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Der Kasperl und eine Visitenkarte im Web: about.me

Ich lese gerade The Tipping Point von Malcolm Gladwell – eine leichtfüßig geschriebene Einführung über den kleinen Unterschied, der Großes bewirken kann. Oft fragt man sich ja, wie Hypes entstehen und warum gerade dieses Buch zig Millionen Mal verkauft wird und ein anderes, genauso gut oder schlecht geschriebenes, leer ausgeht. Der Buch-Tipp kam übrigens von der wunderbaren @sturbi, die in der Marketingabteilung eines großen Unternehmens zu Hause ist. Zwar bin ich erst bei der Hälfte des Buches, aber ein paar wesentliche Facts kann ich schon mal loswerden:

Vorschulkinder widmen dann der TV-Kindersendung ihre ganze Aufmerksamkeit, wenn sie das Gesehene verstehen und in einen Kontext setzen können. Wiederholungen sind nicht ermüdend oder langweilig, so lange es immer wieder etwas zu entdecken gibt. Wenn man die Kinder direkt anspricht, werden sie aktiv und wollen z. B. ein Rätsel eher lösen, als wenn man sie nicht direkt anspricht. Ist das Gesehene am Bildschirm wirr, also nicht verständlich und kompliziert, dann beschäftigen sie sich mit anderem. So lange, bis sie wieder den Faden am TV-Schirm finden und aufnehmen. Diese Ergebnisse stammen aus US-Studien in den 1970ern und 1980ern für Sesam Street und Blue’s Clues. Vermutlich hätte es gereicht, wenn sie sich einmal das Kasperl-Theater in Wien angesehen hätten. Da sind genau diese Voraussetzungen hinlänglich verstanden und umgesetzt worden. Oder mit anderen Worten: »Seid ihr alle daaa?«

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Kinder und Internet-User sind nicht sonderlich verschieden, wenn es um Aufmerksamkeit geht. Das sollte man immer im Hinterkopf behalten. Gestern durch Zufall auf die Seite about.me geklickt. Huh. Das Konzept hat mich sofort angesprochen. Hurtig ein Profil erstellt und, voilà, fertig ist die virtuelle Visitenkarte, die so aussieht:

Was ist also so neu an dem Konzept? Nun, jeder about.me-Teilnehmer hat genau eine Bildschirmseite zur Verfügung. Auf dieser kann er ein Bild hochladen. Das ist schon mal die erste herausragende Sache. Weil ein Bild immer mehr als 1000 Worte sagt. Immer. Gerade – und noch mehr – im Web. Durch die Billionen von Webseiten ist jeder Nutzer bestrebt, die kürzest notwendige Zeit auf einer Seite zu verbringen, um herauszufinden, ob sie einen gefällt, ob sie einen weiterbringt, ob sie Informationen bereithält, die man wissen möchte. Lange Texte, komplizierte Strukturen und ein unübersichtlicher Haufen an Fotos oder Illustrationen machen das Unterfangen, den Besucher nicht zu verschrecken oder zu langweilen oder zu überfordern ziemlich aussichtslos. Der Internet-Benutzer mag zwar erfahren sein, aber er will so wenig Gehirnschmalz wie nur möglich in eine verkorkste Seite investieren – es sei denn, er hat gute, sehr gute Gründe dafür.

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Ich habe mir schon vor Jahren den Kopf über ein grundlegendes Problem gemacht, das ich bis heute nicht wirklich lösen konnte. Die Unterscheidung zwischen einem Besucher, der mich kennt (virtuell oder persönlich tut nichts zur Sache) und meine Webseite schon einmal besucht hat. Für diese Besucher gelten ganz andere Regeln, als für jene, die mich nicht kennen, aber etwas über mich in Erfahrung bringen möchten. Kommen sie auf meine Webseite oder auf meinen Blog, dann müssen sie sich durch die Masse an Bilder und Links und Text manövrieren. Gewiss, die Regel lautet natürlich: keep it easy und vermutlich gibt es schlaue Köpfe da draußen, die schon Bücher geschrieben und Vorträge gehalten haben, aber im Großen und Ganzen gibt es (für mich) keine befriedigende Lösung, weil es mir vor allem um Content, um den Inhalt geht.

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Mit der Zeit entstanden aber die Sozialen Netzwerke. Jeder, der seine Zeit in einem dieser verbringt, fühlt sich – mehr oder weniger – dort zu Hause. Er weiß, wie Profile aussehen, wie sie gelesen werden müssen und wo die Informationen stehen, die ihn interessieren. Es ist, als würde man in seinem Heimatort zurückkehren. Gewiss, auch dort gibt es unbekannte Flecken, aber man weiß sich zurechtzufinden. In fremden Gegenden braucht es eine Weile, bis man den Plan intus hat. Das kostet Zeit. Und davon haben wir nicht viel. Wirklich. Deshalb braucht es einen Info-Point. Diese about.me – Seite scheint den richtigen Ansatz gefunden zu haben.

Foto »Aha. So siehst du also aus.«
Name »Wie heißt du?«
Sub-Titel »Was machst du?«
Text »Und sonst?«
Links zu den sozialen Netzwerken »Wo bist du so zu Hause?«
Links zu verschiedenen Webseiten »Und wo noch?«

Durch diese wenigen Informationen kann man sich ein erstes Bild machen. Besteht weiterhin Interesse an der Person, dann klickt man sich in jene sozialen Netzwerke, die man gut kennt, wo man sich zu Hause fühlt und klickt sich durch das Profil und wird – im besten Falle – Kontakt aufnehmen. Geht man einen Level höher, wird man sich die persönliche Webseite angucken, die – wie zuvor gesagt – schon Zeit und Energie braucht, um sie zu entschlüsseln.

Es macht also durchaus Sinn, dass die about.me-Betreiber für jeden Teilnehmer physische Visitenkarte drucken lassen. Umsonst. Nur die Versandkosten müssen bezahlt werden. Sagt jedenfalls die Seite. Gut. Weiters gilt jetzt natürlich anzumerken, dass about.me nicht die ersten waren, die eine virtuelle Visitenkarte im Angebot hatten. Aber ihr Konzept ist simpler und eingängiger. Das ist es, was heutzutage im Web zählt. Man sehe sich nur die Erfolgsgeschichten der Webriesen an. Sie haben per se nichts Neues erfunden. Sie haben zumeist nur Bestehendes genommen und rigoros verbessert, in dem sie die Schwächen erkannt und eliminiert oder verringert haben. Und jetzt suche ich den Tintifax und sperre ihn in eine Kiste. Wollt ihr mir dabei helfen?

eine Visitenkarte – damals und heute

Gerade eben die neue Visitenkarte zum Druck befördert. Lange ist es her, als ich mir eine bastelte. In den Anfängen der Online-Druckerei-Anbieter. Das war im Mai 2005, also fast genau sechs Jahre her. Seltsam. Mir kommt vor, als würde die Karte aus dem tiefsten Mittelalter der digitalen Webwelt kommen. Jedenfalls fühlt es sich so an, wenn man einen Blick auf die Visitenkarte macht. Gewiss, ich hatte eine gute Idee: weniger ist mehr – mit einem mysteriösen Eyecatcher (Münze) und einem Farbklecks. Nun, die Ausführung überzeugt dann doch nicht. Ja, ich war auch nicht sonderlich begeistert, als ich das Endergebnis in Händen hielt. Das Papier zu weich, zu glänzend, die eingescannte Münzschraffur, naja, viel zu klein, viel zu nebulös. Aber der Farbdruck war schon allerhand. Man beachte das rote »K.« Huh.

Heute sieht die Sache schon ganz anders aus. Wie man an der neuen Visitenkarte feststellen kann, hat sich in der Zwischenzeit einiges getan. Gut, ich habe nun ein besseres Design-Gespür als damals. Aber die technische Infrastruktur – InDesign, Photoshop – sowie die Möglichkeit, aus einer Vielzahl an Schriftarten auszuwählen, macht die Sache natürlich leichter. Und wenn man auch noch Ausschnitte aus seinen Buchcovers draufpacken kann – mit den Illustrationen von Kheira Linder – naja, was soll da noch Großartiges schief gehen? Eben.

Aber weil man als Nicht-Grafiker und Konzept-Quereinsteiger immer die Neigung hat, das eine oder andere auszuprobieren, tut es gut, wenn man sich erfahrenen und professionellen Beistand holt. In meinem Fall war das ein süßes Vögelchen oder, mit bürgerlichen Namen, die liebe Sandra Vogel und ihr piepmatz Designstudio. Sandra hat mich auf den Boden der Bodenständigkeit zurückholte. Generell gilt: weniger ist bekanntlich mehr. Zu aufdringlich, zu verspielt, zu bunt, nun ja, das tut der Sache zu meist nicht sonderlich gut. Ja, ja. Sie war es auch, die mich bekräftigte, die »erotische Rückseite« zu wählen, weil sie ein »Blickfang« wäre. Gut, gut. Das wollte ich noch gesagt haben, damit mir keine mit der »Ihr Männer seid doch alle gleich«-Phrase daherkommt.

So! Dann warten wir mal ab, was von der Druckerei zurück kommt.