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Um was es in Venezuela wirklich geht, anno 2019.

Letztens fragte mich X., was ich von der Situation in Venezuela halte und ich dachte mir, die Antwort könnte auch den einen oder anderen meiner Leser interessieren. Ich mache es kurz und bündig. Zeit ist schließlich knapp in unserer heutigen über-vernetzten Welt. Nebenbei konkurriere ich mit den überschäumenden Schlagzeilen der Medienhäuser. Dass diese es mit der Wahrheitsfindung nicht so genau nehmen, sollte sich schon herumgesprochen haben – im Besonderen, wenn es um geopolitische Erklärungsmodelle geht.

Venezuela hat Erdöl. Viel davon. Sehr viel davon. Ein rohstoffreicher Staat stellt für die internationale Elite immer eine Gefahr dar. Warum? Weil er sich dadurch unabhängig von Krediten macht. Hat ein Staat keinen Bedarf an Krediten, da es ein regelmäßiges Einkommen in Form von Rohstoffexporten gibt, können die internationalen Finanziers keinen Druck auf die Regierung ausüben. Ergo muss der Erlös der Exporte privatisiert werden. Korrupte Politiker, die sich ihre Taschen mit Milliardenbeträgen füllen und die eigene Bevölkerung am Hungertuch nagen lassen, sind dabei sehr beliebt, in Zürich, London und Washington.

Aber wehe, eine Regierung übt sich in Robin Hood Manier und investiert die Erlöse der Exporte im eigenen Land, zahlt Schulden zurück, gewinnt an Selbstvertrauen und knüpft Bande mit anderen unabhängig werden wollenden „Banditen-Staaten“.

Von nun an wird das internationale Establishment alles unternehmen, um diesen „abtrünnigen“ Staat wieder in die gewohnte Spur zu bringen. Falls Drohung und Bestechung nicht wirkt (siehe Economic Hitman von John Perkins), setzt man das Land einfach auf die „Schwarze Liste“ und verhängt Sanktionen. Hilft auch das Aushungern nicht, wird die Opposition im Land scharf gemacht und ein Staatsstreich in die Wege geleitet. Scheitert dieser, dann nimmt sich die Weltpolizei in Washington der Sache an und beginnt mit einer militärischen Intervention. All das geschieht teilweise im Verborgenen, teilweise medial aufbereitet, aber immer unter dem Deckmantel „humanitäre Hilfe“ bzw. „Befreiung der geknechteten Bevölkerung, die unter einem Diktator leidet“. Am Ende der Intervention haben sie kaputte Staatsstrukturen (failed states), enorme Trümmerhaufen und eine traumatisierte Bevölkerung, die von einer Marionette Washingtons ausgepresst und unterdrückt wird. Sehr zur Freude des Establishments und der Medienleute.

Wer meint, all das wäre an den verschwörungstheoretischen Haaren herbeigezogen, der muss sich nur der Vergangenheit zuwenden, um klar zu sehen: etwa Iran im Jahre 1953, Guatemala, 1954 oder Libyen, 2012. Damals lief die gleiche brutale Show ab. Jahrzehnte später ist das freilich längst vergessen. Aber jetzt wissen Sie es. Auch schon was, nicht?

Sollten Sie meine Arbeitsunterlage Con$piracy: Eine andere Wahrheit bei sich herumliegen haben, auf Seite 135 habe ich diese geopolitische „Theateraufführung in 4 Akten“ eingehend erklärt.

Erinnerungen an eine Welt von Gestern

Es ist noch nicht lange her, da kam ich an meiner alten Volksschule vorbei. Das große Tor stand offen und ich konnte einen Blick hinein machen, in die Einfahrt, dort, wo ich als kleiner Junge oftmals darauf gewartet habe, in meine Klasse gelassen zu werden. Jedenfalls wollte ich ein Foto machen – wozu wusste ich freilich nicht. Während ich den passenden Ausschnitt wählte, kamen vereinzelt Erinnerungsstücke zum Vorschein, die ich am Dachboden meiner Gehirnwindungen in einer verstaubten Ecke liegen sah. Langsam dämmerte mir, dass ich ein Zeitalter erlebte, das zu Ende ging und ein anderes, das seinen Platz einnahm.

Gewiss, es ist eine banale Beobachtung, wohl kaum der Rede oder eines Aufsatzes wert. Und doch muss ich es mir auf eindringliche Weise vor Augen halten, dass es in meiner Kindheit, in meiner Jugend kein weltweites Netz (Internet) gab und schon gar keine Smartphones. Jetzt, Tage später, mit den Gedanken in diese Welt von Gestern zu reisen fühlt sich merkwürdig an. Ich versuche mich zu erinnern, aber es sind immer nur Momentaufnahmen, ausgeschmückt und eingefärbt mit dem Wissen und all den gemachten Erfahrungen der Gegenwart.

Aus heutiger Sicht betrachtet, war das damalige Leben sehr eingeschränkt, man lebte recht konformistisch, passte sich sozusagen an und ging unaufgeregt seiner Aufgabe oder Arbeit nach. Auf der anderen Seite war die Welt damals roh, mit vielen Ecken und Kanten und ein Tag konnte schon recht bitter schmecken. Selten wurden die Dinge ins schöne Licht gerückt, da die damalige Technologie nur simple Verschönerungen zuließ und das Geld immer knapp war. Kurz, man konnte noch keinen großen Wert auf die Verpackung, auf das Design legen – was zählte war in erster Linie die Qualität der Sache selbst. In einem der vielen (verrauchten) Gasthäuser bekam man Hausmannskost. Bodenständig. Sättigend. Eine Haute Cuisine, bunt und verspielt, ideenreich und kunstvoll, gab es vielleicht in Frankreich, aber nicht hier. Heute scheint es, als würde der hungrige Mensch von Bildern, Tönen und Gefühlen, die ihn täglich umgeben, gelenkt werden. Schön anzuschauen. Selten sättigend. Oftmals unnatürlich.

Nostalgie TV-Tipp: Kottan ermittelt – Hartlgasse 16a (1976) und Wien Mitte (1978)

Das Internet hat das eingeschränkte Dasein förmlich aufgesprengt. Die Gedankenwelten rückten tatsächlich näher zusammen – im Guten wie im Schlechten. Mit einmal konnte man lesen und hören, was andere Menschen, wie du und ich, zu einem ganz bestimmten Sachverhalt dachten. Mit einmal erfuhr man Wahrheiten, die einem um den Verstand bringen konnten – nur um später festzustellen, dass es Wahrheiten und Wahrheiten gab und dass nichts ist wie es uns in der Schule gelehrt wurde.

Das Internet der ersten Stunde geht nun langsam zu Ende. Wo früher absolute Redefreiheit herrschte ist nun der (programmierte) Zensor zur Stelle, der löscht, was nicht gefällt und falls das nicht reicht, droht Strafe und Verbannung. Für eine kurze Weile sah es danach aus, als würde die Masse in der Lage sein, die Elite – wenigstens virtuell – in die Schranken weisen zu können. Doch jede Erfindung und Entdeckung wird früher oder später in den Dienst der „großen Sache“ gestellt. Mit anderen Worten, es muss der Führung der Herde dienen. Alles andere kommt danach. Stichwort Edward Bernays. Punktum.

So stand ich vor dem großen Tor meiner Volksschule, steckte das Smartphone wieder weg, blickte kurz auf die gegenüberliegende Straßenseite und erinnerte mich wieder an ein kleines Zuckerlg’schäft, wo wir uns dann und wann Süßigkeiten kauften, so wir ein paar Schillinge in der Tasche hatten. Rechteckige Oblaten waren für eine Weile der Renner. Cola-Flascherln gingen immer.

Ja, wir Kinder der 1970er Jahre waren wohl die erste Generation, die von der Wirtschaft zu Versuchszwecken eingefangen wurden. Zucker spielte dabei eine wesentliche Rolle. Scheinbar bemerkten die damaligen Leutchen in den Führungsetagen, dass man von Drogendealern (und der Tabakindustrie) durchaus etwas lernen konnte. Man mache die Jüngsten von dem Stoff abhängig, dann hat man auf ewig Abnehmer respektive Konsumenten. Und die Ärzteschaft? Sie forderte kein Umdenken, sondern mehr Geld. Das Bruttoinlandsprodukt musste schließlich wachsen und gedeihen. Sehr zur Freude der Politiker.

Ich frage mich, wie unser Leben nun aussähe, hätte es dieses virtuelle Fenster in die weite Welt niemals gegeben, bzw. wäre es als einseitiger elitärer Kommunkationskanal (analog dem TV) in der Entwicklung stecken geblieben. Müßig darüber zu sinnieren, ich weiß.

Ich setzte jedenfalls meinen Weg wieder fort. Wer weiß, dachte ich mir, vielleicht wird einer der jetzigen Schüler in vierzig Jahren einen ähnlichen Aufsatz schreiben. Über seine Welt von Gestern.

Der Fall Claas Relotius und ein paar spekulative Gedanken dazu

Die „Affäre Relotius“ zieht weite Kreise im deutschsprachigen Medienzirkus, hat der mehrfach ausgezeichnete Journalist Claas-Hendrik Relotius für österreichische, schweizerische und deutsche Publikationen geschrieben. Sein letzter Arbeitgeber Der Spiegel musste jedenfalls die Reißleine ziehen und eingestehen, dass „sein Reporter Claas Relotius in Dutzenden Reportagen und Interviews Fakten verfälscht oder erfunden hat.“

Der gute Relotius, Jahrgang 1985, dürfte weit herumgekommen sein, in der Welt. Reiste in die USA, nach Kuba oder Albanien, machte dort „Recherche“ und schrieb seine „literarischen“ Artikel.

Der springende Punkt bei einem Skandal ist immer die Frage: „Warum explodiert die Sache gerade jetzt?“ – Seien wir ehrlich, der Mensch vergisst schnell und leicht. Hätte die Spiegel-Redaktion den guten Relotius auf das Abstellgleis gefahren, ihn und seine Artikel unter den Teppich gekehrt und leise den einen oder anderen Fehler eingeräumt, kein Hahn würde nach einer Aufarbeitung krähen und davon sprechen, dass das „Grundvertrauen“ in den Medien „erschüttert“ sei.

Nein, die Sache muss brisanter sein. Ein starker Gegenwind dürfte im deutschen Blätterwald ordentlich Laub aufgewirbelt haben. Wenn ich also eins und eins zusammenzähle, dann stellt der Typus des erfolgreichen Journalisten, der weltweit unterwegs ist, dem Tür und Tor offen stehen und zahlreiche wichtige Kontakte pflegt, ein besonderes Ziel für Geheimdienste dar.

Falls Sie noch nie etwas von Operation Mockingbird gehört haben, nun, in den 1970ern Jahre musste die CIA eingestehen, jahrelange Journalisten und Reporter in der amerikanischen Presse eingeschleust bzw. bezahlt zu haben. Freilich, manch patriotischer Schreiberling arbeitete für die CIA freiwillig und ohne Zubrot. Ja, auch das soll es gegeben haben. Jedenfalls räumte die CIA damals ein, das Programm, das darauf abzielte, die Bevölkerung in eine bestimmte politische Richtung zu lenken bzw. unangenehme Ereignisse zu verwässern, beendet zu haben. Falls Sie das glauben, glauben Sie womöglich auch, dass die Amis am Mond waren, „nur drei Wochen vor Woodstock“ – wie es Relotius einem Interviewten in den Mund legte – im gleichen Absatz werden auch noch die „brutalen Morde der Manson-Family“, die „das halbe Land erschütterte“, erwähnt. Sie können davon ausgehen, dass das eine wie das andere darauf abzielt(e), die Gesellschaft zu manipulieren – und dass die Dinge nicht so gewesen sind, wie sie lang und breit geschildert wurden und werden, liegt für mich auf der Hand. Aber das ist eine andere Geschichte.

Warum also, muss man sich fragen, hatten die Offenbarungen des ehemaligen Journalisten Udo Ulfkotte nicht für ein ähnliches Aufsehen gesorgt? So sprach Ulfkotte davon, dass er „geschmiert“, „gekauft“, sozusagen durch und durch korrupt, gewesen sei und vielen Organisationen zugearbeitet hätte. Sein Aufdeckerbuch Gekaufte Journalisten lässt kein gutes Haar an der vierten Gewalt im Staat. Seltsam, dass der vor einem Jahr verstorbene Ulfkotte von den etablierten Medien ignoriert bzw. diffamiert wurde, soll er doch „rechtspopulistische, islamfeindliche sowie verschwörungstheoretische Positionen“ vertreten haben. Auf der anderen Seite, im Falle von Relotius, zeigen sich die Redaktionen beschämt und klatschen ein Mea culpa nach dem anderen auf die Zeitungs- und Magazinseiten. Man spricht von „Aufarbeitung“ und „nie wieder“ und was sonst noch die Spin Doktoren in solch einem Fall empfehlen. Die übliche Vorgehensweise, wenn die Kacke am Dampfen ist, nicht?

Irgendetwas ist faul, im Staate Dänemark respektive deutschen Blätterwald. Ich habe natürlich keine blasse Ahnung, was in den Vorstandsetagen und informellen Treffen all dieser einflussreicher Herren und Damen so besprochen und beplaudert wird, wer wann welche Strippe zieht. Wie gesagt, ich tippe fürs Erste darauf, dass den Verantwortlichen beim Spiegel keine Wahl gelassen wurde.

Vielleicht, wer weiß, ist es auch unvorstellbares 4D-Schach, dem sogar ein Profi-Skeptiker auf dem Leim gehen kann. Wenn ich eines gelernt habe, in den letzten Jahren, dann ist es, dass nichts ist, wie es dem gewöhnlichen Bürger erzählt wird. In den Worten des Staatsanwalts Jim Garrison, anno 1967, der sich mit der offiziellen Version des Mordes an John F. Kennedy nicht zufrieden geben wollte – und später von Regisseur Oliver Stone auf Zelluloid verewigt werden sollte, klingt das so:

»Heute Abend werde ich Ihnen etwas über Wahrheit und über Märchen erzählen, über Gerechtigkeit und über Ungerechtigkeit. In den kommenden Monaten werden Sie erfahren, dass viele der Sachen, die Ihnen die großen Medienhäuser erzählt haben, unwahr sind. […] Als Kinder sind wir es gewohnt Märchen zu hören. Sie sind immer angenehme Geschichten, die tröstlich wirken, wenn wir sie hören, weil das Gute immer über das Böse triumphiert. Zumindest ist es so im Märchen. Märchen sind für Kinder nicht gefährlich und sind bis zu einem gewissen Punkt vielleicht sogar gut für sie. In der realen Welt jedoch, in der Sie und ich leben müssen, sind Märchen gefährlich. Sie sind gefährlich, weil sie unwahr sind. Alles, was unwahr ist, ist gefährlich. Und es ist noch gefährlicher, falls ein Märchen als Realität akzeptiert wird, einfach deshalb, weil es ein behördliches Gütesiegel hat, oder weil ehrbare Männer verkünden, dass Sie es glauben müssen, oder weil mächtige Elemente der Presse Ihnen sagen, dass das Märchen wahr sei. […] Die Bürger dieses Landes müssen nicht vor der Wahrheit beschützt werden. Dieses Land wurde nicht auf der Idee aufgebaut, dass eine Handvoll von Aristokraten – seien diese in unseren Behörden in Washington oder in den Medienhäusern in New York zu finden – entscheiden dürfen, was für die Bürger gut zu wissen wäre und was sie nicht wissen sollen. Dies ist ein totalitäres Konzept, das vermuten lässt, dass die Spitze unserer Regierungsbehörde und die Männer, die die machtvollen Medien kontrollieren eine spezielle Elite bilden, die Kraft ihrer Aristokratie und ihrer Brillanz bemächtigt sind, für das Volk zu denken. Ich persönlich würde mein Vertrauen eher in den gesunden Menschenverstand der Bürger dieses Landes legen.«

NBC / ausgestrahlt am 15. Juli 1967 [meine Übersetzung]



John F. Kennedy und das 55-jährige Schweigen

Letzte Woche jährte sich der Tod des damaligen US-Präsidenten John F. Kennedy zum 55. Male. Ich habe mir nicht die Mühe gemacht, die obligaten Wiederholungen der Wiederholungen im Mainstream zu lesen oder zu hören. Für Presse und Politiker ist die Sache klar und längst zu den Akten gelegt. Der „lone gunman„, der Einzeltäter namens Lee Harvey Oswald, hat exakt drei Schüsse mit einem Gewehr abgegeben – zwei davon trafen den Präsidenten in der offenen Limousine und verletzten ihn tödlich. Die Treffer sind auch – mehr oder weniger – im Zapruder-Film zu sehen, der freilich Veränderungen im behördlichen Labor erfahren hat (Schnipp Schnapp) und den die Bevölkerung erst in den 1970er Jahren zu Gesicht bekam. Warum wurde dieser kurze Filmclip so lange unter Verschluss gehalten? Wovor hatten die Verantwortlichen Angst?

Zwei Monate vor seinem Tod sprach Kennedy vor den Vereinten Nationen über eine friedliche Kooperation mit der UdSSR und dem Wunsch, die Raumfahrt gemeinsam voranzutreiben. Nebenbei bemerkt, hatte Kennedy eine private Korrespondenz mit dem damaligen Regierungschef der Sowjets Nikita Chruschtschow. Wollten die beiden am Ende den Kalten Krieg beenden?

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BBC TV-Serie ‚Bodyguard‘ – gut gemachter Nonsens

Die 6-teilige TV-Serie Bodyguard der BBC zeigt wieder einmal, wie der gewöhnliche Bürger an der Nase geführt und für Dumm verkauft wird. Spannende Unterhaltung auf der einen Seite, Mainstream-Propaganda – mit political correctness gemixt – auf der anderen. Die sattsam bekannte War-on-Terror-Panikmache dient(e) als Grundelement der fiktiven Filmrealität. Die wesentlichen Fragen – wohl viel zu heiß für ein staatliches Medienkonglomerat – werden nur kurz und beiläufig angeschnitten und gleich wieder vergessen.

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