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Flüchtlingswelle 2015. Analyse einer Analyse.

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So sieht also eine Analyse zum Thema Flüchtlingswelle 2015 im Mainstream aus. Nach Lektüre des Artikels im Sonntagskurier vom 3.9.2017 ist man freilich keinen Deut klüger. Im Gegenteil. Es ist geradezu bestürzend, wenn man sieht, dass sich Autor und Redaktion gar nicht erst bemüht haben, Widersprüche in ihrem Narrativ aufzulösen. Scheinbar gehen diese klugen Leute davon aus, dass ihre Leserschaft gar nicht mehr in der Lage ist, selbstständig zu denken oder wenigstens den Hausverstand, der tagtäglich von Werbeslogans überschüttet wird, zu aktivieren. Ja, vermutlich leben diese Medienmacher auf Wolke 7 und lachen sich am Abend, an der Theke ihrer Stammkneipe, ins Fäustchen, die Leute von der Straße wieder für dumm verkauft zu haben. Gut, vielleicht tue ich den jungen Journalisten und alten Hasen in den Redaktionsräumen Unrecht und sie sind einfach nur einem gnadenlosen System ausgeliefert, das Befehlsverweigerung mit (beruflichem) Selbstmord bestraft. Faites vos jeux.

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Was steckt hinter Wikileaks Vault 7?

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Wikileaks verlautbarte, dass es unter dem Titel Vault 7 eine Reihe von vertraulichen CIA-Dokumenten veröffentlichen würde. Der erste Teil der Serie, genannt Year Zero, ist nun seit Dienstag, 7. März 2017, abrufbar: 8.761 Dokumente und Files, die aus einem isolierten Hochsicherheitsnetzwerk innerhalb der CIAs Center for Cyber Intelligence (Langley, Virgina) stammen, können eingesehen werden. Es wird wohl seine Zeit brauchen, bis all die Informationen ausgewertet werden können. Jeder ist eingeladen, sich an der Schnitzeljagd zu beteiligen.

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Wenn Fake News zum kometenhaften Bumerang wird

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Im Moment geht es ja in den mit Gewinnabsicht geführten Medienkonzernen drunter und drüber. Vor allem in den USA, aber generell ist der meltdown, der Niedergang der Presse, in den westlichen Ländern zu bemerken. Deren Glaubwürdigkeit ist seit dem überraschenden Wahlsieg von Donald Trump im Keller. Und dort versteckt man bekanntermaßen die Leichen bzw. Falschnachrichten.

Die gut und weniger gut bezahlten Presseleute versuchen zu retten, was noch zu retten ist. Vor allem in Europa sind die Mainstream-Lichter noch lange nicht ausgegangen. Dort werden die elitären Qualitätsmedien Washington Post und New York Times oder die über alle Zweifel erhabene britische Rundfunkanstalt BBC auf ein Podest gehoben und angebetet. Falschnachrichten aka fake news gibt es bei diesen Säulen der vierten Gewalt nicht. Wer das hingegen in Zweifel zieht, macht sich verdächtig. Im Moment ist es gerade hip, zu behaupten, dass es die russische Regierung geschafft haben soll, über Umwege des weltweiten Netzes und mit brachialer Propaganda die US-Wahl zu Gunsten von Donald Trump manipuliert zu haben. Ach? Wie hat das die Kreml-Mannschaft gemacht? In einem Artikel der Die Presse, der sich wiederum auf die von amazon.com-Gründer Jeff Bezos gekaufte  Washington Post bezieht, seien »vertrauliche E-Mails aus der Parteizentrale der Demokraten sowie aus dem Mailkonto von Clintons Wahlkampfmanager John Podesta ans Licht« geholt worden.

Warum, müsste man sich jetzt fragen, haben diese Leaks überhaupt zur Niederlage von Hillary Clinton beigetragen? Hätte die Clinton-Wahlkampftruppe und Hillary selbst eine weiße Weste, die geleakten E-Mails hätten ihr nicht schaden können. Bis heute hat übrigens niemand die Authentizität der ans Licht gebrachten E-Mails in Frage gestellt. Es erinnert frappant an jene dunkle Episode, in der die Ehefrau (oder Ehemann) von einem guten Freund über die Seitensprünge des Partners aufgeklärt wird. Wenn der Fremd gehende Ehepartner zur Rede gestellt wird, weist er mit dem Finger erbost auf den guten Freund und bezichtigt ihn, etwas im Schilde zu führen. Kommt es schließlich zur Scheidung, glaubt sich der betrügende Ehepartner betrogen und gibt die alleinige Schuld dem hinterlistigen Freund, weil der ihn verraten hätte. Sie sehen, im zwischenmenschlichen Bereich würden wir klar und deutlich sehen, was hier gespielt wird. In der Politik hingegen, da wird uns von den Medien oftmals ein X für ein U vorgemacht. Insider Craig Murray weiß davon ein Lied zu singen.

Bezüglich #PizzaTürUndTor schlagen die erbosten Wellen medial hoch. Sowohl von der einen als auch von der anderen Seite. Man kann gut erkennen, wie die einen alles, die anderen nichts sehen. Wie so oft liegt die Wahrheit dazwischen. Falls Sie ein wenig Starthilfe in dieses Verbrechensgenre benötigen, empfehle ich Ihnen die TV-Doku Conspiracy of Silence. Gucken Sie sich das an, so lange es noch erlaubt ist.

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Unnützes Wissen 2.0: »Die unterlegene Präsidentschaftskandidatin [Hillary Clinton] bezeichnet Falschmeldungen im Internet als Epidemie. Sie warnt mit drastischen Worten: Menschenleben seien in Gefahr«, heißt es in einem Artikel der Wochenzeitung Die Zeit. Dem kann man freilich nur zustimmen. Wir erinnern uns an die Falschmeldung bezüglich Saddam Husseins Massenvernichtungswaffen im Irak. Der dadurch entstandene Krieg kostete Millionen Menschen nicht nur die Existenz, sonder auch das Leben. Oder der Zwischenfall im Golf von Tonkin, der zwar niemals stattgefunden hat, aber trotzdem medial ausgeschlachtet wurde, um den Krieg in Vietnam vom Stapel zu lassen. Oder die Sache mit den kuwaitischen Babys, die von irakischen Soldaten aus den Inkubatoren gerissen und zu Boden geworfen wurden. Eine klassische Propaganda-Arbeit Washingtons, die den Weg für den ersten Irak-Krieg frei machte. Sie sehen, all diese Falschmeldungen (und noch viel, viel mehr), die der breiten Masse von gewählten Politikern und glaubwürdigen Medienhäuser als „Wahrheit“ bzw. „Tatsache“ verkauft wurden (und weiterhin werden), haben viele Menschenleben in Gefahr gebracht. Ich denke, das wollte uns Hillary Clinton zwischen den Zeilen sagen. Meinen Sie nicht auch?

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Unnützes Wissen 2.0: In der im Sommer 1995 ausgestrahlten Folge 6 (Staffel 12) von The Simpsons werden die Machenschaften einer Geheimgesellschaft amüsant aufs Korn genommen. Wirklich spaßig. Besonders jene Stelle, als der Hohepriester seine offizielle Ansprache beendet und die Initiierten laut jubelnd rufen:

»Und jetzt gehen wir Ping Pong spielen!«

Die Presse und die alternativen Medien: Hasch mich, in bin ein Lügner

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Ich beschäftige mich nun seit rund fünf Jahren mit der Wahrheit. Besser gesagt, ich versuche die falsche Spreu vom wahren Weizen zu trennen. Manchmal ist es einfach, manchmal ist es schwierig und dann wieder, dann ist es schier unmöglich, aber eines steht fest: Nichts, aber auch gar nichts, ist so, wie es überliefert oder berichtet wurde und wird. Auf der anderen Seite bewahrheitet sich dann das Paradoxon: Je mehr du weißt, desto weniger weißt du.

Sehen Sie, der gewöhnliche Mensch hat ein tief sitzendes Verlangen nach Informationen und Neuigkeiten, ja, er möchte wissen, was um ihn herum geschieht. Diese neu gewonnenen Informationsbruchstücke setzt er nun in einen Kontext zu seinem angehäuften Wissen und Erfahrungsschatz. Er beginnt, jede Nachricht mit seinem gegenwärtig bestehenden Weltbild abzugleichen und in eine der vielen Schubladen einzuordnen. Ja, der gewöhnliche Mensch ist einfach gestrickt – geht auch gar nicht anders, weil, früher einmal, also, sehr viel früher, Jäger und Sammler ihr Überleben in der Wildnis nicht durch philosophische Wertediskussionen erhöhen konnten. Das Gehirn unserer Vorfahren war nicht dazu da, zwischen Boulevard und Qualitätspresse zu unterscheiden, sondern um simple Schlüsse zu ziehen. Heutzutage ist es nicht anders. Falls Sie mir nicht glauben, dann empfehle ich einen nächtlichen Ausflug in die tiefste Wildnis. Das reinigt Körper und Geist, sozusagen.

Die Pressefreiheit, sagte einst der Mitherausgeber der FAZ Paul Sethe im Jahr 1965, ist die Freiheit von zweihundert reichen Leuten, ihre Meinung zu verbreiten. Daran hat sich nichts geändert. Der Staat – also Sie und ich und noch ein paar andere Bürger – scheint seltsamerweise kein Interesse daran zu haben, die Presse zu demokratisieren, ganz im Gegenteil. Da jedermann und jedefrau einen Blog (ohne finanziellen Aufwand) betreiben und Artikel schreiben kann, wird diese „Presse-Arbeit“ nicht als solche angesehen. Für das Verwaltungsgericht in Deutschland fallen nur Verlage unter das Presserecht, die ihre Neuigkeiten auf Papier drucken lassen. Weil, da könnte ja jeder kommen …

In letzter Zeit musste ich feststellen, dass man auch durch alternative Medien – seien diese Blogger, Webzines, News-Portale oder Foren – auf eine falsche Fährte geschickt werden kann. Das muss jetzt nicht mit Absicht geschehen, ist aber andererseits nicht auszuschließen. Generell habe ich für alternative Medien die folgende Prüfroutine in meinem Oberstübchen verankert:

Je populärer ein alternatives Medium ist, desto eher ist davon auszugehen, dass es (früher oder später) von den Sittenwächtern unterwandert wird und dass die Betreiber manipuliert, erpresst oder korrumpiert werden.

Je „unglaublicher“ der (rasche) Aufstieg eines alternativen Mediums (bzw. Medien-Stars) ist, desto wahrscheinlicher ist die Sache als „kontrollierte Opposition“ einzustufen (beispielsweise Wikileaks und Julian Assange – oder Edward Snowden und Glen Greenwald).

Ein alternatives Medium, das erfolgreich eine spezielle Nische besetzt, wird alles daransetzen, seine sensationshungrige Klientel zu befriedigen – Widersprüche werden ignoriert oder emotional diskreditiert.

Je populärer ein alternatives Forum ist, desto wahrscheinlicher werden Sittenwächter in Diskussionen störend eingreifen, um eine vernünftige Diskussion zu verhindern.

Je weiter lechts und rinks ein alternatives Medium steht, desto wahrscheinlicher ist diese als „kontrollierte Opposition“ einzustufen, um durchaus sinnvolle Fragestellungen zu diskreditieren.

Nur ein toter Whistleblower ist ein echter Whistleblower (beispielsweise Aaron Swartz oder Dr. David Kelly oder Garry Webb oder James Traficant oder Roberto Calvi).

Ein alternativer Blogger, der nicht anonym veröffentlicht, wird sich nur solcher Themen annehmen, die keine Gefahr für seine Existenz darstellen. Eventuell müssen für die Sittenwächter unliebsame Wahrheiten zwischen den Zeilen versteckt werden.

Ein alternativer Blogger, der anonym veröffentlicht, wird sich nur solcher Themen annehmen, die keine Gefahr für seine Existenz darstellen – da er sich niemals vor Entdeckung sicher sein kann.

Absolut niemand ist gegen Manipulation gefeit.

Jeder Mensch wehrt sich, sein bestehendes Weltbild hinterfragen bzw. auf den Kopf stellen zu müssen – auch und im Besonderen Journalisten und Wahrheitssucher.

[meine Übersetzung:] Beinahe unbewusst zeichnete er mit seinem Finger im Staub des Tisches: 2 + 2 = 5
„Sie können nicht in dein Innerstes dringen“, hatte sie gesagt.
Aber sie konnten in dein Innerstes dringen.

Almost unconsciously he traced with his finger in the dust on the table: 2+2=5
‚They can’t get inside you,‘ she had said.
But they could get inside you.

Nineteen Eighty-Four, George Orwell

Nachhilfe für Herrn Chefredaktör B.

Occupy? Ach ja …

Am Samstag war es, als ich eine österreichische – zwischen Boulevard- und Qualitätsblatt pendelnde – Tageszeitung durchblätterte und aus dem Staunen nicht mehr herauskam. Der geneigte Leser sollte wissen, dass ich eigentlich seit geraumer Zeit keinerlei Printmedium mehr durchsehe, um mich zu informieren. Höchstens zum Gaudium oder zum Geschocktwerden [Nervenkitzel 2.0], und hie und da zum Einpacken zerbrechlicher Dinge, aber, wie gesagt, sicherlich nicht, um mir die kleine und große Welt erklären zu lassen. Zurück zur Zeitung. Ich las die Kolumne eines recht seriös dreinblickenden Schreiberlings, der, wie ich auf der Wiki-Seite feststellen konnte, der, pardon, Chefredaktör des Blattes ist. Es ging darin um Reformen in Italien und dass es besser sei, jetzt in den sauren Apfel zu beißen als später. Nebenbei erwähnt er den Umstand, dass im Internet [Vorsicht, unseriös!] Ministerpräsident Monti »als ehemaliger Berater von Goldman Sachs gerne vernadert« [steht das Wort überhaupt im Duden?] wird, »als ob diese Bank Italien an den Abgrund geführt hätte«. Also gut, man muss scheinbar als Chefredakteur keine ausländischen Zeitungen lesen oder TV-Sender gucken, freilich nicht, es reicht, aus dem Fenster zu starren und sich einen Reim aus der gegenwärtigen Lage zu machen. Was einem da alles so einfällt, ist allerhand, net?

Die Bank Goldman Sachs hat mehr Leichen im Keller als die Tageszeitung Journalisten im Verlagsgebäude [gut, zugegeben, in solch schwierigen Zeiten kann sich kaum noch eine Zeitung gute Journalisten leisten]. Als Einstieg empfiehlt sich eine Mainstream-Doku, die auf ARTE ausgestrahlt wurde und auf deren Webseite leider nicht mehr gesehen werden kann. Aber wer sich im [unseriösen!] Internet mit einer bekannten Suchmaschine auskennt, der könnte zufällig auf den Film Goldman Sachs – Eine Bank lenkt die Welt stoßen. Aus dem Programmhinweis kann man entnehmen:

Seit fünf Jahren steht die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs für sämtliche Exzesse und Entgleisungen der Finanzspekulation. Die Bank soll gegen die europäische Einheitswährung spekuliert und die griechische Staatsschuldenbilanz mit Hilfe komplexer und undurchsichtiger Währungsgeschäfte geschönt haben. Als die europäischen Regierungen nacheinander dem Zorn der Wähler zum Opfer fielen, nutzte Goldman Sachs die Gunst der Stunde, um ihr komplexes Einflussgeflecht auf den alten Kontinent auszuweiten.

Falls diese kleine TV-Lektion vielleicht zu unseriös erscheint, dem kann natürlich geholfen werden, Englischkenntnisse vorausgesetzt. In der britischen Tageszeitung The Independent kann man die Eroberungsfeldzüge der, pardon, Banksters sehr gut nachvollziehen. Immerhin getraut sich die Zeitung klar und deutlich zu sagen, dass die Installierung von Monti undemokratisch war, da hilft es jetzt auch nichts, noch schnell den guten alten Berlusconi zu verknacken [steht das Wort im Duden?]. Solche Gedankengänge sind vermutlich für einen österreichischen Zeitungsmacher nicht opportun, der Schatten der Hapspurgers liegt wie eine Betondecke über dem Land und dem Geist. Also, hier der Artikel im wohlfeilen Englisch:  What price the new democracy? Goldman Sachs conquers Europe:

It is not just Mr Monti. The European Central Bank, another crucial player in the sovereign debt drama, is under ex-Goldman management, and the investment bank’s alumni hold sway in the corridors of power in almost every European nation, as they have done in the US throughout the financial crisis. Until Wednesday, the International Monetary Fund’s European division was also run by a Goldman man, Antonio Borges, who just resigned for personal reasons. Even before the upheaval in Italy, there was no sign of Goldman Sachs living down its nickname as „the Vampire Squid“, and now that its tentacles reach to the top of the eurozone, sceptical voices are raising questions over its influence.

Der freundliche Nickname, der Goldman Sachs verpasst wurde, nämlich Vampire Squid, ist ein Vampirtintenfisch und laut Wiki in seiner wörtlichen [lateinischen] Übersetzung Vampirtintenfisch aus der Hölle. Also, um ehrlich zu sein, den guten Monti hier nicht, pardon, zu vernadern, wäre für einen aufgeklärten Bürger beinahe grob fahrlässig. Aber gut, mein Blog ist Internet, wenn man so will und damit komme ich gegen die mit Druckerschwärze veredelten Gedanken natürlich nicht an. Apropos. Auf Seite 1 besagter Zeitung gibt es eine kleine Kolumne, die scheinbar eine Gitarre verfasst hat. Die Gedankengänge sind einerseits richtig [immer mehr Arbeitslose, immer weniger Jobs], andererseits wird am Ende nur mit der Schulter gezuckt, frei nach dem Motto: »Was geht’s mich an, net?« Eigentlich dachte ich ja immer, dass die Zeitungsleut dafür bezahlt werden, nicht nur Fragen zu stellen, sondern auch die Antworten von den Politikern oder den Verantwortlichen einzufordern [bereits 1994 hat sich jemand im Forbes Magazine über die Zukunft des Jobs Gedanken gemacht und dessen Ende prophezeit]. Solche Kolumnen kann man sich deshalb  sparen und überhaupt, die ganze Zeitung, pardon, taugt leider sehr wenig. Schon alleine der Artikel auf Seite 7, der die New York Times [Qualitääät!] zitiert und dem chinesischen Premier ans Bein pinkeln möchte, weil er es wagt, Milliardär zu sein. Die gute New York Times sollte sich mal die Vermögen der US-Politiker genauer anschauen, da könnte einem auch so einiges auffallen. Zum Beispiel, dass der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg mit einem geschätzten Vermögen von 25 Milliarden Dollar den chinesischen Premier arm aussehen lässt. Dass besagter Bloomberg sich auch seine eigene Polizei hält, immerhin die siebentgrößte der Welt, wäre im Alten Rom ein hinreichender Grund gewesen, in die Verbannung (oder Tod, je nach dem) geschickt zu werden. Gegenwärtig jucken kaum jemanden solche martialischen Aussagen, da zeigen wir lieben nach China. Da haben wir zwar keine Ahnung, wie die Verhältnisse sind, aber damit können wir suptil [für: super subtil] ablenken, nicht? Und weil wir gerade beim Thema sind, kann ich den Artikel It’s the Inequality, Stupid nur jedem Schreiberling ans Herz legen. Da gibt es viele bunte Grafiken, die zeigen, wie reich die Superreichen sind und wie es dem Rest des, pardon, Pöbels – 99 % –  geht.

Überhaupt die, pardon, politischen Kleinanzeigen auf S. 7 sind ein klassisches Beispiel, wie Chomskys und Hermans Propaganda-Modell funktioniert. Man erfährt alles, was man als uninformierter Bürger wissen soll:

Afghanistan = Bürgerkrieg,
Iran = Unrechtsregime,
Islam = Mittelalter,
Wikileaks = Wichtig,
Russland = Putinregime.

Dass es auch immer zwei oder drei Seiten gibt, die man vielleicht als Qualitätszeitung beachten und erwähnen sollte, dürfte in der Journalistenschule scheinbar nicht mehr gelehrt werden. Wenn man also meint, dass nur der arabische Sender Al Jazeera keine nackten Brüste zulässt, dann sollten wir uns kurz daran erinnern, wie die Wogen in good ol‘ USA hochgingen, als in der Pause der 38. Superbowl-Liveübertragung ein gewisser Timberlake einer gewissen Jackson an die Wäsche ging und dabei eine ihrer Brustwarzen dem geschockten Live-Publikum entgegen-starrte. Nicht umsonst wurde die folgende Kontroverse als Nipplegate bezeichnet, wo es Beschwerden und Klagen und Reglementierungen regnete. Würde nun eine Aktivistin ihre Brüste live im US-TV präsentieren wollen, ich schätze, die Schockwelle, die es auslösen würde, wäre noch in der Kapuzinergruft zu spüren.

Zu den anderen Einträgen, also, dazu kann ich nur sagen, dass man sich kurz die Frage gestatten soll, welche Regierung welchen Landes die demokratisch gewählte Regierung in Afghanistan Ende der 1970er Jahre beiseite schob und das Land mit Terroranschlägen überzog. Die UdSSR war es jedenfalls nicht. Ob Putin zu den Guten oder Bösen gehört, kann ich nicht sagen, aber da die USA alles daransetzt, ihn loszuwerden, gehe ich von ersterem aus [aber auch das kann wiederum nur ein Indiz für eine Dobblecross-Aktion sein. Tja. Die hohe Politik ist nicht leicht zu durchschauen. Period!] Bleibt noch Wikileaks. Um ehrlich zu sein, ich halte Monsieur Assange genauso für ne Marionette wie sein Portal. Beweise gibt es dafür natürlich keine, Indizien aber genügend. Demnächst mehr in meinem neuen Buch. Period! [damit will ich nicht sagen, dass ich die Periode habe, sondern damit meine ich, dass man darauf Gift nehmen könne, dass es so ist. Ich habe mir das Wort von den coolen Amerikanern abgeschaut].