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EM 2016: Spieltag 2

EM-2016-Spieltag2

Spieltag 2 der Europameisterschaft in Frankreich 2016

ALBANIEN : SCHWEIZ 0:1

Da ist sie also wieder, die schweizer Fußballtruppe, die mit Djourou, Rodriguez, Behrami, Xhaka , Shaqiri, Fernandes, Dzemaili, Mehmedi, Embolo, Seferovic usw. den Inbegriff gelebter Multikultur darstellt. Während der eine Xhaka für die Schweiz aufläuft, spielt der andere für sein Heimatland Albanien. Im Fußball hat der Schmelztiegel längst Einzug gehalten und wir sehen: Wenn Menschen unterschiedlicher Herkunft, Kultur, Hautfarbe und Religion ein gemeinsames Ziel verfolgen, können sie an einem Strang ziehen und die tollsten Leistungen erbringen. Aber am Ende gibt es einen Trainer, der bestimmt, welcher Spieler von Beginn an aufs Feld darf und wer nicht. Abseits des Rasens würden die Sittenwächter längst juristisch-politische Konsequenzen sowie verpflichtende Quotenregelungen fordern, aber im kunterbunt lukrativen Fußballgeschäft funktioniert noch der gesunde Menschenverstand. Weil jedermann davon ausgeht, dass auch der rassistischste Trainer ein Spiel unbedingt gewinnen will und deshalb die besten bzw. leistungsstärksten Spieler – unabhängig von Herkunft und Hautfarbe – nominieren würde. Aber was, wenn ein besorgter Linskhaber und gütlicher Menschenkenner trotz alledem festgestellt haben mag, dass es bei der Aufstellung zu einer Diskriminierung gekommen sei? Kann der Trainer seine (Aus)Wahl objektiv begründen? Definitiv nicht. Hat der Fußball demnach in den westlichen Kulturnationen überhaupt noch eine Zukunft? Sieht nicht so aus. Auf der anderen Seite kann das kleine, friedliche und homogene Island unbesorgt in die fußballerische Zukunft sehen. Die größte Vulkaninsel der Welt zieht nämlich keine Fußballer-Eltern aus anderen Erdteilen an. Warum das so ist, kann ich Ihnen freilich nicht sagen.

Kommen wir zum Fußball zurück. Die Schweizer, wie gewohnt, zogen das Spiel in die Breite. Sie versuchten damit an Sicherheit zu gewinnen und gleichzeitig die Albaner ins Leere laufen zu lassen. Das ist natürlich nicht zum Anschauen, diese Querpässe in der eigenen Hälfte – hat ja auch nix mit Fußball zu tun, sondern erinnert an eine lockere Trainingseinheit. Die Albaner hingegen, zum ersten Mal bei einer Europameisterschaft, gedachten Fußball zu spielen, das heißt, den Ball recht flott nach vorne, vor das gegnerische Tor, zu bringen. Wirklich dumm, dass sich der albanische Goalie Berisha bereits in der 5. Minute in der Fliegenfängerei versuchte und damit den Führungs- und späteren Siegestreffer mitverschuldete. Wer nun dachte, Berisha sei die klassische Vorgabe, der irrte gewaltig. In den restlichen 85 Minuten zeigt er, was in ihm steckte und das war ne ganze Menge. Es ist jetzt natürlich müßig darüber zu fabulieren, wer von den beiden Mannschaften die glücklichere war. So gab es die sogenannten hundertprozentigen Chancen auf beiden Seiten – es hätte also so oder so kommen können. Neben der Berishaschen Fliegenfängerei in der 5. Minute dürfte wohl die albanische Handballakrobatik von Kapitän Lorik Cana in der 37. Minute die Niederlage besiegelt haben – mit Gelb-Rot wurde Cana vom Platz gestellt. Tja. Von nun an mussten 9 Feldspieler dem Ausgleich hinterherlaufen – und das taten sie auch. Gewiss, von Außenseiter Albanien durfte man sich keine spielerischen Glanzstücke erwarten, aber sie wehrten und stemmten sich gegen die Eidgenossen (ja, jene, welche die Habsburger ordentlich versohlten, vor langer, langer Zeit) bis zum bitteren Ende. Das verdient Respekt. Die Schweizer wiederum, wollen sie ganz vorne mitspielen, werden sich wohl steigern müssen – Frankreich und Rumänien wissen nämlich, wie der Hase respektive Ball läuft.

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WALES : SLOWAKEI 2:1

Der 1. FC Bale gegen den SV Hamsik, wenn man so will. Gewiss, eine Mannschaft besteht nicht nur aus einem Superstar, trotzdem hat das Spiel gezeigt, wie wichtig Bale für die Waliser ist. So ging der Führungstreffer, erzielt mittels Freistoß, auf sein Konto und seine Antritte sorgten immer wieder für Unruhe in der slowakischen Hintermannschaft. Apropos. Routinier Skrtel hatte so manchen pogatetzesken Aussetzer: So hätte er nicht nur einen Elfmeter verschuldet – der Torlinienrichter stand zwar keine zwei Armlängen von der Rauferei entfernt, aber sah, äh, ja, kein Vergehen des Slowaken – sondern mit einem Ausschluss auch seine Mannschaft geschwächt. Das Tackling, wenige Minuten vor Schluss, grenzte nämlich an Tötungsabsicht – auch wenn die gestreckten Beine des mit beinahe Schallgeschwindigkeit herangeflogenen Skrtel dann doch noch freundlicherweise von ihm angezogen wurden. Die Slowaken waren jedenfalls kein Kind von Traurigkeit und man kann davon ausgehen, dass sie ihren nächsten beiden Gegnern nichts, aber auch gar nichts schenken werden.

War Wales die bessere Mannschaft? Die Waliser hatten jedenfalls das Glück auf ihrer Seite. Wenige Minuten nach Beginn hätte nämlich Hamsik beinahe den Führungstreffer erzielt, doch der Ball wurde noch von einem gegnerischen Verteidiger von der Torlinie gekratzt. Im Gegenzug gelang Bale das Tor: dank der Mithilfe von Torhüter Kozácik, der beim Freistoß einen Schritt auf die falsche Seite machte. Von da an hatten die Waliser alles im Griff und die Slowaken, die zuvor munter darauf los spielten, verloren ihre spielerische Balance und die Begegnung artete in ein Geplänkel aus. Erst als die Slowakei in der 60. Minute mit zwei Einwechselspieler offensiver wurde, keine Minute später der verdiente Ausgleichstreffer erzielte, zeigten die Waliser Nerven. Zwanzig Minuten dominierten die Slowaken das Geschehen am Rasen, hatten sozusagen spielerisch Oberwasser – doch ein gefährlicher Kopfball von Bale zeigte einmal mehr, dass man den Superstar nicht einen Augenblick aus den Augen verlieren darf. Zehn Minuten vor dem Ende schlossen die Waliser einen Konter mustergültig ab, will heißen, sie stolperten förmlich den Ball ins Tor. Im Gegenzug köpfelte der eingewechselte Nemec nur an die Stange. Also, war Wales die bessere Mannschaft? Ich denke nicht.

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ENGLAND : RUSSLAND 1:1

In der ersten Hälfte brannten die three lions ein ordentliches Feuerwerk auf dem Rasen ab und ließen die Sbornaja – im wahrsten Sinne des Wortes – ziemlich alt aussehen (Innenverteidiger Ignaschewitsch bringt es auf 36 Lenze). Für gewöhnlich hätten die herausgespielten Chancen für zwei oder drei Siege gereicht, doch wie so oft im Fußball, bewahrheitete sich auch hier wieder eine alte Binsenweisheit: Die Tore, die man nicht schießt, bekommt man.

Die Engländer beeindruckten in der ersten Halbzeit vor allem mit einem nahezu perfekten taktischen Pressing. Eroberten sie den Ball ging es flott vor das gegnerische Tor. Die sprintstarken Außenspieler – Lallana und Sterling – gaben dabei ordentlich Gas und wirbelten an den Seiten die russische Abwehr, die vor allem das Zentrum dicht machten, gehörig durcheinander. So waren die russischen Spieler in der ersten Hälfte zu träge, zu passiv, vielleicht auch zu eingeschüchtert, während  die englischen Kicker, technisch versiert, frisch von der Leber weg aufspielten. Dabei blitzte immer wieder ein blindes Verständnis im Zusammenspiel auf. Sehenswert, wie sie die freien Räume an der Seite nutzten. Hätten sie die eine oder andere der zahlreichen Chancen genutzt, die sie sich erspielt hatten, die Fans würden bereits mit dem Finaleinzug liebäugeln. Doch in einem Fußballspiel gibt es immer zwei Hälften, zwei Seiten und später offenbarte sich die eklatante Schwäche der Engländer: das mangelnde Selbstvertrauen in ihr Offensivspiel und die Angst vor der eigenen Courage.

In der zweiten Hälfte zogen sich die Engländer unverständlicherweise zurück, ließen die Russen kommen und lauerten auf Fehler des Gegners. Warum sie nicht – wie in den ersten 45 Minuten – aktiv und aggressiv das Spiel kontrollieren wollten, bleibt ein Rätsel. Ging den englischen Spielern die Puste aus? Wollten sie im Schongang den Sieg gegen schwache Russen nach Hause bringen? Oder bekamen sie es mit der Angst zu tun? Mysteriös, dass Sterling (und das englische Team) in der zweiten Halbzeit die freien Räume nicht mehr zu nutzen verstand. So verstolperte er die eine oder andere gute Gelegenheit oder lief sich fest. Auch mysteriös, dass Hodgson ausgerechnet seinen kopfballstarken Mittelstürmer Kane die Eckbälle treten ließ. Was er sich dabei wohl gedacht haben mag?

Der englische Führungstreffer gelang nicht aus dem Spiel heraus, sondern aus einem Freistoß. Und seltsam, auch hier (wie zuvor der slowakische Torhüter gegen Bale) vertut sich der Goalie und macht einen Schritt zur falschen Seite. Aber der Führungstreffer von Dier weckte die englische Truppe nicht auf, ganz im Gegenteil, er ließ sie noch vorsichtiger agieren. Bezeichnend, dass Hodgson mit seinen Auswechselungen die Defensive stärken wollte, obwohl die nun offensiver agierenden Russen kaum Gefahr erzeugen konnten. Und so kam wie es kommen musste: In der Nachspielzeit köpfelte Bersuzki den Ball über Torhüter Hart ins Tor. Glückliches Russland.

P.S.: Aha. Die englischen Hooligans zerlegen, wie man hört und liest, die Innenstadt von Marseille und liefern sich mit der Polizei und russischen Fans die eine oder andere Straßenschlacht. Dabei gäbe es sicherlich ein paar no go areas in der südfranzösischen Stadt (French Connection?), wo sich die Exekutive im Hintergrund hält. Eine Sightseeing Tour aggressiver und gewaltbereiter Fußballfans durch diese Viertel könnte ausgleichend für alle Beteiligten wirken.

Wenn die NZZ Propaganda betreibt …

Pinter_Wahrheit
Pinteresk

Eine unbedingte Lese-Empfehlung, für alle jene, die wissen wollen, wie eine Schweizer Qualitätszeitung im Ukraine- und Syrien-Konflikt eine doch recht einseitige Kriegspropaganda betreibt. Sie können davon ausgehen, dass es eine ähnlich einseitige Berichterstattung auch in deutschen und österreichischen Qualitätsmedien gibt. Die Studie beginnt mit folgender Einleitung:

»Die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) ist die führende Schweizer Tageszeitung für internationale Themen. Doch wie objektiv und kritisch berichtet die NZZ über geopolitische Konflikte? Um dies zu überprüfen, wurden während je eines Monats alle NZZ-Berichte zur Ukraine-Krise  und zum Syrienkrieg analysiert und anhand des Modells von Professor Anne Morelli auf Muster von Kriegspropaganda hin ausgewertet.«

»Die Resultate sind eindeutig: Die NZZ verbreitet in ihren Berichten überwiegend Propaganda der Konfliktpartei USA/NATO. Gastkommentare und Meinungsbeiträge geben nahezu durchgehend die Sicht dieser Konfliktpartei wieder, während Propaganda ausschließlich auf der Gegenseite verortet wird. Die verwendeten Drittquellen sind unausgewogen und teilweise nicht überprüfbar. Insgesamt muss von einer einseitigen, selektiv-unkritischen und wenig objektiven Berichterstattung durch die NZZ gesprochen werden. Verschiedene Erklärungsversuche für diesen Befund werden diskutiert.«

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Bilderberg? Nur ein Häufchen Elite, Folks.

update: Bilderbullshitting the Public – Taki’s Magazine

update: Bilderberg 2011 – The tipping point – Guardian

Schon mal den Namen BILDERBERG gehört oder gelesen? Hm. Ja, wenn man sich mit alternativen Medien herumschlägt, dann taucht der Name immer wieder auf. Im gleichen Atemzug mit Weltverschwörung und New World Order. Hm. Wenn man sich das Who is who der Teilnehmer anguckt, die sich über die Jahrzehnte so versammelt haben, dann ist das schon recht ordentlich. Was hinter gut gesicherten und absolut verschlossenen Türen so palavert wird, nun, das weiß niemand so recht. Es darf vermutet werden, dass es nicht um das Wetter oder die anstehende Frauen-Fußball-WM in Germanien geht (wobei, die DFB-Damenauswahl hat nen hübschen Kalender gemacht, auf der die Damen, nun ja, recht freizügig abgelichtet wurden – also, für mich wäre das schon ein Gesprächsthema).

Keiner weiß also wirklich etwas, außer, dass sich sehr einflussreiche, sehr wohlhabende, sehr blaublütige, sehr angesehene, sehr interessante, sehr politische Menschen (zumeist natürlich Männer) für ein paar Tage treffen und palavern. Punkt.

Interessanter finde ich, wie über dieses Treffen in den Mainstream-Medien berichtet wird. Um ehrlich zu sein, ich glaube fast, dass der gewöhnliche Bürger von diesen Konferenzen (wollen wir sie mal so benennen) so gut wie nichts erfährt. Oder wussten Sie, dass die Konferenz für dieses Mal in der Schweiz, in St. Moritz, abgehalten wird? An diesem Pfingstwochenende? Immerhin, der Guardian schreibt darüber, wenn auch um den heißen Brei.

Jetzt könnte man natürlich sagen, diese Mitteilung ist von keinem medialen Interesse. Gut. Möglich. Aber nehmen wir den Fall, dass sich die Präsidenten und Spitzenfunktionäre der angesehensten Fußballvereine der Welt für drei Tage in eine Hotel-Anlage zurückziehen, wäre da nicht der Teufel los, im Blätterwald? Würde man da nicht beginnen, sich zu fragen, was zum Teufel die da besprechen? Und wozu sie sich treffen? Neugier ist schnell geweckt, wenn sich eine illustre Schar zusammenfindet. Das war schon immer so. Das wird auch immer so bleiben. Warum also bringen die Medien es nicht auf die erste Seite? Spekulieren über Inhalte und Themen und Agenden – zum Beispiel: über Griechenland und die EU und den Euro und die Probleme, die die Bankiers und Finanzleute alsbald haben werden. Oder über die USA, deren Wirtschaftslage gefährlich nach Depression aussieht. Oder über den arabischen Frühling und was er ausgelöst hat. Oder über die gegenwärtige inhumane Vermögensverteilung. Oder über die Gefahren des Internets und der E-Books … okay, streichen wir E-Books.

Die Welt ist komplex! Wirklich. Aber es gibt einen Wirkstoff, der in allen Ländern, in allen Köpfen funktioniert: Geld! Gut, gut, es gibt natürlich unerschrockene Leutchen, die nicht korrumpierbar sind. Aber was nutzt es, wenn du einen Unbestechlichen unter hundert Bestechlichen hast? Nichts. Eh man sich versieht, wird der Unbestechliche aus dem Rennen genommen. Ein medialer Skandal ist schnell gemacht. Und wenn das auch nichts nutzt, nun, für Geld lässt sich Vieles glatt bügeln. Yep. Das sollten wir nicht vergessen. Geld und Macht gehören zusammen. Wer Geld hat, hat auch Macht. Und wer Macht hat, hat auch Geld oder kann zu welchem kommen. Das ist wiederum nicht sonderlich komplex, oder?

Die Gefahr, mit so einem Blog-Beitrag als Verschwörungstheoretiker in eine Ecke gestellt zu werden ist groß. Sehr groß. Deshalb will ich hier und jetzt sagen, dass ich in keiner Weise daran denke, dass diese ausgesuchte Elite in irgendeiner Weise negativen wie positiven Einfluss am Weltgeschehen nimmt. Es sind nur ältere Herren, die sich für ein paar Tage eine Auszeit nehmen und das Leben genießen. Ja, das würde ich auch gerne.

Wer also ernsthaft wissen möchte, was wirklich wirklich hinter verschlossenen Hotel-Türen so besprochen wird, nun, der könnte ja eine freundliche Anfrage an einen der Herren richten. Zum Beispiel an Herrn Rothensteiner. Oder an Herrn Scholten.  Oder an Herrn Bronner. Oder an Herrn Nass. Oder an Herrn Steinbrück. Oder an Herrn Faymann. Ach so, ja, die beiden Letztgenannten sind demokratisch gewählte Politiker, die natürlich nur das Gemeinwohl ihrer Bürger im Sinn haben. Natürlich. Und wenn man sich die Leute anguckt, aus welchen Bereichen sie allesamt kommen, dann gibt’s dort alles, was man so zum Leben nicht braucht: Arzneimittelabfall, Lebensmittelmüll, Softdrinkabwasser, Elektroschrott, Autoschrott, Medienmüll und so weiter und so fort. Künstler oder Querdenker oder Philosoph oder Humanist konnte ich jedenfalls noch keinen ausmachen.Vermutlich haben sich diese als Hotelangestellte verkleidet und bedienen die Herrschaften für ein paar Münzen.

Also, ich geb zu, da kann einem schon schwindlig werden, wenn man die Liste durchsieht. Beinahe bin ich versucht, mir ein Kopfschmerzmittel einzuwerfen. Und wenn ich gerade dabei bin, frage ich mich gerade, wer die Preise für Arzneimittel, Lebensmittel, Softdrinks und dergleichen festlegt? Und wer prüft eigentlich, welche Stoffe sich denn so in den Lebensmittel, Softdrinks und Arzneimittel befinden dürfen? Und wer informiert eigentlich den Bürger? Hmm. Ja, da schmerzt der Kopf ordentlich.

EM: Spieltag 3 – Gruppe A

Sonntag, 15. Juni 2008

Spieltag 3 – Gruppe A: türkische Stehaufmännchen oder Ein Spiel, das es gar nicht geben dürfte

Gruppe A, in Basel (20:45): Schweiz – Portugal 2:0

Die portugiesische B-Mannschaft kämpft wacker, verliert aber gegen eine motivierte schweizer Elf. Ich denke, das ist nur gerecht. So haben alle was davon. Den Portugiesen ist’s egal, die Schweizer freut’s.

Gruppe A, in Genf (20:45): Tschechien – Türkei 2:3

Ja, als Österreicher kennt man den Einbruch seiner Mannschaft ganz gut. Wir erinnern uns: das Freundschaftsspiel gegen Holland. Da liegen wir nach etwa 35 Minuten mit 3 Toren (!) in Führung und verlieren am Ende mit 3:4. Da dachte man sich: wir sind halt zu blöd, so einen Vorsprung über die Distanz zu spielen. Aber einerseits war es nur ein Freundschaftsspiel, und andererseits ging es immerhin gegen ein Holland, das bei der EM gezeigt hat, wozu es fähig ist.

15 Minuten vor Schluss führen also die Tschechen verdient mit 2:0. Davor war von den Türken nicht viel zu sehen. Eigentlich können sie froh sein, sich nicht schon das dritte Tor eingefangen zu haben. Und der baumlange türkische Innenverteidiger Cervet, der die Rolle des Lazarus übernimmt, hat mehr Blessuren als die ganze tschechische Mannschaft zusammengenommen und trotzdem kämpft und läuft er weiter und weiter. Wahrlich. Dieser Kerl ist ein Held. Vermutlich bauen sie ihm bereits am Bosporus ein Denkmal (in Ottakring vermutlich auch). Als in der 75. Minute die Türken den Anschlusstreffer schießen, denkt man sich im Stillen, dass es spannend werden könnte. Aber diese Türken, die bis dahin kaum eine nennenswerte Aktion zustande gebracht haben, sollen plötzlich gefährlich werden? Und langsam dämmert den Tschechen, was da los war, als die Osmanen gegen Wien anrannten.

Ja, solche verrückten Spiele gibt es. Selten. Hin und wieder. Deshalb muss man sich 100 mittelmäßige Spiele anschauen, damit man so eines erleben darf. Die Dramaturgie vom Feinsten. Mir gefällt es einfach, wenn der Underdog, der Verlierer sich aufbäumt und noch einmal all seine Kräfte aufbietet um das Schicksal, das gegen ihn ist, zu fordern. Zu meist gewinnt das Schicksal. Aber an diesem Tag, da wurde das Schicksal und Tschechien in die Knie gezwungen. Peter Czech, einer der weltbesten Torhüter macht einen kapitalen Schnitzer, ermöglichte so den Ausgleich für die Türken. Hätte man das für möglich gehalten? Und Minuten später läuft die tschechische Hintermannschaft, die allesamt ihr Brot in Italien verdient, dem ballführenden türkischen Spieler hinterher und vergisst, dass ein anderer damit völlig ungedeckt und alleine bleibt. Natürlich kommt, was kommen muss: Nihat, der ungedeckte Spieler, bekommt den Ball und knallt ihn ins Kreuzeck. Hmmmm. Jeztt muss man sich fragen: ist sowas realistisch?

Wiederum, nur noch wenige Minuten zu spielen, muss sich der türkische Torhüter Demirel Luft verschaffen und stößt Jan Koller um. Damit muss er mit mit Rot vom Feld. Alles kein Problem, würde man meinen, aber die Türken haben schon drei Mal ausgetauscht, dürfen demnach ihren Ersatztorhüter nicht einwechseln. Also streift sich einer der Feldspieler das für ihn viel zu große Tormanntrikot über. Wenn man in sein Gesicht blickt, seine Gesten beobachtet, dann sieht es so aus, als würde er seiner Mannschaft sagen wollen, dass er nicht ins Tor gehen will. Erinnert das nicht an unsere Kickerzeiten im Park? Der Kleinste, der Unfähigste, der Dümmste musste immer ins Tor. Wahrlich, ich hätte es gerne gesehen, wie das Bürscherl auf Tormann macht. Leider kam es nicht mehr dazu. Weil die Tschechen nicht mehr in der Lage waren, in den wenigen Sekunden einen hohen Ball in den Strafraum zu flanken. Sie waren stehend Ko.

Jetzt kommt es knüppeldick: die Türken spielen ihr Viertelfinale in Wien gegen die Kroaten. Wer hätte das gedacht? Ich würde sagen: die Kroaten schießen die Türken ab. Irgendwann lässt sich das Schicksal nicht mehr biegen. Irgendwann muss auch ein Cervet seinen Blessuren Tribut zollen. Aber so wie ich die Türken und Cervet kenne, geben sie kein Spiel auf und kämpfen, als würde es kein Morgen geben. Herrlich. Das gefällt mir. Und Wien wird zum Tollhaus. Nicht nur morgen, sondern auch am Donnerstag.

EM: Spieltag 2 – Gruppe A

Mittwoch, 11. Juni 2008

Spieltag 2 – Gruppe A: Der Schock von Basel

Gruppe A, in Genf (18:00): Tschechien – Portugal 1:3

Die Tschechen, wider erwarten, besser als gegen die Schweizer – was nicht all zu schwer fällt, denn noch schlimmer geht’s ja eigentlich sowieso nicht. Immerhin hätte man meinen können, die Tschechen halten das (unverdiente) Unentschieden und gurken sich so ins Viertelfinale. Aber Portugal wäre nicht Portugal, wenn sie nicht verbissen den Sieg erzwingen können (wehe, wenn sie sich einmal die Zähne ausbeißen). Im Großen und Ganzen darf man sagen: die Portugiesen sind bis jetzt nicht gefordert worden und werden auch im letzten Spiel nicht gefordert. Damit ist im Viertelfinale portugiesische Überheblichkeit vorprogrammiert.

Gruppe A, in Basel (20:45): Schweiz – Türkei 1:2

Ja, das nenn ich mal ein emotions- und spannungsgeladenes Fußballspiel. Eine Regenschlacht. Eine Nervenschlacht. Ein Basler Drama. Aber – wie schon so oft gesagt – Tore, die man nicht schießt, bekommt man (schlag nach bei Österreich). Knüppeldick! Minuten vor Schluss laufen die Eidgenossen einen Konter. Drei Schweizer gegen einen Verteidiger. Was machen sie daraus? Nichts. Sie schießen den Torhüter an (zugegeben, so schlecht war der Schuss freilich nicht). Und im Gegenzug, was passiert da? Genau. Die Türken machen das entscheidende Tor. Aus. Schluss. Vorbei. Für die Schweizer. Ein Jammer. Und die türkischen Fans feiern in Wien (und natürlich anderswo) auf ihre Art und Weise. Wie Paleica erzählte, mit Pfefferspray in U-Bahn-Passagen. Auch nicht schlecht. Vermutlich ist ihnen der Champagner ausgegangen. Jetzt kann uns nur noch Tschechien („als Böhmen noch bei Österreich war, vor fufzig Jahr, vor fufzig Jahr …“) vor weiteren Türkenexzessen retten. Wenigstens wird es ein spannendes, dramatisches, emotionsgeladenes Spiel. Nichts für schwache Nerven.