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WM2014: Tag #5

Der fünfte Spieltag zeigte Deutschland in (kurzfristiger) Spiellaune und Portugal mit bösen Aussetzern. Den US-Boys reichten zwei Aktionen zum glücklichen Sieg gegen Ghana. Iran und Nigeria sollen auch bei der WM sein, Fußball spielen hat man sie nicht gesehen.

 

Deutschland : Portugal  4 : 0

Die gesicherte Abwehr ist in Deutschland angekommen! Trainer Löw stellte gleich mal 4 Innenverteidiger und drei defensive Mittelfeldakteure gegen die Portugiesen auf. Scheinbar heißt es nun auch bei den sonst so offensiv ausgerichteten Deutschen, dass man aus einer gesicherten Abwehr heraus Spiele vielleicht nicht gewinnt, aber mit großer Wahrscheinlichkeit auch nicht verliert. Hatte Löw Angst vor der eigenen Courage? Oder war es nur die Ronaldo-Panikattacke vor dem Anpfiff? Vergessen wir nicht, dass Tags zuvor sein argentinisches Pendant der Welt zeigte, dass auch ein gelangweilter Superstar mit einer Aktion ein Spiel mir-nichts-dir-nichts entscheiden kann. Wie dem auch sei, die germanische Defensivtaktik zeigte gleich zu Beginn Wirkung und die Portugiesen sollten bis zum Ende gar nicht erst ins Spiel kommen. Freilich, das Spielglück war auf Seiten der Deutschen – zuerst wurde ihnen ein Elfmeter zugesprochen, 25 Minuten später auch noch Innenverteidiger Pepe ausgeschlossen, weil er Thomas Müller seinen Frust ins Gesicht schrie oder so ähnlich  (da stand es bereits 2 : 0; beim zweiten Tor, man muss es sagen, sah Pepe gar nicht gut aus). Dumm gelaufen, Portugal. Damit wurde die Sache zu einem deutschen Schaulaufen und Müller zeigte – wie bereits vor vier Jahren – warum er Tore wie am Fließband produziert: einfach dort stehen, wo es der gegnerischen Mannschaft weh tut. Aua.

Nach den drei Toren in der ersten Halbzeit war die zweite nur noch zum Gähnen. Die Portugiesen – demotiviert, beleidigt, verzweifelt – wollten nicht mehr und agierten nur noch trotzig auf die Stehfußballer-Angriffe der Deutschen. Wie stark das deutsche Nationalteam ist, lässt sich deshalb nicht sagen, da es ihnen zu einfach gemacht wurde. Auch die zwei nächsten Partien – gegen  die Klinsmann-USA und das Boateng-Ghana – sollten keine große Hürde für die Löw-Truppe darstellen, sind es doch Mannschaften, die mit Physis und Laufbereitschaft punkten, aber in Sachen Taktik und Spielqualität nichts mitzureden haben. Die Germanen können somit nur durch ihre eigene Nachlässigkeit, ausgelöst durch Überheblichkeit oder zu euphorischer Weltmeisterträumereien, auf die Schnauze fallen, sozusagen. Unwahrscheinlich, gewiss, aber ich wollte es nur gesagt haben. Somit steht einem Halbfinale Italien : Deutschland nichts mehr im Wege. Belgien? Ach ja, die könnten noch ein Wörtchen mitreden.

 

Iran : Nigeria  0 : 0

Eine Nullnummer ist eine Nullnummer ist eine Nullnummer. Die schwächste Partie der WM, wie der Kommentator des ZDF immer wieder betonte, war es m.E. nicht. Weil sich die beiden Mannschaften redlich bemühten und es ernst meinten. Ja, sie können es nun mal nicht besser. Aber man verteufle mir die Iraner bitteschön nicht. Sie agierten defensiv und zurückhaltend, gewiss, und trotzdem hätten sie beinahe ein Tor erzielt. Argentinien und Bosnien werden gegen den Iran wohl ein Geduldsspiel ertragen müssen. Geschenkt wird einem bei der WM kein Sieg. Und Nigeria? Ein Schatten ihrer selbst. Da zeigten die anderen zentralafrikanischen Mannschaften Kamerun, Ghana und – vor allem – die Elfenbeinküste einfach mehr. Man wird sehen, ob sie sich gegen Bosnien und Argentinien ihrer erfolgreichen Ahnen erinnern werden. Zu wünschen wäre es ihnen (und dem Zuschauer).

 

Ghana : USA  1 : 2

Amerikanische Tugend. Afrikanisches Los. Die US-Boys starteten fulminant und erwischten Ghana eiskalt. Dempsey netzte in der 1. Minute zur Führung ein. Es sollten 81 Minuten vergehen, bis Ghana der verdiente Ausgleich gelang. Ein Unentschieden, ja, es wäre gerecht gewesen – und hätte die Gruppe spannend gemacht. Doch fünf Minuten später waren es wieder die Amis, die aus dem Nichts zuschlugen und wohl alle Träume der Afrikaner begruben. Tragisch, tragisch. Trotz des Sieges überzeugte die Klinsmann/Herzog-Truppe in spielerischer Hinsicht keineswegs. Fighten und Laufen und Dagegenhalten, ja, das können sie, die Amis, aber sonst? Gegen Portugal wird sich zeigen, welche Qualitäten die US-Boys noch so im Gepäck haben. Mit einem Sieg wären sie im Achtelfinale und könnten dort auf – trara – Russland treffen. Hui. Weltpolitik meets Fußball. Es könnte natürlich auch ganz anders kommen. Im Fußball ist bekanntlich alles möglich. Einzig, wenn es um das deutsche Nationalteam geht, dann ist deren Aufstieg ins Achtelfinale so sicher wie das Amen im Gebet. Halleluja.

WM2014: Tag #4

Der vierte Spieltag barg keine Überraschungen. Frankreich und Argentinien, genauso wie die GoalControl zeigten, dass sie ordnungsgemäß funktionierten. Einzig die Schweiz zitterte sich zu einem Sieg in letzter Sekunde. Nicht verdient, aber bei einer WM zählt nun mal nur das Ergebnis. Take it or leave it.

 

Schweiz : Ecuador  2 : 1

Das Glück ist ein Vögli! Meine Güte, was müssen die Eidgenossen auch in der letzten Sekunde der Spielzeit noch den Siegestreffer erzielen. Weil sich Ecuador gut verkauft hat, weil sie sich einen Punkt verdient hätten, so aufopfernd, so lauffreudig, wie sie sich präsentiert haben. Und sah es nicht sogar lange Zeit so aus, als würden die Schweizer noch gar nicht in Brasilien angekommen sein? Viele Abspielfehler, viel Nervosität, viel Unsicherheit. Ecuador, ganz im Gegenteil, witterte die Chance und presste gegen das schweizer Tor. Die logische Folge war der Führungstreffer – der aber dem Spiel der Südamerikaner gar nicht so gut getan haben dürfte, schalteten sie einen Gang zurück und lauerten primär auf Konter. So verging die erste Halbzeit, ohne dass die Schweiz unter Druck geriet und sich so mental aufrichten konnte. Die logische Folge – obwohl im Fußball ja bekanntlich nichts logisch ist – war der Ausgleich, knapp nach Beginn der zweiten Halbzeit. Nun waren es die Schweizer, die das Spiel in den Griff bekamen und den Gegner, der sich immer weiter zurückzog, dominierten. Spielerisch und kämpferisch war Ecuador natürlich noch immer präsent, zeigten die Spieler gute Aktionen, aber das Momentum ging lange Zeit auf die Schweizer über, die sich viele Chancen erarbeiteten. Doch gegen Ende des Spiels schlich sich bei den Eidgenossen wieder die Unsicherheit ein – nicht wissend, ob man noch einmal alles riskieren oder mit dem Unentschieden zufrieden sein sollte. Ecuador setzte nach, erkämpfte sich wieder Chancen (was die Schweizer wohl noch nervöser machte) und das Spiel stand auf Messers Schneide. Und dann, bereits in der Nachspielzeit, ein Konter von Ecuador … und um Haaresbreite wäre der Siegestreffer für die Südamerikaner gefallen; tja, dumm gelaufen, weil im Gegenzug (und der letzten Aktion im Spiel), man will es gar nicht erst glauben, die Schweizer den Ball ins gegnerische Tor beförderten. Schlapperlot. Sollten sich die Eidgenossen gegen Honduras keine Blöße erlauben, sind sie im Achtelfinale. So einfach kann es gehen.

 

Frankreich : Honduras  3 : 0

Die GoalControl funktioniert! Vive la France! Oh lala, wer hätte gedacht, dass die Franzosen so fulminant in eine WM starten würden. Zugegeben, die ersten zehn Minuten musste man das Schlimmste für die Deschamps-Mannen fürchten, da spielte Honduras frech und fröhlich nach vorne und ließ die Équipe Tricolore ziemlich alt aussehen. Aber nach zehn Minuten war die Hackordnung wieder hergestellt und die Franzosen legten einen Gang zu. Im Besonderen hat mir der kleine Valbuena gefallen, der auf der rechten Angriffsseite ordentlich wirbelte. Respect! Aber so ganz abschütteln konnten die Franzosen ihre (vermutlich in der Muttermilch aufgesogene) Undiszipliniertheit nicht – kurz gingen die Wogen hoch, als Paul Pogba, bereits am Boden liegend, nach seinem Gegenspieler trat. Der Schiedsrichter hätte hier durchaus die rote Karte zeigen können. Und wer weiß, was dann geschehen wäre. Nein, nicht das Honduras wirklich eine Chance gehabt hätte (sie mussten ihrerseits ab der 43. Minute einen Mann vorgeben), vielmehr hätte das fragile Gefüge der Franzosen ordentlich gelitten. Es wird sich im Laufe der WM zeigen, ob Trainer Deschamps, mehr Republikaner als Despot, seine multinationale Truppe im Griff haben wird. Falls ja, dann können sie weit kommen. Honduras? Ambitioniert. Ob sie, wie vor vier Jahren, den Schweizern ein Unentschieden abringen können, hm, bezweifle ich. Aber im Fußball soll ja bekanntlich alles möglich sein. Ach ja, die Torlinientechnologie, von mir ein wenig belächelt, hat in diesem Spiel gezeigt, dass sie funktioniert und in einer strittigen Situation richtig zu entscheiden weiß. Freilich, wäre das reguläre Tor nicht gegeben worden, es hätte in diesem Spiel keinen Unterschied gemacht – die Franzosen dominierten so und so. Aber gut zu wissen, dass die Technik auf der Seite der Gerechtigkeit ist. Oui, oui.

 

Argentinien : Bosnien-Herzegowina 2 : 1

Messi? Messi! Auch das zweite kakanische Team, neben Kroatien, nicht gerade vom Glück verfolgt. Ist es ein habsburgischer Fluch, der auf ihnen lastet? Nach wenigen Minuten prallt der Ball von einem Bosnier ins eigene Tor. Dumm, so ein frühes Eigentor. Noch dazu gegen Argentinien und Superstar Messi – der über weite Strecken recht lustlos wirkte, aber dann und wann seinen Turbo zündete und – äh, ja, die logische Schlussfolgerung – ein Tor erzielte. Der Anschlusstreffer, fünf Minuten vor dem Ende, ließ einen Hauch von Spannung aufkommen, aber irgendwie hatte man das Gefühl, dass die Bosnier nicht wirklich wollten (oder konnten?). Wie dem auch sei, die Vorstellung des kakanischen Teams hat mir gefallen – mehr Kollektiv, denn Einzelspieler, spielten sie in der ersten Hälfte gut mit, ließ sich Argentinien von ihnen zu sehr in die Defensive drängen. Mit dieser Leistung sollten die Bosnier ohne Probleme die Gruppenphase (gegen Iran und Nigeria) überstehen und im Achtelfinale (höchstwahrscheinlich) auf die Franzosen treffen. Die Argentinier werden es wohl mit der Schweiz zu tun bekommen. Wirklich überzeugt haben mich die Südamerikaner nicht. Ihr Prunkstück ist natürlich die Offensive und falls diese – gut geölt – funktioniert, zerlegen sie mit Sicherheit jede Mannschaft. Doch die Defensivabteilung – und da vor allem  Torhüter Romero, der nur zweite Wahl beim AS Monaco ist – mag das Zünglein an der Waage sein. Die Bosnier zeigten, wie man gegen Argentinien ein Tor macht und mit Pressing die Spiellaune der Stars vermiest. Aber wehe, du gibst einem Messi, einem Aguero, einem DiMaria oder einem Higuain zu viel Platz, dann heißt es: bitte anschnallen, Zug fährt ab. In den nächsten beiden Spielen werden sich die Argentinier natürlich noch mehr einspielen, noch mehr zeigen, was sie können. Erst wenn sie es im Viertelfinale mit Frankreich zu tun bekommen, wird man sehen, wie stark die argentinische Mannschaft wirklich ist.

WM2104: Tag #2

Der 2. Spieltag hatte es wahrlich in sich. Die Schiedsrichterleistung, naja, ließ zu wünschen übrig – dafür funktionierte die Torlinientechnologie ausgezeichnet. Nicht, dass man sie gebraucht hätte. Also, die Mexikaner bezwangen im strömenden Regen den 1. FC Etoo. Die Spanier – so mächtig und unbezwingbar wie seinerzeit die (dank des Goldes aus den Americas) Armada – gingen mit Mann und Maus unter. Und die Chilenen wären beinahe über ein Känguru(h) gestolpert. HoppeldiePoppel.

 

Mexiko : Kamerun  1 : 0

Tor! Kein Tor! Tor! Kein Tor! Seltsam, wie oft der Ball aus dem Tor geholt wurde und es trotzdem nicht zählte. Abseitstor hüben wie drüben. Die Ironie des zweiten Spieltags: Während also der Schiedsrichter ein reguläres Tor der Mexikaner aberkannte, weil er ein Foul im Strafraum gesehen haben wollte (Stichwort: Tumult), erkannte ein anderer Schiedsrichter im zweiten Spiel das Tor an, obwohl der spanische Tormann Casillas recht unsanft bedrängt (lies: angesprungen) wurde. Verkehrte Welt, sozusagen. Zurück zu Mexiko und Kamerun. Anfänglich musste man ja befürchten, dass Kamerun von den quirligen Mexikanern an die (Stadion)Wand gespielt werden würde. Aber mit der Zeit ließen die einen nach, kamen die anderen auf. Und hätte Ex-Superüberdrüber-Stürmerstar Etoo den Ball ins und nicht neben das Tor geschossen, wer weiß, wie das Spiel ausgegangen wäre. Zugegeben, die Afrikaner wirkten (mental) müde, beinahe möchte man sagen: lustlos. Die Mexikaner hingegen sprühten vor Lust und Laune, man merkte, sie wollten gewinnen – und waren auch davon überzeugt. Zu überzeugt, für mein Dafürhalten. Vielleicht sogar schon überheblich. Und wenn wir eines wissen, im Fußball, dann ist es, dass Überheblichkeit bestraft wird. Bitter bestraft. Aber am Ende blieben die Mexikaner Sieger und die Kameruner Verlierer. Den Afrikanern hätte mehr Siegeswille jedenfalls nicht geschadet. Aber vielleicht spielen sie ja dann am besten, wenn es um nichts mehr geht. Mexikos nächster Gegner heißt, oha, Brasilien. Entweder wird es ein maues Geplänkel, weil sich keiner der beiden Teams aus der Verteidigung locken will, oder es geht von Beginn an heiß her. Und (emotional) hitzige Spiele will ich sehen. Unbedingt!

 

Spanien : Niederlande  1 : 5

Bin ich im falschen Film? Huh! Die Wettquoten für einen 5:1-Sieg Hollands müssen astronomisch gewesen sein – und sollte jemand ernsthaft viel Geld auf dieses Ergebnis gesetzt haben, er wäre noch vor Spielbeginn zu einem (psychologischen) Gespräch geladen worden („Sehen Sie vielleicht auch einen großen weißen Hasen?“). Dabei hat alles wie gehabt begonnen. Die Niederländer ließen den Spaniern von der ersten Minute an wissen, dass man härter zu spielen gedenke. Die Spanier ließen den Niederländer wiederum wissen, dass sie das Spiel zu gewinnen gedenken. Einfach, weil sie Europameister und Weltmeister und Europameister sind und die spanischen Klubs Europa dominieren und weil sie, der wichtigste Grund, Spanier sind. Aber die Vorherrschaft Barcelonas (und damit des spanischen Nationalteams) ist – dem Fußballgott sei’s gedankt – seit letzter Saison vorbei. Das Tikitakitakitiki – sich so lange den Ball in den eigenen Reihen zuspielen, bis die gegnerische Mannschaft (und der Zuseher) schwindlig oder frustriert oder verärgert oder alles zusammen ist – kommt hoffentlich aus der Mode. Der Leser dürfte bereits bemerkt haben, dass ich Spaniens Fußballvorherrschaft nicht sonderlich goutier(t)e – jedenfalls dann, wenn es um Barcelona ging/geht. Real Madrid und Athletico Madrid sind da ganz andere Kaliber und spielen Fußball, so wie ich ihn seit meiner Kindheit kenne.

Zurück zum Spiel. Alles, wie bereits erwähnt, alles lief wie gehabt. Sogar das Elfmetergeschenk für die Spanier passte da perfekt ins Bild. Spiel und Chose waren für die Holländer gelaufen. Dachte man. Dachte ich. Aber die Spanier, in ihrer Überheblichkeit, machten den Sack nicht zu, sondern gerieten auf die schiefe Bahn. Der Ausgleichstreffer von van Persie, also, das war ein Tor, wo man mit der Zunge schnalzen musste. Ja, so einen perfekten Flughechtkopfball sieht man selten (die Kopflandung, in Zeitlupe wiederholt, steht mir noch immer vor Augen). Der Treffer rüttelte die einen wach, die anderen in den Schlaf. So scheint es. Spanien in der zweiten Halbzeit unkonzentriert, nervös, angezählt. Die Holländer? Im Spielrausch. Nach jedem Treffer steigerte sich ihre Spielwut. Beinahe war es niederländische Raserei, was sie da trieben. Denn einen amtierenden Weltmeister so vorzuführen, so zu demütigen, das zeigt eindeutig, dass sie die Niederlage im WM-Finale von 2010 nicht akzeptierten (derweil hätten sie erst gar nicht ins Finale kommen dürfen; damals hätte ich es liebend gerne gesehen, hätte man den Kung-Fu-Holländern eine Abreibung verpasst). Es sah so aus, als würden Robben und Snejder und van Persie auf ihr, bereits am Boden liegenden und somit wehrlosen Opfer, noch hintreten. Und hintreten. Und hintreten. Gut möglich, dass sie den Willen der Spanier brechen wollten. Gut möglich, dass es ihnen gelungen ist. Ob sich die Spanier von dieser Demütigung jemals wieder erholen werden können? Einzig der Weltmeistertitel würde sie von dieser Schmach – einigermaßen – befreien. Aber die „Jetzt-erst-recht“-Tugend ist Südländern – soweit ich weiß – nicht im Blut. Ein letztes Aufbäumen – für Volk und Vaterland – tja, das ist wohl eher eine nordische Stärke (oder Schwäche, je nach dem). Das nächste Spiel der Spanier geht gegen Chile. Ausgerechnet gegen siegreiche Chilenen, die liebend gerne Spanien nach Hause schicken würden wollen. Ich schätze, die Spanier brauchen ein Wunder. Aber wenn nicht im katholischen Spanien, wo dann?

Und die Holländer? Dürfen sie sich schon im Finale wähnen? Nun, ich frage mich, wer sie aufhalten soll. Im nächsten Spiel – gegen unterlegene Australier – können sie erneut ihre Klasse aufzeigen und damit den Aufstieg fixieren. So ist möglich, was im Vorhinein viele für eine (h)ausgemachte Katastrophe hielten: das Achtelfinalspiel Spanien : Brasilien. Aber was für eine Katastrophe, würde der Weltmeister bereits nach der Gruppenphase die Koffer packen müssen. Das kommt hin und wieder vor. Die Franzosen (2002) und die Italiener (2010) können darüber ein Lied singen. Träller.

 

Chile : Australien  3 : 1

Australischer Weckruf! Das mitternächtliche Spiel verfolgte ich im Halbschlaf. Hin und wieder schreckte ich hoch – vornehmlich, wenn die Australier ihre Chancen vernebelten. Wobei, sie hatten welche. Das hätte man ihnen anfänglich gar nicht zugetraut. Während Chile mit Mann und Maus stürmte – sozusagen die Richtung vorgab – waren die Australier bemüht, die wenige Ordnung, die sie noch hatten, nicht zu verlieren. Es erinnerte an das Spiel Mexiko : Kamerun – als die Afrikaner zu Beginn ordentlich wankten und sich dann doch wieder fingen. Überraschend der australische Anschlusstreffer zum 2:1. Ein Weckruf, nicht nur für mich, sondern vor allem für die Socceroos, die auf den Ausgleich drängten. Ein sicherlich mitreißendes Spiel, das ich mehr genossen hätte, wäre ich nicht so müde gewesen. Zugegeben, die Australier hätte ich stärker eingeschätzt. Gegen die Niederländer werden sie wohl kein Leiberl reißen – zu ähnlich sind sie von der Spielanlage her (es geht um Physis und Einsatz, nicht um Spielwitz). Gegen die Spanier könnten die Australier ein Unentschieden „ermauern“.  Mehr ist für sie nicht drin. Aber das wussten sie ohnehin. Und die Chilenen? Setzen vielleicht zu einem Höhenflug an. Vielleicht aber auch nur zu einer Bruchlandung. Die Vorstellung gegen die Australier war, nun ja, enttäuschend. Mit einer solch löchrigen, beinahe schon inexistenten Abwehr, werden sie es gegen offensiv- bzw. konterstarke Mannschaften schwer haben, zu bestehen. Schade, schade. Weil Fußball heutzutage primär von einer „gesicherten Abwehr“ dominiert wird. Es gilt die Devise, dass man kein Gegentor erhält und wenigstens eines schießt. Ach, was wäre, würde die Devise lauten, dass man immer um ein Tor mehr als der Gegner schießt? Vielleicht ist das die Grundidee der Chilenen. Falls dem so wäre, verdienten sie sich den Titel. Auf der Stelle!

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So! Jetzt muss ich Siesta halten. Das letzte Spiel beginnt heute, Samstag, 14.06., am Sonntag, 15.06, um 3 Uhr früh. Gääähn.

WM2014: Tag #1

Die WM 2014 in Brasilien hat also endlich begonnen. Schauen wir mal, was sie – neben der neuen Torlinientechnologie – bringen wird. Anmerken möchte ich an dieser Stelle, dass ich noch nicht auf Temperatur bin, in Bezug auf das WM-Fieber. Vielleicht hat es damit zu tun, dass mir die „Brot-und-Spiele“-Thematik der sportlichen Großereignisse genauso wie die Korruption der Funktionäre und Verbände zu sehr im Hinterkopf herumspukt. Kurz und gut: Ich habe die rote Pille geschluckt.

Brasilien : Kroatien  3 : 1

Das kroatische Pearl Harbor! Ich schreiben diesen Beitrag nach dem zweiten Spieltag, somit kann ich bereits auf drei weitere Spiele zurück- bzw. vorgreifen. So war die Fehlentscheidung des japanischen Schiedsrichters – lieber einen (unberechtigten) Elfmeter mehr für die Brasilianer pfeifen als einen zu wenig – nicht die Ausnahme, sondern wohl eher die Regel. Gut möglich, dass es im Zusammenhang mit dem Vollmond zu sehen ist – und fiel der zweite Spieltag nicht auf einen Freitag, den 13.?

Wie dem auch sei. Das kakanische Team Kroatien gebührt Applaus und Respekt. Vor allem deshalb, weil sie sich nicht aufgaben, weil sie zu kämpfen und spielen wussten. Gegen den Hausherren. Gegen Brasilien. Als Österreicher ist man es gewohnt, dass es am Ende heißt: gut gespielt, trotzdem verloren (vermutlich das heimliche Credo der Habsburgmonarchie). Kroatien hätte sich einen Punkt verdient. Da ihre Niederlage durch widrige (Schiedsrichter-)Umstände herbeigeführt wurde, dürften sie für das nächste Spiel – gegen Kamerun – bestens motiviert sein. Sehr gut. Und das Team von Brasilien, hm, ja, was ist über den (vermeintlichen) Favoriten zu sagen? Sie überzeugten nicht. Zu nervös. Zu unsicher. Zu verhalten. Zu glücklich. Gewiss, das erste Spiel darf  nicht als Maßstab gelten, muss doch der Erwartungsdruck schwer auf den Schultern von Naymar & Co gelegen haben. Warten wir mit unserer Einschätzung auf das zweite Spiel, das sie gegen siegreiche Mexikaner zu bestreiten haben. Bemerkenswert, dass einer der Brasilianer bereits nach 85 Minuten mit einem Krampf darniederlag. Kein gutes Zeichen. Nicht am ersten Spieltag. Kondition und Konzentration sind das Um und Auf in einem Turnier. Schlag nach bei Deutschland, die wissen bekanntlich wie’s geht. Am Montag, 16.06., werden wir uns davon überzeugen dürfen.