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Shakespeare in Parsons Green, London

Feuerzeug_Parsons
Love is a burning thing and it makes a fiery ring

Für den Fall, dass Sie wissen wollen, was ich über den letzten „Terroranschlag“ in der U-Bahn Station Parsons Green in London halte, dann verweise ich hierher und hierher:

Die ganze Welt ist Bühne
Und alle Fraun und Männer bloße Spieler.
Sie treten auf und gehen wieder ab,
Sein Leben lang spielt einer manche Rollen […]

Wie es euch gefällt
Shakespeare

Jetzt mal ehrlich. Wenn man sich die (in die Öffentlichkeit gelangten) Fotos und Videoclips anguckt, muss man schon ordentlich gehirngewaschen sein, um die offizielle Version für bare Münze zu nehmen. Aber wenn der Nachrichtensprecher im TV mit ernster Miene von einem Terroranschlag spricht, dann muss es wohl wahr sein. In den Worten von Richard Nixon: The [American] people don’t believe anything’s real until they see it on television.

In der Londoner U-Bahn hat es eine Explosion gegeben, titelt eine Zeitung. Später erfährt man, dass ein (weißer) Kunststoffkübel, der in einer Ecke, hinter einer Sitzreihe abgestellt wurde, „explodierte“. Ein „Feuerball“ soll durch das Wageninnere geschossen sein und dabei mehr als zwei Dutzend Menschen verletzt, aber sonst keinerlei sichtbare Spuren hinterlassen haben!

Es sieht so aus, als würde die Obrigkeit ausloten, wie weit sie gehen kann, bevor die breite Masse diese schlecht gemachten Inszenierungen beargwöhnt. Von der freien und unabhängigen Presse dürfen wir uns freilich keine Hilfe erwarten. Diese wiederholt – wie eh und je – einfach nur die behördlichen Aussendungen und stellt sich gehirntot. Punktum. Wer skeptisch-kritische Gedanken zu einem Anschlag äußert, beispielsweise auf youtube, verstößt gegen die „Community“-Richtlinien und wird ins memory hole geworfen, sprich gelöscht.

Willkommen in der orwellschen Gegen-Aufklärung, deren Motto allseits bekannt sein dürfte: Unwissenheit ist Stärke.

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Welcome, Mr. President Donald J. Trump

nyt_election
Michigan und New Hampshire zählen noch immer. Gesehen in der New York Times.

Für den eiligen Leser: Der Wahlausgang ist das Beste, was der Welt passieren konnte. Period!

Das war eine Wahlnacht, am 8. November. So schnell wird sie wohl keiner vergessen, der sie durchlebt hat. Höhen und Tiefen. Hoffnung und Bangen. Auf der einen, auf der anderen Seite. Aber je länger die Nacht wurde, um so stiller und nachdenklicher wurden all die Experten in ihren teuren TV-Studios. Am Ende, als klar ersichtlich wurde, dass Donald Trump der neu gewählte Präsident der USA werden würde, brachen alle Dämme. Es war ein Anblick, den kein Skeptiker jemals vergessen wird können. All die „objektiven“ Medienleute – hüben wie drüben – waren im Schockzustand. Manch eine, manch einer der Profis rang mit Worten und Tränen. Man kann es nicht glauben, man kann es nicht fassen. Diese Wahl hat die politische genauso wie die kulturelle und mediale Welt auf den Kopf gestellt. Niemand kann im Moment ermessen, welche Schockwellen durch die USA, durch die ganze Welt gehen.

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Huxleys Schöne neue Welt

update: In diesem Artikel werden Huxleys und Orwells Zukunftsszenarien gegenübergestellt: link

Zugegeben, es hat seine Zeit gebraucht, bis ich für Huxleys Klassiker Brave New World aus dem Jahr 1932 bereit war. Das Büchlein über eine Gesellschaft in ferner Zukunft hat mich letzten Endes  in keiner Weise überzeugt. Die Art und Weise, wie Huxley die Zukunft dramatisiert, ist, mit Verlaub, stümperhaft. Gewiss, die »Message« des Buches über eine moderne Kasten-Gesellschaft, die Menschen nach ihrem zukünftigen Tätigkeitsfeld formt und sie mit dem Alkohol-Drogen-Ersatz »Soma« bei Laune hält, hat etwas für sich. Aber der Leser wird sich nie sicher sein können, wie »ernst« es Huxley überhaupt meinte. Ich gehe davon aus, dass sich der Autor einfach nur an einer leichtfüßigen Parodie versuchte. Dass diese Parodie ein ernstzunehmenden Klassiker der Utopieliteratur werden würde, zumeist daherkommend im Tandem mit Orwells exzellent durchdachten Zukunftsdrama 1984, dürfte Huxley vermutlich selber nicht geglaubt haben. But who knows?

Gemein ist beiden Büchern, dass eine zukünftige Elite davon ausgeht, dass die breite Masse »gesteuert« und »gelenkt« werden müsse. Zum Wohle der Welt und – vor allem – der Elite. Diese Ansicht ist nicht neu – vermutlich gibt es sie seit Anbeginn der Zivilisation -, aber die eingesetzten Mittel, um die breite Masse zu lenken, die haben sich mit der Zeit geändert. Gewalt, Angst und Schrecken (Peitsche) sind – wenigstens kurzfristig – die effektivsten Mittel, um eine Mehrheit in Zaum zu halten. Längerfristig wählt die Elite freilich ein System, in dem Propaganda, Materialismus, Idealismus, Modernismus, Süchte bzw. Abhängigkeiten, konditionierte Wahrheiten (Zuckerbrot) für die nötige Stabilität sorgen.

Aldous Huxley, der im imperialen England Ende des 19. Jahrhunderts geboren und im elitären Eton College erzogen wurde, konnte sich unmöglich eine Zivilisation vorstellen, in der niemand mehr Shakespeare lesen würde (by the way: Der Titel ist einem Shakespeare-Stück entnommen). Das ist freilich die Paradoxie des Buches. Weil es für eine Leserschaft geschrieben wurde, die ihren Shakespeare in und auswendig kennt. Und – ich gebe es zu – zu dieser Leserschaft gehöre ich nicht. Ich gehe davon aus, dass es wohl auch seine Zeit brauchen wird, bis ich für den englischen Dichter bereit sein werde. Und wer weiß, wenn ich dann all die vielen Werke Shakespeares in- und auswendig kenne, vielleicht beginnt mir der Huxley Klassiker zu gefallen. Hm. Unwahrscheinlich, but who knows?