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Literarische und gestalterische Früchte in 9 Jahren (3)

literarische Früchte - angesetzt und tlw. geerntet in 9 Jahre

Zu guter Letzt dürfen in einem Rückblick die Früchte des langwierigen Tuns nicht fehlen. Oft hat man ja den Eindruck, man hätte den ganzen langen lieben Tag nur vor sich hingeträumt und in die Luftschlösser gestarrt. Deshalb ist es immer wieder notwendig, das Geleistete aus dem Archiv zu holen und auf die Bühne zu stellen. Wenigstens für einen Blog-Beitrag, der sich mit dem literarischen, verlegerischen und gestalterischen Gestern beschäftigt. Wer die letzten beiden Einträge zum selbigen Thema verpasst hat, bitte sehr: Teil 1 und Teil 2

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4 Jahre Eigenverlag und ein bisschen Leise (1)

Am 29. Februar 2008 präsentierte ich die erste offizielle Veröffentlichung meines Verlagsprogrammes »Die Liebesnacht des Dichters Tiret« im Wiener Museumsquartier – szenische Lesung mit SchauspielerInnen inklusive. Von diesem Moment an verschrieb ich mich nicht nur der Schreiberei, sondern auch der Verlegerei mit allem Drum und Dran, also mit Haut und Haaren, wenn man so will. 4 Jahre später, in wenigen Tagen schaltet das Kalenderblatt wieder auf einen 29. Februar, ist es Zeit, ein Resümee zu ziehen und rückblickend das Erreichte hinter dem Vorhang und aus dem Keller hervorzuholen. Zumeist ist der euphorische Einzelkämpfer der Meinung, er täte zu wenig. Gewiss, immer könnte es mehr sein. Immer könnte man früher aufgestanden, später zu Bett gegangen sein, um das letzte Quäntchen Kraft aus dem Körper zu pressen. Wer sein eigener Chef ist, der hat zumeist nichts zu lachen.

Hier ein kurzer Clip über die Präsentation:

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Geld machen in Zeiten von iTunes und iBooks

Gestern auf die aussagekräftige Infografik von David McCandless gestoßen*), der sich mit den Einnahmen von Musikern auseinandersetzt. Angefangen von selbst publizierten CD-Alben bis hin zu iTunes-Track-Downloads. Um auf das monatliche Existenzminimum von USD 1.160,- oder rund EUR 812,- zu kommen, müsste also unser Musiker rund 150 CD-Alben verkaufen (Verkaufspreis USD 9,90) oder 3.871 CD-Alben, falls er einen „low-end“-Plattenvertrag hat (was auch immer das heißen soll) oder rund 1500 MP3-Downloads eines Musikstückes zum Preis von $ 0,99 bzw. 2000 iTunes-MP3-Downloads erzielen (Apple möchte natürlich einen Anteil vom Verkaufserlös). Falls die Musik gestreamt wird, also vergleichbar einer Ausstrahlung im (digitalen) Radio, dann erhält der Künstler, naja, gerade mal nicht nichts. Je nach Streaming-Dienst müsste der Song zwischen 900.000 Mal und 4 Millionen Mal im Monat gehört werden, um auf die USD 1.160, – zu kommen. Alles klar? Hier gibt es übrigens eine hübsche Aufstellung, welcher Shop wie viel bezahlt.

Ist die Musikbranche mit der Verlagsbranche zu vergleichen? Durchaus. Freilich, Streaming-Dienste gibt es (noch) nicht, können wir also getrost außen vor lassen. Aber sonst zeichnet sich ein ähnliches Bild. Am profitabelsten ist es immer, sein selber produziertes Buch an den Mann oder die Frau zu bringen, ohne dass jemand dazwischen geschaltet wird und die Hand aufhält. Jeder Künstler kann ein Lied davon singen (auch wenn er Schriftsteller ist), dass diese lukrative Einnahme-Quelle alsbald ausgeschöpft ist und Freunde, Bekannte und Ex-Kollegen einen Bogen um einen machen, wenn sie befürchten, in ein Verkaufsgespräch hineingezogen zu werden. Dank des Internets gibt es zwar eine theoretische Möglichkeit beinahe unendlich viele potenziellen Käufer anzusprechen, aber die Realität sieht natürlich nüchtern aus. Oder würden Sie mir ein Buch abkaufen, nur weil Sie durch Zufall auf diesen Eintrag gestoßen sind? Nope.

Niemand kauft gerne die Katze im Sack. Nicht von einem Fremden. Nicht zu einem Preis, der schwerlich nachvollziehbar ist (meine Bücher könnten innen wie außen völliger Mist sein und ich lache mir ins Fäustchen, wenn ein dummer Kerl ne Bestellung abgibt). Gut, dass es Social Media gibt, kann man jetzt einwerfen. Bitte werfen Sie! Aber die sozial virtuelle VerknüpfungsverZUCKERungsmaschine  bildet ja nur die Wirklichkeit in einem kleineren, überschaubareren Maßstab ab. Will heißen: Nur weil ich Sie in facebook kenne, heißt es nicht, dass wir uns wirklich kennen. Ein Kommentar auf meiner Pinwand macht uns noch nicht zu guten Freunden. Umgekehrt genauso. Warum sollte ich also von Ihnen etwas kaufen? Warum sollten Sie von mir etwas kaufen? Eben. Gibt ja keinen Grund, oder?

Aber von all diesem virtuellem Firlefanz mal abgesehen, ist die digitale Revolution nicht auch ein Segen? Weil es mir als Verkäufer die Möglichkeit einräumt, unendlich viele Werke bereitzustellen, ohne finanzielle Vorlage leisten zu müssen (man beachte, was Verlage primär groß macht: Ihre Geldmittel, die wiederum zum größten Teil geborgt sind – würde  man mir morgen einen Kredit von 10 Millionen Euro einräumen, ich gehe davon aus, dass ich für eine geraume Zeit im Orchester mitspielen würde können; kleiner Seitenhieb: Wie soll ein Kleinverlag mit geringem Budget da jemals mithalten?); durch die Bereitstellung eines theoretisch unendlichen Angebots, gibt es keinen Engpass mehr. Das ist gut. Das ist schlecht. Weil der Mensch zwar ein Herdentier ist, aber innerhalb der Herde dann doch seinen ur-eigenen Platz sucht. Wie dem auch sei, die leichte Bezugsmöglichkeit spricht für das digitale Werk. Und niemand, der dem Kunden sagt „Tut mir Leid, das ist nicht lieferbar!“ oder „Das würde dann wohl drei Wochen dauern, bis es kommt …“ oder „Die Versandkosten würde beinahe so viel ausmachen, wie das Buch kostet!“ – Das sind Argumente, die für die großen Publikumsverlage mit all ihrer logistischen Macht sprechen, nicht für den Kleinverleger oder Eigenverleger, der knapp kalkulieren muss.

Wenn wir von Künstlern sprechen, dann hören wir oft und oft, dass sie eine Fan-Community benötigen. Aha. Gut. Ich denke, das wissen wir alle, oder? Schwieriger ist die Frage zu beantworten, wie man zu einer kommt? Und in einer Epoche der viralen Demenz ist die Trennlinie zwischen informieren/unterhalten und anbiedern/auf die Nerven gehen ziemlich schmal. Und noch mehr, wenn man sich im Social Media Bereich herumtreibt. MySpace sollte ja jedem Musiker (und Künstler) eine Warnung sein – dort konnte man „Bands“ von seiner Pinwand aussperren. Warum? Weil diese nur noch auf sich und ihre Gigs sehr lautmalerisch aufmerksam machten. Am Ende war es nur noch eine Spam-Maschine, die blinkte und brüllte. Entsetzlich. Sollte es einmal ein Künstler oder eine Band geschafft haben, als Spam-Kanone abgetan zu werden, dann ist es besser, man erschafft sich neu. In der virutellen Social-Media-Welt wird man schneller in ne Schublade gesteckt, als man ein Posting beantworten kann.

Im Übrigen will ich jetzt FanBridge ausprobieren (Scheiße, ist das wieder kompliziert). Voerst mal die Ausprobier-Gratis-Version. Es ist eine Seite, auf der jeder Künstler seine Fans „sammeln“ kann. Noch bin ich mir nicht sicher, ob es für mich den Zweck erfüllt. Die Leutchen werden ja immer skeptischer, wenn es darum geht, sich in eine Liste einzutragen. Auch das sollte man in Betracht ziehen.

Wie dem auch sei, ein Künstler, der sich selber vermarktet, braucht Reputation und Aufmerksamkeit wie einen Bissen Brot. Woher soll X. wissen, dass es da einen kreativen Typ gibt, der gute Qualität abliefert? Deshalb sind offizielle Rückmeldungen (jeder kann sie lesen, nicht nur der Künstler) von anderen so wichtig. Ja, um X. zu „beweisen“, dass man „nicht schon wieder einer von den abertausenden Möchtegern-Künstlern“ ist, die allesamt nichts können und nichts sind, braucht es andere, die für ihn in die Bresche springen. Tja. Aber offizielles Feedback bei seinen „Fans“ oder „Freunden“ einzuholen, sie sozusagen einzufordern, fällt unter die Rubrik: „nervig“ und wird vermutlich alsbald gerichtlich untersagt werden.

So bleibt nur in kleinen Dosen auf sich aufmerksam zu machen, um seine Werke und Goodies zu vermarkten. Das Megaphon können wir getrost in der Lade liegen lassen – das Marktschreierische ist vulgär und verträgt sich nicht mit einer fragil musischen Schöpfungskraft. Das Vulgäre (dazu würde auch das Geld zählen) müssen andere für den Künstler erledigen.  Und wenn es niemanden gibt, der das für den Künstler tut? Hm. Darüber müsste ich jetzt nachdenken, was es bedeuten könnte. Schätze mal, nichts Gutes.

*) also, gestolpert bin ich nicht, natürlich haben mich Julia Graff und Wiebke Wiechell in einem Posting der facebook-Gruppe Onliner in Verlagen darauf gebracht!

Harry Potter goes Selbstverlag oder Der Schuss ins Verlegerknie

Kindle Digital Publishing is a dangerous thing. That’s why it’s so good.
Thomas Keir

Ehrlich gesagt, ich habe mit Harald Töpfer vulgo Harry Potter nicht viel am lesenden Hut. Gewiss, die Filme musste man wohl gesehen haben (musste man wirklich?), deshalb kann ich wenigstens sagen, eine kleine Ahnung von diesem Aschenputtel-Märchen Pottermore zu haben. Mehr aber auch nicht.

Viel wesentlicher ist da natürlich für einen Selbstverleger und Indie-Autor die Mär, dass man es mit seinem Text zu Ruhm und Reichtum schaffen könnte. Ein Zuschuss-Verlag aus Österreich hat mir mal ein Angebot gemacht, um eines meiner Bücher zu publizieren. Um den horrenden Preis zu rechtfertigen wurde natürlich eine gewisse J. K. Rowling zitiert. Natürlich. Das ist dann wohl der teuerste Lottoschein der Geschichte. Mein Tipp (den gibt es gratis!): man mache es sich selber. Hm. Sollte das jetzt zweideutig klingen, keine Sorge, wir sind hier jungendfrei unterwegs und ich darf des Lesers Gedanken als abwegig abtun. So. Merkwürdigerweise fällt mir da jetzt Emma Watson ein und ich muss gestehen, ihre kurzen Haare sind ein absolutes no way. Ihren Style-Berater würde ich feuern. Oder an einen Drachen verfüttern.

Zurück zu der Prinzessin auf der Geldmaschine. Die Autorin und ihre Crew haben entschieden, die Harry-Potter-Bücher als E-Book nur über ihre Webseite Pottermore anzubieten. Aha. Rowling soll sich die dafür notwendigen Rechte gesichert haben. Hm. Kommt mir jetzt ein wenig seltsam vor. Wie soll das vor sich gegangen sein? Wenn du ein unbekannter Autor bist, mit viel Hoffnung im Gepäck, und einem Verlag dein Manuskript präsentierst, kannst du im Normalfall nicht zum Feilschen anfangen. Es sei denn, die Leute vom Verlag verstehen ihr Handwerk nicht, waren schlampig, faul, nachlässig oder – das wär natürlich auch ein Desaster – hätten es damals nicht für möglich gehalten, dass ein elektronisches Buch Profit abwerfen könnte. Wie man es auch dreht und wendet, schlau werde ich aus der ganzen Potter-Chose sowieso nicht. Und es würde mich nicht wundern, wenn sich später einmal herausstellte, dass alles ganz anders war. Ich schreibe es jetzt mal schnell auf, damit ich dann sagen kann: ich hab es schon im Juni 2011 geschrieben. Möglich wäre, dass der Verlag sehr wohl die Rechte hat, aber sich offiziell aus dem Spiel heraushält (und natürlich kräftig mitkassiert – immerhin muss weder amazon, noch Apple noch sonst ein E-Book-Shop mitfinanziert werden). Wir werden es wohl am besten an der Bepreisung der E-Books sehen. Würde Rowling nur für sich sein, müsste der Preis der E-Books etwa die Hälfte vom offiziellen Buchpreis ausmachen. Alles andere riecht mir nach unklaren Verhältnissen.

Ja, die Geldmaschine darf nicht zum Erliegen kommen. Es ist mit Sicherheit kein Zufall, dass die E-Books der Serie gerade dann das Licht der Welt erblicken, wenn es im Kinosaal noch einmal rund geht. Der letzte Teil steht am Programm – vermutlich ein guter Grund, für viele Harry-Fans, noch einmal die Bücher zu lesen. Aus Marketing-Sicht ein perfekter Zeitpunkt, um jetzt die E-Books zu lancieren. Chapeau. Dass sich die Potter-E-Books wie warme Semmeln verkaufen werden, also, dazu brauche ich keine Kristallkugel, um das vorherzusagen. Dass die Bücher auch DRM-free daherkommen werden, dürfte die Manager in den großen Publikumsverlage ziemlich anpissen (mein Tipp: Hose wechseln!) – als „Kopier-Schutz“ wird das gekaufte Buch mit den Daten des Käufers mit eine Art Wasserzeichen versehen. Bravo. Welches Potter-Fan möchte nicht seine persönliche Kopie haben? Auch das ist wiederum Beifall wert. *bitte klatschen*

Kommen wir jetzt zum Schuss ins Verlegerknie. Also. Die Verlage haben erkannt, dass sie mit Effekthascherei Unsummen verdienen können. Der Celebrity-Kult wurde zwar vom TV und Kino erfunden, aber warum sollte das gedruckte Wort nicht auf den Zug aufspringen? Eben. Also gab und gibt es all diese voyeuristischen Autobiographien oder Enthüllungsbücher, die dies und das behaupten. Der (finanzielle) Wert eines „literarischen“ Buches fokussiert sich nun zum größten Teil auf den bereits eingeführten und gut bekannten Autor. Und schließlich gibt es noch den Hype, der Gold vom Himmel regnen lässt, wenn man es geschickt anstellt: Alchemist, Potter, Brown, Biss, Jakobsweg, Nassgebiete, Deutschlandabschaffung usw. Die kaufmännischen Talente (DKT, nicht?) in den Verlagshäusern jubelten. Die Marschroute wurde wie folgt festgelegt: Unmengen von Titeln in überschaubaren (und kostengünstigen) Auflagen produzieren und gucken, welches sich davon als potenzieller Hype durchsetzen könnte. Ist das Buch gefunden, wird auf Teufel komm raus das Werbebudget gesprengt, während die anderen Tapeten-Titeln sang- und klanglos aus den Regalen verschwinden (weil ja bereits die nächsten neuen Titeln angekündigt werden).

Eine äußerst fruchtbare Marketing-Strategie. Für die großen Publikumsverlage. Und eigentlich will ein kaufmännisches Talent ein gewinnbringendes System nicht ändern. Wozu? Dumm, wenn die Änderung von außen kommt und man nun entsetzt feststellen muss, dass man die Geister, die man rief, nicht mehr los wird. Geister? Nun, Celebritys und Möchtegern-Berühmtheiten sind bekannt. Das ist nun mal so. Sie haben ihre Fan-Gemeinde. Das ist nun mal so. Wenn also der Star, das Idol bekannt gibt, seine Memoiren als E-Book zu publizieren und man könne es auf seiner Webseite gegen Einwurf kleiner Münzen herunterladen, welches populäre Medium würde diese Info nicht veröffentlichen? Und damit ist schon die Schlacht so gut wie gewonnen. Hier sehen wir also, was es mit den Geistern auf sich hat. Die Publikumsverlage schürten und befeuerten das Verlangen nach voyeuristischer Entblößungsliteratur berühmter Leutchen. Jetzt können diese Leutchen also hergehen, und dank der Selbstveröffentlichung von E-Books großes Geld machen. Der Verlag hat das Nachsehen. Tja. Dumm gelaufen.

Wir dürfen jetzt nicht glauben, dass ein Rockstar eine Ahnung hat, wie man E-Book korrekt schreibt. Aber sein Manager könnte eine kleine Agentur beauftragen, ein E-Book-Package mit allem Drum und Dran zu machen. Webseite, Facebook, youtube, twitter usw. – ist heute kein großes Ding. Hat man im Handumdrehen und kostet nicht die Welt. Schwupp, schon ist der Rockstar mit seinem E-Book auf allen Kanälen zu Hause. That’s easy, folks!

Dadurch, dass sich die Verlage über die Jahre von ihrer Qualitätskontrolle verabschiedet haben, nur noch ihr Augenmerk auf gehypte und umsatzstarke Inhalte richteten, legten sie den Grundstein für das Kommende. Und in diesem Zukunftsszenario haben große Publikumsverlage keinen Platz. Nun, das stimmt freilich so nicht. Aber sie werden wohl die Pole Position abgeben müssen. Das gedruckte Buch wird wohl noch auf längere Sicht in der Hand der Verlage bleiben, da sie die für den Vertrieb nötigen Strukturen besitzen. Aber jeder berühmte Möchtegern-Autor hat nun eine Alternative zum gedruckten Buch und zum Publikumsverlag: das elektronische Buch und der Selbstverlag. Und man stelle sich vor, es gäbe einen Hype um eines dieser E-Books. Der Autor wird die Rechte für das gedruckte Buch teuer, sehr teuer an einen Publikumsverlag verkaufen können. Ja, ich höre bereits das Zähneknirschen der kaufmännischen Talente.

Fluch und Segen von ebooks oder Der literarische Schweinehaufen

John Kennedy Toole committed suicide at the age of 31,
in part because he failed to see his works published
The Death of the Book
Susanism Blog

Seit gestern, 20. April 2011, können nun auch kindle ebooks über amazon.de gekauft und gelesen werden. Seit längerem war es ja möglich, deutschsprachige kindle.ebooks über amazon.com und amazon.co.uk zu beziehen. Ich war vor einem Jahr dabei, habe aus der Not eine Tugend gemacht und meine Bücher auch in den USA angeboten. Wer also ein kindle Lesegerät hatte, musste sich mit den wenigen deutschen Büchern begnügen, die dort vorrätig, also von den wenigen Verlagen eingestellt waren.

Inwieweit nun mehr kindle Lesegeräte verkauft werden, bleibt die große, wohl entscheidende Frage. Je mehr Lesegeräte, desto mehr ebook-Umsatz, desto lukrativer für viele große und mittlere Verlage ins Geschäft einzusteigen bzw. das Volumen an elektronischen Büchern zu erhöhen. Aber schon jetzt werden die Print-Bestseller – gegenwärtige wie vergangene (erinnert sich noch jemand an einen gewissen Dan Brown, ha?) – natürlich angeboten und in die Auslage gestellt. Kein Wunder also, dass hier zugegriffen wird. Die Regel: Was der Kunde kennt, kauft er auch, trifft im Besonderen in der Buchbranche zu. In der deutschsprachigen Buchbranche, sollte man anfügen.

Wenn man sich die Sache in den USA besieht, so stellt man fest, dass die Leutchen (scheinbar) keine Vorurteile gegenüber unbekannten Autoren und Eigenverleger haben. Auch der (günstige) Preis spielt eine wesentliche Rolle, während hierzulande man eher die Nase rümpft, falls man ein ebook um billig Geld angeboten bekommt. Die US-Boys und Girls scannen die ebooks im Bereich von rund 99 Cent durch und kaufen interessant klingende Titel. Man hat den Eindruck, dass der eine oder andere sich einen Volltreffer erhofft, über einen Autor stolpert, der in späterer Folge groß rauskommen wird. Ohne Statistiken zu kennen, würde ich sagen, in den USA zeichnet sich ein Trend ab: nämlich die Suche nach den Perlen im literarischen Schweinehaufen. Dass diese Suche auch ziemlich schmutzig werden kann, tja, das sollte man nicht verschweigen. Denn wo harsche Kritiker sind, da sind auch Autoren, die ihre Werke in Schutz nehmen. Eine Schlammschlacht, zwischen Blog-Rezensenten und Autorverlegerin, wie man es sich nur wünschen kann: link – wobei, vielleicht ist es auch nur wieder eine perfekte Demonstration von Guerilla-Marketing, who knows?

Der Autorverleger im deutschsprachigen Literaturland hat es nicht leicht. Das ebook wird an der Sache nichts ändern, im Gegenteil, es wird nur noch schwieriger, sich zu behaupten und sich einen Namen zu machen. Je mehr Autoren und solche, die es werden wollen, auf den Markt drängen, in dem sie über die verschiedenen Plattformen ihre ebooks anbieten, desto mehr Schrott (man verzeihe mir diesen brachialen Ausdruck – jedes Geschreibsel hat seinen Wert, wirklich – aber um nicht über die Wertevorstellungen diskutieren zu müssen, nehmen wir für diesen Blogbeitrag einfach an, dass es auch Bücher gibt, die einfach nur schlecht bis zum Erbrechen sind usw. und so fort), also, zurück, zum literarischen Schrott, der in den Webshops gehäuft zu finden sein wird. Viele werden ihre ebooks günstig anbieten, vielleicht sogar gratis. Auch hier wird sich wieder das Bestseller-Phänomen zeigen: eine Minderheit, eine Hand voll Autoren, wird mit ihren publizierten Büchern Aufmerksamkeit erregen – zum Beispiel, weil das ebook auf amazon in den Verkaufscharts ganz oben steht. Deshalb zieht das natürlich weitere Käufer an und so dreht sich die hübsche und lukrative Spirale nach oben – und schließlich kommt dann der Verlagsvertrag und alle zerreißen sich die Mäuler, wie einfach und leicht es nun ist, mit selbst produzierten ebooks reich und berühmt zu werden. Ja, ja.

Wie lange es dauern wird, bis die Leserschaft von ihrem hohen Ross heruntersteigt und Texte nach ihren ureigenen, sehr persönlichen Kriterien beurteilt, nun, das steht in den Sternen. Publikumsverlage werden alles daransetzen, um ihre Rolle als qualitative Filteranstalt in die Köpfe der Käufer zu hämmern. Verlage agieren, wie jedes Unternehmen, das Profit machen muss, in erster Linie nach ökonomischen Gesichtspunkten. Viele Bücher werden gemacht, weil man in den Führungsetagen davon ausgeht, dass sie sich (besser) verkaufen. Ich weiß, ich wiederhole mich. Aber das muss sein. Genauso, wie die Werbung durch ständiges Wiederholen eine Wahrheit in die Ohren des Konsumenten plärrt, genauso muss ich gegen die Windmühlen des Status Quo ankämpfen. Gewiss, nicht uneigennützig. Jede Revolution macht den Unterdrückten und Gepeinigten ein unerhörtes Versprechen – ohne diesem Versprechen würde es wohl zu keiner Revolution kommen. Mit anderen Worten, es sind zumeist die Unzufriedenen, die eine Entwicklung vorantreiben, die einen gegenwärtigen Zustand in Frage stellen.

Aber wie jede Revolution ihre Kinder frisst, so ist es bei dieser nicht anders. In Anlehnung an das eingangs erwähnte Zitat, dass ein gewisser John Kennedy Toole (ich kannte den Autor nicht – laut Wiki erhielt er postum den Pulitzer Prize) sich unter anderem das Leben nahm, weil eines seiner Manuskripte nicht verlegt wurde, so könnte man in ein paar Jahren das Zitat wie folgt ändern:

John Kennedy Toole committed suicide at the age of 31,
in part because he failed to make a fortune
by selling his self published ebooks.