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WM 2018: Das Finale – Ein kroatischer Sommeralptraum und der Sieg französischer Fadesse

Die Equipe Tricolore hat die kroatischen Dauerläufer mit 4:2 brutal aus rot-weiß-karierten Träumen gerissen. Dieses kleine europäische Land am Balkan mit rund 4 Millionen Einwohner und einer kakanischen Vergangenheit stemmte sich gegen die Söldnertruppe der Grande Nation, die mit ihren Übersee-Departements stattliche 70 Millionen Einwohner vorweisen kann. Die Kroaten, Hand aufs Herz, hätten sich den Weltmeistertitel redlich verdient. Hier der FIFA-Zusammenschnitt.

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WM 2018: Tag #3 – Elfmeterinflation

Frankreich : Australien 2:1
Argentinien : Island 1:1
Peru : Dänemark 0:1
Kroatien : Nigeria 2:0

Gedanken zu den Spielen.

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EM 2016: Spieltag 9

EM-2016-Spieltag9

Spieltag 9 der Europameisterschaft in Frankreich 2016

BELGIEN : IRLAND 3:0

Sind die Belgier jetzt endlich in Frankreich angekommen? Gehören sie jetzt wieder zum Favoritenkreis? Zugegeben, wenn man den technisch versierten belgischen Spielern den Raum lässt und sie förmlich zu Kontern einlädt, darf man sich nicht wundern, wenn es drei Mal klingelt. In der ersten Hälfte haben die Iren ihr Defensivkonzept gut zur Entfaltung gebracht, konnten die Belgier zwar das Spielgeschehen kontrollieren, fanden aber nur zu einer zwingenden Torchance. Kurz nach der Pause änderte sich das Bild. Weil im Gegenangriff De Bruyne zwei Gegenspieler stehen ließ und an der Strafraumgrenze Lukaku perfekt bediente; der Stürmer schlenzte den Ball überlegt ins lange Eck. Mit dem Führungstreffer löste sich die Verkrampfung der Belgier. Irland, man merkte es die längste Zeit, hatte nicht die spielerischen Mittel, um Belgien in Gefahr zu bringen, ja, das irische Spiel mit nur einer Spitze war generell ideenlos und vorhersehbar.

Dieses Match zeigte erneut, dass sich Mannschaften mit Defensivkonzept schwer tun, nach einem Rückstand in eine kontrollierte Offensivphase umzuschalten. Oftmals geben sie ihre Ordnung auf und geraten bei Ballverlust in arge Bedrängnis – siehe die Türkei gegen Spanien oder Belgien gegen Italien oder Österreich gegen Ungarn. Besser machten es da die Ukraine oder Albanien, die auch nach dem Führungstreffer des Gegners weiterhin bei ihrem Defensivkonzept blieben, aber kontrollierte schnelle Vorstöße unternahmen. Ein weiteres, kräfteraubendes Konzept ist den Gegner in der eigenen Hälfte durch Pressing unter Druck zu setzen und ihn somit am Spielaufbau zu hindern und Ballverluste zu erzwingen. Die Polen praktizierten, wenigstens hin und wieder, solch ein überfallsartiges Pressing gegen Deutschland und kreierten dadurch gefährliche Strafraumszenen.

Kurz und gut: Die Belgier haben mit dem Sieg wieder ein Ausrufezeichen gesetzt. Aber im letzten Spiel gegen Schweden müssen sie Nervenstärke beweisen, würde doch eine Niederlage die Heimreise bedeuten. Auf dem Papier sollten die Belgier keine Probleme gegen ungefährliche Schweden haben. Aber wie man bereits im Spiel gegen Italien gesehen hat, tun sich die Belgier schwer, eine Betonabwehr zu knacken. Es wird demnach ein Gedulds- und Glücksspiel – mit Stürmerstar Ibrahimovic als Zünglein an der Waage.

Die irische Mannschaft und ihre Fans haben gezeigt, wie sympathisch der internationale Fußball sein kann. Spielerisch können die Iren mit den großen Mannschaften freilich nicht mithalten und ein Sieg gegen Italien wäre ein Wunder. St. Patrick hilf. Amen.

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ISLAND : UNGARN 1:1

So sieht es also aus, wenn zwei Defensivmannschaften aufeinandertreffen und keine der beiden so richtig gewillt ist, das Spiel zu machen. Nun, sagen wir, die Ungarn waren von Beginn an bemühter, eine Entscheidung herbeizuführen. Aber die Isländer wissen, wie man Angriffe bereits im Ansatz unterbindet und deshalb gab es kaum gefährliche Strafraumszenen für die Ungarn. Auf der anderen Seite, es war eine halbe Stunde gespielt, vergab Gudmundsson alleinstehend vor Jogginghose-Goalie Kiraly, der den Schuss parieren konnte. Fünf Minuten vor dem Ende der ersten Halbzeit stand erneut Kiraly im Brennpunkt: Nach einer Ecke konnte er den Ball nicht festhalten – das folgende Gestocher im Strafraum führte schließlich zu einem Foul und Elfmeter. Sigurdsson behielt die Nerven und verwandelte eiskalt. So ist Fußball2.0: die eine Mannschaft macht das Spiel, die andere schießt das Tor.

In der zweiten Hälfte machten die Isländer den Laden dicht und mauerten mit Mann und Maus. Die Lust, eine Offensivaktion konsequent abzuschließen, sozusagen ein wenig Risiko zu nehmen, hatten sie freilich nicht. Es genügte ihnen, mit einem Tor in Führung zu liegen und diese Führung abzusichern. Die Ungarn waren nicht sonderlich gefährlich, fehlten ihnen doch die spielerischen Mittel, den isländischen Abwehrriegel in Verlegenheit zu bringen. Aber wie so oft, wenn sich eine Mannschaft auf ihren Vorsprung ausruht, passiert eine Unachtsamkeit mit Folgen: Ungarn kombinierte sich Minuten vor Schluss in den Strafraum – den folgenden scharfen Querpass von Nikolic konnte der isländische Verteidiger Saevarsson nur ins eigene Tor klären. Ausgleich! Die Isländer, darüber verärgert, warfen noch einmal alles nach vor – und siehe da, in der Nachspielzeit ließ sich ein Ungar zu einem dummen Foul an der Strafraumgrenze hinreißen. Der isländische Freistoß sollte – nach Herzog-Manier – unter der hochspringenden Mauer hindurch gehen – dummerweise wollte aber keiner der Ungarn hüpfen. Der von der Mauer abgeprallte Ball fiel ausgerechnet Routinier Gudjohnson vor die Füße, doch sein scharfer Schuss wurde von einer Vielzahl ungarischer Beine abgelenkt und ging nur knapp neben das Tor. Wir sehen, auch Fußballzwerge können ein Match am Ende noch äußerst spannend gestalten.

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PORTUGAL : ÖSTERREICH 0:0

Was für ein Spiel! Was für eine Abwehrschlacht! Die Nerven flattern noch Stunden nach dem Schlusspfiff, der sicherlich von 8 Millionen Österreichern sehnlichst herbeigewünscht wurde. Ja, das österreichische Team hatte ne Menge Schwein gehabt, an diesem Abend. Die Portugiesen, die alles versuchten, fast alles richtig machten, scheiterten am Ende, weil Robert Almer das beste Spiel seiner Karriere ablieferte und zwei Mal die Stange für ihn rettete. Dabei gab es mit dem Elfmeter in der 78. Minute die größte Chance für die Portugiesen, das Match zu gewinnen – aber Ronaldo knallte den Ball an die Stange und der Nachschuss eines Portugiesen ging in die Abendwolken. Fünf Minuten vor Schluss köpfte Ronaldo schließlich doch noch ins Tor – glücklicherweise stand er bei der Freistoßhereingabe im Abseits. Wie man es auch dreht und wendet, Ronaldo und seinen Kollegen klebte das Pech an den Schuhen. Nach dem verpatzten Auftakt gegen eine defensiv perfekt eingestellte isländische Mannschaft reichte es gegen Österreich wieder nicht zum Sieg. Im Finalspiel gegen Ungarn geht es dann wohl um alles oder nichts – aber ist es auch nur annähernd vorstellbar, dass die Portugiesen an Kiraly & Co scheitern könnten? Nope. Unvorstellbar.

Die Österreicher haben diesmal brav und beherzt gekämpft. Spielerisch konnten sie mit ihrem gestrigen Gegner natürlich nicht mithalten, trotzdem gab es immer wieder den einen oder anderen Lichtblick, in Ballsicherheit, Zusammenspiel und Vorwärtsbewegung – auch wenn sie an einer Hand abzuzählen sind. Aber es war eine definitive Steigerung gegenüber dem ersten Match zu bemerken. Apropos. Wie bereits gegen Ungarn, hätte das Spiel auch hier in den ersten Minuten einen ganz anderen Verlauf nehmen können: Harnik köpfte aus drei Metern eine Maßflanke von Sabitzer neben das Tor. Das wäre ein Auftakt gewesen. Aber so kam, wie es zumeist kommt: Die Österreicher zeigten Nerven, verloren aber gottlob nicht Ordnung und Orientierung. Die portugiesischen Edeltechniker zeigten ein ums andre Mal, was sie mit dem Ball am Fuß können und ließen dabei so manchen Gegenspieler alt aussehen. Zwei wunderbar schnell gespielte Kombination im Strafraum – die österreichische Abwehr wusste gar nicht, was los ist – endeten einmal bei Torhüter Almer, das andere Mal an der Stange. Überhaupt Robert Almer! Eine Weltklasseleistung. Auch wenn seine oftmals misslungenen Abschläge den Puls der Zuschauer in die Höhe trieb. Die Slapstickeinlage, als er Hinteregger aus zwei Metern über den Haufen schoss, beruhigte nicht gerade die Nerven der Spieler und der Fans. Ja, das Nervenflattern hörte bei den österreichischen Spielern eigentlich nie auf. Sogar der sonst so abgeklärte Alaba – er besetzte die für ihn ungewohnte offensive Junuzovic-Mittelfeldposition – fand nicht zur Ruhe und leistete sich eine Reihe von unnötigen Fehlpässen. Nach einer Stunde nahm ihn Trainer Koller für Alessandro Schöpf vom Feld.

War es tatsächlich die veränderte Aufstellung – mit Martin Harnik als Solospitze, Marcel Sabitzer am rechten Flügel und Alaba im offensiven Mittelfeld – die am Ende den glücklichen Punkt nach Hause holte? Zugegeben, die Leistungssteigerung von Harnik und Sabitzer überraschte mich. Auch wenn Harnik, abgesehen vom Kopfball in der 3. Spielminute, zumeist allein auf weiter Flur stand, so beschäftigte er doch die beiden altgedienten portugiesischen Innenverteidiger Pepe und Carvalho. Sabitzer am rechten Flügel leistete eine ansehnliche Defensivarbeit und war hin und wieder bereit, offensive Aktion einzuleiten. Sein Gegenüber auf der linken Seite, Marko Arnautovic, fand eigentlich nie richtig ins defensive Spiel und so musste sich Christian Fuchs immer wieder allein mit Quaresma herumschlagen, der mit ihm machte, was er wollte. Glücklicherweise waren die Hereingaben des Portugiesen zumeist ungefährlich. Alaba war mit seiner neuen Position sichtlich überfordert. Vielleicht wäre es besser gewesen, Trainer Koller hätte ihn auf die linke Abwehrseite gestellt. Fuchs hätte dann die Arnautovic-Position und Arnautovic die Alaba-Position eingenommen. Mit Alaba und Fuchs auf der linken Seite hätte Quaresma sicherlich seine Probleme gehabt und Arnautovic hätte sich offensiver betätigen können. Freilich, solch eine Umstellung – von einem Spieltag auf den anderen – ist immer ein Risiko. Da fragt man sich natürlich, warum solche Experimente nicht im Vorfeld versucht worden sind. Alaba – einer der weltbesten Linksverteidiger – in der gestrigen Abwehrschlacht frühzeitig vom Feld zu nehmen grenzte eigentlich an Wahnsinn – auch wenn er eine der schwächsten Leistungen im Nationalteam an den Tag legte.

Nun kommt es zum Finalspiel gegen Island. Wie schon gegen Ungarn sind die Österreicher gezwungen, das Spiel zu machen. Die Isländer – sie haben es in den letzten beiden Begegnungen gezeigt – sind unangenehme robuste Gegner, die vor Selbstbewusstsein nur so strotzen. Die Österreicher werden sich gehörig steigern müssen, wenn sie Island in die Knie zwingen wollen. Ist Alessandro Schöpf – spielstark, technisch versiert, schnell – eine mögliche Option im offensiven Mittelfeld? Alaba zurück ins defensiv-zentrale Mittelfeld, neben Baumgartlinger? Harnik an die rechte Seite und – so er fit ist – Janko in die Spitze? Andererseits würde mir die defensive Doppel-6 mit Baugartlinger und Ilsanker gefallen – beide sind von ihrer Physis in der Lage, sich gegen die Isländer zu stemmen. Prödl würde mir dahingehend auch besser gefallen und sollte neben Dragovic spielen.

Eine weitere interessante Überlegung: Arnautovic als Solospitze – mit seiner physischen Präsenz, seinem selbstbewussten Auftreten, seiner Technik und seiner Unberechenbarkeit, wäre er ein lästiger Unruheherd im isländischen Strafraum -, Alaba und Fuchs ziehen links, Klein und Harnik rechts auf, Schöpf als zentraler Ballverteiler, während Baumgartlinger und Ilsanker aus dem Rückraum kommen und so dem österreichischen Spiel die nötige Stabilität verleihen. Sollten die Isländer nämlich in Führung gehen, würde es ganz, ganz schwer werden, das Spiel noch zu drehen. Koller sollte aus der Auftaktniederlage gegen Ungarn gelernt haben, dass ein offensiv-emotionales Hopp oder Dropp ziemlich ins Auge gehen kann. So braucht es zu allererst Ordnung und Stabilität – die spielerische Qualität kommt dann von ganz allein. Freilich, ein wenig Glück werden wir in jedem Fall brauchen, wollen wir als Sieger vom Platz gehen. Also, Daumen drücken!

EM 2016: Spieltag 6

EM-2016-Spieltag6

Spieltag 6 der Europameisterschaft in Frankreich 2016

RUSSLAND : SLOWAKEI 1:2

Vielleicht sollten die russischen Spieler ein Schusstraining bei Marek Hamšík absolieren. Während sein erster Schuss knapp neben das Tor strich, schlug sein zweiter ein wie ne Granate. Obwohl seine Schussposition an der linken Straufraumbegrenzungslinie gar nicht sonderlich ideal war, hämmerte er den Ball ins lange Kreuzeck. Muss man gesehen haben. Herrliche Schusstechnik. Etwa eine Viertelstunde früher setzte er Mitspieler Weiss mit einem langen Ball perfekt in Szene. Dass sich dabei die beiden russischen Innenverteidiger wie Schülerligabuben anstellten, zeigt einmal mehr, dass auch Fußballprofis nie gänzlich erwachsen werden. Weiss zirkelte jedenfalls den Ball ins lange Tormanneck. Führungstreffer. Gegen den Spielverlauf. Zwar übten sich die Russen im Verstolpern von Offensivaktionen und Torchancen, trotzdem hatten sie bis dahin mehr vom Spiel. Aber Ballbesitz kauft keinen Europameistertitel – die spanische Ausnahme bestätigt natürlich diese Regel.

In der zweiten Halbzeit – mit zwei Toren im Hintertreffen – versuchten die Russen noch mehr Offensivdrang zu entwickeln. Aber so oft sie auch in den Strafraum an den Ball kamen, irgendwie wirkte der Abschluss stümperhaft. Zwar wirkte die slowakische Abwehr zuweilen nicht gerade sattelfest, aber vor diesen Russen mussten sie sich nicht fürchten. Erst als Glushakov 10 Minuten vor Schluss doch noch der Anschlusstreffer gelang – nicht mit dem Fuß, versteht sich, sondern mit Köpfchen – gerieten die Slowaken ordentlich durcheinander. Mit angezogener Handbremse versuchten sie die Zeit runter zu spielen – ein Konzept, das bereits bei den Engländern ziemlich in die Hose ging. Dass es diesmal doch nicht mehr für den russischen Ausgleich reichte, dürfte am Ende dem schusstechnischen Unvermögen der Sbornaja zu verdanken sein. Ich gehen jetzt mal davon aus, dass sie einfach einen schlechten Tag hatten und im nächsten Spiel, gegen Wales, können sie beweisen, was in ihren Füßen steckt.

Die Slowaken überließen von Beginn an den Russen den Platz und warteten geduldig auf ihre Konterchance. Wie man sieht, ein durchaus praktikables Rezept, vorausgesetzt, man hat einen Hamšík in den eigenen Reihen. Im Großen und Ganzen haben die Slowaken nicht sonderlich überzeugt. Dass sie in der Lage sind, schnelle und flüssige Kombinationen zu spielen, haben sie hin und wieder aufblitzen lassen. Aber zumeist begnügten sie sich mit schnellen Vorstößen, ohne dabei ihr defensives Mittelfeld zu entblößen. Man darf gespannt sein, ob die Engländer in der Lage sein werden, dieses effiziente Konterspiel zu unterbinden. Spannung garantiert.

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RUMÄNIEN : SCHWEIZ 1:1

Den erhofften Schlagabtausch gab es dann doch nicht. Weil beide Mannschaften mit einem Unentschieden ganz gut leben konnten. Dabei hätte eigentlich der VFL Kosovo respektive die Eidgenossen in den ersten zwanzig Minuten alles klar machen können, aber Haris Seferovic vergab recht leichtfertig zwei Großchancen. Ein dummes Textilfoul im Strafraum – Übeltäter der sonst so erfahrene Stephan Lichtsteiner – führte zum Elfmeter und dem überraschenden Führungstreffer für die Rumänen. Alles in allem gefallen mir unsere westlichen Nachbarn recht gut – auch wenn noch nicht alles rund läuft, merkt man doch, dass die Mannschaft ein taktisches Konzept umsetzt. Zusätzlich haben sie auch noch versierte Techniker in ihren Reihen, die durchaus für eine spektakuläre Einzelleistung gut sind (siehe den seitlichen Scherenschlag von Xherdan Shaqiri: damit hätte er Schweizer Fußballgeschichte schreiben können, aber der Ball ging dann doch in die zweite Etage) und konditionell dürften sie keine Probleme haben.

So wie es aussieht, haben die Schweizer nun gute Chancen das Achtelfinale zu erreichen. Freilich, noch ist nichts in Stein gemeißelt, heißt der letzte Gegner doch Frankreich und bei diesem Namen werden in den Schweizer Köpfen mit Sicherheit unangenehme Erinnerungen wachgerufen. Eine erneut hohe Niederlage können sich die Schweizer jedenfalls nicht leisten, falls sie mit einem zweiten Platz liebäugeln, spielen doch die Rumänen ihr Finalspiel gegen Außenseiter Albanien. Spannend bleibt es allemal und das ist ja das Wichtigste, nicht wahr?

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FRANKREICH : ALBANIEN 2:0

Die Franzosen sind die neuen Türken der EM 2008. Auch diesmal konnten sie am letzten Drücker, also in den letzten Minuten der Spielzeit, den Sieg fixieren. Eine Stunde lang war es ein Spiel auf Augenhöhe. Wer hätte das gedacht? Ja, die Albaner kämpften beherzt gegen den recht ideenlos wirkenden Favoriten. Erst die Einwechselung von Pogba und Griezmann in der zweiten Hälfte brachte die Wende gegen immer müder werdende Albaner. Deren laufintensives Spielsystem zerrte an Lungen und Beinen. Aber man muss diese albanische Mannschaft gesehen haben, wie sie rackerte, wie sie lief, wie sie sich die eine oder andere Chance erspielte. Bewundernswert! Der italienische Trainer Gianni de Biasi wusste genau, mit welchem Konzept man spielstarke Teams Paroli bieten würde können. Gegen die Schweizer hatte es knapp nicht gereicht – weil der Ausschluss von Kapitän Lorik Cana durch ein dummes Handspiel nach 37 Minuten alle Pläne zunichte machte – und trotzdem, mit einem Spieler weniger, heizten sie den Schweizern immer wieder gehörig ein. Vielleicht, wer weiß, wäre Trainerfuchs de Biasi genau der Richtige für unser Nationalteam, das oftmals ohne Plan und System agiert. Ist es, weil sich einzelne freigeistige Spieler nicht an taktische Vorgaben halten wollen? Darüber wird an anderer Stelle noch zu schreiben sein. Albanien ist jedenfalls für mich eine ausgesprochen positive Überraschung bei dieser EM und erinnert mich bereits ein wenig an die vom bosnischen Trainer Vahid Halihodzic gecoachte algerische Mannschaft der WM 2014, die seinerzeit der Löw-Truppe die Stirn bieten konnte. Übrigens schrieb ich damals, dass der französische Verband Deschamps feuern und an seiner Stelle Halilhodzic engagieren sollte. Gehört hat mich leider – zum Glück? – niemand.

Die Franzosen haben sich mit dem Sieg nun einen Platz im Achtelfinale gesichert. Das nächste Spiel gegen die Schweiz könnte somit zu einem Trainingsspiel werden. Aber wie oft hat man bei Turnieren gesehen, dass jene Mannschaften, die zuvor ein unwichtiges Match herunterspielten und dabei Schlüsselspieler schonten, nicht mehr in den Realitätsmodus schalten konnten, weil die Spannkraft verloren gegangen ist? Bis jetzt haben die Franzosen jedenfalls zwei glückliche Arbeitssiege gegen defensiv ausgerichtete Teams auf ihrem Konto verbuchen können. Noch weiß aber niemand, ob die Equipe Tricolore auch gegen spielstarke und erfahrene Teams bestehen wird können. Erinnern wir uns an die WM 2012, als bereits so mancher Zuschauer die Franzosen als Geheimtipp auf den Lippen hatte, spielten sie doch in der Gruppenphase einen formidablen Fußball. Im Besonderen beeindruckten die fünf Tore gegen die Eidgenossen. Aber das deutsche Nationalteam zeigte den Franzosen im Viertelfinale die Grenzen auf – sang- und klanglos, ohne jemals wirklich ins Spiel zu kommen, mussten sie sich geschlagen geben. Ist die Mannschaft von Didier Deschamps nun reifer, abgeklärter, spielstärker? Ehrlich gesagt, als ein funktionierendes Team sehe ich sie noch immer nicht. Primär ist es die Qualität der einzelnen Spieler, die je nach Tagesverfassung im Alleingang Spiele entscheiden können. Ob es reicht, ein Turnier zu gewinnen, bezweifle ich. Aber noch haben Les Bleus zumindest zwei Spiele Zeit, um als Mannschaft zusammenzuwachsen. On y va.

 

EM 2016: Spieltag 5

EM-2016-Spieltag5

Spieltag 5 der Europameisterschaft in Frankreich 2016

ÖSTERREICH : UNGARN 0:2

Was sagt man dazu? Der Favorit verliert gegen den Underdog ziemlich klar. Was mag in dem Spiel der Österreicher nur falsch gelaufen sein? Besser, man fragt sich: Was ist dem Team eigentlich in den 90 Minuten gelungen? War es am Ende einfach ein Zeichen der Fußballgötter, die die Anmaßung und Überheblichkeit österreichischer Fans und Funktionäre und Presseleute strafen wollten? Es sieht ganz so aus.

Dabei hatte alles wie im Märchen begonnen. Fulminanter Start der Österreicher. Es war noch nicht mal eine Minute gespielt, da knallt David Alaba den Ball an die Stange. Gut, sagte sich der Zuseher, das ist ein Ausrufezeichen und es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis wir den ungarischen Betonmischern ein Tor machen. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Weil sich die Ungarn mit Kampfkraft und Disziplin gegen die erste Angriffswelle der Österreicher stemmten. Weil sich ausgerechnet Junuzovic unglücklich verletzte und später ausgetauscht werden musste. Weil Alaba die Spielmacherrolle nicht mal im Ansatz ausfüllen konnte. Weil sich der sonst so ruhige Dragovic von der Nervosität der restlichen Spieler hat anstecken lassen. Weil Harnik – wie schon in den letzten Spielen – die fehlende Spielpraxis nicht kompensieren konnte. Weil  die Einwechselspieler Sabitzer, Okotie und Schöpf mehr Verschwächung denn Verstärkung waren. Weil die österreichischen Spieler wieder in den längst überwunden geglaubten aufgeschreckten Hühnerhaufenmodus schalteten. Weil niemand in der Mannschaft diesen Hühnerhaufen hätte beruhigen können (Ach, warum hatte man Stranzl nicht auf Händen und Knien gebeten, doch noch für die EM aufzulaufen?). Weil das unglückliche Foul von Dragovic nicht nur zu seinem Ausschluss, sondern auch noch zur Aberkennung des Ausgleichs von Hinteregger führte. Weil Arnautovic laufend in die ungarische Beißzange genommen wurde und er so seine Technik nicht auf den Rasen bringen konnte. Weil die Ungarn mit gesunder Härte den Österreichern die Schneid abkauften. Weil der tiefe Boden jedes schnelle Spiel bremste und das bereits ungenaue Zuspiel der Österreicher noch ungenauer machte.

Kurz und gut: Nichts, aber auch gar nichts lief gestern für die Österreicher und alles für die Ungarn. Okay, Baumgartlinger, wie sonst auch immer, rackerte sich die Stollen ab und versuchte wenigstens, dagegen zu halten. Auch war es nicht die Schuld von Dragovic, dass er die zweite gelbe Karte sah – eher hatte hier der schwache Schiedsrichter überreagiert.

That’s football. You’re riding high in April the qualification, shot down in EURO 2016, sozusagen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass wir uns Tor- und Punktelos von der EM verabschieden, ist nach der gestrigen starken Vorstellung sowohl der Portugiesen als auch der Isländer ziemlich hoch. Es sei denn, es gäbe bis Samstag eine wundersame Leistungssteigerung gepaart mit mentaler Entschlossenheit. Im Fußball, wie wir wissen, ist alles möglich und die Hoffnung stirbt zuletzt. Freilich, Glück muss man schon haben. Und mit all dem Pech (gut, zuweilen war es auch Unvermögen), das den Spielern förmlich auf ihren Schussstiefeln klebte, könnte man glatt eine ganze WM-Qualifikation verlieren.

Vielleicht hätte die Mannschaft nach der Verletzung von Spielmacher und Taktgeber Junuzovic in der 16. Minute einen Gang zurückschalten und aus einer gesicherten Defensivposition heraus den Ungarn mit Nadelstichen weh tun sollen. Weil, je länger die Nullnummer gestanden wäre, desto ballsicherer und damit torgefährlicher wären die Österreicher geworden. Vielleicht war es am Ende der fixe Glaube, man könne mit der hopp-oder-dropp-Brechstange ein spielschwächeres Team auseinandernehmen, der die Niederlage heraufbeschwor. Weil all die bisherigen Spiele dieser EM das genaue Gegenteil gezeigt haben: Für die favorisierten spielstärkeren Teams brauchte es vor allem Geduld, Ausdauer, Disziplin und das Quäntchen Glück, um drei Punkte aus einem Match mitzunehmen.

Wenn man eines positiv herausstreichen kann, dann ist es, dass Geheimfavorit Belgien ebenfalls im ersten Spiel mit 0:2 unterlag. Und wenn man den Belgiern noch den Aufstieg zutraut, warum nicht auch den Österreichern? But I know I’m gonna change that tune. When I’m back on top, back on top in June, sozusagen.

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PORTUGAL : ISLAND 1:1

Was sagt man dazu? Der Favorit erreicht gegen den Underdog nur ein Unentschieden. Dabei hätten die Torchancen der Portugiesen gereicht, zwei oder drei Spiele zu gewinnen. Auf der anderen Seite muss man den Isländern zugutehalten, dass sie sich nicht versteckt und ihre Torgefährlichkeit das eine oder andere Mal unter Beweis gestellt haben. Gegen Portugal ein Tor zu erzielen ist bitteschön keine Kleinigkeit. Respekt. Die Portugiesen wiederum konnten ihre Leistung als Mannschaft abrufen und haben gezeigt, dass sie sich gegen eine körperlich äußert robuste Mannschaft mit einstudiertem Defensivkonzept nicht die Spielfreude nehmen lassen. Auch wenn sich das 1:1 wie eine Niederlage für Ronaldo & Co anfühlen muss, so dürfen wir nicht vergessen, dass die nächsten Gegner Österreich und Ungarn heißen – Stolpersteine sind die beiden Mannschaften für die Portugiesen keine.

Island hat mich positiv überrascht. Andererseits durfte man schon einiges von ihnen erwarten, ließen sie doch in der EM-Qualifikation die Türken und Niederländer hinter sich und erreichten den zweiten Platz, knapp hinter Tschechien. Was mir besonders an den Isländern gefallen hat, war das Selbstvertrauen und die Körpersprache, die sie gegen Favorit Portugal an den Tag legten. Man merkte, dass hier eine eingeschworene Truppe am Platz stand und jeder Spieler genau wusste, was er zu tun hatte. Aus österreichischer Sicht einfach nur beneidenswert.