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Das Problem mit der kindlichen Kreativität und dem sozialen Verhalten der Bürger – zwölf Tage vor Weihnachten

Ich saß mit der kleinen L. und ihren Eltern bei Tisch. Sie malte in einem Buch recht bunt einen Weihnachtsmann aus. Plötzlich hob die kleine L. den Kopf und fragte: »Gibt es den Weihnachtsmann wirklich?«

Interessant, dachte ich mir, dass dieses kleine Mädchen bereits einen Unterschied macht, zwischen wirklich und unwirklich, zwischen echt und unecht. Es beeindruckt mich immer wieder, wie Kinder die verquersten Schlüsse ziehen, mit Warum-Fragen die Erwachsenen in den Wahnsinn treiben und trotzig darauf bestehen, dass sie recht haben. Irgendwann, vermutlich mit dem Kindergarten und der Volksschule beginnend, werden den Kindern die kreativen Gedankengänge ausgetrieben und sie zu biederen, braven und bequemen jungen Bürgern geformt. Hinterfrage das Bestehende nicht. Hinterfrage die Obrigkeit nicht. Gib eine Ruhe. Quäle nicht jene, die wissen, was für dich das Beste ist. Was du sonst anstellst, ist uns egal – so lange du in erster Linie durch Konsum deine Individualität auslebst. Wenn der junge Bürger dann zum ersten Mal zur Wahlurne schreiten darf, ist sein Hirn nur noch Matsch und beliebigst manipulierbar.

Natürlich klingt das wieder für viele aufrechte Bürger und nachdenkliche Eltern nach der üblichen Schwarzmalerei. Gut. Zugegeben, es gibt Lichtblicke da und dort. Es gibt Ausnahmen der Regel. Und nein, ich habe keine Kinder. Aber ein starkes Indiz wäre da Sir Ken Robinson, der sich eingehend mit der Kinder-Schule-Kreativitäts-Problematik beschäftigt – am besten man hört sich seinen TED-Vortrag an. Er ist witzig und lehrreich und es gibt Untertitel und ein Transcript in deutsch.

Diese Beispiele zeigen, dass Kinder bereit sind, etwas zu riskieren. Wenn sie es nicht wissen, probieren sie es einfach. Nicht wahr? Sie haben keine Angst, etwas falsch zu machen. Ich will damit nicht sagen, dass etwas falsch zu machen bedeutet, kreativ zu sein. Wir wissen aber, dass wer nicht bereit ist einen Fehler zu machen nie etwas wirklich Originelles schaffen wird. Wenn man nicht bereit ist, Fehler zu machen. Und wenn sie erst erwachsen sind, haben die meisten Kinder diese Fähigkeit verloren. Sie haben Angst, Fehler zu machen. Und, nebenbei, wir machen das in Firmen genau so. Wir stigmatisieren Fehler. Wir haben heute nationale Bildungssysteme in denen Fehler das Schlimmste sind, was man machen kann. Und das Ergebnis ist, dass wir den Menschen ihre kreativen Fähigkeiten weg-unterrichten. Picasso hat mal gesagt: Alle Kinder werden als Künstler geboren. Das Problem ist ein Künstler zu bleiben während man aufwächst. Ich bin nun überzeugt, dass wir nicht in die Kreativität hinein wachsen sondern aus ihr heraus. Oder wir werden vielmehr heraus-unterrichtet. Warum also ist das so?

TED Feb 2006: Ken Robinson says schools kill creativity (link)

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Ein zweites Indiz ist in einem Artikel des britischen Psychologen Theodore Dalrymple (sein Schriftsteller-Name) im Wall Street Journal zu finden. Dalrymple beschreibt darin die Auswüchse jugendlicher »Scheißegal«-Mentalität in  Großbritannien und wie das soziale Umfeld bzw. die Umwelt leidet. Auch ich habe mir schon oft Gedanken gemacht, dass Schmutz und Abfall auf den Straßen ein Zeichen von antisozialem Verhalten sind. Ich glaube mich zu erinnern, dass es vor dreißig Jahren noch undenkbar gewesen wäre, dass ein junger Halbstarker eine Zeitung im hohen Bogen von sich geworfen hätte. Hätte er es getan, die Wahrscheinlichkeit wäre groß gewesen, dass ihn jemand an den Ohren gezogen und gezischt hätte, er solle das aufheben, sonst setzt es was. Ich möchte keine Diskussion über das Ziehen von Grenzen für Kinder und Jugendliche lostreten, ich möchte nur auf den Fakt hinweisen, dass es eine breite Masse an Kinder und Jugendlichen gibt, die sich, pardon, einen Scheißdreck um ihre Umwelt kümmern. Vermutlich wäre mir als Kind die Umwelt auch piepegal gewesen, aber ich wusste, was ich tun durfte und was nicht. Freilich, das hinderte mich nicht daran, mit meinem Freund einen älteren Herren eine Weile zu piesacken oder ein paar Münzen aus der Familienschatulle zu stibitzen.

Vor wenigen Tagen, an einer überfüllten Busstation in Nottingham, begann ein dicker Junge, der um die 13 alt Jahre war, einen Freund mit Essen zu bewerfen. Einiges hätte mich beinahe getroffen und landete am Boden, direkt vor mir, und machte Müll.

»Entschuldige«, sagte ich zu dem Jungen, »könntest du das aufheben?«

»Halte das verdammte Maul! [Shut the f*** up!]«, schnauzte er mit einem wirklich hasserfüllten Gesicht zurück.

Aus den Mündern von den Kleinsten und Säuglingen, in England, kommen Obszönitäten. Keiner an der Busstation traute sich etwas zu sagen, noch weniger, etwas zu tun. Mehr noch, die Engländer sind ein Volk, das weder innere noch äußere Zurückhaltung kennt. Sie werden aggressiv, wenn nicht sogar gewalttätig, in dem Moment, in dem ihnen Einhalt geboten wird, und sogar dann, wenn es nur um Trivialitäten geht. Und jene, die weder aggressiv noch gewalttätig sind, können in keinem Fall sicher sein, dass das Gesetz auf ihrer Seit ist, falls es zu einer Reiberei kommt. Es ist demnach besser, oder einfacher, für sie, erst gar nichts zu bemerken, auch wenn es bedeutet, in ständiger Angst zu leben.

Theodore Dalrymple: The Ugly Brutishness of Modern Britain [link]
A demotic egalitariansim, allied with multiculturalism, has rendered civility passé.
[meine Übersetzung]

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Als drittes Indiz sehe ich den erbärmlichen Zustand kreativer Menschen in einem freien Markt, der ihnen jede besonders motivierende Entfaltungsmöglichkeit nimmt und sie in ein brutales Hamsterrad zwingt. Ein gutes Beispiel ist der Beitrag einer freien ORF-Mitarbeiterin, die völlig kaputt und ausgebrannt ist, weil sie für ihre kreative Radio-Tätigkeit nur einen Hungerlohn erhält – im Vergleich dazu würde eine Anstellung bei einer österreichischen Diskonter-Kette (25 Stunden) einträglicher sein. Auf diese Weise wird jedem Jugendlichen klar vor Augen geführt, dass es gar keinen Sinn macht, überhaupt kreativ und wissenshungrig zu bleiben, weil es am Ende doch nicht fürs Leben reichen wird. Besser er mutiert zu einem Konsum-Zombie und tut, was von anderen verlangt wird.

Ich möchte einfach nur arbeiten, denn ich liebe diesen Job. Ich will nichts werden, ich habe keine Ambitionen auf irgendeine Position. Nichts würde mich unglücklicher machen als ein fantastisch bezahlter Verwaltungsposten, der bedeute»n würde, dass ich weg wäre von den Menschen, von den direkten Gesprächen mit Betroffenen, vom journalistischen Tagesgeschäft. Da unterscheide ich mich nicht von meinen Mitstreitern und zahlreichen Mitstreiterinnen. Aber ich kann nicht mehr. Ich bin müde. Sehr müde. Ich kann die Floskeln und die leeren Versprechungen nicht mehr hören. Ebenso wenig wie die Vorwürfe der Verantwortlichen, die uns erst wahr- und ernst genommen haben durch die mediale Berichterstattung, wir würden das Unternehmen schädigen durch unseren öffentlichen Protest. Ich glaube, Sie werden nirgends hingebungsvollere und idealistischere ORF MitarbeiterInnen finden als unter den Freien Ö1- FM4- und TV-Kultur MitarbeiterInnen. Niemand von uns will den ORF schlecht machen. Aber es ist schwierig, ein Unternehmen zu loben, das einen nicht wertschätzt, obwohl man wertvolle Arbeit leistet. Auf Kosten der eigenen Gesundheit, des Privatlebens und der Existenz.

Barbara Kaumfann: Protestmüde [link]

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Im Moment arbeite ich wie ein Berserker an Con$piracy. Plötzlich beginnen die Teile, die zuvor ein wenig unzusammenhängend in der Luft hingen, ineinanderzugreifen. Ein gutes Zeichen, bedeutet es doch, dass ich am richtigen Weg bin. Aber zwei Drittel der Überarbeitung liegen noch vor mir. Warum ich mir das antue? Weil ich glaube, dass jeder das Recht hat, zu wissen, was in der Welt vor sich geht. Das Buch ist freilich nicht der Stein der Weisen. Will es auch gar nicht sein. Ich möchte dem Interessierten einfach nur neugierig und gleichzeitig skeptisch machen. Der Bürger muss sich wieder seiner Möglichkeiten bewusst werden. Er muss sich bewusst werden, dass er selbst Teil einer Gemeinschaft ist. Es gab Zeiten, viele viele Jahre ist es her, da hat der Bürger in einer Stadt an den Regeln und Gesetzen mitbestimmt. Das hatte freilich seinen Preis. Wurde die Stadt angegriffen, musste er zu den Waffen greifen und diese verteidigen. Aber seien wir ehrlich: Würden wir nicht alle liebend gerne etwas verteidigen, das uns am Herzen liegt?

Breaking Bad – Die Chemie des TV-Lebens

WB. tippte auf die DVD-Boxen von Breaking Bad und meinte, dass ich die Serie sehen müsse. Ich war skeptisch. Zugegeben. TV-Serien, Made in USA, können schon sehr am intelligenten Nervenkostüm des Zuschauers rütteln. Freilich, es gibt immer wieder Lichtblicke. In diesem Falle dürfte WB. einen richtigen Riecher gehabt haben. Die letzte Woche begonnen, die Serie zu gucken. Die ersten zwei Staffeln habe ich durch und das ist Grund genug, kurz inne zu halten und über das Gesehene zu reflektieren – behandelt die Serie doch eine Reihe von Themen, die von der Öffentlichkeit nur leise besprochen werden. Bereit?

Weiterlesen?

Revolution? Okay. Morgen hätte ich noch einen Termin frei. Sagen wir um 12 Uhr?

Eigentlich könnte man friedlich abhängen, an diesem kühlen Samstag. Es sieht nach Regen aus. Was gibt es besseres, um zu schreiben? Eben. Für die nächsten Stunden habe ich mir vorgenommen, einen Beitrag zu fabulieren, der in seiner Ernsthaftigkeit und Dringlichkeit nicht aufgeschoben werden darf. Wird sich etwas ändern, wenn ich ihn geschrieben habe? Nope. Wird sich etwas ändern, wenn Sie ihn gelesen haben? Nope. Also, wozu der Aufwand? Tja. Darauf kann es keine befriedigende Antwort geben. Vielleicht ist es einfach nur das kreative Ego und das schlechte Gewissen, die zusammen wirken und mich förmlich bedrängen, endlich einmal Klartext zu reden. Gut. Dann machen wir das.

Übrigens, wer sich nicht mit trockenen Ausführungen zu diesem Thema herumschlagen möchte, für den gibt es meine kleine feine Parabel Der blaue Smaragd von gerade einmal 10 Seiten. Darin werden meine Überlegungen auf erzählerische Weise auf den Punkt gebracht. Hier ist das PDF zum Herunterladen.

M. sieht der Zukunft optimistisch entgegen. Sie ist jung, steht auf ihren eigenen Füßen und glaubt daran, dass die Menschen auch die größten Probleme lösen werden können. Auf meine bisherigen bloggenden Ausführungen, die sich mit einem „halb leeren“ Glas beschäftigen, hat sie mir vorgehalten, Schwarz zu malen und untätig zuzusehen, wie sich meine so negativ hoffnungslos postulierte Prophezeiung bewahrheitet. Doomster, heißen dann diese Leutchen, die ein Lied von Weltuntergang und Hoffnungslosigkeit singen. Ich habe mich hie und da gefragt, ob sie recht hat, die gute M. Könnte es sein, dass es eine Gruppe von Menschen gibt, die sich wohl fühlt, wenn sie die Leichen der Gesellschaft aus dem Keller holt und ins Rampenlicht stellt. Gewiss. Es gibt sie, hat sie immer gegeben, diese selbsternannten Propheten, die Ängste schüren und das Heil in der Entsagung im Diesseits sehen. Aber wer möchte heutzutage entsagen? In einer Zeit des stetigen Überflusses. Gut, das gilt nicht für alle Menschen auf dieser Erdkugel. Ach ja! Uns fällt ein, dass wir nicht allein sind. Dass es noch viele viele andere Menschen gibt, deren Leben aber gänzlich anders strukturiert ist, als das unsrige. Die Angst haben müssen, den nächsten Morgen nicht mehr zu erleben. Die nicht wissen, wie es morgen weitergehen wird. Die zum Spielball anderer Menschen werden. Ausgenutzt und benutzt.

Gut. Ich habe nun drei Artikel gefunden, die sich intensiv mit dem halb leeren Glas beschäftigen.

Al Gore ist vermutlich vielen ein Begriff. Er war US-Vizepräsident, Präsidentschaftsanwärter und hat sich mit Umweltfragen auseinandergesetzt. Schließlich gipfelten seine Anstrengungen in der Dokumentation An Inconvenient Truth – Eine unbequeme Wahrheit aus dem Jahre 2006, das sogar mit dem Oscar ausgezeichnet wurde.

Für kurze Zeit war Al Gore und seine Bewegung gegen Globale Erwärmung in aller Munde. Und heute? Rund fünf Jahre später können wir feststellen, dass sich nichts Wesentliches verändert hat. Nicht auf politischer Ebene. Nicht auf medialer Ebene. Al Gore hat es zum Anlass genommen, noch einmal  auf den Tisch zu hauen. Im Rolling Stone Magazine hat er einen hitzigen Artikel, eine giftige Tirade geschrieben. Herrlich! Weil es an der Zeit ist, die Glacé-Handschuhe auszuziehen und Klartext zu reden. Wirklich!

Die Frage, die man sich natürlich stellen kann, ist, ob die globale Erwärmung von Menschen oder vielleicht am Ende doch nur durch kosmisch-physikalische Prozesse (zum Beispiel Sonnenwinde) verursacht wird. Es sind zwei unversöhnliche und gegensätzliche Positionen, die sich da gegenüber stehen. Während die eine Position die Schuld bei jedem Einzelnen sucht (ja, auch bei Ihnen, auch bei mir), weist die andere Position jede Schuld brüsk von sich. Wir können uns vermutlich gut vorstellen, welche der beiden Positionen in den Medien und in der Politik am besten wegkommt, oder? Kein Wunder also, wenn Al Gore eine Breitseite auf die „Kopf-in-den-Sand“-steckenden Mainstream-Medien abfeuert. Mehr noch, die Medien sind es, so sagt Al Gore, die absichtlich Zweifel und Verunsicherung schüren. Kein Wunder also, wenn wir allesamt nur mit den Schulter zucken. Niemand weiß etwas Genaues. Also tun wir, was wir immer getan haben. Nichts. Und das können wir ja bekanntlich am besten. Freilich, wer sein schlechtes Gewissen beruhigen möchte, der wählt Öko-Strom und nimmt mal den Zug, statt des Flugzeugs. Vielleicht.

Die Ironie in der Geschichte ist, dass Al Gore in jedem Fall recht hat, auch wenn er unrecht hätte. Fakt ist nämlich, dass wir mit der Verbrennung und Verarbeitung fossiler Brennstoffe das Ökosystem und die Gesellschaft an den Rand des Kollaps führen. Man sehe sich jene Gegenden an, wo Öl oder Erdgas gefördert oder verarbeitet wird. Man sehe sich jene Gegenden an, in denen Pipelines ganze Landstriche halbieren. Man sehe sich jene Gegenden an, in denen um die Ressourcen gekämpft wird. Bürgerkrieg. Milizen. Terror. Und hier, im reichen Westen? Was haben wir mit dem Reichtum, der nur, wirklich nur auf billige Energie zurückzuführen ist, was haben wir also mit diesem Reichtum, den es nicht ewig geben wird, angestellt? Wir haben Monster-Städte geschaffen, die nur noch für eine gehobene Bürgerschicht angenehme Lebensverhältnisse bieten, während der größte Teil der Einwohner in Wohnsilos dahinvegetieren. Das Auto hat innerhalb von fünfzig Jahren das Stadtbild dermaßen ins Negative verändert, das man es nicht mehr mit einem menschenwürdigen Ort zu tun hat. Während ich diese Zeilen schreibe, brausen am Handelskai, direkt unter mir, die Autos vorbei. Kaum einer stellt sich die Frage, welche Auswirkungen Lärm und Abgase auf die Menschen haben. Oder dass stark befahrene Straßen kleinere und größere Stadt-Gebiete regelrecht zerteilen. Oder dass durch das Auto die Nahversorgung obsolet geworden ist und dörflich-gesellschaftliche Strukturen vernichtet wurden. Von Unfallzahlen und Umweltverschmutzung will ich hier gar nicht erst reden. Die Liste ließe sich endlos fortsetzen. Aber um es auf den springenden Punkt zu bringen: auch wenn die globale Erwärmung nicht durch den Menschen verursacht werden würde, so ist die bedingungslose Abhängigkeit gegenüber billiger fossiler Energie für die Menschheit verheerend.

Wären wir Menschen allesamt aufgeklärt und vernünftig, man hätte schon längst erkannt, dass der Zug gegen die Wand knallen wird, wenn wir nicht rechtzeitig abbremsen und unsere Bedürfnisse (Gier) zügeln. Statt dessen wird noch immer von Wirtschaftswachstum gesprochen, in einer Welt, auf einem Planeten, mit endlichen Ressourcen. Wie passt das zusammen? Würde man sich kurz einmal zurücklehnen und darüber nachdenken, man müssten den Kopf schütteln, ob all der vielen Experten und Politiker, die nur das Wirtschaftswachstum im Kopf haben („Geht es der Wirtschaft gut, geht es auch dir gut!“). Erbärmlich!

Wenn wir wissen wollen, welche Alternativen wir in den nächsten 30 Jahren zum Erdöl als Energiequelle haben, tja, dann sieht es nicht sonderlich gut aus. Michael T. Klare geht davon aus, dass es nun einen 30jährigen Krieg um die Energie-Vormachtstellung auf diesem Planeten geben wird. Das ist nur logisch, oder? Und wer jetzt wieder mit Solar- und Wind-Energie kommt, der muss leider hören, dass die IAE schätzt, dass im Jahre 2035 der Anteil dieser erneuerbaren Energie etwa 4 % (in Worten: VIER) des gesamten weltweiten Energieverbrauchs ausmachen wird. Äh. Ja. Das ist wahrlich bescheiden, oder?

Gemäß BP (ja, das sind die netten Leute, die in den Golf von Mexiko gepinkelt haben) hat die Welt Energie in einem Ausmaß von 13,2 Milliarden Tonnen Erdöl-Äquivalent konsumiert. Die  Energie-Konsumation setzt sich wie folgt zusammen:

  • 33,6 % Erdöl
  • 39,6 % Kohle
  • 23,8 % Erdgas
  • 6,5 % Wasserkraft
  • 5,2 % Atomkraft
  • 1,3 % erneuerbare Energie

Zusammen decken die fossilen Brennstoffe (Kohle, Erdgas, Erdöl) rund 87 % des gesamten Energiebedarfs. Hm. Das ist nicht gerade wenig, oder? Wenn man dann noch in Betracht zieht, dass Erdöl als Ausgangsmaterial für Trillionen von Produkten (Pestizide, Düngemittel, Medikamente, Kunststoff, Textil usw.) notwendig ist, dann könnte einem schon schwindlig werden, wenn man sich vor Augen führt, dass dieses schwarze Gold knapper und knapper wird. Und wir sollten wissen, was sich Menschen alles antun, um zu ihrem „gerechten“ Anteil zu kommen, oder?

Dass US Präsident Jimmy Carter bereits 1977 eine Fernsehansprache hielt, in der er die Öl-Abhängigkeit der USA anprangerte und zur Feststellung gelangte, dass seine Landsleute alles tun müssten, um den Energie-Verbrauch in Zukunft zu senken. Er ging mit gutem Beispiel voran und montierte am Weißen Haus eine Solaranlage. Ronald Reagan hat sie wenige Jahre später wieder abmontieren lassen und das Credo ausgegeben: Öl ist für alle (US-Amerikaner) da. Punkt.

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There’s No Housing Bubble to Go Bust
Ben Bernanke
Vorsitzender der US Notenbank
[die US Notenbank ist eigentlich eine Privatbank!]

Aber wenn dieser Cocktail aus globaler Erwärmung und Energie- und Rohstoffknappheit nicht schon giftig genug ist, dann kommt noch eine hübsche künstliche Erfindung ins Spiel, die aus dem giftigen ein explosives Gemisch macht: Geld aus dem Nichts. Äh. Ja. Die Münzen, die Scheine, die Sie in der Tasche haben, wurden aus dem Nichts gezaubert. In den 1970ern wurde die Gold- und Silberdeckung aufgehoben. Das bremste nur die Wirtschaft, sagten sich die Experten. Und hatten vermutlich recht. Irgendwie. Man erklärte lapidar, dass der Staat für das ausgegebene Geld bürgen würde. Haha. Lustig, nicht? Der Staat sind wir! Nicht mal die Revolutionäre von 1789 getrauten sich Geld aus Nichts entstehen zu lassen. Nope. Sie besicherten ihre ausgegebenen Geldscheine mit dem konfiszierten Eigentum von Kirche und Adeligen. Wie dem auch sei, die Aufhebung der Gold- und Silberdeckung hatte eine unbeschreibliche Sogwirkung. Geld kam zu Geld. Geld kommt zu Geld. Mehr und mehr. Als Beispiel sei die US-Bank Goldman Sachs zu nennen, die ihren Managern Bonuszahlungen im Wert von $ 17, 5 Milliarden ausschüttet. Deren CEO Llyod Blankenfein streift satte $ 12,6 Millionen ein. Wir können davon ausgehen, dass es in anderen Banken ähnlich aussieht. Jetzt müssen wir kurz inne halten. War es nicht so, dass die Bürger der westlichen Welt den zusammenbrechenden Finanzmarkt mit Bürgschaften und Krediten stützten? Mit anderen Worten: dass Blankenfein einen Scheck einsteckt ist nur dem Umstand zu verdanken, dass der Automechaniker ums Eck seine Unterschrift auf eine Bürgschaft gesetzt hat, in der steht, dass er für alle Schulden aufkommen würde, die sich da so ansammeln. Aha. Wir sehen: wenn es um Profite geht, greifen alle Blankenfeins dieser Finanzwelt ungeniert zu, geht es aber um Verluste, dann müssen die anderen, muss die Gesellschaft gerade stehen. Der Nobelpreisträger Joseph Stiglitz nennt dieses System Ersatz-Kapitalismus.

Diese obszöne Gier, die Wall Street (und alle anderen Finanzplätze) und die Konzerne gepackt hat, schreckt vor nichts mehr zurück. Durch die astronomischen Profite, die in den letzten Jahrzehnten erzielt wurden, konnten sich die Banksters und Wirtschaftsmoguln alles leisten: Politiker genauso wie Medienhäuser. Wie soll es da jemals zu einer notwendigen ernsthaften Diskussion um die Zukunft dieser Welt kommen, wenn im Hintergrund nur die Maxime „Profit!“ gilt? Es ist natürlich ein Klischee, wenn wir sagen: Geld und Macht korrumpiert. Aber dieses abgedroschene Klischee bewahrheitet sich. Immer und immer wieder.

Wen wundert es also, wenn Einzelne mit dem Mut der Verzweiflung gegen den Wahnsinn anschreiben? Hervorzuheben natürlich der Pulitzer-Preisträger Chris Hedges, der in seinem letzten Artikel eindringlich die Forderung stellt, dass die Revolution in den USA beginnen müsse. Wirklich.

Bin ich, sind wir, die wir auf diese dunklen Punkte hinweisen, Doomsters? Ist das Glas in Wirklichkeit halb voll? Ich schätze, es liegt an Ihnen, die Seite zu wählen. Wählen werden sie müssen. Vielleicht nicht heute. Vielleicht nicht morgen. Aber wählen werden Sie müssen.

Demokratie heute fordern, um sie morgen zu verlieren

»Greenpeace is the biggest feel good organisation.«
Captain Paul Watson
former Co-Creator of Greenpeace
End: Civ Resist or Die
Interview
Documentary

Adam Curtis hat eine neue 3teilige TV-Serie gemacht, die von der BBC ausgestrahlt wurde und wird. All Watched Over by Machines of Loving Grace. Zwei Episoden konnte ich bereits sehen. Die dritte lässt noch auf sich warten. Wie üblich kann man von Adam Curtis einiges lernen. Und wenn es nur das ist, einen anderen Blick auf vergangene Ereignisse zu werfen und diese in einen neuen Kontext zu stellen. Man möchte nicht meinen, wie erhellend seine modern gemachten Dokumentar-Serien sind. Es ist kein Zufall, dass TV-und Medienkritiker Charlie Brooker – ebenfalls BBC – in seinen Miniserien auf Adam Curtis verweist. Gäb’s mehr von den beiden, man würde sich als aufgeklärter Bürger verstanden, nicht ausgenutzt wissen. De facto geht es ja den Medien (und natürlich auch Umweltschutzorganisationen) vorrangig um Quote und Absatz und Umsatz. Punkt.

Hier ein Interview mit Adam Curtis, der über seine neue TV-Serie spricht. Das Interview wurde von Little Atoms gemacht und auf deren Webseite als livestream und mp3-download ausgestrahlt. By the way, I love his voice 😉

Eine Quintessenz der zweiten Episode der Dokumentarreihe von Adam Curtis ist, dass selbstorganisierende  Gruppierungen (wie zum Beispiel Kommunen in den 1970ern), die keine Hierarchien und Abhängigkeiten kennen, nicht all zu lange funktionierten. Warum und wieso wird in der Episode erklärt. Weiters zeigt uns Curtis die ersten Revolutionen, die durch das Internet ausgelöst bzw. verstärkt wurden: Georgien und Ukraine. Eine friedliche Machtübernahme des Volkes. Nicht unähnlich dem Arabischen Frühling. Aber die Erkenntnis, dass aus diesen friedlichen demokratischen Ideen am Ende wieder Chaos und Willkür und repressive Regime entstanden, die vielleicht schlimmer als die abgelösten sind, ja, diese Erkenntnis kann einen schon Kopfzerbrechen bereiten. Jedenfalls dann, wenn man sich Gedanken macht. Über die Welt. Die Gesellschaft. Die Zukunft.

Gut möglich, dass die europäischen Protestbewegungen (hier: Spanien), die heute mehr Gleichheit und Demokratie fordern, schon übermorgen das genaue Gegenteil auslösen. Das ist paradox. Aber bei genauerer Betrachtung nicht von der Hand zu weisen. Wenn eine bestehende Ordnung, mag sie noch so repressiv oder totalitär sein, kollabiert, nimmt eine neue Ordnung deren Platz ein. Diese neue Ordnung ist aber nicht definiert, sie schließt niemanden aus, lässt alles zu. Somit lockt eine Neuordnung all die Glücksritter, Hoffnungsträger und Agitatoren an, die vielleicht das Beste für die Gesellschaft im Sinn haben, aber mit Sicherheit in erster Linie an ihre eigene Zukunft denken.

Danton, wenn ich mich recht erinnere, soll während der Französischen Revolution gesagt haben, dass die Regierung deshalb gewalttätig ist, damit es das Volk nicht sein muss. Und Robespierre, der für die Phase des Terrors mitverantwortlich gemacht werden muss, war ein aufgeklärter und unbestechlicher Bürokrat, der nur das Beste im Sinn hatte. Robespierre glaubte, mit Terror einem Volk eine neue Ordnung aufzwingen zu können, die noch zu sehr von der alten beseelt war. Hatte er recht? Hatte er unrecht? Fakt ist, dass es anders kam. Dass das Volk (oder sagen wir: Teile des Volkes) kein Blut mehr sehen und nur noch Frieden wollte. Auch wenn es bedeutete, wieder in alte Muster zu fallen, Kompromisse einzugehen und die politische Korruption zu akzeptieren. Übrigens, in einem Artikel von William J. Astore wird die gegenwärtige USA mit dem vorrevolutionären Frankreich der 1780er Jahre verglichen. Interessant!

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die westliche Welt und deren Bürger mit Konsum und Kredit zufrieden gestellt. Aber nun, in Zeiten der Ressourcen-Knappheit, der politischen Instabilität außerhalb der westlichen Welt, einer technischen Vernetzung, die viele kritische Gedanken innerhalb von Sekunden weltweit abrufbar machen, eines ketzerischen Infragestellens des bestehenden Geld-Finanz-Glaubens, sowie einer großflächigen Umweltzerstörung, die nicht mehr rückgängig gemacht werden kann, sehen sich die gegenwärtigen politischen und wirtschaftlichen Ordnungshüter gezwungen, zu reagieren. Und natürlich haben sie nur das Beste für ihr Volk im Sinn. Natürlich.

In Griechenland kann man erkennen, wohin die Reise geht. Die ausländischen Kreditgeber und ihre Günstlinge erzwingen ohne Waffengewalt, nur mit Zahlen und Propaganda und Medien, die Aufgabe eines souveränen Staates. Während man in früheren Zeiten die Belagerer und die Belagerten gut unterscheiden konnte – hier die Stadt und ihre Trutzburg, dort die Zeltstadt mit den Soldaten – ist heute alles verworren und vertan. Aber das Ziel ist damals wie heute gleich: Widerstand brechen, einen Teil der gegnerischen Bevölkerung auf seine Seite ziehen (so lange man sie braucht), eigene Ordnungshüter einsetzen und die Infrastruktur in Besitz nehmen. Voilà. Schon ist ein Vasallenstaat gegründet.

Aber wozu das Ganze? Wozu einen sogenannten Vasallenstaat erschaffen und ein souveränes Staatengebilde zerstören? Nun, dahingehend kann ich nur spekulieren. Aber als Autor hat man ja eine blühende Phantasie. Wirklich.