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14. Juli 2011 und ein Tag für DIASPORA* ganz allein

Diaspora Asteriks 180 PixelAm 14. Juli 1789 stürmte eine aufgebrachte Pariser Menschenmenge das Staatsgefängnis der Bastille. Eigentlich waren sie auf der Suche nach Schießpulver, um ihre erbeuteten Gewehre damit zu laden. Immerhin standen vor den Toren Paris ausländische Söldnertruppen des Königs, die vermutlich nur darauf warteten, die Stadt und ihre Bewohner auf den Kopf zu stellen. Und so wurde an diesem heißen Sommertag Geschichte geschrieben. Die erstürmte Bastille wurde abgerissen, die revolutionären Ideen vorangetrieben.

Heute, 222 Jahre später, habe ich mir gedacht, würde es vielleicht im Sinne der Revolutionäre sein, sich auf einem Web-Platz zu versammeln, das virtuelle Palais Royal, wenn man so will. Diesbezüglich eignet sich das Soziale Netzwerk DIASPORA* natürlich sehr gut – mein erster Aufruf ist hier nachzulesen. DIASPORA* ist nämlich kommerziell (noch) von keinem Konzern vereinnahmt und hat eine dezentrale Architektur. Damit soll ausgeschlossen sein, dass ein einzelner Dienstleister die Daten aller Benutzer in der Hand hält – so wie es ja im Moment bei facebook und Google+ und allen anderen sozialen Netzwerken der Fall ist. Aber wie bei allen guten Ideen, die eine bestehende kommerzielle Einnahmequelle in Frage stellen, bleibt das Momentum aus. Weil es nicht von Geld befeuert wird. Man könnte sich ja fragen, warum Google mit seinem neuen Sozialen Netzwerk in den ersten Tagen mehr mediale Aufmerksamkeit bekommen hat als DIASPORA* in einem Jahr. Die Funktionalität ist in beiden Netzwerken ähnlich – nur der Hype ist ein anderer und Qualität, aber vor allem Quantität machen nun mal ein soziales Netzwerk aus. Punkt.

Deshalb ist es wichtig, hin und wieder einem elitären Establishment zu zeigen, dass es am Ende darauf ankommt, was der User, der Bürger tut. Gäbe es morgen keine Facebook-Nutzer mehr, es wäre die teuerste Software der Menschheitsgeschichte, die floppte – der gegenwärtige Marktwert beläuft sich auf etwa 50 Milliarden US-Dollar. Und wie man bei myspace und studiVZ sieht, kann plötzlich eine große Völkerwanderung einsetzen, von einem Netzwerk zum anderen. Nichts ist im Web2.0 in Stein gemeißelt.

Natürlich wird der heutige Tag nicht mal ein Tropfen auf dem heißen Stein sein. Es ist ein niedlicher Versuch, dem Underdog DIASPORA* Mut zuzusprechen. Vielleicht auch sich selber. Immerhin heißt es doch, dass wir Menschen alles erreichen können, wenn wir nur fest daran glauben, oder? Und ich werde mir sagen können, später einmal, naja, ich habe versucht, in meinem Umfeld die Leute aufzurütteln. Tja. Aber niemand lässt sich gerne aus einem hübschen bunten Tagtraum wachrütteln. Kein Wunder also, wenn so mancher ungehalten reagiert. Wie dem auch sei, bringen wir den 14. Juli 2011 auf Spur.

Wer also auf DIASPORA* hineinschnuppern möchte, aber noch keine Einladung hat, einfach hier einen Kommentar einstellen und ich schicke einen Invite aus. Oder, noch besser, in seinem sozialen Netzwerk nach einer Einladung fragen. Ich bin sicher, es gibt viele Leutchen da draußen, die sich freuen würden, Einladungen zu verschicken. Und wer sich ein neues soziales Netzwerk nicht antun möchte, nun, der kann wenigstens so freundlich sein, DIASPORA* kurz zu erwähnen. Damit es nicht in Vergessenheit gerät. Und vielleicht, in naher Zukunft wird es doch noch mal so richtig befeuert. Vielleicht, weil Zuckerberg seinen Nickname in Napoleon ändert und das Wort Waterloo aus facebook verbannt wissen will, vielleicht weil Googles Machenschaften mit dem US-Militär aufgedeckt werden. Alles möglich. Nichts unmöglich.

Wir sehen uns im
Palais DIASPORA*

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Die Schattenseiten der Social Media Revolution!

Man könnte sagen, ich bin von Anfang an dabei gewesen. Als die ersten Blog-Portale entstanden. Als die ersten großen Communitys im Netz entstanden. Ich war dabei. Weil es mir ein Bedürfnis war und ist. Die Stärke des (Mai)Zwillings, so habe ich erst vor Kurzem gehört, läge in der Kommunikation, das Medium sei dabei nur Mittel zum Zweck. Yep. So seh ich das auch. Jedenfalls, wenn man sich heute im Social Media Pool tummelt, bemerkt man seltsame dunkle Flecken, die sich rasch ausbreiten können. Von der (geschützten) virtuellen Welt in die reale. Einfach so.

Wir können nicht nicht kommunizieren hat einmal ein kluger Kopf gesagt. Mit anderen Worten, alles was du sagst, tust oder unterlässt, definiert dich, besser: dein Gegenüber definiert dich. Darin liegt die Wurzel aller Problematik. Was weiß denn der andere von deiner Welt, was weißt du von seiner Welt? Und wenn wir nicht Zeit und Muße haben, etwaige Unstimmigkeiten bzw. Missverständnisse im Vorfeld aus dem Weg zu räumen, wird unsere Kommunikation darunter leiden und später dann wir Menschen. So ist das.

Jeder Mensch hat seinen wunden Punkt. Vielleicht sogar mehrere. Manch einer kennt sie selber nicht. Ein anderer lebt damit. Und dann, dann klickt einer auf deinen wunden Punkt. In der (virtuellen) Öffentlichkeit, im sozialen Netz. Es ist, als würde man dir einen Gemüts-Cocktail aus Enttäuschung, Wut, Frust, Niedergeschlagenheit und noch ein paar mehr Ingredienzen reichen. Du kippst ihn runter. In einem Zuge. Was bleibt übrig? Eben. Gewiss, es wurde und wird alles nicht so ernst gemeint. Und der „Content“ im Netz ist flüchtig (und doch kannst du die ältesten Gespräche ausgraben, wenn du das möchtest). Weil der virtuelle Inhalt per se keine Wichtigkeit hat. Nur für jenen, der seinen wunden Punkt getroffen sieht, rumort es für eine längere Zeit in Kopf und Magen.

Freund A. hat mir erzählt, dass er seine virtuelle Bekanntschaft X. getroffen hat. Ein nettes, unverfängliches Geplauder. Vielleicht hat er übertrieben und das eine oder andere Posting auf ihrem Profil zu schwärmerisch fabuliert, Fakt ist jedenfalls, dass sich Y., der Ehemann von X., eingemengt hat. Dumm gelaufen, wenn Eifersucht die virtuelle Party stört. Ich habe darüber länger nachgedacht. Vielleicht verhält sich Social Media tatsächlich analog einer Party.

Okay. Zuerst braucht es Gäste für die Party. Je weniger, desto shit (sieh dir nur die Konkurrenten zum Zuckerberg-Buch an, die allesamt nicht mithalten können, wenn es um die Anzahl der Party-Gäste geht). Und je hipper die Leute, desto Wow! Keiner will auf ne Party mit grauen Mäusen, richtig? Eben! Also wirft jeder seinen grauen Anzug in die (reale) Ecke und stülpt sich ein schrilles Kostüm über. Es ist wie im Karneval. Vieles ist erlaubt. Eine kleine Übertreibung hier, eine kleine Weglassung dort. Was soll’s? Ist ja sowieso nicht wirklich. Yeah. Und weil es ja ne tolle Party ist , geht es auch um das andere Geschlecht. Stark. Schwach. Dazwischen. Jeder ruft in den Profil-Wald. Es wird geflirtet, provoziert, geneckt. Alles im grünen Bereich, freilich. Die Party ist ja noch jung. Man ist fröhlich, ausgelassen. Die Nacht (und der Gedanke an den grauen Anzug, der in der Ecke liegt) ist noch nicht über einen hereingebrochen. Zukunft? Nicht jetzt. Man will sich gehen lassen. Ein wenig. Ein wenig mehr. Weil es gar so schön ist. Tja. Aber jeder, der schon mal auf Partys war, der bemerkt diesen Bruch. Wenn plötzlich die einen oder anderen Gäste abhauen oder sich verdrücken und plötzlich stehst du da mit nem Typen, der dich volle Kanne bequatscht und ein anderer übergibt sich vor deinen Füßen und wieder ein anderer folgt dir auf Schritt und Tritt und kommentiert amüsiert schadenfreudig deine Fettnäpfchen. Die Party hat ihre Leichtigkeit verloren. Du würdest den einen Kerl am liebsten durchschütteln und den anderen wegzaubern. Ja, und dann merkst du, wie sich manche der Partygäste öfters umsehen, wie sie öfters die Plätze und ihre Drinks wechseln. Man könnte beinahe zur Überzeugung kommen, sie würden etwas sehnsüchtig suchen.