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Die weltmeisterliche Reise in den Osten

Der gute Aleksandr Puskin machte sich im Jahre 1829 auf, um bei der Finalbegegnung Russland gegen Türkei leibhaftig dabeizusein – vielleicht war es die erste Fan-Reise, die auf diese Weise Eingang in die Weltliteratur gefunden hat. Die Schlachten wurden damals an verschiedenen Heimstätten ausgetragen, mustergültig kommentiert und niedergeschrieben vom großen Dichter. 189 Jahre später fährt meine Wenigkeit zwar nicht in den Kaukasus bzw. an die russisch-türkische Grenze, aber in den Osten, in die Heimat des Dichters, um ebenfalls von Schlachten, die auf grünen Rasenflächen friedlich und vielleicht sogar freundschaftlich geschlagen werden – zu berichten. Da jedoch der Hund im Detail liegt und Unvorhergesehenes einen recht häufig ins Gesicht lacht, wie jeder meiner erfahrenen Leser sicherlich längst weiß, folgen die näheren Umstände dieses Aufbruchs gen Osten zu gegebener Zeit, kurz, wenn das quengelnde Kind in staubtrockenen Tüchern gewickelt ist. До свидания!

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Ein Fan ist ein Fan ist ein Fan …

 

 

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WM 2018: Tag #9 – Erstens kommt es anders und zweitens …

Brasilien : Costa Rica 2:0
Nigeria : Island 2:0
Serbien : Schweiz 1:2

Gedanken zu den Spielen.

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EM 2016: Spieltag 14 – Achtelfinale

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Spieltag 14 der Europameisterschaft in Frankreich 2016
Achtelfinale

SCHWEIZ : POLEN 1:1  4:5 i. E.
WALES : NORDIRLAND 1:0
KROATIEN : PORTUGAL 0:1 n. V.

Gähn. Die ersten drei Achtelfinalpartien waren eine äußerst müde Angelegenheit. Fulminante Fußballspiele sehen anders aus. Der vermeintliche Kracher am Abend zwischen Kroatien und Portugal erwies sich als einschläfernder Flop. In den ganzen 120 Minuten gab es sage und schreibe zwei Schüsse, die aufs Tor gingen: in der 116. Minute köpft Peresic an die Stange, im Gegenzug köpft Quaresma ins leere Tor. Mit anderen Worten, 115 Minuten lang wurde nicht Fußball gespielt, sondern Rasenschach betrieben. Obwohl es anfänglich so aussah, als würde Kroatien eine Entscheidung im Spiel suchen, als könne Portugal dem kroatischen Kombinationsspiel nichts entgegensetzen, wurde man bald eines Besseren belehrt. Kroatien agierte vorsichtig und war stets bemüht, weder Ronaldo noch Nani die Räume zu geben. Der Respekt vor Ronaldo war scheinbar zu groß – nach den beiden Toren gegen Ungarn natürlich verständlich. Unverständlich, warum es die Kroaten nicht trotzdem probierten. War es, weil Trainer Fernando Santos den Portugiesen das Defensivspiel beibrachte? Die kroatischen Taktgeber – Modric und Rakitic – wurden jedenfalls vorbildlich aus dem Spiel genommen! Santos, wir dürfen es nicht vergessen, war 4 Jahre lang Trainer der griechischen Nationalmannschaft – dort perfektioniert bekanntlich jeder Trainer seine Baumeisterkunst im Beton anrühren. Im Viertelfinale bekommen es die Portugiesen mit Polen zu tun, die sich gegen die Schweiz im Elfmeterschießen durchsetzen konnten. Auch in diesem Spiel versuchte jede Mannschaft mit kontrollierten Vorstößen ihr Glück. Die Polen waren über lange Strecken die bestimmendere Mannschaft, aber die Schweiz zeigte, dass sie dagegenhalten konnte. Der Ausgleichstreffer Minuten vor dem Schlusspfiff von Xherdan Shaqiri war aus der Rubrik Traumtor. Mit anderen Worten: glücklich. Gottlob sind die biederen Schweizer aus dem Rennen. Mit Schaudern erinnert man sich an ihr mittelalterliches Abwehrbollwerk in den WM-Spielen von 2014 – es hätte nicht viel gefehlt und der spätere Vizeweltmeister Argentinien wäre an der eidgenössischen Zerstörungsarbeit zerschellt. In den letzten 10 Jahren hat sich abgezeichnet, dass eine geordnete Defensivleistung gegen spielstärkere Mannschaften das Maß aller Dinge, wenigstens in einem Turnier, sein kann. Griechenland hat es bei der EM 2004 als erste Mannschaft vorgezeigt, wie man mit einer Betonmauer und glücklichen Toren aus Standardsituationen Europameister werden kann. Die Holländer der WM 2014 haben die Sache sogar noch auf die Spitze getrieben, in dem sie Härte und allerlei untergriffige Tricks dem Zerstörungswerk hinzufügten. Zurück ins Jahr 2016: Ich hoffe inständig, dass in den restlichen Achtelfinalpartien Fußball gespielt wird. Schließlich ist es ja die Fußball- und nicht die Schach-Europameisterschaft, oder?

 

 

EM 2016: Spieltag 10 – Entscheidung Gruppe A

EM-2016-Spieltag10

Spieltag 10 der Europameisterschaft in Frankreich 2016
Entscheidung Gruppe A

SCHWEIZ : FRANKREICH 0:0

Die Zusammenfassung der Begegnung zeigte, dass Frankreich über 90 Minuten die spielbestimmendere Mannschaft war. Zwei Stangenschüsse – davon ein Volley-Hammer von Payet und ein aus dem Fußgelenk geschüttelter Kracher von Pogba – und die eine oder andere gute Abwehr von Torhüter Sommer unterstreichen die französische Dominanz. Frankreich sicherte sich mit diesem Unentschieden den ersten Platz der Gruppe A, gefolgt von der Schweizer Nationalmannschaft auf Platz 2, die im Achtelfinale auf den Zweiten der Gruppe C stößt – so es keine irische oder ukrainische Überraschung gibt, dürfte die Schweiz gegen Polen bzw. Deutschland ihr Spielglück versuchen.

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RUMÄNIEN : ALBANIEN 0:1

Hui, das war ja ein ordentlicher Schlagabtausch. Beide Mannschaften, die in den bisherigen zwei Gruppenspielen mit einer starken Defensivleistung glänzten, mussten diesmal alles auf eine Karte setzen – nur ein Sieg würde den möglichen Aufstieg bedeuten. Waren es anfänglich die Rumänen, die das Spiel kontrollierten, kamen die Albaner immer besser in Schwung. Überhaupt traten die albanischen Spieler selbstbewusster und motivierter auf als ihre rumänischen Gegenspieler. Bewundernswert, wie beide Mannschaften dagegen hielten, wie beide Mannschaften den Weg zum Tor suchten – freilich ohne die Abwehr gänzlich zu entblößen. Die erste Riesenchance vergab der Albaner Ermir Lenjani – wie er es schaffte, aus wenigen Metern den Ball nicht ins, sondern über das leere Tor zu schießen, bleibt ein großes Rätsel. Aber wenn so viel auf dem Spiel steht, mag es nicht verwunderlich sein, wenn  Nerven und Beine flattern. Auf der Gegenseite war es nicht besser. Schlimmer noch, Goalie Ciprian Tatarusanu, der in der italienischen Serie A das Tor des AC Florenz hütet, schätzte eine Flanke Minuten vor dem Pausenpfiff falsch ein und Sadiku köpfte an ihm vorbei ins lange Eck. Die Albaner waren völlig aus dem Häuschen. Der Führungstreffer ließ sie nun befreit aufspielen, ja, sie zeigten sogar die eine oder andere Lässigkeit im Zusammenspiel. Vor allem aber ärgerten sie die Rumänen mit einer überaus disziplinierten Abwehrleistung und mit schnell vorgetragenen Gegenangriffen. Die rumänische Mannschaft konnte in der zweiten Halbzeit nur selten für längere Zeit den nötigen Druck erzeugen – immer wieder verschafften sich die nicht müde werdenden Albaner mit kontrolliertem Angriffsspiel Luft. Aber eine Viertelstunde vor Schluss hätte es dann doch beinahe im Tor der Albaner geklingelt – Andone konnte sich mit einem schönen Dribbling in eine gute Schussposition bringen und hämmerte den Ball an die Latte. Ja, wäre den Rumänen hier der Ausgleich gelungen, das Spiel hätte jeden Tatort an Spannung in die Tasche gesteckt. Nach dieser vergebenen Torchance merkte man, dass die Rumänen nicht mehr an einen Sieg glaubten – auch wenn sie bis zum Schlusspfiff tapfer kämpften.

Die albanische Mannschaft ist ein kleines Fußballwunder. Die Favoriten Frankreich und Schweiz taten sich schwer gegen die disziplinierte Defensivleistung der Albaner – neben Island und Rumänien gehörte sie zum Besten, was diese Europameisterschaft zu bieten hat. Neben Disziplin und Ordnung ist Technik und Zusammenspiel der albanischen Spieler hervorzuheben – alles in allem eine ausgewogene Mannschaft, deren einzige Schwäche die miserable Chancenauswertung ist. Ob am Ende die drei Punkte für den Aufstieg ins Achtelfinale reichen werden, wird sich zeigen. Ich würde es jedenfalls der Mannschaft von Trainer Giovanni De Biasi wünschen, so aufopfernd sie gespielt und dagegengehalten haben.