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Denkverbote #1: Geld- und Kreditsystem

Denkverbote-1Das Geld- und Kreditsystem ist Eckpfeiler unserer gegenwärtigen Zivilisation. Trotzdem erfährt der gewöhnliche Bürger so gut wie nichts über die Schwarze Magie, die hier praktiziert wird.

Geld entsteht durch Kredit.

Würden alle Kredite auf diesem Planeten zurückgezahlt werden – was freilich wegen der Zinsen unmöglich ist – gäb’s auch kein Geld mehr in unserer Welt. Der Zinseszins, der auf lange Sicht jeden Kreditnehmer – vor allem Staaten – in den Bankrott treibt, wird niemals ernsthaft diskutiert. Spricht man aber von Wucher oder Zinsknechtschaft könnte das einem Job und Zukunft kosten. Das Thema Geld, Kredit und Bankwesen ist heutzutage ein einziges Minenfeld. Jeder Analyst, der sich in dieses Feld begibt, um Fakt von Fiktion zu trennen, läuft Gefahr, zerrissen zu werden.

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Der Preis der Ungleichheit in Frankfurt und der Buchmesse, 2012

Steinbrück links, Stiglitz rechts

Frankfurter Buchmesse 2012. Am Freitag lauschte ich den Ausführungen von US-Ökonom und Nobelpreisträger Joseph Stiglitz, der für eine halbe Stunde am blauen Sofa Platz nehmen durfte. Etwa zwei Stunden später gab es ein Gespräch mit ihm und Peer Steinbrück, ehemaliger teutonischer Finanzminister von 2005 bis 2009. Wie ich der Wikiseite entnehme ist Steinbrück der Kanzlerkandidat der SPD für 2013. Damit wird für mich einiges klarer, streute er sich doch Asche auf sein Haupt, als er meinte, er hätte in der Vergangenheit (als Finanzminister) Fehler gemacht (in Bezug auf die Vermögens- bzw. Transaktionssteuer). Ja, so leicht geht das, in der hohen Politik. Da greifst du aus Inkompetenz, Unvermögen, Lustlosigkeit oder bewusster Ignoranz voll daneben und nach ein paar Jahren kräht kein Mainstream-Hahn mehr danach, es sei denn, du hast einen günstigen Kredit erhalten oder eine wissenschaftliche Arbeit gegen Geld schreiben lassen. Tja, seit ich mich en detail mit der vergangenen internationalen Weltpolitik und dem ausufernden Mainstream-Medienapparat beschäftige, kann mich eigentlich keine politische Unverfrorenheit und dreiste Spin-Lügerei mehr überraschen. Sie ärgern mich nur noch. Dafür aber maßlos. Bezeichnend, dass Steinbrück zu guter Letzt eine Zentralisierung der Bildungspolitik in Germania forderte. Das brachte ihm auf dem Vorwärts-Messestand Applaus ein. Aber wenn wir eines wissen sollten, dann ist es der Umstand, dass Zentralisation noch nie etwas gebracht hat. Jedenfalls nicht für die Bürger. Nur für ein Establishment. That’s fact!

Joseph Stiglitz ist sympathisch. Es gefällt mir, wenn er mit eindringlich sachlicher Stimme die Dinge auf den Punkt bringt, dabei aber trotzdem Humor und ein Lächeln zeigt. Nicht umsonst prägte er in einem Artikel im Mai 2011 den Begriff der »top one percent«, einer superreichen Minderheit, die jeglichen Versuch, Vermögen und Einkommen in der Gesellschaft gerechter zu verteilen, verhindert. Dadurch, so Stiglitz, würde die Kluft zwischen »arm und reich« (besser vielleicht: Debitor und Kreditor) größer werden und diese extreme Ungleichheit würde für jede zukünftige Gesellschaft eine Zerreißprobe darstellen, mit anderen Worten: Für diese Ungleichheit hat die Gesellschaft und damit jeder Einzelne einen, womöglich hohen, Preis zu zahlen. Stiglitz schlug am Ende des Gesprächs vor, dass Bildung kostenlos/kostengünstig zugänglich sein solle, so dass sich Studenten nicht mehr exorbitant verschulden müssten. Weiters setzte er sich für die Einführung einer Transaktionssteuer auf Börsengeschäfte ein (tatsächlich gab es noch in den 1990ern in Österreich eine BUSt, eine Börsenumsatzsteuer, die man aber gänzlich strich, als auch Wien vom internationalen Börsenboom erfasst wurde); schließlich wünschte er sich eine gerechtere Versteuerung bzw. Verteilung von Einkommen und Vermögen. Das waren die Eckpfeiler. Peer Steinbrück stimmte dem zu. Und das sollte einen auf der Stelle nachdenklich stimmen.

Wenn Sie meine Meinung hören möchten, dann ist es jene, dass diese (und alle anderen Mainstream-) Lösungsansätze unzureichend und de facto sinnlos sind. Es würde den Rahmen sprengen, wollte ich mich im Detail erklären, dafür ist ja mein Buch Con$piracy geschrieben, aber eine Hand voll Informationen will ich dem geneigten Leser nicht vorenthalten.

Der wichtigste Punkt, um die Welt, die Politik, die Wirtschaft, usw. zu verstehen, ist, wie Geld entsteht und in Umlauf gebracht wird. Wächst es auf den Bäumen? Nope. Wird es durch Gold- oder Silbervorräte gedeckt? Nope. Sind es Sparguthaben, die als Kredite vergeben werden? Nope. Geld entsteht aus dem Nichts. Geld entsteht durch einen gewöhnlichen Eintrag in den Büchern der Banken. Geld kann immer nur durch ein Verschuldungstransaktion (Kredit, Anleihe) in Umlauf gebracht werden. Würde von heute an niemand mehr, also kein Bürger, kein Unternehmen, kein Staat, einen Kredit aufnehmen bzw. eine Obligation ausgeben, würde auch kein Geld mehr in Umlauf gebracht werden. Bargeld macht nicht einmal 10 % des Bruttoinlandsproduktes eines Landes aus. Bei Schweden sollen es überhaupt nur noch 3 % sein. Es könnte also gut sein, dass Bargeld in ferner Zukunft abgeschafft wird. Damit gäbe es nur noch Buchgeld, das virtuellen Charakter hat und demnach unendlich verfügbar gemacht, vollständig überwacht und manipuliert werden kann.

Die wichtigsten Zentralbanken, die das Geldvolumen und die Zinssätze eines Landes steuern, sind in privaten Händen und entziehen sich staatlicher/demokratischer Kontrollen. Der Spin des Establishments ist, dass sie einen staatlichen Eingriff in Finanzangelegenheiten für bedenklich und gefährlich erachten und deshalb auf eine strikte Trennung bestehen. Weiters heißt es, dass an den Zentralbanken nur Banken eines Landes beteiligt sind. Dass diese Landesbanken längst multinationalen Konzernen gehören, wird genauso verschwiegen, wie die Tatsache, dass jede Bank eine Aktiengesellschaft ist, deren (anonyme) Besitzer die Großaktionäre sind. Dass unter den 50 einflussreichsten Multinationalen Konzernen 48 dem Banken- und Finanzbereich angehören, ergab die Studie dreier Professoren der ETH Zürich im Jahr 2007.

Zinseszins ist eine exponentielle Funktion. Werden Kredite nicht zurückgezahlt, sondern durch weitere Kredite verlängert, fressen einem früher oder später die Zinsen die Haare vom Kopf und die Zahlungsunfähigkeit ist unausweichlich. Deshalb sollte die Frage nicht heißen, ob ein verschuldeter Staat bankrott geht, sondern wann. Standard & Poors schätzt, dass innerhalb der nächsten 50 Jahre etwa 60 % aller Staaten Schiffbruch erleiden werden.

Freies Unternehmertum ist nur noch ein Mythos. Tatsächlich ist es für aufstrebende Entrepreneurs nicht möglich, gegen alteingesessene Konzerne zu bestehen. Das hat viele Gründe, aber um es nicht zu kompliziert zu machen, müssen Sie sich nur die Frage stellen, welche Unternehmen jahrzehntelange Lobbyarbeit in der Politik betreiben und welche Unternehmen aufstrebenden Jungunternehmer Kredite einräumen. Sogar Joseph Stiglitz gibt unumwunden zu, dass die »vom Tellerwäscher zum Millionär«-Story ein Mythos ist. Ein Bill Gates, ein Steve Jobs, ein Mark Zuckerberg, sie alle mussten einerseits (politisch verhängte) Auflagen und Konzessionen erfüllen, andererseits ihre Ideen durchfinanzieren und (im Mainstream) vermarkten. Mit anderen Worten, ein Jungunternehmer ist nur so erfolgreich, wie ein Establishment, das Politik, Finanz und Mainstream kontrolliert, diesen erfolgreich werden lässt. That’s fact!

Der Mainstream-Medien- und Verlagsapparat, der nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten (Profit) agieren muss, ist alles, nur nicht unabhängig. Wer Ihnen das Gegenteil erzählt, der möchte Sie nur in die Irre führen und ablenken. Eine Qualitätszeitung muss sich genauso dem Marktdiktat ergeben wie ein Boulevardblatt. Beide erzählen dem Leser eine schöne, schreckliche, spannende oder ernste Geschichte. Die Wahrheit spielt dabei freilich keine Rolle. Wer das nicht glaubt, der schlage bei Noam Chomsky nach.

Die Demokratie hat längst abgedankt. Gut zu sehen, als man in Griechenland und Italien Technokraten an die Spitze der Regierungen setzte, obwohl sie keinerlei Legitimation durch das Volk erhalten haben (siehe dazu die »Master of the Eurozone« und wie die Bank Goldman Sachs Europa erobert: The Independent). De facto war es ein Putsch des Establishments, der aber im Mainstream schön geredet wurde. Politiker sind nur noch »Sachzwängen« unterworfen. Egal, welche Partei an die Spitze gespült wird, es ändert nichts daran, dass Geld die Welt regiert. Und da Staaten nicht mehr schuldenfrei und von weiteren Krediten abhängig sind, um fällige Kredite tilgen zu können usw. muss sich die Politik zwangsweise beugen. Das sagte bereits der Präsident der Deutschen Bundesbank, Hans Tietmeyer, im Jahr 1996. Aufruhr gab es damals keinen. Ein gefälliges Nicken im Mainstream. Sollte sich jedoch eine Regierung diesem Finanz-Diktat widersetzen, dann wird es gnadenlos ausgelöscht. Die Liste der Regierungen und Regime, die deshalb vom Establishment einen Kopf kürzer gemacht wurden, ist lang. Beispielhaft: Iran, Guatemala, Afghanistan, Jugoslawien, Irak, Libyen, usw.  Griechenland ist gegenwärtig vom Establishment ausgewählt worden, um als Exempel herzuhalten: Wer sich nicht unserem Diktat beugt, dem werden keine Kredite eingeräumt und falls das nicht reicht, wird die Bevölkerung mittels Propaganda in Angst und Schrecken versetzt. Diese Schocktherapie hat in den Dritte-Welt-Ländern und in der auseinanderbrechenden UdSSR bestens  funktioniert. More to come!

Zum Abschluss sei noch Prof. Lietaer zitiert. Vermutlich werden Sie ihn nicht kennen. Nobelpreis erhielt er keinen, und in großen Verlagen publiziert er meines Wissens auch nicht. Das müsste nichts bedeuten. Freilich nicht.

»Von allen uns bekannten Mitteln, eine traditionelle Gemeinschaft zu zerstören, Religion, Gewalt, was auch immer, das sicherste Mittel ist Geld.«

P.S.: Ich würde per Gesetz verordnen, dass jeder aktive Politiker gezwungen wird, innerhalb eines Stadtgebietes auf sein Auto zu verzichten. Somit sollte er nur noch zu Fuß, mit dem Rad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln seine Runden ziehen dürfen. Damit müsste die politische Elfenbeinturm-Exklusivität ein Ende haben. Jedenfalls denke ich mir das immer wieder, wenn ich um Mitternacht in der U-Bahn sitze und beobachten muss, dass die Sozialpolitik der letzten fünfzig Jahre völlig versagt hat. Dabei ist es egal, ob man sich in Frankfurt oder Wien bewegt. Die nächsten fünfzig Jahre werden zeigen, ob wir das Kapitel »gelebte Demokratie« offiziell ad acta legen müssen.

Verschwörung? Nein, nein, nur Lug, Betrug und Korruption.

Seit Monaten behandle ich die Social Media Welt sehr stiefmütterlich, eher passiv und zurückhaltend. Warum? Sagen wir, es ist einfach aus der Überforderung entstanden. Ich wollte im allergrößten Zeitdruck an meinem Con$piracy-Buch arbeiten und konnte daher keinerlei Ablenkung gebrauchen. Anfänglich habe ich mich ein wenig mit einem schlechten Gewissen geplagt, weil es doch um persönliche Beziehungen geht, die da mit einmal brach liegen. Andererseits, der allergrößte Teil von Social Media Aktivitäten verschwimmt in einer seltsam undurchsichtigen Kommunikationssuppe. Ehe man sich versieht, stapft man in den Schuhen eines Chefredakteurs, der eine Schlagzeile für die nächste Ausgabe seiner Zeitung verzweifelt sucht und dabei immer die Konkurrenz im Auge behält. Gewiss, es könnte auch ganz anders sein. Und vielleicht ist es das auch.

Über das Thema Verschwörung ist nicht gut plaudern. Zu viel ist darüber gesagt und geschrieben worden, der gewöhnliche Bürger zuckt nur noch mit der Schulter. Ich habe es auch getan. Und würde es weiterhin tun, hätte ich nicht die letzten Monate intensivst in vergangenen Ereignissen gestöbert und verwunderliche Erkenntnisse zu Tage gefördert. Heute bin ich um viele Einsichten reicher, aber ich gehe davon aus, dass ich nur den Bruchteil eines Bruchteils kenne, wiewohl sicherlich hundert Mal mehr als der gewöhnliche Bürger, der von jungen Jahren bereits ver-konditioniert wurde. Die Propaganda, manchmal subtil, manchmal plakativ, manchmal unterschwellig, manchmal vordergründig, die Propaganda frisst sich ihren Weg in unser Unbewusstes. Nicht nur in unseres. In die Masse der Bürger. Darin liegt nämlich die Macht der Propaganda. Dass es in der Masse der ver-konditionierten Bürger immer welche geben wird, die eine vermeintliche Wahrheit verteidigen – im besten Glauben, das Richtige zu tun.

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Zum heutigen Geburtstag von J. von N. und ein seltsamer Gedanke, der die Welt auf den Kopf stellt

Ehrlich gesagt, ich habe mich mit der christlichen Religion so gut wie überhaupt nicht beschäftigt, sagen wir: ich wurde in jungen Jahren damit beschäftigt. Österreich war einmal ein erzkatholisches Land, inklusive Morgengebet in der Volksschule, Holzkreuz in der Klasse, verpflichtende Kirchenbesuche (inklusive Besuch des Beichtstuhls, was mir damals sehr unangenehm war) und Religionsunterricht, in der man zum Auswendiglernen gewisser Gebete angehalten wurde. Wenn ich mir das so überlege, war das schon allerhand, von der Religion so vereinnahmt worden zu sein. Noch dazu, wo man sich in den 1970ern als aufgeklärtes Volk gab. In den späten 1980ern, als ich die Sonntagsmesse in einem burgenländischen Grenzenort besuchte, musste ich feststellen, dass nach alter Tradition die Männer und Buben auf der einen, die Frauen und Mädchen auf der anderen Seite saßen. Ich war ziemlich schockiert, zuckte aber mit der Schulter und dachte mir, dass es nun mal traditionelle, sprich konservative, Wertvorstellungen gab. Wie dem auch sei, in letzter Zeit, seit ich an dem Con$piracy-Buch arbeite, kommen mir immer wieder seltsame Gedanken. Ausgelöst freilich durch Lektüre oder Vorträge kluger und kritischer Köpfe.

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Die Schulden von Griechenland und eine Hausübung.

Ehrlich gesagt, ich kenne den guten Mann nicht. Er heißt Andreas Popp und beantwortet Fragen zum Thema Wie es mit dem Euro und dem Dollar weitergeht. Nun, wenn man den Mainstream-Blätterwald so verfolgt (ich tue es nicht, zugegeben), dann kommt man zum Schluss: alles wie gehabt. Zum einen gibt es die rotzfrechen Griechen, die trotz horrender Verschuldung nicht sparen wollen. Zum anderen junge Spanier die auf vielen Plätzen in der Sonne liegen und nicht arbeiten wollen. Und die Isländer, die wollen für die Schulden nicht gerade stehen. Wer muss für all das bezahlen? Natürlich der gutmütige Steuerzahler aus Germanien oder der Ostmark. Hm. Klingt simpel und überzeugend, oder?

Die Wirklichkeit sieht natürlich vielschichtiger und komplexer aus. Aber warum sollte man den Konsumenten damit behelligen? Der Bürger will simple Antworten auf komplexe Fragen. Wobei es zwei Seiten gibt. Die einen machen es sich dahingehend leicht, in dem sie das Kauderwelsch der Politiker, Wirtschaftsbosse und ihren Medien für bare Münze nehmen. Die anderen machen es sich dahingehend leicht, in dem sie gar nichts mehr glauben und den Weltuntergang auf den nächsten Tag legen. Tja. Ich schätze, die Wahrheit (sagen wir besser: die Annäherung an die Wahrheit) liegt irgendwo dazwischen.

Auch wenn ich mich wiederhole, so muss jedem klar sein, dass unsere moderne Wirtschaft vorwiegend und hauptsächlich auf Glauben gegründet ist. Der Glaube an Geld. Dabei spielt es keine Rolle, ob wir hier von Euro oder Dollar reden. Jeder, der einen bestimmten Geldbetrag in einer bestimmten Währung für seine verkauften Waren akzeptiert, setzt ein gehöriges Vertrauen in den Finanz-Währungs-Mechanismus. Das ist so. Und es mutet schon recht seltsam an, wenn man bedenkt, dass zumeist gottlose und verruchte Spekulanten die gläubigsten Leute sind.

Gut. Machen wir eine lange Geschichte kurz. Nehmen wir an, du bist Privatier, also Geschäftsmann. Deine Familienstiftung von rund 23 Milliarden Euro hat einen guten Teil davon in Griechische Staatsanleihen investiert. Warum? Hey, wer kann schon Renditen von über 10 % widerstehen? Und jetzt stelle man sich vor, deine Finanzberater-Gruppe macht sich Sorgen. Weil es sein könnte, dass sich der Staat Griechenland für bankrott erklärt. Das ist vor allem für die Kreditgeber schlimm, weil diese dann einen Großteil ihres eingesetzten Vermögens verlieren. Tja. Dumm gelaufen.

Und nun kommen wir zur Hausübung: Sie sind Geschäftsmann, der zu den reichsten Leuten der Welt zählt, dessen beachtliche Unternehmensbeteiligungen breit gefächert sind: Medien, Softwarehäuser, Internetfirmen, Banken, Waffenindustrie, Pharma und weiß der Teufel was noch. Sie dürfen davon ausgehen, dass sie gute Kontakte zu Politikern und anderen Top-Geschäftsmännern haben. Vermutlich gibt es auch Kontakte zu eher zwielichtigen Freunden. Sei’s drum. Mit all dem Geld, mit all dem Einfluss, würden Sie tatenlos zusehen, wie Griechenland bankrott macht? Oder würden Sie nicht versuchen, andere EU-Länder dazu zu bringen, Griechenland mit massiven Zahlungen herauszuhauen. Dann sind Sie fein raus:  Sie haben über die Jahre superbe Renditen auf die griechischen Staatspapiere bekommen (die deshalb so hoch waren, weil sie das Risiko eines Staatsbankrotts abgebildet haben) und erhalten das eingesetzte Kapitel auf Heller und Pfennig zurück. Wer hat gezahlt? Ach so, ja, das waren die Bürger der EU. Woher haben die so viel Geld? Haben sie ja nicht, ist ja alles auf Pump. Das kann Ihnen ja fürstlich egal sein. Je verschuldeter die Bürger sind, umso leichter sind sie und die Staaten zu manipulieren. Also, was würde Ihnen als Top-Geschäftsmann so einfallen, die Politiker und die Massen so zu beeinflussen, dass sie mit Freude Griechenland (und Spanien und Portugal und Italien und Irland) unter die Arme greifen.

Und als zweite Hausübung stelle ich die banalste aller banalen Fragen: Warum gibt es in einer aufgeklärten Welt Zinsgeschäfte? Sind Zinsen von Göttervater Zeus gegeben? Oder zwingen uns außerirdische Mächte dazu, Zinsen zu verrechnen? Nun?