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Der russische Präsident Putin besucht Wien und gibt dem ORF ein langes Interview

Der russische Präsident Wladimir Putin gab vor seinem offiziellen Österreich-Besuch dem ORF ein beinahe einstündiges Exklusiv-Interview. Das Transkript ist hier nachzulesen. Am besten, Sie ignorieren die Fragen des Journalisten und konzentrieren sich auf die Antworten von Präsident Putin. Auf diese Weise bekommen Sie ein ausgewogeneres Bild. Apropos. Das Foto zum Artikel wurde übrigens vom Kremlin zur Verfügung gestellt.

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EM 2016: Spieltag 12 – Entscheidung Gruppe C und D

EM-2016-Spieltag12

Spieltag 12 der Europameisterschaft in Frankreich 2016
Entscheidung Gruppe C und D

NORDIRLAND : DEUTSCHLAND 0:1
UKRAINE : POLEN 0:1

Die Fakten sprechen eine klare Sprache. Ballbesitz für Deutschland 70 : 30. Schüsse in Richtung gegnerisches Tor 28 : 2 – davon gingen 20 aufs Tor. Zwei Stangenschüsse von Pechvogel Müller und eine Reihe an ungenutzten, vernebelten, verstolperten Torchancen. Auch bei diesem Spiel sieht man wieder, wie schwer es ist, den Ball über die Torlinie zu bringen. Im Besonderen, wenn das Quäntchen Glück fehlt. Die Nordiren waren freilich weit davon entfernt, auch nur annähernd eine Gefahr für Manuel Neuer darzustellen. Obwohl es in den ersten Minuten nach dem Anpfiff so aussah, als hätte Trainer Michael O’Neill das Match gegen Polen eingehend studiert und versucht, mit Pressing die Deutschen in ihrer eigenen Hälfte in Verlegenheit zu bringen. Doch der Eindruck täuschte. Die Nordiren praktizierten, was sie am besten konnten: den Laden dicht machen und den Bus im Strafraum parken. Und die Deutschen praktizierten, was sie am besten konnten: Kurzpassspiel rund um den gegnerischen Strafraum, so lange, bis sich eine Gelegenheit zum gefährlichen Pass in die Tiefe oder zu einer Hereingabe von der Seite anbietet. Da Joachim Löw diesmal mit Mario Gomez auf einen Stoßstürmer setzte und mit dem offensiven Außenverteidiger Kimmich die Richtung vorgab, war das Spiel der deutschen Mannschaft geradliniger und torgefährlicher ausgerichtet – in der ersten Halbzeit brannte es im nordirischen Strafraum lichterloh. Nach einer halben Stunde nahm sich Müller ein Herz, marschierte mit dem Ball in den Strafraum und legte für Gomez auf, der staubtrocken das Tor machte. Der Führungstreffer ließ die Deutschen natürlich noch gelöster zu Werke gehen – vielleicht zu gelöst, sieht man sich an, welche Chancen sie leichtfertig vergeben haben. Aber am Ende hat es für den Gruppensieg gereicht – vor allem deshalb, weil Polen es verabsäumte, gegen die bereits ausgeschiedenen Ukrainer höher zu gewinnen.

Wie so oft bei großen Turnieren, stellt sich auch hier die Frage, welche Aussagekraft die Gruppenspiele haben. Hat der amtierende Weltmeister das Zeug, auch gegen große Mannschaften zu bestehen? Polen – kein überragendes, aber gut eingespieltes Team – zeigte den Deutschen bereits die Grenzen ihres Offensivspiels auf. Die Ukraine – das wohl schwächste Team in der Gruppe – brachte die deutsche Hintermannschaft das eine und andere Mal in eine peinliche Verlegenheit. Ich denke, dass die deutsche (genauso wie die spanische) Defensive vor allem von der gegnerischen Ängstlichkeit zehrt, den Deutschen (bzw. Spaniern) zu viel Raum in ihrem Angriffsspiel zu gewähren. Deshalb sind die gegnerischen Angriffsbemühungen nicht Fisch, nicht Fleisch – und zumeist eine leichte Beute für Boateng und Hummels. Somit bewahrheitet sich die geflügelte Phrase, dass der (vermeintliche) Angriff die beste Verteidigung ist. Könnte es nun den Fall geben, dass auch die deutsche Mannschaft in ihren Offensivbemühungen verhaltener agiert? Definitiv. Im Spiel gegen Polen konnte man gut bemerken, dass die deutschen Spieler einen gehörigen Respekt vor Lewandowski hatten und deshalb ihr besonderes Augenmerk auf ihn richteten. Ja, Fußballspiele entscheiden sich bei den besten Teams vor allem im Kopf. Im Viertelfinale, wenn die Deutschen gegen Italien oder Spanien antreten, wird man sehen, welche Mannschaft die mental stärkere ist.

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KROATIEN : SPANIEN 2:1
TSCHECHIEN : TÜRKEI 0:2

Schlapperlot. Die Kroaten haben tatsächlich die Spanier am falschen Fuß erwischt. Wie so oft, wenn die spielbestimmende Mannschaft meint, sie hätte alles im Griff und würde den Gegner kontrollieren, bricht wie aus heiterem Himmel das Ungemach herein. Die selbstbewussten Spanier – zwei ungefährdete Siege ließen die Brust schwellen – zogen wieder ihr Ballgeschiebe in der gegnerischen Hälfte auf. Es erinnerte an die Tiki-Taka-Trainingseinheiten vergangener Tage. Gottlob sind die Zeiten vorbei. Weil sich hundert Mal den Ball von rechts nach links und von links nach rechts zuzuscheiberln und dabei den Gegner ins Leere laufen  zu lassen nun mal nichts mit einem Fußballspiel zu tun hat. Gewiss, die Experten sehen das anders und schnalzen mit der Zunge. Aber da es mir in erster Linie um spannende und ausgewogene Begegnungen geht, ist Tiki-Taka Gift für meine empfindliche Seele. Deshalb freut es mich natürlich, dass am Ende die Kroaten doch noch das Siegestor schossen – der Antritt von Ivan Perišić Minuten vor Schluss beweist, dass Kondition und Laufbereitschaft spielentscheidende Faktoren sein können. Dabei hätten die Spanier – mit dem Führungstreffer im Rücken – bereits lange vorher alles klar machen können, waren aber zu lässig, vielleicht sogar zu hochnäsig, mit ihren Chancen umgegangen – ein vergebener Elfmeter – mäßig geschossen von Kapitän Sergio Ramos – unterstreicht es. Auf der anderen Seite nutzte die kroatische Mannschaft die wenigen Chancen, die sie vorfand. Die Spieler von Trainer Ante Cacic stemmten sich bissig und aggressiv gegen den Ballbesitz der Spanier und zeigten, dass sie sich nicht mit dem Unentschieden abfinden wollten. Gewiss, für die einen ist es effizienter, für die anderen einfach nur ungerechter Fußball. Aber so ist das. Mit der Niederlage treffen nun die Spanier im Achtelfinale ausgerechnet auf Italien, während die Kroaten den Dritten der Gruppe F empfangen werden – gehen wir mal davon aus, dass es Österreich sein wird, nicht wahr? Die Niederlage der Spanier im letzten Gruppenspiel tut demnach doppelt weh – wer möchte schon gegen eine italienische Mannschaft spielen, die Blut geleckt hat?

Die Türken – wie bereits bei der EM 2008 – überraschen auch diesmal wieder den unbedarften Zuschauer. Mit einem klaren Sieg haben sie sich aus dem (Medien)Sumpf ziehen und die Chance auf einen Achtelfinalplatz aufrecht erhalten können. Wer hätte das gedacht – nach den zwei äußerst schwachen Vorstellungen in der Vorrunde? Die Tschechen wiederum haben gänzlich enttäuscht. Die Zeiten, als sie jede Mannschaft ärgern und schlagen konnten, sind längst passé. Wie die Schweden, wie die Russen, sind die Tschechen in die Jahre gekommen und spielen einen antiquierten Fußball. Für die Zukunft braucht es wohl einen totalen Umbau – so das Spielermaterial vorhanden ist. Das Dilemma ist ja, dass all die Ligen der kleinen Länder kaum noch Anreize für junge Menschen bieten und der wenige Nachwuchs mit gutem Geld gehegt und gepflegt werden muss. Keine leichte Aufgabe. Auf der anderen Seite braucht es nicht viele Fußballer, um eine Mannschaft zu formen und zur Europameisterschaft zu bringen. Siehe Island, das beinahe um die Hälfte weniger Einwohner hat als Luxemburg (320.000 : 540.000).

 

EM 2016: Spieltag 7

EM-2016-Spieltag7

Spieltag 7 der Europameisterschaft in Frankreich 2016

ENGLAND : WALES 2:1

Das soll also die Battle of Britain gewesen sein? Die erste Halbzeit war wohl mehr Krampf denn Kampf. Folgerichtig gelang das erste Tor des Spiels aus einer Standardsituation. Freistoß für Wales. Über 30 Meter vom englischen Tor entfernt. Bale. Natürlich Gareth Bale. Hart. Natürlich Joe Hart. Der eine mit unnachahmlicher Schusstechnik. Der andere mit eigentümlicher Bahnschrankenmentalität. ORF-Analyst Helge Payer meinte, Hart hätte alles falsch gemacht, was ein Torhüter falsch machen kann – was man mit laienhaften Auge freilich auch sehen konnte. England und seine Torhüter – eine langjährige Komödie mit tragischen Elementen.

In der ersten Halbzeit gab es jedenfalls kaum flüssige Kombinationen zu beklatschen. Spielzerstörende Fouls hüben wie drüben. Die Engländer waren bemüht, aber gegen die tief gestaffelte Abwehrreihe der Waliser fiel ihnen nicht viel ein. Außenverteidiger Walker beackerte zwar die rechte Seite und Routinier Rooney versuchte hin und wieder einen gefährlichen Pass in die Tiefe anzubringen, aber alles in allem waren die ersten 45 Minuten nur ein laues Offensivlüftchen. Das sollte sich mit der Hereinnahme von Jamie Vardy und Daniel Sturridge ändern – jene zwei Spieler, die von den Fans bereits im ersten Match gefordert, aber nicht von Trainer Roy Hodgson gebracht wurden. Zehn Minuten nach seiner Einwechselung stand Vardy genau dort, wo ein Stoßstürmer zu stehen hat und haute einen missglückten Klärungsversuch in die Maschen. Der Ausgleich beflügelte nun die Engländer und paralysierte die Waliser. Mit jeder Minute wurden die englischen Spieler selbstbewusster, ballsicherer – Sturridge konnte es sich sogar leisten, immer wieder mit (eigensinnigen) Dribblings hängen zu bleiben. Minuten vor Schluss, bereits in der Nachspielzeit, war es schließlich Sturridge, der sich im Strafraum überraschend behaupten und den Ball ins Netz spitzeln konnte. Zugegeben, die Waliser Verteidigung – mit den Kräften merklich am Ende  – dürfte mit den Gedanken bereits in der Kabine gewesen sein. Mit dem Gegentreffer war die Niederlage besiegelt, zerplatzte der walisische Traum. Nichtsdestotrotz hat es Bale & Co in der eigenen Hand, gegen Russland den Aufstieg zu fixieren.

Mit dem heutigen hart erkämpften Sieg der Three Lions dürften die Weichen endgültig für Jamie Vardy und Daniel Sturridge gefallen sein. Haben am Ende die Fans immer recht? Das  letzte Spiel gegen die Slowakei wird freilich kein Spaziergang für die Engländer werden, können Hamšík & Co nur mit einem Sieg fix ins Achtelfinale aufsteigen. Es riecht hier also nach einem Schlagabtausch. Leider verfügt das slowakische Team nicht über die notwendigen spielerischen Qualitäten um England aus dem Spiel heraus unter Druck setzen zu können. Es deutet demnach alles auf eine Kopie des Wales-Spiels hin: Die Slowaken werden tief stehen und auf eine Konterchance lauern, während die Engländer aus einer gesicherten Abwehr das Spiel zu kontrollieren versuchen. Aber eines ist klar: Fällt ein Tor, geht’s rund!

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UKRAINE : NORDIRLAND 0:2

Also, die erste Halbzeit können wir mal abhaken. Da gab es nicht viel zu sehen. Keine der beiden Mannschaften wollte aus sich herausgehen. Die Ukrainer versuchten zwar das Spiel zu machen, aber die Nordiren versperrten ihnen geschickt den Laufweg. Die zweite Halbzeit war dann schon dramatischer. Im stetig heftig werdenden Regen blühten die Nordiren förmlich auf. Keine fünf Minuten nach Wiederanpfiff köpfte der 36-jährige Gareth McAuley eine Freistoßflanke wunderbar gegen die Laufrichtung von Goalie Pyatov ins lange Eck. Der Führungstreffer weckte die Ukrainer zwar auf, aber sie taten sich dann doch recht schwer, das offensive Spiel zu machen. Die Nordiren riegelten den Strafraum konsequent ab – und die wenigen Verlegenheitsschüsse der Ukrainer trafen selten ihr Ziel. Eine kurze Spielunterbrechung – es hagelte für einige Minuten – änderte nichts am Status Quo. Das Team der Ukraine versuchte immer wieder den Ball in die gefährliche Zone zu bringen, aber die Nordiren machten die Räume eng und stellten die Räume zu. Bemerkenswert, dass sie noch gegen Ende der Spielzeit recht hoch verteidigten und so ein gegnerisches Powerplay am eigenen Strafraum gar nicht erst zuließen. In der Nachspielzeit – die Ukrainer waren mit ihren Kräften sichtlich am Ende – machten die pferdebelungten Nordiren schließlich das zweite Tor. Respekt. Ich schätze, in Nordirland wird die nächsten Tage das Bier knapp werden. Tröööt.

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DEUTSCHLAND : POLEN 0:0

Das war sie also, die erste Nullnummer bei der Europameisterschaft. Man könnte meinen, es wäre eine träge und langweilige Partie gewesen. Mitnichten. Jedes Spiel Der Mannschaft ist ein intensives, emotionsgeladenes und keine Sekunde lang darf man als Zuschauer (oder Gegner) glauben, die Löw-Truppe würde im Spiel kein Tor mehr erzielen. Ja, unsere großen Nachbarn sind immer für ein Tor gut – egal wann, egal wo, egal wer. Die Polen wussten das natürlich und stellten sich deshalb recht defensiv auf. Trotzdem war es keine ukrainische Abwehrschlacht – vielmehr waren die Polen sogar bereit, das eine oder andere Mal die Deutschen in ihrer eigenen Hälfte anzupressen, unter Druck zu setzen und sie so zu – man kennt es sonst nicht von ihnen – Abspielfehlern zu zwingen. Tatsächlich, wenn die Polen durch Pressing den Ball erkämpfen und eine Offensivaktion gegen die noch ungeordnete deutsche Hintermannschaft einleiteten konnten, waren sie brandgefährlich. Man muss jetzt kein Freund der Polen sein, aber die zwei Großchancen von Milik waren die besten im Spiel – somit hätten sich Löw & Co nicht über eine Niederlage beschweren dürfen. Ach, der gute Milik – warum er wenige Meter vor dem Tor so stümperhaft agierte, bleibt ein ungelöstes Rätsel. Und Superstar Lewandowski ließ sich bei einem Schussversuch dann doch (ungewöhnlich) viel Zeit, weshalb Boateng gerade noch rechtzeitig den Schuss blocken konnte. Aber gehen wir mit den polnischen Spielern nicht zu hart ins Gericht, spielten sie doch gegen den amtierenden Weltmeister. Da können schon mal die Nerven flattern.

Das polnische Team war also perfekt auf das deutsche Spiel eingestellt und konnte die taktische Vorgabe ihres Trainers Adam Nawałka über 90 Minuten lang umsetzen. Nach den letzten beiden Gruppenspielen scheint man nun ein Rezept gegen die Deutschen gefunden zu haben: Das Zentrum mit zwei Defensivketten absichern, überfallsartige Pressingaktionen einleiten und den daraus resultierenden Ballgewinn für eine gefährliche Offensivaktion – die deutsche Defensive sollte noch in Unordnung sein – nützen. Gewiss, ein Konzept zu haben und es am Rasen umzusetzen sind zwei Paar Schussstiefel.

Für die Polen ist sogar der Gruppensieg in greifbare Nähe gerückt, geht es doch im letzten Spiel gegen die bereits ausgeschiedene Ukrainer, während die Löw-Truppe gegen unangenehm motivierte Nordiren antreten müssen, die noch alle Chancen haben, ebenfalls das Achtelfinale zu erreichen. Sollte es für den Weltmeister knüppeldick kommen, könnte es am Ende nur für den dritten Platz reichen. Aber wer mag ernsthaft glauben, dass sich Deutschland gegen Nordirland eine Blöße geben wird? Eben. Das Match – ich sehe es bereits vor mir – wird ein Geduldsspiel: Die Nordiren werden mit Mann und Maus rund um ihren Strafraum stehen und versuchen, die Räume eng zu machen, sie werden mit langen Bällen ihre wenigen Offensivaktionen einleiten und auf Standardsituation hoffen. Die Deutschen wiederum werden ein 90-minütiges Powerplay in der gegnerischen Hälfte aufziehen. Alles wie gehabt.

Zurück zum gestrigen Spiel. Man stellt sich die Frage, ob Löw nicht bereits von Anfang an mit Stoßstürmer Gomez beginnen hätte sollen? Götze war als Solospitze zwar bemüht, fand sogar eine der besseren Chancen vor (die er vermutlich vor zwei Jahren genutzt hätte), war aber – wie seine Kollegen – mit dem polnischen Abwehrbollwerk überfordert und für ein Kopfballtor zehn Zentimeter zu klein. Im Besonderen rächt es sich, dass noch immer kein adäquater Ersatz für Philipp Lahm gefunden worden ist. Höwedes strahlt auf der rechten Seite keine Torgefahr aus, kann auch – als gelernter Innenverteidiger – kaum offensive Akzente setzen. Wir sollten aber nicht vergessen, dass noch nicht alle Spieler zur Normalform gefunden haben: Khedira war anfänglich geistig abwesend, kassierte auch gleich eine gelbe Karte für ein taktisches Foul, fand aber dann doch mit Einsatz zurück ins Spiel. Hummels, nach seiner Verletzungspause, wirkte zuweilen unsicher. Özil war/ist eine schattenhafte Erscheinung – zuerst weiß man gar nicht, ob er aufgestellt wurde und dann prüft er Torhüter Fabianski mit einem prächtigen Volleyschuss. Müller müllerte noch immer nicht. Götze suchte seine Torgefährlichkeit von anno 2012. Hector spielte brav mit,  Ausnahmetalent ist er keines. Aber auch, wenn viele Spieler noch nicht die Normalform erreicht haben, den Halbfinaleinzug sehe ich nicht in Gefahr, dazu muss man sich nur all die anderen Favoriten angucken, die bei weitem noch nicht überzeugen konnten. Und wenn Die Mannschaftsmaschine schließlich und endlich ins Laufen kommt, dann ist sie für gewöhnlich nicht mehr zu stoppen: There is nothing new under the sun and on the pitch.

Moment, Italien und Spanien sind ja noch gar nicht ausgeschieden …

 

 

 

EM 2016: Spieltag 3

EM-2016-Spieltag3

Spieltag 3 der Europameisterschaft in Frankreich 2016

TÜRKEI : KROATIEN 0:1

Von Beginn an zeigten die Kroaten, dass sie gewillt waren, das Spiel gegen die Türken zu machen. Aber es brauchte eine Weile, bis die Nervosität aus den Köpfen und Beinen der Spieler vertrieben werden konnte. Die kroatische Mannschaft presste, drückte, rackerte, gab keinen Ball verloren; die Türkei wirkte eingeschüchtert und ratlos. Srna, einer der besten Außenverteidiger, legte seine Rolle wie gewohnt offensiv an – beinahe könnte man glauben, er hätte die Position eines Flügelstürmers eingenommen. Von seiner rechten Seite kamen oftmals die hohen Flanken in den Strafraum. Überhaupt schien es das Rezept der Kroaten zu sein: Flügellauf, hohe Flanke hinein und hoffen, einen guten Kopfball anbringen zu können. Aber die Abwehr der Türken klärte mit Köpfen und Füßen. Minuten vor dem Halbzeitpfiff war es dann eine missglückte Klärung eines Türken, die Modric zwanzig Meter vor dem Tor zu einem brachialer Volleyschuss einlud. Und weil Torhüter Volkan Babacan wie ein Bahnschranken umfiel – man vergleiche die gestrige Überreaktion des russischen Torhüters Akinfeev, der einen ähnlichen Hammer von Rooney entschärfen konnte – hieß es 1:0 für Kroatien.

In der zweiten Halbzeit machten die Kroaten weiterhin das offensive Spiel, dachten nicht daran, sich zurückzuziehen und die Defensive zu verstärken. Zugegeben, die Türken strahlten kaum Gefahr aus – obwohl, hin und wieder blitzte ein gelungenes Kombinationsspiel auf, aber vor dem Strafraum war zumeist Endstation. Auf der anderen Seite hatten die Kroaten auch noch drei Lattenschüsse und mehrere gute bis sehr gute Chancen, den Sack zuzumachen. Der Sieg der Kroaten war sicherlich verdient, darüber wird wohl niemand zweifeln. Die einzig offene Frage ist die: Sind die Kroaten so gut gewesen oder die Türken so schwach? Vermutlich liegt die Antwort irgendwo dazwischen.

Ob die Taktik der Kroaten – hohe Flanke in den Strafraum und hoffen – auch in den nächsten beiden Spielen gegen Spanien und Tschechien funktioniert, wird sich weisen. Aber die Mannschaft hat das spielerische Potenzial, mit Direktspiel, Dribblings und Lochpässen jeden Gegner in Bedrängnis zu bringen. Einsatz und Wille sind jedenfalls bei den Kroaten reichlich vorhanden – summa summarum ist mit den Kroaten bei dieser EM zu rechnen – so lange sich nicht einer der Schlüsselspieler verletzt. Die Ersatzspieler haben nämlich bei weitem nicht die Qualität der Stammspieler.

Die Türken haben wenig gezeigt und nicht überzeugt. Bezeichnend, dass Superstar Arda Turan vorzeitig ausgewechselt wurde und Trainer Fatih Terim zwanzig Minuten vor Schluss sogar die junge Hoffnung Emre Mor ins Feuer schickte. Man möchte es nicht glauben, aber diese Einwechselung löste tatsächlich einen Ruck in der türkischen Mannschaft aus. Ist es ein Zeichen für die kommende Aufstellung? Wie dem auch sei, fest steht, wenn sich Fatih Terims Spieler nicht steigern können, werden sie die Gruppenphase nicht überstehen. Aber wenn ich eines gelernt habe, dann ist es, dass man die Türken nie abschreiben sollte.

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POLEN : NORDIRLAND 1:0

Gähn. Also, das war ja wohl ein lauer Sommerkick. Jedenfalls bis zum Führungstreffer der Polen in der 51. Minute. Bis dahin versuchten die Nordiren nur bloß kein Tor zu bekommen. An eines zu schießen, nein, daran dachten sie nicht. Ich fragte mich ja klammheimlich, wie es die Nordiren überhaupt zur EM schafften und siehe da, sie gewannen (!) die Gruppe F und ließen Mannschaften wie Rumänien, Ungarn und Griechenland hinter sich. Mit anderen Worten: die nordirische Mannschaft dürfte sehr wohl wissen, wie man Tore schießt. Ob sie es in den nächsten beiden Spielen zeigen werden, wird man sehen. Spielerisch darf man jedenfalls nicht viel von ihnen erwarten und über den Einsatz allein wird es mit Sicherheit nicht gehen. Die Polen wiederum versuchten von Anfang an die Entscheidung herbeizuführen – gar nicht einfach, da die Nordiren mit Mann und Maus die Räume dicht machten und sich gegen die Angriffe stemmten. Wirklich gefordert waren die Polen eigentlich nie. Deshalb wird erst die nächste Partie gegen Deutschland zeigen, was in ihnen steckt. Dass sie in der Lage sind, die Deutschen zu schlagen, wissen wir seit der EM-Qualifikation.

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DEUTSCHLAND : UKRAINE 2:0

Respekt. Die deutsche Nationalelf zeigte gegen die Ukraine einmal mehr, warum sie zum Favoritenkreis gezählt werden muss. Mit dem Selbstvertrauen eines amtierenden Weltmeisters ließen die deutschen Spieler den Ball zirkulieren und setzten die Ukraine in ihrer eigenen Hälfte unter Druck – ohne dabei Angst zu haben, in einen Konter zu laufen. Ein klein wenig erinnerte ihre riskante Spielweise an die legendäre Begegnung bei der WM 2014 gegen Algerien – damals wie gestern standen die Deutschen sehr hoch, versammelten sich beinahe zur Gänze in der gegnerischen Hälfte und zogen ihr Offensivspiel auf. Aber während Algerien mit äußerst gefährlichen Konterangriffen die Deutschen an den Rand einer Niederlage bringen konnte, war die Ukraine dann doch zu eingeschüchtert, zu verhalten und wirkte zuweilen wie die Maus vor der Katze. Gut möglich, dass der recht frühe Führungstreffer in der 20. Minute – nicht aus dem Spiel heraus, sondern durch eine Standardsituation – die ukrainische Mannschaft aus dem Konzept brachte. Mit dem 1:0 im Rücken konnten die Deutschen natürlich noch befreiter, noch sicherer auftreten, während die Ukrainer Mühe hatten, den Laden zusammenzuhalten.

Nun mache man aber nicht den Fehler, zu glauben, es wäre für die deutsche Elf ein Spaziergang gewesen. Mitnichten! Die erste Chance hatte die Ukraine – der Volleyschuss wurde von Torhüter Neuer – wie so oft ein Fels in der Brandung – abgewehrt. Und nach dreißig Minuten leckten die Ukrainer Blut und setzten die deutsche Hintermannschaft das eine oder andere Mal sichtlich unter Druck. Hier liegt dann wohl der Hase im Pfeffer. So überragend die Deutschen in der Offensive und bei Ballbesitz agierten, die Defensive zeigte Nerven, übte sich im Schwimmen und konnte den Gegner im Strafraum kaum bändigen. So kam die Ukraine beinahe zu ihrem Tor – aber eine spektakuläre Rettungsaktion von Boateng auf der Linie, eine Abseitsstellung sowie ein toller Reflex von Neuer verhinderten den Ausgleich. Dass der EishockeyBodycheck von Neuer gegen Selesnjow im Strafraum nicht geahndet wurde, nun, müssen wir wohl als eine glückliche Fügung für die Löw-Truppe abhaken.

Oberflächlich betrachtet könnte man bereits zur Feststellung gelangen, dass die Deutschen bereits Europameister sind. Bedenkt man, dass beispielsweise Müller, Götze oder Özil nur eine unterdurchschnittliche Form an den Tag legten, dass Draxler, Höwedes und Hector nicht sonderlich in Erscheinung traten, dann kann man sich vorstellen, was die deutsche Elf mit einem fitten Hummels in der Abwehr, mit einem fitten Schweinsteiger im Mittelfeld und mit einem torgefährlichen Gomez im Sturm zu leisten im Stande wäre. Vorausgesetzt Neuer, Boateng, Kroos und Khedira halten die gezeigte Topform.

Die kommende Begegnung mit Polen wird Aufschluss geben, wie stark die deutsche Elf tatsächlich ist – die Ukraine, das sollten wir nicht vergessen, hatte sich eigentlich nur mit Müh und Weh qualifiziert. Trotzdem ertappe ich mich auch jetzt wieder, bereits darüber nachzudenken, welcher Gegner den Deutschen überhaupt Paroli bieten würde können. Nicht auf spielerischem Niveau, versteht sich, sondern im selbstbewussten Auftreten. Frankreich und England scheiden hier schon mal aus. Bleiben nur die üblichen Verdächtigen: Spanien und Italien. There is nothing new under the sun.

Ach ja, eines noch. Könnte der DFB Joachim Löw nicht einen Herren von Knigge zur Seite stellen, der darauf acht gibt, dass sich der Trainer nicht vor aller Welt blamiert?

 

 

Wenn die NZZ Propaganda betreibt …

Pinter_Wahrheit
Pinteresk

Eine unbedingte Lese-Empfehlung, für alle jene, die wissen wollen, wie eine Schweizer Qualitätszeitung im Ukraine- und Syrien-Konflikt eine doch recht einseitige Kriegspropaganda betreibt. Sie können davon ausgehen, dass es eine ähnlich einseitige Berichterstattung auch in deutschen und österreichischen Qualitätsmedien gibt. Die Studie beginnt mit folgender Einleitung:

»Die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) ist die führende Schweizer Tageszeitung für internationale Themen. Doch wie objektiv und kritisch berichtet die NZZ über geopolitische Konflikte? Um dies zu überprüfen, wurden während je eines Monats alle NZZ-Berichte zur Ukraine-Krise  und zum Syrienkrieg analysiert und anhand des Modells von Professor Anne Morelli auf Muster von Kriegspropaganda hin ausgewertet.«

»Die Resultate sind eindeutig: Die NZZ verbreitet in ihren Berichten überwiegend Propaganda der Konfliktpartei USA/NATO. Gastkommentare und Meinungsbeiträge geben nahezu durchgehend die Sicht dieser Konfliktpartei wieder, während Propaganda ausschließlich auf der Gegenseite verortet wird. Die verwendeten Drittquellen sind unausgewogen und teilweise nicht überprüfbar. Insgesamt muss von einer einseitigen, selektiv-unkritischen und wenig objektiven Berichterstattung durch die NZZ gesprochen werden. Verschiedene Erklärungsversuche für diesen Befund werden diskutiert.«

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