Schlagwort-Archive: verteilung

Die Macht, Inhalte legal zu verbreiten oder: Creative Commons rulez!

Cary Doctorow fotografiert von Jonathan Worth
Ein Statement von Cory Doctorow für Creativ Commons! CC as stated by Jonathan Worth http://www.jonathanworth.com/

Die Macht des frei Zugänglichen und Inhalte legal zu verbreiten. Die Creative Commons Idee hat weite Kreise gezogen. Die Idee ist simpel: mache Inhalte frei verfügbar und lege fest, was der andere damit tun und lassen darf. Ist dein Foto, dein Musik-Stück, dein Video-Clip, dein Text, dein Bild, dein Dingsbumsirgendwas kommerziell für andere nutzbar oder möchtest du es nur für nicht-kommerzielle Verbreitung vorsehen? Darf der andere es bearbeiten? Verändern? Und wenn er es gemacht hat, darf er es dann kommerziell verwenden oder auch nur für nicht-kommerzielle Verbreitung vorsehen? Und wichtig: ist Namensnennung des Urhebers notwendig oder nicht. Alle Details hierzu findet sich auf der Seite

http://creativecommons.org

Dass nicht nur Vollbärtetragende Marxisten-Schlurfs die Idee der legalen Verbreitung gut finden, soll der Profi-Fotograf Jonathan Worth oder die TED-Organisation oder das Isabella Stewart Gardener Museum in Boston, die über 100 klassische Musikstücke eingespielt und für nicht-kommerzielle Nutzung freigegeben haben, unterstreichen. Wer also das nächste Mal einen Podcast einspricht, voilà, hier gibt’s die dazupassende Musik. Übrigens, im Jahr 2010 gab es bereits 400 Millionen CC lizenzierte Werke. Auch nicht schlecht, oder? Und wo habe ich den Link für all das bekommen? DIASPORA* 🙂

Jonathan Worth – MA Photography Course Director at Coventry University hat übrigens einen interessanten Artikel zu diesem Thema im Telegraph geschrieben: How the Power of Open can benefit photographers – und wer sich einen Überblick verschaffen möchte, mit den herausragendsten Beispielen der CC-Gemeinde, dem ist das Buch der CC Organisatoren natürlich ans Herz zu legen – gibt es als hübsches 47seitiges PDF. Natürlich unter einer CC-Lizenz. Also ruhig in die weite Welt verschicken. Du darfst es.

*

cover cartoon dschunibert von richard k. breuerÜbrigens, der dschunibert-Cartoon, von mir und dem Dresdner Zeichner Gunther Ecki Eckert, wurde vor vielen Jahren ebenfalls unter einer CC-Lizenz veröffentlicht und erzählt die Mühen der Eigenverlegerei. Der klingende Titel »das dschunibert prinzip – Alles, was Sie schon immer über die Schriftstellerei im Eigenverlag wissen wollten (sich aber nicht getrauten zu Fragen)« ist Programm. An einer Fortsetzung schreibe ich zwar noch nicht, aber ich lebe sie. Wirklich. Demnächst in diesem Theater zu bestaunen. Vielleicht.

Der Reichtum eines Kindergartens oder Wie sich das Vermögen verteilt

Ich stehe Statistiken etwas skeptisch gegenüber. Denn laut Statistik haben ein Millionär und ein armer Kerl jeder eine halbe Million.
Franklin Delano Roosevelt

Man stelle sich folgendes Szenario vor. In einem Kindergarten werden alle Kinder zusammengerufen, weil es heißt, es gäbe eine süße Überraschung. Es sind exakt 100 Kinder, die mit großen glänzenden und vor allem gierigen Augen nach dem versprochenen Süßen Ausschau halten. Der Leiter des Kindergartens kommt mit einer Reihe von Anzugträger in den Versammlungsraum. Sie haben Kisten mitgebracht, in denen sich 100 Überraschungseier befinden. Die Kinder sind aus dem Häuschen.

So dann wird das Prozedere der Verteilung besprochen. Der Leiter und die Anzugträger geben Alphonse einen Karton mit 36 Überraschungseiern. Die Kinder starren ungläubig zu Alphonse. Der Leiter lächelt und meint, dass der Urgroßvater von Alphons diesen Kindergarten gegründet hätte und ohne seiner generösen Familie es keinen Kindergarten gäbe. Dann wählt der Leiter 8 Kinder aus, denen ein Karton mit 43 Überraschungseiern überreicht wird. Ungläubiges Staunen der anderen Kinder. Der Leiter lächelt und meint, dass deren Großväter viel für den Kindergarten getan hätten und ihnen somit dieser Anteil zustünde. Dann werden 23 Kinder ausgewählt, denen eine Kiste mit 17 Überraschungseiern übergeben wird. Deren Väter, so sagt der Leiter, hätten sich immer für den Kindergarten eingesetzt. Ungläubiges Staunen. So dann wird den restlichen Kindern, 68 an der Zahl, ihre Überraschungseier übergeben. Es sind 4 Stück. Keine Sekunde dauert es und sofort beginnen sich die Kinder zu zanken und zu balgen. Jeder will eines der 4 Überraschungseier. In der Gruppe der 23 Kinder geht es gesitteter zu. Sie teilen ihre 17 Überraschungseier auf – auch wenn der eine oder die andere nicht teilen möchte.

Mit der Zeit stellen sich viele der leer ausgegangen Kinder bei Alphonse an. Sie bitten und betteln um ein Überraschungsei. Alphonse will von Julia ein Küsschen, dann würde er ihr ein Überraschungsei geben. Und von Ivan will er seine Mütze, die ihm so gut gefällt. Und so macht sich Alphonse Freunde und Feinde. Jene, die er beschenkt, werden seine Freunde. Jene, die er leer ausgehen lässt, werden seine Feinde. Die Gruppe der 8 Kinder steht auf Seiten von Alphonse. Es sei genug für alle da, sagen sie. Und dann, dann flüstern sie mit der Gruppe der 23 Kinder und zeigen auf die leer ausgegangenen Kinder: Vorsicht. Die wollen uns die Überraschungseier wegnehmen.

Freilich. Es könnte ganz anders sein. Schlimmer. Besser. Je nach dem. Faîtes vos jeux.

Source: Credit Suisse Research Institute, Global Wealth Report, October 2010.

.

Raten Sie mal! Verteilung des Reichtums in den USA: Realität und Wunschvorstellung

Gemäß einer im April veröffentlichten Studie Building a Better America (PDF) von Michael I. Norton (Harvard Business School) und Dan Ariely (Duke University) zeigen sich dreierlei Dinge:

  • Wie sich das Vermögen in den USA gegenwärtig verteilt;
  • Die Vorstellung des US-Bürgers, wie sich das Vermögen in den USA verteilt;
  • Der Wunsch des US-Bürgers, wie sich das Vermögen  in den USA verteilen soll;

Ich habe nun die Grafik ein wenig verändert, um daraus ein hübsches Ratespiel zu machen. Die Grafik zeigt drei Balken A, B und C. Einer steht für die gegenwärtige Verteilung, ein andere für die Vorstellung der US-Bürger, wie die gegenwärtige Verteilung aussieht und ein weiterer für die Wunschvorstellung, wie die Verteilung aussehen sollte. Es wurden 5.522 US-Bürger untersucht, die zufällig aus einem online-Panel von einer Million repräsentativen Amerikaner ausgewählt wurden und in allen Einkommensschichten zu finden sind.

Verteilung des Vermögens in den USA
Study Building a Better America (PDF) von Michael I. Norton & Dan Ariely

In Säule A würde das reichste Fünftel 84 % des gesamten Vermögens für sich haben; in Säule B  59 % und in C 32 %; das ärmste Fünftel hätte in Säule A 0,1 %, des gesamten Vermögens; in Säule B 2 % und in Säule C 11 %.

So. Jetzt dürfen Sie mal raten. Hier ist die Lösung (in weißer Hintergrundfarbe, also einfach die Zeile mit dem Cursor markieren und schon hat man die Lösung: A = tatsächliche gegenwärtige Verteilung; B = die Vorstellung der Bürger, wie die Verteilung wäre; C = der Wunsch der Bürger, wie die Verteilung sein sollte. Man schätzt, dass die Top-1%, also die Superreichen, rund 50 % des gesamten Vermögens besitzen. Coolio, ha?

Die Ergebnisse der Studie werden auf Alternet und einem US-Blog diskutiert. update: Beitrag mit tollen Infografiken über die ungleichmäßige Verteilung in den USA: It’s the Inequality, Stupid

Inequality in USA - Infografix
Inequality in USA - Infografix - klick for details!

***

update: Diesbezüglich ist mein Text Der blaue Smaragd – ein Märchen ohne Hoffnung durchaus zu empfehlen, geht es darin um die Auswirkungen einer Konsumgesellschaft auf Mensch und Umwelt. Das rund 10seitige Märchen ist als PDF bzw. im Format epub gratis erhältlich.

Klartext: predige Freiheit, ernte den Tod

Wir sind auf dem Weg zur Hölle.
Juliano Mer Khamis
über die Okkupations-Politik Israels

In der taz wurde ich auf den Tod von Juliano Mer Khamis aufmerksam. Ein jüdisch-arabischer Künstler, wenn man so will, der am gestrigen Tag von einem Killerkommando erschossen wurde. Hm. Er leitete ein Freiheitstheater, das Stücke mit palästinensischen Kindern aufführte. Eines der ersten war Farm der Tiere. Ach ja. Wir wissen: »Alle Tiere sind gleich, nur manche sind gleicher.« Orwell wusste schon, wovon er schrieb. Wirklich! Dass Mer Khamis erschossen wurde, zeigt, dass er für Polit-Cliquen, Machthaber und Fundamentalisten gefährlich wurde. Das ist natürlich eine Auszeichnung. Leider auch ein Todesurteil. Damals wie heute will sich keiner in die Suppe spucken lassen. Auslöffeln, gewiss, müssen es dann immer die anderen. Ja, so ist das.

[UPDATE] Führende Israelis drängen auf eine Zwei-Staaten-Lösung – Artikel im Guardian

 

manipulierte Psychos? Wir haben ne reiche Auswahl!

Hin und wieder denke ich über unsere Welt nach. Und wie sie tickt. Es ist schon merkwürdig, dass Menschen, die Freiheit fordern, eine gerechtere Verteilung der Güter wünschen oder von der Liebe zwischen allen Völkern dieser Erde singen, Gefahr laufen, von manipulierten Psychopathen – sei es in Uniform oder in zivil – aus dem Leben geschossen, gesprengt oder verunfallt zu werden. Das kann einen schon nachdenklich stimmen. Auf der anderen Seite, wenn wir uns die drei größten Massenmörder der Menschheitsgeschichte anschauen – also Hitler, Stalin und Mao – dann fällt auf, dass diese eines natürlichen Todes starben (gut, ersterer half dahingehend gleich mal selbst nach). Ja, das ist schon recht beängstigend, wenn man an Martin Luther King, Ghandi und John Lennon denkt, die über den Haufen geknallt wurden? Hm. Ich schätze, Gewaltfreiheit und Liebe zu predigen löst in vielen Menschen und staatlichen Organisationen Hass und Verachtung aus. Seltsam, nicht?

Ich befürchte, der Mensch ist des Menschen Wolf. Da ändert sich wohl nichts. Und, jetzt mal ehrlich, wenn du Gegenden hast, in dieser Welt, wo Kinder und Jugendliche wie Abfall behandelt werden, wo man sich einen Sch***dreck um sie kümmert, ist es ein Wunder, wenn sich dann nette Herren ihrer annehmen und ihnen das Paradies versprechen? Sei es mit Dynamit, sei es mit Drogen oder Bandenkriminalität. Was bleibt über? Ich bitte um Vorschläge?

 

Gestatten, Nobelpreisträger Stiglitz

Sogar Nobelpreisträger Joseph E. Stiglitz spitzt die Feder und schreibt im Magazin Vanity Fair über die Ungleichheit in den USA, wo die Top 1 % der Bevölkerung rund 25 % der jährlichen Einnahmen kassieren und 40 % des Gesamtvermögens halten, während die Hälfte der amerikanischen Bevölkerung so gut wie nichts besitzt und etwa einer von sieben US-Bürgern von Lebensmittelmarken leben muss, um sich zu ernähren. Stiglitz kommt am Ende seines Artikels zu folgendem Schluss – ich habe mir erlaubt, diesen Absatz frei zu übersetzen:

Die Top 1 % haben die tollsten Häuser, die großartigsten Ausbildungsplätze, die besten Ärzte und den höchsten Lebensstandard, aber es gibt eine Sache, die sie nicht mit Geld gekauft haben: Das Verständnis, dass deren Schicksal mit dem der anderen 99 % verbunden ist und wie diese 99 % leben. Die Geschichte zeigt, dass die Top 1 % diesen Zusammenhang schlussendlich begreifen werden. Aber immer zu spät.