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WM 2018: Rückblick auf das Viertelfinale – Es wird ernst!

Frankreich und England hatten es gegen ihre Gegner – Uruguay und Schweden – ziemlich leicht. Im Schongang, wenn man so will, setzten sich beide mit 2:0 durch. Kein Vergleich zu den anderen beiden Viertelfinalpartien, die intensiver und – im Falle von Kroatien und Russland – an die körperliche Substanz gingen.

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WM 2018: Ausblick auf das Viertelfinale

Meine weltmeisterliche Reise nach Russland ließ es nicht zu, über die Achtelfinalspiele zu bloggen – eine hübsche Zusammenfassung gibt es hier zu sehen: FIFA-Videoclip. Einerseits hatte ich keinen ständigen Internetzugang, zum anderen war ich gerade auf der Rückreise, als Brasilien und Belgien ihren Viertelfinaleinzug erspielten. Das Spiel der Kroaten gegen überraschend starke Dänen durfte ich dafür leibhaftig im Stadion von Nischni Novgorod verfolgen, das Russlandspiel gegen Spanien, Stunden zuvor, im Restaurantbereich eines Einkaufszentrums. Der Jubel der anwesenden russischen Fans war schon gewaltig.

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EM 2016: Viertelfinale 4 – FRA : ISL

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Gedanken zum Viertelfinale 4 der Europameisterschaft in Frankreich 2016

FRANKREICH : ISLAND 5:2

Die alte Hackordnung wurde also wieder hergestellt. Es dauerte keine 20 Minuten, da führte der Hausherr bereits mit zwei Toren und ließ erkennen, dass diesmal die Qualität der Einzelspieler die Oberhand gegen eine geordneten Mannschaftsleistung haben würde. Aber, wie so oft, es hätte auch anders kommen können. Weil die französischen Fans bereits nach wenigen Minuten unzufrieden wurden und das ideenlose Ballgeschiebe der Equipe mit Pfiffen bedachte. Aber in diese Pfiffe hinein war es dann ein hoher Ball in den Rücken der isländischen Abwehr auf den ganz leicht im Abseits stehenden Giroud, der Halldorsson durch die Beine ins Tor schoss. Damit waren die Fans zufriedengestellt, damit fiel der erste große Stein vom Herzen der Spieler. Fünf Minuten später erhöhte Pogba auf 2:0 – und die französische Erleichterung war bis in den letzten Rang des Stadions spürbar. Doch wiederum nur fünf Minuten später hätte es beinahe den Anschlusstreffer gegeben – aber Bödvarsson schob den Ball nicht ins, sondern übers Tor. Man mag sich nicht vorstellen, wie Fans und Spieler der Grande Nation reagiert hätten, wäre Island mit dem Anschlusstreffer noch einmal aufgekommen. Müßig darüber zu sinnieren. In den letzten Minuten der ersten Halbzeit machten Payet und Griezmann alles klar und Frankreich ging mit einer wohltuenden 4:0 Führung in die Pause. In der zweiten Halbzeit taten die Franzosen nur noch das Notwendigste, weshalb die Isländer mehr vom Spiel hatten und sogar noch zwei Tore erzielen konnten. Doch Giroud machte mit dem fünften französischen Treffer den Deckel drauf. C’est ça – das isländische Wunder war damit offiziell beendet.

So beeindruckend die französische Demontage der gefürchteten Isländer auch war, die Equipe ist für mich noch immer nicht zu einer Mannschaft zusammengewachsen. Es sind vor allem überragende Einzelleistungen mancher Spieler, die die bisherigen Begegnungen zu Gunsten Frankreichs entschieden haben. Payet! Griezmann! Giroud! Pogba! Lloris! Das sind sie, die Musketiere Dechamps – der Rest der Bleus tut ihren Job – manchmal besser, manchmal schlechter. Man kann die französischen Ausnahmespieler durchaus mit den deutschen vergleichen – vorausgesetzt Fitness, Tagesverfassung und Moral stimmen:

Lloris = Neuer
Payet = Özil
Griezmann = Müller
Pogba = Kroos
Giroud = Gomez

Was den Franzosen definitiv fehlt, ist ein Boateng, ein Hummels, ein Khedira, ein Schweinsteiger. Ironischerweise sind es gerade die letzten drei, die wohl nicht im Halbfinale spielen werden können. Damit ist der Vorteil der Löw-Truppe so gut wie dahin und es wird wohl auf eine ausgeglichene Partie hinauslaufen.

Was dürfen wir uns vom Halbfinale erwarten? Eine Wiederholung des Viertelfinales Deutschland gegen Italien: Rasenschach, kontrollierte Offensive, wenig Räume und der Versuch, die Taktgeber auf beiden Seiten (Kroos und Pogba) aus dem Spiel zu nehmen. Löw, der auf Solospitze Gomez verzichten muss, wird mit Götze eine „falsche 9“ aufs Feld schicken. Damit ändert sich natürlich die Spielanlage – ob zum Guten oder zum Schlechten wird man erst sehen. Wunder Punkt der Equipe ist und bleibt jedenfalls die marode Defensivleistung – im Gegensatz zu den Deutschen, die im Turnierverlauf noch keinen Gegentreffer aus dem Spiel heraus zuließen.

Kurz und gut, in diesem Halbfinale ist alles möglich – und sollte sich eine Mannschaft in einen Spielrausch spielen, könnte es sogar eine Packung für die andere geben. Das ist freilich unwahrscheinlich – aber das haben wir vor zwei Jahren, bei der Weltmeisterschaft, auch gesagt, als Deutschland das Auswärtsspiel gegen Brasilien bestritt. Der Rest ist bekanntlich Geschichte.

 

EM 2016: Viertelfinale 3 – GER – ITA

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Gedanken zum Viertelfinale 3 der Europameisterschaft in Frankreich 2016

DEUTSCHLAND : ITALIEN 1:1  6:5 n. E.

Das Elfmeterschießen – 18 Mal musste der Ball auf den Punkt gelegt werden – ging wohl für alle Beteiligten an die Grenze der nervlichen Belastbarkeit. Gerade die sonst so unerschütterlichen und nervenstarken Deutschen zeigten sich nicht nur im Elfmeterkrimi, sondern bereits davor, in den 120 Spielminuten, verunsichert. Der Respekt vor Italien, das noch im Freundschaftsspiel Ende März d. J. mit 4:1 vom Platz geschossen wurde, war nach deren fulminantem Sieg gegen Spanien recht groß. So groß, dass Trainer Löw von der gewohnten 4-5-1-Aufstellung abging und es mit der 3-5-2-Formation versuchte. Im Interview, nach dem Ende des Spiels, begründete er diese Umstellung als Gegenmaßnahme italienischer Offensivbewegungen. Scheinbar hatte Löw das spanische Fiasko analysiert und kam zum Schluss, dass man diese italienische Mannschaft nur mit ihren eigenen Waffen schlagen könne: In der Abwehr massiert stehen, dem Gegner wenig Raum geben und bei Ballgewinn schnell in die Offensive umschalten. Kurz und gut: Der amtierende Weltmeister mutierte von einer offensiven Ballbesitz-Kombinationsfußball- zu einer defensiven Kontermannschaft. Und weil Italien genausowenig das offensive Spiel machen wollte, gab es in den 120 Minuten nicht allzu viele Torchancen zu beklatschen. Ein müder Kick, wenn man so will, der an Polen : Portugal erinnerte. So kam der Führungs- und Ausgleichstreffer mehr zufällig und glücklich zustande. Auf der einen Seite fälschte Bonucci einen Querpass im Strafraum so unglücklich ab, dass Özil den Ball nur noch ins Tor spitzeln musste. Auf der anderen Seite übte sich der sonst so fehlerlose Boateng im eigenen Strafraum in einer Aerobic-Übung, streckte dabei seine beiden Hände in die Höhe und behinderte so einen Flankenball – Ergebnis: Piff! Elfmeter! Ausgleich!

Und so kam, was kommen musste, wenn keine Mannschaft die Entscheidung am Feld sucht: Elfmeterschießen. Es kann einen schon recht nachdenklich stimmen, dass ausgerechnet die verlässlichsten Schützen der deutschen Nationalmannschaft – Müller, Özil und Schweinsteiger – vom Punkt versagten. Auf italienischer Seite wird sich Conte in den Allerwertesten beißen, dass er noch knapp vor Abpfiff der Verlängerung Stürmer Zaza für Verteidiger Chiellini einwechselte, im Glauben, besagter Zaza würde seinen Elfmeter ohne Probleme verwandeln. Tja. Zaza schoss den Ball in den dritten Rang. Hätte er getroffen, es gäbe jetzt ein italienisches Sommermärchen.

Das Spiel hat jedenfalls gezeigt, dass der amtierende Weltmeister keine unbesiegbare Ballbesitz-Maschine ist, die ihre in Ehrfurcht erstarrten Gegner zu Tode kombiniert – vor allem dann nicht, wenn Trainer Löw seinen Spielern ein neues taktisches Kleid aufzwingt. Apropos. Erinnert es nicht an (einen verzweifelten) Marcel Koller, der im letzten Spiel gegen Island ebenfalls mit der 3-5-2-Formation das Unmögliche möglich machen wollte? Theoretisch hätte es den Deutschen wie den Österreichern ergehen können, wäre Italien – wie auch immer – in Führung gegangen. Aber der Erfolg gibt einem Trainer im Nachhinein natürlich immer recht – weil am Ende niemand weiß, ob die Deutschen jetzt wegen oder trotz dieser Umstellung ins Halbfinale eingezogen sind. Unbestreitbar ist jedoch der Umstand, dass Trainer Löw verunsichert wirkte und dass diese Verunsicherung auch auf die Spieler übergegangen sein dürfte – der Nimbus der spielerischen Unbesiegbarkeit verpuffte jedenfalls im Nervenkrimi von Bordeaux.

EM 2016: Viertelfinale 2 – WAL : BEL

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Gedanken zum Viertelfinale 2 der Europameisterschaft in Frankreich 2016

WALES : BELGIEN 3:1

Die erste Überraschung. Wer hätte das gedacht? Die Waliser waren gut gegen die sonst so offensiv starken Belgier eingestellt, gaben ihnen wenige freie Räume und waren im Angriff selbst immer brandgefährlich. Die belgische Verunsicherung war schon in den ersten Minuten zu bemerken – ein Grund dafür ist in den Abwehrspielern zu suchen, die allesamt jung und unerfahren waren – Trainer Wilmots musste vier Innenverteidiger vorgeben. Ärmstes Schwein war wohl Linksverteidiger Jordan Lukaku (jüngere Brüder des Stürmers Romelu), der sich nach rund zwanzig Minuten mit Gareth Bale auseinanderzusetzen hatte und bald nicht mehr wusste, wie ihm geschieht. Obwohl anfänglich alles für Belgien lief – da funktionierte das Offensivräderwerk noch wie geschmiert. Bereits nach 13 Minuten hämmerte Radja Nainggolan den Ball ins Netz. Sehenswert. Doch dieser Führungstreffer änderte nichts an der Tatsache, dass die belgische Hintermannschaft überfordert war und die Offensivspieler nur wenig zur Entlastung beitrugen. Die Waliser verstanden es, die Wege von Hazard und De Bruyne einzuschränken – überhaupt waren sie defensiv wohlgeordnet und ließen in späterer Folge nicht allzu viele Torchancen zu. Aus der gesicherten Abwehr leiteten sie ihre Angriffe ein, nutzen die Schwächen in der belgischen Verteidigung aus und schlugen bei einem Eckball eiskalt zu. Kopfball. Ausgleich. Damit drehte sich das Spiel. Die walisische Hintermannschaft wurde noch sicherer, noch abgebrühter, während die Vorderleute immer wieder gefährlich in die Spitze gingen. Der Führungstreffer von Robson-Kanu zeigt, wie leicht es ein Stürmer mit unerfahrenen Verteidigern hat – eine Körperdrehung im Strafraum reichte, um drei Belgier dumm aussehen zu lassen – darunter der eingewechselte Fellaini, baumlanger Mittelfeldherumtreiber bei Manchester United.

Die Stärke der Waliser ist einerseits in ihrer Defensivleistung zu sehen, andererseits in ihrer effizienten Torausbeute und dem Quäntchen Glück. Das erinnert bereits an die griechische Europameistermannschaft von 2004, deren Taktik man recht simpel auf den Punkt bringen kann: hinten den Laden dicht machen und vorne mit Standardsituationen das Spiel entscheiden. Dass den Belgiern ein Elfmeter sowie eine mögliche Gelb-Rote Karte für Verteidiger Davies vorenthalten wurde, sollte man fairerweise nicht unter den Teppich kehren. Aber am Ende hat sich dann doch die Mannschaft aus Wales gegen elf Einzelspieler aus Belgien durchgesetzt. Spricht das nicht für den Fußball?

Im Halbfinale bekommen es die Waliser mit Portugal zu tun, das mit Pepe einen der besten Abwehrspieler dieser EM stellt. Ich gehe davon aus, dass er sich nicht so leicht austanzen lässt. Ich erwarte mir ein 120-minütiges Rasenschach. Beide Mannschaften werden demnach versuchen, die Räume eng zu machen und das gegnerische Offensivspiel bereits im Mittelfeld zu zerstören. Auch ein früher Gegentreffer dürfte an dieser Ausrichtung nichts ändern, da beide Trainer wissen, dass man einen Bale, einen Ronaldo nicht von der Leine lassen darf, möchte man nicht in den Allerwertesten gebissen werden. Und eines ist klar: Wer ins Finale einziehen möchte, muss nicht unbedingt nach 120 Minuten gewonnen haben. Siehe Argentinien bei der WM 1990, das sowohl im Viertel- als auch im Halbfinale ins Elfmeterschießen ging und glücklich ins Finale einzog. Ach ja, Irland hat es mit keinem einzigen Sieg nach 90 Minuten geschafft, sogar bis ins Viertelfinale vorzudringen. Soll also keiner die sieglosen Portugiesen schelten.