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Am Faschingsdienstag rauben wir Goldtransborte aus!

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Als ich etwa dreizehn Lenze zählte, entdeckte ich für mich das Schreiben. Das Heft, in welches ich mit Bleistift meine actiongeladenen Storys kritzelte, sind noch in meinem Besitz. Schauderhaft, was sich da in meinem jungen Gehirn so an Phantasien ausgetobt haben dürften. Aber damals war die Welt eines „schießwütigen“ Jungen – im Gegensatz zur Rechtschreibung – noch in Ordnung. Und eine Staatsgrenze war im Kalten Krieg tatsächlich noch eine – mit Kontrollen hüben wie drüben – inklusive der kindlichen Angst, von den Ost-Soldaten mit Waffengewalt am Zurück, in heimatliche Gefilde, gehindert zu werden.

Heute ist Faschingsdienstag. Haben Sie’s bemerkt? In Österreich, besser in Wien, hat das närrische Treiben ja kaum Zulauf – im Gegensatz zu unserem germanischen Nachbar. Vielleicht hängt es damit zusammen, dass die Wiener das ganze Jahr über die Ernsthaftigkeit des Lebens mit Schmäh und Gemütlichkeit begegnen. Ein Glaserl Wein schadet freilich auch nicht. Wie sich dieser Wiener Schlendrian in Zukunft darstellt, wird sich zeigen. Die Zeit heilt nämlich nicht nur alle Wunden, sie hobelt am Ende alle gleich. Wobei, nein, alle geschlagenen Wunden heilt die Zeit nicht. Vor allem dann nicht, wenn der Geschlagene seinen Vorteil aus der damaligen Tätlichkeit zieht. Die Bezeichnung „Du Opfer!“ wird aber paradoxerweise im Jugend-Slang in einem herabwürdigenden Sinne gebraucht. Gut möglich, dass die jungen Leute von heute kein Geschichtsbewusstsein mehr haben. O tempora, o mores.

Übrigens bin ich auf diesen Artikel gestoßen, der sich mit einem Urheberrechtsstreit auseinandersetzt, bezüglich des publizierten Tagebuchs einer gewissen Anne Frank. Da das Mädchen 1945 verschieden und damit seit 70 Jahren tot ist, sind dessen Publikationen nun gemeinfrei. Doch der Schweizer Anne-Frank-Fonds, der bis dato die Verlagsrechte inne hat, will davon nichts wissen, da Otto Frank „Stellen gestrichen und den Text aus zwei Versionen seiner Tochter erstellt“ hätte und somit quasi der eigentliche Urheber des Tagebuchs wäre. Da Otto Frank erst 1980 aus dem Leben schied, würde demnach das Urheberrecht noch nicht erloschen sein. Aha. Das erklärt natürlich einiges – denn, der Vergleich macht Sie sicher! Stöbern Sie doch mal auf dem Dachboden oder im Keller nach ihrem Kindergeschreibsel – Sie werden peinlich berührt das Kapitel schließen wollen. Zur Veröffentlichung taugen nämlich all diese rohen und kruden Kindergedanken nicht. Es bedarf einer Überarbeitung – aber ich wüsste noch von keinem Fall, dass ein Verlag den Lektor kurzerhand als „Urheber“ bestimmt hätte. Also, wirklich! Interessant wäre jetzt freilich herauszufinden, wie das Originalwerk in seiner Ursprungsform ausgesehen hat. Immerhin wird einen das Buch ja als eine „authentische Schilderung“ der damaligen Jahre verkauft. Hoffen wir mal nicht, dass das gutgläubige Publikum hier kosinskiert bzw. wilkomirskiert wurde.

Und sollte der Fasching einmal abgeschafft werden – lange kann es nicht mehr dauern – tja, dann gibt es wohl überhaupt keine Möglichkeit mehr, Narrenkappe hin oder her, dem König die Wahrheit zu schellen!

Vae victis.

 

 

 

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Die Macht, Inhalte legal zu verbreiten oder: Creative Commons rulez!

Cary Doctorow fotografiert von Jonathan Worth
Ein Statement von Cory Doctorow für Creativ Commons! CC as stated by Jonathan Worth http://www.jonathanworth.com/

Die Macht des frei Zugänglichen und Inhalte legal zu verbreiten. Die Creative Commons Idee hat weite Kreise gezogen. Die Idee ist simpel: mache Inhalte frei verfügbar und lege fest, was der andere damit tun und lassen darf. Ist dein Foto, dein Musik-Stück, dein Video-Clip, dein Text, dein Bild, dein Dingsbumsirgendwas kommerziell für andere nutzbar oder möchtest du es nur für nicht-kommerzielle Verbreitung vorsehen? Darf der andere es bearbeiten? Verändern? Und wenn er es gemacht hat, darf er es dann kommerziell verwenden oder auch nur für nicht-kommerzielle Verbreitung vorsehen? Und wichtig: ist Namensnennung des Urhebers notwendig oder nicht. Alle Details hierzu findet sich auf der Seite

http://creativecommons.org

Dass nicht nur Vollbärtetragende Marxisten-Schlurfs die Idee der legalen Verbreitung gut finden, soll der Profi-Fotograf Jonathan Worth oder die TED-Organisation oder das Isabella Stewart Gardener Museum in Boston, die über 100 klassische Musikstücke eingespielt und für nicht-kommerzielle Nutzung freigegeben haben, unterstreichen. Wer also das nächste Mal einen Podcast einspricht, voilà, hier gibt’s die dazupassende Musik. Übrigens, im Jahr 2010 gab es bereits 400 Millionen CC lizenzierte Werke. Auch nicht schlecht, oder? Und wo habe ich den Link für all das bekommen? DIASPORA* 🙂

Jonathan Worth – MA Photography Course Director at Coventry University hat übrigens einen interessanten Artikel zu diesem Thema im Telegraph geschrieben: How the Power of Open can benefit photographers – und wer sich einen Überblick verschaffen möchte, mit den herausragendsten Beispielen der CC-Gemeinde, dem ist das Buch der CC Organisatoren natürlich ans Herz zu legen – gibt es als hübsches 47seitiges PDF. Natürlich unter einer CC-Lizenz. Also ruhig in die weite Welt verschicken. Du darfst es.

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cover cartoon dschunibert von richard k. breuerÜbrigens, der dschunibert-Cartoon, von mir und dem Dresdner Zeichner Gunther Ecki Eckert, wurde vor vielen Jahren ebenfalls unter einer CC-Lizenz veröffentlicht und erzählt die Mühen der Eigenverlegerei. Der klingende Titel »das dschunibert prinzip – Alles, was Sie schon immer über die Schriftstellerei im Eigenverlag wissen wollten (sich aber nicht getrauten zu Fragen)« ist Programm. An einer Fortsetzung schreibe ich zwar noch nicht, aber ich lebe sie. Wirklich. Demnächst in diesem Theater zu bestaunen. Vielleicht.