richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

(1) Akif Pirinccis Deutschland von Sinnen – Eine erste Auseinandersetzung

DvS_Cover

Es ist ein Skandal, die indigene Bevölkerung als einen Haufen von Reaktionären, Nazis, ja, verhinderten Mördern zu verunglimpfen, sobald sie mitbestimmen möchte, mit welcher Sorte von Menschen sie in ihrem eigenen Land zusammenzuleben wünscht und mit welcher nicht.

Deutschland von Sinnen
Klappentext
Akif Pirinçci
[Zitierung mit freundl. Genehmigung des Verlages]

 

Wenn unter Leuten, die zusammen in demselben Hause wohnen oder sonst täglich miteinander leben müssen, Verstimmungen oder Mißverständnisse entstehen, so tut man wohl, die Erläuterung zu beschleunigen; denn nichts ist peinlicher, als mit Personen unter einem Dache zu leben, gegen die man einen Widerwillen hegt.

Über den Umgang mit Menschen
Adolph Franz Friedrich Freiherr von Knigge
link / 1788

 

Das Buch des türkischen Gastarbeiterkindes der 1. Generation und Bestsellerautors (Felidae) Akif Pirinçci ist bei mir verspätet aber doch auf dem Lesetisch gelandet: Deutschland von Sinnen: Der irre Kult um Frauen, Homosexuelle und Zuwanderer. Ich habe das Buch in den letzten Tagen gelesen und möchte gleich vorweg eine Empfehlung dafür aussprechen. Einfach deshalb, weil solche Pamphlete und (im wahrsten Sinne des Wortes) politisch unkorrekte Wutreden, so gut wie gar nicht mehr das Licht der Verlagswelt erblicken. Das hat Gründe. Natürlich. Vor allem sind es die Gatekeepers, also die Sittenwächter und Moralapostel, die mit aller Macht jeden Versuch, Meinungsvielfalt und Diskurs zu leben, verhindern wollen. Auch wenn der eine oder andere Leser angewidert bzw. entsetzt ist, von Inhalt und – vor allem -  der vulgären Sprache des Buches, so muss es trotz allem möglich sein, in unserer aufgeklärten demokratischen Gesellschaft, solch einen Text zuzulassen. Jene, die dieses Buch am liebsten gar nicht gedruckt gesehen haben wollten (beispielsweise ein Robert Misik in der taz), verstehen nichts von einer gesunden Diskussionskultur, aber viel von Zensur und Gleichschaltung. Tja. Wie soll die junge Generation auf das Leben da draußen vorbereitet werden, wenn es nur noch eine Meinung, eine Linie, eine Anschauung, eine Marschrichtung gibt?

They have accepted the principle that a book should be published or suppressed, praised or damned, not on its merits but according to political expediency. And others who do not actually hold this view assent to it from sheer cowardice. [...] If liberty means anything at all it means the right to tell people what they do not want to hear. — Die Intellektuellen akzeptierten das Grundprinzip, dass ein Buch publiziert oder unterdrückt, gepriesen oder verdammt werden sollte, nicht wegen seines Inhalts, sondern aufgrund seiner politischen Zweckdienlichkeit. Und andere, die diese Ansicht nicht teilen, stimmen dieser aus reiner Feigheit zu. [...] Wenn Freiheit überhaupt etwas bedeutet, dann ist es das Recht, Leuten zu sagen, was sie nicht hören wollen.

George Orwell
The Freedom of the Press
Vorschlag für ein Vorwort zu Die Farm der Tiere/Animal Farm

 

Es gäbe viel, sehr viel zu schreiben. Aber wollen wir an dieser Stelle nicht gleich alles Öl ins Feuer gießen. Die nächsten Tage werde ich mich mit dem Inhalt des Buches genauer auseinandersetzen. In der Zwischenzeit suchen Sie die Buchhandlung Ihres Vertrauens – sei diese real oder virtuell – oder eine Städtische Bücherei auf und werfen Sie einen (verstohlenen) Blick ins Buch. Sie werden Augen machen.

Die Teufelei der Musikindustrie oder You’re a ‘fat fu**ing refrigerator’

spieglein02.jpgEhrlich gesagt, die US-Sängerin Ke$ha ist mir gänzlich unbekannt, obwohl sie bereits mehrere Millionen Alben verkauft haben dürfte. Sie ist für mich eine dieser Singsang-Mädels im großen Musikgeschäft, die tun, was man ihr sagt. Es ist die abgedroschene Vermutung, dass die jungen Leute in der Musikindustrie ausgebeutet und verheizt werden – und wenn sie ihre Schuldigkeit getan haben, ersetzt man sie einfach durch das nächste aufstrebende Talent. Kurz und knapp: Das Musikbizness ist eine menschenverachtende, gar teuflische, Fließbandproduktion.

Wer wissen möchte, welch Teufelei Produzent Lukasz S. Gottwald aka Dr. Luke mit Kesha R. Sebert – im wahrsten Sinne des Wortes – getrieben hat, der möge sich die Anklagepunkte von Gerichtsfall BC 560466 zu Gemüte führen (link). Ja, da werden Ihnen die Augen übergehen. Vielleicht schütteln Sie auch nur den Kopf, weil die Vorwürfe gar so klischeehaft daherkommen. Aber wahr oder sehr nah an der Wahrheit können sie trotzdem sein.

Dr. Luke ist freilich nicht der Teufel persönlich, er ist vielmehr nur ein kleiner, unbedeutender Handlanger (aka Handler), der seine Rolle zu spielen und seine Aufgaben zu erfüllen hat. Da er nun den Bogen überspannt haben dürfte (einer seiner Schützlinge ist ihm entwischt und pinkelt der Musikindustrie gehörig ans Bein), sind seine Tage wohl gezählt: entweder wird das schwarze Schaf hingeschlachtet oder einfach nur aus der Schusslinie gebracht – alles ist möglich. Weil, für die sonoren Herren in den Vorstandsetagen der Konzerne und den grauen Eminenzen in den Hinterzimmern der Macht ist die Aufrechterhaltung der paradiesischen Entertainment-Illusion das Um und Auf. Jeder Künstler, der die Öffentlichkeit über die dunklen Seiten dieser Illusion aufzuklären versucht, läuft Gefahr, an seiner Drogensucht und seinem übermäßigen Alkoholkonsum zugrunde zu gehen – oder wird in Schulden gestürzt und schließlich als persona-non-grata in der Gosse der Ex-Superstars liegen gelassen. Die Fans bekümmert es nicht. Sie sind längst dem nächsten Star verfallen, der noch jünger, noch hübscher, noch attraktiver, noch dünner, noch geiler, usw. präsentiert wird. Ja, die Fans, wie Graf Mirabeau vor über zweihundert Jahren bereits bemerkte, sind eine undankbare Geliebte.

Wer sich in verschwörungstheoretische Gefilde begeben möchte, dem lege ich David McGowans Weird Scenes Inside the Canyon: Laurel Canyon, Covert Ops & The Dark Heart of the Hippie Dream ans Herz (link). Die Theorie besagt, dass die Hippie-Bewegung inkl. der Folk-Rock-Pop-Musik in den 196oern nicht aus dem Volk kam, sondern vielmehr von oben in Szene gesetzt wurde. Klingt natürlich absurd, aber die Beispiele und ›absurd-verrückten Szenen‹, die McGowan in seinem Text anführt, stimmen einem dann doch recht nachdenklich. Und vergessen wir nicht, dass diese gar so friedliche Flower-Power-Bewegung schließlich und endlich in die gegenwärtige apolitische Konsumgesellschaft geführt hat, in der eine kriegslüsterne Obrigkeit schalten und walten kann, wie es ihr beliebt. Willkommen in der Realität.

Wenn der Mainstream mit der Propaganda oder Ich möchte mein altes Deutschland zurück

Yep. Immer feste druff!

Schlapperlot. Durch einen glücklichen Zufall auf das Buch Deutschland von Sinnen des türkisch-deutschen Schriftstellers Akif Pirinçci gestoßen. Es soll, so liest man, große Wellen im Feuilleton geschlagen haben. Negative, versteht sich. Kein Wunder, prangert der Autor die Gutmenschenphilosophie – a.k.a Political Correctness – mit harschen Worten an. Hola. Nein, gelesen habe ich es noch nicht. Kurzerhand bestellt. Und gleich das Nachfolgewerk Attacke auf den Mainstream dazu. Das zweite Buch interessiert mich freilich mehr, weil hier der interessierte Leser erfahren dürfte, wie der Mainstream auf das erste Buch reagierte und welche Keulen gegen den Autor geschwungen wurden. Ich gehe davon aus, dass es die üblichen gewesen sind, die mit »Anti« am Wortanfang beginnen oder mit »phob« am Ende enden. Ich denke, da ist für jeden Gutmenschen etwas dabei, um so richtig auf Linie gebracht zu werden. Und tobende Gutmenschen machen prinzipiell keine Gefangenen. Das hört man immer wieder. Wie dem auch sei, ich werde mir die beiden Bücher demnächst vorknöpfen und darüber befinden.

P.S.: Wenn Sie wissen möchte, wie mich der Zufall zu diesem Buch geführt hat, nun, dann ist es so, dass ich das Interview eines gewissen Nonnenmacher (ist der Name eigentlich pc?) gelesen habe, der die Vorwürfe von »Medienbranche-Insider-Verräter-Verschwörungstheoretiker« Ulfkotte, dass der Mainstream korrupt sei und Lügen verbreitet, mit den Worten “lächerlich und abstrus” entkräften wollte. Ja, netter Versuch. In diesem Interview wurde auch auf eine weitere Auseinandersetzung von Niggemeier verwiesen. Und in diesem langen und breiten »es ist alles ganz anders«-Artikel, erfahre ich, dass »der Türke Akif Pirinçci« in einem ZDF-Interview gesagt haben soll: »Mit dem Arschloch sieht man besser«.  Da der Link zur Mediathek angegeben war, musste ich mir das rund 6-minütige Interview natürlich ansehen und habe es nicht bereut. Respekt! Der Mann, dachte ich mir, getraut sich ja allerhand zu sagen. Wahrlich, starker Tobak, was er da so von sich gegeben hat. »Ich möchte mein altes Deutschland wieder haben«, wiederholt er, das türkische Gastarbeiterkind der 1960er- und 70er Jahre, der sich als Deutscher wahrnimmt und nichts von dieser, oft in den Medien erwähnten, kulturellen Zerrissenheit wissen wollte.

P.S.S.: Weil ich weiß, was ich weiß, möchte ich an dieser Stelle nur zwei Anmerkungen machen. Dass der Mainstream tut, was eine Elite vorschreibt, klingt wie eine Verschwörungstheorie, scheint aber, wenn man dem ehemaligen FAZ-Mitherausgeber Paul Sethe (1965) und dem Bezirksstaatsanwalt von New Orleans Jim Garrison (1967) Glauben schenken möchte, einen wahren Kern zu haben. Und schließlich ist ein türkisch-deutscher Schriftsteller nicht der erste gewesen, der auf die Gefahren der Political Correctness hingewiesen hat, das hat vor ihm schon ein gewisser John Charles Carter gemacht. Well, well.

Scheiterte die ‘Umerziehung’ nach 1945?

“Die USA fertigten mehrere Konzepte für den Umgang mit den “pervertierten” Österreichern [nach 1945] an, so Historiker Stifter [in seinem neuen Buch]. Doch das Experiment scheiterte”, schreibt Die Presse in einem Artikel.

Aha. Also, mir ist das neu. Nicht die Sache mit der Umerziehung, sondern vielmehr, dass das ‘Experiment’ gescheitert sein soll. Man muss nicht in Archiven graben, um zu bemerken, dass eine Umerziehung stattgefunden hat (und noch immer stattfindet), es reicht, wenn man die Augen öffnet und sich von der allgegenwärtigen Propaganda nicht für dumm verkaufen lässt. In Putins Worten: “total control of the global mass media has made it possible when desired to portray white as black and black as white” [siehe Paul Craig Roberts Artikel Vladimir Putin Is The Leader Of the Moral World link].

Ich frage mich, ob Professoren und Presseleute mit voller Absicht die historischen und politischen Tatsachen verdrehen und verbiegen bis diese in das [verordnete] Mainstream-Narrativ passen. Oder wissen es die professionellen Meinungsmacher nicht besser und sind vollkommen ahnungslos? Tja, wie man es auch dreht und wendet, am Ende hat man es immer nur mit skrupellosen/dummen/ängstlichen/ehrgeizigen Leuten zu tun, die aus schwarz weiß und aus weiß schwarz machen.

Willkommen im Absurditätenkabinett

Orwell_Liberty_QuoteEhrlich gesagt, ich habe keine rechte Lust zu schreiben. Ich tue es trotzdem. Was bleibt übrig, frage ich. Immerhin gilt es, dann und wann, ein kreatives Lebens-Ausrufezeichen zu setzen. Kurz und gut: ich blogge, also bin ich.

Geht man mit offenen Augen durch die gegenwärtige Welt, glaubt man sich unweigerlich in einem – wie ich es zu nennen pflege – Absurditätenkabinett. Anders kann man es nicht bezeichnen, wenn man liest und hört, wie aus rechts links, aus links rechts, aus unten oben, aus oben unten, aus schwarz weiß und aus weiß schwarz gemacht wird. Die Political Correctness – im Duden längst aufgenommen – herrscht im Lande. Unerbittlich wütet sie gegen den gesunden Menschenverstand, gegen althergebrachte Traditionen und gegen verwurzelte Kulturen. Am Ende, es steht zu befürchten, ist nur noch das Gedankenkonstrukt der politischen Korrektheit das Maß aller Dinge. Toughtcrime, nannte Orwell dieses Konstrukt. Dabei hatte er es nicht prophetisch vorausgeahnt, sondern im damaligen stalinistisch-bolschewistischen Umfeld bemerkt und literarisch verarbeitet.

So! Und jetzt mache ich mit Penly weiter.

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