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Die Presse und die alternativen Medien: Hasch mich, in bin ein Lügner

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Ich beschäftige mich nun seit rund fünf Jahren mit der Wahrheit. Besser gesagt, ich versuche die falsche Spreu vom wahren Weizen zu trennen. Manchmal ist es einfach, manchmal ist es schwierig und dann wieder, dann ist es schier unmöglich, aber eines steht fest: Nichts, aber auch gar nichts, ist so, wie es überliefert oder berichtet wurde und wird. Auf der anderen Seite bewahrheitet sich dann das Paradoxon: Je mehr du weißt, desto weniger weißt du.

Sehen Sie, der gewöhnliche Mensch hat ein tief sitzendes Verlangen nach Informationen und Neuigkeiten, ja, er möchte wissen, was um ihn herum geschieht. Diese neu gewonnenen Informationsbruchstücke setzt er nun in einen Kontext zu seinem angehäuften Wissen und Erfahrungsschatz. Er beginnt, jede Nachricht mit seinem gegenwärtig bestehenden Weltbild abzugleichen und in eine der vielen Schubladen einzuordnen. Ja, der gewöhnliche Mensch ist einfach gestrickt – geht auch gar nicht anders, weil, früher einmal, also, sehr viel früher, Jäger und Sammler ihr Überleben in der Wildnis nicht durch philosophische Wertediskussionen erhöhen konnten. Das Gehirn unserer Vorfahren war nicht dazu da, zwischen Boulevard und Qualitätspresse zu unterscheiden, sondern um simple Schlüsse zu ziehen. Heutzutage ist es nicht anders. Falls Sie mir nicht glauben, dann empfehle ich einen nächtlichen Ausflug in die tiefste Wildnis. Das reinigt Körper und Geist, sozusagen.

Die Pressefreiheit, sagte einst der Mitherausgeber der FAZ Paul Sethe im Jahr 1965, ist die Freiheit von zweihundert reichen Leuten, ihre Meinung zu verbreiten. Daran hat sich nichts geändert. Der Staat – also Sie und ich und noch ein paar andere Bürger – scheint seltsamerweise kein Interesse daran zu haben, die Presse zu demokratisieren, ganz im Gegenteil. Da jedermann und jedefrau einen Blog (ohne finanziellen Aufwand) betreiben und Artikel schreiben kann, wird diese „Presse-Arbeit“ nicht als solche angesehen. Für das Verwaltungsgericht in Deutschland fallen nur Verlage unter das Presserecht, die ihre Neuigkeiten auf Papier drucken lassen. Weil, da könnte ja jeder kommen …

In letzter Zeit musste ich feststellen, dass man auch durch alternative Medien – seien diese Blogger, Webzines, News-Portale oder Foren – auf eine falsche Fährte geschickt werden kann. Das muss jetzt nicht mit Absicht geschehen, ist aber andererseits nicht auszuschließen. Generell habe ich für alternative Medien die folgende Prüfroutine in meinem Oberstübchen verankert:

Je populärer ein alternatives Medium ist, desto eher ist davon auszugehen, dass es (früher oder später) von den Sittenwächtern unterwandert wird und dass die Betreiber manipuliert, erpresst oder korrumpiert werden.

Je „unglaublicher“ der (rasche) Aufstieg eines alternativen Mediums (bzw. Medien-Stars) ist, desto wahrscheinlicher ist die Sache als „kontrollierte Opposition“ einzustufen (beispielsweise Wikileaks und Julian Assange – oder Edward Snowden und Glen Greenwald).

Ein alternatives Medium, das erfolgreich eine spezielle Nische besetzt, wird alles daransetzen, seine sensationshungrige Klientel zu befriedigen – Widersprüche werden ignoriert oder emotional diskreditiert.

Je populärer ein alternatives Forum ist, desto wahrscheinlicher werden Sittenwächter in Diskussionen störend eingreifen, um eine vernünftige Diskussion zu verhindern.

Je weiter lechts und rinks ein alternatives Medium steht, desto wahrscheinlicher ist diese als „kontrollierte Opposition“ einzustufen, um durchaus sinnvolle Fragestellungen zu diskreditieren.

Nur ein toter Whistleblower ist ein echter Whistleblower (beispielsweise Aaron Swartz oder Dr. David Kelly oder Garry Webb oder James Traficant oder Roberto Calvi).

Ein alternativer Blogger, der nicht anonym veröffentlicht, wird sich nur solcher Themen annehmen, die keine Gefahr für seine Existenz darstellen. Eventuell müssen für die Sittenwächter unliebsame Wahrheiten zwischen den Zeilen versteckt werden.

Ein alternativer Blogger, der anonym veröffentlicht, wird sich nur solcher Themen annehmen, die keine Gefahr für seine Existenz darstellen – da er sich niemals vor Entdeckung sicher sein kann.

Absolut niemand ist gegen Manipulation gefeit.

Jeder Mensch wehrt sich, sein bestehendes Weltbild hinterfragen bzw. auf den Kopf stellen zu müssen – auch und im Besonderen Journalisten und Wahrheitssucher.

[meine Übersetzung:] Beinahe unbewusst zeichnete er mit seinem Finger im Staub des Tisches: 2 + 2 = 5
„Sie können nicht in dein Innerstes dringen“, hatte sie gesagt.
Aber sie konnten in dein Innerstes dringen.

Almost unconsciously he traced with his finger in the dust on the table: 2+2=5
‚They can’t get inside you,‘ she had said.
But they could get inside you.

Nineteen Eighty-Four, George Orwell

Die dunkle Seite der Macht: Die CIA und der heimliche Weltkrieg

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Es gibt aufgeklärte Bürger, die meinen, es gäbe keine Verschwörungen, weil am Ende wenigstens einer der Beteiligten nicht dichthalten und somit aus dem Nähkästchen plaudern würde. Nein und Ja. Der springende Punkt ist, dass es immer wieder mal einen Insider gibt, der auf den Busch klopft und in die Posaune bläst, aber trotzdem kein Gehör [in den Medien] findet. Seltsam, finden Sie nicht auch? Für diesen Beitrag möchte ich auf einen gewissen John Stockwell aufmerksam machen, der in den 1970ern ein hochrangiger CIA-Agent war. Er verließ die Agency und legte über deren illegale Machenschaften Zeugnis ab.

In einem Vortrag im Jahr 1988 spricht er über den Umstand, dass die CIA seit ihrer Gründung im Jahr 1947 etwa 3000 größere und über 10.000 kleinere geheimdienstliche Operationen weltweit – vor allem in Ländern der Dritten Welt – durchgeführt hätten, die allesamt illegal und grausam bar jeder Vorstellungskraft waren [»bloody and gory beyond comprehension«]. Die Mittel, die von den Behörden in diesem Third Third World War eingesetzt wurden und werden, sind geheiligt, wenn man so will, ging und geht es doch darum, das »Böse« endgültig zu vernichten. In diesem Kreuzzug ist es erlaubt, Drogen zu verkaufen konfiszieren, Terroristen Freiheitskämpfer zu unterstützen, demokratisch gewählte Regierungen Regime zu stürzen, Whistleblower Verräter zu denunzieren, Schau/Hexen Gerichtsprozesse zu manipulieren, die Presse zu desinformieren und unschuldige Zivilisten zu foltern und zu töten. Waren die Ungläubigen damals die »moskautreuen Kommunisten«, so sind es heute die »muslimischen Terroristen«, die den Zorn Washingtons zu spüren bekommen. Business as usual, you know.

Falls Sie John Stockwell nicht glauben, dann vielleicht dem Schweizer Professor Daniele Ganser oder dem ehemaligen SPD-Politiker Andreas von Bülow. Die beiden klärten 2012 im 3Sat-Studio Moderator Gert Scobel und die Zuschauer über so manche echte Verschwörung auf. In der Mediathek von 3Sat kann man sich die Sendung mit dem sprechenden Titel Mythos Verschwörung noch angucken.

Nur eine Märchenstunde für die breite Masse

Bücherstapel im Juni 2013
in der Luft hängende Bücherstapelei

Die allseits bekannte Aktivistin Naomi Wolf schreibt in ihrem facebook-Blog über gewisse Aspekte im Snowden-Fall, die einer genaueren Untersuchung bedürfen. Wolf bemerkt Ungereimtheiten und vergleicht Snowden mit Julien Assange und Daniel Ellsberg, die zwei sicherlich bekanntesten Whistleblower dieses Erdballs. Sie stellt die hypothetische Frage, ob Snowden noch immer auf dem Gehaltszettel der NSA stehen könnte und primär nur ein gut inszeniertes Schauspiel abzieht. Wissen Sie, was ich glaube? Snowden ist genauso ‚echt‘ wie Assange und Ellsberg. Tja.

Der ehemalige Bezirksstaatsanwalt von New Orleans Jim Garrison erzählte einem Fernsehpublikum im Jahr 1967, was es mit Fakt und Fiktion tatsächlich auf sich hat – auch wenn er sich bei seiner Erklärung vor allem auf die Untersuchungsergebnisse und die Berichterstattung zum Attentat auf John F. Kennedy bezog, seine Gedanken sind absolut folgerichtig:

Märchen sind für Kinder nicht gefährlich und sind bis zu einem gewissen Punkt sogar gut für sie. In der realen Welt jedoch, in der Sie und ich leben müssen, sind Märchen gefährlich. Sie sind gefährlich, weil sie unwahr sind. Alles, was unwahr ist, ist gefährlich. Und es ist noch gefährlicher, falls ein Märchen als Realität akzeptiert wird, einfach deshalb, weil es ein offizielles Gütesiegel hat, oder weil ehrbare Männer verkünden, dass Sie es glauben müssen, oder weil mächtige Elemente der Presse Ihnen sagen, dass das Märchen wahr sei.

Ich bin der Meinung, dass es einen Lackmus-Test für Whistleblower gibt: Ist er am Leben und wandelt noch auf Gottes Erdboden und wurden seine Leaks im Mainstream breit ausgewalzt und erhielt er (oder sie) gut dotierte Buchverträge, dann dürfen Sie davon ausgehen, dass eine größere Geheimdienstorganisation die Finger im Spiel hat(te). Ist der Whistleblower hingegen mausetot – zumeist – so heißt es hinlänglich – ertrug er (oder sie) den öffentlichen Druck nicht und ‚erhängt oder erschießt sich deshalb aus dem Leben‘ (suicided, wie es in der konspirativen Fachsprache heißt), dann ist die Wahrscheinlichkeit m.E. sehr groß, dass wir es mit einem echten ‚Verräter‘ zu tun haben. Etwaige Ungereimtheiten des vermeintlichen Selbstmords, unglücklichen Autounfalls oder natürlichen Todes werden natürlich weder von der Polizei noch von den Medien genauer untersucht. Da kann es schon mal vorkommen, dass zwei unterschiedliche Abschiedsbriefe – freilich mit Schreibmaschine getippt – gefunden werden oder dass sich ein Linkshänder mit der rechten Hand erschießt oder dass der Tote den ‚Tatort‘ wechselt. Freilich, die Behörden können jede absonderliche Merkwürdigkeit wegerklären – und wenn diese Erklärungen auch noch so an den Haaren herbeigezogen scheint und wie ein verrücktes Märchen klingt, die ‚freie Presse‘ akzeptiert sie ohne Wenn-und-Aber (analog der Magic-Bullet-Theorie im JFK-Fall).

Es ist gerade diese Märchen-Problematik, die mich veranlasste eine schöpferische Pause gegenüber meinem Sachbuch Con$piracy einzulegen. Wie soll ich dem gewöhnlichen Leser verständlich machen, dass er in einem potemkinschen Dorf lebt, in dem er nur hört, liest und sieht, was eine Obrigkeit, die ‚gebildete Minderheit‘, für richtig und notwendig erachtet? Unsere Gesellschaft lebt in einer fiktiven Märchenwelt – besser gesagt in einem System, das sich eine Märchenwelt umgestülpt hat. Jeder, der versucht, diese Maskerade zu entlarven, läuft Gefahr, sich lächerlich zu machen. Analog einer Kindergeburtstagsfeier, auf der darüber diskutiert wird, ob es der Weihnachtsmann ist, der die Geschenke durchs geöffnete Fenster hereinbringt – oder doch das Christkind. Würde sich nun ein neunmalkluges Kind zu Wort melden und sagen, dass es weder Weihnachtsmann noch das Christkind sei, welches die Geschenke unter den Baum legte, die restlichen Kinder würden sofort wissen wollen, wer es denn sonst tun sollte. Darauf weiß das neunmalkluge Kind aber keine Antwort und zuckt nur beschämt mit der kleinen Schulter, worauf die anderen Kinder lauthals lachen.