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Als der Königsschnupfen die Gedanken regierte – eine Polemik wider einer grenzenlosen Unvernunft

Falls es Ihnen noch nicht aufgefallen sein sollte, die großen Tech-Brüder zensieren im Web alles, was nicht einen offiziellen „Wahrheits“-Stempel hat. Möchte man also über den lästigen Königsschnupfen schreiben und verwendet die bewährten Begriffe, schwupps wird Ihr Beitrag nicht mehr gelistet, ans Ende eines Suchergebnisses gereiht oder gelöscht. Deshalb verzichte ich in diesem polemischen Blog-Post auf all die punktgenauen Begriffe, die von Algorithmen aufs Korn genommen werden. Überhaupt, wenn Sie sich umschauen, so müssten Sie längst erkannt haben, dass die Rede- und Meinungsfreiheit abgeschafft wurde. Gewiss, Sie können auf ihrem Blog oder Ihrem facebook schreiben, was Sie wollen, so lange das Geschreibsel nicht viral geht. Wirbelt aber ihr Beitrag zu viel Staub auf, dann kommt die „Wahrheits“-Inquisition und prüft, wie „gefährlich“ die ausgesprochenen Gedankengänge sind. Im schlimmsten Falle werden Sie und Ihre Existenz von den Medienleuten in der Luft zerrissen. Siehe Wolf Wotan (sic!). Nobody expects the Spanish Inquisition.

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BuchQuartier 2017 und ein Gespräch über Gott und die Welt

Das war es also, das BuchQuartier 2017. Der Markt der Independent- & Kleinverlage im Wiener MuseumsQuartier ist Geschichte. Samstag und Sonntag gesellte ich mich zu all den kleinen und kleinsten Verlagen mit einem Verkaufstisch in den sogenannten Freiraum, während die Platzhirschen der österreichischen Verlagsszene in der Ovalhalle Aufstellung nehmen durften. Es fühlte sich an, als würde man wieder zur Schule gehen. Dort die lässig coolen Maturanten, die bereits per Du mit der Lehrerschaft sind und da die Erstklässler, die bereits zufrieden sind, wenn sie von den Älteren nicht angepöbelt werden. So mag es auch nicht weiter verwundern, wenn auf der einen Seite der Rubel rollte, auf der anderen der Trubel sich trollte. Das Wortspiel dürfen Sie gerne mit nach Hause nehmen.

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Der Gulag der Illusionen

Liberty_Grimm

Der Mensch, wie es Friedrich Melchior Baron von Grimm (1723-1807) so spitzfindig auf den Punkt bringt, ist weder für Freiheit noch für Wahrheit gemacht. Trotzdem gibt es immer wieder kluge und weitsichtige Apostel, die das Mantra der Freiheit predigen. Aber seien wir mal ehrlich: Wer kann von sich behaupten, frei zu sein? Ja, welchen Unterschied macht es, von einem tyrannischen Herrscher gezwungen zu sein, in einer Fabrik zu arbeiten oder von einem Arbeitsmarktservice? In beiden Fällen werden Zuwiderhandlungen bestraft. Freiheit für den Einzelnen gibt es es nur dann, wenn dieser seinen Lebensunterhalt selbst bestreiten und Recht sprechen kann. Ansonsten wird der Einzelne zum Spielball der Mächtigen, deren „tyrannisches“ System einfach nur darin besteht, Gesetze festzulegen, die Abhängigkeiten erzeugen und juristische sowie polizeiliche Maßnahmen gegen Gesetzesbrecher vorsehen.

Ein marxistisches System erkennt man daran, dass es die Kriminellen verschont und den politischen Gegner kriminalisiert, soll der sowjetische Dissident Alexander Solschenitzyn  gesagt haben. Machen wir aber nicht den Fehler, zu glauben, dieses „marxistische System“ hätte sich mit dem Niedergang der UdSSR in den 1990er Jahren in Luft aufgelöst. Nein, nein. Dieses globale System der Machterhaltung besteht fort und ist mit Sicherheit nicht tot zu kriegen. Nur die Hülle, der Schein, die Illusion werden den gegenwärtigen Befindlichkeiten angepasst.

Jede Regierung, wo ein Bürger so unmäßig reich werden kann, verrät ein verborgenes Verbrechen, das Untersuchung verdient, soll Montesquieu (1689-1755) einst gesagt haben. Von diesen Untersuchungen ist nichts zu sehen. Ganz im Gegenteil. Die Beteiligten – unterwürfige Gesellen genauso wie herrschaftliche Meister – verdrehen und relativieren jedes hochrangige Verbrechen, werfen Schlamm und Kot auf jeden, der sich erdreistet, Betrug und Korruption eines internationalen Netzwerks sichtbar zu machen und bringen all jene zur Strecke, die eine Gefahr für die Freiheit der Obrigkeit darstellen.

Wenn es also beispielsweise heißt, dass nur „gewisse BBC-Verantwortliche unteren und mittleren Ranges vom Gebaren [!] des Fernsehstars Jimmy Savile gewusst“ hätten, dann können Sie davon ausgehen, dass das Gegenteil richtig ist. Die Liste all der hochrangigen Verbrechen, die unter den Teppich gekehrt werden, ist enorm – und niemand, der sich bemüßigt fühlen würde, dem Einhalt zu gebieten. Und wissen Sie warum? Weil der Einzelne in einer Abhängigkeit gefangen ist. Der Mensch ist tatsächlich weder für Freiheit noch für Wahrheit gemacht – nicht weil es die Natur, sondern ein von Menschenhand geschaffenes System so vorgesehen hat. Willkommen im Gulag der Illusionen.

Warum die Lämmer schweigen: Die Illusion der Informiertheit

Der Vortrag von Prof. Rainer Mausfeld von der Christian Albrechts Universität Kiel ist eine dringende Empfehlung. Auch wenn er hin und wieder in ein für den Normalbürger unverständliches Universitätsdeutsch verfällt und es ein bisschen braucht, bis das Thema an Fahrt gewinnt, es gibt wenige deutsche Professoren, die den Mut haben, die Öffentlichkeit über die Illusion der Informiertheit aufzuklären.

So mag es nicht weiter verwundern, wenn ich für gewöhnlich auf angloamerikanische Denker Bezug nehme, die sich nicht scheuen, die Realität beim Namen zu nennen. Interessant dabei ist der Aspekt, dass der gebildete Europäer generell abschätzig auf das kulturlose und über-patriotische amerikanische Volk herunterblickt. Aber in Sachen Redefreiheit sind uns die Amerikaner weit voraus. Zum Einen ist es eine „genetisch-historische“ Komponente, die dafür verantwortlich ist, dass sich ein US-Bürger nicht so leicht den Mund verbieten lässt (wobei Washington seit 9/11 alles unternimmt, um diese „Freiheit“ einzuschränken), zum Anderen sehen sich die Amerikaner noch immer als Sieger und die Deutschen als Verlierer zweier Weltkriege. Überhaupt, die stete Gefahr eines deutschen bzw. österreichischen „Dissidenten“ mit der Vergangenheit konfrontiert zu werden, lässt viele ins geistige „Exil“ gehen. Wir sind, man muss es klar und deutlich sagen, eine Nation von Duckmäusern. Die Ausnahme, wie Prof. Mausfeld zeigt, bestätigt hier nur die Regel. So lange es also solche professionellen Querdenker gibt, die sich getrauen, in die Menge zu rufen, dass der König respektive das System nackt ist, so lange hege ich Hoffnung, dass es zu einer zweiten Aufklärung kommt.

Hier nun ein paar Ausschnitte aus seinem Vortrag – die Übersetzungen sind von mir:

„Wird der gewöhnliche Medienkonsument dieser Flut an Informationen ausgeliefert, so dürfte es eher dabei helfen, ihn zu betäuben als ihn wachzurütteln.“ – übers. n.: „Exposure to this flood of information may serve to narcotize rather than to energize the average reader …“, schreibt Paul F. Lazarsfeld (1901 – 1976).

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Man muss Ihnen die Illusion der Informiertheit geben und wenn Sie dann, beim Frühstück die Süddeutsche Tageszeitung gelesen haben, Nachmittags noch mal in Spiegel Online nachgeschaut haben, Abends dann die Tagesschau geguckt haben, dann sind Sie von Ihrem Gefühl der Informiertheit so überwältigt, dass Sie die Krankheit, an der Sie leiden, schreibt Paul F. Lazarsfeld, nicht mal mehr erkennen können, denn jetzt ist es wirklich Zeit zu Bett zu gehen.

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Je weniger wir uns in einem Bereich auskennen, um so stärker neigen wir dazu, alle angetroffenen Meinungen als gleichberechtigt anzusehen. Wir integrieren dann gleichsam über das angebotene Spektrum und suchen die „Wahrheit“ irgendwo in der Mitte, d.h. wir meiden die als „extrem“ angesehenen Ränder des beobachteten Meinungsspektrums (auch wenn tatsächlich die „richtige“ Auffassung dort verortet ist). Wer also den Bereich des öffentlichen Meinungsspektrums festlegen kann, bestimmt auch die Gruppenmeinung und insbesondere die Urteile über das, was als „extrem“ anzusehen ist.

 

„Präsident Truman [1945-53] war in der Lage, das Land mit der Unterstützung einer (noch) verhältnismäßig kleinen Zahl an Wall Street Anwälten und Bankiers zu regieren.“ – übers. n.: „Truman had been able to govern the country with the cooperation of a relatively small number of Wall Street lawyers and bankers.“, entn. Samuel Huntington (1975), The Crisis of democracy (p. 98)

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„Amerika ist keine Demokratie mehr – schon gar nicht die demokratische Republik, die die Gründerväter vor Augen hatten“ – übers. n.: „America is no longer a democracy – never mind the democratic republic envisioned by Founding Fathers“, entn. Washington Post, April 21, 2014

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„Die Meinungen des durchschnittlichen amerikanischen Bürgers hat nur einen minimalen und statistisch gesehen nicht signifikanten Einfluss auf die Politik des Landes. Kurz: So gut wie null Einfluss. […] politische Entscheidungen werden von mächtigen Wirtschaftsorganisationen und einer kleinen Zahl an wohlhabenden Amerikanern.“ – übers. n.: Die Meinungen „of the average American appear to have only a miniscule, near-zero, statistically non-significant impact upon public policy“ … „policymaking is dominated by powerful business organizations and a small number of affluent Americans“, entn. Gilens & Page (2014) Die unteren 70 % auf der Einkommens- und Besitzskala haben überhaupt keinen Einfluss auf politische Entscheidungen.

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Meinungsmanagement ist „günstiger als Gewalt, Bestechung oder andere mögliche Kontrolltechniken“ – übers. n.: Meinungsmanagement ist „cheaper than violence, bribery or other possible control techniques“ entn.: Harold D. Lasswell (1930), Encyclopedia of the Social Sciences.

 

Der Feenstaub der Banker oder Die Forderung nach einer demokratischen Geldschöpfung

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Falls Sie sich dafür interessieren, wie Geld auf wundersame Weise herbeigezaubert werden kann, dann studieren Sie das Paper des deutschen Professors Richard A. Werner der University of Southampton: Can banks individually create money out of nothing? — The theories and the empirical evidence. [link] Ihnen werden die Augen übergehen.

[meine Übersetzung:] „Somit können wir nun mit absoluter Sicherheit – möglicherweise zum ersten Mal in der 5000-jährigen Geschichte des Kreditwesens – sagen, dass es empirisch bewiesen wurde, dass jede einzelne Bank Kredit und Geld aus dem Nichts erschafft, wenn sie einen sogenannten ‘Bankkredit’ gewährt.“

[Original:] „Thus it can now be said with confidence for the first time – possibly in the 5000 years‘ history of banking – that it has been empirically demonstrated that each individual bank creates credit and money out of nothing, when it extends what is called a ‚bank loan'“.

Aber das Beste hebt sich Prof. Werner für den Schluss auf. Er unterbreitet den Vorschlag, die Geldschöpfung den gewöhnlichen Bürgern zurückzugeben und sie nicht mehr den Technokraten zu überlassen. Starker Tobak, nicht? Die Studie wurde im Dezember 2014 publiziert und der Medien-Mainstream hat damit getan, was er am besten kann, wenn es um brisante und wichtige Themen für die Zukunft der Gesellschaft geht, nämlich nichts. Sie können sich nun überlegen, warum dem so ist. Hier nun die Überlegungen von Prof. Werner:

[meine Übersetzung:] „Die Sichtweise des Autors, basierend auf die Erfahrung von mehr als 23 Jahren Forschung in diesem Themenbereich, ist jene, dass es das Sicherste ist, die unglaubliche Macht der Gelderzeugung ohne Umwege an jene zurückzugeben, die ein Recht darauf haben: den gewöhnlichen Bürgern, nicht den Technokraten. Dies kann durch die Einführung eines Netzwerkes kleiner regionaler nicht Gewinn orientierter Banken im ganzen Land sichergestellt werden. Die meisten Staaten haben bis dato kein solches System. Dabei ist dieses das Herzstück der erfolgreichen deutschen Wirtschaftsleistung in den vergangenen 200 Jahren. Es sind gerade die Raiffeisenkassen, Volksbanken oder Sparkassen – je kleiner desto besser – die in der Durchführung dieser Studie hilfreich waren und die als Modell für zukünftige politische Entscheidungen in Bezug auf das Geldsystem herangezogen werden sollten. Zusätzlich kann man regional in Umlauf gebrachte Bankgelder mit Gelder ergänzen, die Kommunalbehörden ausgeben und die zur Begleichung von Steuerschulden akzeptiert werden; es handelt sich dabei um ein regionales Geld, das nicht durch Schuld entsteht, sondern geschöpft wird, um Arbeiten und Dienstleistungen für die Kommunalbehörden oder für die Gemeinschaft durchzuführen. Beide Formen dieser Geldschöpfung würden gemeinsam ein dezentralisierteres und verantwortlicheres Geldsystem ergeben, das besser funktionieren sollte (basierend auf die empirischen Daten Deutschlands) als die unheilige Allianz von Zentralbanken und Großbanken, die ihren großen Teil zur Entstehung von Vermögensblasen und Bankenkrisen beigetragen haben.

[Original:] The view of the author, based on more than twenty-three years of research on this topic, is that it is the safest bet to ensure that the awesome power to create money is returned directly to those to whom it belongs: ordinary people, not technocrats. This can be ensured by the introduction of a network of small, not-for-profit local banks across the nation. Most countries do not currently possess such a system. However, it is at the heart of the successful German economic performance in the past 200 years. It is the very Raiffeisen, Volksbank or Sparkasse banks – the smaller the better – that were helpful in the implementation of this empirical study that should serve as the role model for future policies concerning our monetary system. In addition, one can complement such local public bank money with money issued by local authorities that is accepted to pay local taxes, namely a local public money that has not come about by creating debt, but that is created for services rendered to local authorities or the community. Both forms of local money creation together would create a decentralised and more accountable monetary system that should perform better (based on the empirical evidence from Germany) than the unholy alliance of central banks and big banks, which have done much to create unsustainable asset bubbles and banking crises.

Da die gegenwärtigen subtropischen Temperaturen nicht gerade zum intensiven Nachdenken anregen, schließe ich mit der Aussage, dass die Systemgewinner alles, wirklich alles tun werden, um den Status quo aufrechtzuerhalten. Sie reißen Unternehmen und Staaten in den Bankrott, führen Kriege und zetteln Revolutionen an, plündern und brandschatzen kommunale Einrichtungen, propagieren ein korruptes und betrügerisches Finanz- und Geld-System als einzig wahres und manipulieren Sie, Ihre Kinder und Kindeskinder durch die Medien. Gehen Sie davon aus, dass Sie nur wissen, was Sie wissen dürfen bzw. was Sie wissen sollen. Falls Sie meinen, ich würde übertreiben, nope, mit Sicherheit tue ich das nicht. Ich male den Teufel an die Wand, um Ihnen klar zu machen, dass unsere Seelen längst verhökert wurden. Die Ironie der Geschichte ist, dass der gewöhnliche Mensch im Mittelalter von der Versuchung des Teufels wusste und sich mit Tricks und Kniffe aus der gesellschaftlich zersetztenden Umklammerung zu befreien versuchte – das funktionierte natürlich nur, so lange er ehrlich zu sich und der Gemeinschaft war. Längst ist der gewöhnliche Mensch korrumpiert. Er belügt sich und die Gemeinschaft. Rettung, das ist meine persönlich Meinung, ist nur noch möglich, wenn er den Teufel und sein Werk beim Namen nennt. Aber die Systemgewinner haben es geschafft, die Begriffe in ihr Gegenteil zu verkehren. Das Un-natürliche wird natürlich genannt. Das Schlechte wird zum Guten gemacht. Wahrheit und Fiktion werden eins. Quantität übertrumpft Qualität. Kitsch verdrängt Kunst. Lug und Trug ersetzen die Realität. Das Destruktive wird höher geschätzt als das Konstruktive. Willkommen in Mephistos Welt.