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BuchQuartier 2017 und ein Gespräch über Gott und die Welt

Das war es also, das BuchQuartier 2017. Der Markt der Independent- & Kleinverlage im Wiener MuseumsQuartier ist Geschichte. Samstag und Sonntag gesellte ich mich zu all den kleinen und kleinsten Verlagen mit einem Verkaufstisch in den sogenannten Freiraum, während die Platzhirschen der österreichischen Verlagsszene in der Ovalhalle Aufstellung nehmen durften. Es fühlte sich an, als würde man wieder zur Schule gehen. Dort die lässig coolen Maturanten, die bereits per Du mit der Lehrerschaft sind und da die Erstklässler, die bereits zufrieden sind, wenn sie von den Älteren nicht angepöbelt werden. So mag es auch nicht weiter verwundern, wenn auf der einen Seite der Rubel rollte, auf der anderen der Trubel sich trollte. Das Wortspiel dürfen Sie gerne mit nach Hause nehmen.

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Psst! Ich will dir nur etwas verkaufen.

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Können Sie Rotkäppchen sehen?

Sie werden es wohl schon bemerkt haben, dass sich das Web immer mehr von einer Präsentations- zu einer Verkaufsplattform verwandelt hat. Als ich 2006 mein erstes Buch in einer Privatauflage veröffentlichte und eine Party schmiss, war Social Media kein Thema. Es reichte, E-Mails zu verschicken, um die Leute neugierig zu machen. Ja, damals klickten die Damen und Herren tatsächlich noch in eine Nachricht, überflogen den Inhalt und bildeten sich eine Meinung. Heute ist das nicht mehr möglich. Die digitale Quelle sprudelt reichlich und lässt einen beinahe in der Informations-, Newsletter-, Spam- und Werbeflut ertrinken. Wir dürfen bei alledem nicht vergessen, dass unser Gehirn jede Nachricht abarbeiten muss. Dummerweise verbraucht Gehirnleistung dermaßen viel Strom, dass unser „Betriebssystem“ bemüht ist, Tätigkeiten ins Unbewusste auszulagern oder gleich gänzlich abzustellen. Deshalb klicken wir viele E-Mails und Postings ungelesen weg. Der Betreff reicht aus, um zu verstehen, dass hier wieder jemand unsere Zeit oder unser Geld oder beides möchte. Die wirklich persönlichen Nachrichten, sie werden seltener und seltener.

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Die hohe Kunst, sich zu befreien!

Der Schriftsteller Julien Green wird von einem österreichischen Kollegen 1931 besucht. Dieser meinte, dass er nicht an die großdeutsche Gefahr glaube, wohl aber an das Ende der Welt, so wie sie die beiden noch kannten. „Sie werden sehen“, meinte der Österreicher zu Julien Green, „alles wird fabriksmäßig erzeugt werden. Es wird keine kleinen Buchbinder mehr geben, keine Porzellanflicker.“ Wenn das wahr ist, schreibt Green in sein Tagebuch, dann möchte ich nicht mehr leben.

Wer sich in seiner Wohnung oder Heimstätte oder in seinem Haus oder Zimmer oder auf seinem Schreibtisch umsieht, der wird bemerken, dass wir uns mit allerlei Sachen umgeben. Unmengen von kleineren und größeren Gegenständen. Schon alleine der Versuch, alle Sachen auf dem Schreibtisch zu zählen, scheitert. Noch vor hundert Jahren, vielleicht, konnte der (gewöhnliche) Einzelne sein Eigentum benennen, aufzählen. Heute ist es nicht mehr möglich.

Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass uns das System, in dem wir leben, mit einem freundlichen Lächeln einlädt, neue Sachen zu erstehen? Aber wenn es darum geht, diese einstmals neuen Sachen weiterzugeben, sei es für Geld, sei es umsonst, dann knurrt uns das System drohend ins Gesicht. Man hat sich mit viel Mühe und Ausdauer herumzuschlagen, um Gegenstände nicht einfach auf die Müllkippe zu werfen, sondern ihnen ein neues Heim zu verschaffen. Je größer, schwerer und unhandlicher der Gegenstand, umso schwieriger, jemanden zu finden, der bereit wäre, Energie und Kosten für den Abtransport aufzubringen. Verständlich, nicht?

Wir leben in einer seltsamen Epoche, meinen Sie nicht? Wir können ein hochwertiges Hightech-Gerät, das wiederum aus unzähligen Hightech-Komponenten besteht, in Südostasien fertigen lassen, nach Europa verschicken und dort in einem Ladenlokale mit hundert anderen Geräten stapeln. Aber will man dieses funktionstüchtige Gerät, das man mit viel Vorfreude kaufte, später loswerden, gibt es keinen üblichen und einfachen Weg – man kann nicht in das Ladenlokal gehen und das Gerät abliefern. Warum eigentlich nicht?

Ich würde vorschlagen, in Zeiten, in denen Ressourcen jedweder Art knapper werden – auch wenn es keiner wahrhaben will – dass die Gemeinschaft die Verpflichtung eingeht, dafür zu sorgen, dass Gegenstände nicht einfach entsorgt, sondern im Kreislauf  belassen werden.  Eine gemeinnützige Internet-Plattform zu installieren mag nur ein erster, sehr kleiner Schritt sein. Vielmehr müssen Filialen geschaffen, Handwerker und Transporteure beschäftigt werden, die in der Lage sind, die Geräte, Produkte, Sachen zu prüfen, zu reinigen und zu reparieren. Würde man damit nicht gleich notwendige und sinnvolle Arbeitsplätze schaffen?

Aber die Wirtschaftsleutchen rümpfen dahingehend natürlich die Nase. Es geht um Verkaufszahlen. Das Rad muss sich immer schneller drehen. Ja, wir haben uns ein Wirtschaftssystem ausgesucht (freilich, es war schon da, als wir das Licht der Welt erblickten), das nur dann funktioniert, wenn konsumiert und verbraucht wird. Das mag bei Lebensmittel und nachwachsenden Rohstoffen noch angehen, aber sonst? Wie kann es sein, dass wir nur mit der Schulter zucken, wenn wir hören, dass eine Firma wie Apple jedes Jahr gezwungen ist, ein yFon, ein yPat oder einen yMäk auf den Markt zu werfen? Nur um Bilanz-Kennzahlen und Umsatz- und Profitmaximierung zu erreichen?

Die Ansicht der alternativen Leutchen, wir Bürger, wir Konsumenten, müssten weniger konsumieren, um ein Zeichen zu setzen, ist ein wenig hanebüchen. Es wäre, als würde man jemanden sagen, der sich Sorgen um den CO2-Ausstoß seines Autos macht, dass er weniger Benzin tanken soll. Das besänftigt vorderhand das Gewissen, aber irgendwann steht das Auto und bewegt sich keinen Schritt vorwärts. Besser, wir steigen vom Auto auf das Rad oder in den Zug. Aber davon will keiner etwas wissen, der genug weiß. Ja, das gegenwärtige System reißt uns in eine Abwärtsspirale. Mit dem (virtuellen) Geld fängt es an. Geld, wie wir wissen, entsteht nur durch Schuld/Kredit. Würde man alle Schulden und Kredite sofort tilgen, gäb’s kein Geld mehr auf dieser Welt. Vielmehr würde man bemerken, dass die offenen Zinsen gar nicht zurückgezahlt werden können. Wenn also Griechenland im März den Bankrott anmeldet, wenn Portugal, Irland, Spanien folgen, was ist die Quintessenz dieser Misere?

Falls Sie hören oder lesen, dass die Staaten über ihre Verhältnisse gelebt haben, so ist es leider nur die halbe Lüge. Aber wenn die Menschen eines können, dann ist es, sich in einem Lügengebäude wohnlich einrichten.

Google+, facebook, twitter, XING oder: Hört mir jemand zu?

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Gibt's noch!

Heute, um 12h45, habe ich auf Google+ den Hinweis gepostet, dass auf amazon gerade noch ein Exemplar von meiner Krimicomedy Schwarzkopf zu haben ist.*) Das ist natürlich eine zweischneidige Sache. Weil es verdächtig nach Schleichwerbung riecht. Oder nach „jetzt will der mir auch noch was andrehen!“. Ich fühle mich ja auch nicht gerade wohl, so eine Message zu posten. Aber es könnte ja jemand da draußen sein, der nur darauf wartet, diese eine Buch abzustauben. De facto verdiene ich an diesem Kauf nichts, weil die Bücher bereits an den Barsortimenter KNV verkauft wurden. Mit anderen Worten, mir wäre (finanziell) viel mehr geholfen, wenn man das Buch über mich bestellen würde. Wirklich.

Aber darum geht es ja eigentlich gar nicht. Primär will ich mit diesem Beitrag all jenen die Augen öffnen, die noch immer meinen, man müsse nur mal etwas über seine Bücher (oder Musik oder Fotos) posten und schwuppdiwupp würden sich die Interessierten einstellen. Nun, dem ist nicht so. Überrascht? Wohl kaum. Und falls doch, naja, dann sind Sie vermutlich noch nicht lange beim Club. Social Media, you know.

Das soziale Medium eröffnet kreativen Menschen ungeahnte Möglichkeiten. Yep. Wir sind in der Lage die ganze Welt zu erreichen. Das muss man sich mal vorstellen! Die ganze Welt auf einen Knopfdruck! Was hätten die klugen Köpfe aus vergangenen Tagen nicht für so ein Wunder gegeben? Wie konnten diese klugen Köpfe auch ahnen, dass sich dann auch selten dumme Vögel und auf sich aufmerksam machende Wiener Indie-Autorenverleger auf diesen sozialen Plattformen herumtreiben, die um Aufmerksamkeit und nur um Aufmerksamkeit gieren? Tja.

Mit Google+ hat das Gezeter und Geschrei neue Ausmaße angenommen. Jeder darf mit jedem herumtun. Und jeder will mit jedem herumtun. Naja. Oder wenigstens so tun als ob. Mit einmal wird das Kommunizieren zu einem Fulltime-Job. Glücklich all jene, die dafür bezahlt werden. Teuflisch für all jene, die meinen, ohne soziale Verknüpfungen nicht mehr auszukommen, aber gleichzeitig ihre realen Schäfchen ins Trockene bringen müssen. Während früher einmal die Geschäfte der freischaffenden Einzelkämpfer im Kaffeehaus abgewickelt wurden (der Oberkellner hielt Papier und Bleistift für die Stammgäste bereit; die Schanis oder Zuträger erledigten Handlanger-Dienste), mit genauen „Dienstzeiten“, ist es heute, als würde man 24/7 im Kaffeehaus sitzen, weil man befürchtet, ein wichtiges Gespräch, eine lebensnotwendige Information oder – wesentlich – den medialen Multiplikator zu versäumen. Und eh man sich versieht, verplaudert man angeregt unaufgeregt seine Zeit. Tja. Dumm gelaufen. Weil es ja noch ein reales Leben gibt, das gestemmt werden muss.

Als ein wunderbar positives Beispiel für die Verwendung der sozialen Medien – in diesem Falle facebook – ist die Autorin und Übersetzerin Zoë Beck, die es auf stolze 1843 Kontakte bringt. Zoë schafft es beinahe täglich Statusmeldungen und Kommentare abzusetzen, die amüsant und aus dem Leben gegriffen sind. Mehr noch, man hat den Eindruck, dass sie etwas von sich preisgibt. Und sie geht im Normalfall auf die Kommentare der anderen ein. Das ist auch nicht gerade selbstverständlich. „Ich könnte vor Nervosität kotzen“, antwortete sie auf meine Frage, wie es ihr so ginge, rund eine Woche vor Erscheinen ihres neuen Krimis. Ja, das wirkt auf mich sehr sympathisch und ist nicht abgehoben oder distanziert. Schön. Aber wie viel Energie und Zeit steckt sie in diesen „Job“, den sie vermutlich gerne macht? Ich werde versuchen, sie zu einem Kommentar zu bewegen. Mal schauen.

Was ich mit dem Beispiel sagen will, ist, dass Social Media für einen noch unbekannteren oder noch nicht von der Masse wahrgenommenen Autor (oder Musiker oder …) nicht einfach zwischendurch erledigt werden kann. Es brauch viel viel Zeit. Viel viel Leidenschaft. Und das Glück, dass man auf die richtigen Leutchen trifft, die bereitwillig mitspielen. Denn ehe man sich versieht, tauchen im Windschatten kreative Trittbrettfahrer auf, die von deinem mühsam zusammengetragenen Publikum mitnaschen wollen. Tja. Wobei, wann ist jemand ein Trittbrettfahrer und wann einfach nur ein freundlicher Zeitgenosse, der plaudern will? Meine Kommentare, die ich hin und wieder bei Zoë Beck mache, könnten natürlich als Trittbrettfahrerei wahrgenommen werden. Schwierig, hier die Grenze zu ziehen.

Conclusio gibt es heute keines. Steht ja schon alles im Beitrag, nicht? Außer, dass es 14:43 ist, und das eine Exemplar Schwarzkopf noch immer auf amazon herumdümpelt.

*) tatsächlich hat es zwei positive Kommentare zu meinem Info-Posting gegeben. Das klingt jetzt natürlich nicht gerade nach viel, ist aber ziemlich, ziemlich gut. Wirklich! Wenn Sie mir nicht glauben wollen, dann probieren Sie’s aus. Sie werden sehen, wie schnell Sie nicht mal ignoriert werden. Und sagen Sie nicht, ich hätte Sie nicht gewarnt.

Napoleon, Brouillé und ein literarischer Brückenkopf in Friedrichsfelde

Mila Becker Buchhandlung

Eigentlich kann es ja nicht besser gehen. Freilich, würde mein rechtes Äuglein nicht entzunden sein und hätte ich mehr Münzen am Konto (wobei: wird man am Ende seines Lebens auf seine Kontostände zurückblicken?), ich würde mich äußerst zufrieden zurücklehnen. Kurz. Es gibt ja viel zu tun. Immer. Für heute werde ich ein Paket für Mila Becker und ihre Buchhandlung in Friedrichsfeld(e) schnüren. Dort soll auch schon Napoleon zugegen gewesen sein. Nicht in der Buchhandlung, aber in der Stadt, die am Rhein liegt. Und zu Napoleon passt es natürlich hervorragend, dass Mila sich in einen Marquis verliebt hat. Der Marquis ist meiner Feder entsprungen und entstammt der Tiret-Saga. Ja, Brouillé hat es ihr angetan. Dermaßen, dass sie nun meinen literarischen Brückenkopf in Deutschland bildet und dafür sorgt, dass die Leser der Stadt und der Umlande von der Qualität eines Breuers erfahren. Hach.

Derweil hätte es ja ganz anders kommen können. Weil Mila Becker eine Präsens-Hasserin ist. Sie kann es partout nicht leiden, wenn Romane und Geschichten in der Zeitform des Präsens abgehandelt werden. Aber – und jetzt kommt natürlich der springende Punkt! – weil sie mich in facebook kennen lernte, machte sie eine Ausnahme und las in das Buch um es dann lange nicht mehr wegzulegen. Wir sehen: Social Media hat seine Vorzüge. Ohne der virtuellen Verknüpfung würde ich weder im Literaturmagazin hörBÜCHER mit Schwarzkopf vertreten sein, noch in einer schmucken Buchhandlung in Friedrichsfeld aufliegen und von der Inhaberin wärmstens empfohlen werden.

Und wenn die belesene Inhaberin einer Buchhandlung, nebenbei noch interkulturelle Germanistin, meine Schreibe in den höchsten Tönen lobt, was will ich mehr erreichen wollen, in diesem einen Schriftsteller-Leben? Eben.

Und weil die wenigstens Leser die Muße und die Zeit haben, bis hierher zu lesen, nun die kritisch ärgerliche Anmerkung, dass die Barsortimenter mich dann doch enttäuschen. Natürlich, sie sind Unternehmen, die nach Gewinnmaximierung und Konstenminimierung streben. Da ist kein Platz für persönliche Überlegungen und Ausnahmeregelungen. Es verhält sich wohl wie der alte Greißler ums Eck (Tante Emma Laden) und einem riesigen Billig-Diskonter am Stadtrand. Während man dich beim Greißler mit Namen erkannte und man hin und wieder die Zeit für ein Schwätzchen hatte, bist du im Diskonter nur ein Konsument, ein Käufer. Punkt. Und wenn du es nicht bist, sind es tausend andere. Heute weiß ich, dass der Greißler, genauso wie das Kaffeehaus, eine wichtige soziale Komponente in der Gesellschaft inne hatte. Gewiss, das ist alles Schnee von Gestern. Und um wieder den Bogen zurück zu machen, nun, die Buchhändler mit ihren kleinen Läden sind die Greißler von heute. Oder sagen wir: sie sollten es sein. Mila Becker, wenn ich es richtig beobachte, ist noch eine Buchhändlerin, die den Kontakt zu ihren Kunden sucht, die wiederum den Kontakt zu einer versierten Buchleserin suchen. In Zeiten übervoller Bücherregale braucht es jemanden, der einen auf die Perlen aufmerksam macht. Voilà, in diesem Falle bin ich – respektive Brouillé, Tiret, Schwarzkopf (und sogar Erik, aber davon später einmal mehr) – die Perle in dem großen Schweinehaufen genannt Buchmarkt.