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Eine Parabel: Die Gärtnerin und die Malerin

Das Schicksal treibt oftmals seine Späße und lässt den blauäugigen Dichter mit einer Gärtnerin zusammenstoßen. Sie ist braungebrannt, hat eine gesunde schlanke Erscheinung und unter ihren kurzen Fingernägeln befindet sich Erde, keine Ölfarbe. Sie ist – er will es sich vorstellen – geerdet, mit dem Boden verwurzelt und damit zu keinen luftigen Spielchen fähig. Es ist schon merkwürdig, wie ihm das Schicksal zwei Gegensätze gegenüberstellt. Da das Erdige, Verlässliche, Bodenständige – dort das Luftige, Unzuverlässige, Inspirierende. Beide haben sie Vor- und Nachteile – je nachdem.

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Das Frohlocken des Dichters, das Seufzen des Menschen

Da sitzt er also auf einer Bank aus Holz, sein Kopf zum blauen Himmel gestreckt, der Blick hinauf und hindurch. Er, der Dichter, der auch Mensch ist, skizziert den Tagtraum. Vergangene Episoden werden auf die imaginäre Bühne gestellt, die Szenerie beleuchtet, die Schauspieler instruiert. Es ist jene Perfektion, die es in der Wirklichkeit des Menschen niemals geben kann. Der Dichter, der Meister der ausgemalten Phantasie, braucht nicht viel, um in Schwung zu kommen. Nur ein sanftes Wort, ein gütiger Blick, eine einladende Geste, sie mögen reichen, um den Tagtraum in poetischen Tönen erklingen zu lassen. Der Dichter frohlockt. Dafür ist er geschaffen. Das ist der Sinn seines Daseins. Das ist der Sinn, der sich in der Wirklichkeit des Menschen niemals findet. Wonne, ruft er aus und fühlt sich beklatscht und bejubelt. Er verneigt sich vor seinem Publikum, das freilich nur jener Mensch ist, der ihn in seiner Brust trägt. Doch dieser klatscht nicht, dieser jubelt nicht. Er seufzt. Still. Leise. Melancholisch. Der Tagtraum hat ihm eine Möglichkeit vor Augen geführt, die Wirklichkeit hätte werden können. Nein, nein, er weiß es ja doch, dass dieser vom Dichter meisterhaft inszenierte Tagtraum in der Realität seines Lebens nicht einmal annähernd erreicht hätte werden können. Was bleibt, für ihn, ist der lange Blick in den blauen Himmel.

Schließlich wird er sich lösen.
Schließlich wird er sich von der Bank aus Holz erheben.
Und seines Weges gehen.

Die verlorene Geschichte

Zu solch später Stunde schreibt er für gewöhnlich nicht, der gute Dichter. Aber die Wirklichkeit lässt ihm keine andere Wahl. Wiewohl, jeder hat eine Wahl. Würde man denken. Da sind wir schon bei der Crux. Das Seufzen ist überlaut zu vernehmen. So viel Hoffnung und Zuversicht hatte er, am Sonntag, als die Muse sich angetragen hatte. Aber nur wenige Tage später, da hat ihn die Wirklichkeit verschlungen und wieder ausgespuckt. Ja, der Meister der poetischen Worte sehnt sich nach Harmonie und Gelassenheit. Möchte man meinen. Aber jede Geschichte braucht ein Auf und ein Ab. Er weiß es. Mit banaler Harmonie und bescheidener Gelassenheit lässt sich gut leben, aber ein Meisterwerk wird daraus niemals entstehen. Deshalb lässt er geschehen. Die Schläge, oftmals tief und fest, hie und da, selten gewiss, zärtlich und sanft, haben Wirkung, zeigen Wirkung. So verliert der Dichter die Balance und fällt. Wenn er Glück hat, nur zu Boden. Wenn er Pech hat, aus allen Wolken. Der Aufprall, nun, hat mit Fallhöhe und Bodenbeschaffenheit zu tun. Schmerzhaft. Immer. So muss es sein. Ursache und Wirkung. Im nicht-physikalischen Bereich seines musischen Universums genauso wie in seiner gedanklichen Wirklichkeit. Er wird sich aufrappeln. Das ist der Gang der Dinge. Er wird sich Staub und Asche aus Körper und Geist schütteln. Und erneut zur Feder greifen. Das ist der Lauf der Dinge. Der Dichter hat sich offenbart, vor langer Zeit, hat sich nicht für das Leben, sondern für die Poesie entschieden. Er wollte es so. Er hat es so bekommen. Mitleid muss niemand für ihn haben. Am Ende, davon ist er überzeugt, wird er die verlorene Geschichte finden.

Die musische Welt als Möbiusschleife. Heute vor einem Jahr. #inspiration

Heute, vor einem Jahr, war es, als ich meiner inneren Befindlichkeit freien Lauf ließ. Es war nicht geplant, nicht erzwungen. Es war eine Inspiration, die mir gar zauberhaft ins Gehirn fuhr, und die mich zu Füller und Tinte greifen ließ. Aus einer Herzensangelegenheit entwickelte sich ein Schlagabtausch zwischen Dichter und Muse, der schlussendlich zu einem neuen Buch- und Lebensprojekt wurde und dabei die reale mit der musischen Welt auf geheimnisvolle Art und Weise verband. Es waren weltlichen Umstände, die all das möglich und unmöglich machten. Dieser Gegensatz, einmal anziehend, einmal abstoßend, nährte das Feuer der künstlerischen Leidenschaft, die in Gedanken gelebt und gedacht wurde.

Alles andere bleibt eine Erinnerung.

So hat sie mir einmal gesagt.