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BuchQuartier 2019 Resümee und die Lisafizierung meines Wellenlängen-Receivers

Am Wochenende im MuseumsQuartier meine Bücher ausgestellt und – so es jemand ernsthaft darauf anlegte – verkauft. Das milde Herbstwetter am Sonntag war wohl dafür verantwortlich, dass die Besucherzahl unter den Erwartungen blieb. Exakte Zahlen hab ich freilich keine, das ist einfach eine persönliche Einschätzung. So ich nicht gerade den einen oder anderen Besucher über meine Publikationen aufgeklärt habe („Historische Roman-Reihe … Agatha Christie Krimi … Wiener Krimikomödie … Kennen Sie den Film ‚Der dritte Mann‘? …), besuchte ich meinen Tischnachbar und Spezi Jürgen (Septime Verlag) und fachsimpelte mit ihm über Gott und die Verlagswelt. Als aufstrebender Quereinsteiger-Verleger hat er zahlreiche Anekdoten und viele amüsante Erlebnisse im Repertoire. Das verkürzte uns die Wartezeit auf den nächsten Besucheransturm.

Ja, ich war ziemlich früh da, zum Aufbauen!

Bezüglich der sogenannten Verkaufsgespräche habe ich noch immer nicht den Experten-Durchblick. Auf meinen kurz eingeworfenen Hinweis, dass die Bücher alle von mir sind („Ja, die hab ich alle selbst geschrieben und veröffentlicht!“), reagieren die einen unbeeindruckt („Und?“) und die anderen erstaunt („Wirklich? Da haben Sie ja viel geschrieben!“). Ist jemand interessiert, ist es mein Enthusiasmus, der schließlich den Ausschlag für den Kauf gibt. Ich bemerke nämlich, wenn die Chemie nicht stimmt, wird meine Stimme monoton, mein Verhalten defensiv. Ich schätze, in einem Verkaufsseminar würde man mir das schon austreiben, aber ich bin wie ich bin und eine weitere Maske aufzusetzen, will mir gar nicht gefallen.

Die Lisafizierung meines Wellenlängen-Receivers!

Kommen wir zu Lisa. Eine junge sympathische Frau, die sich eingehend für meine Bücher zu interessieren schien und die Absicht hatte, ihrer Großmutter einen Krimi zu schenken. Ich konnte nicht umhin, Brouillé in den höchsten Tönen zu loben und anzupreisen. Gerade für die ältere Generation sollte solch ein geradliniges Kriminalstück („Hercule Poirot lässt grüßen“) alte Erinnerungen wecken. Schließlich verabschiedete sie sich mit den Worten „Ich werd‘ Geld abheben gehen und komme dann …“ Ja, und dann, dann ward sie nie wieder gesehen. Ähnlich erging es mir zwei Mal am Spiel(e)fest, wobei viele Jahre dazwischen liegen. In allen drei Fällen (vielleicht waren es sogar mehr) hatte ich ein reizendes, sehr wohlwollendes Gespräch. Man war sogleich per Du, tauschte die Vornamen aus und plauderte munter darauf los. Ehrlich, ich hätt diesen Damen (Mädls darf man in dieser überkorrekten Epoche nicht mehr öffentlich schreiben; was wohl der gute Schnitzler darüber sagen würde?) die Bücher ja geschenkt, wissend, dass es ihnen, den Bücher, bei ihnen, den Mädls, gut gehen würde. Man hört ja immer wieder, wie brutal und grausam manche Besitzer mit ihren Büchern umgehen, nicht?

Jedenfalls beschäftigte mich diese Nichteinlösung eines gegebenen Wortes. Wobei, so ehrlich muss ich schon sein, versprochen hat mir keine etwas. Vielmehr träumte sich mein Schriftsteller-Kind (Sigmund F.) in eine bunte und blühende Phantasie. Und wenn wir eines über alte Schriftsteller wissen, dann ist es der Umstand, dass sie bei hinreißend sympathischen Mädls den Kopf verlieren und sich wie Idioten verhalten (schlag nach bei Goethe). Gut, gut, vielleicht sollte ich mal meinen Wellenlängen-Receiver zum Service bringen.

Ein Mädchen gegen den Rest der sturen Welt

Anderes Thema. Auf meinem Tisch lag auch eines meiner beiden letzten Exemplare von Con$piracy: Eine andere Wahrheit. Ich dachte mir, falls sich jemand dafür interessiert, schick ich ihm gegen Kostenersatz eine E-Mail mit dem PDF der Arbeitsunterlage. In den zwei Tagen hatte freilich nur eine Person das über 600 Seiten dicke Buch vom Tisch genommen und darin geblättert. Diese Person war ein hochgewachsenes Mädchen aus Oberösterreich, das noch ihre Matura abzulegen hatte. Danach, hieß es, wolle sie auf eine technische Universität gehen. Ehrlich, ich kam und komme aus dem Staunen nicht heraus. Ich versprach, ihr das PDF zukommen zu lassen, was ich im Anschluss an diese Bloggerei tun werde. Vielleicht, sag ich mir, setzte das Schicksal an diesem Wochenende seinen Hobel an und deutete mir an, dass es noch Hoffnung gäbe, mit der Welt, mit der jungen Generation. Im gegenwärtigen Klima der Hysterie ist es bekanntlich verpönt, sich seines eigenen (gesunden) Verstandes zu bedienen; lautstarke Gefühlsduselei macht jeglichen sachlichen Diskurs unmöglich.

2020 wird das Jahr des George Orwell!

Apropos. George Orwells Ableben jährt sich 2020 um 70. Male. Das bedeutet, dass seine Schriften nun gemeinfrei erhältlich sind, da das Urheberrecht erlischt. Vielleicht ist es für mich nun an der Zeit, seinen Roman 1984 neu zu übersetzen und mit Anmerkungen zu versehen, die dem heutigen Leser anzeigen, wie weit sich seine dunkle Zukunftsvision bewahrheitet hat.

Schwarzkopf

Humor hat, wer trotzdem lacht. Deshalb arbeite ich gerade an der 4. Auflage von Schwarzkopf. Eine Hand voll zeitgemäßer amüsanter Seitenhiebe möchte ich unbedingt hinzufügen. Ei, was für ein Spaß.

Am Faschingsdienstag rauben wir Goldtransborte aus!

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Als ich etwa dreizehn Lenze zählte, entdeckte ich für mich das Schreiben. Das Heft, in welches ich mit Bleistift meine actiongeladenen Storys kritzelte, sind noch in meinem Besitz. Schauderhaft, was sich da in meinem jungen Gehirn so an Phantasien ausgetobt haben dürften. Aber damals war die Welt eines „schießwütigen“ Jungen – im Gegensatz zur Rechtschreibung – noch in Ordnung. Und eine Staatsgrenze war im Kalten Krieg tatsächlich noch eine – mit Kontrollen hüben wie drüben – inklusive der kindlichen Angst, von den Ost-Soldaten mit Waffengewalt am Zurück, in heimatliche Gefilde, gehindert zu werden.

Heute ist Faschingsdienstag. Haben Sie’s bemerkt? In Österreich, besser in Wien, hat das närrische Treiben ja kaum Zulauf – im Gegensatz zu unserem germanischen Nachbar. Vielleicht hängt es damit zusammen, dass die Wiener das ganze Jahr über die Ernsthaftigkeit des Lebens mit Schmäh und Gemütlichkeit begegnen. Ein Glaserl Wein schadet freilich auch nicht. Wie sich dieser Wiener Schlendrian in Zukunft darstellt, wird sich zeigen. Die Zeit heilt nämlich nicht nur alle Wunden, sie hobelt am Ende alle gleich. Wobei, nein, alle geschlagenen Wunden heilt die Zeit nicht. Vor allem dann nicht, wenn der Geschlagene seinen Vorteil aus der damaligen Tätlichkeit zieht. Die Bezeichnung „Du Opfer!“ wird aber paradoxerweise im Jugend-Slang in einem herabwürdigenden Sinne gebraucht. Gut möglich, dass die jungen Leute von heute kein Geschichtsbewusstsein mehr haben. O tempora, o mores.

Übrigens bin ich auf diesen Artikel gestoßen, der sich mit einem Urheberrechtsstreit auseinandersetzt, bezüglich des publizierten Tagebuchs einer gewissen Anne Frank. Da das Mädchen 1945 verschieden und damit seit 70 Jahren tot ist, sind dessen Publikationen nun gemeinfrei. Doch der Schweizer Anne-Frank-Fonds, der bis dato die Verlagsrechte inne hat, will davon nichts wissen, da Otto Frank „Stellen gestrichen und den Text aus zwei Versionen seiner Tochter erstellt“ hätte und somit quasi der eigentliche Urheber des Tagebuchs wäre. Da Otto Frank erst 1980 aus dem Leben schied, würde demnach das Urheberrecht noch nicht erloschen sein. Aha. Das erklärt natürlich einiges – denn, der Vergleich macht Sie sicher! Stöbern Sie doch mal auf dem Dachboden oder im Keller nach ihrem Kindergeschreibsel – Sie werden peinlich berührt das Kapitel schließen wollen. Zur Veröffentlichung taugen nämlich all diese rohen und kruden Kindergedanken nicht. Es bedarf einer Überarbeitung – aber ich wüsste noch von keinem Fall, dass ein Verlag den Lektor kurzerhand als „Urheber“ bestimmt hätte. Also, wirklich! Interessant wäre jetzt freilich herauszufinden, wie das Originalwerk in seiner Ursprungsform ausgesehen hat. Immerhin wird einen das Buch ja als eine „authentische Schilderung“ der damaligen Jahre verkauft. Hoffen wir mal nicht, dass das gutgläubige Publikum hier kosinskiert bzw. wilkomirskiert wurde.

Und sollte der Fasching einmal abgeschafft werden – lange kann es nicht mehr dauern – tja, dann gibt es wohl überhaupt keine Möglichkeit mehr, Narrenkappe hin oder her, dem König die Wahrheit zu schellen!

Vae victis.

 

 

 

Die Macht, Inhalte legal zu verbreiten oder: Creative Commons rulez!

Cary Doctorow fotografiert von Jonathan Worth
Ein Statement von Cory Doctorow für Creativ Commons! CC as stated by Jonathan Worth http://www.jonathanworth.com/

Die Macht des frei Zugänglichen und Inhalte legal zu verbreiten. Die Creative Commons Idee hat weite Kreise gezogen. Die Idee ist simpel: mache Inhalte frei verfügbar und lege fest, was der andere damit tun und lassen darf. Ist dein Foto, dein Musik-Stück, dein Video-Clip, dein Text, dein Bild, dein Dingsbumsirgendwas kommerziell für andere nutzbar oder möchtest du es nur für nicht-kommerzielle Verbreitung vorsehen? Darf der andere es bearbeiten? Verändern? Und wenn er es gemacht hat, darf er es dann kommerziell verwenden oder auch nur für nicht-kommerzielle Verbreitung vorsehen? Und wichtig: ist Namensnennung des Urhebers notwendig oder nicht. Alle Details hierzu findet sich auf der Seite

http://creativecommons.org

Dass nicht nur Vollbärtetragende Marxisten-Schlurfs die Idee der legalen Verbreitung gut finden, soll der Profi-Fotograf Jonathan Worth oder die TED-Organisation oder das Isabella Stewart Gardener Museum in Boston, die über 100 klassische Musikstücke eingespielt und für nicht-kommerzielle Nutzung freigegeben haben, unterstreichen. Wer also das nächste Mal einen Podcast einspricht, voilà, hier gibt’s die dazupassende Musik. Übrigens, im Jahr 2010 gab es bereits 400 Millionen CC lizenzierte Werke. Auch nicht schlecht, oder? Und wo habe ich den Link für all das bekommen? DIASPORA* 🙂

Jonathan Worth – MA Photography Course Director at Coventry University hat übrigens einen interessanten Artikel zu diesem Thema im Telegraph geschrieben: How the Power of Open can benefit photographers – und wer sich einen Überblick verschaffen möchte, mit den herausragendsten Beispielen der CC-Gemeinde, dem ist das Buch der CC Organisatoren natürlich ans Herz zu legen – gibt es als hübsches 47seitiges PDF. Natürlich unter einer CC-Lizenz. Also ruhig in die weite Welt verschicken. Du darfst es.

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cover cartoon dschunibert von richard k. breuerÜbrigens, der dschunibert-Cartoon, von mir und dem Dresdner Zeichner Gunther Ecki Eckert, wurde vor vielen Jahren ebenfalls unter einer CC-Lizenz veröffentlicht und erzählt die Mühen der Eigenverlegerei. Der klingende Titel »das dschunibert prinzip – Alles, was Sie schon immer über die Schriftstellerei im Eigenverlag wissen wollten (sich aber nicht getrauten zu Fragen)« ist Programm. An einer Fortsetzung schreibe ich zwar noch nicht, aber ich lebe sie. Wirklich. Demnächst in diesem Theater zu bestaunen. Vielleicht.