richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

EUROVision Song Contest 2015: FINALE #ESC

Ja, die Sache mit dem Copyright

Ja, ja, die Sache mit dem Copyright.

update: So haben Juroren und Publikum abgestimmt! LINK

Yep. Die Pop-Überflieger ABBA wussten es bereits in den 1980ern: The Winner takes it all. Ihr Landsmann Måns Zelmerlöw gewann für Schweden das große Finale des europäischen Gesangswettbewerbs. Ziemlich klar auch noch dazu. Nur der russische und der italienische Beitrag konnten anfänglich dagegen halten. Aber am Ende setzt sich nun mal Qualität durch. Wirklich? Nope. Natürlich nicht. Das war ein Witz. Wenn Sie ernsthaft an dieses Märchen glauben, gehen Sie womöglich mit Lipizzaner-Scheuklappen durch die Welt da draußen. Jede Massenveranstaltung – Betonung liegt dabei auf Masse – wird von den Veranstaltern auf den Millimeter geplant. Überraschungen gibt es nur dann, wenn die Macher im Hintergrund eine solche zulassen wollen. Falls Sie mir nicht glauben, schlagen Sie nach bei Sigmund Freuds Neffe Edward Bernays und lesen Sie in seinem in den USA im Jahre 1928 erschienenem Werk Propaganda, wie wichtig es für die Elite ist, die Masse zu lenken und zu führen.

»Unsere muss eine Herrschafts-Demokratie sein, administriert von der gebildeten Minderheit, die weiß, wie man die Massen kontrolliert und führt«.

Mit anderen Worten, die europäische Song-Contest-Veranstaltung ist nichts anderes als gut gemachte Massen-Manipulation. Denn egal, ob Sie sich für den Event interessierten oder nicht – Sie hatten keine Chance, nicht nicht an dieses Ereignis erinnert zu werden. Längst ist der Mainstream-Medien-Apparat übermächtig und gibt vor, worüber wir zu reden und nachzudenken haben.

Zurück zum Singsang-Biz. Der österreichische und der deutsche Beitrag gingen ohne Punkte nach Hause. Hm. Derweil fackelten wir Ösis sogar das Klavier auf der Bühne ab. Der brennende Dornenbusch rund um einen Jünger Jesu lockte keinen Zuschauer hinterm Smartphone hervor. Ja, nicht einmal die erzkatholischen Italiener oder Polen oder Iren (okay, seit gestern müssen Sie diese von der Liste streichen) beschenkten uns für diese Darbietung mit einem Pünktchen. Enttäuschend. Einziger Trost, wie so oft, ist das geteilte Leid mit Deutschland. Das war bekanntlich vor vielen Jahrzehnten nicht anders, wenn ich mich recht erinnere. Kann mich aber auch täuschen.

Musikalisch fand ich den Beitrag von Zypern äußerst gelungen. Sehr sympathische Old-School-Trällerei. Der Mann hat – in meinen Ohren – eine formidable Stimme. Im Gegensatz dazu haben mich die zwei drei kleinen Italiener nicht gerade von der Couch geworfen. Macht nix, die Tenöre haben ihre Fangemeinde und das ist ja bekanntlich alles, was zählt, im Musik-Biz, nicht? Der Beitrag von Slowenien hat mir übrigens auch gefallen, Kopfhörer hin oder her. Und die ungarische Gesangstruppe erinnerte seltsamerweise mehr an Irland als an Ungarn.

Zu guter Letzt stellt sich mir die Frage, woher die Buchmacher wussten, dass es ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Schweden und Russland geben würde. Ist mir schleierhaft. Zugegeben, die beiden Gesangsstücke sind nicht schlecht, aber sind sie um so vieles besser als all die anderen? Ja, wie verflixt noch mal können Journalisten und Buchmacher überhaupt den musikalischen Geschmack Europas auf die letzte Note kennen? Ist mir ein großes Rätsel. Gestern wusste ich noch nicht mal, wo Aserbaidschan liegt oder dass Georgien guten Wein produziert oder dass die geographische Grenze Europas nicht klar definiert ist und ziemlich weit nach Osten reicht. Früher einmal, lange ist es wohl her, lernte ich, dass die eine Hälfte von Istanbul in Europa, die andere in Asien liegt. Am Bosporus schieden sich nicht nur die Geister, sondern auch die Kontinente. Erst mit der Zerbröckelung der UdSSR in den 1990ern wurden die Grenzen neu gezogen – man reiche mir ein Lineal!

Also. Haben Sie eine Erklärung, wie die Wettquoten und Favoriten für diesen Wettbewerb zustande kamen? Und ist es nicht ein wenig schockierend, zu erfahren, dass Italien, Belgien, Polen und Australien dem späteren Siegerlied die maximalen Punkte gab? [Hier die Liste] Ich meine, ist es vorstellbar, dass Polen und Australier, Belgier und Italiener den gleichen Musikgeschmack haben?

Dass die Punktevergabe irgendwie mit den nachbarschaftlichen Beziehungen zu tun haben soll, hört man ja immer wieder. Die Indizien sprechen eine klare Sprache, dass dem tatsächlich so ist (okay, sehen wir mal von der Ösi-Piefke-Hassliebe ab). Mit anderen Worten, die Leutchen, die zum Telefon gegriffen haben – vermutlich aber auch die Jury-Mitglieder – stimmten aus persönlich-geographischen Gründen, nicht unbedingt aus musikalischen. Somit bleibt am Ende des Tages nur der Gedanke, dass die Qualität des Gesangsmaterials so gut wie wurst ist. Anders gefragt: Hätte Zypern das schwedische Lied im Programm gehabt, hätte man sie gewinnen lassen?

P.S.: Wie mir gerade aufgefallen ist, haben einige Länder aus finanziellen Gründen am Song-Contest 2015 nicht teilgenommen, beispielsweise Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Andorra oder Luxemburg (Bankenkrise?). Wir sehen: Am Ende regiert immer noch das Geld, nicht die Musik. Kurz: Wer zahlt, schafft an, darf singen.

EUROVision Song Contest 2015: Semifinale 2 #ESC

Die Sache mit dem Copyright, wissen Sie?

Ja, es ist nicht das Original-Logo. Die Sache mit dem Copyright, wissen Sie?

Okay. Das waren jetzt die letzten 17 Teilnehmer. Abgesehen von den 7 Fix-Startern haben wir nun alle gehört und gesehen. Warum neben dem Vorjahresgewinner noch weitere 6 Länder fix qualifiziert sind, konnte ich nicht herausfinden.

Die gestrige Show war wieder ordentlich in Szene gesetzt. Der Wow-Effekt der ersten Übertragung konnte natürlich nicht mehr erreicht werden – man hat ja alles schon mal gesehen, irgendwie. Freilich, die Bühnen-Animations-Überdrüber-Darbietung der Schweden war nicht von schlechten Design-Eltern; der Singsang konnte da nicht mithalten. Warum der gute Zelmerlöw als Mitfavorit gehandelt wird, erschließt sich mir nicht. Vielleicht, weil er ein Feschak ist und mit seinem Liedchen “Heroes” ein klein wenig an David ‘Helden für einen Tag’ Bowie erinnert? Wie dem auch sei, an Hingucker gab es auch diesmal keinen Mangel. Dabei ist mir aufgefallen, dass so mancher der Teilnehmer noch nicht mal volljährig ist. Lolitaesk, nicht? Scheinbar haben die Organisatoren keine Hemmungen, junges Gemüse in den Druckkochtopf zu werfen. Andererseits, früh übt sich, wer im Event-Vorhof der Musikbranche-Hölle bestehen will. Schlag nach bei Tony Vegas.

Zurück zum Geschäft. Freuen tue ich mich vor allem für Zypern. Deren Beitrag ist bemerkenswert melodiös und der junge Sänger (Brille!) trällert in einem hippen Old-School-Singsang. Für mich eine Entdeckung. Der norwegische und slowenische Beitrag – jeweils ein Mann-Frau-Duo – punkteten mit eigenwillig-modernem Arrangement. Ja, diese zwei Balladen haben das gewisse Etwas.

Am authentischsten (klischeehaftesten?) kommt für mich der Beitrag von Monte Negro daher. Man spürt während der Darbietung den Balkan im Ohr. Ob das gut oder schlecht ist, sei dahingestellt. Österreich hatte ja so seine Problemchen mit dieser finsteren Gegend. Ex-Thronfolger Franz Ferdinand könnte darüber sicherlich mehr erzählen, aber das ist ein anderes Lied. Vielleicht wird es ja mal die schottische Indie-Band gleichen Namens auf die Bühne bringen.

Überraschend, dass der irische Beitrag aus dem Bewerb gekickt wurde. Die Ballade der 17-jährigen Molly Sterling war wohl – im Gegensatz zu ihrem Namen – nicht irisch genug. Vielleicht hätte sie ihr Klavier mit einer Geige vertauschen sollen. Ihr Styling – hartes, dunkles Leder – passte übrigens überhaupt nicht zum weichen Song. Also ehrlich, wer ihr dieses Outfit eingeredet hat, gehört in ein Dubliner Pub gesperrt, bei Wasser und Brot.

Und sonst? Überrascht hat mich der Beitrag von Aserbaidschan. Hand aufs Herz: Wissen Sie, wo dieses Land auf dem Globus zu finden ist? Google Earth sei Dank, weiß ich es jetzt. Yep. Der Sänger ist sympathisch und die Ballade – englischer Text! – eingängig. Einzig die Choreografie der beiden Nebendarsteller, also, da hätten die Macher vielleicht eher Anleihen vom Wiener Staatsopernballett nehmen sollen und nicht vom Heumarkt [Wer es nicht weiß, dort wurde im Sommer gecatcht und gewrestlet; zum großen Gaudium des Wiener Publikums]. Eine Randnotiz ist der israelische Beitrag sicherlich wert. Die Jungs lassen es ordentlich krachen. Man könnte meinen, ihnen gehörte die (Bühnen-) Welt. Respekt. Schätze, wenn alles vorbei ist, werden sie Samstag Nacht die Könige im Wiener Bermuda-Dreieck sein und bis zum Abwinken abfeiern. Yeah. Ach ja, da fällt mir noch etwas ein. Seit gestern weiß ich nämlich, dem ORF sei Dank, dass Israel gerade mal die Fläche von Niederösterreich hat. So viel Blut und Tränen und Schweiß, die geflossen sind und noch fließen werden, für so wenig Land. Man möchte es nicht glauben. Willkommen in Europa.

EUROVision Song Contest 2015: Semifinale 1 #ESC

Wo geht's hier zum ESC-Fan-Café?

Wo geht’s hier zum ESC-Fan-Café?

Schlapperlot. Da war ja einiges los, auf der Bühne – die LEDs tanzten Tango. Respekt. Kudos für die Bühnen-Designer und all jene, die dieses Technikkunstwerk zum Funktionieren brachten. Lobend auch zu erwähnen sind die kurzen Postkarten-Clips, die wie ein Weihnachtskalender daherkommen. Jeder Clip birgt ne (positive) Überraschung. Hach. Wär die Welt nur allerweil so happy. Dass die Gestalter aber auch mal daneben greifen können, zeigte der Clip, der das Austragungsland vorstellen und in einem hübschen Licht präsentieren sollte. Äh. Also wirklich. Ich dachte, mich tritt ein Lipizzaner. Dieser Teil ist gänzlich misslungen und völlig für die Katz.

An der Show an sich gibt es nichts zu bemängeln – abgesehen vielleicht von den aufgesetzten Witzchen der Moderatorinnen. Ja, alles in allem eine ordentliche Vorstellung.

Im ersten Semifinale wurden 6 Nationen nach Hause geschickt. Leid tut es mir vor allem um den Mazedonischen Beitrag, der mir gut gefallen hat. Ja, wirklich Schad um den in Wien lebenden Daniel Kajmakoski, der den Heimvorteil nicht nutzen konnte. Vielleicht hatten die Jury-Leutchen auch ein wenig Schiss vor den drei schwergewichtigen Rappern aus den Vereinigten Staaten – man hört ja allerhand von Ausschreitungen und Plünderungen und so.

Der ungarische Beitrag ist zurückhaltend und hebt sich wohltuend vom sonst recht lauten Singsang ab. Und das Duo aus Estland kann sich sehen und hören lassen. Gefällig auch der griechische Celine-Dion-Gassenhauer. Von den bisherigen 16 Beiträgen scheint mir der rumänische am authentischsten. Teilweise in der Landessprache gesungen, macht der Interpret auf die Probleme der Auswanderung in seinem Heimatland aufmerksam (oftmals sehen die guten Leutchen, die alle Grenzen niederreißen wollen, ja nur eine Seite der Medaille; auf den springenden Punkt gebracht: Gehen die tatkräftigsten Bürger ins Ausland, geht das Inland langsam aber sicher vor die Hunde). Eine Erwähnung ist auch der russische Beitrag wert. Nicht nur ist Polina Gagarina ein Hingucker, sie kann auch vom Stimmumfang überzeugen und steckt m. E. die serbische Wuchtbrumme allemal in die Tasche.

Politisch gesehen musste der ORF natürlich – unterschwellig – die Anti-Putin-Schiene fahren. Diese Propaganda ist ärgerlich. So versucht man dem Zuschauer zu vermitteln, dass die gleichgeschlechtliche Beziehung in Russland ein Verbrechen und damit verboten sei. Dies ist freilich nicht der Fall. Man höre hierzu Putin, der in einem Interview mit der BBC deutlich machte, dass das Gesetz vorrangig dazu gemacht ist, die Propaganda von nicht-traditioneller Sexualität einzuschränken.

Nun gut. Dann warten wir jetzt mal auf das zweite Semifinale.

EUROVision Song Contest 2015: And the Wiener is …

ESC_Park_Wien

Ordnung muss sein!

Okay. Wir sind Eurovision. Sozusagen. Ehrlich gesagt, mich interessierte die europäisch-asiatische Gesangszirkusnummer nicht die Fisole respektive grüne Bohne. Es war mir Blunzn respektive Wurscht. Aber irgendwie tropfte der Song Contest ins Unbewusst und ehe ich mich versah, verspürte ich eine Art von Fußballfieber. Sie wissen schon: Europameisterschaft und so. Auch da treten Nationen vom Kontinent friedlich und freundlich und fair gegeneinander an – und am Ende geht einer als Gewinner vom Fußballplatz respektive -bühne. Könnte man demnach nicht den ESC wie eine EM wahrnehmen? Mitfiebern, mitgucken, mitjubeln und so weiter und so fort?

Die erste Hürde besteht freilich darin, herauszufinden, wie das Turnier eigentlich ausgetragen wird. Es brauchte eine Weile, bis ich durchblickte. Wenn ich es richtig verstanden habe, sind 40 Teilnehmer vertreten, davon sind bereits 7 fix für das Finale qualifiziert. Die restlichen 33 müssen in zwei Semifinalrunden – also Hin- und Rückspiel – durchgesiebt werden. Die besten 20 dürfen sich dann mit den 7 fix qualifizierten in zwei Finalrunden – ja, Hin- und Rückspiel – matchen. Am Ende sollte – nach alter Manier – ein Sieger übrig bleiben. Hoffentlich.

Die Sache mit dem Hin- und Rückspiel klingt seltsam und ist es auch. So vergibt eine Jury im Semifinale-“Hinspiel” Punkte, die wiederum mit den TV-Zuschauer-Punkten aus dem Semifinale-“Rückspiel” addiert werden. Ich schätze, die Administration wollte vermeiden, dass Anti-ESC- bzw. Anti-EU- bzw. Anti-Gender- bzw. Anti-Fminismus- bzw. Anti-Multikulturalismus bzw. Pro-Macho-Songs den Sieg davontragen. Political Correctness rulez!

Wenn Sie mich jetzt fragen, wem ich die Daumen drücke, so habe ich mich noch nicht entschieden. Spielen habe ich ja noch keine der Mann- und Frau- und Kunstfigurschaften gesehen. Ich lasse mich da überraschen. Die offensivstärksten Truppen am Papier respektive Foto stellen mit Sicherheit Island, Lettland Albanien, Griechenland, Schweiz, Portugal, Spanien, Ungarn, Russland und Malta. Wenn diese “Ballzauberer” loslegen, bleibt kein Männerauge trocken. Aber ob diese den übermächtigen Defensivverbund der Mannschaften aus Finnland, Polen, Serbien oder Großbritannien knacken können, bleibt abzuwarten. Erinnern wir uns an die EM 2004 in Portugal. Damals siegte nicht jene Mannschaft, die den besten Offensiv-, sondern den effizientesten Defensiv-Fußball spielte. Schönheit war gestern, sozusagen.

More to come!

Ab in die Druckerei, Erik!

Erik_Print_Blatt

Zwischen Idee und Buch liegen brotlose Welten. Das rettende Ufer zu erreichen ist nur wenigen vergönnt.

Die Idee zur autobiographischen fiktion kam irgendwann im April des Jahres 2002. Heute, dreizehn Jahre später, ging das Manuskript in Druck. Gut Ding braucht Weile, sozusagen. Und ein Schriftsteller, der keine Ausdauer im Gepäck hat, hat seine Berufung sowieso verfehlt und sollte fortan sein schreibendes Leben nur noch als Autor zubringen dürfen. Recht so!

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