von Bonucci in den Strafraum, über die Köpfe der belgischen Abwehr, der kleine Giaccherini nimmt den Ball mit links an und schlenzt ihn mit dem rechten Fuß ins lange Eck. Bravo!

Wer sich nun dachte, dass die Italiener nach dem Führungstreffer mit Mann und Maus verteidigen und Beton anrühren würden, der irrte. Kamen sie in Besitz des Balles, versuchten sie erst gar nicht, das Spiel durch langweilige Querpässe zu beruhigen, sondern sie schalteten fulminant in die Offensive. Wie bereits erwähnt, immer wieder schlichen sich dabei dumme Abspielfehler oder Ballverluste ein – drei Mal musste deshalb die mit einer gelben Karte geahndete Notbremse gezogen werden, um einen gefährlichen Gegenstoß zu verhindern. Das kann auch mal ins Auge gehen.

Die nächsten beiden Begegnungen werden zeigen, wie sich die Squadra Azzurra gegen defensiv ausgerichtete Mannschaften schlägt. Tore schießen können sie jedenfalls. Der Sieg hat mit Sicherheit den Spielern und den Fans das verlorene Selbstbewusstsein zurückgegeben und ich gehe davon aus, dass ein italienischer Frühling vor der Tür steht und das Pensionsantrittsalter für Torhüter und Verteidiger erhöht wird.

Und Belgien? Die Niederlage zeigte einmal mehr, dass spielerische Überlegenheit keinen Pokal nach Hause bringt. Andererseits, wären die Belgier im Strafraum konsequenter, abgebrühter gewesen, hätten sie einen Stürmer mit Killerinstinkt in ihren Reihen gehabt, die Sache wäre vielleicht ganz anders verlaufen. Dass die belgische Mannschaft das Potenzial hat, jeden Gegner zu schlagen, hat man bereits vor der EM gewusst, und dass sie die nächsten beiden Spiele – Irland und Schweden – für sich entscheiden werden, steht außer Frage. Aber reicht es, um weiterhin als Geheimfavorit zu gelten?

EUROVision Song Contest 2015: FINALE #ESC

Ja, die Sache mit dem Copyright

Ja, ja, die Sache mit dem Copyright.

update: So haben Juroren und Publikum abgestimmt! LINK

Yep. Die Pop-Überflieger ABBA wussten es bereits in den 1980ern: The Winner takes it all. Ihr Landsmann Måns Zelmerlöw gewann für Schweden das große Finale des europäischen Gesangswettbewerbs. Ziemlich klar auch noch dazu. Nur der russische und der italienische Beitrag konnten anfänglich dagegen halten. Aber am Ende setzt sich nun mal Qualität durch. Wirklich? Nope. Natürlich nicht. Das war ein Witz. Wenn Sie ernsthaft an dieses Märchen glauben, gehen Sie womöglich mit Lipizzaner-Scheuklappen durch die Welt da draußen. Jede Massenveranstaltung – Betonung liegt dabei auf Masse – wird von den Veranstaltern auf den Millimeter geplant. Überraschungen gibt es nur dann, wenn die Macher im Hintergrund eine solche zulassen wollen. Falls Sie mir nicht glauben, schlagen Sie nach bei Sigmund Freuds Neffe Edward Bernays und lesen Sie in seinem in den USA im Jahre 1928 erschienenem Werk Propaganda, wie wichtig es für die Elite ist, die Masse zu lenken und zu führen.

»Unsere muss eine Herrschafts-Demokratie sein, administriert von der gebildeten Minderheit, die weiß, wie man die Massen kontrolliert und führt«.

Mit anderen Worten, die europäische Song-Contest-Veranstaltung ist nichts anderes als gut gemachte Massen-Manipulation. Denn egal, ob Sie sich für den Event interessierten oder nicht – Sie hatten keine Chance, nicht nicht an dieses Ereignis erinnert zu werden. Längst ist der Mainstream-Medien-Apparat übermächtig und gibt vor, worüber wir zu reden und nachzudenken haben.

Zurück zum Singsang-Biz. Der österreichische und der deutsche Beitrag gingen ohne Punkte nach Hause. Hm. Derweil fackelten wir Ösis sogar das Klavier auf der Bühne ab. Der brennende Dornenbusch rund um einen Jünger Jesu lockte keinen Zuschauer hinterm Smartphone hervor. Ja, nicht einmal die erzkatholischen Italiener oder Polen oder Iren (okay, seit gestern müssen Sie diese von der Liste streichen) beschenkten uns für diese Darbietung mit einem Pünktchen. Enttäuschend. Einziger Trost, wie so oft, ist das geteilte Leid mit Deutschland. Das war bekanntlich vor vielen Jahrzehnten nicht anders, wenn ich mich recht erinnere. Kann mich aber auch täuschen.

Musikalisch fand ich den Beitrag von Zypern äußerst gelungen. Sehr sympathische Old-School-Trällerei. Der Mann hat – in meinen Ohren – eine formidable Stimme. Im Gegensatz dazu haben mich die zwei drei kleinen Italiener nicht gerade von der Couch geworfen. Macht nix, die Tenöre haben ihre Fangemeinde und das ist ja bekanntlich alles, was zählt, im Musik-Biz, nicht? Der Beitrag von Slowenien hat mir übrigens auch gefallen, Kopfhörer hin oder her. Und die ungarische Gesangstruppe erinnerte seltsamerweise mehr an Irland als an Ungarn.

Zu guter Letzt stellt sich mir die Frage, woher die Buchmacher wussten, dass es ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Schweden und Russland geben würde. Ist mir schleierhaft. Zugegeben, die beiden Gesangsstücke sind nicht schlecht, aber sind sie um so vieles besser als all die anderen? Ja, wie verflixt noch mal können Journalisten und Buchmacher überhaupt den musikalischen Geschmack Europas auf die letzte Note kennen? Ist mir ein großes Rätsel. Gestern wusste ich noch nicht mal, wo Aserbaidschan liegt oder dass Georgien guten Wein produziert oder dass die geographische Grenze Europas nicht klar definiert ist und ziemlich weit nach Osten reicht. Früher einmal, lange ist es wohl her, lernte ich, dass die eine Hälfte von Istanbul in Europa, die andere in Asien liegt. Am Bosporus schieden sich nicht nur die Geister, sondern auch die Kontinente. Erst mit der Zerbröckelung der UdSSR in den 1990ern wurden die Grenzen neu gezogen – man reiche mir ein Lineal!

Also. Haben Sie eine Erklärung, wie die Wettquoten und Favoriten für diesen Wettbewerb zustande kamen? Und ist es nicht ein wenig schockierend, zu erfahren, dass Italien, Belgien, Polen und Australien dem späteren Siegerlied die maximalen Punkte gab? [Hier die Liste] Ich meine, ist es vorstellbar, dass Polen und Australier, Belgier und Italiener den gleichen Musikgeschmack haben?

Dass die Punktevergabe irgendwie mit den nachbarschaftlichen Beziehungen zu tun haben soll, hört man ja immer wieder. Die Indizien sprechen eine klare Sprache, dass dem tatsächlich so ist (okay, sehen wir mal von der Ösi-Piefke-Hassliebe ab). Mit anderen Worten, die Leutchen, die zum Telefon gegriffen haben – vermutlich aber auch die Jury-Mitglieder – stimmten aus persönlich-geographischen Gründen, nicht unbedingt aus musikalischen. Somit bleibt am Ende des Tages nur der Gedanke, dass die Qualität des Gesangsmaterials so gut wie wurst ist. Anders gefragt: Hätte Zypern das schwedische Lied im Programm gehabt, hätte man sie gewinnen lassen?

P.S.: Wie mir gerade aufgefallen ist, haben einige Länder aus finanziellen Gründen am Song-Contest 2015 nicht teilgenommen, beispielsweise Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Andorra oder Luxemburg (Bankenkrise?). Wir sehen: Am Ende regiert immer noch das Geld, nicht die Musik. Kurz: Wer zahlt, schafft an, darf singen.

EM 2012 – Spieltag 12 – ENG : UKR und SWE : FRA – Wembley im Jahre 2012

England : Ukraine 1:0       Schweden : Frankreich 2:0

Ich bin nicht amused. Nope. Ich bin stinkesäuerlich. Weil ich um 30 Minuten gebracht worden bin, die an Spannung und Dramatik wohl kaum mehr zu überbieten gewesen wären. Ein Schuldiger ist freilich schnell ausgemacht: der ungarische Schiedsrichter und seine Helferlein.

Für die Franzosen ging es im Spiel gegen die Schweden um nicht viel. Es sei denn, die Ukraine hätte die Engländer mit einem Tor besiegt und die Franzosen ihrerseits hätten mit zwei Toren Differenz verloren. Vor den beiden Spielen konnte niemand wirklich an solch eine Konstellation glauben, deshalb dürften die Franzosen eher lustlos aufgelaufen sein. Überhaupt ist eines der unerklärlichen Phänomene diese berühmt berüchtigte Lustlosigkeit in der französischen Nationalelf, die sich – dann und wann – in den Köpfen der Spieler festsetzt. Von außen betrachtet sieht es danach aus, als wären die Spieler müde, konditionell nicht auf der Höhe. Aber damit hat es nichts zu tun. Die Franzosen, diese Grande Nation, mit ihrem beinahe unerschöpflichem Spieler-Reservoir (aus den ehemaligen Kolonien), bildeten in den letzten Jahren keine Einheit mehr. Ähnlich wie bei den Niederländern besteht die Mannschaft aus Einzelspieler, mit deren Teamgeist es nicht weit her ist, wenn es einmal nicht läuft. Diese Lustlosigkeit frisst sich wie ein Virus von einem zum anderen. Als Zuschauer ist es eine Katastrophe, solch Spiele beizuwohnen, in denen sich eine Mannschaft völlig aufgibt. Aber nicht, weil sie es nicht besser könnte, sondern einfach, weil ihr Feuer erloschen ist. Ein wenig erinnert es an den Film Rocky III, als sein (schwarzafrikanischer) Trainer meinte, es fehle ihm, Rocky, das Auge des Tigers. Mit anderen Worten: er solle von seinem hohen Ross heruntersteigen und wie anno dazumal in den schäbigen Vierteln trainieren, statt eine Pressekonferenz nach der anderen zu geben. Ja, so ähnlich verhält es sich mit den Franzosen. Oui, oui. Haken wir also das Spiel ab und sehen uns an, wie sie gegen die Spanier agieren werden. Dabei habe ich kein gutes Gefühl. Die mentale Stärke der Kroaten oder Italiener haben die Franzosen noch lange nicht. Und ein Team sind sie noch immer nicht. Gegen eine lächerlich schwache englische Mannschaft, gegen eine zaudernde Ukrainische Mannschaft kann man leicht gewinnen (oder wenigstens nicht verlieren), aber gegen Spanien, meiner Seel, der gute Napoléon dreht sich im Grab um – haben ihm schon damals die Iberer ordentlich Feuer unterm Hintern gemacht.

Now something completely different. Das Spiel England gegen die Ukraine müsste ein dramatisches werden, sagte ich mir. Weil die Heimmannschaft nur mit einem Sieg den Aufstieg schaffen konnte. Die Spieler der Ukraine hatten nichts mehr zu verlieren. Und die Engländer? Ihr Defensiv-Bollwerk ärgerte mich schon in den letzten beiden Spielen – freilich, gegen die Schweden zeigten sie, dass sie aus wenigen Chancen viele Tore machen konnten. Ich war also auf das Äußerste gespannt. Tja. Die erste Halbzeit eine große Enttäuschung. Weil die Engländer auch gegen die Ukraine Beton anrührten, und gerade einmal mit einer Kopfball-Chance aufwarten konnten, mehr war eigentlich offensiv nicht zu sehen. Im Gegensatz dazu bemühten sich die Spieler der Ukraine, aber gegen diesen englischen Beton gab es kaum ein Durchkommen. Weitschüsse waren ein probates, aber leider ineffizientes Mittel. Trotzdem gefiel mir das Spiel der Ukraine. Sie rackerten, liefen, mühten sich – auch ohne Shevtchenko oder Woronin, die nur auf der Ersatzbank Platz nehmen durften bzw. mussten.

Die englische Nationalelf spielte grottig. Es war erbärmlich, wirklich. Wäre es die Mannschaft aus Trinidad Tobago, die sich vor ihrem Strafraum einigelte, ich würde es verstehen. By the way: Wer erinnert sich an den mühsamen Sieg der Engländer gegen die frech aufspielende Mannschaft aus Trinidad Tobago zur WM 2010? Da musst schon ein irreguläres Tor von Crouch in der 83. Minute herhalten! Einwohnerzahl des Inselstaates: 1,3 Millionen. Soviel mal dazu. Jedenfalls, die Engländer, trotz eines Rooneys, spielten nicht, sie standen nur herum und im Weg. Wenn eine Mannschaft mit solch einer Taktik die Europameisterschaft gewinnen möchte, gehörte sie eigentlich sofort disqualifiziert. Aber die Götter des Olymp, die sich schon für die griechische Zementfabrik erwärmen konnten, hatten wohl auch ein Herz für englische Bauarbeiter. Manchmal kann das (Fußballer)Leben ganz schön ungerecht sein. Yes, yes.

In der zweiten Halbzeit, als ich auf einen Führungstreffer der Ukraine hoffte, das die Engländer vielleicht wachgerüttelt hätte, geschah das genaue Gegenteil: Rooney köpfte ungehindert einen Abpraller ins Tor. Tja. Dumm gelaufen. Jetzt brauchte die Ukraine schon zwei Tore. Gewiss, sie hätten sich – wie die Polen – aufgeben können. Aber sie taten es nicht. Sie packten die Brechstange aus und stürmten auf Teufel komm raus. Das lässt freilich das Herz eines jeden echten Fußballfans höher schlagen. Das wollen wir sehen: Leidenschaft! Kraft! Wille! Kein Trainingsspiel für gestresste Top-Verdiener.

Also, die Spieler der Ukraine brandeten brav nach vorne, aber vor dem Strafraum war meist Schluss mit lustig. Die Engländer standen immer mit einem Bein im (Schuss)Weg. Dann setzte einer der Stürmer den Kopfball aus rund 4 Metern über das Tor. Blöd. Aber es kam freilich noch dicker: Der Stürmer Devic taucht allein vor dem englischen Torhüter auf, der sich aber nicht völlig düpieren lässt und fälscht den Schuss noch ab. Der Ball fällt im hohen Bogen ins Tor. Aber dort knallt ihn ein zurückeilender Terry wieder hinaus. Die Spieler der Ukraine bejubeln das Tor. Die Engländer spielen weiter. Und der Schiedsrichter? Rührt kein Ohrwaschel! Ach, wieder haben wir diese leidige Situation, die damit endet, dass man sich fragt: »War der Ball nun hinter der Torlinie oder nicht?« – Aus den TV-Wiederholungen dürfte hervorgehen, dass der Ball – mit vollem Umfang – hinter der Torlinie war. Aber nutzt das jetzt etwas? Das Tor wurde nicht gegeben, trotz des Torrichters, der extra dafür von der UEFA abgestellt wurde. Ironischerweise war es ja gerade dieser berühmt-berüchtigte Lattenpendler der Engländer, im WM-Spiel 2010 gegen Deutschland, welches den Ausschlag gab, Torrichter zu installieren. Mit der gestrigen Fehlentscheidung sollte man die Torrichter wieder in Pension schicken.

Hätte das Tor gegolten, hätte die Ukraine den Ausgleich gemacht, dann hätte es noch eine dramatische Endphase gegeben. Ja, so eine Fehlentscheidung ärgert mich immer dann am meisten, wenn damit dem Spiel der Zahn gezogen wird. 2010 waren die Engländer noch eine Mannschaft, die es wissen wollten (wenn es um die Wurst ging). Hätten sie den Ausgleich gegen die Deutschen gemacht (besser: wäre das Tor gegeben worden), die englische Fußballwelt würde ganz anders aussehen. Das ist ja das Schlimmste, dass niemand solche Fehlentscheidungen wieder gut machen kann. In vielen Spielen ist es eigentlich nur nebensächlich. Aber hin und wieder muss eine Mannschaft und ein Land wohl für lange Zeit an ihrem Unglück knabbern. Hätte der Schiedsrichter zur EM 2008 nicht das Abseitstor der Kroaten gegen unsere Österreicher gegeben, wer weiß, wer weiß. Der Witz an der Sache ist natürlich, dass wir nie wissen können, was am Ende wirklich geschehen wäre. Die Deutschen hätten gegen die Engländer, die Kroaten gegen die Österreicher trotzdem gewinnen können, es wäre demnach alles beim Alten geblieben. Und doch spu(c)kt in all unseren Köpfen, die es livehaftig miterlebt haben, diese Möglichkeitsform im Gedächtnis herum. Das ist dieser schmerzende Dorn, der im Fleisch sitzt und der eine weitere, normale Entwicklung nicht zulässt, bis eine neue Generation heranwächst, die mit dieser Fehlentscheidung nichts mehr zu tun hat. Das heißt, es müssen Jahre vergehen.

Ja, so ist das, im Leben wie im Fußball. Jeder steckt eine Niederlage weg (sie macht uns stärker!), aber kaum einer, der eine ungerechte Entscheidung hinnehmen kann – sei es durch das Schicksal, sei es durch den Schiedsrichter. Apropos Schicksal. Ich lese gerade das (scheinbar umstrittene) Buch von Joachim Fernau »Deutschland, Deutschland über alles … – Von Anfang bis Ende«. Vielleicht verstehe ich dann die teutonische Seele ein wenig besser. Ob es hilft, dass ich der Löw-Truppe die Daumen drücke, gegen die Griechen? Schau’ma mal.