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Afghanistan 1980 vs. Syrien 2015: Der Vergleich macht Sie sicher.

Eigentlich ist es ganz einfach. Wirklich.
Eigentlich ist es ganz einfach. Wirklich.

Als am 25. Dezember 1979 sowjetische Truppen die Grenze zu Afghanistan überschritten, war ich gerade mal 11½ Jahre jung und wusste nur so viel, dass dem Ostblock nicht zu trauen ist und dass dieser die alleinige Weltherrschaft anstreben würde. Einzig die Westmächte, allen voran die USA, waren in der Lage, dieser Bedrohung zu begegnen. Ja, damals wusste ich und all die anderen gutgläubigen Bürger nichts von dem, was hinter der geopolitischen Kulisse ablief. Und weil ich befürchte, dass es heutzutage nicht anders ist, braucht es hin und wieder eine kurze und hoffentlich erhellende Aufklärungslektion.

Zuerst muss man wissen, dass der Kalte Krieg eine Erfindung Washingtons ist. Sehen Sie, die UdSSR wäre alleine nicht in der Lage gewesen, die Deutsche Wehrmacht zu schlagen – es brauchte einerseits Unmengen an Rüstungsgütern und Knowhow von Seiten der USA (Lend-Lease-Act), andererseits Spionagenachrichten (Spion Werther im OKH) und eine zweite bzw. dritte Front im Westen. Nach 1945 war die UdSSR ausgeblutet und wenn es nach General George Patton ging, hätte man die Sowjets damals aus Europa verjagen sollen. Militärisch hätte das keine große Mühe gemacht, aber Washingtons Elite dachte nicht daran, den Osten Europas zu befreien, ganz im Gegenteil. Die Gründe sind mannigfaltig, aber einer davon war, Moskau in Zukunft als allmächtigen Gegenpol und Feind darzustellen.

Ich verzichte auf die Auflistung all der amerikanischen Interventionen in souveränen Ländern zwischen 1945 und 1979, das würde den Rahmen sprengen. Historischer Fakt ist, dass Washingtons politische Elite im Ausland nach Belieben schalten und walten konnten – dank eines Mainstream-Apparates, der das Narrativ »Osten=böse und Westen=gut« bis zum Erbrechen in die Köpfe der Bürger verankerte: Da wurden demokratisch gewählte Regierungen abgesetzt, Revolutionen geschürt, Diktatoren eingesetzt, Regimegegner umgebracht, souveräne Staaten destabilisiert, Terrorbanden unterstützt und Kriege vom Zaun gebrochen. Die Begründung Washingtons war immer die gleiche: Fällt ein Land dem Kommunismus anheim, folgt das nächste und so fort. Diese Dominotheorie war nichts anderes als der Persilschein für größenwahnsinnige Schlüsselspieler in Washington.

Würden Sie heute einen Journalisten oder Politiker fragen, was in Afghanistan 1979/1980 geschehen ist, werden Sie für gewöhnlich das Mainstream-Narrativ hören: Die UdSSR wollte sich widerrechtlich Afghanistan aneignen. Aber warum wollte sie das? Weil die Kommunisten nach der Weltherrschaft strebten, heißt es dann. Klingt gut, ist aber falsch. Als die sowjetischen Truppen die Grenze zu Afghanistan überschritten, taten sie es, um der demokratisch gewählten (!) Regierung in Kabul zu helfen. Vor wem musste die Regierung und die Bürger geschützt werden? Vor muslimischen Terrorgruppen, die mit blutigen Übergriffen das Land ins Chaos stürzen wollten. Und hier zeigt sich eine erste frappante Ähnlichkeit zur gegenwärtigen Lage in Syrien: Auch dort versuchen muslimische Truppenverbände mittels Blut und Schwert die Regierung zu entmachten.

Die zweite frappante Ähnlichkeit ist, dass Moskau den beiden bedrängten Regierungen zu Hilfe geeilt ist und Washington dies in beiden Fällen scharf kritisiert hat. Damals, während des Kalten Krieges, konnte die westliche Presse ohne Probleme alle Welt davon überzeugen, dass es die Sowjetunion war, die völkerrechtswidrig in ein souveränes Land einmarschiert ist und es besetzt hält. Deshalb machte es für alle Sinn, dass Washington als Antwort auf diese Handlung Moskau wirtschaftlich, politisch und sportlich boykottierte.

Die dritte frappante Ähnlichkeit ist der Umstand, dass diese muslimischen Terrorgruppen nicht der Hölle entstiegen sind, sondern gezielt nach Afghanistan bzw. Syrien eingeschleust wurden. Diese „Gotteskrieger“ waren schlicht und einfach Söldner, die von Seiten Washingtons (und dessen Verbündeten) ausgebildet, indoktriniert, angeleitet und in die jeweiligen Zielländer eingeschleust wurden. Osama bin Laden war einer von vielen Kontaktpersonen, die Söldner anwarben und finanzierten – im Auftrag von Washington (und dessen Verbündeten). Falls Sie nun den Kopf schütteln und meinen, ich hätte nicht mehr alle Tassen im Schrank, dann hören Sie, was Zbigniew Brzezinski, der damalige Berater von Präsident Jimmy Carter, zu sagen hat:

nouvel observateur: »Der ehemalige Direktor des CIA, Robert Gates, sagt in seinem Buch, dass die USA die Mudschahedin in Afghanistan bereits sechs Monate vor der sowjetischen Invasion unterstützten. Zu dieser Zeit waren Sie der Nationale Sicherheitsberater von Präsident Jimmy Carter und haben damit eine wesentliche Rolle in dieser Angelegenheit gespielt. Können Sie die Aussage von Robert Gates bestätigen?«
zbigniew brzezinski: »Ja. In der offiziellen Version des CIA begann die Unterstützung der Mudschahedins im Laufe des Jahres 1980, also nach dem die sowjetische Armee am 24. Dezember 1979 einmarschiert ist. Aber die Wirklichkeit, die bis jetzt geheimgehalten wurde, ist gänzlich anders: Es war am 3. Juli 1979, als Präsident Carter die erste Direktive für verdeckte Hilfsleistungen gab, die Gegnern des pro-sowjetischen Regimes in Kabul zugute kamen. An diesem Tag habe ich dem Präsidenten eine Notiz zukommen lassen, in der ich ihm erklärte, dass durch diese Hilfe die Sowjets dazu verleitet werden, eine militärische Intervention durchzuführen.«

Vincent Jauvert, Les Revelations d’un ancien conseiller de Carter
Nouvel Observateur No. 1732 vom. 15.01.1998

Verstehen Sie vielleicht jetzt, warum dieser Kriegerhaufen Islamische Staat (IS/ISIS) bis jetzt nicht in die Knie gezwungen werden konnte? Weil er bis dato von Seiten Washingtons (und dessen Verbündeten) gehegt und gepflegt wurde, d.h., die willigen Männer werden ausgebildet, indoktriniert, bezahlt und ausgerüstet.

At least three years of US efforts to train rebels to overthrow the Syrian government has produced, as General Lloyd Austin, Commander of US Central Command, testified last month, “four or five” trained and vetted “moderates” in Syria. The $500 million appropriated for this purpose has disappeared.
Ron Paul

The CIA began a covert operation in 2013 to arm, fund and train a moderate opposition to Assad. Over that time, the CIA has trained an estimated 10,000 fighters, although the number still fighting with so-called moderate forces is unclear.
Associated Press

Immerhin stellt sich nun das US-Finanzministerium (!) die Frage, woher diese Terror-Milizen all diese nagelneuen Toyota-Trucks haben. Das Unternehmen Toyota weist alle Spekulationen zurück und meint, man habe eine „wir verkaufen an keine Terroristen“-Politik. Aha. Die Frage bleibt also offen. Weiters muss man sich auch fragen, woher diese Banden ihr Benzin für all diese Autos beziehen und wie sie es logistisch verteilen. In einer recht kahlen Landschaft wäre es recht auffällig, mit Tanklastwagen herumzufahren – vor allem in Zeiten der Satelliten- und Luftraumüberwachung.

zerohedge: The scholars, who have previously given evidence before the UK Parliamentary Foreign Affairs Select Committee, further report that despite large convoys transporting IS oil through Syria, Iraq and Turkey, “allied US air-raids do not target the truck lorries out of fear of provoking a backlash from locals” (although killing up to a thousand Syrian civilians is apparently fine). As a result, “the transport operations are being run efficiently, taking place most of times in broad daylight”.

paper: ISIS EXPORT GATEWAY TO GLOBAL CRUDE OIL MARKETS

George KIOURKTSOGLOU &Dr Alec D COUTROUBIS
University of Greenwich, London
Kein Wunder also, dass die ersten sowjetischen Luftschläge gegen IS-Ziele erfolgreich ausfielen. Im Gegensatz dazu blieb die US-Luftwaffe, die völkerrechtswidrig und damit illegal in Syrien herumbombt, recht harmlos – vermutlich, weil Pentagon primär den „gemäßigten“ Rebellen Luftunterstützung gewährt und somit den Weg unabsichtlich absichtlich für ISIS freiräumt.
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Übrigens waren es nicht die Mudschaheddin, sondern vielmehr deren vom Pentagon zur Verfügung gestellte Ausrüstung, die die Sowjettruppen in den 1980ern aus Afghanistan vertrieben, beispielsweise: Kommunikationseinrichtungen, präzise Scharfschützengewehre mit großer Reichweite, Panzerabwehrraketen, (US-Marine-)satellitengestützte Zieleinrichtungen für Mörser, das effektive Flugabwehrraktensystem Stinger, sowie Zeitzünder und tonnenweise C-4 Plastiksprengstoff für Sabotageaktionen. Hätte damals die sowjetische Luftwaffe ungehindert ihre Search-and-Destroy-Missionen gegen die feindlichen Nachschubwege fliegen können, wäre der „Krieg“ in Afghanistan bald zu Ende gegangen. Aber dank der amerikanischen Stinger-Flugabwehrrakete, die ein Mann „idiotensicher“ vom Boden aus abfeuern konnte, mussten die Missionen eingeschränkt bzw. aufgegeben werden. Dass die Terrortruppen in Syrien ebenfalls mit Stinger-Raketen ausgerüstet worden seien, behauptete bereits 2012 ein russischer General.
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Mit anderen Worten, der von Washington initiierte Regimewechsel in souveränen Ländern erfolgt immer nach dem gleichen Schnittmuster – siehe auch Libyen und Ukraine:

. geheime Hilfe von Regierungsgegner (Geld, Kontakte, Netzwerk, NGOs …)
. Negative Presse für die Regierung (undemokratisch, despotisch, gefährlich, …)
. Positive Presse für Regierungsgegner (freiheitsliebend, mutig, Underdog, pro-westlich, …)
. Massendemonstrationen und Streiks werden initiiert und durch die Presse aufgebauscht

Tritt die Regierung friedlich ab, sprechen wir von einer Color-Spring-Revolution.
Falls nicht, geht es weiter im Programm:

. Eskalation durch Gewaltanwendung von „Polizeikräften“ (Agent Provocateure)
. Washington sorgt für außenpolitischen Druck gegenüber der Regierung
. blutige Übergriffe von „Regierungstruppen“ (Agent Provocateure)
. „Bürgerkrieg“ (Söldnerbanden)
. Washington erklärt das neue pro-US-Regime als legitime Regierung und sorgt für gute Presse. Vorhang.

Von alledem werden Sie in der Qualitätszeitung Ihrer Wahl nichts lesen.
Niemand pisst auf die Hand, die ihn füttert. Willkommen in der Realität.

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Pseudo-Realität anno Juli 2014

rege
Am Ende des Regenbogens, da liegt es vergraben!

Es ist wahrlich nicht leicht, seriöse Quellen zu finden, die den gewöhnlichen Bürger aufrütteln, ihn sozusagen aus der ihn umgebenden Pseudo-Realität herausführen können. Andererseits bin ich mir gar nicht mehr so sicher, ob diese Wachrüttelei überhaupt noch möglich ist, ganz abgesehen von der Frage, ob sie überhaupt Sinn macht. Da lobe ich mir den amerikanischen Pioniergeist, dieses in der Brust lodernde Feuer und die damit verbundene absolute Gewissheit, dass Freiheit und Wahrhaftigkeit (und ne Jagdflinte) am Ende gegen jede Tyrannei obsiegen werden. Fein. Den Deutschen und Österreichern ist dieses Selbstbewusstsein 1945 respektive 1918 förmlich herausgerissen worden. Ob zu recht oder zu unrecht steht auf einem anderen Papier. Es ist jedenfalls Fakt, dass die beiden Völker nie mehr zu sich selbst zurückgefunden haben. Ja, beide haben ihre Vergangenheit gekappt und ihre Wurzeln vergiftet. So ist es nur folgerichtig, dass der von mir sehr geschätzte Schweizer Uni-Professor Daniele Ganser in einem Interview den Schluss zieht, dass Deutschland ein Vasall Washingtons ist und es sich – aus deren Sicht – noch immer um ein besetztes Land handelt [link].

Der Ukraine-Konflikt – mit all den Haupt- und Nebenschauplätzen – ist für Außenstehende kein bisschen zu verstehen. Hier wird, ein weiteres Mal, imperiale Weltpolitik in die tödliche Tat umgesetzt. Die Liste all dieser Interventionen ist bereits so lange, dass man sie gar nicht fassen kann. Unmöglich. Die Einträge reichen vom „Überfall“ auf Mexiko 1846 über die „Falle“ in Afghanistan 1979 bis hin zur „Auslöschung“ Libyens 2011. Falls Sie wirklich ein Interesse daran haben, Konflikte verstehen zu wollen, dann müssen sie zu aller erst Washington (nicht die USA) als imperiale Macht verstehen, die dem Römischen Imperium frappierend ähnelt. Danach gilt es zu begreifen, dass an den Schalthebeln nur analytische Schachspieler sitzen, deren Aufgabe es ist, ein vorgegebenes Ziel zu erreichen. Dabei ist jedes, wirklich jedes Mittel recht. Der gewöhnliche Mensch kann diese Kaltblütigkeit nicht im Ansatz ermessen. Kein bisschen. Deshalb würde er die (schlimme) Wahrheit, würde man sie ihm auf dem Silbertablett servieren, nicht akzeptieren können. Unmöglich. Weil nicht sein kann, was in seinen Augen nicht sein darf. In den Worten des damaligen FBI-Chefs J. Edgar Hoover hört sich das dann so an:

»The individual is handicapped by coming face-to-face with a conspiracy so monstrous he cannot believe it exists. The American mind simply has not come to a realization of the evil which has been introduced into our midst. It rejects even the assumption that human creatures could espouse a philosophy which must ultimately destroy all that is good and decent.«

Edgar Hoover, „Communist ›New Look‹: A Study in Duplicity“, in: Elks Magazine Ausgabe August 1957, Hrsg.: BPO Elks of the USA, Chicago, S. 48.

»Der Einzelne tut sich schwer eine Verschwörung zu sehen, die so monströs ist, dass er gar nicht glauben kann, dass sie überhaupt existiert. Der amerikanische Verstand hat bis jetzt nicht begriffen, welches Übel in unsere Reihen eingeschleust wurde. Der Verstand lehnt sogar die Annahme ab, dass Menschen eine Philosophie entwickeln könnten, die darauf abzielt, alles Gute und Anständige zu zerstören.« [meine Übersetzung]

In Bezug auf den Israel-Palästina-Konflikt gibt es nicht viel zu sagen, will man sich nicht den Mund verbrennen. Ich denke, es reicht, den offenen Brief eines norwegischen Arztes zu lesen, der in einem Spital in Gaza seinen freiwilligen Dienst versieht und mitansehen muss, wie Stunde um Stunde eine neue Welle an Verwundeten und Schwerverletzten – Kinder, Frauen und Männer jeden Alters – angeschwemmt wird. [link]

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Conspiracy_3D300P
Mein Versuch, auf 600 Seiten Licht ins Dunkle zu bringen.

EM 2012 – Spieltag 12 – ENG : UKR und SWE : FRA – Wembley im Jahre 2012

England : Ukraine 1:0       Schweden : Frankreich 2:0

Ich bin nicht amused. Nope. Ich bin stinkesäuerlich. Weil ich um 30 Minuten gebracht worden bin, die an Spannung und Dramatik wohl kaum mehr zu überbieten gewesen wären. Ein Schuldiger ist freilich schnell ausgemacht: der ungarische Schiedsrichter und seine Helferlein.

Für die Franzosen ging es im Spiel gegen die Schweden um nicht viel. Es sei denn, die Ukraine hätte die Engländer mit einem Tor besiegt und die Franzosen ihrerseits hätten mit zwei Toren Differenz verloren. Vor den beiden Spielen konnte niemand wirklich an solch eine Konstellation glauben, deshalb dürften die Franzosen eher lustlos aufgelaufen sein. Überhaupt ist eines der unerklärlichen Phänomene diese berühmt berüchtigte Lustlosigkeit in der französischen Nationalelf, die sich – dann und wann – in den Köpfen der Spieler festsetzt. Von außen betrachtet sieht es danach aus, als wären die Spieler müde, konditionell nicht auf der Höhe. Aber damit hat es nichts zu tun. Die Franzosen, diese Grande Nation, mit ihrem beinahe unerschöpflichem Spieler-Reservoir (aus den ehemaligen Kolonien), bildeten in den letzten Jahren keine Einheit mehr. Ähnlich wie bei den Niederländern besteht die Mannschaft aus Einzelspieler, mit deren Teamgeist es nicht weit her ist, wenn es einmal nicht läuft. Diese Lustlosigkeit frisst sich wie ein Virus von einem zum anderen. Als Zuschauer ist es eine Katastrophe, solch Spiele beizuwohnen, in denen sich eine Mannschaft völlig aufgibt. Aber nicht, weil sie es nicht besser könnte, sondern einfach, weil ihr Feuer erloschen ist. Ein wenig erinnert es an den Film Rocky III, als sein (schwarzafrikanischer) Trainer meinte, es fehle ihm, Rocky, das Auge des Tigers. Mit anderen Worten: er solle von seinem hohen Ross heruntersteigen und wie anno dazumal in den schäbigen Vierteln trainieren, statt eine Pressekonferenz nach der anderen zu geben. Ja, so ähnlich verhält es sich mit den Franzosen. Oui, oui. Haken wir also das Spiel ab und sehen uns an, wie sie gegen die Spanier agieren werden. Dabei habe ich kein gutes Gefühl. Die mentale Stärke der Kroaten oder Italiener haben die Franzosen noch lange nicht. Und ein Team sind sie noch immer nicht. Gegen eine lächerlich schwache englische Mannschaft, gegen eine zaudernde Ukrainische Mannschaft kann man leicht gewinnen (oder wenigstens nicht verlieren), aber gegen Spanien, meiner Seel, der gute Napoléon dreht sich im Grab um – haben ihm schon damals die Iberer ordentlich Feuer unterm Hintern gemacht.

Now something completely different. Das Spiel England gegen die Ukraine müsste ein dramatisches werden, sagte ich mir. Weil die Heimmannschaft nur mit einem Sieg den Aufstieg schaffen konnte. Die Spieler der Ukraine hatten nichts mehr zu verlieren. Und die Engländer? Ihr Defensiv-Bollwerk ärgerte mich schon in den letzten beiden Spielen – freilich, gegen die Schweden zeigten sie, dass sie aus wenigen Chancen viele Tore machen konnten. Ich war also auf das Äußerste gespannt. Tja. Die erste Halbzeit eine große Enttäuschung. Weil die Engländer auch gegen die Ukraine Beton anrührten, und gerade einmal mit einer Kopfball-Chance aufwarten konnten, mehr war eigentlich offensiv nicht zu sehen. Im Gegensatz dazu bemühten sich die Spieler der Ukraine, aber gegen diesen englischen Beton gab es kaum ein Durchkommen. Weitschüsse waren ein probates, aber leider ineffizientes Mittel. Trotzdem gefiel mir das Spiel der Ukraine. Sie rackerten, liefen, mühten sich – auch ohne Shevtchenko oder Woronin, die nur auf der Ersatzbank Platz nehmen durften bzw. mussten.

Die englische Nationalelf spielte grottig. Es war erbärmlich, wirklich. Wäre es die Mannschaft aus Trinidad Tobago, die sich vor ihrem Strafraum einigelte, ich würde es verstehen. By the way: Wer erinnert sich an den mühsamen Sieg der Engländer gegen die frech aufspielende Mannschaft aus Trinidad Tobago zur WM 2010? Da musst schon ein irreguläres Tor von Crouch in der 83. Minute herhalten! Einwohnerzahl des Inselstaates: 1,3 Millionen. Soviel mal dazu. Jedenfalls, die Engländer, trotz eines Rooneys, spielten nicht, sie standen nur herum und im Weg. Wenn eine Mannschaft mit solch einer Taktik die Europameisterschaft gewinnen möchte, gehörte sie eigentlich sofort disqualifiziert. Aber die Götter des Olymp, die sich schon für die griechische Zementfabrik erwärmen konnten, hatten wohl auch ein Herz für englische Bauarbeiter. Manchmal kann das (Fußballer)Leben ganz schön ungerecht sein. Yes, yes.

In der zweiten Halbzeit, als ich auf einen Führungstreffer der Ukraine hoffte, das die Engländer vielleicht wachgerüttelt hätte, geschah das genaue Gegenteil: Rooney köpfte ungehindert einen Abpraller ins Tor. Tja. Dumm gelaufen. Jetzt brauchte die Ukraine schon zwei Tore. Gewiss, sie hätten sich – wie die Polen – aufgeben können. Aber sie taten es nicht. Sie packten die Brechstange aus und stürmten auf Teufel komm raus. Das lässt freilich das Herz eines jeden echten Fußballfans höher schlagen. Das wollen wir sehen: Leidenschaft! Kraft! Wille! Kein Trainingsspiel für gestresste Top-Verdiener.

Also, die Spieler der Ukraine brandeten brav nach vorne, aber vor dem Strafraum war meist Schluss mit lustig. Die Engländer standen immer mit einem Bein im (Schuss)Weg. Dann setzte einer der Stürmer den Kopfball aus rund 4 Metern über das Tor. Blöd. Aber es kam freilich noch dicker: Der Stürmer Devic taucht allein vor dem englischen Torhüter auf, der sich aber nicht völlig düpieren lässt und fälscht den Schuss noch ab. Der Ball fällt im hohen Bogen ins Tor. Aber dort knallt ihn ein zurückeilender Terry wieder hinaus. Die Spieler der Ukraine bejubeln das Tor. Die Engländer spielen weiter. Und der Schiedsrichter? Rührt kein Ohrwaschel! Ach, wieder haben wir diese leidige Situation, die damit endet, dass man sich fragt: »War der Ball nun hinter der Torlinie oder nicht?« – Aus den TV-Wiederholungen dürfte hervorgehen, dass der Ball – mit vollem Umfang – hinter der Torlinie war. Aber nutzt das jetzt etwas? Das Tor wurde nicht gegeben, trotz des Torrichters, der extra dafür von der UEFA abgestellt wurde. Ironischerweise war es ja gerade dieser berühmt-berüchtigte Lattenpendler der Engländer, im WM-Spiel 2010 gegen Deutschland, welches den Ausschlag gab, Torrichter zu installieren. Mit der gestrigen Fehlentscheidung sollte man die Torrichter wieder in Pension schicken.

Hätte das Tor gegolten, hätte die Ukraine den Ausgleich gemacht, dann hätte es noch eine dramatische Endphase gegeben. Ja, so eine Fehlentscheidung ärgert mich immer dann am meisten, wenn damit dem Spiel der Zahn gezogen wird. 2010 waren die Engländer noch eine Mannschaft, die es wissen wollten (wenn es um die Wurst ging). Hätten sie den Ausgleich gegen die Deutschen gemacht (besser: wäre das Tor gegeben worden), die englische Fußballwelt würde ganz anders aussehen. Das ist ja das Schlimmste, dass niemand solche Fehlentscheidungen wieder gut machen kann. In vielen Spielen ist es eigentlich nur nebensächlich. Aber hin und wieder muss eine Mannschaft und ein Land wohl für lange Zeit an ihrem Unglück knabbern. Hätte der Schiedsrichter zur EM 2008 nicht das Abseitstor der Kroaten gegen unsere Österreicher gegeben, wer weiß, wer weiß. Der Witz an der Sache ist natürlich, dass wir nie wissen können, was am Ende wirklich geschehen wäre. Die Deutschen hätten gegen die Engländer, die Kroaten gegen die Österreicher trotzdem gewinnen können, es wäre demnach alles beim Alten geblieben. Und doch spu(c)kt in all unseren Köpfen, die es livehaftig miterlebt haben, diese Möglichkeitsform im Gedächtnis herum. Das ist dieser schmerzende Dorn, der im Fleisch sitzt und der eine weitere, normale Entwicklung nicht zulässt, bis eine neue Generation heranwächst, die mit dieser Fehlentscheidung nichts mehr zu tun hat. Das heißt, es müssen Jahre vergehen.

Ja, so ist das, im Leben wie im Fußball. Jeder steckt eine Niederlage weg (sie macht uns stärker!), aber kaum einer, der eine ungerechte Entscheidung hinnehmen kann – sei es durch das Schicksal, sei es durch den Schiedsrichter. Apropos Schicksal. Ich lese gerade das (scheinbar umstrittene) Buch von Joachim Fernau »Deutschland, Deutschland über alles … – Von Anfang bis Ende«. Vielleicht verstehe ich dann die teutonische Seele ein wenig besser. Ob es hilft, dass ich der Löw-Truppe die Daumen drücke, gegen die Griechen? Schau’ma mal.

EM 2012 – Spieltag 8 – UKR : FRA – Vom Regen in die Traufe

Ukraine : Frankreich 0:2

Na, das war mal ein ordentliches Unwetter, welches über dem Stadion, besser: über die Donbass Arena, niederging. Da wurde es stockdunkel, sintflutartige Regenfälle überschwemmten den Rasen und Blitze zuckten bedrohlich über den Köpfen der Spieler. Keine 5 Minuten dauerte gerade einmal das Spiel, dann unterbrach der Schiedsrichter die Partie. Eine Stunde später wurde sie wieder aufgenommen und man merkte, dass die Franzosen gewillt waren, nichts anbrennen zu lassen. Oui, oui.

Die Urkainer, tja, sie hatten nicht viel entgegenzusetzen gehabt, hin und wieder der Ansatz einer Chance – zumeist hatte da Shevtchenko (Sie können ihn natürlich auch Schewtschenko rufen) seine Beine im Spiel, aber die Hochkaräter verbuchten eindeutig die Franzosen für sich. Wäre der ukrainische Torhüter nicht in der Form seines Lebens gewesen, es hätte noch bitterer für die Fans der Ukraine kommen können. Aber die Chance für den Co-Gastgeber lebt weiterhin. Ein Sieg gegen die Engländer und schon scheint wieder die Sonne im Land.

Die Franzosen spielten gar nicht schlecht. Endlich konnten sie einmal ihre spielerische Überlegenheit über 90 Minuten zeigen. Gut möglich, dass ihnen jetzt der Knopf aufgegangen ist (»Eh? So einfach kann man ein Spiel gewinnen? Mon Dieu, wenn wir das gewusst hätten!«). Im nächsten Spiel bekommen es die Franzosen mit den bereits ausgeschiedenen Schweden zu tun, die eher verhalten kickten. Das sollte für Ribery & Co zu schaffen sein. Vive la France!

EM 2012 – Spieltag 4 – UKR : SWE – Pensionsantrag verschoben

Ukraine : Schweden 2:1

Hoppla. Ich gestehe, ich hätte keinen Pfifferling auf den Co-Gastgeber Ukraine gesetzt. Nicht, nach dem sie so klang und sanglos gegen Österreich verloren hat. Zugegeben, es war nur ein Freundschaftsspiel, aber trotzdem zeigte es mir, dass es nicht weit her ist, mit der fußballerischen Qualität, made in Ukraine.

Aber erstens kam es anders und zweitens als der Fußballexperte denkt. Vielleicht waren es auch die Schweden, die ihren Gegner unterschätzten, im Besonderen, als sie das Führungstor machten und weitere Chancen vernebelten. Tja. Was mir an der Ukraine gefiel, das war ihr unbändiger Wille. Sie gaben sich nicht auf, kämpften beherzt und spielten giftig. Das freut den neutralen Beobachter und Fußball-Feinschmecker, der generell zu den Underdogs hält. Ei, am Ende hat’s mich gefreut, dass der gute alte Shevchenko die beiden Treffer zum Sieg beisteuerte. Jener ehemaliger Stürmer, der einmal zu den Besten seiner Zunft gehörte. Aber das ist schon ein Weilchen her. Und wäre er nicht dem Geld gefolgt und in Italien geblieben, er hätte sicherlich noch ein paar Jahre mehr zu den Größten gehört. Aber so wurde er kurzerhand in der englischen Millionärstruppe von Chelsea aufs Abstellgleis geschoben. Gewiss, ein äußerst lukratives.

Vielleicht, wer weiß, startet die Ukraine ihrerseits ihr Sommermärchen. Wenn ich mir da die Engländer und Franzosen so anschaue, dann dürften diese durchaus zu schlagen sein (besser: die Engländer schlagen und sich mit den Franzosen auf ein Unentschieden einigen – dumm, dass ihr nächstes Spiel gegen die Franzosen ist).

Und die Schweden? Na, sie hatten es in der Hand, besser: am Fuß und am Kopf. Und wenn man bedenkt, dass sie in den letzten Minuten noch zwei hochkarätige Chancen vernebelten, dann sind sie wohl selber Schuld, an der Malaise, nicht? Aber ein wenig gab es mir schon zu bedenken, dass die ukrainische Mannschaft es nicht für nötig hielt, gegen Ende des Spiels die Schotten dicht zu machen. Statt sich mit 10 Mann vor dem Strafraum zu postieren, standen sie kreuz und quer am Spielfeld herum und trabten seelenruhig zurück, während die schwedische Garde aufs Tor zustampfte. Vermutlich hat niemand den Spielern der Ukraine erzählt, wie die Schweden in deutschen Landen gewütet hatten und dabei keine Gefangenen machten. Gut, dass ist schon ein Weilchen her, aber trotzdem sollte man die Nordmänner nicht unterschätzen, nur weil sie so hübsch blond und blauäugig sind, nicht?