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EM 2016: Spieltag 4

EM-2016-Spieltag4

Spieltag 4 der Europameisterschaft in Frankreich 2016

SPANIEN : TSCHECHIEN 1:0

Bis zur 87. Minute war es für beide Mannschaften nur eine Trainingseinheit. Die Tschechen hatten die Vorgabe, den Laden dicht zu machen und die Spanier, den Sack zuzumachen. Fußballspiel war es demnach keines. Dass die Tschechen durchaus gefährlich werden konnten, zeigten sie vielleicht zwei oder drei Mal in den 90 Minuten. Somit dürften sie das Angriffsspiel sehr wohl beherrschen. Die Spanier wiederum praktizierten das allseits bekannte Ballgeschiebe spielstarker Favoriten vor dem gegnerischen Strafraum und suchten die Lücke in den Verteidigungslinien. Das Ganze erinnerte frappant an das Spiel der Deutschen gegen die Ukraine, die ebenfalls tief gestaffelt alle Angriffsbemühungen zu vereiteln suchte. Dass ausgerechnet Innenverteidiger Piqué das entscheidende Tor für Spanien knapp vor Schluss erzielte, ist bezeichnend – schließlich hatte er die längste Zeit nichts zu tun. Zwei recht gute Chancen der Tschechen – einmal rettete Fàbregas auf der Linie in extremis, das andere Mal stand Goalie de Gea goldrichtig – möchte ich natürlich nicht unter den Teppich kehren. Es hätte demnach auch anders kommen können. Das wäre dann zwar ungerecht gewesen, aber, hey, so ist Fußball: Wer die Tore nicht schießt, der …

In der nächsten Begegnung treffen die Spanier auf die Türkei. Wir dürfen uns auf eine weitere Trainingseinheit freuen. Schützenfest nicht ausgeschlossen. Im Gegensatz dazu wird das Spiel Kroatien gegen Tschechien ein heißer Tanz. Rieche ich hier bereits einen offenen Schlagabtausch?

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IRLAND : SCHWEDEN 1:1

Also, die erste Halbzeit vergessen wir jetzt mal besser. Da gab es nicht viel Fußball zu sehen. Gut, die Iren versuchten es wenigstens und knallten den Ball mit Gefühl sogar an die Latte. Aber sonst war es eine verhaltene, nervöse, zerfahrene Kickerei. Gottlob schlenzte Wes Hoolahan Minuten nach Wiederbeginn den Ball wunderschön in die lange Ecke. Das Tor weckte endlich die schwedischen Geister und von da an liefen Ball und Beine. Die schwedischen Angriffsversuche wurde schließlich belohnt. Mittendrin und irgendwie auch nur dabei: Superstar Ibrahimovic. Sein Querpass köpfte Ciaran Clark ins eigene Tor. Ausgleich. Nun war es ein offener Schlagabtausch im Kleinformat – beide Mannschaften wollten den Siegestreffer erzielen, beide Mannschaften rackerten und kämpften bis zum Abpiff. Freilich, spielerisch konnten sowohl die Schweden als auch die Iren nicht sonderlich überzeugen. Die Stärke, vor allem der Iren, liegt nun mal darin, aus einer gesicherten Abwehr die Entscheidung herbeizuführen. Wir dürfen nicht vergessen, dass die Iren mit Deutschland und Polen in der Gruppe D der EM-Qualifikation waren. Nicht nur, dass sie der Löw-Truppe eine Niederlage beibringen konnten, erhielten sie auch die wenigsten Tore in dieser Gruppe. Italien und Belgien, die nächsten Gegner, werden alles aufbieten müssen, um das irische Catanaccio zu knacken. Die Schweden wiederum hatten den Kampfgeist am rechten Fleck und ließen sich durch den Führungstreffer nicht aus der Verfassung bringen. Sie präsentierten sich als eine robuste und kompakte, aber zuweilen ideenlose Mannschaft, frei nach dem Motto: Ibra wird’s schon richten.

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BELGIEN : ITALIEN 0:2

Hola. Das war mal ein Spiel nach meinem Geschmack. Die beiden Mannschaften schenkten sich nichts. Belgien – seit der WM 2014 der geheimste aller geheimen Favoriten – machte gegen Italien von Beginn an Druck. Mit technisch versierten Spielern wie Hazard, De Bruyne oder Witsel konnten sie das eine oder andere Mal die gegnerische Fünferkette in Verlegenheit bringen. Es war schon imposant, was die routinierte (und bereits angegraute) Hintermannschaft des italienischen Teams leistete. Goalie Buffon, mit 38 Lenzen, möchte wohl noch den Altersrekord von Torhüterlegende Dino Zoff brechen, der sich ja noch mit 40 gegen die Angriffe stemmte (freilich konnte er sich damals auf die weltbeste Betonabwehr verlassen). Gianluigi Buffon dirigierte seine Vorderleute, feuerte sie an und konnte auch noch die eine oder andere brenzlige Situation meistern. Respekt.

Die beiden Formationen der Italiener überraschten mich dann doch: ein 5-3-2 im Defensiv-, ein 2-5-3 im Offensivspiel. Noch mehr überraschte mich aber, dass die Italiener schnörkellos und überfallsartig nach vorne spielten. So probierten sie es sowohl mit schnellem Kurzpassspiel als auch mit langen Bällen, um die belgische Abwehr auszuhebeln und hin und wieder blitzte eine unglaubliche Spielkombination auf. Leider verschenkten sie beim Vorwärtsspiel immer wieder leichtfertig die Bälle und leiteten so gefährliche Gegenstöße der Belgier ein. Wäre Lukaku abgebrühter gewesen, hätte er die größte Chance im Spiel verwertet. Das Konterspiel, das diese Chance erst ermöglichte, gehört jedenfalls in jedes Schulbuch für angehende Fußballprofis: mustergültig in Szene gesetzt, über drei Stationen gehend und im Vollsprint ausgeführt. Herrlich zum Anschauen. Apropos. Den Führungstreffer der Italiener konnte man sich auch auf der Zunge zergehen lassen: Weite Flanke von Bonucci in den Strafraum, über die Köpfe der belgischen Abwehr, der kleine Giaccherini nimmt den Ball mit links an und schlenzt ihn mit dem rechten Fuß ins lange Eck. Bravo!

Wer sich nun dachte, dass die Italiener nach dem Führungstreffer mit Mann und Maus verteidigen und Beton anrühren würden, der irrte. Kamen sie in Besitz des Balles, versuchten sie erst gar nicht, das Spiel durch langweilige Querpässe zu beruhigen, sondern sie schalteten fulminant in die Offensive. Wie bereits erwähnt, immer wieder schlichen sich dabei dumme Abspielfehler oder Ballverluste ein – drei Mal musste deshalb die mit einer gelben Karte geahndete Notbremse gezogen werden, um einen gefährlichen Gegenstoß zu verhindern. Das kann auch mal ins Auge gehen.

Die nächsten beiden Begegnungen werden zeigen, wie sich die Squadra Azzurra gegen defensiv ausgerichtete Mannschaften schlägt. Tore schießen können sie jedenfalls. Der Sieg hat mit Sicherheit den Spielern und den Fans das verlorene Selbstbewusstsein zurückgegeben und ich gehe davon aus, dass ein italienischer Frühling vor der Tür steht und das Pensionsantrittsalter für Torhüter und Verteidiger erhöht wird.

Und Belgien? Die Niederlage zeigte einmal mehr, dass spielerische Überlegenheit keinen Pokal nach Hause bringt. Andererseits, wären die Belgier im Strafraum konsequenter, abgebrühter gewesen, hätten sie einen Stürmer mit Killerinstinkt in ihren Reihen gehabt, die Sache wäre vielleicht ganz anders verlaufen. Dass die belgische Mannschaft das Potenzial hat, jeden Gegner zu schlagen, hat man bereits vor der EM gewusst, und dass sie die nächsten beiden Spiele – Irland und Schweden – für sich entscheiden werden, steht außer Frage. Aber reicht es, um weiterhin als Geheimfavorit zu gelten?

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EUROVision Song Contest 2015: FINALE #ESC

Ja, die Sache mit dem Copyright
Ja, ja, die Sache mit dem Copyright.

update: So haben Juroren und Publikum abgestimmt! LINK

Yep. Die Pop-Überflieger ABBA wussten es bereits in den 1980ern: The Winner takes it all. Ihr Landsmann Måns Zelmerlöw gewann für Schweden das große Finale des europäischen Gesangswettbewerbs. Ziemlich klar auch noch dazu. Nur der russische und der italienische Beitrag konnten anfänglich dagegen halten. Aber am Ende setzt sich nun mal Qualität durch. Wirklich? Nope. Natürlich nicht. Das war ein Witz. Wenn Sie ernsthaft an dieses Märchen glauben, gehen Sie womöglich mit Lipizzaner-Scheuklappen durch die Welt da draußen. Jede Massenveranstaltung – Betonung liegt dabei auf Masse – wird von den Veranstaltern auf den Millimeter geplant. Überraschungen gibt es nur dann, wenn die Macher im Hintergrund eine solche zulassen wollen. Falls Sie mir nicht glauben, schlagen Sie nach bei Sigmund Freuds Neffe Edward Bernays und lesen Sie in seinem in den USA im Jahre 1928 erschienenem Werk Propaganda, wie wichtig es für die Elite ist, die Masse zu lenken und zu führen.

»Unsere muss eine Herrschafts-Demokratie sein, administriert von der gebildeten Minderheit, die weiß, wie man die Massen kontrolliert und führt«.

Mit anderen Worten, die europäische Song-Contest-Veranstaltung ist nichts anderes als gut gemachte Massen-Manipulation. Denn egal, ob Sie sich für den Event interessierten oder nicht – Sie hatten keine Chance, nicht nicht an dieses Ereignis erinnert zu werden. Längst ist der Mainstream-Medien-Apparat übermächtig und gibt vor, worüber wir zu reden und nachzudenken haben.

Zurück zum Singsang-Biz. Der österreichische und der deutsche Beitrag gingen ohne Punkte nach Hause. Hm. Derweil fackelten wir Ösis sogar das Klavier auf der Bühne ab. Der brennende Dornenbusch rund um einen Jünger Jesu lockte keinen Zuschauer hinterm Smartphone hervor. Ja, nicht einmal die erzkatholischen Italiener oder Polen oder Iren (okay, seit gestern müssen Sie diese von der Liste streichen) beschenkten uns für diese Darbietung mit einem Pünktchen. Enttäuschend. Einziger Trost, wie so oft, ist das geteilte Leid mit Deutschland. Das war bekanntlich vor vielen Jahrzehnten nicht anders, wenn ich mich recht erinnere. Kann mich aber auch täuschen.

Musikalisch fand ich den Beitrag von Zypern äußerst gelungen. Sehr sympathische Old-School-Trällerei. Der Mann hat – in meinen Ohren – eine formidable Stimme. Im Gegensatz dazu haben mich die zwei drei kleinen Italiener nicht gerade von der Couch geworfen. Macht nix, die Tenöre haben ihre Fangemeinde und das ist ja bekanntlich alles, was zählt, im Musik-Biz, nicht? Der Beitrag von Slowenien hat mir übrigens auch gefallen, Kopfhörer hin oder her. Und die ungarische Gesangstruppe erinnerte seltsamerweise mehr an Irland als an Ungarn.

Zu guter Letzt stellt sich mir die Frage, woher die Buchmacher wussten, dass es ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Schweden und Russland geben würde. Ist mir schleierhaft. Zugegeben, die beiden Gesangsstücke sind nicht schlecht, aber sind sie um so vieles besser als all die anderen? Ja, wie verflixt noch mal können Journalisten und Buchmacher überhaupt den musikalischen Geschmack Europas auf die letzte Note kennen? Ist mir ein großes Rätsel. Gestern wusste ich noch nicht mal, wo Aserbaidschan liegt oder dass Georgien guten Wein produziert oder dass die geographische Grenze Europas nicht klar definiert ist und ziemlich weit nach Osten reicht. Früher einmal, lange ist es wohl her, lernte ich, dass die eine Hälfte von Istanbul in Europa, die andere in Asien liegt. Am Bosporus schieden sich nicht nur die Geister, sondern auch die Kontinente. Erst mit der Zerbröckelung der UdSSR in den 1990ern wurden die Grenzen neu gezogen – man reiche mir ein Lineal!

Also. Haben Sie eine Erklärung, wie die Wettquoten und Favoriten für diesen Wettbewerb zustande kamen? Und ist es nicht ein wenig schockierend, zu erfahren, dass Italien, Belgien, Polen und Australien dem späteren Siegerlied die maximalen Punkte gab? [Hier die Liste] Ich meine, ist es vorstellbar, dass Polen und Australier, Belgier und Italiener den gleichen Musikgeschmack haben?

Dass die Punktevergabe irgendwie mit den nachbarschaftlichen Beziehungen zu tun haben soll, hört man ja immer wieder. Die Indizien sprechen eine klare Sprache, dass dem tatsächlich so ist (okay, sehen wir mal von der Ösi-Piefke-Hassliebe ab). Mit anderen Worten, die Leutchen, die zum Telefon gegriffen haben – vermutlich aber auch die Jury-Mitglieder – stimmten aus persönlich-geographischen Gründen, nicht unbedingt aus musikalischen. Somit bleibt am Ende des Tages nur der Gedanke, dass die Qualität des Gesangsmaterials so gut wie wurst ist. Anders gefragt: Hätte Zypern das schwedische Lied im Programm gehabt, hätte man sie gewinnen lassen?

P.S.: Wie mir gerade aufgefallen ist, haben einige Länder aus finanziellen Gründen am Song-Contest 2015 nicht teilgenommen, beispielsweise Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Andorra oder Luxemburg (Bankenkrise?). Wir sehen: Am Ende regiert immer noch das Geld, nicht die Musik. Kurz: Wer zahlt, schafft an, darf singen.

EM 2012 – Spieltag 12 – ENG : UKR und SWE : FRA – Wembley im Jahre 2012

England : Ukraine 1:0       Schweden : Frankreich 2:0

Ich bin nicht amused. Nope. Ich bin stinkesäuerlich. Weil ich um 30 Minuten gebracht worden bin, die an Spannung und Dramatik wohl kaum mehr zu überbieten gewesen wären. Ein Schuldiger ist freilich schnell ausgemacht: der ungarische Schiedsrichter und seine Helferlein.

Für die Franzosen ging es im Spiel gegen die Schweden um nicht viel. Es sei denn, die Ukraine hätte die Engländer mit einem Tor besiegt und die Franzosen ihrerseits hätten mit zwei Toren Differenz verloren. Vor den beiden Spielen konnte niemand wirklich an solch eine Konstellation glauben, deshalb dürften die Franzosen eher lustlos aufgelaufen sein. Überhaupt ist eines der unerklärlichen Phänomene diese berühmt berüchtigte Lustlosigkeit in der französischen Nationalelf, die sich – dann und wann – in den Köpfen der Spieler festsetzt. Von außen betrachtet sieht es danach aus, als wären die Spieler müde, konditionell nicht auf der Höhe. Aber damit hat es nichts zu tun. Die Franzosen, diese Grande Nation, mit ihrem beinahe unerschöpflichem Spieler-Reservoir (aus den ehemaligen Kolonien), bildeten in den letzten Jahren keine Einheit mehr. Ähnlich wie bei den Niederländern besteht die Mannschaft aus Einzelspieler, mit deren Teamgeist es nicht weit her ist, wenn es einmal nicht läuft. Diese Lustlosigkeit frisst sich wie ein Virus von einem zum anderen. Als Zuschauer ist es eine Katastrophe, solch Spiele beizuwohnen, in denen sich eine Mannschaft völlig aufgibt. Aber nicht, weil sie es nicht besser könnte, sondern einfach, weil ihr Feuer erloschen ist. Ein wenig erinnert es an den Film Rocky III, als sein (schwarzafrikanischer) Trainer meinte, es fehle ihm, Rocky, das Auge des Tigers. Mit anderen Worten: er solle von seinem hohen Ross heruntersteigen und wie anno dazumal in den schäbigen Vierteln trainieren, statt eine Pressekonferenz nach der anderen zu geben. Ja, so ähnlich verhält es sich mit den Franzosen. Oui, oui. Haken wir also das Spiel ab und sehen uns an, wie sie gegen die Spanier agieren werden. Dabei habe ich kein gutes Gefühl. Die mentale Stärke der Kroaten oder Italiener haben die Franzosen noch lange nicht. Und ein Team sind sie noch immer nicht. Gegen eine lächerlich schwache englische Mannschaft, gegen eine zaudernde Ukrainische Mannschaft kann man leicht gewinnen (oder wenigstens nicht verlieren), aber gegen Spanien, meiner Seel, der gute Napoléon dreht sich im Grab um – haben ihm schon damals die Iberer ordentlich Feuer unterm Hintern gemacht.

Now something completely different. Das Spiel England gegen die Ukraine müsste ein dramatisches werden, sagte ich mir. Weil die Heimmannschaft nur mit einem Sieg den Aufstieg schaffen konnte. Die Spieler der Ukraine hatten nichts mehr zu verlieren. Und die Engländer? Ihr Defensiv-Bollwerk ärgerte mich schon in den letzten beiden Spielen – freilich, gegen die Schweden zeigten sie, dass sie aus wenigen Chancen viele Tore machen konnten. Ich war also auf das Äußerste gespannt. Tja. Die erste Halbzeit eine große Enttäuschung. Weil die Engländer auch gegen die Ukraine Beton anrührten, und gerade einmal mit einer Kopfball-Chance aufwarten konnten, mehr war eigentlich offensiv nicht zu sehen. Im Gegensatz dazu bemühten sich die Spieler der Ukraine, aber gegen diesen englischen Beton gab es kaum ein Durchkommen. Weitschüsse waren ein probates, aber leider ineffizientes Mittel. Trotzdem gefiel mir das Spiel der Ukraine. Sie rackerten, liefen, mühten sich – auch ohne Shevtchenko oder Woronin, die nur auf der Ersatzbank Platz nehmen durften bzw. mussten.

Die englische Nationalelf spielte grottig. Es war erbärmlich, wirklich. Wäre es die Mannschaft aus Trinidad Tobago, die sich vor ihrem Strafraum einigelte, ich würde es verstehen. By the way: Wer erinnert sich an den mühsamen Sieg der Engländer gegen die frech aufspielende Mannschaft aus Trinidad Tobago zur WM 2010? Da musst schon ein irreguläres Tor von Crouch in der 83. Minute herhalten! Einwohnerzahl des Inselstaates: 1,3 Millionen. Soviel mal dazu. Jedenfalls, die Engländer, trotz eines Rooneys, spielten nicht, sie standen nur herum und im Weg. Wenn eine Mannschaft mit solch einer Taktik die Europameisterschaft gewinnen möchte, gehörte sie eigentlich sofort disqualifiziert. Aber die Götter des Olymp, die sich schon für die griechische Zementfabrik erwärmen konnten, hatten wohl auch ein Herz für englische Bauarbeiter. Manchmal kann das (Fußballer)Leben ganz schön ungerecht sein. Yes, yes.

In der zweiten Halbzeit, als ich auf einen Führungstreffer der Ukraine hoffte, das die Engländer vielleicht wachgerüttelt hätte, geschah das genaue Gegenteil: Rooney köpfte ungehindert einen Abpraller ins Tor. Tja. Dumm gelaufen. Jetzt brauchte die Ukraine schon zwei Tore. Gewiss, sie hätten sich – wie die Polen – aufgeben können. Aber sie taten es nicht. Sie packten die Brechstange aus und stürmten auf Teufel komm raus. Das lässt freilich das Herz eines jeden echten Fußballfans höher schlagen. Das wollen wir sehen: Leidenschaft! Kraft! Wille! Kein Trainingsspiel für gestresste Top-Verdiener.

Also, die Spieler der Ukraine brandeten brav nach vorne, aber vor dem Strafraum war meist Schluss mit lustig. Die Engländer standen immer mit einem Bein im (Schuss)Weg. Dann setzte einer der Stürmer den Kopfball aus rund 4 Metern über das Tor. Blöd. Aber es kam freilich noch dicker: Der Stürmer Devic taucht allein vor dem englischen Torhüter auf, der sich aber nicht völlig düpieren lässt und fälscht den Schuss noch ab. Der Ball fällt im hohen Bogen ins Tor. Aber dort knallt ihn ein zurückeilender Terry wieder hinaus. Die Spieler der Ukraine bejubeln das Tor. Die Engländer spielen weiter. Und der Schiedsrichter? Rührt kein Ohrwaschel! Ach, wieder haben wir diese leidige Situation, die damit endet, dass man sich fragt: »War der Ball nun hinter der Torlinie oder nicht?« – Aus den TV-Wiederholungen dürfte hervorgehen, dass der Ball – mit vollem Umfang – hinter der Torlinie war. Aber nutzt das jetzt etwas? Das Tor wurde nicht gegeben, trotz des Torrichters, der extra dafür von der UEFA abgestellt wurde. Ironischerweise war es ja gerade dieser berühmt-berüchtigte Lattenpendler der Engländer, im WM-Spiel 2010 gegen Deutschland, welches den Ausschlag gab, Torrichter zu installieren. Mit der gestrigen Fehlentscheidung sollte man die Torrichter wieder in Pension schicken.

Hätte das Tor gegolten, hätte die Ukraine den Ausgleich gemacht, dann hätte es noch eine dramatische Endphase gegeben. Ja, so eine Fehlentscheidung ärgert mich immer dann am meisten, wenn damit dem Spiel der Zahn gezogen wird. 2010 waren die Engländer noch eine Mannschaft, die es wissen wollten (wenn es um die Wurst ging). Hätten sie den Ausgleich gegen die Deutschen gemacht (besser: wäre das Tor gegeben worden), die englische Fußballwelt würde ganz anders aussehen. Das ist ja das Schlimmste, dass niemand solche Fehlentscheidungen wieder gut machen kann. In vielen Spielen ist es eigentlich nur nebensächlich. Aber hin und wieder muss eine Mannschaft und ein Land wohl für lange Zeit an ihrem Unglück knabbern. Hätte der Schiedsrichter zur EM 2008 nicht das Abseitstor der Kroaten gegen unsere Österreicher gegeben, wer weiß, wer weiß. Der Witz an der Sache ist natürlich, dass wir nie wissen können, was am Ende wirklich geschehen wäre. Die Deutschen hätten gegen die Engländer, die Kroaten gegen die Österreicher trotzdem gewinnen können, es wäre demnach alles beim Alten geblieben. Und doch spu(c)kt in all unseren Köpfen, die es livehaftig miterlebt haben, diese Möglichkeitsform im Gedächtnis herum. Das ist dieser schmerzende Dorn, der im Fleisch sitzt und der eine weitere, normale Entwicklung nicht zulässt, bis eine neue Generation heranwächst, die mit dieser Fehlentscheidung nichts mehr zu tun hat. Das heißt, es müssen Jahre vergehen.

Ja, so ist das, im Leben wie im Fußball. Jeder steckt eine Niederlage weg (sie macht uns stärker!), aber kaum einer, der eine ungerechte Entscheidung hinnehmen kann – sei es durch das Schicksal, sei es durch den Schiedsrichter. Apropos Schicksal. Ich lese gerade das (scheinbar umstrittene) Buch von Joachim Fernau »Deutschland, Deutschland über alles … – Von Anfang bis Ende«. Vielleicht verstehe ich dann die teutonische Seele ein wenig besser. Ob es hilft, dass ich der Löw-Truppe die Daumen drücke, gegen die Griechen? Schau’ma mal.

EM 2012 – Spieltag 8 – SWE : ENG – Rule, Briannia …

Schweden : England 2:3

Tja. Dumm gelaufen. Die Schweden dürfen schon mal die Koffer packen. Für sie gibt’s im letzten Spiel nichts mehr zu holen. Derweil hatten sie es wirklich versucht. Sie ließen sich weder im ersten Spiel gegen die Ukraine, noch in diesem Spiel jemals hängen. Auch wenn der Schock des gegnerischen Führungstreffers ordentlich in die Knochen fuhr. Wie dem auch sei, die englische Nationalelf agierte einfach abgebrühter, nutzte ihre Chancen eiskalt und zog den Schweden den letzten Nerv.

Wie konnte die schwedische Hintermannschaft auch annehmen, dass der englische Stürmer Caroll, der schon mal in seiner Freizeit dem freundlichen Alkohol zusprach, bis es ihm vom Barhocker haute, dass dieser baumlange Stürmer in den zweiten Stock springt und wuchtig ins Tor köpft? Oder der kleine Walcott, der wenige Minuten nach seiner Einwechslung den Ausgleich machte – ein recht ungefährlicher Weitschuss, den der sonst so gute schwedische Torhüter Isaakson irgendwie passieren ließ. Und zu guter Letzt, in der Drangperiode der Schweden, scherzelte Welbeck mit der Ferse den Ball ins Tor. Schlapperlot. Ist es möglich, dass nicht nur den Franzosen (gegen die Ukraine), sondern auch den Engländern der Knopf aufgegangen ist? (»What? So einfach kann man ein Spiel gewinnen? Oh my god, wenn wir das gewusst hätten!«)

Freilich, die Engländer sind noch nicht fürs Viertelfinale qualifiziert. Noch müssen sie gegen die Ukraine bestehen, die sicherlich alles versuchen wird, hart am (Fan)Wind zu segeln. Ob es reicht, das englische Schlachtschiff zu versenken? Ich habe da so meine Zweifel. Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Und Capitano Shevtchenko ist immer für eine vernichtende Breitseite gut. Also los, setzen wir die Segel!

 

EM 2012 – Spieltag 4 – UKR : SWE – Pensionsantrag verschoben

Ukraine : Schweden 2:1

Hoppla. Ich gestehe, ich hätte keinen Pfifferling auf den Co-Gastgeber Ukraine gesetzt. Nicht, nach dem sie so klang und sanglos gegen Österreich verloren hat. Zugegeben, es war nur ein Freundschaftsspiel, aber trotzdem zeigte es mir, dass es nicht weit her ist, mit der fußballerischen Qualität, made in Ukraine.

Aber erstens kam es anders und zweitens als der Fußballexperte denkt. Vielleicht waren es auch die Schweden, die ihren Gegner unterschätzten, im Besonderen, als sie das Führungstor machten und weitere Chancen vernebelten. Tja. Was mir an der Ukraine gefiel, das war ihr unbändiger Wille. Sie gaben sich nicht auf, kämpften beherzt und spielten giftig. Das freut den neutralen Beobachter und Fußball-Feinschmecker, der generell zu den Underdogs hält. Ei, am Ende hat’s mich gefreut, dass der gute alte Shevchenko die beiden Treffer zum Sieg beisteuerte. Jener ehemaliger Stürmer, der einmal zu den Besten seiner Zunft gehörte. Aber das ist schon ein Weilchen her. Und wäre er nicht dem Geld gefolgt und in Italien geblieben, er hätte sicherlich noch ein paar Jahre mehr zu den Größten gehört. Aber so wurde er kurzerhand in der englischen Millionärstruppe von Chelsea aufs Abstellgleis geschoben. Gewiss, ein äußerst lukratives.

Vielleicht, wer weiß, startet die Ukraine ihrerseits ihr Sommermärchen. Wenn ich mir da die Engländer und Franzosen so anschaue, dann dürften diese durchaus zu schlagen sein (besser: die Engländer schlagen und sich mit den Franzosen auf ein Unentschieden einigen – dumm, dass ihr nächstes Spiel gegen die Franzosen ist).

Und die Schweden? Na, sie hatten es in der Hand, besser: am Fuß und am Kopf. Und wenn man bedenkt, dass sie in den letzten Minuten noch zwei hochkarätige Chancen vernebelten, dann sind sie wohl selber Schuld, an der Malaise, nicht? Aber ein wenig gab es mir schon zu bedenken, dass die ukrainische Mannschaft es nicht für nötig hielt, gegen Ende des Spiels die Schotten dicht zu machen. Statt sich mit 10 Mann vor dem Strafraum zu postieren, standen sie kreuz und quer am Spielfeld herum und trabten seelenruhig zurück, während die schwedische Garde aufs Tor zustampfte. Vermutlich hat niemand den Spielern der Ukraine erzählt, wie die Schweden in deutschen Landen gewütet hatten und dabei keine Gefangenen machten. Gut, dass ist schon ein Weilchen her, aber trotzdem sollte man die Nordmänner nicht unterschätzen, nur weil sie so hübsch blond und blauäugig sind, nicht?