Die Aristokraten des Westens, die Könige des Ostens und die Treppe, die nach unten führt

Was mögen nachfolgende Generationen über die erste Hälfte des 21. Jahrhunderts lernen? Es ist davon auszugehen, dass sie ein einseitiges Weltbild vorgesetzt bekommen, das klar und unmissverständlich die Guten von den Bösen trennt. Da der demokratische Westen, dort der despotische Osten. Tatsächlich ist alles nur eine inszenierte Wirklichkeit. Vergessen die Angriffskriege Washingtons und Londons, unter gefälligem Kopfnicken Europas, vergessen all die abgeworfenen Bomben auf zivile Infrastruktureinrichtungen und Städte, die große Zerstörung und damit viel Leid unter einer unschuldigen Bevölkerung anrichteten. Die Verantwortlichen, demokratisch gewählt und medial gelobt, lachten sich ins Fäustchen („We came, we saw, he died!“). Für sie war es so einfach, die breite Masse an der Nase herumzuführen, weil es keine freie Presse mehr gab. George Orwell beklagte sich bereits nach dem 2. Weltkrieg darüber, als es Journalisten und Autoren beinahe unmöglich gemacht wurde, über die wahren Zustände in der stalinistischen Sowjetunion zu schreiben.

Die westliche Aristokratie, die seit langem den geopolitischen Ton vorgab, ließ sich als Retter von Freiheit und Frieden bewundern und beklatschen. Kollateralschäden? Ein Achselzucken. Möchtest du ein Omelett machen, müssen nun mal Eier zu Bruch gehen, sagen sie. So ist das.

Keiner in den Redaktionsräumen will sich daran erinnern, dass der zweite Irakkrieg mit einer Lüge in Gang gesetzt wurde. Nicht nur die Weltbevölkerung wurde von Washington mit kaltem Kalkül betrogen und belogen, sondern auch die Vereinten Nationen. Konsequenzen dieses völkerrechtswidrigen Krieges gab es nur für die irakische Bevölkerung und dem Nahen Osten, der destabilisiert wurde. Niemand wollte aus diesem politischen Lug lernen. Man machte einfach weiter, mit dem Schüren von Konflikten, mit dem Führen von Kriegen. Libyen und Syrien standen längst auf der Abschussliste der Aristokraten. Die beiden Staaten wollten sich, genauso wie seinerzeit der Irak, aus dem Würgegriff des Petrodollars und damit Washingtons lösen. Aber fällt der Petrodollar, fällt das Imperium des Westens.

Der gegenwärtige Konflikt – ein Krieg ist es noch lange nicht – zwischen Kiew und Moskau hat die Saat des Untergangs für den Westen gesät. Es ist jetzt nur noch eine Frage der Zeit, bis sich die Welt wieder einmal in zwei Blöcke aufspalten wird. Da der unersättliche Westen, der sich an anderen Ländern vollgefressen hat, dort der Osten, der sich um Gleichberechtigung und damit einer neuen Weltordnung bemüht. Das Kinderspiel, Reise nach Rom, findet unter den Staaten längst statt. Wer ergattert noch einen Stuhl, bevor die Musik verklingt? Wer bleibt zwischen den Stühlen sitzen und wird zum Spielball der Mächtigen?

Der Einsatz für Washington, London und Brüssel genauso wie für Moskau und Peking ist exorbitant, gar existenziell. Deshalb treten westliche Politiker demokratische Grundsätze mit Füßen, ignorieren den Wählerwillen und stürzen Millionen unschuldiger Menschen in Armut und Verzweiflung. Eine Spirale ist in Gang gesetzt worden, die nach unten führt, immer tiefer, immer schneller.

Längst ignorieren Politiker hierzulande, dass billige Energie das Fundament der Industrialisierung war und ist. Gibt es nur noch teure Energiequellen, muss unweigerlich eine Deindustrialisierung einsetzen, die wiederum zu Massenarbeitslosigkeit und Massenarmut führt, was eine gesellschaftliche Verwerfung auslöst. Es ist eine Implosion, die im Inneren eines souveränen Staates alles durcheinander wirft. Um einen Zusammenbruch zu vermeiden, wird es Zuckerbrot und Peitsche und viel Kontrolle brauchen. Die Vergangenheit ist reich an solch schrecklichen Beispielen.

Moskau wird den Konflikt für sich entscheiden. So viel steht fest. Es stellt sich nur noch die Frage, wie viel Blut, Schweiß und Tränen die Aristokraten des Westens und die Könige des Ostens gewillt sind, zu opfern, um eine alte Weltordnung aufrechtzuerhalten bzw. zu stürzen.

Oder anders gefragt:

Würden die einen, würden die anderen einen nuklearen Weltkrieg in Kauf nehmen, um den eigenen Untergang abzuwenden?

Oder läuft es darauf hinaus, dass von nun an immerwährende konventionelle Kriege im „nahen“ und im „fernen“ Osten geführt werden?

Es wird wohl wieder Zeit, Orwell zur Hand zu nehmen.

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