richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Schlagwort-Archiv: social media

Psst! Ich will dir nur etwas verkaufen.

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Können Sie Rotkäppchen sehen?

Sie werden es wohl schon bemerkt haben, dass sich das Web immer mehr von einer Präsentations- zu einer Verkaufsplattform verwandelt hat. Als ich 2006 mein erstes Buch in einer Privatauflage veröffentlichte und eine Party schmiss, war Social Media kein Thema. Es reichte, E-Mails zu verschicken, um die Leute neugierig zu machen. Ja, damals klickten die Damen und Herren tatsächlich noch in eine Nachricht, überflogen den Inhalt und bildeten sich eine Meinung. Heute ist das nicht mehr möglich. Die digitale Quelle sprudelt reichlich und lässt einen beinahe in der Informations-, Newsletter-, Spam- und Werbeflut ertrinken. Wir dürfen bei alledem nicht vergessen, dass unser Gehirn jede Nachricht abarbeiten muss. Dummerweise verbraucht Gehirnleistung dermaßen viel Strom, dass unser „Betriebssystem“ bemüht ist, Tätigkeiten ins Unbewusste auszulagern oder gleich gänzlich abzustellen. Deshalb klicken wir viele E-Mails und Postings ungelesen weg. Der Betreff reicht aus, um zu verstehen, dass hier wieder jemand unsere Zeit oder unser Geld oder beides möchte. Die wirklich persönlichen Nachrichten, sie werden seltener und seltener.

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Eine einzigartige Analyse über den Anschlag von Nizza! #Widersprüche

Nizza_Tatsachen

Heute werde ich meine im deutschen Sprachraum (vielleicht sogar weltweit) einzigartige Analyse über den (vermeintlichen) Anschlag von Nizza, 14. Juli 2016, veröffentlichen. Rund 50 A4-Seiten lang, geht der Artikel auf viele Details ein und zeigt die vielen Widersprüche, die bis dato von den französischen Behörden noch nicht geklärt und von den in- wie ausländischen Medien ignoriert wurden.

Ich habe mehrere Woche sehr intensiv an dieser Analyse gearbeitet, habe englische und französische Texte übersetzt, habe Zeugenaussagen transkribiert, Fotos und Videoclips durchgesehen und im Web immer wieder nach Kommentaren und Interpretationen gesucht. Letztendlich komme ich zum Schluss, dass das offizielle Narrativ unstimmig, widersprüchlich und widersinnig ist.

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Merkwürdigkeiten in Nizza, 14. Juli 2016: Timeline der Meldungen auf Twitter

Facts_Huxley

update 23.07.2016: Das explizite „Gruppenfoto“ wurde von @cwilliams gemacht und um 22:55 getwittert.

Ergänzung 22.07.2016: Im ARD Morgenmagazin vom 15.7.2016, um 8 Uhr 07, erzählt @gutjahr: „Ja, es war genau (!) 23 Uhr und 7 Minuten, das Feuerwerk war gerade vorhin zu Ende gegangen, die Lichter gingen hinter mir wieder an, Bands, Musikkapellen spielten, die Familien, Besucher dieses Festes waren auf der Straße, das ganze Gebiet hier war abgesperrt, für den Verkehr, das heißt, es war sehr eigenartig, dass sich plötzlich ein LKW diese Szenerie näherte … da ganz da hinten an der Straße ist er zum Stillstand gekommen und dort gab es dann ein Feuergefecht, etwa 20 bis 25 Sekunden ging das dann. Ja und die Panik, die brach dann hier endgültig aus.“ [Im Morgenmagazin vom 15.7. um 5 Uhr 39 sagt @gutjahr: „Es war kurz nach 23 Uhr“]

Ergänzung 21.07.2016: Die Promenade des Anglais war zwischen dem Hotel Negresco und der Avenue des Phocéens für den Verkehr gesperrt. Die Entfernung beträgt etwa 1 km. Ich habe die zwei Puntke auf google maps eingetragen.

Ergänzung 21.07.2016: Die SWR-Redakteurin Janine Konopka, die privat mit ihrer Mutter in Nizza weilte und das Fest besuchte, entging nur knapp dem LKW-Anschlag: „Der LKW hat ja sämtliche Menschen mitgerissen … wir waren, wirklich, ein paar Millimeter von ihm entfernt“. Interessant ist, dass sie das Ende des Feuerwerks mit 22:25 angibt und danach sei gleich der LKW gekommen.

update 21.07.2016: Ich wurde darauf aufmerksam gemacht, dass es zwei Feuerwerke gegeben hat; eines auf der Prom. des Anglais No. 5 (offizielle Beginnzeit: 22:00 – Dauer: 20 Minuten) und ein zweites ca. 7 km entfernt  (offizielle Beginnzeit: 22:30 – Dauer ist nicht angegeben). Auf dem „Panik-Videoclip“ von @harp_detectives ist tatsächlich in weiter Ferne ein Feuerwerk im Hintergrund auszumachen und würde auch von der Uhrzeit (ca. 22:48) her stimmen. Hier sieht man die beiden Orte auf der Landkarte.
update 08.08.2016: Beim zweiten Feuerwerk handelt es sich wohl um jenes in St Laurent du Var und nicht in Juan-les-Pins.

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Falls Sie meine Analyse zum Event in Nizza (14. Juli 2016) noch nicht gelesen haben, so sollten Sie es tun, bevor Sie hier in medias res gehen. Da die Auflistung und Interpretation der verschiedenen Twitter-Meldungen wie bereits bei den Ereignissen rund um die Kölner Silvesternacht einen unbedarften Social-Media-Passanten ziemliche Kopfschmerzen bereiten, dachte ich mir, ich versuche meine Überlegungen gleich zu Beginn des Artikels auf den springenden Punkt zu bringen. Natürlich stellen all diese Gedanken nur meine Meinung dar, die sich wiederum auf Informationen gründen, die mir bis zum jetzigen Zeitpunkt zur Verfügung gestanden sind. Im Großen und Ganzen gestaltet sich die mediale Auftrennung eines gordischen Event-Knotens als ein unmögliches Unterfangen. Nichtsdestotrotz gilt es, auf jede noch so kleine Merkwürdigkeit hinzuweisen, will man sich nicht behördlichen und medialen Verlautbarungen – wie Pawlows Hund – auf ein (Klingel)Zeichen hin unterwerfen. Als Bürger, wie Literaturnobelpreisträger Harold Pinter in seiner Rede sagte, muss man sich stets die Frage stellen, was ist wahr und was ist falsch.

Meine Interpretation der Twitter-Feeds:

Der Account @pzf [Breaking News Feed] mit ca. 331.000 Followern ist mir bereits bei anderen Events (Paris) aufgefallen. Ikonenhafte Fotos und Videoclips wurden von @pzf recht schnell gefunden und verbreitet. Auch sind die Leutchen recht flott, wenn es darum geht, ein Ereignis als TERROR-ATTACK zu bezeichnen, obwohl es noch keine offizielle Verlautbarung in diese Richtung gegeben hat. Am schnellsten dürfte in dieser Hinsicht  ‏ @ILNewsFlash [Israel News Flash] reagiert haben, die bereits nach einer halben Stunde verlautbarten, dass es sich bei dem Ereignis um einen bestätigten (!) Terroranschlag gehandelt hätte. Es sollte eine weitere halbe Stunde vergehen, bis die Presseagentur AP überhaupt Wind von den Ereignissen in Nizza bekam und vorderhand nur von einem Unfall berichtete.

Am schnellsten schoss freilich @Gutjahr aus der Hüfte. In einem Tweet spricht er bereits Minuten nach dem Ereignis von einem Terroranschlag – jeder ist an dieser Stelle eingeladen, sich Gedanken zu machen, ob es sich dabei um Vorsatz oder Fahrlässigkeit gehandelt hat. Faites vos jeux.  Solche in die Social-Media-Welt geworfenen Mutmaßungen angereichert mit Fotos, die mehr verbergen als zeigen, lösen für gewöhnlich einen automatischen emotionalen Reflex bei den Mediennutzern aus. Wut und Trauer, Hass und Entsetzen gewinnen die Oberhand, während Vernunft und Skepsis unter die Räder des bezahlten, gesteuerten und konditionierten Social-Media-Mobs kommen. Wer auch immer eine politisch-gesellschaftliche Agenda mit diesen Events verfolgt, mit Emotionen lässt sich jedes Ziel erreichen.

Der Account @political beauty [Zentrum für Politische Schönheit] mit ca. 59.500 Followern ist mir ebenfalls aufgefallen. Ohne Angabe der Quelle wird der ARD-Nachtmagazin-Ausschnitt des @Gutjahr-LKW-Clips gezeigt. Seltsamerweise fehlen die Wasserzeichen. Erst am nächsten Tag, als es Anfragen von CNN und FOX 2 für die Verwendung des Clips gibt, wird in einem Antwort-Tweet als Quelle @Gutjahr genannt. Merkwürdig ist, dass so große Medienhäuser wie CNN und FOX über dieses deutsche Twitter-Account stolpern müssen, um sich Bildmaterial zu sichern, wo es mit Sicherheit einfacher gewesen wäre, mit ARD in Kontakt zu treten. Der Account @IsraelBreaking verwendete übrigens auch einen Ausschnitt des @Gutjahr-LKW-Clips, löschte aber die Tonspur und schnitt die Wasserzeichen weg. Dieser Clip und jener von @political beauty sowie Bilder von @ILNewsFlash wurde von oben erwähntem @pzf Account re-tweetet oder einfach übernommen. Sie sehen, wir drehen uns im Kreis.

Merkwürdig der Umstand, dass es zwei kurze Videoclips gibt, die beide zeigen, dass Leute (panisch) in eine Richtung laufen – all das ca. 10 Gehminuten vom (späteren) Showdown entfernt. Die Aufnahmen müssen vor dem Hochladedatum auf Twitter, 22:44 und 22:48, gemacht worden sein. Die Frage ist demnach, wovor sind die Menschen (panisch?) geflohen? Zu jenem Zeitpunkt ist der LKW weder in die Menschenmenge gerast, noch von der Polizei beschossen worden. Einsatzkräfte sind wiederum angehalten, jede Panik zu vermeiden – seltsamerweise sieht man keinen einzigen Polizisten in den beiden Clips, der versuchen würden, die Leute zu beruhigen oder zu dirigieren. Außerdem fahren auf der gesperrten Straße private Autos und Motorräder, aber keine Einsatzfahrzeuge. Man fragt sich, wie das sein kann, wo doch Frankreich seit den letzten Events den Notstand ausgerufen und die Polizeipräsenz erhöht hat. Wie dem auch sei, diese beiden Videoclips, die auf allen Medienkanälen rauf- und runtergespielt wurden, haben erst das medial-emotionale Feuer entfacht. Theoretisch könnte diese Panik, so es eine war, ganz andere Ursachen gehabt haben – und es gibt keine Möglichkeit festzustellen, ob diese Aufnahmen tatsächlich mit dem Ereignis in Verbindung stehen. Wir müssen – wie all die großen Medienhäuser – den Twitter-Accounts voll und ganz  vertrauen. Müssen wir wirklich?

Ebenfalls Öl ins Feuer goss Régis Le Sommier, stv. Redaktionsleiter des französischen Magazins Paris Match, der in einem Tweet bekannt gab, dass sich ISIS™ zu diesem Anschlag bekannt hätte – obwohl die offiziellen Medienkanäle der Organisation noch eine Weile schweigen sollten. Kein Wunder, dass das Tweet wieder gelöscht wurde – aber es reichte, um Emotionen hochzukochen und Spekulationen zu nähren. Apropos. Der Regionalpräsident und ehem. Bürgermeister von Nizza Christian Estrosi twitterte am nächsten Morgen eine Zeile, die in den Ohren eines jeden Elitisten wie wahre Poesie klingen muss:

Nach #CharlieHebdo, nach dem #13november, nach #Brüssel, hat man vergessen, dass sich Frankreich und Europa im Krieg befinden. #Nizza06 [meine Übersetzung:] Après #CharlieHebdo, après le #13novembre, après #Bruxelles, on a oublié que la France et l’Europe étaient en guerre. #Nice06

Bitte beachten Sie, dass auch zu diesem Zeitpunkt noch kein Bekennerschreiben der ISIS™ vorlag. Und jenes, welches zwei Tag nach dem Event der Öffentlichkeit präsentiert wurde, könnte genausogut Trittbrettfahrerei gewesen sein. In Zukunft wird man wohl Autounfälle, ja jede Art von Unfällen, näher unter die Lupe nehmen müssen. Aus Gründen der Staatssicherheit, versteht sich.

Wenn Sie wirklich wissen wollen, worum es bei alledem geht, hier ist die Antwort:

Krieg ist Frieden,
Freiheit ist Sklaverei
Unwissenheit ist Stärke.

***

Als respektablen Vorzeige-Augenzeuge haben wir den deutschen Journalisten @Gutjahr, der mit seiner Familie in Nizza weilte und dort vom Balkon des Hotel Westminsters das Feuerwerk zum Nationalfeiertag verfolgte.

Gegen 22:45, so @Gutjahr im Interview, sei das Feuerwerk zu Ende gewesen und die Leute hätten ausgelassen auf der Promenade, die für den Autoverkehr gesperrt war, gefeiert. Plötzlich, so der Journalist weiter, näherte sich ein weißer LKW in langsamer Fahrt. Der Videoclip, der dies zeigt, ging bekanntlich um die halbe Medienwelt. Offiziell wird Tage später verlautbart, dass die Überwachungskameras zeigten, dass der LKW eine Betonsperre durchbrach und die Strecke (2000 Meter lt.Medienberichten) mit 90 km/h in 45 Sekunden zurücklegte – ich schätze, die Behörden gehen davon aus, dass die Journalisten bereits völlig verblödet sein müssen, um hier nicht nachzurechnen: 90 km/h = 25 m/s und bei 2000 Meter = 80 Sekunden – ohne Berücksichtigung der Anfahrt, des Abbremsens, der Gutjahr-Schrittgeschwindigkeitsstrecke usw. Jedenfalls beobachtete @Gutjahr vor 22:45 nichts Ungewöhnliches! Es wäre natürlich für die Untersuchung von unschätzbarem Wert gewesen, hätte @Gutjahr eine exakte Zeitangabe gemacht – auf seinem Smartphone hat die Filmdatei bekanntlich einen Zeitstempel.

Siehe Ergänzung 22.07.2016 am Beginn des Beitrags! Im ARD Morgenmagazin vom 15.7. gibt @gutjahr die Zeit seines Videoclips mit „genau“ 23:07 an. Das steht freilich im Widerspruch mit anderen Zeugen (Konopka: 22:25) und dem offiziellen Ende des Feuerwerks (angekündigter Start: 22:00 – Dauer ca. 20 Minuten). Außerdem twitterte er um 23:07 jenes Foto, das er auf der Straße machte. Verwechselte er Aufnahmezeitpunkt und Twitter-Hochladedatum? Rätselhaft!

Siehe update 21.07.2016 am Beginn des Beitrags! Seltsam, dass beim gefilmten Showdown das Feuerwerk im Hintergrund zu sehen ist und demnach noch nicht zu Ende gegangen ist. Ein weiterer Widerspruch (der sich freilich gar nicht mehr so leicht ‚beheben‘ lässt – entweder war das Feuerwerk noch im Gange oder eben nicht mehr; die Uhrzeit spielt bei alledem keine Rolle mehr. Da es sich bei dem Feuerwerk im Hintergrund um jenes vom Strand Juan-les-Pins handelt, müsste der Showdown demzufolge zwischen 22:30 und dem Ende des Feuerwerks gelegen sein.

Ergänzung 21.07.2016:

Die SWR-Redakteurin Janine Konopka gibt das Ende des Feuerwerks mit 22:25 an; gleich anschließend, so die Redakteurin, sei der LKW gekommen. Hat sich @gutjahr tatsächlich so extrem in der Zeitangabe geirrt?

Ergänzung 03.08.2016: 

22:41 Im Restaurant TRY Burger, Rue l’Opéra, ist in einem Filmausschnitt von Global News Bilder der Überwachungskamera zu sehen. Während viele Menschen von der Gasse „panisch“ ins Lokal strömen, läuft die Uhr mit.

 

Nizza_Tweet_Running2

22:44 @yvnnick: Ich bin in Nizza da gibt es Bewegung in der Menge, weiß nicht wieso [meine Übersetzung:] jss dans nice y’a des mouvements de foule de mutant on sait pas pk

Der kurze Videoclip wurde u. a. von AP, AFP, New York Times, NBC, usw. „angekauft“; Der Account hat übrigens nur 363 Follower und kaum Traffic. Auch setzte der Twitterer kein Hashtag für Nizza. Es ist ein kleines Wunder, dass dieser Clip überhaupt viral ging. Seltsam, dass er keine weiteren Clips oder Fotos machte, dafür re-tweetete er eine Notfallnummer. Sollte es sich tatsächlich um einen jungen Franzosen in Nizza handeln, dem der Account gehört, dann ist es unverständlich, dass es nicht mehr Bildmaterial gibt. Sehr suspekt. Weil, seien wir ehrlich, die jungen Leute von heute sind mit ihrem Smartphone verwachsen und machen von jedem shit Fotos und Clips. Die Aufnahme entstand übrigens bei der Oper von Nizza in der , eine Parallstraße zum Quai des États-Unis, etwa 750 Meter und 10 Gehminuten vom Endpunkt des Showdowns Höhe Rue de Congrès entfernt. So gesehen muss sich @gutjahr in der Zeit geirrt haben, zumal die Panik ja nicht vor dem Ereignis eintreten kann. Schon gar nicht 700 Meter weit weg. Mit anderen Worten: Hier passt etwas nicht zusammen!

 

Nizza_Panique

22:48 @harp_detectives: Panikreaktionen !! #Nizza [meine Übersetzung:]  Mouvement de panique !! #Nice

Die Aufnahme entstand vermutlich in der Brasserie L’Eden, 69 quai des États Unis, etwa 850 Meter und 11 Gehminuten vom Endpunkt des Showdowns Höhe Rue de Congrès entfernt. Die Frage ist nun, wie kann es zu so einer Panikreaktion kommen, obwohl das Geschehen (welches?) zum einen noch weit entfernt, zum anderen zeitlich zu früh ist?! Die Medienhäuser stürzten sich natürlich allesamt auf den Clip. Die Twitter-Anfragen reichten dabei von ABC bis Nippon TV. Obwohl es sich bei dem Inhaber dieses Twitter-Accounts um eine Detektei handelt, wurde deren investigativer Spürsinn nicht geweckt. Es gab kein weiteres Fotomaterial.

Eine 17-jährige Schülerin, die mit ihrer Klasse in Nizza war, gab an, dass das Feuerwerk um 22:30 zu Ende gegangen sei – was nicht stimmen kann, da auf diesem Clip im Hintergrund noch Feuerwerk zu sehen ist (siehe update vom 21.07.2016). Im Artikel der Berliner Morgenpost heißt es weiter: „In einer Seitenstraße der Promenade habe ich mir noch ein Wasser gekauft, als plötzlich Menschen vorbeirannten. Sie schrien, zuerst habe ich nicht verstanden was. Dann hörte ich: ,gunshots‘. Wir liefen einfach mit, wussten aber überhaupt nicht, was los war.“

Ergänzt 02.08.2016:

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Auf instagram (kein timestamp!) wurde der obige Videoclip mit der folgenden Notiz von G.A. Morrow gepostet: Insane Panic all throughout Nice centre. Alleged terrorist rumors and major confusion as to what we are all running from. #nicefrance #bastilleday #bastilleday2016 #niceterrorist ?

Der Aufnahmeort ist venue Jean Médecin Ecke Rue de l’Hôtel des Postes (googlemaps); im Interview mit BBC gab Morrow die folgende Informationen: as soon as the fireworks were over and we are heading back from the promenade Negresco and out of a sudden, this huge panic errupted from the streets and everybody was running … away from the Negresco. [ca. 15 Minuten Gehzeit!]

23:05 @Glamour_Robyn: Anschlag genau gegenüber dem Restaurant wo ich esse #Nizza [meine Übersetzung:] Attentat juste en face du restaurant ou l’on manger 😭😭😭😭 #Nice [eine Stunde später twittert sie:] Wir waren gerade essen und hatten eine schöne Zeit als der Anschlag praktisch vor uns passierte. Wir haben uns in der Küche in Sicherheit gebracht. Ich sah Polizisten, die schossen [meine Übersetzung:] We were eating & enjoying time together then the attack happened right in front of us. We ran to the kitchen to be safe. I saw cops shooting [00:32]
Die Twitterin wollte das Konzert von @rihanna (63 Mio Follower) besuchen, welches am 15. Juli in Nizza über die Bühne hätte gehen sollen. Das Konzert wurde abgesagt. Die Sängerin dürfte sich demnach am 14. Juli in Nizza aufgehalten haben.

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23:07 @Gutjahr: Der Moment, wenn sich vor deinen Augen ein Terroranschlag ereignet. Und nein, jetzt kein Periscope-Livestream #Nizza

Wie gesagt, es ist äußerst verantwortungslos, dass ein Journalist bereits zu diesem Zeitpunkt von einem Terroranschlag spricht (de facto eigentlich schon zum Zeitpunkt, als er den Videoclip drehte und zu (s)einer Frau sagte: „Terror Attack! There is a terror attack … down!“); um Mitternacht präsentierte @Gujahr im ARD Nachtmagazin jenen kurzen Videoclip, der um die Welt gehen sollte – ohne dass man jene Stelle ausstrahlte, in der seine Stimme zu hören ist.

Ein klein wenig seltsam fand ich auch den Umstand, dass @Gutjahr keinerlei Ankündigung seiner Reise nach Nizza auf Twitter machte. Für gewöhnlich lassen Social-Media-Profis keine gute Gelegenheit ungenutzt, um Klicks zu generieren und sich ins Gespräch zu bringen. Ein exotisches Foto von Sonne, Strand und Palmen macht sich da besonders gut, da es sich wohltuend vom grauen Bildschirmalltag abhebt. Im zweiten Teil seines Clips schlendert @Gutjahr mit der Kamera auf der Straße und filmt, was es so zu sehen gibt. Leider ist es nicht möglich, herauszufinden, wann diese Aufnahme gemacht wurde. Rettungskräfte sind nicht bzw. nicht mehr zu sehen. Stutzig hat mich dabei der Umstand gemacht, dass drei Polizisten bei ihrem Polizeiauto stehen und keinerlei Anstalten machen, etwas zu unternehmen. Immerhin liegen etwa zehn Meter weiter Personen auf der Straße – überhaupt ist der Bereich ja als Unfall- bzw. Tatort anzusehen und es ist unerklärlich, warum die Einsatzkräfte hier nicht tätig wurden – in einem Interview hieß es wiederum, dass es zu großräumigen Absperrungen kam und man nicht zum Ort des Geschehens gehen könne. Die kurze Aufnahme der Straße mit all den Herumliegenden und Herumstehenden wirkt auf mich surreal. Verletzte sind keine zu sehen – wo sind sie hin? Niemand, der hektisch gestikuliert, niemand, der vor Schmerzen – seien sie seelisch, seien sie körperlich – schreit oder brüllt oder wimmert.

Der Kommentar von @Gutjahr zu seinem Clip möchte ich als suggestiv bezeichnen. Es ist richtig, dass man einen LKW von links nach rechts fahren sieht, aber man kann nicht erkennen, dass er in eine Menschenmenge rast. Tatsächlich ist die Straße bis zur Kollonade frei von Fußgängern und man kann vermuten, dass die Leute die Straße rechts und links verlassen haben. Jedenfalls sieht man Fußgänger über den begrünten Fahrbahnteiler und damit weg von der Straße gehen.

23:18 @Glamour_Robyn twittert das Foto eines TV-Bildes des französischen Fernsehens mit der folgenden Laufschrift: AKTUELL in Nizza: ein Fahrzeug ist auf der Promenade des Anglais in eine Menschenmenge gerast, es gab Opfer (Stadtverwaltung, Augenzeugen) [meine Übersetzung:] DERNIÈRE MINUTE Nice: un véhicule a foncé dans la foule sur la Promenade des Anglais, il y aurait des victimes (mairie, temoins).
Seltsam, dass @Glamour_Robyn sonst keine Fotos oder Clips twitterte, obwohl sie sehr nahe am Geschehen war. Noch dazu, wo sie ein Mitteilungsbedürfnis hatte.

23:25 Präsident der Region @cestrosi: Werte Einwohner von Nizza, der Lenker eines LKWs dürfte Dutzende Tote zu verantworten haben. Bleiben Sie bitte für eine Weile zu Hause.Weitere Informationen folgen. [meine Übersertzung:] Cher niçois, le chauffeur d’un camion semble avoir fait des dizaines de morts. Restez pour le moment à votre domicile. Plus d’infos à venir

Nizza_Confirmed

23:34 Israel News Flash ‏@ILNewsFlash: BESTÄTIGTER TERRORANSCHLAG – FRANKREICH: Panik in Nizza als ein LKW-Fahrer durch eine feiernde Menschenmenge fährt & Schüsse abgegeben, 10 Tote [meine Übersetzung] CONFIRMED TERROR – FRANCE: Panic in Nice as truck drives into crowd celebrating Bastille Day & shots fired, 10 dead

Hier haben wir also, nach @Gutjahr (Paris Match folgte später), ebenfalls die Verlautbarung, dass es sich um einen Anschlag handelt; noch dazu mit den Worten „CONFIRMED“ – obwohl es noch zwei Tage dauern sollte, bis ISIS sich offiziell dazu bekennen wird. Seltsam, finden Sie nicht? @ILNewsFlash postete um 00:08 in diesem Tweet jenen Videoclip, der (vermeintliche) Leichen auf der Straße zeigt mit den Worten: FRANKREICH BLUTBAD: In einem Bericht heißt es, dass die Zahl der Todesopfer im Terroranschlag von Nizza auf 50 gestiegen ist! Viele verletzt! Muslimische Terrorist ist erschossen worden. [meine Übersetzung:] FRANCE BLOODBATH: Reports of death toll in terror attack risen to 50! Many injured! Muslim terrorist shot dead.

Zu den eingestellten Fotos sowie zum Videoclip gibt es keine Quellenangabe. Wer hat sie gemacht? Da das „Gruppenfoto“ von einer erhöhten Position gemacht wurde, war es definitiv kein Schnappschuss. Suspekt! Das Foto zeigt eine Menschengruppe dicht an dicht auf der Straße liegen. Sind sie tot? Woran sind sie gestorben? Da man sehen kann, dass keiner der Körper vom LKW überrollt wurde, stellt sich die Frage, wie es zu solch einer Ansammlung kommen kann. Rästelhaft.

update 23.07.2016: Das „Gruppenfoto“ von einer erhöhten Position wurde von @cwilliams um 22:55 getwittert.

 

Nizza_TAttack

23:42 Breaking News Feed @pzf:  TERRORANSCHLAG: Nizza, Frankreich – LKW rast in Menschenmenge – mind. 30 Tote – Schüsse wurden abgegeben [meine Übersetzung:] TERROR ATTACK: – Nice, France – Truck plows into crowd – At least 30 dead – Shots have been fired
Das Tweet wird mit dem kurzen Clip von @yvnnick versehen, das laufende Leute zeigt – sehr wirkungsvoll, um Emotionen zu schüren. Wahrlich ein Glück, dass @pzf diesen Clip finden konnte. Doch damit nicht genug, @pzf schaltet nun mit dem nächsten Foto einen Gang höher:

Nizza_Grouping

23:44  Breaking News Feed @pzf: EXPLIZITES FOTO: Die Szene in Nizza, Frankreich. Mindesten 20 Tote. [meine Übersetzung:]  GRAPHIC PHOTO: The scene in Nice, France. At least 20 dead.
Dieses Foto wurde vermutlich von ‏@ILNewsFlash übernommen, auch hier ohne Angabe der Quelle. Im Tweet findet sich auch eine Reply von @BTrainzeeeeeeez – einem Twitter-Account, das sich vorrangig für Pokemon, Basketball und Fußball interessiert – aber zwischendurch einen von @pzf eingestellten Videoclip eines türkischen Luftangriffs retweetet und zum o.a. Foto seinen Senf abgibt. Suspekt. Siehe Glen Greenwalds Bericht über die Infiltration des Internets.

23:50 REUTERS: Sebastien Humbert, Vizepräfekt der Region Alps-Maritime, sagt, dass die vorläufige Schätzung der Todesopfer mit etwa 30 angegeben wird und dass der Zwischenfall fürs erste als „kriminelle Handlung“ angesehen wird. [meine Übersetzung:] Sebastien Humbert, deputy prefect of the Alpes-Maritime region that includes Nice, says the early death toll estimate is around 30 and that the incident is for now being described as a „criminal attack“.

23:57 The Associated Press  AKTUELL: Augenzeuge: ‚Leichen überall‘ nach dem ein LKW in Nizza in die Menge raste. [meine Übersetzung:] BREAKING: Eyewitness: ‚Bodies everywhere‘ after truck hits crowd in Nice.
Auf dieses erste Tweet (!) der AP über die Ereignisse in Nizza antwortet @Daroff, Senior Vice President for Public Policy & Director of the Washington office of The Jewish Federations of North America, 9 Minuten später: Einige Twitter-User berichten von Terrorismus. [meine Übersetzung:] Some tweeps reporting terrorism.
Fragt sich nur, auf welche tweeps sich @Daroff bezieht. Etwa auf @Gutjahr? Etwa auf @pzf? Oder gar @ILNewsFlash? Offiziell ist es noch immer kein Terroranschlag. CNN spricht zu diesem Zeitpunkt sogar noch von einem Unfall.

00:34 – 15.07 @LauraWalkerKC: Der Redaktionsleiter von Paris Match sagt, ISIS habe sich für den Anschlag bekannt. [meine Übersetzung:] The deputy head of Paris Match says ISIS has claimed responsibility for the attack in Nice, France. [Tweet wurde später von Régis Le Sommier wieder gelöscht.]

Nizza_Puppe

01:01 – 15.07. Breaking News Feed @pzf: Herzzerreißendes Foto vom Terroranschlag in Nizza, Frankreich [meine Übersetzung: ] Heartbreaking photo from the Nice, France terror attack.

Wieder versucht @pzf die Gemüter zu erhitzen. Diesmal wird der Eindruck vermittelt, es handle sich bei dem mit Folie abgedeckten Körper um ein Kind – die Kinderpuppe liegt goldrichtig davor. CNN zeigt übrigens diese Puppe in einer anderen Aufnahme. Scheinbar war es ein field day für abgebrühte Fotoreporter. So mancher Twitter-User forderte @pzf sogar auf, das Foto zu löschen, da es einen Toten zeigen würde – beispielsweise heißt es: Can you fucking delete that and stop posting pictures of actual dead people PLEASE? just be at least a bit respectful for fucks sake; finden Sie es nicht faszinierend, dass das Foto ohne Kontext wertlos ist. Es impliziert, dass unter der Folie die Leiche eines Kindes liegt, aber genausogut könnte unter der Folie nur eine zusammengerollte Decke sein. Falls Sie jetzt meinen, ich wäre pietätlos, dann muss ich Sie bitten, für einen Moment tief durchzuatmen. Erstens ist es Ihre Imagination, die eine Kinderleiche sieht, nicht die meine und zweitens gehen Sie davon aus – im Unterschied zu mir -,  dass @pzf eine vertrauenswürdige Quelle ist, die der Wahrheit verpflichtet ist. Und falls Sie mich noch immer als ein herz- und gefühlloses Monster sehen, lesen Sie das Märchen Des Kaisers neue Kleider. Sie werden erstaunt sein, wie aktuell diese Parabel ist.

01:18 – 15.07. @AP: AKTUELL: Christian Estrosi, Präsident der Region, sagt, dass der LKW in Nizza mit Waffen und Granaten beladen gewesen sei. [meine Übersetzung:] BREAKING: Christian Estrosi, president of the region, says the truck in Nice was loaded with arms and grenades. [BBC wird später berichten, dass es sich bei den Waffen um eine Spielzeugpistole, zwei Replika Sturmgewehre und eine leere Handgranate handelte.]

04:07 – 15.07.  The Associated Press @AP: AKTUELL: Frankreichs Präsident Hollande sagt, dass der Anschlag mit dem LKW in Nizza einen „terroristischen Charakter“ hätte. [meine Übersetzung:] BREAKING: French President Hollande says the truck attack in Nice was of a ‚terrorist character‘ [04:07]

12:14 – 15.07. Roving reporter Arabic Al Aan TV @jenanmoussa: Ich habe gerade meine morgendliche Runde auf den ISIS und AlQaida Onlineportalen gemacht. Niemand, der die Verantwortung für den Anschlag in Nizza übernommen hätte. [meine Übersetzung:] I just finished my morning round on ISIS & AlQaeda online platforms. None of them have claimed responsibility yet for #NiceAttack.

18:08 – 15.07 @jenanmoussa: Französische Staatsanwaltschaft: Bei Nizza Angreifer Mohamed L. Bouhlel gab es kein Anzeichen von Radikalisierung [meine Übersetzung:] French prosecutor: Nice attacker Mohamed Lahouaiej Bouhlel had never been subject to any sign of radicalization.

18:15 – 15.07 @jenanmoussa: Versteht mich nicht falsch. Ich sage nicht, dass der Vorfall in Nizza nicht von ISIS inspiriert oder ausgeführt worden sein könnte. Ich sage nur, dass ISIS offiziell bis jetzt noch keinen Kommentar dazu abgegeben hat. [meine Übersetzung:] Dont get me wrong. I’m not saying #Nice attack isn’t inspired or carried out by ISIS. I’m saying ISIS hasn’t officially commented on it yet. [18:15 – 15.07.]

20:25 – 15.07 @jenanmoussa: Auf der anderen Seite sagt der französische Premierminister, dass der Angreifer, der 84 Leute in Nizza getötet hatte, auf „die eine oder andere Weise“ mit islam. Extremisten in Verbindung stünde. [meine Übersetzung:] On other hand, French Prime Minister says attacker who killed 84 people in #Nice was „one way or the other“ linked to radical Islam.

21:39 – 15.07 @jenanmoussa: Noch mehr widersprüchliche Meldungen. Es gibt keine bestätigte Verbindung zwischen dem Nizza-Angreifer und islamischen Extremisten, sagt der französischen Innenminister. [meine Übersetzung:] More conflicting reports. No confirmed link between #Nice attacker and radical Islam says French interior minister.

12:30 – 16.07 @jenanmoussa: Na bitte. ISIS übernimmt offiziell die Verantwortung für den Anschlag in Nizza. [meine Übersetzung:] Here you go. ISIS officially claims responsibility for the #Nice attack. @akhbar [12:30 – 16.07.]

Nizza_Condemn

 

Bombs_AirForce

Je suis … encore

Jesuischarlie2016

Ein Jahr ist das Ereignis rund um den Anschlag auf das französische Satire-Magazin Charlie Hebdo alt und noch immer sind viele Fragen unbeantwortet. Präsident Hollande nutzte jedenfalls den Jahrestag um schärfere Gesetze anzukündigen und eine Gedenktafel für die Opfer „schwerbewaffneter Islamisten“ zu enthüllen. Interessanterweise fehlt hier Kommissar Helric Fredou, der sich in seinem Büro mit seiner Dienstwaffe das Leben genommen haben soll, nach dem er die Familie eines der Opfer der Anschläge besuchte. Depression und Burn-Out waren die Ursachen des Suizids, liest man. Jetzt mal Hand aufs Herz: Glauben Sie das wirklich? Und weil es so un-glaublich ist, haben die großen und kleinen Medienhäuser das gemacht, was sie am besten können: Ein unerklärliches Ereignis unter den Teppich kehren und so tun, als gäbe es hier nichts zu sehen. Man muss schon in der Asia Times nachblättern, um etwas über dieses mainstream news blackout zu erfahren. Da passt es ganz gut, wenn ein CDU-Politiker die Mainstream-Medien in Bezug auf die Berichterstattung über die Vorfälle zur Silvesternacht in Köln als  Schweigekartell bezeichnet.

Ebenfalls unter den Teppich gekehrt wurde der kryptische Kommentar des türkischen Präsidenten Erdogan, der meinte, dass die Täter des Anschlags französische Bürger seien und man es Muslime in die Schuhe schieben wolle. Der Bürgermeister von Ankara ging einen Schritt weiter und erklärte, dass hinter den Anschlägen der israelische Geheimdienst Mossad stehen würde, um die westliche Welt gegen den Islam aufzubringen.

Auch wenn viele Aussagen und Kommentare und Überlegungen zu all den traumatischen Ereignissen der letzten Jahr im ersten Augenblick haltlos und absurd und konspirativ scheinen, so gehören sie trotzdem gehört und zur Diskussion gestellt. Unangenehme Informationen und Fakten in den Wind zu schlagen sowie behördliche Erklärungen als heilig und unantastbar hinzustellen, nur um ja keine Wellen zu schlagen, ist eine mediale Politik, die früher oder später den Verantwortlichen auf den Kopf fallen wird – siehe Köln, anno 2016.

Ich möchte mir wünschen, dass der eine oder andere Bürger in Zukunft den Medien und den Behörden mit mehr Skepsis begegnet und der Maxime von Literaturnobelpreisträger Harold Pinter folgt:

Als Bürger muss ich fragen: Was ist wahr? Was ist falsch?

Hier noch zwei meiner damaligen Blog-Beiträge, die sich mit den Anschlägen in Paris auseinandersetzen.

gebloggt Freitag, 16. Jänner 2015:
Inszenierte Terror-Anschläge – Eine Einführung

gebloggt Montag, 12. Jänner 2015:
Je suis …

 

Die einzig richtige Weltanschauung oder Wie sich die sozialen Medien verändert haben

Karl May hätte sich hier seine Inspiration holen können.

Karl May hätte sich hier seine Inspiration holen können. Wien, anno 2015.

Ich weiß nicht, was mehr zu fürchten ist – Straßen voller Soldaten, die ans Plündern gewöhnt sind, oder Dachkammern voller Schreiberlinge, die ans Lügen gewohnt sind.

Samuel Johnson [1709-1784]
zit. n. Freda Utley in
Kostspielige Rache [The High Cost of Vengeance], S. 13.
H. H. Nölke Verlag, Hamburg 1952

Es ist bemerkenswert, dass die Hoffnungen und Visionen der Humanisten des 15. Jahrhunderts heutzutage in Erfüllung gegangen sind: der Mensch kann schreiben und lesen, er hat Zugriff auf Bücher und wissenschaftliche Publikationen, er kann sich an jeden Diskurs beteiligen und seine Meinung nicht nur frei äußern, sondern diese auch – ohne begütert sein zu müssen – veröffentlichen. Erasmus von Rotterdam (1466-1536) würde sicherlich begeistert sein, vom Web 3.0. Warum, fragt man sich dann, hat sich die zivilisierte Welt nicht in ein Paradies verwandelt? Ich befürchte, die altehrwürdigen Philosophen waren zu naiv, zu blauäugig. Sie konnten nicht im Geringsten ahnen, dass in ferner Zukunft die Obrigkeit imstande sein würde, eine gebildete und belesene Masse auf einfache Art und Weise zu manipulieren und zu indoktrinieren. Die Ingredienzen dafür sind Zuckerbrot, Peitsche und die Kenntnis des Herdeninstinkts.

Social Media hat sich verändert. Ist es Ihnen auch aufgefallen? Immer mehr Leutchen tummeln sich auf den Medienkanälen und suchen nach Aufmerksamkeit. Immer mehr Leutchen wollen dir etwas verkaufen. Immer mehr Leutchen wollen ihre Weltanschauung, die einzig richtige, in die Welt posaunen – begleitet von Pauken und Trompeten. Es ist kaum mehr möglich, diesen teils idealistischen, teils professionellen Heilsverkündern zu entgehen, die meinen, die alleinige Wahrheit gepachtet zu haben. Sie glauben sich aufgeklärt und frei, dabei werden sie nach Strich und Faden von der „vernünftigen Minderheit“ [intelligent few] manipuliert. Ohne es auch nur im Geringsten zu ahnen, gehören Sie längst zur Fußtruppe der elitären Machthaber. Auf ein Foto, auf ein Wort hin „magdeburgisiert“ dieser politisch korrekte Heerhaufen jede Gesprächsbasis. Dem ideologischen Feind wird der „schwedische Trunk“ in die Kommentarzeile gespült. Auf dass seine Erklärungen elendiglich ersticken. Wir haben es hier mit einem virtuellen Kreuzzug der wahren Gläubigen zu tun, die jeden Heiden bekehren möchten. Misslingt es, wird der Frevler mit Spott und Häme ins Jenseits, pardon, gesellschaftliche und berufliche Abseits befördert, wo er langsam vor die Hunde zu gehen hat. Vergebung gibt es für den Gefallenen nur dann, wenn er zu Kreuze kriecht und Abbitte leistet. Gnade wird nicht gewährt. Wehe den Besiegten.

Die bewusste und kluge Manipulation von Verhaltensweisen und Meinungsbildern der Masse ist ein wesentliches Element in einer demokratischen Gesellschaft. Jene, die diese verborgenen gesellschaftlichen Mechanismen manipulieren, stellen eine unsichtbare Regierung dar, die in unserem Land die wahre herrschende Macht ist. Wir werden regiert, unsere Gedanken und Geschmäcker geformt, unsere Ideen vorgedacht, hauptsächlich von Männern, von denen wir noch nie etwas gehört haben. Das ist das logische Ergebnis der Art wie unsere demokratische Gesellschaft organisiert ist. Eine gewaltige Anzahl an menschlichen Geschöpfen muss auf diese Weise miteinander auskommen, wenn sie gemeinsam in einer reibungslos funktionierenden Gesellschaft leben möchte. […] Wie immer man auch darüber denken mag, es bleibt eine Tatsache, dass wir in so gut wie allen Aspekten unseres Lebens, sei es in politischen oder wirtschaftlichen Angelegenheiten, sei es in unserem Sozialverhalten oder in unserem Moralverständnis, von einer relativ kleinen Gruppe (angesichts der 120 Millionen [Einwohner der USA] nur ein unbedeutender Bruchteil) dominiert werden, welche die Denkvorgänge und die sozialen Verhaltensmuster der Masse verstehen. Diese Gruppe ist es, die die Fäden zieht, welche die öffentliche Meinung steuern, diese Gruppe ist es, die sich alte gesellschaftliche Zwänge nutzbar macht und neue Wege findet, um die Welt zusammenzuhalten und zu führen.

Propaganda [1928]
Edward Bernays [1891-1995]
Doppelneffe von Sigmund Freud
meine Übersetzung, Seite 9f.