richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Der Terroranschlag in Nizza vom 14.Juli 2016 und die Widersprüche – Eine Analyse!

KREISE_Weltchronik_1493

Das Ereignis in Nizza vom 14. Juli 2016 ist noch immer nicht geklärt. Jedenfalls nicht für jemanden, der sich mit all dem öffentlich zugänglichen Datenmaterial auseinandergesetzt hat. Wie kann es sein, frage ich mich, dass solch ein verheerendes Verbrechen mit größter innen- wie außenpolitischer Tragweite nicht vollständig aufgeklärt wurde? Noch immer gibt es unverständliche Widersprüche oder surreal wirkende Tatsachenbehauptungen in den verschiedenen »Zeugenaussagen«, die keiner genauen Überprüfung unterzogen worden sind. In einer Gerichtsverhandlung wird jede Aussage eines Zeugen auf die sprichwörtliche Goldwaage gelegt – immerhin geht es dabei um Leben oder Tod. Im Gegensatz dazu kann jeder Dabeigewesene in TV-Studios und Zeitungen übertriebene oder verfälschte, vielleicht sogar unwahre Aussagen tätigen, ohne dass jemand Einspruch erheben oder wenigstens nachhaken würde. Die Frage, die Sie sich deshalb stellen sollten, nicht nur im Fall von Nizza, ist jene, ob ein Zeuge glaubwürdig wirkt und seine Aussage – im Kontext gesehen – Sinn macht. Ansonsten könnten in Zukunft findige freiberufliche Journalisten für ein paar Münzen dem erstbesten Typen ein Script in die Hand drücken, das dieser (so gut es geht) auswendig lernt und vor der Kamera aufsagt. Das ist kein Journalismus, das ist arglistige Täuschung (it’s a fraud).

[update 5.9.2016:] Für all jene, die weder Zeit noch Lust haben, eine lange Abhandlung zu lesen, hier meine Sicht der Dinge auf die Spitze gebracht. Einer der folgenden Punkte trifft in jedem Falle zu:

  1. Journalist Richard Gutjahr lügt und die Medien decken ihn
  2. Die französische Behörde lügt und die Medien decken diese
  3. Es treffen Punkt 1 und 2 zu und die Medien decken beide

 

Wenn wir davon ausgehen, dass jedes Ereignis – von kleinen Terroranschlägen bis hin zu großen Kriegen – einen wahren Kern hat, dann sorgen die Verantwortlichen mit ihren (zumeist ahnungslosen) Helfershelfern dafür, dass eine Vielzahl an Pseudo-Wahrheiten ringförmig um den wahren Kern gelegt wird. So entsteht eine Schicht an Pseudo-Wahrheit über der anderen. Kein Geringerer als Neil Armstrong sprach zum 25jährigen Jubiläum der ersten Mondlandung von truth’s protective layers, sozusagen eine Schicht, die den wahren Kern »schützt«. Er wird sicherlich einen guten Grund gehabt haben, in einen seiner wenigen öffentlichen Auftritte diese Worte zu wählen.

Zurück zu Nizza und den Schichten an Pseudo-Wahrheiten. Die erste und oberste Schicht ist immer das offizielle Narrativ, welches auf einen Satz verkürzt, immer und immer wieder in medialen und politischen Aussendungen wiederholt wird. Auf diese Weise wird im Gehirn des Medienkonsumenten die offizielle Version fest verankert. Wikipedia spielt dabei eine zentrale Rolle. Dieses unabhängige und demokratisch geführte Lexikon reduziert jedes Ereignis auf das offizielle Narrativ und versucht dabei Widersprüche unter den Teppich zu kehren oder diese – mit großer Detailfreude verkompliziert – im Text zu verstecken. Mit heute, 30.08.2016, über eineinhalb Monate nach dem sogenannten Terroranschlag, lesen wir in der deutschen Wikipedia den folgenden Eintrag:

Bei dem Anschlag in Nizza am 14. Juli 2016 fuhr ein Attentäter auf der Promenade des Anglais mit einem LKW durch eine Menschenmenge. Mindestens 86 Personen wurden getötet und mehr als 300 zum Teil schwer verletzt.

Auf den Punkt gebracht: Attentäter fuhr mit LKW in Menschenmenge und tötete viele Menschen. Dass der Attentäter in Verbindung mit ISIS und islamischen Fanatikern stand, ist in den Medien so präsent gewesen, dass der Medienkonsument auf Abruf diesen Zusammenhang herstellt. Weiters wurde (und wird) von den Medien das Bild einer  ausgelassenen Menschenmenge gezeichnet, die sich das Feuerwerk angesehen hatte und auf einer Promenade bzw. einem für den Verkehr gesperrten Straßenabschnitt, fröhlich feierte und dabei von einem heranrasenden LKW überrascht wurde. Das offizielle Narrativ, welches sich in unsere Köpfe eingebrannt hat, lautet somit:

Heimtückische muslimische Terrororganisation (IS/ISIS) – rasender LKW – feiernde Menschenmenge – viele Tote und Verletzte!

Falls Sie noch immer an dieser offiziellen Verlautbarung festhalten und der fixen Meinung sind, dass es keinen Grund gäbe, warum Politiker und Medien die Wahrheit verbiegen sollten und dass bei solch einem großen Ereignis unmöglich alle Zeugen und behördlichen Mitarbeiter unter einer Decke stecken können, dann ist es besser, Sie lesen ein nettes Märchen von Hans Christian Andersen.

Sollten Sie jedoch zu jenen aufgeklärten Bürgern gehören, die gegenüber Behörden und Medien skeptisch und kritisch eingestellt sind und sich nicht ein A für ein O vormachen lassen, dann lade ich Sie ein, meine lange, sehr lange Analyse über das Ereignis in Nizza zu lesen. Ich werde versuchen, Fakt von Fiktion zu trennen. Vorweg muss aber gesagt werden, dass es mir nicht gelingen kann, den wahren Kern herauszuschälen – dafür fehlt mir entscheidendes Daten- und Beweismaterial, das nur dem Staatsanwalt zur Verfügung steht bzw. von ihm angefordert werden kann. Als gewöhnlicher Bürger stehen mir nur die öffentlich zugänglichen Bilder, Videoclips und Aussagen zur Verfügung. Mehr gibt es nicht.

Wenn Sie mich jetzt fragen, was denn nun in den Abend- und Nachtstunden des 14. Juli 2016 in Nizza geschehen sei, muss ich leider mit der Schulter zucken. Was ich aber mit Bestimmtheit sagen kann, ist, dass die offizielle Version keinen Sinn ergibt. Es ist Aufgabe der Behörden und in weiterer Folge der Medien, dass man uns eine Erklärung präsentiert, die vollständig und akkurat ist und die vor allem Sinn macht. Nizza hat vermutlich eines der ausgeklügeltsten Überwachungssysteme der Welt, aber weder konnte es diese (vermeintliche) Amokfahrt verhindern, noch konnte es bis jetzt das Verbrechen in allen Details vollständig und sinnvoll erklären. Besser gesagt, die Verantwortlichen in Paris sind es, die sich weigern, dieses Verbrechen vollständig aufzuklären. Das muss jeden aufgeklärten Bürger stutzig und skeptisch machen. Wer ein Verbrechen nicht aufklären, sondern vertuschen möchte, macht sich ebenfalls eines Vergehens schuldig. Der damalige US-Präsident Richard Nixon wollte ebenfalls ein Verbrechen unter den Teppich kehren lassen und wäre deshalb vor Gericht gestellt worden, hätte ihn nicht sein Nachfolger Gerald Ford pardoniert. Scheinbar sind diese Zeiten vorbei und seit 2001 können die größten Verbrechen geschehen, ohne dass es eine kriminalistische Untersuchung gibt. Ich denke, der Bürger hat ein Recht darauf, die Wahrheit zu erfahren, so unangenehm sie auch sein mag. Meinen Sie nicht auch?

Damit beende ich die Einführung. Die Übersetzungen vom Englischen bzw. Französischen ins Deutsche erfolgten, wenn nicht anders angegeben, von mir.

 

Analyse des Ereignisses in Nizza, 14.7.2016

In der folgenden Abhandlung werden acht Pfeiler des Verbrechens im Detail analysiert und mit jeweils einem Conclusio abgerundet – eine erste kritische Bestandsaufnahme gab es von mir bereits drei Tage nach dem Ereignis. Die acht Pfeiler bzw. Kapitel sind:

-1) Ort des Verbrechens
-2) Tatwaffe
-3) Zeitablauf des Verbrechens
-4) Augenzeugenberichte
-5) Überliefertes Videomaterial
-6) Entwicklung der Opferzahlen
-7) Katastrophenmedizin
-8) Motiv

1) Ort des Verbrechens

Auch wenn es merkwürdig anmutet, an dieser Stelle über den Ort des Verbrechens zu befinden, es ist zwingend notwendig. Die sogenannte Promenade des Anglais ist nämlich per se keine Promenade, sondern die Bezeichnung einer wichtigen mehrspurigen West-Ost- und Ost-West-Verkehrsverbindung, die entlang der Küste führt. Die beiden Fahrstreifen sind durch eine in die Länge gezogene begrünte Verkehrsinsel getrennt – nur an manchen Kreuzungen werden diese Grünstreifen unterbrochen. Der breite Gehstreifen, der neben der Straße entlang führt, liegt vor dem um ein paar Meter tiefer gelegenen Strand, der über Stufenabgänge bzw. Rampen erreichbar ist. Wichtig dabei ist der Umstand, dass es auf dem Gehstreifen drei weiße Pavillons gibt, die für ein Fahrzeug als Hindernis angesehen werden müssen. Der erste Pavillon befindet sich schräg gegenüber dem Hotel Negresco, die anderen beiden liegen schräg gegenüber dem Hotel Palais de la Méditerranée (Casino), dem Haltepunkt des LKWs. Hier zeige ich den Ausschnitt auf googleMaps an.

In der (in)offiziellen Version, die mittels Überwachungskameras dokumentiert zu sein scheint, heißt es, dass der LKW seine Amok- bzw. Terrorfahrt auf dem Gehstreifen der Promenade des Anglais – auf Höhe des Kinderspitals Lenval – begann und rund 1500 Meter später, beim Hotel Negresco, auf die Straße wechselte (was nicht anders sein kann, da, wie zuvor erwähnt, ein Pavillon den Weg versperrt). Die restlichen 500 Meter fuhr der LKW auf der Straße* – wie man auch im Videoclip von Richard Gutjahr sehen kann. Es ist deshalb für das weitere Verständnis dieser Analyse äußerst wichtig, dass Sie sich das Bild der Szenerie einprägen: Restaurants/Hotels – Gehsteig –  mehrspurige Straße – begrünte Verkehrsinsel – mehrspurige Straße – Gehstreifen – Strand.

Sollte also ein Passant vom Gehstreifen der Promenade des Anglais zurück zum Restaurant oder Hotel wollen, muss er zwei mehrspurige Straßen samt einer mit Sträuchern und Palmen bepflanzten Verkehrsinsel überqueren.

In den verschiedenen Zeugenaussagen wird gewöhnlich nur die Bezeichnung »auf der Promenade« verwendet, ohne Angabe, was damit genau gemeint sei. Da die zwei mehrspurigen Straßen vor dem Negresco (Boulevard Gambetta) in beiden Fahrtrichtungen gesperrt waren, konnte sich ein Passant sowohl auf dem Gehstreifen, als auch auf der einen oder der anderen Straße befinden. Bedenken Sie, dass die Straßen durch Grünstreifen bzw. eine mit Palmen begrünte Verkehrsinsel getrennt sind. Wenn es demnach heißt, der LKW fuhr auf der Promenade des Anglais, so kann der Zeuge zwar ebenfalls auf der Straße gestanden haben, aber eben auf der anderen, die viele Meter vom LKW entfernt und durch die Verkehrsinsel getrennt war. Auch hier geben die Zeugen für gewöhnlich keine Anhaltspunkte, wo sie tatsächlich gestanden haben. Augenzeugen, die beispielsweise von ihrem Hotel zu einem Restaurant auf der Promenade des Anglais zu Fuß gegangen sind, könnten den Weg auf dem Gehsteig, der neben den Lokalen entlang führt, zurückgelegt haben, der wiederum etwa dreißig bis vierzig Meter vom Gehstreifen, der neben dem tiefer gelegenen Strand führt, entfernt ist. Da die begrünte Verkehrsinsel auch eine Form von Sichtschutz ist, könnten auf dem Gehstreifen allerlei Dinge geschehen sein, ohne dass es die Passanten auf dem Gehsteig bzw. in den Terrassen der Restaurants genau sehen hätten können.

*) Um es noch ein wenig verwirrender zu machen, soll der LKW kurz nach dem Negresco noch einmal für rund 100 Meter auf dem Gehstreifen gefahren sein, bevor er endgültig, vor dem Hotel Westminster, auf die Straße zurückkehrte. Interessanterweise wird im (in)offiziellen Report festgehalten, dass der LKW vor dem Hotel Westminster in einen Verkaufsladen/Kiosk gefahren sei:

22:34:49 Visualisierung des Fahrzeugs, das erneut auf den Gehstreifen (trottoir) fährt und noch immer seinen Weg in östliche Richtung fortsetzt und dabei dutzende Passanten als auch einen Verkaufsstand niedermäht; das Fahrzeug befindet sich auf Höhe Promenade des Anglais Nr. 27. [Westminster Hotel] /  Vingt-deux heures trente-quatre minutes et quarante-neuf secondes visualisons que le véhicule emprunte de nouveau le trottoir, en poursuivant toujours sa progression en direction de l’Est et en fauchant au passage des dizaines de piétons ainsi qu’un stand de marchandises ; le véhicule se situe alors face au 27 promenade des Anglais.

Auf dem Videoclip von Richard Gutjahr ist aber ganz zu Beginn der Aufnahme, rechts oben, ein beleuchtetes Häuschen auf dem Gehstreifen zu sehen. Sollte dies tatsächlich der Kiosk/Verkaufsladen sein, dann wurde dieser nicht niedergemäht und es gibt bereits an dieser Stelle einen Widerspruch zwischen privater Videoaufnahme und behördlichen Überwachungsbildern bzw. dem (in)offiziellen Bericht von Sandra Bertin im Wochenmagazin Marianne.

Und dann ist da natürlich noch die Frage, wann der Verkehr wo mit was abgesperrt worden ist. Offiziell gab es auf Höhe des Boulevard Gambetta die Straßensperre der lokalen Polizei, die der LKW umfahren oder durchbrochen hatte – diesbezüglich gibt es widersprüchliche Angaben. Aber wie war es um den Verkehr an diesem Feiertag generell bestellt? Die Promenade des Anglais, das dürfen wir nicht vergessen, ist eine wichtige Verkehrsader in Nizza. Eine Augenzeugin berichtet, dass die Straßen seit der Mittagszeit abgesperrt waren und es überall Staus gab. Hätte der LKW somit überhaupt auf der verstopften Straße bis zur Absperrung fahren können?

Hier sehen wir eines der wenigen Fotos von der Promenade des Anglais, Höhe Boulevard Gambetta. Man sieht die Absperrung der Straße durch zwei Metallgitter. Die Aufnahme dürfte während des Feuerwerks gemacht worden sein, da die Passanten allesamt in Richtung Meer blicken. So, wie es aussieht, dürfte der Verkehrsfluss stockend gewesen sein.

Nice_Gambetta-Jam

Absperrung Promenade des Anglais / Boulevard Gambetta in Nizza (c) Libération – Anklicken für Vergrößerung

Aber was sagte beispielsweise Augenzeuge Franck, der Held auf dem Motorroller, in einem Interview:

»›Als wir auf der Höhe des Universitätszentrums Mittelmeer waren, haben wir plötzlich hinter uns eine Bewegung der Menschenmenge bemerkt. Wir hörten Schreie und sahen Autos, die sich quer stellten. Meine Frau sagt mir: ‚Halt an, da stimmt was nicht‘. Als wir uns umdrehten, sahen wir die Menge auf uns zu rennen, sie flohen vor irgendwas. Und dann sahen wir den Lastwagen näher kommen. Wir waren auf der Mitte der Straße, es gab wenig Autos. Ich fuhr mit rund 60 km/h pro Stunde, hatte nicht mal die Zeit in den Rückspiegel zu sehen, als mich der Lkw in voller Fahrt überholte.‹ Mit dem Motorroller fuhr er auf den Bürgersteig [Gehstreifen]. ›Ich sehe noch die Bilder von Körpern, die überall umherflogen.‹«

Anmerkung: Beim Centre universitaire méditerranéen erfolgte die Meldung der Polizei über den verrückten LKW um 22h33 – trotzdem fügte die Spiegel-Redaktion in den Artikel eine falsche Uhrzeit ein: »Es ist der 14. Juli, gegen 23 Uhr. ‚Wir wollten zum Feuerwerk.’« – Da das Feuerwerk in Nizza um 22h20 zu Ende ging und Franck das hätte wissen müssen, ist die Zeitangabe im Artikel völlig widersinnig – im Originalartikel steht das deshalb auch so nicht dort.

Gab es um diese Uhrzeit wirklich nur wenige Autos auf der wichtigen Verkehrsverbindung Promenade des Anglais, wo das Feuerwerk vor 13 Minuten zu Ende gegangen ist? Und warum sollten die Menschen nach vorne ausweichen und nicht zur Seite? Zwar hatte Franck keine Zeit in den Rückspiegel zu sehen, aber genügend um sich umzudrehen (und das bei einer Geschwindigkeit von 60 km/h!). Scheinbar verfolgte er den LKW am Gehstreifen und setzte sich somit der Gefahr aus, sich und andere Passanten zu gefährden. Wenn Sie mich fragen, die Story klingt verdächtig nach Hollywood.

Schlussfolgerung / Conclusio

Bis jetzt gibt es nur ein Foto, das den Verkehr auf der Promenade des Anglais vor der Absperrung zeigt. Auf diesem Foto ist zu erahnen, dass der Verkehr recht stockend gewesen sein muss. Der Autoverkehr spielt aber interessanterweise so gut wie keine Rolle bei den Zeugenaussagen sowie beim (in)offiziellen Bericht von Sandra Bertin. Die Aussage des wichtigen Zeugen Franck ist zweifelhaft, könnte aber durch CCTV-Bilder bestätigt werden. Auch der Widerspruch mit dem niedergemähten Kiosk muss geklärt werden, da es entweder den (in)offiziellen Bericht von Sandra Bertin (bzw. die Abschrift des Magazins) oder die Aufnahme von Richard Gutjahr in Zweifel ziehen würde.

2) Tatwaffe

Beginnen wir diesen Abschnitt mit einer, zugegeben kindischen, Analogie. Nichtsdestotrotz sollte jedermann den Spagat zwischen Realität und Fiktion machen können.

Analogie einer blutigen Schlächterei

Goreik, der Schlächter ist das Klischee des Wikingers: Er ist etwa 2,30 Meter groß, wiegt etwa 150 Kilogramm und ist mit einem zweihändig geführten Streithammer bewaffnet. Er trägt schwarze Schnürstiefel, eine dunkelgraue Wollhose und ein langarmiges weißes Hemd. Goreik, so wird berichtet, sei mit seinem Hammer in eine Menschenmenge gerannt und habe dabei wahllos Leute niedergemacht. Erst nach Hunderten von Metern wird er von der Polizei gestoppt. Die Bilanz dieser fürchterlichen Schlächterei: mehr als 80 Tote und über 400 Verletzte.

Bis jetzt haben wir diesen Sachverhalt nur geschildert bekommen. Und dann, dann sehen wir zum ersten Mal ein Bild von Goreik, wie er leblos auf der Straße liegt. Was fällt uns auf? Kein Blut ist auf ihm oder seiner Kleidung zu sehen. Nicht der kleinste Tropfen. Könnte es sein, fragen wir uns, dass es nicht Goreik, sondern jemand anderes auf dem Foto ist? Sogar die zwei flachen Seiten des Hammers, der ramponiert scheint, zeigt keine Blutspuren, auch nicht der Holzschaft. Merkwürdig, denken wir. Wie kann das sein? So eine Schlächterei hätte irgendwann dazu führen müssen, dass Goreik mit Blut bespritzt wird. Er wäre doch in Blutlachen gestiefelt, hätte mit seinen Armen sicherlich Kontakt mit noch nicht gefallenen Verwundeten gehabt. Aber wie oft wir uns all die Fotos von Goreik auch ansehen, es ist nichts Rotes auszumachen. Nichts. Rein gar nichts. Sollten wir hier nicht stutzig werden? Würde ein Gericht diesem Umstand nicht Rechnung tragen und den geschilderten Ablauf der Staatsanwaltschaft für unzulänglich erklären?

Nun? Was sagen Sie? Wurde mit dem LKW, den wir auf Fotos und Videoaufnahmen sahen, wirklich ein Verbrechen verübt? Auf all den Bildern ist nicht die Spur eines Tropfen Blutes zu sehen. Weder auf der Stoßstange noch auf den Vorderreifen noch sonst wo. Ist das erklärbar? Vielleicht war es die hohe Geschwindigkeit von 90 km/h, wird man einwerfen. Aber die Durchschnittsgeschwindigkeit auf der zwei Kilometer langen Strecke war etwa 37 km/h. Auch wenn der LKW rein theoretisch alle Opfer mit sehr hoher Geschwindigkeit weggestoßen hätte und keiner der weggestoßenen Körper durch den Kontakt Platzwunden erhalten hätte, so müsste von der Wahrscheinlichkeit her zumindest ein auf der Straße liegender Körper früher oder später überrollt worden sein (tatsächlich hören wir noch von Augenzeugen Nader El Shafei, dass auf den letzten Metern ein Mädchen unter die Räder des LKWs kam).

Außerdem, wenn wir einer Statistik glauben schenken, dann kommt es bei Abbiegeunfällen zwischen LKWs und Passanten selten zu einem tödlichen Ausgang (1 %), wenn der Passant nicht überrollt wird. Mit anderen Worten, ein LKW, der keine Blutspuren (auf den Reifen) aufweist, kann auch keines der Opfer überrollt haben. Ist es demnach wahrscheinlich, dass alle Opfer »nur« weggestoßen wurden und durch den An- und Aufprall Kopf- bzw. innere Verletzungen erlitten, die augenblicklich zum Tod führten? An dieser Stelle müsste ein Unfallchirurg, ein Sachverständiger für Autounfälle und erfahrene Einsatzkräfte (Feuerwehr bzw. Rettungskräfte) die Plausibilität eines unbefleckten LKWs prüfen. Warum ist noch kein Medienhaus auf diese Idee gekommen? Warum haben dies die Behörden nicht veranlasst?

Ja, und dann haben wir die folgenden Zeugenaussage von einem britischen Rechtsanwalt namens Simon Coates, der in einem BBC-Interview folgendes zu Protokoll gibt:

»Menschen waren förmlich ausgeweidet [disembowelled], ihnen hat es die Kleidung heruntergerissen, Mütter krümmten sich neben ihren toten Kindern am Boden; eine Person war wie eine Biskuitroulade zusammengerollt, ihre Arme und Beine standen vom Körper, der sich eingewickelt hat, senkrecht weg.« / People were disembowelled, stripped naked of their clothes, mothers sprawled on the floor next to their dead children; one person was wrapped up like a Swiss roll with his arms and legs sticking out from his body which was folded back on itself.

Wenn Sie mich fragen, klingt das nach einer Menge Blut, Innereien und Körperteile.

Plausibilität der Fahrweise

Ein 19-Tonnen Lastkraftwagen ist kein Jeep oder SUV. Eine Geschwindigkeit von 90 km/h ist übrigens außerordentlich schnell und am gesetzlich von der EU verordneten Geschwindigkeitslimit für LKWs, d.h. der Motor regelt bei 90 km/h ab. Ist es vorstellbar, dass bei dieser hohen Geschwindigkeit der Lenker im Zickzack fuhr, dabei über Hindernisse (Randsteine, Körper, Kinderwägen, Fahrräder, usw.) und durch Hindernisse (Straßenlampe, Palme) hindurch fuhr und gleichzeitig aus dem Fenster der Fahrerkabine schoss? Ein LKW, der sich durch zu schnelle Lenkbewegungen aufschaukelt, ist nur von erfahrenen Lenkern vor einem Umkippen zu bewahren. War der Attentäter demnach Berufslenker?

Laut dem iranischen Auslandssender Press TV soll eine Augenzeugin, die anfänglich im Auto neben dem LKW herfuhr, gesagt haben, dass der LKW-Fahrer wohl unsicher gewesen sei, weil er mehrmals bremste und wieder losfuhr [stopping and starting]. Sie habe das Verhalten als sehr, sehr bizarr empfunden. Hier der Mitschnitt auf liveleak.

19-Tonner oder 6-Tonner?

»Man war am Neptunstrand, das Feuerwerk war beendet, man ging wieder auf die Promenade des Anglais. In diesem Moment hat man einen weißen LKW gesehen. Ein 6-Tonner. Er fuhr schnell, 60 km/h, 70 km/h.« On était à Neptune plage, le feu d’artifice se terminait, on est remonté. C’est à ce moment-là qu’on a vu le camion blanc. Un 6 tonnes. Il roulait vite, à 60 km/h, 70km/h„, raconte Antoine. [Liveblog Nice Matin 23h45]

Um 23h16 verlautet die französische Nachrichtenagentur AFP folgende Meldung: »Laut einem Journalisten der AFP vor Ort, ist ein weißer Lieferwagen [van] auf der Promenade des Anglais in die Menge gerast.« Selon un journaliste de l’AFP sur place, un van blanc (!) a foncé sur la foule sur la Promenade des Anglais. [twitter]. — Im Französischen würde man einen LKW mit camion bezeichnen. Sollte sich der Journalist geirrt haben? Oder war es einfach nur ein Missverständnis? Im Englischen bezeichneten viele Augenzeugen, den LKW als big van.

Plausibilität der Geräuschkulisse und Reaktion der Passanten

Ein 19-Tonner Lastkraftwagen ist kein Leisetreter. Durch die hohe Geschwindigkeit ist das Motorgeräusch und der Abrolllärm beträchtlich. Ein LKW, der auf dem breiten Gehstreifen der Promenade des Anglais fährt und von den Straßenlaternen beleuchtet wird, muss von den Passanten bereits von Weitem gehört und gesehen werden. Der Städter wächst im Straßenverkehr auf, deshalb ist er von Kindesbeinen an daran gewöhnt, auf Motorgeräusche, die näher kommen, zu achten. Wenn Sie eine wenig befahrene Straße überqueren, ist es zuerst Ihr Gehör, das prüft, ob sich ein Auto nähert. Auf einem für den Autoverkehr abgesperrten Straßenabschnitt (auch wenn noch immer nicht klar ist, um welche Uhrzeit und wo der gesperrte Streckenabschnitt begann; sicher ist nur, dass die Fußgängerzone für das Fest an der Kreuzung Boulevard Gambetta begann) ist somit ein dröhnender Dieselmotor, der laut wird, sicherlich herauszuhören. Köpfe und Aufmerksamkeit der Passanten würden sich automatisch dem näherkommenden Geräusch zuwenden. Sollte es tatsächlich zu Kontakten mit Passanten gekommen sein, würden markerschütternde Schreie zu hören gewesen sein. Auch diese können die Passanten weiter vorne unmöglich überhört haben. Weiters geben Passanten, die ein näherkommendes Fahrzeug sichten, für gewöhnlich jenen Passanten Bescheid, die vielleicht gerade abgelenkt oder unaufmerksam sind, dass sie ausweichen sollen. Da der Gehstreifen auf der Strandseite mit einem Geländer und Bänken versehen ist, würden sich Passanten automatisch dorthin bewegen. Von niedergewalzten Bänken oder einem beschädigten Geländer wurde bis dato noch nichts gehört, somit ist davon auszugehen, dass dieser Bereich sicher war.

Die Breite eines LKWs ist mit 2 Meter und 55 cm angegeben. Sollte sich demnach ein Passant genau in der Mitte befinden, müsste er 1 Meter und 27 cm auf die eine oder andere Seite ausweichen. Mit zwei kleinen Schritten ist das nicht schwierig. Da ein LKW bei hoher Geschwindigkeit nicht plötzlich seine Richtung ändern kann, ist auch die Antizipation des Passanten über die Richtung, in die der LKW fährt, möglich. Bitte beachten Sie, dass der städtische Mensch mit Fahrzeugen von Kindesbeinen an konfrontiert ist. Ein LKW, der auf einem Gehstreifen fährt und auf einen zukommt, wird genauso im Unbewussten abgehandelt, als würde man gerade eine Straße überqueren: man versucht dem Fahrzeug auszuweichen und sucht einen sicheren Platz auf. Unter keinen Umständen würde jemand einfach stehen bleiben. Die hohe Geschwindigkeit als auch die Fahrt auf dem Gehstreifen lösen automatisch eine akute Reaktion im Passanten aus, da er von einem Vorsatz des Lenkers ausgehen wird.

Schlussfolgerung / Conclusio: Tatwaffe

Auch wenn ich kein Experte für Unfälle zwischen einem LKW und Passanten bin, so gehe ich davon aus, dass es am LKW sichtbare Spuren – sei es Blut, sei es Gewebe, sei es Kleiderfetzen – hätte geben müssen, so es zum Kontakt mit hunderten Passanten kam. Da jedoch auf dem zahlreich öffentlich zugänglichen Bildmaterial diese Spuren am LKW nicht zu sehen sind, muss ich davon ausgehen, dass der LKW nicht am Verbrechen beteiligt war. Die Berichte, die einerseits über eine für einen LKW außerordentlich hohe Geschwindigkeit (90 km/h), andererseits über einen Zickzackkurs und über abgegebene Schüsse sprechen, sind meiner Meinung nach nicht glaubwürdig, weshalb die gesamte Aussage in Zweifel gezogen werden muss.

3) Zeitablauf des Verbrechens

Noch keine Woche war das Ereignis alt, da machte ich mir bereits Gedanken über den Zeitablauf des Verbrechens, der sogenannten timeline oder Zeitleiste, und entdeckte dabei seltsame Widersprüche, die bis heute noch nicht aufgelöst worden sind und die deshalb ein großes Fragezeichen aufwerfen.

Nizza_Map_Timeline-2

Anklicken zum Vergrößern!

In der obigen Grafik können Sie sehen, wie sich der sogenannte Anschlag zeitlich entfaltet hat. Die Angaben wurden dem Report von Sandra Bertin entnommen. Sie ist Leiterin der Überwachungszentrale [Centre de supervision urbain, CSU] und hat direkten Zugriff auf die Bilder des hoch entwickelten Überwachungssystems von Nizza. Bitte beachten Sie, dass es sich diesbezüglich um keine offizielle Verlautbarung handelt, vielmehr konnten zwei Medien (die beiden  französischen Wochenmagazine Marianne und Le Nouvel Observateur) Einsicht in den Report nehmen und aus diesem zitieren. Ob der Report vom Innenministerium abgeändert wurde und/oder ob Sandra Bertin die Daten korrekt ausgelesen hat bzw. die Redakteure die Angaben richtig erfasst haben, kann an dieser Stelle nicht verifiziert werden. Für diese Analyse gehe ich von der Arbeitshypothese aus, dass die in den beiden Wochenzeitungen gemachten Angaben die offizielle Zeitleiste des Verbrechens darstellt.

22h00 – 22h20: Das Feuerwerk von Nizza

Bezüglich des Feuerwerks (feu d’artifice) in Nizza gibt es eine Reihe von widersprüchlichen und (vermutlich) falschen Angaben, sowohl in den Medien als auch in den Augenzeugenberichten. Wie ist das zu erklären? Ein Feuerwerk beginnt zu einer weit im Vorhinein festgelegten Zeit und endet nach einer bereits weit im Vorhinein bekannten Dauer an einem vorher exakt bestimmten Ort. In den öffentlichen Aussendungen [online] wurde der Beginn des Feuerwerks mit 22 Uhr gegenüber der Touristeninformation angegeben. Nach etwa zwanzig Minuten, gegen 22 Uhr 20 sollte das Straßenfest, das für das Feuerwerk unterbrochen wurde, bis Mitternacht fortgesetzt werden:

A 22h00 – Grand feu d’artifice
en face de l’Office du Tourisme – 5, Promenade des Anglais – Nice
22h20 – Reprise des concerts jusqu’à minuit.

Seltsamerweise gab es aber auch Aussendungen, die das Feuerwerk auf Höhe des Théâtre de Verdure festlegten, etwa 250 Meter von der Touristeninformation in östlicher Richtung entfernt. Sogar noch drei Stunden nach dem Anschlag zeichnete die Lokalzeitung Nice Matin in einer Infografik den Ort des Feuerwerks auf Höhe des Theaters ein. In einem Video gibt die The New York Times ebenfalls das Theater als Zentrum der Festivität bekannt und zeigt Bilder des Feuerwerks.

Im Videoclip Attaque de Nice – 14 juillet 2016 ist das Ende des Feuerwerks mit 22:19 angegeben und bestätigt somit die öffentlichen Aussendungen in Bezug auf den Beginn. Twitter-User @frtroin, der Fotos vom Feuerwerk machte,  bestätigte mir auf meine Anfrage, dass dieses, wie jedes Jahr, um 22 Uhr begann und zwischen 22h20 und 22h30 zu Ende ging.

Um die Sache noch ein wenig zu verkomplizieren, gibt es zwei weitere Feuerwerke in der näheren Umgebung von Nizza. Das eine ist in St Laurent du Var, ca. 7 km von der Touristeninformation und das andere am Strand von Juan-les-Pins, ca. 22 km entfernt. Beide Orte liegen westlich von Nizza. Die Beginnzeiten wurden mit 22 Uhr 30 angegeben. Tatsächlich ist auf einem Videoclip, der den Schusswechsel zwischen Polizei und dem LKW-Fahrer zeigen will, im Hintergrund ein Feuerwerk auszumachen, welches jenes von St. Laurent du Var sein dürfte. Zwar konnte ich keinen Zeitpunkt für das Ende des Feuerwerks ermitteln, gehe aber davon aus, dass es nicht länger als zwanzig Minuten gedauert haben dürfte. Damit würde der gefilmte Schusswechsel zwischen 22h30 und 22h50 stattgefunden haben.

So Augenzeugen und Behörden von einem Feuerwerk sprechen, nehme ich an, dass diese sich auf jenes Feuerwerk beziehen, welches in Nizza um 22 Uhr begann und um 22h20 zu Ende ging. Ein interessanter Aspekt ist dabei der Umstand, dass die ersten Meldungen in den Medien von einem Unfall während des Feuerwerks sprachen (pendant le feu d’artifice du 14 juillet), beispielsweise die Zeitung Le Figaro (online), der französische Nachrichtensender BFMTV (Einblendung im laufenden Programm), die Nachrichtenagentur dpa (online), der US-TV-Sender CNBC mit Reuters (online) oder der französische Radiosender France Info (online). Erst am nächsten Tag wurde der Zeitpunkt der LKW-Fahrt schließlich auf »kurz nach dem Feuerwerk« geändert.

Bitte beachten Sie, dass die undefinierte Zeitangabe (»kurz nach dem Feuerwerk«) in der Nähe des Bertin-Reports liegt: Ende des Feuerwerks: 22h20, Beginn der (vermeintlichen) Amokfahrt, die gerade einmal 3 Minuten dauern sollte: 22h32.

22h32: Beginn des Anschlags/der Amokfahrt

Der LKW, so steht es im (inoffiziellen) Bericht, ist um 22h32 und 33 Sekunden auf den breiten Gehstreifen, der neben der Straße (Promenade des Anglais) und entlang des Strandes führt, gefahren. Somit ist der Beginn des Verbrechens mit 22h32 fest definiert. Falls Sie nun Artikel und Berichte überfliegen, die den Beginn des sogenannten Anschlags erläutern, werden Sie feststellen, dass die Beginnzeiten in alle Richtungen gehen. Hier ein paar Beispiele, abgerufen am 30.08.2016 – also mehr als 45 Tage später:

Wikipedia (deutsch): gegen 22:45 — [Online]

Wikipedia (englisch): gegen 22:30 — [Online]

Wikipedia (französisch): gegen 22:30 — [Online]

France 24: gegen 23:00 — [Online]

ARD: gegen 23:00 — [Online]

Spiegel Online: gegen 23:00 — [Online]

Die Zeit Online: gegen 22:45 — [Online]

Der Standard Online: gegen 23:00 — [Online]

ORF.at: gegen 23:00 — [Online]

NZZ Online: gegen 23:00 — [Online]

The New York Times: gegen 22:45 — [Online]

Reuters Nachrichtenagentur: gegen 22:45 — [Online]

Washington Post: gegen 22:30 — [Online]

CNBC (mit Reuters): 22:40 — [Online]

Finden Sie das nicht auch äußerst befremdlich, dass all diese großen Medienhäuser scheinbar aufgehört haben, Ihre Berichte zu aktualisieren? Viel wichtiger ist die Frage, woher die Redaktionen diese Beginnzeiten überhaupt hatten. Waren es Nachrichtenagenturen? Waren es Zeugenaussagen? Waren es widersprüchliche behördliche Verlautbarungen? Oder schrieb die eine Redaktion von der anderen (falsch) ab? Journalismus ist das freilich keiner.

Unbestritten ist, dass sich die Medien keine Mühe machen, einem wichtigen Sachverhalt die notwendige Aufmerksamkeit zu schenken. Immerhin ist der sogenannte Anschlag in erster Linie ein Verbrechen und ein Verbrechen gehört nun mal aufgeklärt. In einem ARD-Krimi würde es kein Zuschauer akzeptieren, würden die Ermittler verschiedene Zeitangaben bezüglich des Mordes machen. Natürlich werden die Verantwortlichen in den Medienhäuser darauf hinweisen, dass es sich bei alledem nur um Online-Artikel handeln würden, die eben nicht mehr auf den letzten Stand gebracht wurden. Aber wo finden sich dann die korrekten Angaben? Sind sie überhaupt zu finden? Ist es den Medienhäusern tatsächlich egal, wenn Fakten in vergangenen Artikeln falsch sind?

Ich möchte Ihnen mit diesen Beispielen nur vor Augen führen, dass Medien genausowenig eine alleswissende Kristallkugel in der Redaktion stehen haben wie gewöhnliche Bürger mit Internetanschluss. Journalisten und Redakteure sind auf Informationen von Behörden und Zeugen angewiesen – mehr haben auch sie nicht zur Verfügung. Und wenn Behörden keine offizielle Verlautbarung treffen, sind Medienhäuser auf inoffizielle Kanäle angewiesen, die nicht immer vertrauens- oder glaubwürdig sind. Oftmals übernehmen die Redaktionen einfach die Daten und Zahlen der größeren Medienhäuser bzw. der Nachrichtenagenturen oder beginnen selbst zu mutmaßen. Auf diese Weise können falsch ermittelte Fakten, die die einflussreichen Zeitungen und TV-Stationen gleichzeitig übernehmen für den Medienkonsumenten richtig erscheinen. Beachten Sie, dass damit auch Manipulation betrieben werden kann, wenn mit Absicht falsche Informationen in die Pressewelt eingeschleust und an die Medienkonsumenten weitergegeben werden. Eine spätere Korrektur – so sie überhaupt erfolgt – kann den angerichteten Schaden nicht mehr gut machen. Siehe den Zwischenfall im Golf von Tonkin, der gar nicht statt gefunden und trotzdem den Vietnamkrieg ausgelöst hat. Oder die Behauptung, der Irak besäße Massenvernichtungswaffen bzw. die Aussage eines jungen „kuwaitischen“ Mädchens im US-TV, das unter (gespielten) Tränen behauptet hat, irakische Soldaten würden kuwaitische Babys aus den Brutkästen werfen. Beide Behauptungen lösten sich später in Luft auf, halfen aber mit, die Bevölkerung auf einen (längst geplanten) Kriegseinsatz vorzubereiten.

Richard Gutjahr: Widersprüche in den zeitlichen Angaben

Ich zermartere mir noch heute das Hirn, warum der freelance journalist und Redakteur des Bayrischen Rundfunks, der diesen so ikonischen Videoclip vom Balkon des Westminster-Hotels gefilmt hat, mehrmals falsche Zeitangaben zur Entstehung dieser von ihm persönlich gemachten Videoaufnahme tätigte – die korrekte Zeitangabe hätte laut dem Bertin-Report nämlich 22 Uhr 35 sein müssen:

Moderatorin: »Das ist eben erst passiert, gegen 23 Uhr.« – Gutjahr: »Kurz nach Ende des Feuerwerks gingen die Lichter wieder an, als ein LKW …« — ARD-Nachtmagazin (ausgestrahlt 15.07./00:01) — Online

»Kurz nach 23 Uhr, das Feuerwerk war gerade beendet …« — ARD Morgenmagazin (ausgestrahlt 15.07/05:38) — Online

»It was a little after 11 pm, the fireworks have just finished …« — BBC (ausgestrahlt 15.07/07:43) — youtube

»Ja, es war genau 23 Uhr und 7 Minuten, das Feuerwerk war gerade vorhin zu Ende gegangen …« — ARD Morgenmagazin (ausgestrahlt 15.07/08:07) — [auf der ARD-Seite nicht mehr abrufbar!]

»Gegen 22:45 Uhr endete das Feuerwerk. Die Lichter gingen wieder an …« — Interview RP-Online (15.07.2016/14:13)

»Um 22.15 Uhr begann das Feuerwerk, für eine Dreiviertelstunde …« — Interview Handelsblatt (15.07.2016/15:08)

Es ergibt keinen Sinn. Keinen. Richard Gutjahr hätte nur auf sein iPhone gucken und das Datum des gespeicherten Videoclips ablesen müssen. Es kann demnach kein Irrtum oder Versehen gewesen sein, da er mehrmals, live auf Sendung, diese falschen Angaben gemacht hat. Auch stellt sich für mich die Frage, welche Zeitangabe er gegenüber den französischen Behörden gemacht hat, die sein iPhone mit seiner eidesstattlichen Aussage als Beweismaterial zu den „Akten“ gelegt haben müssten. Alles andere ist vor Gericht nicht haltbar. Es sei denn, es gab gar keine Untersuchung und niemand, weder Polizei noch Staatsanwaltschaft, scherten sich um die Aussagen eines Boche, eines Deutschen, der in Nizza urlaubte. So oder so wirft es weder ein gutes Licht auf die französischen Behörden noch auf die leichtgläubigen Medien, die die Aussagen von Richard Gutjahr in keiner Weise  hinterfragten bzw. später richtig stellten. Deshalb hege ich klammheimlich den Verdacht, dass beispielsweise Spiegel Online und die ARD die Beginnzeit kurzerhand auf 23:00 geändert haben, um im Einklang mit der (falschen) Angabe von Gutjahr zu sein.

Die Aussagen von Gutjahr in Bezug auf das Ende des Feuerwerks weisen eine Zeitdifferenz von mehr als einer halben Stunde auf (wenn wir davon ausgehen, dass das Ende mit 22:20 korrekt ist). Wie ist das zu erklären? Natürlich werden gutgläubige und kniefällige (und bezahlte) Zeitgenossen der Meinung sein, diese Widersprüche seien in der Gesamtheit des Ereignisses zu vernachlässigen. Ich sehe es freilich nicht so.

[update 8.9.2016:] In einem Artikel der SZ vom 6.9.2016 mit dem Titel Richard Gutjahr kämpft seit dem Münchner Amoklauf gegen Verschwörungstheorien (Autor: Hakan Tanriverdi) heißt es gleich zu Beginn:

»Noch ein letztes kurzes Video will Richard Gutjahr am 14. Juli aufnehmen, als er einen weißen Lkw bemerkt. Es ist kurz nach 22:30 Uhr, der Tag in Nizza ist fast vorbei.«

Am Ende des Artikels finden wir folgenden redaktionellen Eintrag:

»Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hieß es, dass Richard Gutjahrs Video in Nizza um kurz nach 23 Uhr gefilmt wurde. Richtig ist: Das Video wurde kurz nach 22:30 gedreht. Der Artikel wurde entsprechend aktualisiert.«

Wie ist diese redaktionelle Anmerkung zu verstehen? Fakt ist, dass Richard Gutjahr mehrmals live im TV die Zeitangaben von »gegen 23 Uhr« und »genau 23 Uhr und 7 Minuten«machte. Somit würde die Angabe im Originalartikel »kurz nach 23 Uhr« mit den Aussagen von Gutjahr übereingestimmt haben. Merkwürdigerweise aktualisierte die Redaktion später die Zeitangabe auf »kurz nach 22 Uhr 30«, ohne dafür eine Erklärung abzugeben. Somit gibt es  auch hier wieder einen Widerspruch mit Richard Gutjahrs getätigten Aussagen.

Lokalzeitung Nice-Matin: Widersprüche in den zeitlichen Angaben

Wenn wir annehmen dürfen, dass dieses große Ereignis die nötige mediale Aufmerksamkeit sehr zeitnah erfährt, dann von einer lokalen Tageszeitung wie Nice-Matin. Damien Allemand, ein Reporter der Zeitung war sogar zufällig vor Ort, auf der Promenade des Anglais und ist somit ein vortrefflicher Augen- und Ohrenzeuge für das Verbrechen.

Laut dem arabischen Nachrichtensender Al Jazeera soll er gesagt haben, dass das Feuerwerk beendet war, die Menge gerade gehen wollte, als er es Krachen und dann Schreie hörte. »Sekundenbruchteile später kam ein riesiger weißer LKW mit einer wahnsinnigen Geschwindigkeit daher, [der Fahrer] lenkte dabei das Fahrzeug so, um die maximale Anzahl an Leuten niederzumähen. Ich sah entlang der Strecke Körper wie Bowlingkegel [bowling pins] herumfliegen. Ich hörte es mehrmals Krachen, dann Schreie, die ich niemals vergessen werde.« Allemand, so Al Jazeera weiter, sagte, dass er und andere in einem nahe gelegenen Restaurant Schutz gesucht hätten und er weiterhin Leute nach vermissten Familienmitgliedern schreien hörte. Als er nach draußen ging, sah er Leichen, Blut und Leichenteile entlang der Straße.

Sie sehen, Damien Allemand war wahrlich Mitten im blutigen und traumatischen Geschehen. Wir dürfen demnach annehmen, dass wir von ihm, als Berufsjournalist, eine wahre und ungefärbte Bestandsaufnahme erhalten. Doch die erste Überraschung ist jene, dass sein Arbeitgeber, die Tageszeitung Nice-Martin, erst um 23 Uhr die erste twitter-Meldung absetzte, die über Panik und Konfusion auf der Promenade des Anglais sprach, nach dem ein LKW – nach dem Feuerwerk – in die Menge gerast sei. Es dauert somit rund 25 Minuten, bis Journalist Allemand und seine Zeitung die Meldung auf twitter in Umlauf brachten. Da die Zeitung einen verlässlichen Augenzeugen vorweisen kann, ist es unverständlich, warum andere Medienleute nicht auf die Redaktion zugekommen sind. Statt dessen suchten die Redakteure in den sozialen Medien wie besessen nach Augenzeugen, Fotos und Videoclips. Nice-Matin und Damien Allemand wussten somit gegen 23 Uhr, dass es ein LKW war, der in die Menge raste, nach dem Feuerwerk, und dadurch Panik auslöste.

Die französische Nachrichtenagentur AFP, die ebenfalls einen Journalisten vor Ort hatte, meldete um 23:16 in einer Presseaussendung [online], dass ein weißer Lieferwagen [van] auf der Promenade des Anglais während des Feuerwerks [!] in die Menge gerast sei und überall Trümmer herumliegen würden.

Finden Sie es nicht erstaunlich, dass zwei erfahrene Journalisten zwei unterschiedliche Angaben gemacht haben? Ich meine, es muss doch für einen Augenzeugen auf der Promenade des Anglais offensichtlich gewesen sein, ob das Feuerwerk noch zugange war oder nicht, als der LKW herangerast kam und in die Menge fuhr. Aber es wird noch merkwürdiger. Auf einer Infografik (1) von Nice-Matin ist zu lesen: »Das Feuerwerk zum 14. Juli ist auf der Promenade des Anglais gerade zu Ende gegangen. 22h45 Ein weißer LKW fährt auf dem Gehweg in die Menge. 23h00 Der Fahrer wurde erschossen. Er setzte seine Waffe gegen die Polizisten ein. Der LKW wurde auf Höhe des Palais de la Méditerranée gestoppt.« Le feu d’artifice du 14-Juillet vient juste de s’achever sur la promande des Anglais. 22H45 Un camion blanc fonce dans la foule, en roulant sur le trottoir. — 23h00 Le conducteur a été abattu. Il a fait usage des son arme envers les policiers. Il est stoppé au niveau du Palais de la Méditerranée.

Sieht man sich den Live-Blog von Nice Matin an, stößt man auf eine Infografik (2), die am 15. Juli um 1 Uhr 30 in der Früh (also etwa drei Stunden nach Ende des Feuerwerks) erstellt und auf die Webseite gestellt wurde. Im Text heißt es: »Zwischen 22h30 und 23h00 ist ein LKW kurz nach Ende des Feuerwerks in die Menge gerast. Der LKW wurde auf Höhe des Westminster Hotels [!] gestoppt, nach dem er 2 Kilometer auf der Promenade des Anglais zurückgelegt hat.« Promenade des Anglais: Entre 22h30 et 23h00 un camion fonce dans la foule peu après la fin du feu d’artifice. Le camion est stoppé au niveau de l’hôtel Westminster après avoir parcouru 2 kilomètres sur la Promenade des Anglais.

Es ist geradezu erschütternd, dass die Lokalzeitung nicht in der Lage war, innerhalb von drei Stunden die korrekten Daten zu ermitteln. Noch dazu, wo einer ihrer Journalisten vor Ort war und Augenzeugen befragen hätte können. Äußerst merkwürdig die Angabe des Haltepunkts des LKWs mit Hotel Westminsters. Es ist jenes Hotel, von dessen Balkon Richard Gutjahr die langsame Fahrt des Fahrzeugs filmte. Da der Videoclip in den sozialen Medien bereits kurz nach der TV-Ausstrahlung um Mitternacht verfügbar gemacht wurde, ist es verwunderlich, dass kein Mitarbeiter von Nice Matin bemerkt haben soll, dass das Hotel Westminster nicht als Haltepunkt in Frage kommen kann. Auch ist die Zeitangabe (22h30 bis 23h00) sehr vage gehalten und macht mit dem Zusatz »kurz nach Ende des Feuerwerks« wenig Sinn, es sei denn, der LKW benötigte für die 2 Kilometer lange Strecke tatsächlich eine halbe Stunde, was einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 4 km/h entspricht.

Um Mitternacht wusste Nice Matin noch immer nicht, wann der LKW gestoppt wurde. Geht man von Infografik (1) aus, dürfte sich die Lokalredaktion mit einer falschen Zeitangabe, nämlich 23h00, abgefunden haben. In Bezug auf den Beginn geht man im Hauptartikel richtigerweise von »kurz nach 22h30« aus, die Infografiken wurden dahingehend aber nicht (mehr) aktualisiert und tragen deshalb zur Verwirrung und Konfusion bei.

Sie sehen also, dass auch eine Lokalzeitung mit einem Journalisten vor Ort nicht in der Lage war, zeitnah ein zusammenhängendes Bild des Ereignisses zu gestalten. Erst mit den Informationen von Behörden und Lokalpolitikern kristallisierte sich langsam ein Narrativ heraus, das nun der Mainstream übernommen hat, der nun alles tut, um wesentliche Details unter den Tisch fallen und widersprüchliche Zeugenaussagen einfach stehen zu lassen.

22h35: Ende des sogenannten Anschlags

Während die Beginnzeiten in den Medien kreuz und quer gingen, dürften sich die meisten Redaktionen der Medienhäuser für das Ende auf die (falsche) Zeitangabe von gegen 23 Uhr festgelegt haben. Auch wenn diese Angabe mit den (falschen) Beginnzeiten einigermaßen Sinn macht, richtig ist sie deshalb noch lange nicht.

Bei Reuters heißt es:

»Approximately 2300: Bouhlel is shot dead by police« — [online]

Bei FRANCE 24 erfahren wir:

»Ein LKW ist in Nizza gegen 23 Uhr in eine Menschenmenge gerast, kurz vor Ende des Feuerwerks [towards the end].« — [online]

In der FAZ lesen wir im Artikel Chronologie einer furchtbaren Nacht:

»Kurz vor 23 Uhr: Das Feuerwerk ist seit kurzem zu Ende, die Gäste wollen sich auf den Heimweg machen oder noch in der Stadt trinken, tanzen und feiern. […] 23:00 Uhr: Plötzlich, an einer Kreuzung, tritt der Fahrer [des LKWs] aufs Gas und rast in die Menschenmenge. […] Wenige Sekunden später schießt die Polizei zurück, die Kugeln treffen den Fahrer tödlich und durchlöchern auch das Auto.« — [online]

Ein wichtiger Augenzeuge ist der in Melbourne lebende Fotograf Sasha Goldsmith, der vom Balkon seines Hotelzimmers das ikonische Foto des mit Einschusslöchern übersäten LKWs am Haltepunkt machte. In einem Artikel der australischen Zeitung The Age heißt es:

Als das Feuerwerk gegen 23 Uhr beendet war, ging die Familie Goldsmith wieder ins Hotelzimmer, um die Koffer zu packen, da sie am nächsten Tag abreisen wollten. »Wir konnten noch immer die Musik hören, all die Bands haben gespielt«, sagte Frau Goldsmith – »Und dann wurde es ein wenig leiser, ein wenig unheimlich. Ich dachte in diesem Moment: ‚Was ist los? Warum hat die Musik aufgehört zu spielen?’« Sie ging auf den Balkon, um nachzusehen. »Ich hörte ein paar kurze Schreie«, sagte sie – »Und dann kam der LKW die Promenade herunter und ich dachte: ‚Das ist ja verrückt, es sind doch wegen der Feier keine Autos hier erlaubt’«. »Dann bemerkte ich, was der LKW machte.« Frau Goldsmith sagte, es war offensichtlich, dass es kein Unfall war. »Es war ein großer LKW, ein Sattelschlepper [semi-trailer]«, sagte sie, »Jeder drängelte, kroch umher [scrambling], wie kleine Ameisen, die vor etwas davonlaufen.«

Fotograf Antoine Chauvel, der ebenfalls ikonische Fotos des Ereignisses machte – ich werde im Kapitel Katastrophenmedizin noch einmal auf ihn zurückkommen, erzählte CBS This Morning:

»Ich war zu Hause und meine Frau und mein Sohn waren auf der Promenade, um sich das Feuerwerk anzuschauen und um 23 Uhr, als das Feuerwerk zu Ende war, hörte ich Schreie und ich sah aus dem Fenster und erkannte Leute, die liefen …«

Eine wesentliche Frage wird deshalb sein, warum Redaktionen in den Medienhäusern genauso wie wichtige Zeugen so erpicht darauf sind, das Ende der Feuerwerks bzw. das Ende der Fahrt mit 23 Uhr anzugeben.

Die Panik-Reaktionen der Masse

Es gibt vier bekannte kurze Videoclips, die zeigen, wie Besucher der Festivität »panisch« die Flucht ergreifen und »um ihr Leben rennen«. Sieht man sich die Aufnahmeorte an – im obigen Plan sind sie ganz rechts zu finden – so zeigt sich, dass sie vom Anhaltepunkt des LKWs zwischen 9 und 15 Minuten Gehzeit entfernt liegen. Es müssen demnach verschreckte Menschen mehrere Minuten gelaufen sein, um die Zeitangaben zu erklären und dabei Passanten in den Straßen, die weder etwas gesehen noch gehört haben, zu warnen. Für gewöhnlich verhält es sich so, dass eine Panikreaktion in der Masse nur kurz anhält. Schließlich läuft keiner, der einen Schusswechsel hört, bis zum Nordpol, sondern so weit, bis man sich außerhalb der Gefahrenzone befindet. Der gewöhnliche Bürger ist, nebenbei bemerkt, längeres Laufen nicht gewohnt. Es ist demnach unwahrscheinlich, dass durch Schüsse aufgeschreckte Menschen die Strecke durchliefen und nicht bereits vorher Schutz in umliegenden Restaurants, Bars und Hotels suchten.

Seltsamerweise sind bis jetzt noch keine privaten Videoclips aufgetaucht, die eine Panikreaktion hinter dem zurückgelegten (blutigen?) Weg des LKWs zeigen würden. Alle gefilmten Reaktionen gehen ostwärts bzw. nordostwärts vom Anhaltepunkt weg.

Hier eine Chronologie ausgewählter Meldungen, die zwischen 22h30 und 23h00 auf twitter gemacht wurden und die im Zusammenhang mit dem Ereignis in Nizza stehen:

22h40Panik!Hörensagen! – Es erscheint die erste Meldung von @LoreVonRo auf twitter, dass in Nizza etwas »passiert sein muss, weil Leute laufen und schreien und es nach Feuer riecht«.
Der Ort, an dem der folgende kurze Videoclip gedreht wurde, ist nicht überliefert. Der dazugehörige Text [22h45] »Shooting or truck crashing people (?)« ist äußerst interessant, da dieser eine Schießerei im gleichen Atemzug mit einer LKW-Amokfahrt nennt. Zu diesem frühen Zeitpunkt hatte noch niemand solch eine Eingebung. Woher diese Informationen stammen – gesehen und gehört dürfte es die Dame ja nicht haben – bleibt rätselhaft. Man kann davon ausgehen, dass es vorbeilaufende Passanten waren, die ihr diese Info-Bruchstücke zuwarfen, kurz: Hörensagen. [update: Wie in einem Kommentar vermerkt, dürfte die Aufnahme an der Esplanade Georges Pompidou gemacht worden sein, direkt bei der Rue l’Opéra!]

22h41Panik!Hörensagen! – Im Lokal TRY Burger ist auf den Überwachungskameras eine Menschenmenge zu sehen, die in das Restaurant stürmt. In einem Interview gibt ein Paar an, dass es deshalb ins Lokal gekommen sei, weil jemand gesagt hätte, jemand hätte geschossen. Das Lokal in der Rue l’Opéra ist ca. 9 Gehminuten (ca. 750 Meter) vom Anhaltepunkt des LKWs entfernt. Die Panikreaktion fand somit 5 Minuten nach dem Ende statt.

22h42LKW!Hörensagen! – Es erscheint die erste Meldung von @WCIMT auf twitter, dass auf der Promenade des Anglais ein LKW in die Menge gerast sei. Auf die Frage, woher er das weiß, gibt er die folgende kryptische Antwort: [22:46] »meine Freundin, die im [Mariott Hotel] Élysée Palast ist, hat gesehen, wie ein LKW in die Menge gerast ist; ich bin auf dem Platz Massena und habe zwei Detonationen gehört« – Das Hotel steht nicht direkt an der Promenade des Anglais, sondern in der zweiten Reihe und ist ca. 100 Meter vom Gehstreifen der Promenade entfernt.

22h42Panik!Ahnungslosigkeit! – Auf twitter schreibt @karhiak: »Verdammt noch mal?! Leute laufen und die Polizei sagt, man soll hinein gehen.« [22h45] »Überall Polizei, Krankenwagen. Leute in Panik. Was ist da los, in Nizza?«[22h45] »Ist der McDonalds wirklich ein guter Platz um sich zu verstecken? Vielleicht nicht, aber zu ängstlich, um rauszugehen. Was ist da los, verdammt noch mal?« [23h00] »Sie sagten uns, wir sollen in der McDonalds-Filiale in den oberen Stock gehen, Türen sind versperrt. Ich hörte, dass jemand Feuerwerkskörper auf Leute abfeuerte.« [23h51 Antwort] »Weiß wirklich nicht, was da passiert. So konfus alles.«

22h44 Panik! Ahnungslosigkeit! – Videoclip l’Opera von @yvnnick: »Ich bin in Nizza da gibt es Bewegung in der Menge, weiß nicht wieso.« [Oper von Nizza/ Rue Saint-François de Paule]

22h45LKW!Hörensagen! – Auf twitter schreibt @Ougaverde: »Nizza ist Schauplatz einer totalen Verwüstung. Mehrere Augenzeugen sprechen von einem LKW, der am Meeresufer in die Menge gerast sei«

22h48 Panik! Ahnungslosigkeit!Im Lokal Obsession filmt ein Gast von der Terrasse die fluchtartige Bewegung einer Menschenmenge. Panik! Auf seine Frage, was geschehen sei, wird nicht reagiert. Das Lokal ist etwa 12 Gehminuten (ca. 1000 Meter) vom Anhaltepunkt des LKWs entfernt. Die Panikreaktion fand somit 13 Minuten nach dem Ende statt.

22h50Panik!Amokschütze? – Auf twitter schreibt @exbabacool: »Ausbreitende Panik in Nizza auf der Promenade des Anglais, Amokschütze ? Fortsetzung folgt.« Worauf @addyBreizh antwortete [22h55]: »Nach dem, was ich im Web gesehen habe, ist ein LKW gegen eine Menschenmenge geprallt, womöglich 3 Tote … unbestätigt [rien de sûr

22h51Panik!Amokschütze? – Auf twitter schreibt @LOUIS_via_ROMA: »Ein Amokschütze [gunman] ist in der Menge, während des Feuerwerks, hier in Nizza, Hunderte laufen weg«

22h53Panik! Explosionen? – Auf twitter schreibt @Ibn_Sayyid: »Gerade eben: Panik in der Menge, Sirenengeheul und Gerüchte einer Explosion in Nizza. Zahlreiche Straßen sind von der Polizei abgesperrt.« [23h01] Nach Leuten, die vor Ort den 14. Juli gefeiert haben, handelt es sich um ein Rammfahrzeug [une voiture-bélier], das in die Menge gerast sei. Ein Anschlag?«

22h54Panik!Ahnungslosigkeit! – Auf twitter schreibt @ivanhayala: »Die Bars sind nun voll mit all den Gästen und den Leuten, die hereingelaufen kamen. Man weiß weder, was passiert ist, noch wie schwerwiegend es ist.«

22h55Social Media Stille über LKW? – Auf twitter schreibt @zainshallah: »Ein Kerl fährt mit einem LKW in die Menge und niemand spricht darüber ????????«

22h56 Panik!Ahnungslosigkeit! – Auf twitter schreibt der australische Redakteuer @coadline (David Coady – siehe Interviews!) »Muss nichts zu bedeuten haben, aber ich bin gerade mit Scharen von Leuten von der Promenade in Nizza weggerannt. Kurz nach dem Feuerwerk.«

22h58Panik! Ahnungslosigkeit! – Auf twitter schreibt @selfportraits (daphne): »Ich habe keine Ahnung was da abgeht in Nizza; gerade eben haben nach dem Feuerwerk Leute zum Laufen und Schreien angefangen.«

23h00Promenade verlassen! – Auf twitter schreibt @NathalieHuron, dass die Leute in den Gebäuden Zuflucht gefunden hätten, Terrassen leer stünden und die Autos der Sicherheitskräfte alle auf der Straße seien.

01h31vollständige Evakuierung! – Auf twitter schreibt @AlbanMikoczy, Redakteur von France 2, dass nur noch Einsatzkräfte vor Ort seien und alle gesunden Leute evakuiert worden seien. / ‚#niceattentat : sur les lieux du drame, ne reste que les ambulances . Toutes les personnes valides ont été évacuées‘. Kann es wirklich so lange gedauert haben?

Ist Ihnen bei all diesen Meldungen etwas aufgefallen? Es war kein einziger Augenzeuge dabei, der bestätigte, dass er einen LKW auf dem Gehweg der Promenade des Anglais in eine Menschenmenge fahren hätte gesehen. Finden Sie das jetzt nicht ein wenig merkwürdig? Die Festivität soll 30.000 Besucher angezogen haben, verteilt auf die Promenade des Anglais. Und kein einziger, der in den sozialen Medien zeitnah darüber berichtete? Das hat jetzt nichts mit Voyeurismus zu tun, sondern es geht auch darum, andere zu warnen, auf eine mögliche Gefahr aufmerksam zu machen und die Koordinationsstelle der Einsatzkräfte vorzubereiten. Wie man es auch dreht und wendet, diese Stille der sozialen Medien vor 23 Uhr ist verdächtig. Danach, gewiss, strömten die Meldungen nur so ein, überschlugen sich förmlich Bilder und Augenzeugenberichte, doch für eine halbe Stunde – eine gefühlte Ewigkeit in der digital vernetzten Welt – war tote Hose angesagt. Ist das erklärbar? In einer Welt, in der jedes Kind bereits ein Smartphone in der Tasche hat? Und finden Sie es nicht auch seltsam, dass jene, die sich in der Zeit zu Wort meldeten, recht ahnungslos im Dunkeln tappten? Die Leute liefen, rannten, schrien – aber warum es zu dieser Panik kam, war nicht wirklich festzustellen. War es der LKW? War es der Schusswechsel? Oder war es einfach nur ein Gerücht, das die Leute zum Laufen brachte?

Eine detailliertere Auseinandersetzung mit all den relevanten Twitter-Meldungen habe ich in einem Artikel zusammengefasst: Merkwürdigkeiten in Nizza, 14. Juli 2016: Timeline der Meldungen auf Twitter.

Schlussfolgerung / Conclusio: Zeitablauf des Verbrechens

Die Widersprüche bezüglich des Zeitablaufs in den Medien und in den Augenzeugenberichten sind zusammen mit der 30minütigen Funkstille in den sozialen Medien ein wesentlicher Hinweis darauf, dass die offizielle Version nicht in allen Punkten stimmen kann. Es stellt sich die Frage, warum der blutige und traumatische Anschlag erst ab 23 Uhr die volle Aufmerksamkeit in den alten und neuen Medien erhielt. Eine der größten Ungereimtheiten bei alledem ist und bleibt der deutsche Journalist Richard Gutjahr. Seine (falschen) Zeitangaben müssen einen skeptischen Bürger stutzig machen. Noch mehr, wenn man bedenkt, dass seine Kollegen diese Widersprüche am liebsten unter den Teppich zu kehren versuchen. Bis jetzt ist jedenfalls noch keines der verantwortlichen Medienhäuser an die Öffentlichkeit getreten, um den verdächtigen Sachverhalt aufzulösen. In der Untersuchung eines großen Verbrechens – schließlich handelt es sich hierbei um nichts Geringeres als Massenmord – können Augenzeugen, die wissentlich falsche Aussagen machen, in den Verdacht der Komplizenschaft bzw. der Vertuschung geraten. So lange sich demnach Richard Gutjahr nicht erklärt, muss wohl dieser Verdacht aufrechterhalten bleiben. Sollte er im Auftrag der französischen Behörden mit Absicht falsche Angaben an die Öffentlichkeit gegeben haben, liegt der Ball bei den Behörden, die nun ihrerseits Erklärungsbedarf haben.

4) Augenzeugenberichte

Einführung: Ist die ganze Welt nur Bühne?

Heutzutage können Sie zu jedem Ereignis für gewöhnlich eine Vielzahl an Augen- und Ohrenzeugen in den Medien finden, die bereitwillig über das Gesehene bzw. das Gehörte Auskunft geben. Interessant dabei ist der Umstand, dass es oftmals die Quantität ist, die einen Medienkonsumenten überzeugt, dass sich ein Ereignis so und nicht anders abgespielt haben muss. Das offizielle Narrativ, wie wir nun wissen, ist sehr simpel und reduziert, es vernachlässigt wichtige Fakten und relevante Daten. Medienhäuser sind heutzutage nicht mehr gewillt, das von den Behörden vorgegebene Narrativ mit kritisch-journalistischem Gespür zu hinterfragen, sondern gehen sogar so weit, dieses mit allen Mitteln in den Köpfen der Medienkonsumenten zu verankern. Ein probates Mittel dafür sind die Aussagen von geschockten Opfern, anwesenden Passanten, leicht Verletzten – am besten live auf Sendung oder eben in den Berichten und Artikeln in Zeitungen und Magazinen, unterstützt von zahlreichen Fotos. Ein vertrauensseliger Mensch, der noch keine Ahnung vom korrumpierten System hat, geht davon aus, dass er weder von den Behörden, noch von den Medien und schon gar nicht von Augenzeugen angelogen wird. Warum sollten diese Leute lügen oder die Wahrheit verdrehen?, fragt er sich.

Für die Analyse dieses Grundpfeilers, die Aussagen von Augen- und Ohrenzeugen, müssen wir zwei Aspekte derselben behandeln: Der erste Aspekt ist natürlich der Inhalt des Gesagten. Zum einen möchten wir herausfinden, ob die Aussagen mit dem offiziellen Narrativ übereinstimmen oder dieses in Frage stellen, zum anderen, ob der Zeuge widersprüchliche oder falsche oder sinnlose oder merkwürdige oder surreale Angaben macht, die mit den bisher gewonnenen Erkenntnissen nicht übereinstimmen. Der zweite Aspekt ist die Art und Weise, wie der Zeuge seine Aussage tätigt. Ist er entspannt oder nervös? Steht er unter Schock? Hat ihn das Gesehene bzw. Gehörte aus der Fassung gebracht? War das Erlebnis traumatisch? Kurz und gut, wir müssen feststellen, ob der Zeuge und damit das Gesagte glaubwürdig ist. Hegen wir Zweifel an der Glaubwürdigkeit, muss es nicht zwingend bedeuten, dass der Zeuge lügt oder die Unwahrheit sagt, aber im Zuge einer Gerichtsverhandlung muss jeder Zeuge über jeden Zweifel erhaben sein, ansonsten ist seine Aussage zu verwerfen. Natürlich ist ein Interview mit einem Journalisten nicht einer Gerichtsverhandlung gleichzusetzen, trotzdem wollen wir in dieser Analyse nicht nur die faktische, sondern auch die emotionale Seite eines Zeugen behandeln.

Bitte beachten Sie, dass Zeugenaussagen einen wesentlichen Anteil an der Aufklärung eines Verbrechens haben. Wir müssen deshalb, analog einer kriminalistischen Untersuchung, jeden Augenzeugen auf Herz und Nieren prüfen, wollen wir zum wahren Kern vordringen. Falls Sie sich jetzt fragen, warum ein Zeuge lügen oder die Unwahrheit sagen sollte, so ist die Antwort nicht einfach. Gewiss können sich echte Zeugen irren und ich gehe mal davon aus, dass dies gar nicht so selten vorkommt. Immerhin haben wir es mit einer Extremsituation zu tun, die von einer Sekunde auf die andere über den Zeugen (oder das Opfer) förmlich hereinbrach und ihn auf die eine oder andere Weise traumatisierte.

Aber es gibt noch eine andere, für den gewöhnlichen Bürger völlig unbekannte Möglichkeit, warum ein Zeuge flunkert. In der Fachsprache nennt man Leute, die in Krisensituationen vor die Kamera treten und ein Script ablesen, crisis actors. Diese bezahlten (Laien-)Schauspieler werden von Behörden und/oder von Agenturen für Sicherheitsdienstleistungen instruiert und in Szene gesetzt. Für gewöhnlich werden diese Schauspieler in Übungen, sogenannten drills, eingesetzt. Hier ein Beispiel aus Großbritannien, wo die Behörden von einem terroristischen Anschlag in einem Einkaufszentrum ausgehen und diesen Sonderfall simulieren. Etwas größer ging es im US-Bundesstaat Vermont zur Sache, wo nach einer dreijährigen Planung ein mehrtägiges Katastrophenszenario durchgespielt wurde, das rund 5000 Einsatzkräfte in fünfzig verschiedenen Orten einsetzte, inklusive Laien-Schauspieler, die mittels Make-up Verletzte und Tote, aber auch aufgeschreckte, panische Bürger bzw. Passanten zu spielen hatten. Was hat das jetzt alles mit Nizza zu tun, fragen Sie? Ich möchte Ihnen nur begreiflich machen, dass Sie und ich keine Möglichkeit haben, mit absoluter Sicherheit festzustellen, ob es sich bei dem Gesehenen und Gehörten um eine Übung oder einen tatsächlichen Anschlag gehandelt hat bzw. ob ein Zeuge über eine Übung oder einen tatsächlichen Anschlag berichtet.

Um zu sehen, wie die Aussage einer Zeugin auf den neutralen Betrachter wirkt, habe ich als Beispiel eine junge deutsche Touristin ausgewählt, die in einem Interview über ihre Eindrücke von der Promenade des Anglais berichtet: BR-Mediathek: Terror in Nizza »Das kann ich nicht beschreiben« Sehen Sie sich den Clip an, das Gespräch dauert keine Minute, und entscheiden Sie selbst, ob die Zeugin schockiert von einem tatsächlichen Anschlag berichtet.

Natürlich können Sie auf die (inoffizielle) Liste der Toten in den Medien verweisen, die es nur bei einem tatsächlichen Anschlag geben kann. Aber was, wenn diese gar nicht existierten? Wie zum Beispiel ein gewisser Timothy Fournier, der Held, der sich vor den LKW geworfen hatte, um seine schwangere Frau zu retten – eine (angebliche) Cousine Fourniers erzählte die Geschichte im Radio. Ein Journalist versuchte später mehr über diese Heldentat zu erfahren, musste aber feststellen, dass es diesen Fournier scheinbar nie gegeben hat. Zudem stellt sich die Frage, wer eine solche Liste überhaupt erstellen und veröffentlichen darf. Wer wird im Falle eines Todes von wem benachrichtigt? Hier erfahren wir folgendes darüber:

Wenn eine österreichische Staatsbürgerin/ein österreichischer Staatsbürger im Ausland verstirbt, entspricht es den internationalen Gepflogenheiten, dass die Behörden des jeweiligen Landes den Todesfall an die österreichische Vertretungsbehörde (Botschaft bzw. Konsulat) melden, welche die Verständigung der nächststehenden Angehörigen/des nächststehenden Angehörigen in die Wege leitet.

Wie kann es sein, frage ich mich, dass Schul- oder Universitätsdirektoren vor die Kameras treten und den Tod eines ihrer Schüler bzw. Studenten verlautbaren. Und warum informiert ausgerechnet das FBI das Schulbüro eines in Nizza verstorbenen amerikanischen Studenten? Sollte das nicht Aufgabe der Angehörigen sein? Und in Deutschland verlautbart sogar Außenminister Frank-Walter Steinmeier den Tod zweier Schülerinnen und einer Lehrerin aus Berlin. War das in Absprache mit den Angehörigen?

Falls Sie trotzdem den Kopf schütteln, weil diese Überlegungen zu weit hergeholt scheinen, bedenken Sie, dass (Teile der) Behörden und (Teile der) Medienleute schon seit jeher alles taten, um ein von oben vorgegebenes Ziel zu erreichen oder vor zeitnahen Untersuchungen zu schützen – siehe Vietnam in den 1960ern Jahren, siehe Operation Gladio in den 1970er und 1980er Jahren, siehe Afghanistan Ende der 1970er Jahre, siehe Irak, siehe Libyen usw. Ich habe meine Gedanken diesbezüglich in einem Artikel festgehalten  : Nizza, Paris, Charlie, San Bernardino, Boston und der Krieg gegen deine Wahrnehmung.

Bitte beachten Sie, dass die Behörden immer in der Lage sind, sogenannte Maulkörbe zu verteilen. Beispielsweise wurde den Angestellten der Autovermietung in Saint-Laurent-du-Var, die den LKW an den vermeintlichen Terroristen vermietet hatten, verboten, mit den Medien über diesen Sachverhalt zu sprechen, da sie die Untersuchung gefährden bzw. stören würden. Eine Zuwiderhandlung hätte demnach zumindest ein juristisches Nachspiel. Ich erwähne es deshalb, weil der vertrauensselige Bürger davon ausgeht, dass in einer sogenannten  Verschwörung niemals alle Personen zum Schweigen gebracht werden können; ein paar Beteiligte, so geht die Überlegung weiter, würden mit Sicherheit an die Öffentlichkeit gehen und diese Verschwörung aufdecken. Diese Überlegung, so angenehm sie auch sein mag, ist nicht realistisch. Behörden und Medien sitzen immer am längeren Hebel. Ein Einzelner würde regelrecht zermalmt werden.

Bestes Beispiel dafür mag wohl Corentin Delobel, ehemaliger Rechtsanwalt des vermeintlichen Attentäters Lahouaiej Bouhlel, abgeben, der in Interviews bekundete, dass er nicht glauben könne, dass sein ehemaliger Mandant radikalisiert worden sei, da er weder religiös noch psychisch labil gewesen sei und somit überhaupt nicht dem Profil eines fanatischen Selbstmordattentäters entspräche. Tage später wurde erklärt, Delobel hätte sich nur als dessen Anwalt ausgegeben und in den Interviews kurzerhand gelogen. In einer Fußnote erfuhr man schließlich, dass der Anwalt ins Spital eingeliefert worden sei, da er versucht hätte, sich das Leben zu nehmen.

Bitte behalten Sie immer im Hinterkopf, dass der Mensch in der heutigen Gesellschaft so gut wie immer in eine Hierarchie eingebunden ist. Stellen Sie sich vor, ein Journalist sucht Sie an Ihrer Arbeitsstätte auf und möchte etwas über Ihre Firma wissen. Würden Sie ihm ein Interview gewähren? Oder würden Sie nicht vorher mit Ihrem Chef darüber sprechen? Und würde nicht Ihr Chef wiederum mit seinem Vorgesetzten sprechen? Schließlich gibt jemand von ganz oben – von der Geschäftsleitung, dem Vorstand, dem Direktorat – grünes Licht (oder auch nicht). Ein kleiner Angestellter käme niemals auf die Idee, diese Hierarchie zu übergehen – schließlich ist er daran gewöhnt. Auch weiß er, dass ihn eine Verfehlung nicht nur den Job kosten, sondern ihm auch eine Klage einbringen könnte. Und jetzt stellen Sie sich vor, wie sich das Ganze in einer behördlichen Hierarchie anfühlen muss. Glauben Sie wirklich, ein Polizist, ein Forensiker, ein Sanitäter, eine Krankenschwester, ein Spitalsarzt oder ein Kommissar würden es wagen, den von ihren Vorgesetzten vorgegebenen Plan zu durchkreuzen? Gut möglich, dass es dann mit Selbstmord im Polizeibüro endet – so geschehen bei Helric Fredou, einem ermittelnden Kommissar beim sogenannten Charlie Hebdo Anschlag in Frankreich, 2015. Deshalb: Seien Sie um Himmels willen nicht naiv! Gehen Sie immer davon aus, dass Behörden und Medien unter einem Hut stecken und Sie und Ihre Kinder manipulieren möchten, um zum Ziel zu gelangen. Lesen Sie George Orwell und Sie werden verstehen, was hier bereits seit längerem gespielt wird.

Augen- und Ohrenzeugen im Detail

Offiziell ist die akute Gefahr um 22:35:47 gebannt. Der LKW-Fahrer und vermeintliche Terrorist liegt tot am Nebensitz in der Fahrerkabine, wie der französische Staatsanwalt Molin später in der ersten Pressekonferenz bekanntgeben wird. In den Medien wird der chronologische Ablauf wie folgt skizziert:

Amokfahrt des LKWs auf der Promenade [kurz nach dem Feuerwerk] — der Fahrer gibt während der Fahrt Schüsse auf Polizisten und Passanten ab — der LKW kommt zum Stehen und der Fahrer wird in einem kurzen Schusswechsel getötet.

Rhys Lawry, australische Studentin / Courier Mail –  [online]
Panik am Strand! Kein LKW!

»Wir waren am Strand, um das Feuerwerk zu sehen und plötzlich hat jeder zu laufen begonnen und es gab eine wilde Drängerei. Wir hörten Schreie, Leute schrien und jeder lief in eine bestimmte Richtung. Wir dachten, wir sollten jetzt besser auch laufen und es wurde immer hektischer und es gab nur diese Panik.«

Was löste die Panik aus? Leider gibt es keine Angabe der Uhrzeit. Fand die Panik bereits während des Feuerwerks statt? Ein LKW oder Schüsse wurden nicht erwähnt.

Brendan Phillips / AJC – [online]
Feuerwerk? Dann Polizeiautos mit 100 km/h! Kein LKW!

»Wir haben uns umgedreht und hörten Schreie, Leute liefen uns entgegen und als wir uns umschauten, fuhren vier oder fünf Polizeiautos an uns vorüber, auf der Straße, die für den Verkehr gesperrt war [main pedestrian road], etwa 100 km/h schnell (60  mph). Und wie wir mit den Leuten rannten, kam ein Polizist und rief: ‚Allez vite, allez vite‘, das bedeutet ‚Gehen Sie schnell weiter‘.«

Der Zeuge hörte oder sah keinen LKW, er hörte keine Schüsse [im Text heißt es, er hörte Feuerwerk, aber im Live-Interview erwähnte er es nicht], nur Schreie aus der Menge. Und dann fuhren an ihm Polizeiautos die – für den Verkehr gesperrte – Straße [Promenade des Anglais] hinunter. Mit 100 km/h! Das müsste demnach bedeuten, dass die Polizisten am Steuer davon ausgingen, dass die Straße von Passanten frei gemacht worden war. Ansonsten wären die Polizisten ein ungehöriges Risiko eingegangen. Während man also akzeptiert, dass Passanten 100 km/h schnell fahrenden Polizeiautos aus dem Weg gehen, ist das bei einem langsamer fahrenden LKW (Durchschnittsgeschwindigkeit für die 2 km: 37 km/h) scheinbar nicht denkbar, Sirenen hin oder her.

Raffaline Sirianni / Global News – [online]
Menschenleere Promenade des Anglais. Kein LKW!

»Als wir ausstiegen, war die Promenade des Anglais gesperrt, sie war abgeriegelt und wir dachten noch, dass dies ein wenig seltsam sei und als wir um die Ecke kamen, bemerkten wir, dass sie menschenleer [completely empty] war und in dem Moment wussten wir, dass etwas nicht in Ordnung war.«

Leider gibt es auch zu dieser Zeugenaussage keine Angabe der Uhrzeit, aber es fällt auf, dass die Zeugin weder einen LKW noch eine Schießerei erwähnt. Es ist also möglich, dass ein Teil der Promenade des Anglais bereits im Vorhinein gesperrt und evakuiert wurde, noch bevor der LKW seinen Auftritt hatte.

Celia Delcourt / ITV – [zitiert im FT-Liveblog]
Schüsse oder nur entferntes Feuerwerk? Panik! Kein LKW!

»Als das Feuerwerk endete, gingen wir auf die Promenade des Anglais, wir begannen, dort zu spazieren, als wir Schüsse hörten und wir begannen auf die gegenüberliegende Straße zu laufen. Es war dunkel. Wir wussten nicht, was los war. Wir dachten, es sei ein entferntes Feuerwerk [from another place]. Wir begannen zu laufen, weil alle anderen auch liefen, ohne zu wissen, was geschehen war.«

Restaurantbesitzer / FRANCE 24 – [online]
Panik! Pistolenschüsse? Polizei, die Leute von der Straße vertreibt! Kein LKW!

»Wir haben die Leute auf der Straße (Promenade des Anglais) gefragt, warum sie laufen und was los sei, aber niemand hatte eine Ahnung; sie sagten, dass es ein paar Feuerw… Pistolenschüsse/Gewehrfeuer [firew… gunshots] gab, sie wären nicht sicher, aber eine Menge Leute liefen weg und ich dachte, da muss etwas ganz Schlimmes passiert sein. Wir haben die Türen zum Lokal geschlossen, es waren viele Kunden bei uns … wir waren etwa eine halbe Stunde im Lokal. […] Spezialeinheiten der Polizei riefen uns zu, dass wir wieder nach drinnen gehen sollen …«

Colin Srivastava / BBC – [online]
Panik! Die Polizei sagte uns, wir sollen laufen! Kein LKW!

»Wir saßen gegenüber der Altstadt [zw. 600 und 1000 Meter vom Haltepunkt des LKWs entfernt) als uns mehrere hundert Leute mit panischem Gesichtsausdruck entgegen kamen und wir versuchten ein paar von ihnen zu fragen, was denn verdammt noch mal los sei und schließlich sagte einer: ‚Sie müssen gehen. Die Polizei hat uns gesagt, wir sollen laufen.‘ So, okay, wir haben uns mit der Menge mitbewegt und etwa am Beginn des Hügels mit der Festung kam die Polizei und sagte uns ‚Laufen Sie weg!‘ [run now]. Um ehrlich zu sein, wir hatten absolut keine Idee, was los war. Leute sagten uns, dass man sich erzählte, ein LKW sei in die Menge gefahren … dass auch Schüsse abgegeben wurden hören wir gerade in den französischen TV-Nachrichten. Zwanzig bis dreißig Minuten, nach dem wir hier ankamen, sind noch immer Leute gelaufen.«

Die Polizei war scheinbar bestrebt, auch die Altstadt, die an der Promenade liegt, zu evakuieren. War es die Befürchtung, der LKW könnte explodieren? Oder wollte man einfach neugierige Passanten verscheuchen? Interessant, dass die panisch flüchtenden Leute allesamt keine Ahnung hatten, was los war. Und der LKW, der in die Menge raste? Nur Hörensagen. Leider wissen wir nicht, um welche Uhrzeit die Panikwelle den Augenzeugen erfasste.

Evie und Tim Timotheou / Adelaide Now – [online]
Ein großer ‚Bang‘, dann Pistolenschüsse beim Westend Hotel! Kein LKW!

»Im Moment ist das Hotel hermetisch abgeriegelt [in lockdown] und wir sind in unserem Hotelzimmer. Unser Hotel ist an der Promenade des Anglais, wo der Zwischenfall [incident] passierte. Wir sind vielleicht um die 20 Meter entfernt und die ganze Promenade ist nun abgeriegelt. Wir waren an der Promenade, das Feuerwerk dauerte etwa eine halbe Stunde und als es zu Ende war, gingen wir zu unserem Hotel zurück und da gab es im wahrsten Sinne des Wortes einen großen ‚Bang‘ – wahrscheinlich um die 30 Sekunden später hörten wir Gewehrfeuer/Pistolenschüsse.«

Das australische Ehepaar filmte von ihrem Hotelfenster mit einem Mobiltelefon den Gehstreifen auf der Promenade des Anglais, vermutlich kurz nach dem ‚Bang‚ [könnte es der Zusammenprall zwischen Straßenlaterne und LKW gewesen sein – ca. 80 Meter vor dem Hotel?]. Leider ist der Clip nicht abrufbar, man sieht nur ein Bild davon, kann aber auf diesem erkennen, dass keine Körper am Boden liegen oder es Verletzte geben würde. Es deutet somit alles darauf hin, dass es zwar Schüsse, aber keinen LKW zu hören gab. Das Hotel West End ist wiederum 100 Meter vom Hotel Westminster entfernt, von wo Richard Gutjahr den LKW filmte, und etwa 300 Meter vom Haltepunkt des LKWs entfernt. Was es mit dem großen ‚Bang‚ auf sich hat, ist nicht zu klären – wäre es der LKW gewesen, der diesen Krach verursacht hätte, dann hätte das Ehepaar die Folgen noch sehen können und das Gesehene kommentiert; außerdem ist es unwahrscheinlich, dass das Ehepaar zwar diesen Krach hören kann, aber nicht einen am Anschlag fahrenden LKW. Von Panik und Schreien ist in dem kurzen Interview-Ausschnitt ebenfalls nichts zu lesen.

Birgit Gradischnig und Tochter / APA – [online]
Hotels wurden durch Wachpersonal abgeriegelt, Panik am Strand! Kein LKW!

»Die Französischlehrerin befand sich am späten Abend in ihrem Hotel und konnte nicht weg, weil die Securities niemanden aus dem Gebäude ließen.«

Interessant, dass Hotelgäste von Wachpersonal am Ausgehen gehindert worden sind. Sollte dies in allen (größeren?) Hotels geschehen sein, würde dies auf einen ausgelösten Einsatzplan hindeuten. Zum einen macht es natürlich Sinn, Touristen daran zu hindern, in einer für sie fremden Stadt herumzulaufen, die von Einsatzkräften durchkämmt wird. Andererseits würde es durch dieses Ausgangsverbot natürlich leichter möglich sein, unliebsame Zaungäste auszusperren. Fragwürdig ist natürlich der Umstand, dass sich die Touristin das große Feuerwerk an der Promenade entgehen ließ, während ihre Tochter mit Freunden am Strand war und dort in den Sog einer Panikwelle geriet, die plötzlich, ohne Grund, ausgelöst wurde. Wie es weiterging, erzählt diese wie folgt:

»[…] Dann sind wir irgendwann zum Stehen gekommen, dann habe ich mich umgedreht, dann habe ich ein, zwei Schüsse gehört, komplette Panik bekommen, dachte mir, okay, vielleicht war das noch ein verspätetes Feuerwerk oder so, und dann haben wir gemeint, wir laufen einfach in die Altstadt, da, wo mehr Leute sind.«

Roy Calley / BBC – [online]
Eine Explosion? Schüsse? Polizei riegelt Promenade vollständig ab! Kein LKW!

»Nach dem Feuerwerk wollte ich wieder nach Hause gehen, da hörte ich diese mächtige – ich kann es nur beschreiben als, vielleicht, Explosion oder ein Krachen und viele Leute begannen zu schreien und danach folgten, was ich mir dachte, also was ich mir dachte, Schüsse [gunshots], ich kann das nicht bestätigen, weil ich nicht sicher bin, aber die Polizei hat offensichtlich sehr, sehr schnell reagiert. […] Ich wohne 200 Meter von der Promenade entfernt und ich brauchte beinahe eineinhalb Stunden um zu meiner Wohnung zurückzukehren, da all die Straßen abgesperrt sind. Die Polizei hat vollständig die Stadt übernommen, die Promenade ist nun abgeriegelt. Die Polizei stieß dort jeden physisch weg und sagte unmissverständlich, dass man verschwinden solle.«

Auch hier fällt auf, dass die Polizei sehr, sehr schnell die Promenade abgeriegelt und unliebsame Neugierige von dort verscheucht hat. Richard Gutjahr, beispielsweise, konnte ungehindert auf der Promenade mit seinem iPhone die (vermeintlichen) Leichen hinter dem LKW filmen – während drei Polizisten* recht entspannt bei ihrem Polizeiauto stehen und keinerlei Anstalten machen, irgendetwas zu tun. Fotograf Antoine Chauvel, der viele ikonische Fotos der (vermeintlichen) Leichen schoss, meinte, dass es Stunden dauerte, bis Einsatzkräfte zur Promenade kamen. Es sieht so aus, als würden die Polizisten selektiv vorgegangen sein: Die einen erhalten Zugang auf die Promenade und dürfen filmen und fotografieren und bei (vermeintlichen) Leichen sitzen, die anderen werden unmissverständlich aufgefordert, nach Hause zu gehen und dort auch zu bleiben.

*) Im Morgenmagazin vom 15.07./6 Uhr 38 wurde der Videoclip so geschnitten, dass die drei Polizisten nicht zu sehen sind. Im Original sind sie freilich zu sehen [ARD-Mediathek, bei 1:00].

Joel Fenster / BBC – [online]
Panik! Polizeisirenen! Evakuierung! Schüsse? Kein LKW!

»Es war ein ganz gewöhnlicher Abend und wir spazierten herum. Plötzlich begannen Leute zu laufen, es gab Schreie und Polizeisirenen und Polizisten schrien uns an, wegzugehen [evacuate]. Es war schrecklich, im Speziellen, weil wir nicht wussten, was los war. Zu der Zeit hörten wir so etwas Ähnliches wie Schüsse [some kind of gunshots] und wir gingen davon aus, dass hier Leute mit Waffen herumlaufen.«

Will Shore (ehemaliger Militäroffizier) / BBC
Schüsse! Panik! Polizei und Militär riegeln Zentrum ab! Kein LKW!

»Wir hörten Schüsse und gleich darauf begannen hunderte, wenn nicht tausende Leute von der Promenade wegzulaufen, in die Seitenstraßen. So ich bin dann ins Zentrum von Nizza [?] gelaufen, wo ein Jazz-Festival stattfand, und irgendetwas war da los, aber ich fand heraus, dass die Polizei und das Militär absolut jeden von dort hinausbegleiteten [ushering absolutely everybody out of that area].«

Auch hier wieder Polizei- und Militärpräsenz. Ganze Gebiete werden hermetisch abgeriegelt.

Kristen Crouch (KC) / CBS 11 – [online]
Panik auf der Promenade! Vielleicht zwei Pengs? Kein LKW!

Als besondere Augenzeugin habe ich die Texanerin Kristen Crouch ausgesucht, die gegen 23:45 dem US-TV-Sender CBS 11 ein Live-Interview gewährte. Die Amerikanerin war mit Freunden in Nizza um einer Hochzeit beizuwohnen (und vorher abzufeiern). Wir können davon ausgehen, dass sie und ihre Freunde zur gehobeneren Schicht gehören.

Moderator: »So, wie ich es verstehe, sind Sie wegen einer Hochzeit in Nizza und was sich heute Nacht ereignet hat, man spricht im Moment von 60 Toten, und mir wurde gesagt, dass es genau vor Ihrem Hotel passiert ist. Können Sie uns die Umstände, von denen Sie wissen, erzählen und wo sie zu jener Zeit waren?«

KC: Ja. Hallo. Ahm, wir sind ein wenig durcheinander … ahm … wir waren auf einer Party in einem Appartement, etwa eine halbe Meile [ca. 800 Meter] von unserem Hotel entfernt … ahm … wir, also etwa vier von uns, gingen zum Hotel zurück und ich hörte zwei Pop … ahm … ich dachte, es waren Feuerwerkskörper und dann, ich hab mir überhaupt nichts dabei gedacht, wie aus dem Nichts laufen uns all diese Leute entgegen und reden miteinander in französisch und Schreien … ahm … deshalb haben wir automatisch kehrt gemacht und begonnen, zu laufen … ahm … in die Richtung aus der wir gekommen sind und haben wieder das Appartement aufgesucht, wo wir bereits früher waren und das Wohnhaus wurde von Leuten, die Schutz suchen und in Deckung gehen wollten, förmlich überschwemmt … ahm … wir haben später erfahren, dass der Unfall/Zwischenfall [accident] genau vor unserem Hotel passiert ist.«

Moderator: »So …während Sie zu Ihrem Hotel zurück gingen … waren Sie in der Lage etwas vom Schauplatz von heute Nacht zu sehen, es heißt ja, dass ein LKW offenbar in viele Menschen fuhr, auf der Promenade beim Wasser?«

KC: »Die Straßen waren so ziemlich abgeriegelt und sie ließen ab einem bestimmten Punkt niemanden auf die Straße; alles, was ich sah, waren Unmengen von Rettungs- und Polizeiautos, wahrscheinlich mehr als … ich weiß nicht … fünfzig … ahm … unsere Freunde sind später zurückgekommen und wurden auf der Straße von der Polizei durchsucht

Moderator: »So, wie wir es verstehen, heißt es, dass man sich in Sicherheit bringen  und man von den Straßen wegbleiben soll. Haben Sie das auch so verstanden, heute Nacht, in Nizza?«

KC: »Ja, absolut. Wir sind schnell zurück in unser Hotel und haben die Tür versperrt … wir haben nicht vor, das Zimmer zu verlassen.«

Moderator: »[…] Wir haben im Moment keine endgültigen Zahlen. Es muss auf die eine oder andere Weise sehr verstörend für Sie sein, nicht wahr?«

KC: Ja, so ist es definitiv. […] Es ist einfach nur sehr surreal. Ich denke, wir sind alle in einem Schock, fünf von uns schauen gerade CNN und andere TV-Nachrichten und die Zahl [der Opfer] steigt … wir können es einfach nicht glauben, was genau vor unserem Hotel geschehen ist und wir danken Gott, dass wir okay sind.

Moderator: »Die Beschreibungen, die wir bis jetzt erhalten haben, erzählen von einem einzigen LKW, aber wir wissen nicht, wie viele Leute sich vielleicht, vielleicht auch nicht, in diesem LKW befinden; man sagt, dass möglicherweise Schüsse abgegeben wurden … als wir zu Beginn sprachen, da hörte es sich für mich an, dass Sie sagten, sie hörten eine paar Pops, die vielleicht, vielleicht auch nicht Feuerwerkskörper waren, aber wenn die Uhrzeit übereinstimmt, könnte es auch Gewehrfeuer/Pistolenschüsse [gunfire] gewesen sein. Ist das zutreffend?«

KC: »Ja! Von dem, was wir [im TV] gesehen haben und es gibt zahlreiche Leute, die von Schüssen [gunfire] berichtet haben und ich weiß, dass auf den LKW geschossen wurde, [weil] wir sahen ein Video, mit all den Einschusslöchern im LKW.«

Moderator: »Haben Sie etwas gehört, in den Medien, wie es um die Person steht, die im LKW ist?«

KC: »Wir hörten, dass er tot sei.«

Moderator: »Vielen Dank, dass Sie Ihre erlebten Erfahrungen mit uns teilten.«

Nun? Was sagen Sie zu den Erlebnissen von einer Augenzeugin, die Mitten im Geschehen war? Nicht sehr ergiebig, wenn es um verwertbare Fakten geht. Überhaupt deutet nichts darauf hin, dass wir es hier mit einem Anschlag zu tun haben, vielmehr spricht sie von accident, also einem Unfall oder Zwischenfall, der sich genau vor ihrem Hotel (vermutlich das Palais de la Méditerranée) ereignet hatte. Obwohl sie auf der Promenade entlang gegangen ist, hat sie weder Tote, noch Blut, noch einen LKW gesehen. Nur diese ominöse Panik, die sich scheinbar wie ein Lauffeuer ausgebreitet haben dürfte. Hat sie nun Schüsse gehört? Nun, wenn sie diese Pops nicht als Schüsse und Gefahr wahrgenommen hat, dann dürften es auch andere nicht getan haben. Deshalb kam diese Panikreaktion der Menge für sie so überraschend. Doch eigentlich sollte die Panikreaktion mit dem LKW synchronisiert sein. Wir erinnern uns: Der Fahrer des LKWs versucht, mit unglaublich hoher Geschwindigkeit, Passanten auf dem Gehweg der Promenade förmlich niederzumähen und schießt gleichzeitig auf sie. Es gibt mehrere Schusswechsel mit der Polizei – aber diese schießen immer auf den fahrenden LKW.

Somit müssen wir uns fragen, warum Kristen Crouch den LKW nicht erwähnt? Die Schüsse, so es welche waren, können nicht ohne den LKW gefallen sein. Es sei denn, es gab zu diesem Zeitpunkt (noch) keinen LKW und die Schüsse wurden trotzdem abgefeuert. Warum? Vielleicht wollte man Panik erzeugen. Warum wollte man Panik erzeugen? Vielleicht wollte man die Promenade von Besuchern räumen? Die Zeugin bestätigt, dass später (demnach zwischen 22h30 und 23h45) Abschnitte der Straße gesperrt waren und Passanten von der Polizei durchsucht wurden. Mit anderen Worten: der Schauplatz an der Promenade des Anglais dürfte nach der Panikwelle recht flott von Einsatzkräften abgeriegelt worden sein. Davon ist auf vielen Fotos freilich nichts zu bemerken.

Ein wichtiger Aspekt ist der Umstand, dass Augenzeugen der Meinung sind, wenn sie etwas im TV gesehen haben, dass es sich so zugetragen haben muss. Kristen Crouch macht gar keinen Unterschied zwischen dem, was sie in der Realität und was sie auf der Mattscheibe gesehen hat. Wird man die Zeugin später einmal fragen, wird sie sagen, sie habe gesehen, wie der LKW mit Einschusslöchern übersät war, lässt aber die wesentliche Information „im TV“ weg, weil sie (und sehr viele andere Zeugen auch) davon ausgeht, dass es keinen Unterschied macht. Wir haben das Glück, dass dieses Interview live gesendet und (wahrscheinlich) nicht editiert wurde. Man könnte das Interview ohne Aufwand so editieren, dass es klingt, als hätte die Zeugin den LKW mit den Einschusslöchern wirklich gesehen, auf der Straße – und nicht im TV. Man könnte ihre Aussagen so zusammenschneiden und verdrehen, dass es sich anhört, als würde sie den accident und den LKW gesehen haben, da dieser Zwischenfall genau vor ihrem Hotel passierte. Einfacher ist es natürlich, wenn verantwortliche Medienleute einfach den Videoclip vom Netz nehmen und nur noch Ausschnitte in Textform präsentieren. Glücklicherweise gibt es das Web, das so schnell nichts vergisst – auch wenn es behördliche Bestrebungen gibt, dem Internet das Vergessen beizubringen. Schlag nach bei Orwells Memory Hole.

Eric Drattell / NPR – National Public Radio (US) – [online]
Seine taube Frau, die Schüsse hörte und Widersprüche

Der zweite Augen- und Ohrenzeuge ist Eric Drattell, ein in London lebender Amerikaner, der sich mit seiner Frau zufällig in Nizza aufhielt und zum Zeitpunkt des Geschehens in einem Strandlokal aß. Interessant ist der Umstand, dass Drattell von zahlreichen Media-Outlets interviewt wurde, obwohl er eigentlich nichts von einem LKW erzählen konnte, da er am Strand keine Sicht auf die höher gelegene Promenade des Anglais hatte. Das Interview dürfte gegen 2 Uhr  früh gemacht worden sein. Also rund 3 1/2 Stunden nach dem Zwischenfall.

Moderator: »Sagen Sie uns, was Sie heute Nacht gesehen haben.«

Eric Drattell: »Also, wir haben uns das Feuerwerk angesehen. Wir waren im Restaurant am Strand, der etwa 3 Meter unterhalb der Promenade des Anglais liegt. Das Feuerwerk war gegen 10h30 beendet. Wir zahlten unsere Rechnung, und  auf einmal hörten wir Pop, Pop, Pop, Pop und Leute schreien. Und meine Frau, obwohl sie taub ist, erkannte das Geräusch als Gewehrfeuer/Pistolenschüsse [gunfire] und nahm mich bei der Hand/packte mich [grabbed me]. Wir begannen, in Richtung Lokal, Küchenbereich, wo die Toiletten und was sonst noch sind, zu laufen. Während wir so liefen, begannen Leute von der Promenade auf den Strand zu springen, der 3 Meter – 12 oder 13 feet – tiefer liegt. Einer sprang tatsächlich so weit, dass er auf meine Frau fiel. Sie ist leicht verletzt, aber okay. Wir kamen mit etwa, ich würde sagen, 10 bis 12 anderen Leuten, in den Toilettenraum und waren dort für eine geraume Weile.«

Moderator: »Sie hatten keine Ahnung, was sich außerhalb dieser Toilette ereignete?«

ED: »Nein, nichts, überhaupt nichts. Ich war auf twitter und habe versucht herauszufinden, was los sei, bekam aber nur wenig Informationen. Die Polizei sagte niemandem auch nur irgendetwas. Später wurde uns erlaubt, herauszukommen, in einen Bereich, der noch immer Deckung bot und dann hieß es, wir sollen wieder zurück. Und dann, nach etwa 2 Stunden, wurden wir alle evakuiert – wir wurden als Gruppe in ein Hotel gebracht, etwa 150 Meter den Strand hinunter, wo Polizei Augenzeugen befragten und Leute, die verletzt waren, behandelt wurden. Und dann, ich schätze es war gegen 1 Uhr 30 früh, etwa vor 40 Minuten, wurde uns erlaubt, das Hotel, wo wir waren, zu verlassen und zurück zu unserem Hotel zu gehen, das an der Promenade des Anglais liegt. Wir mussten einen Umweg machen. Ich kam bei einem Hyatt heraus, das vielleicht 100 Meter in der anderen Richtung von der Promenade entfernt ist. Und das ist offensichtlich der Ort, wo der LKW angehalten wurde.«

Moderator: »Wie Sie so hin- und hergegangen sind, während der Abendstunden, was haben Sie auf den Straßen gesehen?«

ED: »Also, zunächst, als wir vom Strand in das erste Hotel gingen, sahen wir eine Leiche [body]. Ich sah einen Kinderwagen, der überfahren wurde, sah Verkehrsschilder und andere Trümmer. Aber als wir zurück gingen, vom Hyatt zu unserem Hotel, da lagen Leichen über… Leichen und Blut überall. Es war wirklich – Ich bin total geschockt. Es war ein unbeschreibliches Blutbad [carnage].«

Nun? Was halten Sie von diesem Augen- und Ohrenzeugen? Ist es nicht sonderbar, dass die Polizei, rund 3 Stunden später, Passanten in die Nähe der Unfallstelle ließ? Wie Kristen Crouch erwähnte, gab es (zumindest vor 23h45) bereits Absperrungen. Wie kann es sein, dass Eric Drattell ungehindert seinen Weg gehen konnte? Warum wurde er nicht von Polizisten angehalten und durchsucht? Und sah er tatsächlich Leichen oder nur Körper, über die ein weißes Tischtuch (siehe dazu das Kapitel Katastrophenmedizin) gelegt worden war? Stellen Sie sich vor, in all dem Chaos macht sich jemand den makaberen Scherz, eine Schaufensterpuppe mit einer Decke zuzudecken. Wie hätte nun Eric Drattell – oder die TV-Zuseher – darauf reagiert? Vermutlich hätten sie alle behauptet, sie hätten eine Leiche gesehen. Tatsächlich haben Sie aber nur das Abbild einer zugedeckten Leiche gesehen. Es mag für sie spitzfindig sein, aber vor Gericht müssen wir sorgfältig unterscheiden, was haben wir gesehen und was haben wir angenommen. Eric Drattell, der mit weißen Tüchern bedeckte Körper gesehen hat, nimmt an, dass sich unter den Decken Leichen von Menschen befanden.

Wir dürfen dabei nicht den Umstand aus den Augen verlieren, dass die Promenade des Anglais, in Höhe des Hyatt, mit Sicherheit ein großer Tatort war, der weiträumig abgesperrt werden hätte müssen. Warum ein Passant wie Eric Drattell nicht vom Tatort weggewiesen wurde, ist nicht erklärbar. Oder hatte er das uns Geschilderte nur von Weitem (oder im TV?) gesehen? Wir erinnern uns, dass der LKW und das Straßenstück von der Hotelseite durch Palmen und Strauchwerk schlecht einzusehen war.

Seltsam auch die Evakuierung vom Strand in ein nahegelegenes Hotel. Warum? Es hätte auch noch zahlreiche andere Aufgänge gegeben, die nicht über den Tatort geführt hätten. Da die Leute im Restaurant so oder so nichts sehen konnten, waren sie als Zeugen auch nicht wirklich relevant. In diesem Video heißt es, dass den Leuten, die angewiesen wurden, am Strand zu bleiben, gegen 1 Uhr früh erlaubt wurde, diesen zu verlassen. Das war auf Höhe Rue Halévy, rund 150 Meter vom Hyatt und dem Haltepunkt des LKWs entfernt und es war auch dort, wo die Polizei die Zugänge zur Promenade des Anglais abriegelt hatte und wo die TV-Kameras für die „Live-Bilder“ aufgestellt waren. Demnach war es nicht einmal der Presse erlaubt, näher zu kommen.

Dass es ausgerechnet seine gehörlose Ehefrau gewesen sein soll, die diese Pop-Geräusche als Pistolenschüsse erkannt haben wollte, klingt befremdlich. Da er die selbe Story auch in anderen Interviews erzählte [hier mit MSNBC live], ist ein Irrtum oder Versprecher ausgeschlossen. Sieht man sich seine Twitter-Meldungen [online] an, dann finden wir folgende Einträge:

22h59 Terror attack in Nice France. We’re OK
23h02 #nice terror attack. Linda and I are safe below street. Any news?
23h03 terrorists in truck opened fire above us
23h06 #nice terrorists jumped off truck opened fire on place d’anglais. No news on injured or dead
23h08 we’re safe. Told to shelter. Apparently it’s not over
23h10 #nice. Being told to get back into sheltered area
23h12 @xy don’t know what is going on. Told to get back into shelter
23h12 @xy fucking asshole. Your are not here and didn’t here [hear] the automatic gunfire
00h01 #nice being moved back into shelter. Any news above ground?
00h52 #nice we’ve been evacuated along with everyone sheltered at Sporting plage restaurant
00h52 Lots of debris on road. Saw one body

Was fällt Ihnen auf? Eric Drattell ist um 22h59 der Meinung, es handle sich um einen Terroranschlag, obwohl er weder etwas gesehen noch gehört hat, abgesehen von den Pops, die freilich nur seine gehörlose Frau als Schüsse erkannt haben wollte. Damit ist er einer der ersten, wenn nicht sogar der erste, der in den sozialen Medien nicht nur von Panik und Schüssen, sondern auch von einem Terroranschlag spricht [Richard Gutjahr folgte 8 Minuten später mit seinem berühmten Tweet: Der Moment, wenn sich vor deinen Augen ein Terroranschlag ereignet. Und nein, jetzt kein Periscope-Livestream #Nizza – erwähnenswert an dieser Stelle ist, dass Gutjahr bereits bei seiner Videoaufnahme von einem Anschlag sprach und dabei nervös in Deckung ging; dieser Teil der Videoaufnahme wurde aber von ARD nicht gesendet].

Dass Drattell um 23h03 und 23h06 Angaben darüber macht, dass Terroristen (Mehrzahl!), das Feuer eröffnet hätten und vom LKW gesprungen seien, ist widersprüchlich zu seiner im Interview getätigten Aussage, er hätte mit anderen Leuten in einer Toilette Schutz gesucht. Auch die schnippische Antwort gegenüber jemandem, der wohl seine Meldungen nicht glauben wollte, ist bemerkenswert, spricht er doch von automatischem Gewehrfeuer. Im LKW wurden offiziell nur zwei Replika-Sturmgewehre gefunden, die können es nicht gewesen sein, die er hörte. Hat er (oder seine Frau) in der Toilette die Pistolenschüsse mehrerer Polizisten als Maschinengewehrfeuer wahrgenommen? Auf dem Nader-Videoclip, der den Schusswechsel zeigt, ist jedenfalls kein automatisches Gewehrfeuer zu hören.

Kurz und gut, der »Augen- und Ohrenzeuge« Drattell widerspricht sich und ist damit nicht glaubwürdig. Seine mysteriöse Vorahnung, es handle sich um einen Terroranschlag, kommt ausgesprochen früh, nämlich zu einem Zeitpunkt, wo andere noch ahnungslos waren oder unsicher zwischen Amokfahrt, Unfall und Amokläufer in der Menge pendelten. Wir müssen uns immer vor Augen halten, dass Drattell in einer Toilette saß, 3 Meter unterhalb der Promenade. Woher kamen also seine Informationen? Und warum war er sich seiner Sache so sicher? In seinen Tweets finden sich keine Fragezeichen, keine Einschübe von Worten wie „vielleicht“, „möglicherweise“, „es sieht so aus“, usw. Diese Bestimmtheit ist suspekt.

Und schließlich stellt sich auch an dieser Stelle wieder die Frage, warum sein erster Tweet über den Zwischenfall um 22h59 erfolgte, also ganze 25 Minuten nach den letzten Schüssen? Wenn wir die Zeit für die Flucht in die Toilette und das Aklimatisieren in der neuen Umgebung einmal abziehen, hätte er viel früher twittern müssen. Warum hat er es nicht getan?

Nader El Shafei / Global News [online]
LKW, der ein Mädchen überrollte, blieb vor ihm stehen

Der ägyptische Tourist Nader El-Shafei [wird in Folge Nader genannt], der direkt in die Schusslinie des Fahrers kam, nach dem der LKW direkt vor ihm zum Stehen kam, filmte den Schusswechsel zwischen Polizei und Fahrer. Warum der Fahrer den LKW abbremste und seine Todesfahrt nicht fortsetzte, bleibt ein ungelöstes Rätsel. Versuche, dieses Rätsel zu lösen, gibt es natürlich. Aber es bleibt widersprüchliches Stückwerk. So soll ein gewisser Eric Ciotti im Radiosender Europe 1 laut FRANCE 24 [siehe Live-Blog: 15.07/9h52] folgendes gesagt haben: »Eine Person ist auf den LKW gesprungen, um zu versuchen, ihn zu stoppen. Genau in diesem Moment war die Polizei in der Lage den Terroristen zu neutralisieren. Ich werde niemals den Ausdruck im Gesicht der Polizistin vergessen, die den Killer stellte.«

Aber Augenzeuge Nader, der zu diesem Zeitpunkt im wahrsten Sinne des Wortes mitten im Geschehen war, weiß nichts von einer Person, die auf den LKW gesprungen ist oder von einer Polizistin, die den Killer gestellt hätte. Seltsam, nicht?

Eine ebenfalls merkwürdige Beschreibung der letzten Momente machte auch Franck, der sogenannte Held auf dem Motorscooter, der im Videoclip von Richard Gutjahr zu sehen ist: Franck, der Fahrer des Motorrollers fährt an die Seite des in Schrittgeschwindigkeit fahrenden LKWs; er versucht mit der Hand zur Fahrertür zu gelangen, aber es will nicht gelingen und er stürzt. Warum Richard Gutjahr anfänglich der Meinung sei, Franck wäre überrollt worden, ist rätselhaft. Schließlich hätte Gutjahr einen leblosen Körper, Körperteile und Blut auf der Straße sehen müssen. Da es aber dergleichen nicht gab, konnte er nicht überfahren worden sein. Außerdem sieht man im Videoclip, wie Franck sich aufrappelt und dem beschleunigenden LKW hinterherläuft. Mehr ist nicht mehr von ihm zu sehen. Franck behauptet, dass er den LKW eingeholt, sich am Türgriff der Fahrerkabine festgehalten und  mit seiner freien Hand auf den Fahrer eingeschlagen hätte. Aber auch davon berichtet Nader nichts. Konnte er Franck nicht sehen?

Hier nun der Augenzeugenbericht, aufgezeichnet von Global News, den der Ägypter Nader El Shafei am nächsten Tag, 15.07., gab. Sein erstes Interview, rund 5 Stunden nach dem Ereignis, machte er mit dem französisch. Nachrichtensender BFMTV um etwa 4h40 früh. An zwei Stellen ergänze ich das eine mit dem anderen Interview.

»Ich war mitten im Geschehen, weil ich das meiste sah was passierte, es passierte vor mir, vor meinen Augen und gerade nach dem das Feuerwerk beendet war, gingen die Leute auf die Straße, ich war einer von ihnen, ich war unter den Leuten und plötzlich hörten wir Schreie und sahen einen LKW auf uns zukommen und ich war zufälligerweise mitten auf der Straße, der LKW war direkt vor mir und ein paar anderen Leuten, so der LKW stoppt vor mir, einen Meter, maximal eineinhalb Meter und ich sah ein Mädchen, das vom LKW überrollt wurde [BFMTV/04:44: »Er hat sie der ganzen Länge nach überrollt« — »The truck smashed her all over the way«] und ich bemerkte hinter dem LKW eine Menge Leute auf dem Boden liegen, aber ich begann, dem Fahrer zuzurufen – er trug eine Uniform, ich glaube eine blaue Uniform [BFMTV/4h46: »Er trug eine ihrer (?) blauen Uniformen wie jene der Polizei oder LKW-Fahrer« — »He was wearing the blue uniform of them like the police or drivers«], so ich dachte, der Fahrer hätte die Kontrolle über das Fahrzeug verloren und es war ein Unfall und ich sah den Kerl, der nur ein paar Meter neben mir stand, wie er das Mädchen hervorholte, die unter dem LKW festsaß, und sie hat sich beinahe (?) überhaupt nicht mehr bewegt und ich winkte zum Fahrer »Stop! Stop! Da sind Leute unter Ihrem LKW!« und ich sah, wie er sich auf eine nervöse Art bewegte [als würde er etwas suchen] und etwas in die Hand nahm, es sah wie ein Mobiltelefon aus, ich dachte, er ruft die Rettung, weil es ein Unfall ist und die Polizisten begannen zu schreien und zu rufen und als er sie näherkommen sah, sah ich ihn eine Pistole ziehen und sogar noch zu diesem Zeitpunkt dachte ich, er wird angegriffen, also, dass ihn jemand von der anderen Seite, die ich nicht sehen konnte, attackierte und ich dachte, er würde sich verteidigen, aber später wurde mir klar, dass er versuchte die Polizisten zu erschießen um sich zu verteidigen und die Polizisten begannen zu schießen und zu diesem Zeitpunkt haben sie mich zur Seite gestoßen, weil ich sehr nah war. Als dies passierte, wusste ich, dass etwas nicht Ordnung war, dass es kein Unfall ist. Also, ich blieb stehen und war wie versteinert, ich nahm nur mein Mobiltelefon, schaltete den Videomodus ein und filmte die Schießerei bis sie ihn töteten und sie kamen näher um sicher zu gehen, dass er tot ist, ich sah seinen Kopf aus dem Fenster des LKWs hängen und als der Polizist mich filmen sah, schrie er zu mir, mich hinzulegen, wegen der Schießerei, ich legte mich auf den Boden, aber filmte weiter, als er mich wieder sah, kam er wieder zu mir und schrie: »Lauf! Lauf!« und er bat all die Leute am Strand, zu laufen, weil, ich glaube, sie dachten, dass der LKW eine Bombe oder sowas hat oder er ist ein Selbstmordkerl und er könnte sich in die Luft sprengen. In diesem Moment begann ich mit den Leuten zu laufen, aber ich filmte noch immer die weglaufenden Leute am Strand bis ich auf die andere Seite kam.« [Schnitt]

»Ich weiß nicht, ob er anhielt, weil die Leute unter dem LKW ihn am fahren hinderten oder ob er anhielt, weil die Polizei hinter mir war, so vielleicht sah er die Polizisten hinter mir und ich meine, sie sind nähergekommen, um zu versuchen, ihn zu stoppen und deshalb hielt er an, um zu versuchen zu überleben, um zu versuchen, so viele wie möglich von ihnen zu töten. Sie können das ja auf meinem Gesicht ablesen … es war sehr schlimm, ich war geschockt, ich hab nicht versucht, den Helden zu spielen, als ich versuchte den Leuten zu helfen. [Schnitt]

All die Leute rannten kreuz und quer, schrien, niemand verstand, was los ist, bis es zur Schießerei kam, in diesem Moment haben wir gewusst, es ist etwas ernstes, und deshalb bin ich zur Seite, als die Polizei mich wegstieß [fragender Blickkontakt nach links], mich bat, nicht im Weg zu stehen, aber ich filmte weiter, fragen Sie mich nicht, warum oder wie, das ist, was passierte, weil ich wie versteinert war.« [Schnitt]

»Ich war nicht ängstlich, weil ich schon einmal in eine ähnliche Situtation kam, vor ein paar Jahren, während unserer Revolution in Ägypten, in Kairo und da sah ich jemanden, der ebenfalls von einem Schuss getroffen wurde und alle Leute rannten weg und ich war es, der ihn retten wollte und ich sah ihn vor meinen Augen bluten. Ich weiß nicht, wie man das jetzt nennt, aber ich bin ein Mensch, der anderen Leuten zu helfen versucht, ich denke an nichts anderes, ich würde mein Leben riskieren, wenn ich das Leben eines anderen retten kann. [Schnitt]

Es ist sehr ironisch, weil kurz vor dem Ende des Feuerwerks [fragender Blickkontakt nach links], dachte ich im Kopf »Wow! Das ist der richtige Zeitpunkt, wenn ein Verrückter etwas tun möchte, hier ist der richtige Ort und der richtige Zeitpunkt, hier unter all diesen unschuldigen Leuten« und ich hätte niemals gedacht, dass diese Idee wenige Minuten später wahr werden würde und als ich zuvor mit meinen Freunden sprach, sagte ich zu ihnen: »Wir haben alltäglich gewalttätige Aktionen [violence] im Nahen Osten und nun sind diese gewalttätigen Aktionen überall, USA, Europa, also, kein Ort ist mehr sicher [Ausblendung]«

Was sagen Sie zu diesem Augenzeugenbericht? Klingt er plausibel? Die erste Merkwürdigkeit ist das überrollte Mädchen, das von einem Passanten hervorgeholt wurde. Ehrlich gesagt, ich denke nicht, dass hier jemand den plattgewalzten Körper hätte hervorholen können. Die Aussage, sie hätte sich »beinahe überhaupt nicht mehr bewegt / she was almost not moving at all« klingt recht vage. Kein Wort, wie schrecklich der Körper zugerichtet war, wie schockiert er gewesen hätte sein müssen (oder gehören überrollte Mädchen in Ägypten zum Alltag?). Es klingt beinahe so, als wäre das Mädchen nur unter den LKW geraten, aber nicht wirklich überrolt worden. Nader bestätigt aber im ersten Interview, auf Nachfrage, dass der LKW smashed her all over the way. Man hätte auch smashed mit zerquetscht oder zerteilt oder in viele Teile auseinandergebrochen übersetzen können, kurz, von diesem Mädchen hätte nichts mehr übrig bleiben dürfen, das man guten Gewissens bergen hätte können. Trotzdem hat sich ein Passant davon nicht abschrecken lassen. Möchten Sie das glauben? Und wo waren Mutter und Vater bzw. Freunde und Verwandte dieses Mädchens? Standen sie ruhig daneben? Die verzweifelten Schreie hätte Nader so schnell nicht vergessen können – Schießerei hin oder her.

Apropos. Nader meinte, er hätte gesehen, wie der Fahrer mit seiner Pistole aus der Fahrerkabine durch seine Windschutzscheibe auf Polizisten schoss. Ich höre zum ersten Mal, dass das jemand machen würde. Wissen Sie eigentlich, wie laut so ein Pistolenschuss in einem geschlossenen Raum ist? Der Schuss ist dermaßen laut, dass der Schütze für eine Weile wie betäubt gewesen hätte sein müssen. Freilich, in Hollywood-Filmen sieht das vielleicht cool aus, in der Fahrerkabine wild um sich zu ballern, aber in der Wirklichkeit dröhnt und klingelt es beim Schützen minutenlang, so er keine Ohrstöpsel in den Ohren hat. Ein Schuss, wie wir in dieser Einführung hören, entwickelt eine Lautstärke von rund 160 Dezibel, damit ist er lauter als ein Düsenjet. Gleichzeitig hätte auch Augen- und Ohrenzeuge Nader andere Sorgen gehabt, als die Schießerei zu filmen, da die Polizisten, die um ihn herumstanden, aus allen Rohren pfefferten. Die Intensität der Schießerei hätte sicherlich auch Nader in Mitleidenschaft ziehen müssen, aber davon ist in all seinen Interviews keine Rede. Es scheint, als würde die Schießerei keinen sonderlichen Eindruck auf ihn gemacht haben. Seltsam, nicht?

Warum hielt der LKW schlussendlich an? Auch Nader konnte beim besten Willen keine vernünftige Erklärung finden (interessant, dass er sich diese Frage stellte). War es, weil der Fahrer in der blauen Uniform so viele Polizisten wie nur möglich erschießen wollte? Aus der Fahrerkabine? Macht keinen Sinn. Warum ist der Fahrer also nicht weitergefahren? Die Polizisten hätten ihn ja sowieso nicht aufhalten können – die Versuche scheiterten bereits zuvor beim Westminister Hotel, wie man im Videoclip von Richard Gutjahr sehen konnte.

War es am Ende eine Palme, die den LKW stoppte? Auch wenn es sonst niemand bemerkt hat und die Fotos nichts dergleichen zeigen, Augenzeuge Kevin Harris will gesehen haben, dass der LKW »in gewisser Weise in einen Baum (Palme) auf der rechten Seite gekracht« sei. Er erzählte es live im TV in der Sendung Good Morning Britain. / ›a truck which had sort of crashed into a tree on the right hand side‹

Der letzte Teil des Interviews mit Nader klingt wie einstudierte Propaganda aus Washington, Paris und Tel Aviv. Niemand ist mehr vor den Terroristen sicher! Und immer haben sie es auf unschuldige Menschen, wie du und ich, abgesehen. Außerdem dürfte man (wer?) Nader gebeten haben, eine Form der Zeitangabe in seine Geschichte zu verpacken. Voilà, schon haben wir sie: »wenige Minuten nach dem Feuerwerk«. Damit steht auch er im Widerspruch mit Richard Gutjahr – es sei denn, das Feuerwerk endete für Nader gegen 23 Uhr.

Kurz und gut, der Augenzeugenbericht von Nader wirkt auf mich zu geölt, zu sehr auf den simplen Punkt gebracht. Man hat nicht das Gefühl, dass er inmitten einer Menschenmenge steht. Eher fühlt es sich an, als würden nur ein paar Leute mit ihm auf der Straße herumstehen. Er erzählt von einem Kerl, der das Mädchen unter dem LKW hervorholt. Aber was ist mit all den anderen Passanten auf der Straße? Es müssten sich hunderte beim LKW befinden, es müssten hunderte gestikuliert, geschrien, gerufen, an die Fahrertür getrommelt haben. Hunderte andere würden näher kommen, würden versuchen herauszufinden, was da denn los sei. Wie konnte der Fahrer die Polizisten in der Menge ausmachen? Noch gab es keine Panik. Noch hatte niemand geschossen. Noch wusste ja keiner, was los war. Laut Nader. Stellen Sie sich vor, ein LKW, der in der Menge steht und wie sich das Wort Bahn bricht, dass er eine Spur der Verwüstung hinter sich her gezogen hat. Wütende und verzweifelte Passanten würden nach vorne, zur Kabine, stürmen wollen und anderen zu verstehen geben, dass der LKW-Fahrer mit Absicht in die Menge gerast sei. Ein Mob hätte sich gebildet, der den Fahrer aus der Kabine zerren hätte wollen. Glauben Sie, die Franzosen können nur ihre Beine in die Hand nehmen, wenn es kracht? Dann hätten sie am 14. Juli gar nichts zu feiern gehabt, da beim ersten Flintenschuss im Jahr 1789 die aufgebrachten Bürger in Panik nach Hause gerannt wären und die Erstürmung der Bastille hätte verschoben werden müssen. Natürlich wollen Medien und Behörden den Eindruck erwecken, die Bürger seien hilflos, schutzlos und ängstlich. Panik-Videoclips im TV, die immer und immer wieder gezeigt werden, unterstützen und bestätigen diesen Eindruck. Dabei ist es in der Historie für gewöhnlich so gewesen, dass sich die reiche Minderheit immer vor der Masse ängstigte und mit allen (gesetzlichen) Tricks des Staates diese in Zaum zu halten versuchte. Heute ist es freilich nicht anders! Vergessen Sie nicht, dass es nur wenige Politiker waren, die wegen einer Hand voll Terroristen in ganz Frankreich den Ausnahmezustand ausrufen konnten. Im Deutschland der 1930er Jahre musste dafür wenigstens noch der Reichstag in Flammen aufgehen.

Bezüglich des Videoclips von Nader, habe ich durch Zufall in facebook eine Analyse gefunden, in der ein im Hintergrund geführtes Gespräch zwischen 1:48 und 2:18 transkribiert wurde. Ich kann den Inhalt nicht verifizieren, möchte aber die nicht uninteressante Information an dieser Stelle aufnehmen:

Mann-1 fragt: »Was ist passiert, was haben Sie gesehen? / Qu’est ce qui s’est passé, vous avez vu?«
Mann-2: *unverständlich* der LKW blieb stehen, das war’s … nur ein paar Sekunden, dann nichts mehr, nichts mehr … und danach hatten die Leute genug Zeit in allen Richtungen zu verschwinden und dann sind die Polizisten gekommen … / *-* il s’est arrêté et plus rien … quelques secondes et plus rien, plus rien … et après donc le temps – de laisser? – que les gens s’en aillent dans tous les sens, les flics sont arrivés … «

Das würde natürlich Sinn machen: Zuerst kommt der LKW, bleibt stehen, dann verschwinden die Leute, dann kommen die Polizisten und schon kann die Show mit Nader losgehen. Aber es gab doch Zeugen, die einen LKW gesehen haben wollen, der mit hoher Geschwindigkeit in die Menschenmenge fuhr, oder etwa nicht?. Und hieß es nicht, dass der Fahrer aus dem Seitenfenster schoss? Gut, sehen wir uns einmal die Aussagen jener Zeugen an, die dem LKW sehr nahe gekommen sind.

Janina Konopka (Redakteurin) / Tagesschau – 15.07/08h16 – [online]
Der LKW, der sie nur um Millimeter verfehlt, kommt 10 Minuten zu früh!

»Das Feuerwerk ging um Punkt 22 Uhr los und ich hab dann 20 Minuten später auf die Uhr geschaut und 5 nach … 5 vor 22:30 [!] kam dann dieser Riesen-LKW auf uns zu – und ich war mitten auf der Straße, hab’s Gott sei Dank gerade noch gesehen und hab gut reagiert und habe meine Mutter auf die Seite geschubst und bin dann selber auf sie draufgeflogen und der LKW hat ja sämtliche Menschen mitgerissen und wir hatten Glück, wir waren wirklich, wirklich ein paar Millimeter [!] entfernt.  […] Ich hab sofort an Terror gedacht, das war ja unglaublich, weil ja die Promenade des Anglais gesperrt war, das heißt, es konnte sich nur um einen Verrückten handeln.«

Frage: Brach dann Panik aus?

»Ja, absolut! Ich meine, man hat bereits kurz davor Schreie gehört, deswegen konnte ich auch so schnell reagieren, die Menschen haben geschrien, sie lagen natürlich schwer verletzt auf dem Boden … ich habe dann gleich Schüsse gehört und wir hatten uns dann hinter einer Palme verbarrikadiert, weil wir natürlich Wahnsinnsangst hatten und haben dann abgewartet, bis 5 bis 6 Schüsse vorbei waren [!] und sind dann die Straße rüber, direkt in das Restaurant, dahinter befindet sich dann das Casino. Wir wollten einfach nur weg von der Straße … Wir durften dann stundenlang nicht mehr (aus dem Lokal) raus. Wir wussten nicht, was ist draußen. Es gab dann auch noch mal Schreie innerhalb des Restaurants und später kam der Servierer zu uns und meinte, also, das gleicht einer Leichenhalle jetzt das Restaurant, weil die ganzen Verletzten, schwer Verletzten plus Tote alle dort untergebracht wurden.«

Frage: Wie haben die Sicherheitskräfte reagiert?

»Das Problem war, dass diese Straße abgesperrt war, das heißt, die Polizei konnte eigentlich gar nicht so schnell reagieren, man wusste zunächst nicht, sind das Schüsse von der Polizei, was dann wahrscheinlich auch so war. Das gleiche war auch mit den Rettungssanitätern. Eine Italienerin hat mir erzählt, ihr Vater hätte seine beiden Beine verloren und nach einer halben Stunde konnte erst jemand helfen. Man kam einfach nicht an diesen Platz ran, weil alles abverriegelt war, alles abgesperrt war. Und jetzt ist auch die Situation so, dass die Krankenhäuser so überfüllt sind … was das für katastrophale Zustände sind. Die sind einfach überfordert.«

Man weiß jetzt gar nicht, wo man beginnen soll, diesen Augenzeugenbericht zu zerpflücken. Sonderbar, dass sich der Medienprofi in der Uhrzeit vertut. Sie hat den Beginn des Feuerwerks mit Punkt 22 Uhr und das Ende 20 Minuten später veranschlagt. Das deckt sich mit der (in)offiziellen Version. Warum Sie sich dann selber korrigiert und von einer offiziell richtigen Uhrzeit (22h35) zu einer falschen, nämlich viel zu frühen (22h25) wechselt, ist rätselhaft. War es die Aufregung, der Schock?

Faszinierenderweise erfahren wir im späteren Verlauf des Interviews, dass sie mit ihrer Mutter auf der Promenade in Höhe des Casinos bzw. des Palais de la Méditerranée stand – mit anderen Worten, es handelt sich um den Haltepunkt des LKWs zuzüglich vielleicht ein paar Meter. Der LKW kann also unmöglich mit einer großen Geschwindigkeit gefahren sein. Warum dann die Passanten auf der Straße nicht ausweichen konnten, ist mir ein Rätsel. So ein LKW ist ja kein U-Boot, das plötzlich vor einem auftaucht. Er ist von weitem zu sehen – und sollte er bereits fünfzig oder dreißig Meter zuvor, Leute angefahren haben, hätten die Schreie die Passanten in der Straße mit Sicherheit gewarnt. Konopka sagt es ja selbst, dass es die Schreie waren, die sie vorgewarnt hätten. Aber warum haben all die anderen Passanten diese Schreie nicht gehört oder den LKW gesehen und sind zur Seite ausgewichen? Unverständlich. Noch dazu, wo der LKW an dieser Stelle bereits in der Abbrems- bzw. Ausrollphase gewesen sein muss, um dann vor Nader El Shafei stehen zu bleiben. Zwischen dem Hotel Westminster, wo der LKW aus dem Schritttempo beschleunigte, bis zum Haltepunkt, dem Casino bzw. Hotel Palais de la Méditerranée, sind es rund 200 Meter. Man sieht auf dem Clip, dass die Straße vor dem LKW nicht von Passanten begangen wird, man hat demnach einen guten Blick auf den auf der Straße fahrenden LKW und würde rechtzeitig zur Seite treten können.

Falls dem italienischen Vater tatsächlich der LKW über beide Beine gefahren ist, sollte es an den Reifen einer Seite (Blut)Spuren geben. Da ich keine gesehen habe, muss ich davon ausgehen, dass diese Verletzung eine andere Ursache haben muss.

Warum kamen die Sanitätsfahrzeuge nicht durch? Weil die Straßen abgesperrt waren? Der Schusswechsel dauerte nur wenige Sekunden, dann war es vorbei. Glaubten die Verantwortlichen, dass im LKW eine Bombe versteckt war? Sandra Bertin sagte in einem Interview, dass die Polizisten eine halbe Stunde auf den Entminungsdienst warten musste. Davon ist aber in all den Medienberichten kein bisschen zu lesen.

Die Sache mit der sogenannten Verletztenablage bzw. Leichenhalle im Hotel ist genauso unglaubwürdig wie die Überforderung der Spitäler. Wie ich im nächsten Abschnitt zu erklären versuche, hat jede Stadt einen Katastrophenplan, der jederzeit ausgelöst werden kann. Es macht keinen Unterschied, ob zwei Fernreisezüge kollidieren, ein Flugzeug abstürzt, ein Reiseschiff kentert oder ein LKW hunderte Menschen niedermäht – die Stadt sowie die Einsatzkräfte müssen damit umgehen können. Sollte es demnach wirklich eine Überforderung gegeben haben und es zu Engpässen gekommen sein, würde ich nicht den Anti-Terror-Etat erhöhen, sondern die Katastrophenmedizin auf ein akzeptables Level bringen.

Und nur damit das klar ist, kein Laie sollte ein (Tisch-)Tuch über eine leblose Person legen, im Glauben, er hätte eine Leiche vor sich. Das ist Aufgabe des Notfallmediziners. Ausnahmen – beispielsweise, wenn der Kopf vom Rumpf getrennt oder wenn es sich nur noch um Überreste eines Körpers handelt – mag es geben, aber davon war nichts zu sehen, in Nizza. Die Tischdecken, die über die vermeintlichen Leichen gebreitet wurden, blieben generell blütenweiß, abgesehen von einer paar Blutspritzern hie und da. Ein erwachsener Mensch muss schon mehr als 3 Liter Blut verlieren, um in Lebensgefahr zu geraten. Solche Mengen habe ich in Nizza auf Fotos nirgendwo gesehen.

Anna Kessler (Journalistin) / BILD – [online]
Der LKW, aus dem geschossen wurde, kam viel zu früh!

Die deutsche Journalistin Anna Kessler dürfte gegen 2 Uhr früh, also dreieinhalb Stunden nach dem Geschehen, der BILD-Redaktion ihre ersten erlebten Eindrücke mitgeteilt haben, saß sie doch auf der Terrasse des mondänen Aushängeschild-Hotels Negresco.

»Wir saßen mit rund 100 anderen Gästen auf der Terrasse des Restaurants La Rotonde, hatten von dort aus um 22 Uhr das 30 Minuten lange Feuerwerk und die große Militärparade angeschaut. Zwei Minuten später [22h33], wir hatten gerade unser Dessert aufgegessen, hörte ich plötzlich Schreie. Dann fuhr von rechts aus kommend ein großer weißer Lkw mit hoher Geschwindigkeit in Richtung Zentrum. Mein Freund wunderte sich über die hohe Geschwindigkeit des Trucks, weil die Straße doch wegen der Parade eigentlich abgesperrt war. Hinter dem Lkw fuhren mehrere Polizeiwagen, ich hörte Schüsse. Einen Fahrer konnte ich nicht erkennen, ich sah nur, dass die Ladeklappe des Lkw geschlossen war und die Schüsse nicht von dort kommen konnten. […] Jetzt sitzen wir im Hotel fest, zusammen mit rund 150 anderen. Und es werden immer mehr. Immer wieder kommen Menschen ins Hotel, panisch, weinend. Sie berichten von vielen Leichen, die auf der Straße liegen. Im Hotel verteilen die Angestellten Wasser und Decken, niemand darf das Gebäude verlassen. Informationen, wann wir zurück in unser Hotel dürfen, haben wir nicht.«

Später meldete sich die Journalistin mit einem Video-Podcast (fast) aus ihrem Hotel:

»Wir saßen zum Abendessen ähm auf der Terrasse des Negresco, des Hotels hier vorne, auf der Promenade und das Feuerwerk zum Nationalfeiertag war gerade vorüber, eine Minute später [22h21] hörte ich Schüsse und wir sahen einen weißen LKW die Promenade entlang … völlig schnell die Promenade entlang rasen, die ja eigentlich gesperrt war für Autos und dann eben die Schüsse, Leute schrien, rannten die Promenade entlang und wir Gäste auf der Terrasse haben uns natürlich dann angeguckt und irgendwie Schock in den Augen sind dann irgendwie blind nach hinten gerannt und haben uns geduckt, zwischen den Blumenkübeln in Sicherheit gebracht, weil wir dachten, dass aus dem LKW irgendwie rausgeschossen wird und äh ja, wir sind dann ne Minute später ähm in die Lobby vom Negresco eben dann reingeflüchtet. [Frage?] Panisch! Da war ne Familie mit einem kleinen Kind, das hat geschrien, jemand sagte: ‚Bringt das Kind zum Schweigen! Wir müssen ruhig sein! Es darf uns hier niemand finden!‘ Andere versuchten dann nach hinten wegzurennen, auf die Straße, aber da war eine Plexglasscheibe und wir waren quasi in so einer … gefangen in so einem Eck und dann hat irgendjemand vom Hotelpersonal dann die Tür aufgemacht und wir konnten ins Restaurant rein und in die Lobby. [Frage?] Viele weinten, waren panisch, kamen dann immer Weinende ins Hotel rein, die völlig aufgelöst waren und die wohl noch Schrecklicheres mitangesehen haben, direkt von der Promenade dann. [Frage?] Genau. Wir konnten dann eben gehen und mussten paar hundert Meter durch die Stadt flitzen, natürlich mit einem furchtbar mulmigen Gefühl im Bauch und sind jetzt einfach fast [?] hier in unser Hotel gerannt.«

Was sagt man dazu? Zuvor war Sie der Meinung, dass der LKW um 22h33 entlang raste – was recht punktgenau in die (in)offiziellen Zeitleiste passt [22h34] – im zweiten Anlauf änderte sie die Zeit auf 22h20. Vermutlich dachte sie, das Feuerwerk hätte eine halbe Stunde gedauert – das teilte sie ja der Redaktion mit – was freilich nicht stimmte, da wir ja wissen, dass es nach 19 Minuten zu Ende war. Sie sehen, irgendwie kommt kein Zeuge klar, wann es darum geht, das exakte Ende des Feuerwerks zu nennen. Dabei blickt man für gewöhnlich instinktiv auf die Uhr, wenn ein Ereignis – sei es ein Feuerwerk, sei es ein Konzert – zu Ende geht.

Viel verblüffender ist natürlich die nicht unwesentliche Reihenfolge der Ereignisse. Zuerst meldet sie: Schreie – LKW – Polizeiautos – Schüsse. Im zweiten Anlauf änderte sie die Reihenfolge: Schüsse – LKW – Schreie. Wobei man ihren Einschub ‚und dann eben die Schüsse‘ auch so deuten kann: LKW – Schüsse – Schreie. Von den Polizeiautos erwähnt sie nichts mehr – und die sind auch im Gutjahr-Clip nicht zu sehen. Vielmehr laufen Polizisten dem LKW zu Fuß hinterher. Wurden die Polizeiautos demnach von der Redaktion in Deutschland einfach mal in die Aussage eingefügt, der Spannung wegen?

Die »hohe Geschwindigkeit« des LKWs ist auf Höhe des Hotels Negresco eigentlich nur schwer nachvollziehbar. Zwar ist im (in)offiziellen Bericht vermerkt, dass der LKW auf Höhe Rue Cronstadt (an der Ecke liegt das Restaurant des Negresco) mit 90 km/h auf dem Gehstreifen fuhr, aber 100 Meter weiter ist dort der erste Pavillon, der die Weiterfahrt verhindert. Somit müsste der Lenker vom Gehstreifen auf die Straße (Laternen!) und dann, nach dem Pavillon, für gerade einmal 70 Meter, erneut auf den Gehstreifen wechseln, um schließlich mit Schrittgeschwindigkeit auf die Straße und vor die Mobiltelefonlinse von Richard Gutjahr zu kommen, der am Balkon des Westminster Hotels steht. Für mich klingt es eher nach einer Stop-and-Go-Achterbahnfahrt, als nach einem Amoklauf.

Die Sache mit dem Eingesperrtsein auf der Terrasse eines Luxushotels, klingt, nun ja, höchst befremdlich. Warum sollte die Tür von der Terrasse ins Restaurant zugesperrt sein? Aber auch hier wird uns wieder bestätigt, dass die Hotelgäste das Haus mehrere Stunden nicht verlassen durften, sprich die Behörden verhängten ein Ausgehverbot. Hat die Journalistin gesehen, wie Passanten vom LKW überfahren wurden? Nein. Sie hat nur gehört, wie es jemand sagte. Schreiende Kinder möchte man hin und wieder in der Straßenbahn auch gerne zum Schweigen bringen, aber diese Story lockt wohl keinen BILD-Leser hinter der Couch hervor. Ob die Journalistin den Unterschied zwischen Schüssen mit echter Munition bzw. Übungsmunition (Platzpatronen) bzw. explodierenden Knallkörpern erkennen kann, ist – wie auch bei vielen anderen Augen- und Ohrenzeugen – nicht festzustellen.

Merkwürdig ist auch, dass die Augenzeugin von keinem Aufprall oder Zusammenprall, zwischen dem LKW und einer Straßenlaterne, spricht – auf diesem Foto sieht man die Auswirkungen des vermeintlichen Zusammenstoßes. Hatte sie nichts gehört? Andererseits, war es überhaupt möglich, dass der LKW mit der Laterne kollidieren konnte, bei einer hohen Geschwindigkeit? Erinnern wir uns, dass der LKW vom Gehstreifen auf die Straße wechseln musste! Der französische Staatsanwalt François Molins teilte in einer Pressekonferenz den folgenden Sachverhalt mit:

Der Terrorist gab auf Höhe des Hotel Negresco mehrere Schüsse auf drei Polizisten ab. Die Polizisten erwiderten das Feuer und verfolgten den LKW, dem es jedoch gelang, weitere 300 Meter zu fahren. Auf Höhe des Palais de la Méditerranée konnten die Polizisten ihn einholen und durch Schüsse neutralisieren. / Le terroriste a tiré à plusieurs reprises sur trois policiers à hauteur de l’hôtel Negresco. Les policiers ont répliqué et ont poursuivi le camion, qui a cependant réussi à rouler encore sur près de 300 mètres. Les policiers sont parvenus à le neutraliser par des tirs au niveau du Palais de la Méditerranée.

Soll demnach der Fahrer bei hoher Geschwindigkeit tatsächlich auf drei Polizisten geschossen haben? Auf Höhe des Negresco? Bei einer sehr hohen Geschwindigkeit? Oder fuhr der LKW am Ende gar nicht so schnell? Vergessen wir nicht, dass keine 180 Meter weiter, beim Hotel Westminster, der LKW nur noch Schritttempo fuhr. Auch dort gab es bekanntlich einen Schusswechsel – zwei Polizisten schossen auf den LKW – wenngleich man diese Aktion im Gutjahr-Clip mehr erahnen als sehen kann.

Andy [McArdy?] / LBC Radio – [online]
Maschinengewehrfeuer aus dem LKW, der niemanden überrollte!

»Etwa um 22h30, kurz nach dem das Feuerwerk beendet war, hörten wir dieses Geräusch und da war dieser weiße LKW, der an uns vorbei raste und aus dem mit einem Maschinengewehr [!] in die Menge auf der anderen Seite geschossen wurde, entlang der Promenade, also, er schoss auf die Seite, die zum Meer geht, und Leute fielen um wie Bowlingkegeln [!], es war einfach nur unglaublich.« [Anmerkung: Der Zeuge will damit sagen, dass der LKW auf der Straße Richtung Zentrum fuhr und aus der Fahrerkabine die Passanten, die sich auf dem Gehstreifen rechter Hand befanden, beschossen hat. Es geht aus dem Interview nicht hervor, ob es sich bei dem Schützen um den Fahrer handelt oder um einen Beifahrer, der das Maschinengewehr bedient; wie zuvor angemerkt, würde das Abfeuern einer Waffe in der Fahrzeugkabine einen Höllenlärm verursacht haben, der zu einer Form der Gehirnerschütterung führen hätte können; es ist sehr schwer vorstellbar, dass der Fahrer einerseits den LKW mit hoher Geschwindigkeit fortbewegte und gleichzeitig mit einem Maschinengewehr aus dem Seitenfenster feuerte und dabei auch noch Passanten getroffen haben soll].

Moderator: Hat der LKW auch auf Personen zugehalten?

»Das ist nicht einfach zu beantworten. Ich habe die Berichte heute Morgen auf SKY TV-News gesehen und sie sagten, dass der Kerl die Leute förmlich niedergemäht hätte. Für mich standen die Leute auf dem Gehstreifen, rechter Hand vom LKW, es gab Leute auf der Straße, wo er fuhr, aber nur vereinzelt, keine große Menschenmenge. […] Ich war vielleicht zwanzig, vielleicht dreißig Meter vom LKW entfernt.«

Moderator: Also, Sie sind davon überzeugt, vom dem, was Sie gesehen haben, dass der Tod durch Maschinengewehrfeuer und nicht durch das Überfahren mit dem LKW verursacht wurde?

»Es konnte unmöglich anders gewesen sein, weil die Leichen auf dem Gehstreifen lagen und der LKW auf der Straße fuhr. Also, der LKW würde Leute [auf der Straße]  überfahren haben, aber diese wären ausgewichen. Die Leute, die getötet wurden und vor uns starben, wurden durch Maschinengewehrfeuer getötet.«

Moderator: Als Sie den LKW sahen, wurde er von Polizisten, Fußgängern oder anderen Personen verfolgt? Was haben Sie gesehen?

»Niemand folgte dem LKW, jeder lief auf die gegenüberliegende Straßenseite … weil, es gab diese Promenade-Party, jeder, der das Feuerwerk ansehen wollte, ging rüber, zur Seeseite der Promenade [auf den Gehstreifen] und dann gingen sie wieder zurück, in die Restaurants, um ihr Essen zu beenden. Als das passierte, fuhr der Amokschütze [gunman] entlang und die Leute rannten förmlich in die Restaurants hier, ich meine, es waren eine Menge Leute und … die Leute waren in den Gebäuden für zwei Stunden, die Polizei ließ niemanden raus, es wurde niemandem erlaubt, sich frei zu bewegen, bis die Polizei das Gefühl hatte, dass es nun sicher sei, die Leute gehen zu lassen.«

Nun? Kann sich der Zeuge, bezüglich des Maschinengewehrfeuers geirrt haben? Auch will er niemanden gesehen haben, der vom LKW überrollt oder angefahren wurde – er geht davon aus, dass die Passanten auf der Straße ausweichen konnten, während die Opfer vornehmlich auf dem Gehstreifen zu finden sind, niedergemäht durch Maschinengewehrfeuer aus dem LKW, Al Capone Style.

So verrückt diese Geschichte klingt, so stimmig wäre sie. Der große weiße LKW, der unbefleckt zum Stehen gekommen ist und all die Opfer auf dem Gehstreifen der Promenade des Anglais, die nicht aussehen, als würden sie angefahren oder überrollt worden sein. Aber im (in)offiziellen Bericht ist nur sporadisch von Schüssen aus dem LKW zu lesen, ein Beifahrer wird überhaupt nicht erwähnt, die Bewaffnung bestand nur aus einer Kleinkaliberpistole, während die beiden gefundenen Maschinengewehre reine Attrapen (Replikas) waren.

Nehmen wir an, der Augenzeuge hätte die Pistolenschüsse mit Maschinengewehrfeuer verwechselt, so bleibt die widersprüchliche Aussage bestehen, dass der LKW nicht auf dem Gehstreifen, sondern auf der Straße fuhr. Andererseits wissen wir nicht, auf welcher Höhe der Augenzeuge gestanden ist. Ab dem Hotel Westminster fuhr der LKW die restlichen 300 Meter die Straße hinunter, um beim Hotel Palais de la Méditerranée bzw. Casino stehen zu bleiben. Sollte der Augenzeuge diesen Abschnitt eingesehen haben, dann widerspricht das dem Videomaterial, da bekanntlich Körper und Leichen auf der Straße zu sehen sind. Davor sollte der LKW, dem (in)offiziellen Bericht nach, auf dem Gehstreifen gefahren sein – dies würde im Widerspruch zur Aussage des Zeugen stehen. So oder so, der Augenzeuge gibt uns einige Rätsel auf. Wir könnten ihn natürlich als Lügner oder Aufschneider oder mental verwirrten Kerl bezeichnen und ihn für unglaubwürdig erklären. Aber wie wollen wir in diesem Verbrechen wahre und falsche Augenzeugen unterscheiden? Wie trennen wir die Spreu vom Weizen?

Gleichen wir die Aussagen der Zeugen mit dem (in)offiziellen Bericht ab, stellen wir immer wieder Widersprüche fest. Damit ist nicht gesagt, dass der Zeuge gelogen oder sich geirrt hat. Es kann auch sein, dass der (in)offizielle Bericht verändert, vielleicht sogar erfunden wurde. Und wie ist es mit dem überlieferten Foto- und Videomaterial? Hier gilt: ohne eidesstattliche Aussage des Fotografen bzw. Videofilmers sollte das Material mit Skepsis betrachtet werden, da die Manipulation digitaler Daten mit den richtigen Tools einigermaßen einfach und zeitnah möglich ist. Warum sollte jemand Film- oder Fotomaterial manipulieren und verändern? Gegenfrage: Warum sollte jemand wissentlich eine falsche Aussage tätigen?

David Coady (ABC Journalist) / NPR – [online]
Ein LKW, der in der Menge steht! Bang! Panik bricht aus!

Das erste Interview führte David Coady mit seinem Arbeitgeber, dem australischen TV-Sender ABC [online], hier ein Ausschnitt:

»Die Straßen entlang der Promenade waren komplett gefüllt mit Familien – jung, alt – sie alle sahen sich das Feuerwerk gegen 10 Uhr an … Ich habe durch die Scharen von Menschen gesehen, und ich blickte zu einem LKW, und ich dachte, der gehört irgendwie nicht hierher, so wie der LKW in der Menge stand [it was among the crowd], und dann habe ich Schreie gehört. Ich drehte mich um und begann mit der Menge zu laufen, weg vom Geschrei. [Das Hotel], in dem ich untergebracht bin, ist nur etwa einen Häuserblock vom Ort entfernt, wo der Zwischenfall [incident] passierte. Ich war nicht sicher, worum es ging, aber jedes Mal, wenn ich einen [Bang] hörte, schrie die Menge auf und rannte wohl noch schneller. Leute fielen in diesem Wirbel übereinander, es gab zu diesem Zeitpunkt eine große Panik. Ich lief an Restaurants vorbei, wo Leute aufgestanden sind und ihr Essen stehen gelassen haben. Es gab einfach nur eine große Panik. Das Feuerwerk war gerade beendet. Die Leute versuchten sich gerade einen Weg durch die Menge zu bahnen, als sich all das zu ereignen begann.«

Später gab David Coady ein etwas längeres Interview für NPR.

Moderator: Was ist geschehen? Wann haben Sie realisiert, dass etwas Schreckliches stattgefunden hat?

»Nun, ich war unter tausenden von Leuten, die gerade das Feuerwerk gesehen haben und die sich entlang der Promenade bewegten, um einen Weg durch die Menge zu finden, also, es war bereits ein wenig konfus, die Situation. Aber ich erinnere mich, dass ich diesen großen, weißen LKW gesehen habe. Ich war etwa 15 Meter von ihm entfernt, auf der anderen Seite der Straße, getrennt durch eine begrünte Verkehrsinsel. Und ich erinnere mich, dass ich gedacht habe, das ist wirklich komisch, weil das hier ein Abschnitt ist, der für den Verkehr gesperrt ist. Nur Fußgänger benutzten die Straßen. Und … aber in diesem Moment, als ich das dachte, genau in diesem Moment hat die Panik wirklich um sich gegriffen. Leute begannen zu schreien, und Leute begannen sich umzudrehen und auf mich zuzulaufen. Da entschied ich, dass ich mich nun ebenfalls umdrehen und laufen sollte. Und ich bin mit meiner Freundin auf Urlaub hier, also nahm ich sie bei der Hand. Und wir begannen die Straße hinunter zu laufen. Das Ziel war, so weit wir nur möglich von der Promenade wegzukommen. Leute fielen übereinander. Jedesmal, wenn wir ein [Bang] hörten, wurden sie noch panischer. Aber wir wussten zu diesem Zeitpunkt nicht genau, was es war, aber jetzt wissen wir, dass es sich um Schüsse [gunshots] gehandelt hatte. Die Leute versuchten Schutz zu suchen, wo sie nur konnten. Sie gingen in Hotels und Restaurants.«

Moderator: Also, haben Sie mitbekommen, dass Menschen [vom LKW] niedergemäht wurden? Ich meine, viele von ihnen … es ist eine außergewöhnlich hohe Zahl an Todesopfern.

»Es ist wirklich traurig. Von dem Winkel, den ich hatte, da sah es danach aus, als würde der stehende LKW [stationary truck] von vielen Leuten umringt sein. Also, es war komisch, aber ich sah nichts, das darauf hindeutete, dass etwas ausgesprochen Fürchterliches geschehen war. Ich dachte, hoffentlich war es nur ein Verkehrsunfall, aber Konfusion und Angst [breiteten sich] unter den Franzosen [aus], was nicht verwundert, wenn man bedenkt, dass Frankreich ein Ort ist, wo bereits Terroranschläge im letzten Jahr (in Paris) stattgefunden haben. Also, ich wusste nicht mit Sicherheit, was da gerade vor sich ging, aber Panik breitete sich ziemlich schnell in der Menge aus.«

Was sagt man dazu? Ein stehender LKW in der Menge, knapp nach Ende des Feuerwerks! Der Augenzeuge will nicht gesehen haben, wie der LKW herangerast kam oder wie aus ihm geschossen wurde. Er hörte nur Bangs. Woher diese Bangs kamen, konnte er nicht sagen. Nach seiner Aussage startete die Panik bevor überhaupt noch ein Bang zu hören war – diese (vermeintlichen) Schüsse kamen erst später, als die Menge bereits in Panik herumlief. Ist es denkbar, dass der Augenzeuge die Schneise, die der LKW durch die Menschenmenge gezogen, nicht bemerkt, nicht gehört, nicht gesehen hatte. Er sieht zuerst den LKW in der Menge stehen, dann erst gibt es Schreie und Panik, nicht umgekehrt. Würde es nicht darauf hindeuten, dass der LKW herangerollt ist, stehen blieb und es dann, warum auch immer, zu einer Panik kam? Vielleicht, weil jemand laut dachte, dass der LKW jeden Moment in die Luft fliegen könnte. Wie auch immer, die Aussage von David Coady steht im Widerspruch zur (in)offiziellen Version.

Er hat übrigens auch eine Meldung auf twitter um 22h56 abgesetzt: »Muss nichts zu bedeuten haben, aber ich bin gerade mit Scharen von Leuten von der Promenade in Nizza weggerannt. Kurz nach dem Feuerwerk.«

Auch er lässt sich mit der Meldung ziemlich Zeit, nämlich zwanzig Minuten [Ende: 2h35]. Von einem LKW schreibt er im tweet nichts, da er diesen nicht als Auslöser der plötzlichen Panik betrachtet hatte. Seltsamerweise schreibt er auch nichts von Bangs! Auch hier war er sich wohl nicht im Klaren, wie diese Geräusche zu deuten seien. Während also die einen Augen- und Ohrenzeugen sofort (Pistolen)Schüsse bzw. automatisches Gewehrfeuer zu erkennen glaubten, tappten andere lange im Dunkeln und pendelten in ihren ersten Aussagen zwischen explodierenden Feuerwerkskörpern, Fehlzündungen von Autos [Marcus Freeman/ABC], Leuchtkugeln [Emily Watkins/ABC] oder Ahnungslosigkeit.

High-Tech Überwachungskameras in Nizza (CCTV)
Centre de supervision urbaine (CSU)

Sandra Bertin, Leiterin der CSU in Nizza, beschuldigte das französische Innenministerium, dass ihr Report, der mit Hilfe der ausgewerteten Überwachungskameras erstellt wurde, eine (mögliche) Veränderung erfuhr. Interessant ist dabei der Umstand, dass Sandra Bertin ein Medien-Interview in ihrem Büro gab. Somit müssen die Vorgesetzten und deren Vorgesetzte usw. Sandra Bertin grünes Licht gegeben haben. Vergessen wir dabei nicht, dass Madame Bertin nur ein kleines Rädchen im großen Getriebe des französischen Staates ist.

In einem Artikel der Wochenzeitung Paris Match unter dem Titel Nice sous haute surveillance , findet man eine interessante Beschreibung des bereits damals, im Jahr 2010, hoch entwickelten Überwachungssystems, das »so mächtig ist, dass es uns erlaubt, Taschendiebe zu fangen, bevor die Opfer überhaupt bemerkt haben, dass sie beraubt wurden.«  Das sagte der damalige Bürgermeister Christian Estrosi voller Stolz. Aber nicht nur Taschendiebe konnte das System erkennen, sondern auch Fahrzeuge, die zu lange an einem Platz abgestellt waren. Man könnte demnach annehmen, dass ein Fahrzeug, welches auf dem für den Verkehr gesperrten Gehstreifen der Promenade des Anglais fährt, vom Überwachungssystem sofort erkannt und Alarm ausgelöst werden würde. Statt dessen wurde die Abteilung CSU erst auf den Vorfall aufmerksam gemacht, als eine Polizeistreife den verrückten LKW meldete, der seit mehr als einer Minute auf dem Gehstreifen der Promenade unterwegs war.

Eine weitere Besonderheit des Systems ist, dass die lokale Polizei mit GPS-Sender ausgestattet ist. Somit mussten Sandra Bertins Kollegen erst gar keinen visuellen Sichtkontakt auf den Bildschirmen herstellen – sie hätten sich nur die GPS-Daten der Polizisten anzeigen lassen müssen und schon hätte man gewusst, wo die Polizisten stehen oder gehen oder fahren. Das System hätte demnach automatisch die Polizisten beim Westminster Hotel über den LKW informieren müssen und diese hätten ihr Auto quer zur Fahrtrichtung stellen und den LKW abfangen können – ähnliches gelang der Polizei mit zwei Dieben, die auf einem Motorroller flüchteten.

Laut dem Artikel dürfen die CCTV-Bilder nicht an die Öffentlichkeit und auch nur dem Staatsanwalt ausgehändigt werden. Demnach hätte Sandra Bertin in ihren Interviews keine Aussage über das Gesehene tätigen dürfen.

Auch bemerkenswert: Laut diesem Dokument werden die Bilder der Kameras direkt in die Zentrale der Staatspolizei (Centre d’information et de commandement de la police nationale) übermittelt. Die Stadt Nizza und Sandra Bertin hätten demnach gar nicht erst einen Report schreiben müssen, da die Zentrale und somit das Innenministerium längst alle Daten zur Verfügung hatten. Dieses Bertin-Gate könnte ein Ablenkungsmanöver gewesen sein, um die (in)offizielle Version in Umlauf zu bringen. Offiziell bestätigt wurde dieser Bertin-Report und damit die offizielle Zeitleiste nämlich nie.

Conclusio

Die Widersprüche in den Zeugenaussagen sind bedenklich. Natürlich können sich Menschen in traumatischen Situationen irren, aber wie sollen dann die Behörden jemals die Spreu vom Weizen trennen und die Aufklärung vorantreiben können? Leider stehen mir nicht die Möglichkeiten zur Verfügung, welche die Behörden haben. Sie können Zeugen nach Ort und Zeitpunkt befragen, können sie unter Eid aussagen lassen und sie an den Ort des Geschehens führen. All das kann ich nicht. Deshalb muss ich nehmen, was mir Medien und Behörden anbieten. Aber es ist sehr enttäuschend, dass die Medienhäuser scheinbar gar kein Interesse daran haben, etwaigen Widersprüchen auf den Grund zu gehen.

Seit 2001 (1963?) haben sich Behörden und Medien bei all den großen Ereignissen gütlich auf eine offizielle Version geeinigt, egal wie widersinnig und widersprüchlich diese auch sein mag. Das sollte Sie jetzt eigentlich aufregen. Kurz und gut: Das Überwachungssystem in Nizza könnte diese vermeintliche Terrorfahrt bis ins letzte Detail auflösen. Es ist nicht unsere Aufgabe, ein Verbrechen aufzuklären, vielmehr ist es die vom Bürger eingesetzte Behörde, die dazu verpflichtet ist, uns Antworten zu liefern. Da der Einzelne aber in der kafkaesken Staatsgewalt keinen Einfluss mehr hat, gibt es nur noch die Möglichkeit, über die Medien zur Wahrheit zu gelangen. Es wird deshalb Zeit, endlich einmal Journalisten und Redakteure und Medieninhaber in die Pflicht zu nehmen.

5) Überliefertes Videomaterial

Was gibt es nun über jenes relevante Videomaterial zu sagen, welches über verschiedene Social Media Kanäle an die Öffentlichkeit gelangt ist und von den großen Medienhäuser bereitwillig, wenn auch entschärft, gezeigt wurde? Dabei interessieren uns in erster Linie jene Aufnahmen, die einen fahrenden LKW zeigen, der in eine Menschenmenge fährt.

Weniger interessant sind jene Aufnahmen, die nur das Ausmaß der (vermeintlichen) Terrorfahrt zeigen und somit nichts zur Entstehungsgeschichte beitragen können. Bitte beachten Sie, dass diese mit mäßiger Qualität gefilmten Videoclips, die Verletzte und Tote zeigen wollen, keine eindeutige Aussage darüber zulassen, ob es sich bei den regungslosen Körpern tatsächlich um menschliche Leichen handelt. Falls Sie wissen wollen, wie ein Motorradfahrer aussieht, der mit einem LKW kollidiert ist, können Sie auf Liveleak mit dem Suchbegriff »Motorcyclist Crushed By Truck In Accident (Nicaragua)«einen schonungslosen und mit guter Qualität gefilmten Videoclip sehen. Die Bilder sind natürlich nichts für zarte Gemüter – ich muss sie deshalb warnen – andererseits, wie sonst sollten Sie und ich den Unterschied zwischen Realität und Fiktion jemals erkennen können?

Vergleich der Videobilder von Nizza mit Beslan (2004)

Bevor wir in medias res gehen, möchte ich an dieser Stelle einen kurzen Einwurf machen. Im ersten Blog-Beitrag Merkwürdigkeiten in Nizza, vom 17.07., habe ich mir bereits Gedanken über das überlieferte Videomaterial bei vergangenen, tatsächlich stattgefundenen Terroranschlägen gemacht – seien es die verstörende Bilder vom Ort des Massakers, seien es die Interviews mit Überlebenden und Augenzeugen.

Wenn sich ein dramatisches Verbrechen ereignet, wenn es innerhalb eines Zeitfensters abrollt, sollte man Bilder erwarten, die einen nicht nur unangenehm berühren, sondern die einen die Dramatik spüren lassen. Als Beispiel, wie sich ein echtes Ereignis mit großer Tragweite auf alle Beteiligten, nicht nur auf die Opfer und deren Angehörige, sondern auch auf die Bewohner einer Stadt, auswirkt, möchte ich die dreitägige Geiselnahme in der Schule von Beslan (Russland) im September 2004 und die erfolgte Befreiung der weit über Tausend Geiseln, zumeist Kinder, auswählen. Sie können selbst auf Videoplattformen (youtube, liveleak, usw.) nach Videomaterial für School Siege Beslan suchen. Empfehlenswert: die gut gemachte BBC-Doku Children Of Beslan und der youtube-Videokanal Beslan Reyndar, wo sich alles um das traumatische Ereignis dreht.

Sehen Sie in die Gesichter der Überlebenden und Dabeigewesenen, sehen Sie in deren Augen, achten Sie auf deren Körpersprache und auf deren Stimme. Es geht bei alledem nicht um den Inhalt des Gesagten, es geht, wie bereits erwähnt, um die Authentizität, um die Glaubwürdigkeit. Seien Sie kritisch. Seien Sie skeptisch. Ihre Wahrnehmung kann getäuscht werden – vor allem in Zeiten digitaler Bild- und Filmdaten. Siehe meinen Beitrag: Nizza, Paris, Charlie, San Bernardino, Boston und der Krieg gegen deine Wahrnehmung.

Eine Nebensächlichkeit möchte ich kurz erwähnen. Die verschiedenen Videoaufnahmen von Beslan sind im Vergleich zu jenen der letzten Ereignisse in Paris, Brüssel oder Nizza weitaus schärfer und klarer – obwohl 12 Jahre dazwischen liegen. Ist es wirklich vorstellbar, dass Bewohner in Europa noch keine Smartphones, keine iPhones besitzen, anno 2016 bzw. von diesen keinen Gebrauch machen wollen? Man hat den Eindruck, dass diese überlieferten kurzen Videoclips aus Nizza der ersten Generation digitaler Videokameras entstammen. Sieht man sich aber Fotos vom Feuerwerk in Nizza an, erkennt man in den Menschenmengen Dutzende Leute, die das Gesehene mit ihren Smartphones festhalten. Mit anderen Worten: Es gab in Nizza zwar sehr viele Smartphones, die zum Filmen des Feuerwerks, aber keines, das während oder nach der LKW-Fahrt eingesetzt wurde.

Videomaterial: fahrender LKW

Es gibt drei Videoclips, die einen fahrenden weißen LKW zeigen. Es gibt keine Möglichkeit festzustellen, ob diese Aufnahmen tatsächlich mit dem Ereignis in Verbindung stehen, da es bei zwei der drei Clips keine Bestätigung des Filmers gibt. Theoretisch könnte sich eine ehrgeizige Hacker-Crew die Mühe gemacht haben, sehr zeitnah einen kurzen Videoclip herzustellen. Beachten Sie, dass diese beiden unbestätigten Clips zu einem Zeitpunkt ins Web gestellt wurden als das offizielle Narrativ bereits festgelegt war: LKW-Fahrer rast mit Absicht in Menschenmenge.

Gutjahr-Clip: langsamer LKW fährt auf der Straße von rechts nach links

Im ARD-Archiv ist die Aufnahme, die Richard Gutjahr vom Balkon des Westminster-Hotels drehte, ziemlich genau 1 Minute lang. Es gibt noch eine längere Version, die Gutjahr zeigt, wie er in Deckung geht und zu jemandem ruft ‚Terrorist attack! It’s a terrorist attack!‘, worauf eine weibliche Stimme zu hören ist: ‚Really?‘. 

Der Filmclip, aufgenommen mit einem iPhone, ist in seiner dramatischen Wirkung nicht zu unterschätzen und gehört(e) zum einflussreichsten Perzept, welches das offizielle Narrativ (»Terroranschlag mit LKW«) in der breiten Masse verankern sollte. Beachten Sie dabei die Bildunterschriften zum Clip auf den Seiten des Bayrischen Rundfunks (»Der Moment, als LKW in  Menschenmenge rast.«) und der ARD (»LKW rast in Menschenmenge in Nizza«).  Da man aber den LKW nicht in eine Menschenmenge rasen sieht, sind Titel und Kommentare zu diesem Clip als suggestiv zu bezeichnen. Was man sehen kann, ist ein weißer LKW, der auf der Straße langsam von links nach rechts fährt und schließlich aus dem Bild beschleunigt. Instinktiv hat man sogar den Eindruck, dass er seine Fahrt wieder verlangsamt, dies kann aber auf Grund der verdeckten Sicht (Grünstreifen) nicht zweifelsfrei festgestellt werden. Auch sieht es so aus, als würde die Straße bis zum Pavillon frei von Fußgängern sein, da Passanten diese rechts und links verlassen haben – man kann sehen, wie sie über den Fahrbahnteiler (Grünstreifen) gehen und damit die Straße vor dem LKW frei machen. Kurz und gut: Der Clip beweist nicht, dass der LKW in eine Menschenmenge fuhr.

Frontansicht-Clip: schnell größer werdender LKW fährt auf Menschenmenge frontal zu
youtube / youtube2 / LiveLeak

Zuerst sieht man die kleine Bühne, auf der eine Band spielt. Der Filmer schwenkt nach links (man sieht übrigens jene fünf Besucher, die später von Antoine Chauvel, vermutlich in Höhe Boulevard Gambetta fotografiert wurden), dann schwenkt er zurück, vorbei an der Bühne, schwenkt weiter, bis er die Straße für einen kurzen Moment im Bild hat und man einen im Hintergrund rasch größer werdenden LKW ausmacht. Der Filmer dürfte den LKW anfänglich nicht wahrgenommen haben, danach wird das Mobiltelefon panisch bewegt. Der LKW muss sehr knapp am Filmer vorbeigefahren sein, trotzdem ist das Geräusch eines LKW-Dieselmotors nicht zu vernehmen.

Stutzig machen einen auch fehlende Windgeräusche im gesamten Clip – man hat das Gefühl, es sei windstill. An diesem Abend war es aber an der Küste sehr windig, wie wir in anderen Videoaufnahmen [youtube] sehen und hören können.

Bemerkenswert das rasche Näherkommen des LKWs, der – überspitzt formuliert – beinahe wie ein U-Boot auftaucht und die Passanten vollkommen überrascht. Erinnern wir uns, dass der LKW vor vielleicht 15 oder 20 Sekunden mit Schrittgeschwindigkeit vor dem Westminister Hotel fuhr [22:35:20 – Rue Meyerbeer] und von dort noch rund 150 Meter bis zum Endpunkt hatte [22:35:47 inkl. Schusswechsel mit Polizei]. Wahnsinnig schnell kann er im letzten Abschnitt unmöglich gefahren sein. Die Passanten beim Pavillon hätten somit den beschleunigenden LKW auf der bereits so gut wie leeren Straße von weitem sehen und hören müssen. Und wurden nicht auch Schüsse abgefeuert, vor dem Hotel Westminster? Hätte zu diesem Zeitpunkt nicht bereits Panik einsetzen müssen? So wird es uns ja immer wieder geschildert: man hörte (oder glaubte es zu hören) Schüsse, dann brach totale Panik in der Menge aus. Der Clip bestätigt dies aber nicht. Zwar wurden in rund 100 – 150 Meter Entfernung Schüsse abgegeben, aber die Leute auf der Straße, die vor dem Pavillon standen, dürften diese nicht wahrgenommen haben, genausowenig die Schreie und Warnrufe der Passanten, die an der Seite standen, als der LKW beschleunigte.

Merkwürdig auch das Verhalten des Jungen mit dem Skateboard, der konzentriert in die Richtung blickt, aus der der LKW kommt, aber keinerlei Anstalten macht, Passanten zu warnen. Auch aus seiner Haltung kann man nicht erkennen, dass er mit einer drohenden Gefahr rechnet.

Wie bereits beim Gutjahr-Clip können wir auch in diesen Videoclip nicht einwandfrei erkennen, dass Passanten vom LKW erfasst wurden. Es anzunehmen hat keine Beweiskraft.

Horizonatal-Clip: LKW fährt von rechts nach links durch das Bild 
youtube

Der Videofilmer steht in einer Menschenmenge und filmt zufällig die Fahrt eines weißen LKWs, der von rechts nach links fährt. Wir können aber weder sehen, ob sich der LKW auf der Straße oder dem Gehstreifen befindet, noch, ob der Weg vor ihm frei von Passanten ist. Da während der Fahrt keine Verzögerung festzustellen ist, ist es auch eher unwahrscheinlich, dass der LKW mit mehreren Fußgängern in Kontakt gekommen ist. Aber auch hier gilt wie zuvor, dass die Videobilder des Clips nicht definitiv zeigen, dass der LKW Passanten erfasst hätte.

Warum geriet der Filmer in Panik? Zu diesem Zeitpunkt musste der Filmer annehmen, dass es sich um einen Unfall mit Fahrerflucht oder um eine Amokfahrt handelt. Der LKW blieb nicht stehen, sondern fuhr weiter, somit ging von diesem keine weitere Gefahr mehr aus. Ist es üblich, dass Augenzeugen eines Verkehrsunfalles fluchtartig das Weite suchen? Würden diese sich dabei nicht der Unterlassung einer Hilfeleistung schuldig machen? Im Gesetz § 95 StGB heißt es: »Die Hilfeleistung ist insbesondere dann nicht zuzumuten, wenn sie nur unter Gefahr für Leib oder Leben oder unter Verletzung anderer ins Gewicht fallender Interessen möglich wäre.« Aber davon kann ja, wie zuvor gesagt, keine Rede sein. Niemand hat geschossen. Niemand spricht von Terror. Und könnten nicht vielleicht die Bremsen des Fahrzeugs versagt haben?

Sehen Sie, wir machen auch keinen Unterschied, ob ein Geisterfahrer auf der Autobahn absichtlich oder unabsichtlich einen Unfall verursacht – so oder so würden die Augenzeugen niemals in Panik verfallen, sondern versuchen, zu helfen.

Conclusio

Die drei Filmclips, die einen weißen LKW zeigen, wie er durchs Bild fährt, zeigen genau das: einen LKW, der durchs Bild fährt. Sie beweisen definitiv nicht, dass der LKW in eine Menschenmenge gerast ist. Stutzig muss einen natürlich machen, dass bis jetzt nur 3 kurze Videoclips die Öffentlichkeit erreicht haben, die den fahrenden LKW zeigen – obwohl das Straßenfest etwa 30.000 Menschen angezogen hatte. Die Überwachungskameras (CCTV) der Stadt Nizza sollten diesbezüglich klar und deutlich die gesamte Fahrt des LKWs zeigen. Da die Bilder nicht veröffentlicht bzw. geleakt wurden, ist das bisher überlieferte Videomaterial nicht geeignet, das offizielle Narrativ zu bestätigen. Ein klein wenig erinnert es an 9/11, als es US-Behörden ablehnten, Bilder der Überwachungskameras, die es rund um das Pentagon zu Dutzenden gab, freizugeben, um das offizielle Narrativ: Passagierflugzeug fliegt auf Bodenhöhe in einen Flügel des Pentagons zu bestätigen. Ein Reporter von CNN, der vor Ort war und sich die Einschlagstelle genauer ansehen durfte, meinte, es würde keine Beweise geben, die darauf hindeuten, dass ein Flugzeug eingeschlagen habe. [youtube] Mit anderen Worten: Lehnen es Behörden konsequent ab, Bilder von Überwachungskameras freizugeben, obwohl diese einen (offiziellen) Sachverhalt bestätigen würden, ist große Skepsis geboten – Pietät oder Staatssicherheit dürfen dabei nicht als Ausrede akzeptiert werden.

An dieser Stelle möchte ich auf die britische Studie Can Fabricated Evidence Induce False Eyewitness Testimony? verweisen, in der es gleich zu Anfang heißt:

»›The time was, we thought of photographs as recorders of reality. Now we know they largely invent reality‹, writes Holland Cotter of The New York Times (Cotter, 2008). He is right of course: Digital-trickery is part-and-parcel of everyday life.«

 

6) Entwicklung der Opferzahlen

Bevor wir uns mit der Katastrophenmedizin eingehend beschäftigen, sehen wir uns an, wie sich die Opfer- und Verletztenzahlen entwickelt haben. Die Zahlen und Zitate wurden, wenn nicht anders angegeben, dem LiveBlog FRANCE 24 entnommen:

23h25 Dutzende Tote
Laut einer Meldung von Christian Estrosi, Vize-Bürgermeister und Präsident der Métropole Nizza Côte d’Azur, auf twitter: »Werte Bürger von Nizza, der Fahrer eines LKWs hat allem Anschein nach Dutzende Tote verursacht. Bleiben Sie vorerst zu Hause. Mehr Informationen folgen.« / Cher niçois, le chauffeur d’un camion semble avoir fait des dizaines de morts. Restez pour le moment à votre domicile. Plus d’infos à venir.

00h25  30 Tote und 100 Verletzte
»Laut Sebastian Humbert, Präfekt des Department Alpes-Maritime, befürchtet man etwa 30 Tote und 100 Verletzte.«

00h36  60 Tote
»Ein Polizeibeamter, der mit iTele gesprochen hat, gibt eine vorläufige Opferzahl von 60 Toten an.«

00h55  mehrere Dutzend Tote
»Laut Pierre-Henry Brandet, Pressesprecher des Innenministeriums, soll der Anschlag mehrere Dutzend Leuten das Leben gekostet haben.«

01h45  70 Tote
»Mindesten 70 Menschen wurden beim Anschlag getötet, meldete das Büro des Staatsanwalts

01h56  73 Tote
»Die Opferzahl ist nun auf 73 gestiegen, teilte die Polizei FRANCE 24 mit.«

02h43  77 Tote
»Die Opferzahl ist nun auf 77 gestiegen, teilten Polizeiquellen FRANCE 24 mit.«

03h48  77 Tote und 20 Verletzte im kritischen Zustand
»Präsident François Hollande bestätigt im TV die letzten Opferzahlen von 77 Toten. […] Er sagte auch, dass Kinder unter den Toten seien und dass es 20 Verletzte gäbe, die in einem kritischen Zustand seien.«

04h18  80 Tote
»Innenminister Bernard Cazeneuve hält eine Ansprache im TV. Er gab die Opferzahl mit 80 Toten bekannt.«

07h26  84 Tote
»Innenminister Bernard Cazeneuve sagt, dass die Anzahl der Toten auf 84 gestiegen sei. Er sagt, dass der Anstieg von 80 auf 84 von Freitag früh 4 der 18 kritisch Verletzten inkludiere. Etwa 50 Leute seien verletzt worden.«

15h13  84 Tote und 50 Verletzte
»Präsident François Hollande bestätigt im TV, dass es 84 Tote und etwa 50 Verletzte gäbe, mehr als bis jetzt gemeldet wurde.«

17h45  84 Tote und 202 Verletzte (davon 52 in kritischem Zustand)
Pressekonferenz von Staatsanwalt François Molins: »84 Menschen wurden getötet, inklusive 10 Kinder, 202 Menschen wurden verwundet, von denen 52 auf der Intensivstation und 25 von diesen im künstlichen Koma (life-support) liegen.«

04.08.2016 Le Monde berichtet von 85 Toten und 434 Verletzten.

19.08.2016 dpa/AFP und Der Spiegel berichten von 86 Toten und über 400 Verletzten.

Conclusio

Wenn wir uns die Bekanntmachungen bezüglich der Opferzahlen ansehen, fällt uns auf, dass hier scheinbar Polizeibeamte genauso wie Regierungsmitglieder mit den Zahlen vertraut waren und diese an die Medien weitergeben durften. Das ist natürlich völlig unverständlich, da es in Katastrophenfällen in erster Linie die Einsatzleitung ist, die exakt weiß, wie viele Tote und Verwundete ein Ereignis gebracht hat und diese Zahlen an genau festgelegte Stellen weiterleitet. In Nizza gab es scheinbar keine Einsatzleitung, was wiederum ein Indiz dafür ist, dass der Zwischenfall nicht so abgelaufen ist, wie es uns Behörden und Medien zu erklären versuchen.

Auch ist der Sprung von 202 Verletzten am Abend des 15. Juli auf 434 Verletzte am 4. August nicht zu erklären. Wo waren die 232 Verletzten und Verwundeten am 14. Juli? Wo waren sie am 15. Juli? Könnte es sein, dass sich später Verunfallte einfach als Trittbrettfahrer ausgaben? Hatte man nicht richtig gezählt? Hat man Verwundet anfänglich gar nicht aufgenommen, sondern nach Hause geschickt? Eine Verdopplung der Verletztenzahl deutet entweder auf völlig chaotische Zustände hin, was für eine Stadt in der westlichen Zivilisation einer Bankrotterklärung gleichkäme oder auf eine Märchenstunde à la française.

 

7) Katastrophenmedizin in Nizza

Der folgende Beitrag über die Katastrophenmedizin ist meinem Artikel vom 24. Juli 2016 entnommen.

Hören Sie sich das Interview mit Antoine Chauvel, einem in Nizza lebenden Fotografen in aller Ruhe an. Sehen Sie sich seine Aufnahmen an. Die Bilder entstanden, laut seiner Aussage, nach 23 Uhr. Es vergingen (drei) Stunden, bis die Rettungskräfte eintrafen bzw. tätig wurden und die Toten hätte man deshalb mit Tischtüchern der umliegenden Restaurants zugedeckt. Sagt Antoine Chauvel. Über seine große Nervosität wollen wir jetzt mal nicht befinden, aber warum man gerade ihn als Augenzeuge des Events ausgesucht hat, ist mir ein Rätsel, da er ja zu Hause war, als der LKW, wie es offiziell so schönschrecklich heißt, durch die Menge pflügte. Ja, wir müssen dem Moderator beipflichten: nobody understands it. Wie dem auch sei, kommen wir zum wesentlichen Punkt.

In Deutschland ist es so, dass nach Alarmierung ein Rettungsmittel zwischen 10 und 15 Minuten am Notfallort einzutreffen hat. In Nizza gehen die Uhren wohl ein wenig langsamer. Deshalb, Hand aufs Herz, glauben Sie wirklich, dass die Rettungskräfte erst nach Stunden eintrafen?

Offiziell ist die Opferzahl bei diesem Event noch immer nicht exakt angegeben – Daten entnommen am 16.08.2016/30.08.2016: Wiki/Fr: 84/86 Tote und 286/434 Verletzte; Wiki/E: 84 Tote und 303/307 Verletzte; Wiki/D: 84/86 Tote und ‚mehr als 300 Verletzte‘; Wiki/ITA: 84/86 Tote und 302/302 Verletzte;

Der französische Staatsanwalt François Molins teilte der Presse am 15.7. mit, dass es „84 Tote und 202 Verletzte gäbe, davon seien 52 auf der Intensivstation und von diesen 25 in einem künstlichen Koma“. France Prosecutor Francois Molins has spoken to the press. He said: „We deplore the death of 84 people. 202 were injured including 52 who are now in critical care – with 25 of those in intensive care.“ [Quelle: BBC]

Die Opferzahl – Tote und Verwundete zusammengenommen – liegt nach heutigem Erkenntnisstand bei rund 500. Was meinen Sie, was geschieht, wenn es zu solche einem Massenanfall – so der Fachausdruck in der Katastrophenmedizin – kommt? Glauben Sie, man schickt alle Rettungswägen los und teilt den Besatzungen mit, sie sollen einfach den ersten Verletzten, den sie vorfinden, aufsammeln und mit ihm ins nächstbeste Spital fahren? Alle Bilder und Fotos, die es von diesem Event in Nizza am 14. Juli 2016 gibt, zeigen keine erkennbare Ordnung und Systematik des Rettungseinsatzes. Nada. Es ist, als würden entweder nur First Responders in Form von Polizisten, Feuerwehrleuten und Laien auf der Straße sein – oder nur noch abgedeckte Leichen. Glauben Sie wirklich, dass sich ein Massenanfall so darstellen würde? Sehen Sie sich das erste Foto an, welches im obigen Beitrag an Stelle 1:10 zu sehen ist. Ich meine, wer soll dieses Zelt, das man linker Hand erkennen kann, aufgestellt haben? Wozu? Hat hier einer gecampt? Glauben Sie wirklich, die Notfallmedizin würde so ein Pfadfinderzelt aufstellen? Nicht mal im Kriegseinsatz an vorderster Front würde man so ein Ding finden. Und seltsam, es sind nur Laien auf dem Foto zu finden. Kein medizinisches Personal. Oder tragen neuerdings Ärzte weiße Schirmmützen?

Der Punkt ist der: Bei einem Massenanfall werden genau festgelegte Alarmierungs- und Einsatzpläne für die Einsatzkräfte abgerufen. Es bildet sich eine Einsatzleitung, die die Koordination übernimmt und notwendige Ressourcen zuteilt. Beispielsweise muss von jedem Spital bzw. von jeder Ambulanz die Versorgungskapazität ermittelt werden. Weiters muss definiert sein, welche chirurgischen Eingriffe in den Spitälern vorgenommen werden können. Kurz, jedes Spital löst seinerseits einen Notfallplan aus – es müssen Betten freigemacht, Dienstpersonal angewiesen und einberufen und evtl. Not-OP-Räume vorbereitet werden. Zum Beispiel möchte man es als Laie nicht glauben, hängt die Versorgungskapazität auch damit zusammen, wie viele Beatmungsgeräte im Spital zur Verfügung stehen. Ich erwähne es nur deshalb, damit Sie verstehen, wie komplex sich solch ein Rettungseinsatz im wirklichen Leben darstellen würde.

Was meinen Sie, wie es weiter geht? Glauben Sie wirklich, dass im echten Leben Passanten Tischtücher über „leblose“ Körper werfen? Um was zu tun? Um den Einsatzkräften die Erste Hilfe zu erschweren? Denn es ist die Aufgabe des Notfallmediziners, festzustellen, ob ein „lebloser Körper“ noch reanimiert werden soll/kann oder nicht. Nur weil ein Körper für einen Laien „leblos“ wirkt, heißt es noch lange nicht, dass der Mensch tot sein muss. Wir können davon ausgehen, dass die Geschichte mit den Tischtüchern nur deshalb in das Narrativ eingeflochten wurde, weil man auf all den Fotos meist nur diese zugedeckten Körper (?) sieht. Man darf sich natürlich fragen, was der Grund für diese ›Verhüllung‹ sein könnte.

Oder was halten Sie von der Geschichte, niedergerschrieben im britischen Telegraph, dass Spitalsärzte im Lenval Kinderspital, nach dem sie vergeblich versucht hatten, einem kleinen Jungen das Leben zu retten, den in eine weiße Decke gehüllten Leichnam dem Vater übergeben haben, mit den Worten: »Es ist vorbei.« Die Eltern gingen dann mit dem Leichnam ihres Sohnes zurück ans Meeresufer der Promenade des Anglais und »wiegten ihn sanft hin und her« [cradling]. Wirklich? Ich höre zum ersten Mal, dass ein Spital einen Leichnam aushändigen würde. Was sollte der Angehörige dann damit tun? Mit diesem nach Hause fahren und ihn ins Bett legen? Oder vielleicht im Meer versenken? – laut US-Behörden, die den (angeblichen) Leichnam von Osama bin Laden kurzerhand im Meer begruben, sei es ja ein muslimischer Brauch. Im wirklichen Leben ließe man keine Angehörigen mit Leichen herumlaufen, noch ließe man sie an der Straße mit ihnen sitzen. Immerhin handelte es sich um einen Tatort. Außerdem hätte es im echten Leben einen gekühlten Leichenablageplatz gegeben, wo die Identifizierung und erste Feststellung der Todesursache erfolgen hätte können. Weil, stellen Sie sich vor, eine Verbrecherorganisation nutzt das Chaos und entledigt sich des einen oder anderen Konkurrenten, in dem sie die Leichen der Getöteten einfach an der Straße deponiert und vorgibt, diese seien vom LKW angefahren oder vom Fahrer erschossen worden. Die Einsatzleitung kann jedenfalls niemals zulassen, dass am Ort des Geschehens Passanten (Angehörige) ungehindert Zugang bekommen.

Was glauben Sie, was die Notfallmedizin in einem Massenanfall vorsieht? Überlegen Sie sich doch das Szenario: hunderte Verletzte, viele Schreien um Hilfe (ergo: wer schreit, kann warten), manche liegen leblos auf der Straße, manche sitzen nur mit einem blassen Gesicht an der Seite und frieren und schwitzen (Könnten sie einen Schock davongetragen haben? Unbehandelt kann dieser in späterer Folge zum Tod führen!), manche schleppen sich mit Hilfe von Freunden zum nächsten Spital, die nennt man in der Fachsprache Selbsteinweiser‹, und die sind es, die die Aufnahmestelle blockieren können.

Doch das größte Problem ist im echten Leben die ›Sichtung‹, die ›Triage‹, kurz eine Selektion (ein Wort, das kein Mediziner gerne hört). Wer soll, wer muss zuerst stabilisiert, abtransportiert und operiert werden? Deshalb führen die erfahrensten Ärzte diese Sichtung durch. In der Regel muss der Arzt innerhalb von wenigen Minuten zu einer Diagnose kommen und den Verletzten in die Kategorie Rot (akute Bedrohung/Sofortmaßnahme), Gelb (schwer verletzt/aufgeschobene Behandlung), Grün (leicht verletzt/spätere ambulante Behandlung) und Blau (ohne Überlebenschance/abwartende bzw. betreuende Behandlungsdringlichkeit) einteilen. Damit diese Einteilung nicht im Chaos untergeht (das Stille-Post-Verfahren eignet sich nicht gut dafür), werden Verletztenanhängekarten ausgefüllt und an den unteren Extremitäten der Verletzten befestigt. Haben Sie auf all dem Bildmaterial wenigstens einen Verletzten gesehen, der solch eine Anhängekarte hatte? Falls Sie jetzt behaupten würden, die Stadt Nizza hätte keine Alarmierungs- und Einsatzpläne für Massenanfälle, dann hätten Sie ganz andere Bilder und Fotos sehen müssen – und die Stadtverwaltung müsste sich für den Tod vieler Menschen verantworten. Ein Terroranschlag unterscheidet sich für die Notfalls- und Katastrophenmedizin nicht von einem Zugs-, Flugzeug- oder Schiffsunglück – mit anderen Worten: die Notfallmedizin ist viel älter als jeder Terroranschlag. Und ich denke nicht, dass es die französischen Bürger akzeptieren würden, falls nach einem Zugsunglück die Einsatzkräfte drei Stunden brauchen, um überhaupt mal in die Gänge zu kommen. Auch das mag ein Hinweis darauf sein, dass die Dinge nicht so abgelaufen sind, wie sie behördlich-medial geschildert wurden und weiterhin werden.

Und weil es sich bei dem Event in Nizza um ein Verbrechen handelte, müsste die Polizei den Schadensort in Arbeitssektoren einteilen, die Opfer dokumentieren, fotografieren, forensisch untersuchen und evtl. Leichenteile registrieren und mittels Nummern zuordnen. Ist das zeitnah geschehen? Nope. Man hat nur gleich mal Tischtücher über die (vermeintlich) Toten geworfen. Ist der Tatort gesichert worden? Nope. Die Fotos zeigen Laien, die untätig herumstehen oder telefonieren oder fotografieren oder filmen oder auf Zuruf durchs Bild laufen. Und die Polizei steht daneben. Sieht zu. Tut nichts. Im echten Leben hätten die Polizisten die Leute entweder verscheucht oder lautstark angewiesen, zu helfen. All die Bilder suggerieren, dass der Rettungseinsatz noch nicht erfolgte – oder längst erfolgt war.

In den drei Hotels, so Augenzeuge @Gutjahr, hätte man die Verletzten versorgt. Natürlich. Ein Behandlungsplatz für 25 oder 50 Verletzte wird nicht von Laien aufgebaut. Es braucht dafür rund 150 Einsatzkräfte, um einen BHP 50 aufzubauen. Der Raumbedarf liegt dabei bei annähernd 2000 m². Glauben Sie, die Hotellobby des Negresco wäre dafür groß genug? Oder die Luxussuite? Haben Sie Bilder davon gesehen? Vom BHP? Von den Einsatzkräften, die diesen Behandlungsplatz in drei Hotels einrichteten? Natürlich nicht. Diese Geschichte wurde nur deshalb ins Narrativ eingeflochten, weil auf den Bildern vorwiegend Tote und kaum Verletzte zu sehen waren. Wo waren all die Leicht- und Schwerverletzten? Ach so, die hat man in die Hotels verfrachtet. Verletztenablage, nennt man das dann. Aber wer hat diese dorthin gebracht? Mit welchen Hilfsmitteln? Unter Aufsicht eines Notfallarztes? Und wer hat die Patientenströme koordiniert, die Daten der Verletzten aufgenommen? Und was ist mit jenen, bei denen die Notfallmediziner den Verdacht auf eine Wirbelsäulenverletzung hatten? Dann hätte es sechs Helfer (!) und spezielle Hilfsmittel wie Schaufeltrage und Vakuummatratze gebraucht. Ich erwähne es nur deshalb, damit Sie verstehen, dass Laien Verletzte nicht einfach irgendwohin schleppen können. Gut in Zeiten wie diesen kann man auch einen Verletzten, der beide Beine bei einer Explosion verloren haben soll, in einen Rollstuhl setzen und durch die Gegend fahren. Anlegen eines Druckverbands? Hochlagern der Extremitäten? Komprimierung der zuführenden Arterien? Infusion? Sauerstoffzufuhr? Alles nicht nötig. Hauptsache der Fotograf kann sein ikonisches Bild machen.

Verblüffend, wie schnell die Stadtverwaltung den Ort eines Blutbades säubern und der Öffentlichkeit wieder zugänglich machen konnte, meinen Sie nicht? Die Einsatzkräfte brauchen zwar Stunden, um in die Gänge zu kommen, aber bei Tagesanbruch sind sie alle fertig, haben die Leichen abgeholt, haben ordnungsgemäß das Blut vom Gehsteig gewaschen – es gab auch keine lebensbedrohenden Blutlachen von mehr als drei Liter – und dürfen nach Hause gehen.

Conclusio

Wurde in Nizza Katastrophenalarm ausgelöst, um den Massenanfall planmäßig abwickeln zu können? Es sieht nicht so aus. Das ist aber nicht vorstellbar. Die Nichtauslösung eines Katastrophenalarms deutet somit darauf hin, dass es am 14. Juli keinen Massenanfall in Nizza gab.

Bibliographie
Katastrophenmedizin: Leitfaden für die ärztliche Versorgung im Katastrophenfall, Hrsg. Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, 05/2010.

8) Motiv

Jedes Verbrechen ist mit einem Motiv eng verbunden. Ohne hinreichenden Grund, sagt man, würde niemand mit vollem Bewusstsein und eindeutiger Absicht das Gesetz brechen. Wie sieht es nun im Falle von Nizza aus? Was könnte das Motiv für wen gewesen sein?

Die Terror-Miliz Islamischer Staat (IS) – auch bzw. ehemals bekannt als Islamic State of Iraq and Syria (ISIS), Islamic State of Iraq and the Levant (ISIL), Islamic State of Iraq and al-Sham, Daesh, al-Qaida in Iraq (AQI) und Islamic State in Iraq (ISI)hat sich zum Anschlag bekannt. Obwohl die französischen Behörden bis jetzt noch nicht stichhaltig beweisen konnten, dass der Fahrer mit Namen Mohamed Lahouaiej Bouhlel tatsächlich von IS-Verbindungsleuten angeleitet bzw. radikalisiert wurde. Es zu behaupten ist eine Sache, es zu beweisen eine ganz andere. Den Rechtsanwalt Corentin Delobel hat,  wie bereits erwähnt, seinem ehemaligen Mandanten das Profil eines Selbstmordattentäters aus religiösen Gründen abgesprochen.

Wenn wir nun das Augenmerk auf den Islamischen Staat richten, was könnte sein Motiv gewesen sein, einen Anschlag in Frankreich zu verüben? Vergessen wir nicht, dass sich unter dem Deckmantel IS Menschen wie du und ich befinden, die an ihrem Leben hängen, Familie haben und an die Zukunft ihrer (vielleicht noch nicht geborenen) Kinder denken. Falls Sie jetzt einwerfen, es wären allesamt Fanatiker und Gotteskrieger, die ihr Leben ohne mit der Wimper zu zucken, für ein Paradies mit mehreren Dutzend Jungfrauen opfern würden, dann halte ich dagegen, dass es immer nur eine Minderheit ist, die so fanatisch bzw. verblendet ist. So lange es Alternativen gibt, bleibt die Mehrheit am Boden der Realität. Die Kämpfer der IS sind nämlich per se Söldner. Würden man sie nicht bezahlen, würden sie nach Hause gehen und sich einen anderen Job suchen. Das moderne Kriegshandwerk hat mit Fanatismus nichts zu tun. Bereits 2005 schrieb der ehemalige britische Außenminister Robin Cook in der Tageszeitung The Guardian:

»Während der 1980er wurde Osama bin Laden von der CIA ausgerüstet und von Saudi Arabien finanziert, um einen Dschihad […] in Afghanistan zu führen. Al-Qaida, wörtlich ›the database‹, war ursprünglich eine Computerdatei mit den Daten von tausenden von Mudschaheddin, die mit Hilfe der CIA rekrutiert und ausgebildet worden waren, um die Russen zu schlagen.«

Wenn wir also wissen, dass IS zuvor Al-Qaida in Iraq hieß, könnte dies nicht ein Indiz dafür sein, dass die beschäftigungslosen Mudschaheddin, sprich Söldner, für einen neuen Auftrag angeheuert wurden? Vermutlich von den selben Leuten in Washington, die sie zuvor nach Afghanistan geschickt hatten. Das ist freilich pure Spekulation – trotzdem gehe ich davon aus, dass all diese muslimischen Kampf- und Terrortruppen in Syrien und Irak und Libyen und im Kosovo usw. nichts anderes als gut (oder weniger gut) bezahlte Soldaten sind, die nicht dem Wort Gottes folgen, sondern vielmehr den Befehlen ihrer Auftraggeber.

Wie zu allen Zeiten des Kriegswesens, braucht es in einer kämpfenden Truppe Führung, Taktik, Disziplin und Moral. Nur weil ein Mann ein Sturmgewehr in beiden Händen halten und in eine Richtung abfeuern kann, macht ihn das vielleicht zu einem Marodeur oder Rebell, aber noch lange nicht zu einem verwendbaren Soldaten. Die Mainstream-Medien vermittelten seit Afghanistan (1980) das Bild übermotivierter fanatischer Gotteskrieger, die vor nichts und niemandem Halt machen würden, schon gar nicht vor der sowjetischen Armee, verschweigen aber gerne, dass die Westmächte Waffen, Ausbildung und Führung zur Verfügung stellten. Rund 20 Jahre später haben sich die ehemals gefeierten Freiheitskämpfer nun zu skrupellosen Sadisten gewandelt, die unschuldige Menschen massakrieren und diese verächtlichen und gottlosen Taten mit Stolz in die weite Welt posaunen. So berichten es wenigstens die Mainstream-Medien.

Jetzt mal Hand aufs Herz: Glauben Sie das wirklich? Stellen Sie sich doch immer wieder die Frage, wohin all diese medial ausgeschlachteten Verbrechen gegen die Menschlichkeit führen sollen? Mit Sicherheit nicht in ein von der Weltgemeinschaft legitimiertes und von der lokalen Bevölkerung akzeptiertes Kalifat. Gegen den IS haben sich längst die mächtigsten Staaten der Welt verschworen – denken Sie, dadurch können die Ziele der sogenannten Gotteskrieger schneller und besser erreicht werden? Ist es nicht sogar so, dass ein Anschlag in Europa oder den USA dieses Ziel in noch weitere Ferne rücken ließe und demnach kontraproduktiv sein muss?

Ich sage es an dieser Stelle in aller Deutlichkeit: IS oder al-Qaida existieren nicht! Ja, diese haben niemals existiert. Was freilich existiert sind gut ausgebildete Söldner, die in Kampfverbänden unter Führung erfahrener (westlicher bzw. westlich ausgebildeter) Ex-Militärs stehen und vom Westen (und Saudi-Arabien) bezahlt, ausgerüstet und mit Informationen versorgt werden. Die Aufgabe dieser Truppe war und ist es, anfänglich Chaos und Terror in einem bestimmten Territorium zu schüren (Syrien, Libyen, usw. siehe Afghanistan, 1980) und später, wenn Gegenwehr einsetzt, diese mit Hilfe der westlichen Luftübermacht zu brechen.

Sehen Sie, die US-Armee benötigte im Irakkrieg von 2003 nur 40 Tage um die halbwegs organisierte und einigermaßen modern ausgestattete irakische Armee vernichtend zu schlagen – ist es demnach vorstellbar, dass sogenannte Gotteskrieger in einem vegetationsarmen Flachland gegen modernste satellitengestützte Waffensysteme eine Chance hätten? Wenn Sie das nächste Mal einen Konvoi weißer SUV-Toyotas sehen, auf deren Plattformen in schwarzen Tüchern gehüllte ‚Gotteskrieger‘ mit ihren Kalaschnikows posieren, dann sehen Sie sich Bilder des Highway of Death an. Damals, 1991, versuchten irakische Fahrzeuge aus Kuwait zu flüchten. Der Konvoi auf offenem Gelände war für die US-Airforce natürlich ein gefundenes Fressen und es dürfte wohl kein Fahrzeug jemals die irakische Grenze erreicht haben. Welche Vernichtungsschläge würden wohl heutige Luftstreitkräfte gegen einen ungeschützten Konvoi in der Wüste austeilen können, 15 Jahre später?

Ich möchte mit diesem Kapitel nicht den Rahmen sprengen, sondern nur aufzeigen, dass dieser Islamische Staat nur dazu da ist, die (illegalen) Aktionen der Westmächte in Syrien (und anderswo) zu verbergen. Unter Anleitung westlicher Militärs werden Todesschwadronen eingesetzt, um die lokale Bevölkerung mit Brutalität und Terror in Angst und Schrecken zu versetzen und jeden Widerstand zu brechen. Washington ist dafür bekannt, diese Taktik bereits in Süd- und Mittelamerika eingesetzt zu haben. Siehe hierzu Edward S. Herman: The Real Terror Network: Terrorism in Fact and Propaganda, South End Press, 1981. Falls Sie jetzt die Frage stellen, warum Washington dies hätte tun sollen, so ist die Antwort schnell gegeben: Machtansprüche eines Imperiums!

Da nun dieser Islamische Staat einerseits nicht existiert (jedenfalls nicht so, wie er von den Medien gezeichnet wird – siehe Artikel), andererseits von Washington (und seinen Partnern im Mittleren Osten) finanziert und damit gelenkt wird (meint auch Präsident Putin), kurz ein Deckmantel (smokescreen) ist, so scheidet dieser Verdächtige für einen Anschlag in Europa mit Sicherheit aus.

Übrig bleiben dann wohl nur noch Paris und Washington, die beide ein Interesse haben, die Bevölkerung in Frankreich respektive Europa in einem Zustand der Angst zu halten. Warum? Verängstigte Menschen sind leichter zu manipulieren, leichter zu führen, leichter zu dirigieren, leichter zu beeinflussen. Noch mehr Kriege fern der Heimat? Wenn es der inneren Sicherheit dienlich ist, nur zu, nickt der verängstigte Bürger. Noch höhere Rüstungsausgaben? Noch mehr Überwachung? Noch mehr Freiheiten für Geheimdienste? Noch mehr Spezialbehörden mit noch mehr Befugnissen? Noch mehr Einschränkungen, noch mehr Pflichten, immer weniger Rechte für den Einzelnen? Noch mehr Gesetze? Noch mehr Polizei? Noch mehr Soldaten? Noch mehr Brutalität? Noch mehr divide et impera? Noch mehr Bombenabwürfe in Syrien (oder Irak oder Afghanistan oder Libyen oder Serbien oder …)? Noch mehr Söldner? Noch mehr Kontrollen? Noch mehr Bürokraten? Noch mehr Experten? Noch mehr Sicherheitskonferenzen? Noch mehr Versprechungen? Noch mehr Waffen-Exporte? Noch mehr Munitionslieferungen? Noch mehr verbrannte Erde?

Laut der Tagesschau gibt der Ausnahmezustand den französischen Sicherheitsbehörden unter anderem folgende Sonderrechte:

– Webseiten sperren
– radikale Vereine oder Organisationen auflösen
– Bewegungsfreiheit einschränken
– Hausarreste verhängen
– Durchsuchungen ohne richterlichen Beschluss anordnen
– besondere Zonen zu Schutzgebieten erklären
– Veranstaltungsorte, Treffpunkte oder Kneipen schließen
– auch legal erworbene Waffen einziehen

Ich denke, es würde reichen, wenn Sie George Orwells 1984 lesen. Dort ist alles bis ins kleinste Detail beschrieben: Einmal kämpft der Westen (Ozeanien) gegen Eurasien, das andere Mal gegen Ostasien, irgendwo, fern der Heimat, in Afrika. Man sieht in der orwellschen Tagesschau immer wieder Bilder des Kampfes – somit ist der Krieg für die Bürger natürlich Wirklichkeit – und doch ändern sich laufend Freund und Feind, weiß niemand, wie lange der Krieg schon dauert und ob er denn jemals zu Ende gehen wird. Der einzige Lichtblick der Bevölkerung ist die Untergrundorganisation The Brotherhood und deren Leitfigur Emmanuel Goldstein. Erst später wird dem Leser und dem Protagonisten bewusst, dass diese nur eine Erfindung der Partei sind.

Für die Elite in den oberen Etagen ist Krieg (bzw. die Bilder eines Krieges) nur ein billiges Ablenkungsmanöver, inszeniert und propagiert durch das Ministerium der Wahrheit.

Malcolm Muggeridge, ein guter Freund von George Orwell, schrieb: »[Orwell] erzählte mir einmal mit größtem Genuss, dass sein Modell für das Ministerium der Wahrheit im Roman 1984 die BBC gewesen sei, wo er während der Kriegsjahre mit wenig Begeisterung gearbeitet hat.« – Miriam Gross, The World of George Orwell, Simon & Schuster, 1972, S. 166.

Falls Ihnen Orwell zu pessimistisch ist, probieren Sie es zum Einstieg mit der im Jahr 1997 erschienen Hollywood-Filmsatire Wag the Dog.

Conclusio

»Un peuple n’a qu’un ennemi dangereux, c’est son gouvernement.«, Louis Antoine de Saint-Juste (1793) – »Ein Volk hat nur einen gefährlichen Feind, das ist seine Regierung.«

Denken Sie darüber nach, wem all die (vermeintlichen) Anschläge am Ende helfen? Etwa der muslimischen Bevölkerung in Europa? Oder einem türkischen Soldaten, der in einem Erdloch hockt, irgendwo an der Grenze zwischen Syrien und der Türkei? Oder einer muslimischen Familie im Irak, deren Söhne von Todesschwadronen gefoltert und verstümmelt wurden? Oder den zahlreichen Opfern, die durch einen heimtückischen (britischen) Bombenanschlag in Basra, Irak, ums Leben gekommen sind? Oder europäischen Bürgern, die von ihren eigenen Regierungen hinters Licht geführt wurden und werden und deren Kindeskinder in naher Zukunft die eingebrockte Suppe auszulöffeln haben?

Helfen all die (vermeintlichen) Anschläge nicht jener kleinen Minderheit, die das bestehende Kredit-Zinseszins-System am Laufen halten will, da sie davon exorbitant profitiert, obwohl es, längerfristig gesehen, mit absoluter Sicherheit zum Scheitern verurteilt ist? Vielleicht ist die laufende Militarisierung von Polizei und Sicherheitskräften, seit Ausrufung des Krieges gegen den Terrorismus (9/11), da wie dort, nur Vorbereitung auf den kommenden wirtschaftlichen und damit gesellschaftlichen Kollaps.

Können wir etwas dagegen unternehmen? Wir können wenigstens die Widersprüche in Nizza immer und immer wieder zur Sprache bringen. So lange, bis auch der letzte Bürger erkennt, wohin die Reise geht.

»In diesem Land (Großbritannien) ist intellektuelle Feigheit der schlimmste Feind, der einem Schriftsteller oder Journalisten gegenübersteht und diesem Umstand, so scheint es für mich, wurde noch nicht jene Aufmerksamkeit zuteil, die er verdient.« / In this country intellectual cowardice is the worst enemy a writer or journalist has to face, and that fact does not seem to me to have had the discussion it deserves.

George Orwell
Freedom of the Press, 1945
angedachtes Vorwort zu Animal Farm [link]

 

 ***
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20 Antworten zu “Der Terroranschlag in Nizza vom 14.Juli 2016 und die Widersprüche – Eine Analyse!

  1. zip Dienstag, 30 August, 2016 um 23:40

    Wow. Congrats.

    Ich möchte in Hinsicht auf solcherart in Szene gesetzte „Anschläge“ noch auf eine Blaupause verweisen, nach der kopiert und vervielfältigt wird. Der einzige Unterschied zum Original scheint zu sein, dass die reale Durchführung nicht mehr notwendig ist, sondern – was in Zeiten von „virtual reality“ ohne weiteres realisierbar ist – ein Spiel mit der Realität, dem wahren Kern, getrieben wird. Die Druckvorlage aber samt Publishing-Tools, nach der diese Narrative produziert werden, bleibt dieselbe:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Strategie_der_Spannung

    https://de.wikipedia.org/wiki/Strategie_der_Spannung_(Italien)

    Die große Herausforderung für nachfolgende Generationen wird es sein, virtuelle „Realität“ von faktischer Realität säuberlich zu trennen. Die Herausforderung für unsere Generation besteht darin, klar zu machen, dass immer eine bestimmte Geschichte erzählt werden soll.

    Was hier trefflich gelungen ist.

    • Richard K. Breuer Mittwoch, 31 August, 2016 um 6:29

      Dahingehend hat ja der gute Daniele Ganser vortreffliche Arbeit geleistet.

      Übrigens ist mir erst in den letzten Wochen klar geworden, dass diese sogenannten „Mafia-Morde“ in Italien – zw. 1970 und 1990 – höchstwahrscheinlich von der Cabal / vom Establishment / Washington beauftragt wurden.

      Die lokale Mafia hätte sich niemals getraut, Staatsanwälte oder Politiker zu töten. Vermutlich wollte man den Gladio-Nachforschungen Einhalt gebieten und gleichzeitig anderen behördlichen Skeptikern in Europa die blutige Rute ins Fenster stellen.

  2. Sherlock Donnerstag, 1 September, 2016 um 21:37

    Hervorragende Analyse, vielen Dank hierfür. Ein eigentliches Nizza-Kompendium!

    [Anm. des Admin: Die verschiedenen Kommentare hier zusammengefasst]

    1) Hier der neuste Beitrag aus Australien. Ein weiterer deutlicher Hinweis, dass diese Aufnahmen von Insidern gestellt wurden. youtube

    2) Für einmal was sinnvolles und interessantes zum Thema Zahlen, vom soliden ‚Changing Reason‘: youtube

    3) Das alleine reicht als Beweis dass die Nizza-Aufnahmen gefälscht sind.youtube

    4) Hat Man! youtube

    5) Das ist heftig: Auf dem Ambulanz-Foto hat der LKW nicht nur keine Einschusslöcher (das könnte noch an der Bildauflösung liegen), sondern er hat vor allem noch seine weiße Front-Abdeckung! youtube

    6) Unversehrter Truck am Ende der Strecke.. dabei ist auf dem Gutjahr-Video zu erkennen, dass die Front-Abdeckung schon auf seiner Höhe weg war, also vor den letzten 100m. FOTO-Link

    • Richard K. Breuer Freitag, 2 September, 2016 um 6:57

      Merci für das Lob. Tut gut🙂

      1) Peekay und all die anderen Truth-Seekers auf youtube versuchen das Narrativ durch Analyse von Video- und Fotomaterial zu erreichen. Das Problem dabei ist, jeder sieht, was er sehen will bzw. jeder sieht, was ihm subtil / plakativ vom Mainstream eingeflüstert / eingetrichtert wird. Deshalb werden diese Leute, so beherzt die Aktivitäten von Peekay & Co auch sind, niemals die breite Masse erreichen können. Andererseits ist es wichtig, dass es zentrale Punkte im Web gibt, wo man auf Gleichgesinnte trifft. Deshalb lese ich vorrangig die Kommentare, in der Hoffnung, jemand verweist auf neue bzw. übersehene Indizien/Beweise. Aber die Gefahr, dass diese zentralen Punkte früher oder später ausgeknipst werden, ist natürlich hoch. Und was dann?

      2) Die Zahl ’42‘ kommt tatsächlich recht gehäuft vor – aber für den gewöhnlichen Bürger ist das nur Zufall und einen Beweis, dass es kein Zufall ist, also, den gibt es nicht. Ergo: Ich nehme die ‚Zahlenspielerei‘ zur Kenntnis, möchte diese aber nicht in meinen Texten einbringen.

      3) Foto- und Videomaterial sind leider niemals ein ‚Beweis‘, höchstens ein Indiz😉

      • TedX Donnerstag, 8 September, 2016 um 17:21

        Kann ich nicht zustimmen. Diese Fotos sind klare Beweise, dass manipuliert wurde (unversehrter LKW am Ende der Strecke). Da gibt es auch nichts zu „interpretieren“. Ein Bild sagt mehr als tausend Worte…

      • Richard K. Breuer Donnerstag, 8 September, 2016 um 18:03

        ad TedX

        Leider können Fotos auch manipuliert werden.

        Die Bilder des LKWs zeigen jedenfalls nicht die geringsten Anzeichen von Blutspuren. Das hätte eigentlich jedem Journalisten und Medienfachmann sofort auffallen müssen. Trotzdem hat jedes Medium die offizielle Version abgenickt. Fragt sich nur, warum?

  3. Rudi Samstag, 3 September, 2016 um 10:20

    Ich bin immernoch sprachlos – das ist nahezu perfekt und ich muss sagen: besser geht es nicht!

    Sehr akribisch recherchiert, detailgetreu und mit nachvollziehbaren Schlussfolgerungen versehen, dazu griffig und anschaulich formuliert. Herzlichen Glückwunsch!

    Ich werde mich zukünftig ebenfalls auch in Deinem Blog tummeln😉

  4. em Sonntag, 4 September, 2016 um 15:18

    Geniale Fleissarbeit, danke!

    Nach langer Sendepause ist Richard Gutjahr nach den (false flag?) Anschlägen in Nizza und München wieder aufgetaucht und gibt der befreundeten ARD-Journalistin Inge Seibel am 2.9.16 ein wohlüberlegtes Interview über den Shitstorm gegen ihn und seine israelische Familie, wobei er natürlich sofort die Antisemitismus-Keule herausholt. Auf die wesentlichen Vorwürfe und seine inkonsistenten Zeitangaben geht er nicht ein, auch nicht auf die dubiose Rolle seiner Tochter Thamina Stoll(22), die das legendäre Balkon-Video in München gedreht hat und damit hinterher durch US- und GB-Sender tingelte. Er spricht nur von Angriffen auf seine „Kinder“.
    Das komplette Interview ist hier nachzulesen:
    Interview. Richard Gutjahr. Wenn Reporterschicksal zum Alptraum wird (4 S., )
    http://mmbeta.de/wp-content/uploads/2016/09/mm092016_gutjahr.pdf
    Interessantes Detail darin: Er gibt zu, dass auf dem Roh-Video, das er an BR24 geschickt hat, seine Familie (also Ehefrau Einat Wilf, Zionistin und (Ex-)Geheimdienst-Leutnant) und die Schreie seines Sohnes zu hören sind.
    Dieses Video wurde z.B. vom Sydney Herald übernommen und erst nach mehreren Tagen vermutl. auf Intervention von BR24 dort ersetzt.
    Auf dem Video ist auf der Tonspur zu hören:
    Mann, Gutjahr: „terror attack, there’s a(oder the !!!) terror attack, down down“
    Frau, vermutl. Ehefrau Einat Wilf: „really?“
    Das wurde aber in DE meines WIssens nirgends ausgestrahlt bzw. sofort in der Tonspur beschnitten/korrigiert.

    • Richard K. Breuer Sonntag, 4 September, 2016 um 17:27

      Das lag ja wohl auf der Hand, dass Gutjahr früher oder später in die Offensive gehen würde.

      Gut möglich, dass man jetzt seine Widersprüche unter den Teppich kehren will – die Vorwürfe bezügl. falscher Zeitangaben können jetzt mit ‚antisemitische Hetze‘ begegnet werden.

      Deshalb wollte ich von Anfang an den Fokus auf die Widersprüche legen. Gutjahrs Familie hat ja in der Tat nichts mit Nizza zu tun – wer etwas anderes behauptet, wird wohl Beweise erbringen müssen. Die Indizien reichen mit Sicherheit nicht aus.

  5. em Sonntag, 4 September, 2016 um 16:28

    Video(en) von Serebra Sana (in. Kanal):
    NICE: Hommage & Victim Compensation
    youtube-Link
    Bisher wurden 4 Mio€ von geplanten 300-400 Mio€ an (angebliche) Opfer von Nizza ausgezahlt.
    Es gibt offensichtlich einen Fond (von Versicherungen finanziert) für Terroropfer mit z.Zt. 1,4 Mrd€ Bestand.
    http://www.fenvac.org/

    Auch ein mögliches Motiv: 300-400 Mio€ Entschädigung
    twitter-link

    Artikel dazu (FR): Lesechos

  6. MI (Das Gelbe Forum) / Eintrag übernommen Montag, 5 September, 2016 um 8:00

    Hallo rkb,

    du musst es mir übel nehmen, bei der Mühe, die du dir da gemacht hast. Aber wenn du das, was du zu sagen hast, nicht in wenige Sätze bringen kannst, und zwar HIER im Forum, einfach eine klare Aussage, worum es geht, worum es dir geht, dann kannst du es gleich lassen.

    Grüße,
    MI

    • Richard K. Breuer Montag, 5 September, 2016 um 8:03

      Mein Ansatz ist folgender: Gibt es bei einem Ereignis Widersprüche? Wenn ja, müssen sie sorgfältig notiert und aufgezeichnet werden. Auf diese Weise kann man nun andere skeptische Bürger darauf aufmerksam machen. Mehr ist nicht möglich.

      Es ist nicht die Aufgabe eines Bürgers ein Verbrechen aufzuklären, das ist Aufgabe der Behörden. Gibt es aber in der offiziellen Erklärung Widersprüche, müssen die Behörden diese Widersprüche auflösen. Da die Medien längst zum Sprachrohr der Behörden geworden sind, bleibt nur noch ein Forum wie beispielsweise Das Gelbe Forum, um Aufmerksamkeit zu generieren und so vielleicht Druck auf die Medien auszuüben die wiederum Druck auf Behörden ausüben können.

      Aber für all jene, die nicht bereit sind, eine lange Abhandlung zu lesen, habe ich nun einen pointierten Absatz eingefügt.

      Einer der folgenden Punkte trifft in jedem Falle zu:

      1 Journalist Richard Gutjahr lügt und die Medien decken ihn
      2 Die französischen Behörden lügen und die Medien decken diese
      3 Es treffen Punkt 1 und 2 zu und die Medien decken beide

  7. ED. Dienstag, 6 September, 2016 um 7:16

    Lieber Herr Breuer,

    Ich lese gerade Ihre interessante Untersuchung der Anschläge in Nizza auf https://1668cc.wordpress.com/2016/07/17/merkwuerdigkeiten-in-nizza-oder-anatomie-eines-events-14-juli-2016/

    Es entstehen bei mir einige Fragen, die Sie vielleicht mir beantworten könnten.

    1. In einem Abschnitt zitieren Sie Todesstatistik wenn Menschen von einem Lastwagen überrollt werden, und schreiben dann, dass “bei den im Clip gezeigten Leichen ist keine einzige überrollt worden.” Ich weiss aber nicht um welchen Clip es handelt. Ich bin aber auf Fotos gestolpert, die anscheinend überrollten Leichen zeigen. Allerdings kann man schlecht aus Abbildungen die genaue Verletzungen feststellen. Ist hier eher Spekulation, oder ist hier eine merkwürdige Tatsache?

    [Antwort von rkb: Jeder sieht auf Fotos generell nur das, was er sehen möchte. Wenn jemand auf den Fotos ‚überrollte Leichen‘ gesehen haben will, dann hat er sie auch gesehen. Ich habe sie jedenfalls nicht gesehen.]

    2. Kann man Schlüsse daraus ziehen, dass das LKW in einem blitzblanken Zustand fotografiert ist? Ist es nicht möglich, dass bevor das LKW fotografiert wurde, diese Blutspuren entfernt wurden?

    [Antwort von rkb: Nope. Da es sich um Verbrechen gehandelt hat, durften die (Blut)Spuren nicht verändert werden, bevor diese nicht forensisch untersucht worden sind. Das ikonische Foto des LKWs wurde (laut Aussage des Fotografen) gegen 23 Uhr gemacht, bevor überhaupt noch die Forensiker vor Ort waren.]

    3. Auf Liveleaks, übrigens, hatte ich Mühe Beispiele von überrollten Leichen zu finden.

    [Antwort von rkb: Im obigen Text ist ein Link zu finden.]

    4. Sie schreiben: „In einem anderen publizierten Foto sieht man eine Vielzahl an Leichen eng an eng zusammenliegen.” Ich habe nach einer solchen Foto vergeblich gesucht.

    [Antwort von rkb: Siehe twitter-meldung]

    5. Auf die Seite https://1668cc.wordpress.com/2016/07/24/nizza_14-7-katastrophenmedizin/ ist ein Video mit Interview von Antoine Chauvel. Sie schreiben er hätte gesagt die Rettungskräfte wären nur nach 3 Stunden eingetroffen. Das sagt er aber nicht, sondern spricht von den liegenden Leichen. Von Rettungskräfte spricht er nicht.

    [Antwort von rkb: Chauvel ist ziemlich nervös und verspricht sich immer wieder. Da die „Leichen“ nicht von Notfallmedizinern für tot erklärt wurden – jedenfalls ist nichts davon auf Fotos zu sehen und auch Chauvel erwähnt es nicht – waren auch keine Notfallmediziner vor Ort. Leichen drei Stunden bzw. für Stunden auf der Straße liegen zu lassen, ohne Absicherung, ist undenkbar.]

    6. Ich finde Ihre Beobachtungen über die merkwürdige Unprofessionalität der Rettungsaktion wichtig. Es stimmt einfach nicht. Die Frage ist aber: Was kann in der Tat geschehen sein? Waren die Opfer Akteure? War alles (oder nur eine Teil) inszeniert?

    [Antwort von rkb: Geht man all die Indizien (Fotos, Clips und Zeugenaussagen) durch, scheint die offizielle Version unstimmig bzw. widersprüchlich zu sein. Was in der Tat geschehen ist, können nur die französischen Behörden herausfinden.]

    7. Auch das Fehlen eines offiziellen Zeitplan des Geschehens ist Zeichen für Vertuschung.

    [Antwort von rkb: Es könnte natürlich auch ein Zeichen von Unprofessionalität sein. Vielleicht argumentieren die Behörden auch mit dem Killerargument „Staatssicherheit“.]

    8. Auf https://1668cc.wordpress.com/2016/08/04/was-wenn-inspektor-columbo-den-event-in-nizza-14-juli-2016-untersuchen-wuerde/ schreiben Sie, dass “laut einem Bericht der Behörden, deren Grundlage die Auswertung der Überwachungskameras war, hat der LKW seine „Todesfahrt“ um 22 Uhr 32 und 33 Sekunden begonnen. Die Fahrdauer für die 2000 Meter betrug 3 Minuten und 14 Sekunden. Um 22 Uhr 35 und 47 Sekunden war der Spuk vorüber.” Wo ist dieser Bericht erschienen?

    [Antwort von rkb: In diesem Beitrag wird darauf eingegangen.]

    Es scheint mir, insgesamt, dass es doch mehr als 80 Todesopfer waren. Es stellen sich aber viele Fragen, die ich versuche zu beantworten. Wenn Sie etwas Neues erfahren haben, wäre ich interessiert.

    [Antwort von rkb: Einfach mal diesen Beitrag durchlesen, das sollte die eine oder andere Frage beantworten.]

    Mit freundlichen Grüßen.

  8. Rudi Dienstag, 6 September, 2016 um 8:18

    Info: Das Video in der Twitter-Meldung von LoreVonRo um 22h45 ist an der „Esplanade Georges Pompidou“ entstanden – hier:http://alturl.com/5jfmv

  9. EliasDavidsson Dienstag, 6 September, 2016 um 13:14

    Großartige Arbeit und zutreffende politische Schlußfolgerungen. Ich gratuliere!
    Es wäre weiter nützlich herauszufinden, ob die 86 Todesopfer in Nizza tatsächlich gestorben sind oder fiktive Personen sind. Da ihre Namen bzw. Einzelheiten über ihr Leben veröffentlicht wurden, wäre diese Recherche geboten um die These zu erhärten oder widerlegen, dass ein Massenmord stattgefunden hat. Wenn tatsächlich die Personen erfunden sein sollten, stünden wir hier gegenüber einem neu erreichtem Erfolg der Herrschenden bei der Erstellung einer virtuellen Realität.

    • Richard K. Breuer Dienstag, 6 September, 2016 um 20:32

      Also, ich gehe mal davon aus, dass es in Vergangenheit bereits öfters vorgekommen ist, dass eine Übung (drill) „irrtümlich“ für real gehalten wurde. Während die „Herrschenden“ vor 2001 die „Terroristen“ noch mit echten Bomben ausstatteten (z.B.: World Trade Center, 1993 ), ist dies gegenwärtig gar nicht mehr nötig. Die Medien stellen nicht nur keine Fragen mehr, sondern akzeptieren sogar die absurdesten und widersprüchlichsten Geschichten.

      Für einen Außenstehenden ist es nicht möglich, herauszufinden, ob eine „Person“ tatsächlich beim Anschlag ums Leben gekommen ist oder nicht. So könnte es zwar einen Todesfall am 14.7. oder 15.7. gegeben haben, aber das heißt nicht, dass dieser Todesfall mit dem „Anschlag“ in Verbindung stehen muss.

      Wir dürfen nicht vergessen, dass es die Medien sind, die uns über „Biographie“ bzw. „Details“ der Verstorbenen informieren. Woher haben die Medien diese Informationen? „Verwandte“ oder „Freunde“ sind es, die Auskunft geben. Werden diese Leute überprüft? Natürlich nicht.

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