Schlagwort-Archive: wirtschaftssystem

Was Sie schon immer über das Geld und Griechenland wissen wollten

Die Pyramide hat man in Frankfurt auf die Spitze getrieben
Die Pyramide hat man in Frankfurt auf die Spitze getrieben

update: die Dokumentation Gier bietet gute Hintergrundinfos zum Thema Geld und kann auf Servus-TV angesehen werden: http://www.servustv.com/at/Medien/Servus-Reportage13

Ich versuche es Ihnen so schonend wie nur möglich beizubringen, dass alles, was Sie über das Geld und das Finanzsystem wissen, falsch ist. Natürlich werden Sie mir nicht glauben. Ich verstehe das. Niemand möchte sein (festgefahrenes) Glaubenssystem ins Wanken bringen. Es ist ein Fundament, auf dem all Ihre Überlegungen aufbauen. Nimmt man Ihnen dieses Fundament, tja, was dann?

Also, Fakt ist, dass im heutigen Finanzsystem Geld nur durch eine Schuldverstrickung in den Wirtschaftskreislauf gebracht werden kann. Wenn Sie also hören, dass die amerikanische oder europäische Zentralbank „Geld druckt“, dann heißt es nichts anderes, dass Kredite vergeben und Schulden gemacht werden. Mit anderen Worten, im gegenwärtigen Finanz- und Geldsystem können Schulden niemals zur Gänze zurückgezahlt werden. Würden von heute auf morgen alle Schulden zurückgezahlt (was nicht mal theoretisch möglich ist, da es die Zinseszinsfunktion gibt), würde es de facto kein Geld mehr im Wirtschaftskreislauf geben. Ergo: Das bestehende Finanz- und Geldsystem ist darauf angewiesen, dass der Einzelne wie die Gesamtheit Schulden über Schulden über Schulden über Schulden usw. macht.

Die finanzielle Malaise in Griechenland ist deshalb nichts Außergewöhnliches. Über kurz oder lang werden alle Institutionen und alle Staaten bankrott machen. Es ist demnach nicht die Frage, ob, sondern die Frage wann. Diese Tabelle zeigt das Verhältnis von Staatsschulden zum Bruttoinlandsprodukt (BIP). Japan und Irland und Portugal und Singapur und Belgien und die Niederlande, sie alle haben ein höheres Schulden/BIP-Verhältnis als Griechenland. Warum ist Griechenland trotzdem ins Kreuzfeuer der Politiker und Medien geraten? Darüber können wir nur spekulieren. Ich gehe davon aus, dass mit der „Akte Griechenland“ ein Präzedenzfall geschaffen werden soll – schließlich, wie wir nun wissen, wird ja ein Staatsbankrott dem anderen folgen. Die skrupellosen Geldwechsler (niemand kennt sie) versuchen alles, um die Schuldner zu zwingen, das Familiensilber zu veräußern. Natürlich zu einem „vernünftigen“ Preis. Am Ende, wenn alles, was Wert hat, dem Bankrotteur abgepresst worden ist, erlässt man ihm gnädigerweise die Schulden und es geht wieder von vorne los. Unser Geld- und Finanzsystem ist ein Perpetuum Mobile der Vermögensanhäufung. Freilich nur für jene elitäre Gruppe, die das System am Laufen hält und den Rest für Dumm verkauft.

Hin und wieder gibt es mutige Querdenker, die dieses legale Pyramidenspiel anprangern und öffentlich zur Diskussion stellen. Einer von diesen war ein gewisser Ezra Pound, der – wie kann es anders sein – nach allen Regeln der Kunst in den Schmutz gezogen und ins Gefängnis gesteckt wurde. Machen wir uns nichts vor, werte Leser, wenn wir am bestehenden Geld- und Finanzsystem nichts ändern, werden wir oder unsere Kinder oder deren Kinder auf die Galeeren geschickt. So sah es das römische Recht in der Antike vor: Wer seine Schulden nicht bezahlen konnte, wurde selbst zur Ware, die der Geldgeber veräußern konnte. Mit anderen Worten: Der Zahlungsunfähige wurde Sklave. Shit happens, ich weiß.

Was wir also die letzten Jahre und Jahrzehnte gesehen haben, ist nichts anderes als eine imposante Vermögensanhäufung skrupelloser Geldwechsler (niemand kennt sie). Aber es ist nicht nur die Vermögensanhäufung, nein, nein, es ist vielmehr das mindset, die Geisteshaltung, die Denkart, die uns und damit die ganze Welt ins Verderben stürzen wird. Die Mehrheit akzeptiert nicht nur dieses betrügerische Pyramidenspiel, eines Charles Ponzi mehr als würdig, sondern tut alles, um es aufrechtzuerhalten und durchzusetzen.

Okay, und was will ich damit sagen? Ich schätze, unsere einzige Überlebenschance besteht darin, dass wir eine Führerfigur erwählen, die den Tempel von all den Händlern und Geldwechslern säubert und sie mit einer Geißel aus Stricken davonjagt. Yep, ist noch nicht wirklich lange her, das letzte Mal.

Wie das System funktioniert: Wachau, die Bahn und eine Pumpe

In den beiden „Die Presse“-Artikel von Hermann Knoflacher (link), Professor emeritus am Institut für Verkehrsplanung und Verkehrstechnik der Technischen Universität Wien und Wilfried Posch (link), der bis 2008 Leiter der Lehrkanzel für Städtebau an der Universität für Gestaltung Linz. Mitglied des Österreichischen Nationalkomitees Icomos, geht es um die Einstellung der Wachaubahn und die Ersatzbedienung mit Autobussen. Die beiden Verfasser sprechen sich gegen die Einstellung der Bahn aus. Das ist gut so.

 

Wachau
Burg Dürnstein in der Wachau (Wikipedia)

Wenn man mich einmal fragen wird, wie es dazu kommen hat können, dass ein (Wirtschafts- und Gesellschafts-)System unsere kleine Welt auf den Kopf hat stellen können, dann ist die Antwort nicht leicht. Vielleicht hilft uns die Diskussion um die Wachaubahn, zu verstehen, wie das System funktioniert.

Die Bahn wurde vor Jahren vom Bund, also dem Staat Österreich, an das Land Niederösterreich „verkauft“ bzw. übergeben. Das Land Niederösterreich hat also den Rechenstift angesetzt und bemerkt, dass die „Nebenbahn“ unrentabel ist und beschlossen, diese still zu legen. An ihrer Stelle werden nun Post-Busse eingesetzt. Das klingt vernünftig, für einen wirtschaftlich denkenden Menschen, weil das Unrentable durch weniger Unrentables ersetzt wird.

Die Frage, die wir uns allesamt stellen müssen – früher oder später: Was wollen wir uns leisten? Aber weil diese Frage nicht und nicht gestellt wird, weil man sich vor den Antworten fürchtet, tut jeder, was er tun muss: er wirtschaftet nach bestem Gewissen.

Wir leben in einer Welt, in der das Zählbare, das Quantifizierbare über dem Nicht-Zählbaren, wie Qualität oder Seelenheil, gestellt wird. Eine Statistik, eine Auswertung, ein Zahlenspiel wird immer einem Bauchgefühl überlegen sein. Noch gibt es moralische, ethische Grenzen, die auch die größten Zahlenspieler nicht zu übertreten wagen (z.B. Abschaffung der Pflegeheime, die per se hohe Kosten verursachen), andererseits, in Stein gemeißelt sind diese Grenzen auch wieder nicht.

Das System, in dem wir leben, reißt und zerrt und fordert, so lange, bis es bekommt, was es will. Aber unersätlich, wie es ist, will es mehr, mehr, mehr. Es ist der „Blutpumpe“ von Verdun zu vergleichen, deren Idee ein gewisser Herr von Falkenhayn hatte. Auch er betrieb ein Zahlenspiel. Nicht mehr. Mit dieser zynischen Bemerkung soll nur gezeigt werden, in welche Richtung gewisse Rechenkünste gehen können. Und immer wird es heißen: ich musste so handeln, es blieb mir nichts anderes über, die Umstände (das System) verlangten es. Damals wie heute.

So lange wir uns also in einem System befinden, das fast zur Gänze aus einer Zahlenspielerei von Münzen besteht, so lange werden wir nicht frei sein. Ja, ja.

.