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Merkwürdigkeiten in Nizza oder Anatomie eines Events, 14. Juli 2016

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Sie werden es zwischenzeitlich sicherlich bereits gehört, gelesen und gesehen haben, was sich am 14. Juli in Nizza zugetragen hat, nicht wahr? Hier der aktuelle Wiki-Eintrag, der sich, wie üblich, auf Meainstream-Quellen beruft:

»Gegen 22:45 Uhr (Spiegel / Standard: ›gegen 23 Uhr‹, BBC: ›a little after 22:30‹) fuhr der Attentäter mit einem weißen Lkw mit Kühlaufbau auf die für den Verkehr gesperrte Strandpromenade. Er überfuhr dort auf einer Strecke von etwa zwei Kilometern (im Bereich zwischen den Hausnummern 11 und 147) absichtlich zahlreiche Menschen. […] Einer vorläufigen Bilanz der Staatsanwaltschaft vom 15. Juli zufolge wurden 84 Menschen aus 21 Nationen getötet und mehr als 202 weitere zum Teil schwer verletzt.« [update 22.07.: im ARD Morgenmagazin vom 15.7. spricht @gutjahr sogar von „genau 23 Uhr 7 Minuten“ als der LKW in die „Szenerie“ fuhr.

Die Geschwindigkeit, laut Augenzeugenberichten, dürfte zwischen 40 und 50 km/h gelegen sein. Nach einem intensiven Schusswechsel mit der Polizei sei der LKW noch 300 Meter weitergefahren bzw. -gerollt und dann zum Stehen gekommen. Damit ist die tatsächlich Länge der Amokfahrt, beginnend beim Kinderspital, Höhe Rue Lenval, 1700 Meter. Sieht man sich die überlieferten Bilder und Clips an, bekommt man den Eindruck, dass der Laster auf der gesperrten Verkehrsstraße, neben der Strandpromenade, gefahren sein dürfte. Auf der Strandpromenade selbst finden sich nämlich in dem oben erwähnten Abschnitt drei Sperren in der Form von längeren Kollonaden aus Beton.

Sieht man sich jenen Videoclip an, der kurz nach der Amokfahrt entstanden sein muss, da im Hintergrund der LKW bereits angehalten hat, dann kommt man aus dem Staunen nicht raus. Die Faktenlage bei Unfällen zwischen Lastkraftwagen und Fußgänger ist eindeutig: Wird der Fußgänger überrollt, endet der Unfall für ihn in 63 von 100 Fällen tödlich bzw. in 37 von 100 Fällen mit einer schweren Verletzung. Wird er dagegen nicht überrollt, so kommt es nur in einem von 100 Fällen zum Tode. (Statistik) Bei den im Clip gezeigten Leichen ist keine einzige überrollt worden. Deshalb muss man nun zur alles entscheidenden Frage gelangen: Woran sind diese Menschen gestorben?

Der LKW zeigt sich auf den Fotos in einem blitzblanken Zustand. Es deutet demnach alles darauf hin, dass das Fahrzeug keine Fußgänger überrollt hat, jedenfalls sind keine Blutspuren oder Körperteile an den Reifen oder am Frontbereich zu erkennen. Ich muss Ihnen hoffentlich nicht im Detail schildern, was geschähe, würde ein 19-Tonner über einen Körper rollen, oder? Falls Sie jemanden bei der (Freiwilligen) Feuerwehr kennen, können Sie ihn ja fragen, was er so an Autounfällen mit Personenschaden bereits gesehen hat und wie sich diese Bilder auf den Betrachter auswirken. Mit Sicherheit ein schockierender Anblick, die einen so schnell nicht mehr loslassen. Wer hart im Nehmen ist, bitte sehr, auf liveleaks finden Sie jeden nur vorstellbaren blutigen Unfall. Sagen Sie nicht, ich hätte Sie nicht gewarnt. Für mich ist das Faktum, dass der LKW keine sichtbaren Anzeichen einer Überrollung von Fußgängern zeigt, the smoking gun.

Im oben erwähnten Clip sind nur ein paar Bystanders zu sehen, die zum Teil ratlos und recht unmotiviert herumstehen, während rechts und links Menschen liegen. Merkwürdig ist, dass bei den Schwerverletzten (Wer weiß denn schon, ob jemand bereits tot ist, ohne es überprüft zu haben?) so gut wie keine Angehörigen sind. Ist das vorstellbar? Würden Sie einen Angehörigen, der verletzt ist, einfach auf der Straße liegen lassen? Würden Sie nicht alles versuchen, um ihn zu beruhigen, um nach Hilfe Ausschau zu halten, um nach Hilfe zu rufen, um auf sich Aufmerksam zu machen? Würden Sie nicht Herumstehende um Rat fragen, um Hilfe bitten? Und wo sind all die Menschen, die zuvor auf der Promenade ausgelassen gefeiert haben sollen? Haben Sie sich plötzlich in Luft aufgelöst? Laut AFP hielten sich dort 30.000 Menschen auf.

In einem anderen publizierten Foto sieht man eine Vielzahl an Leichen eng an eng zusammenliegen. Auch hier ist keine Überrollung festzustellen. Woran sind diese Menschen am Ende gestorben? Und wenn diese nicht überrollt wurden, wie können sie dann so dicht gedrängt auf der Straße liegen?

Und dann gibt es da noch eine weitere Statistik vom Deutschen Bundesamt für 2013: Unfälle von Güterkraftfahrzeugen im Straßenverkehr. In jenem Jahr wurden in Deutschland 1672 Unfälle zwischen Lastkraftwagen und Fußgänger aufgezeichnet. In 86 Fällen war der Zusammenstoß für den Fußgänger tödlich. Hochgerechnet auf die Zahl der Toten in Nizza, müsste es demnach rund 1600 Verletzte geben. Doch davon kann freilich keine Rede sein. Vermutlich werden Sie jetzt einwerfen, die hohe Zahl der Todesopfer hätte damit zu tun, weil der LKW in eine Menschenmenge gerast sei. Dieser Umstand bedeutet lediglich, dass es dadurch öfters zu Kontakten mit Fußgängern kommt – für den Statistiker macht es keinen Unterschied, ob es an zehn Tagen zu einem Unfall oder an einem Tag zu zehn Unfällen direkt hintereinander kommt.

Merkwürdig auch das Verhalten eines deutschen Journalisten und Bloggers, der Zeuge dieses Ereignisses war. Vom Balkon seiner Unterkunft filmte er die (langsame) Fahrt des LKWs, weil der Laster »nicht ins Bild passte«. Nach einem Schusswechsel (?) beschleunigt der LKW. Mehr ist nicht zu sehen. Ein Foto, welches er auf Twitter postete, ist seltsam unscharf, obwohl der Journalist und Blogger – laut seiner Webseite – viel Erfahrung in Sachen Video- und Fotoproduktion hat. Beinahe könnte man vermuten, es sei mit Absicht unscharf gemacht worden, um die Dramatik des Augenblicks zu erhöhen. Wie viele Fotos und Videoclips der Journalist noch machte, ist nicht zu ermitteln – sein Footage schickte er ARD/ZDF und BR. Diese, so der Journalist, seien schließlich Profis. Natürlich. Interessant, dass der Journalist in den internationalen Mainstreammedien – vom Spiegel bis zur BBC – herumgereicht wurde und dort seine Eindrücke zum Besten geben durfte. Es ist schon erstaunlich, wie oft Augenzeugen, die mit Medienhäusern in Verbindung stehen, zur rechten Zeit am rechten Balkon stehen, um während eines Events einen kurzen Videoclip zu drehen, der vom internationalen Mainstream in aller Eile und mit Trompetengeschmetter der Öffentlichkeit präsentiert wird.

Die Aufnahme des Journalisten dürfte aus dem Hotel Westminster gemacht worden sein. Dieses liegt aber 230 Meter vor dem endgültigen Haltepunkt des Lasters – auf der Höhe Rue du Congrés. Ergo haben wir hier einen Widerspruch, da es ja offiziell heißt, dass der LKW nach einem intensiven Schusswechsel die letzten 300 Meter ausgerollt sei – auf dem Videoclip ist aber zu sehen, dass das Fahrzeug, das sehr langsam von rechts nach links ins Bild fährt, wieder beschleunigt. Es gibt nun zwei Möglichkeiten, diesen Widerspruch zu erklären: Der Fahrer brachte mit Absicht das Fahrzeug zum Stehen – darüber ist aber in den offiziellen Verlautbarungen nichts zu lesen – oder das Fahrzeug war viel langsamer unterwegs als die veranschlagten 40 km/h. Wie dem auch sei, sollte es tatsächlich einen intensiven Schusswechsel rund 70 Meter vom Hotel entfernt gegeben haben, dann hätte das der Journalist, der auf dem Balkon stand, in jedem Fall hören müssen. Das Feuerwerk sei nämlich, nach seiner Aussage, um 22:45 zu Ende gegangen und kurz danach wäre der LKW in sein Blickfeld geraten.

Die Fahrt des LKW mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von ca. 40 km/h dauerte für die 1700 Meter rund 150 Sekunden, also Zwei Minuten und 30 Sekunden. Ich wäre nun davon ausgegangen, dass sich die Sache wie folgt hätte abspielen sollen:

LKW durchbricht die Sperre. Die Polizisten, die an der Kreuzung stehen, geben sofort in der Zentrale Bescheid. Diese gibt den Einsatzkräften, die sich im Zielgebiet befinden, die Weisung, die Straße sofort zu evakuieren und den LKW zum Stehen zu bringen. Ist die Evakuierung geschehen? Darüber konnte ich nichts in Erfahrung bringen. Obwohl sich zum Zeitpunkt dieses Ereignisses Frankreich noch immer im Ausnahmezustand befand, sind keine Einsatzkräfte auf den Bildern zu sehen, die sich um die Verletzten kurz nach der Amokfahrt gekümmert oder Angehörige beschwichtigt hätten. Merkwürdig auch das.

Die Zeit berichtet, dass die Beamten in der Kabine des LKWs die folgenden Waffen gefunden hätten: »eine automatische Pistole vom Kaliber 7.65, ein Magazin mit 75 Patronen und eine weitere automatische Pistole, dazu zwei Sturmgewehre und eine Handgranate.« Bei BBC heißt es »Police said Bouhlel was in possession of an automatic pistol, bullets, a fake automatic pistol and two replica (deux répliques) assault rifles (a Kalashnikov and an M16), an empty grenade«. Im Guardian heißt es »Police found two automatic weapons, ammunition, a mobile phone and documents in the truck, the prosecutor said.« Man glaubt gar nicht, wie schwer es ist, festzustellen, was nun wirklich in der Fahrerkabine des LKWs gefunden wurde. Warum sich ein Terrorist ausgerechnet mit Spielzeugpistolen und einer leeren Handgranate bewaffnet haben soll, bleibt ein Rätsel. Was wollte er damit erreichen?

Sieht man sich die Verteilung der Einschusslöcher in der Windschutzscheibe des LKWs an, bemerkt man, dass die Fahrerseite ziemlich unbehelligt blieb. Saß der Fahrer demnach auf dem Beifahrersitz oder wie ist dieser Umstand zu verstehen? Die Einsatzkräfte werden hoffentlich nicht dermaßen schlecht geschossen haben. Theoretisch könnten natürlich die Polizisten allesamt linker Hand des Fahrzeugs gestanden und seitlich auf die Fahrerkabine geschossen haben.

Wenn sich in aller Öffentlichkeit solch ein dramatisches Ereignis abspielt, würde man Bilder erwarten, die einen unangenehm berühren, die einen aufrütteln, die einen die Dramatik erspüren lassen. Sollten Sie nicht wissen, was ich meine, dann gucken Sie sich die Bilder und Clips von der Geiselnahme in der Schule von Beslan (Russland) im September 2004 an. Sehen Sie in die Gesichter der Leute. Sehen Sie in ihre Augen. Dann wissen Sie, was es heißt, wenn einem das Grauen aus dem Alltag reißt und in die Hölle stößt. Glauben Sie wirklich, da wäre einer damals zum Tanzen aufgelegt gewesen? Da fällt mir ein, dass die verschiedenen Videoaufnahmen von Beslan im Vergleich zu jenen der letzten Ereignisse in Paris, Brüssel oder Nizza weitaus schärfer und klarer rüberkommen – obwohl 12 Jahre dazwischen liegen. Ist es wirklich vorstellbar, dass die Leutchen in Europa allesamt noch keine Smartphones, keine iPhones besitzen, anno 2016, und nur pixelige Kurzclips mit ihren in die Jahre gekommenen Klapphandys machen können?

Mit diesem merkwürdigen Ereignis geht jedenfalls der War of Terror in die nächste Runde. Ende ist demnach keines in Sicht. Weil Goldstein und seine Terrororganisation The Brotherhood einfach nicht kleinzukriegen sind. Schätze, es braucht noch mehr Flächenbombardierungen im Nahen Osten, noch mehr Notstandsgesetze und noch mehr Sparmaßnahmen im Sozialbereich. Cui bono? Ja, Sicherheit hat einen teuflisch hohen Preis. Ihre Regierung verrät sie gerne.

EM 2016: Finale – POR : FRA

EM-2016-Finale

Gedanken zum Finale der Europameisterschaft in Frankreich 2016

PORTUGAL : FRANKREICH 1:0 n. V.

Kurios. Nach 13 Minuten humpelte Ronaldo nach einer ungestümen Attacke von Payet den Rasen hinauf und hinunter. Der Geist war willig, aber das geschundene Fleisch schwach – eine viertel Stunde später ließ sich der wohl beste portugiesische Spieler mit Tränen in den Augen vom Feld tragen. Armer Ronaldo, dachten die einen. Guter Payet, die anderen. Ja, Christiano polarisiert die Fans – damals wie heute.

Das Finalspiel selbst war, wie zu erwarten, eine laue, öde Partie. Die Portugiesen wollten nicht, die Franzosen trauten sich nicht. Die Nervosität der Spieler – hüben wie drüben – war ihnen im Gesicht abzulesen. Viel stand auf dem Spiel. Natürlich. Das haben Finalspiele so an sich, hier geht es um das große Ganze. Der zweite Platz ist genauso gut wie der letzte. Nur der Sieg zählt. Wir wissen es. Die Spieler dito. Deshalb beginnt und endet der Kampf im Kopf der Spieler. Wer mental die Oberhand behält, trägt gewöhnlich den Pokal nach Hause – kein Wunder also, dass es an diesem Sonntag in die Verlängerung ging und alles nach einem Elfmeterschießen aussah. Doch zehn Minuten vor dem Ende der Verlängerung nimmt sich der eingewechselte Eder ein Herz und zieht zwanzig Meter vor dem Tor ab. Der scharfe Schuss passte genau in die Ecke. Torhüter Lloris – und damit auch seine Mannschaft – war geschlagen. Dabei hätte Gignac – der für den farblosen Giroud kam – in der Nachspielzeit der regulären Spielzeit die Entscheidung herbeispitzeln können – aber die Stange hielt die Portugiesen – wie bereits gegen Kroatien – auch diesmal im Spiel.

Wie gesagt, über das Spiel selbst muss man nicht viele Worte verlieren. Es war kein Fußballspiel, vielmehr ein nervöses Abtasten. Dabei hätten die Franzosen nach ihrem überraschenden Sieg gegen den amtierenden Weltmeister Deutschland und mit dem Heimvorteil im Rücken allen Grund gehabt, mit Verve und élan vitale das Tor zu suchen. Statt dessen versagten Nerven und Beine der sonst so überragenden Spieler des Turniers: Payet, Pogba, Giroud, Griezman.

Man stelle sich vor, die Equipe Tricolore hätte gewonnen und würde in einem Atemzug mit den beiden außergewöhnlichen Siegermannschaften der EM 1984 und der EM 1998 genannt werden. Mon Dieu! Das hätte die besondere Aura der goldenen Generation von Platini & Co sowie Zidane & Co verpuffen lassen. Die Medien und Fans hätten Vergleiche mit der glorreichen Vergangenheit gezogen. Non! Seien wir demnach froh, dass es soweit nicht gekommen ist. Es mag schlimm genug sein, dass eine durchschnittliche portugiesische Mannschaft jenen Pokal nach Hause mitnehmen durfte, der eigentlich der goldenen Generation der EM 2004 gebührt hätte. Figo, Deco, Rui Costa, Maniche, Nuno Gomes, Boswinga usw., sie waren famose Fußballer und hatten das gewisse Etwas. Gerade dieses gewisse Etwas ist dem europäischen Fußball in den letzten Jahren abhanden gekommen. Vielleicht wird die Weltmeisterschaft 2018 das Ende der europäischen Vorherrschaft am grünen Rasen einläuten. Bereits bei der WM 2014 in Brasilien ließen die Newcomer Kolumbien, Chile und Costa Rica aufhorchen, wurde Dauerbrenner Mexiko nur durch ein umstrittenes Robben-Foul aus dem Achtelfinale gekickt, spielte die französische B-Elf der Algerier den späteren Weltmeister schwindlig und zeigten die Amerikaner (wie die Ungarn), dass sie auch bereit waren, mit wehenden Fahnen ins offene belgische Offensivmesser zu laufen. Was den nichteuropäischen Teams bisher gefehlt hat, war diese besondere Abgebrühtheit. Aus Erfahrung gut, kommt einem da in den werbeverseuchten Sinn.

Die diesjährige Europameisterschaft hat jedenfalls gezeigt, dass Einzelleistung vor Mannschaftsleistung ging. Ohne Payet hätte Frankreich die Gruppenphase wohl nicht als Sieger beendet und ohne Griezmann wäre es zu keinem Finalspiel gekommen. Im Übrigen bin ich noch immer der Meinung, dass die französische (genauso wie die englische und spanische) Nationalmannschaft kein funktionierendes Team ist. Beim amtierenden Weltmeister Deutschland liefen viele Spieler ihrer Form hinterher bzw. waren mental ausgebrannt. Gleiches gilt für den letzten Europameister Spanien.

Die beste Mannschaftsleistung gab es meiner Meinung nach von Kroatien und Italien. Hätten die Kroaten im Achtelfinale gegen Portugal nicht mit angezogener Handbremse gespielt, vielleicht würden sie nun den Pokal in Zagreb ausstellen. Und hätten die Italiener statt Zaza nur ein wenig Glück gehabt, würde ganz Italien ihren Fußballpensionisten zujubeln können. Gewiss, es ist müßig, jetzt über vergebene Elfmeter (Österreich!) oder unglückliche Stangenschüsse (Österreich!) zu sinnieren. Glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht mehr zu ändern ist, wusste bereits Peter Alexander 1962 zu singen.

Diese Europameisterschaft wird man wohl alsbald vergessen. Erwähnenswerte Spiele gab es wenige. Am besten gefiel mir noch das letzte und entscheidende Gruppenspiel zwischen Albanien und Rumänien. Auf dem Papier hätte es eine müde Partie werden müssen – aber auf dem Rasen war einiges los und das Spiel ließ jedes Fußballherz höher schlagen. Sehenswert natürlich auch die übermotivierten Italiener, die den Spaniern die Grenzen ihres Ballherumgeschiebes aufzeigten. Trainer Löw dürfte so beeindruckt gewesen sein, dass er sich eine spezielle Taktik für Buffon & Co überlegte – dadurch machte er die Italiener (defensiv) stärker und die Deutschen (offensiv) schwächer. Der Schuss hätte demnach leicht nach hinten gehen können. Kurz, Löw hatte keine Eier in der Hose – auch wenn er es hin und wieder nachprüfte. Das Elfmeterschießen entwickelte sich freundlicherweise zum absoluten Thriller. Mon Dieu, was haben wir gelacht.

Der türkische Stein des Anstoßes, Syrien im Novmeber 2015

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Wenn es um Steine ging, waren die Osmanen nicht zimperlich

Seltsam, finden Sie nicht? Warum, in Gottes respektive Allahs Namen, wollten türkischen Abfangjäger einen russischen Allwetterbomber vom Himmel holen? Es sollte doch bekannt sein, dass die russischen Luftstreitkräfte in Syrien gegen terroristische Verbände der ISIS/ISIL/Daesh vorgehen. Ich war bis jetzt immer der Meinung, die ganze westliche Welt – von Washington und London, über Paris bis Ankara – würde die ISIS-Bedrohung eindämmen und bekämpfen wollen.

Der türkische UN-Botschafter gab zu Protokoll, dass zwei Flugzeuge den türkischen Luftraum für 17 Sekunden überflogen hatten:

Disregarding these warnings, both planes, at an altitude of 19,000 feet, violated Turkish national airspace to a depth of 1.36 miles and 1.15 miles in length for 17 seconds from 9:24:05 local time

Wikileaks zückte daraufhin den Taschenrechner und stellte fest, dass demnach der russische Bomber, dessen maximale Geschwindigkeit bei über 1300 km/h liegt, ungewöhnlich langsam flog – vergleichbar mit einem Auto, das im 1. Gang betrieben wird:

Journalists: Learn to do basic maths. Look at Turkey’s statement to UN: 1.15 miles / 17 seconds x 60 x 60 = 243 miles/hour = 391 km/hour

Und dann gibt es noch die Erklärung aus Moskau, dass das russische Flugzeug nicht den türkischen Luftraum verletzt hätte und auf syrischem Hoheitsgebiet abgeschossen worden wäre. Hm. Aussage steht hier gegen Aussage. Faites vos jeux.

Eine interessante Koinzidenz, dass vor über einem Jahr die israelischen Streitkräfte ebenfalls eine (syrische) Su-24 abschossen, da sich das Flugzeug im israelischen Luftraum befand – für 800 Meter. Je nach Geschwindigkeit dürfte das Flugzeug höchstens für ein paar Sekunden den Luftraum verletzt haben.

Es scheint, als hätten die israelischen und türkischen Streitkräfte den Finger am Abzug und sehen sich „gezwungen“, ISIS/ISIL/Daesh zu „unterstützen„, in dem sie die russischen und syrischen Flugzeuge vom Himmel holen – aus einer (paranoiden?) Befürchtung heraus, die syrischen bzw. russischen Streitkräfte wären eine Bedrohung für die Sicherheit ihrer Länder, obwohl Moskau ein gemeinsames militärisches Vorgehen gegen die Terroristen in Syrien vorschlägt. Ist nun diese (paranoide?) Befürchtung nachvollziehbar? Würden die Türkei und Israel am Ende auch französische und amerikanische Flugzeuge (die sich übrigens – im Gegensatz zu russischen – völkerrechtswidrig im syrischen Luftraum aufhalten) abschießen? Und falls nicht, warum nicht?

Conclusio: Unter der Hand heißt es, dass Ankara und Tel Aviv in Abstimmung mit Washington ISIS/ISIL/Daesh unterstützen – sei es logistisch, sei es materiell. Warum? Weil alle drei Fraktionen Syrien „gadaffisieren“ möchten. Wer jetzt nicht weiß, was damit gemeint ist, nun, der muss nur einen Blick auf das von den Westmächten „demokratisierte“ Libyen werfen. Dort kann man mit freiem Auge sehen, was für Syrien und den Iran geplant ist.

Falls Sie diese Überlegung nicht akzeptieren wollen, vielleicht hilft es, wenn Sie hören, was der ehemalige Präsident Jimmy Carter mit 91 Jahren über das politische System in den USA zu sagen hat:

[meine Übersetzung:] Es ist einfach nur eine Oligarchie, dessen Essenz die Bestechung mit unbegrenzten Mitteln ist, um in Folge einen [vereinbarten] Präsidentschaftsanwärter zu nominieren oder ihn zum Präsidenten wählen zu lassen. // Now it’s just an oligarchy, with unlimited political bribery being the essence of getting the nominations for president or to elect the president.

Jimmy Carter weiß, wovon er spricht. Er wurde damals von Rockefeller & Co politisch „groß gezogen“ – aber nach 4 Jahren für den besseren Schauspieler Ronald Reagan fallen gelassen. Und der wiederum stolperte mit seinem Vize George Bush Sen. in die Iran-Contra-Affäre. Damals ging es einfach darum, Terroristen in Nicaragua mit Waffen zu versorgen. Das war freilich illegal – deshalb wurde es geheim und in aller Stille vom CIA und den Militärs durchgeführt. Illegal war auch der Drogenschmuggel, der die Mittel für die Waffenkäufe bereitstellte. Teile der amerikanischen Behörden waren den Terroristen aus Nicaragua äußerst behilflich dabei, die Drogen außer Landes und nach Kalifornien zu bringen. Einen kleinen Einblick über die Zusammenhänge und wie mit investigativen Journalisten umgegangen wird, die diese Korruption publik machen wollten, erfährt man in dem empfehlenswerten Kinofilm Kill the Messenger.

Glauben Sie mir, in den Machtzentren dieser Welt gehen die elitären Bürokraten über Leichen und leben die Maxime von Stalin: „Ein Todesopfer ist eine Tragödie, eine Million nur eine Statistik.“