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Ernährungsumstellung – ein Jahr danach

Ein Jahr ist es jetzt her, dass ich meine Ernährung umstellte und damit einen neuen Blick auf meine bisherigen Essgewohnheiten werfen konnte: Ich ernährte mich „ausgewogen“, vermied Fertigprodukte, aß wenig Fleisch und Fett, verzichtete auf Zuckerzugaben, kochte in meiner Freizeit immer wieder Pasta, und hatte Äpfel und vor allem Getreideprodukte im Schrank. Süßes war seit meiner Jugend Balsam auf der geknechteten Seele. Die Kaffeejause, am Vormittag und am Nachmittag – zumeist Weißmehlgebäck mit Butter und Marmelade/Honig – war Teil meines Alltagslebens geworden.

Als ich vor vielen Jahren aus Neugier eine Ernährungsberaterin aufsuchte und ihr eine Auflistung meines Speiseplans gab, versuchte sie mich von diesen süßen Extravaganzen abzubringen. Sie versuchte mich auf den richtigen Weg zu führen, aber Körper und Geist konnten/wollten auf die süßen Pausen nicht verzichten. Ich verband damit eine wohlige Entspannung und besänftigte nebenbei ein aufkommendes Hungergefühl. Man gönnt sich ja sonst nichts, sagte ich mir und biss genüsslich in die Marmeladesemmel. Nebenbei bemerkt, kommt es nur mir so vor oder werden die in den Filialen aufgebackenen Semmeln bereits nach wenigen Stunden zäh?

Heute ist mir klar, dass ich in einer Abhängigkeit steckte. Zucker, wie jeder wissen sollte, macht süchtig und die Einnahme befeuert die gleichen Gehirnregionen wie Kokain. Davon loszukommen wäre für mich ohne Ernährungsumstellung kaum möglich gewesen. Besteht die Nahrung hauptsächlich aus Kohlehydraten, bekommt der Körper nicht die nötigen Nährstoffe, die er benötigt. Zucker ist bekanntlich nur eine Kohlehydratform und unser Organismus unterscheidet nicht zwischen Würfelzucker und Semmel, für ihn sind beides Kohlehydrate.

Kurz und gut, im September 2018, also vor einem Jahr, gab es einen Heureka-Moment und ich begann mich mit der Ernährung im Detail zu beschäftigen. Schon bald stellte ich fest, dass auch bei diesem so grundlegenden Thema Vieles im Argen und Verborgenen liegt und die Gesellschaft genauso wie der Einzelne mit althergebrachten Theorien beeinflusst, vielleicht sogar manipuliert wird. Meine Reise in die Abgründe der „Ernährungswissenschaften“ habe ich in mehreren Blogbeiträgen festgehalten.

Der neueste Schrei ist die Nahrungsaufnahme mit dem Klimawandel in Verbindung zu bringen. Über diese angeblich von Menschen verursachte Klimaerwärmung gäbe es eine Menge zu sagen, aber nur so viel, dass die Beweislage nicht eindeutig ist und es eine Vielzahl von Wissenschaftler gibt, die sich getrauen, mit Fakten gegen den Strom zu schwimmen. Es kommt nicht von ungefähr, dass gerade der (von reichen Familien wie die Rockefellers gegründete) Thinktank Club of Rome bereits in den 1960er Jahren auf die Gefahren einer Überbevölkerung und deren Auswirkungen auf die Umwelt aufmerksam machte. Eine zukünftige Rohstoffknappheit **) wurde in den politischen Fokus gerückt.

Heutzutage werden bereits die Weichen für eine fleischlose Zukunft gestellt. Als Ersatz sieht Politik und Industrie biochemische Abfallprodukte vor, die billig in der Herstellung und (wichtig für den Einzelhandel) lange haltbar sind. Ähnlich verhielt und verhält es sich ja mit Margarine und dem „gesunden“ Pflanzenöl (eigentlich sind es ja die Kerne, die zu einer öligen Substanz gepresst und mit viel Chemie stabil gemacht werden). Nach dem man die Öle als Schmiermittel in den Fabriken eingesetzt hatte, wurden sie später als „gesunde“ Alternative zu herkömmlichen Fett angepriesen. Wer es genauer wissen möchte, den verweise ich auf die US-Journalistin Nina Teicholz, die in ihrem Buch The Big Fat Surprise: Why Butter, Meat and Cheese Belong in a Healthy Diet darüber erzählt. Auf youtube können Sie eine Reihe von Vorträgen und Interviews sehen.

Vor einem Jahr reduzierte ich also die Einnahme von Kohlehydraten (unser Körper würde auch ohne gut auskommen) und aß mehr (tierisches) Fett und Fleisch – wenn möglich – vom Bauernmarkt. Nach kurzer Zeit bemerkte ich, dass mein Heißhunger auf Süßes nicht mehr so stark ausgeprägt war wie zuvor. Auch konnte ich beim neuen Trend Intervallfasten ohne Probleme mitmachen. So gibt es Tage, in denen ich erst nach 16 Stunden oder später wieder zum Esstisch gehe. Gegenwärtig besteht mein Frühstück aus einem Espresso mit Schlagobers – früher einmal wäre das unvorstellbar gewesen, da ich bereits am Morgen mit knurrendem Magen aufgewacht bin und nach fester Nahrung gierte, obwohl ich am Vorabend ausreichend gegessen hatte.

Hin und wieder kommt es vor, dass ich nur eine Mahlzeit am Tag zu mir nehme. Es ist nicht so, dass ich darauf abziele, es geschieht einfach. Abends esse ich für gewöhnlich so gut wie nichts. Habe ich Rohmilch im Kühlschrank, wärme ich diese und gebe noch ein wenig Rohmilchbutter dazu. Im Winter kann es schon mal vorkommen, dass ein bisschen Honig hinzugefügt wird. Von pasteurisierter Milch halte ich nichts. Ob die im Handel erhältliche Rohmilch tatsächlich unbehandelt ist, habe ich noch nicht in Erfahrung bringen können.

Von den Carbs, also Kohlehydraten, loszukommen, ist ein langwieriger Prozess und es gibt noch immer Phasen, in denen ich Getreideprodukte nicht ausweichen kann bzw. will. Vor allem beim auswärtigen Essen tue ich mir manchmal schwer, das Richtige zu finden. Und manches Mal ist der gesellschaftliche Druck so hoch, dass ich versuche, am Esstisch mit meinen Extravaganzen nicht aufzufallen. Wer nämlich auf kohlehydrathältige Hauptspeisen oder Beilagen verzichtet, wird verdächtigt, einer schwachsinnigen Esoterik-Diät zu folgen, die nie und nimmer gesund sein kann.

Ein wunderbarer Nebeneffekt meiner Umstellung ist die Bereitschaft, selbst Hand an Pfannen und Töpfe zu legen. Mit dem Kochen hatte ich früher nichts am Hut. Es interessierte mich einfach nicht. Aber vor einem Jahr bemerkte ich, wie einfach das Ganze sein kann. Es ging nicht mehr um komplizierte Kochvorgänge, die viel Erfahrung benötigen, sondern in erster Linie darum, qualitativ hochwertige Nahrungsmittel zu bekommen. Ein gutes Stück Fleisch* oder Fisch in die Pfanne zu hauen ist keine Hexerei. Als „Beilage“ kommt alles auf den Tisch, was der Kühlschrank so hergibt: Eier, Käse, Joghurt, Gurken, Sauerkraut, Speck, Rohmilchbutter, usw. Danach der obligate Kaffee mit Schlagobers – hin und wieder, wenn der Himmel voller Wolken oder Geigen hängt, ein frisch gebackenes Acma (türkisches Hefe-Croissant) mit Butter, Schinken und Käse oder einen (im Meer gefangenen) geräucherten Lachs.

Ein Jahr habe ich nun mit dieser Form der Ernährung zugebracht und bin soweit zufrieden. Ist es der letzten Weisheit Schluss? Natürlich nicht. Unser Organismus ist so komplex, dass der Mensch wohl niemals alle biochemischen Mechanismen, die da am Werk sind, verstehen wird können. Was bleibt ist der Selbstversuch. Es gilt auszuprobieren, was dir gut tut und was nicht. Noch kannst du wählen. Als wähle – und lass dich nicht vom Gerede verrückt machen.

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*) Falls Sie der Meinung sind, (rotes) Fleisch sei schlecht für die Gesundheit, dann verweise ich auf das aktuelle wissenschaftliche Paper Should dietary guidelines recommend low red meat intake? von den Professoren Frédéric Leroy und Nathan Cofnas, publiziert im Magazin Critical Reviews in Food Science and Nutrition, vom 5.9.2019. Darin wird festgestellt, dass es in den verschiedenen Studien keine Beweise gibt, die belegen würden, dass (rotes) Fleisch die Lebenserwartung verringert. Des Weiteren kritisieren die Autoren Institutionen (beispielsweise WHO), die trotz einer unzureichenden Beweislage Diätrichtlinien vorschlagen, in denen Fleischverzicht empfohlen wird. Es scheint, für mich jedenfalls, als fußen diese Diätrichtlinien politischen bzw. industriellen Vorgaben.