Schlagwort-Archive: veröffentlichen

Alles, was Sie über das Thema E-Book wissen müssen – Fakten und Träume

Ja, rechter Hand, das ist der eReaderBevor ich Sie mit reichlich Fakten zum Thema »E-Book« füttere, muss ich ein wenig abschweifen. Aber keine Sorge, am Ende werde ich wieder an diese Stelle zurückkommen und den Bogen schließen. Es beginnt mit einem jungen Studenten aus deutschen Landen, der von einem Buchhändler nach Leipzig mitgenommen und dort in die Verlagswelt eingeführt wird. Der junge Student versteigt sich in eine hübsch ehrgeizige Schriftsteller-Illusion, als er vielen Verlegern vorgestellt wird. Sein erstes, recht schmales Büchlein erscheint noch ohne seinem Namen auf dem Deckblatt. Jahre später, gereift und strebsam, möchte er mit einem Lustspiel die Welt der schöngeistigen Literatur im Sturm erobern. Aber jene zwei Verleger, denen er sich anvertraute, lehnen es ab, den Text zu veröffentlichen. Was für eine Zurückweisung für den jungen Studenten, der sich bereits als erfolgreicher Schriftsteller wähnt. Von dieser Demütigung wird er sich Zeit seines Lebens nicht mehr gänzlich erholen und sie wird dafür sorgen, dass er fortan ein »tiefreichendes Mißtrauen gegen diese Buchkrämer« hat. Der ambitionierte Schreiberling ist gerade einmal 24 Jahre jung und beschließt kurzerhand seine nächste Schrift bei einem heimischen Drucker selber zu publizieren. Nicht lange und es erscheint sein Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand. Ein Schauspiel. Da er aber gar so viele Bücher in seiner Stube liegen hat, die zu Geld gemacht werden müssen, schreibt er an Freunde: »Hört, wenn ihr mir wolltet Exemplare vom Götz verkaufen, ihr tätet mir einen Gefallen« Nennen wir das Ganze einfach Selbstverlag und Marketing, anno 1773. [die Zitate sind dem Buch Geschichte des deutschen Buchhandels von Reinhard Wittmann – 1991 C.H. Beck, München]

Weiterlesen?

Buch- und Verlagsbranche, anno 2011 oder Die Schlange ohne Hörner

Man soll die Schlange nicht gering achten, weil sie keine Hörner hat,
man kann nie wissen, ob aus ihr nicht einmal ein Drache wird.

chinesische Weisheit

Es war viele viele Jahre her. In einer Zeit, als es in der Ostmark gerade einmal zwei (öffentlich-rechtliche) TV-Kanäle gab, da guckte man mit großen gierigen Kulleraugen über den großen Teich und hörte von unzähligen US-Fernsehkanälen. Das war schon allerhand. Und dann, dann kam Telekabel nach Wien und ein paar Häuserblöcke kamen in den Genuss von sechs oder sieben deutschsprachigen Sendern. Eine Revolution. Jedenfalls, an der Schwelle zum Jugendlichen, wurde ich hin und wieder bei Familie B. eingeladen, die mehrere ausländische Sender empfangen konnten. Gierig starrten wir auf die vielen Serien, die wir bis dato nicht kannten. Und eine davon war eine chinesische TV-Serie „Die Rebellen vom Liang Shan Po“ – für damalige Verhältnisse ziemlich blutig und heftig (da wollte man doch tatsächlich einem Rebellen den Kopf absägen!). Jedenfalls, im Vorspann der Serie gab es eine kleine Einführung in die Geschichte Chinas und wie eine kleine Gruppe von Rebellen eine Revolution auslöste. Und aus dem Off hörte man jenes Zitat, das ich diesem Blog-Beitrag vorangestellt habe.

Petra van Cronenburg – Autorin, Journalistin, Übersetzerin und Bloggerin – beschäftigt sich seit geraumer Zeit mit dem Umbruch im Verlagswesen. Es mag sicherlich damit zusammenhängen, dass sie eines ihrer Bücher, das in einem Verlag publiziert wurde (Korrektur: es hätte veröffentlicht werden sollen, aber der Verlag macht vorher ne Bauchlandung), nun selber veröffentlichen möchte. Sie holte sich die Rechte zurück und arbeitete fieberhaft am Buch, das bald im Print-on-demand erhältlich sein wird. Auf ihrem Blog beschreibt sie sehr detailliert, wie sie ihren Dienstleister gefunden hat und worauf man dabei achten muss. Petra van Cronenburg, wenn man so will, muss niemanden etwas beweisen. Und das ist gut so. Selbstverlegern weht ein rauer Wind entgegen. Warum? Weil jeder sein Buch veröffentlichen kann, wenn er ein paar Scheine dafür locker macht. Die Filterfunktion des (kommerziellen) Publikum-Verlages, in der Fachsprache Gateway, ist einzig in der Lage, Qualität von Schund zu trennen. So heißt es. So sagt man. Aber stimmt das noch?

Die Zeiten ändern sich. Wer es merkt, wer es bereits bemerkt hat, tut gut daran, seine Einstellung dahingehend anzupassen. Ein Paradigmen-Wechsel, wie es Alan Rinzler, ein erfahrener Verlags-Mensch, in seinem Beitrag durchklingen lässt. Natürlich ist Rinzler kein Scharlatan, der einem das Blaue vom Himmel verspricht. Mitnichten. Er spricht von neuen Möglichkeiten. Und sagt, dass es keinen besseren Zeitpunkt gibt, zu schreiben, als heute. Wunderbar.

Zurück zu unserem eingangs erwähnten Zitat. Der Kaiser von China und seine Minister und Beamte belächelten anfänglich den kleinen Bauernaufstand. Nur eine Hand voll dahergelaufene Nichtsnutze, die Unruhe stifteten. Warum sollte ein Kaiser von China, der vom Himmel gesandt ist, vor gewöhnlichen Menschen Ehrfurcht haben? Eben. Geht ja gar nicht. Aber die kleine Gruppe an Rebellen, die den Regierungstruppen zähen Widerstand leistete, wurde von der Bevölkerung heimlich befördert. Es sprach sich wie ein Lauffeuer herum, dass es jemand wagte, gegen den Kaiser aufzubegehren. Und je länger dieser ungleiche Kampf dauerte, umso mehr Bauern und unzufriedene Bürger schlossen sich den Rebellen an. In der Tat, aus der kleinen, lächerlichen Schlange erwuchs ein Drache, der zu guter Letzt den Kaiser hinwegfegte (hübsch gesagt, nicht?).

Gut, gut, wollen wir die Kirche im Dorf und die Rebellen in China belassen. Meine Analogie sollte aber trotzdem verständlich sein, nicht? Auf der einen Seite diese beinahe göttliche Macht der Publikumsverlage, auf der anderen Seite eine kleine Gruppe von Unzufriedenen, die ihren Unmut nicht mehr verstecken. Gewiss, viele von ihnen sind rachsüchtig, weil Enttäuschung und verletzter Stolz an ihrer Seele knabbert, aber dann gibt es auch noch andere, nämlich jene, die aus freien Stücken das Rebellentum gewählt haben. Vielleicht haben sie sogar als Beamte im Kaiserreich gedient. Oh. Da bin ich wohl schon wieder in meine Analogie geraten. Sowas aber auch.

Dass es innerhalb der Rebellentruppe nicht gerade zimperlich zu Werke geht, muss ich nicht gesondert erzählen, oder? Jeder Umsturz bringt ein Macht-Vakuum hervor, das gefüllt werden muss. Und viele fühlen sich berufen, es auszufüllen. Tja. Revolten und Revolutionen sind kein Spaß. Wirklich nicht. Viele werden auf der Strecke bleiben. Viele werden zurückgelassen werden. Ist das gut? Ist das schlecht? Sagen wir: es ist absolut, weil niemand diese Bewegung aufhalten kann.

***

Und das nächste Mal erzähle ich dann, wie die Rebellen in unterschiedliche Fraktionen zerfallen, die sich misstrauisch beäugen, während der Kaiser von China und seine Beamten Kniffe und Tricks anwenden, um Zeit zu gewinnen und um die Bevölkerung auf ihre Seite zu ziehen.

***