richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Hüten Sie sich, den Teufel beim Namen zu nennen

Redewendungen-2016

Durch Zufall bin ich über einen Artikel gestolpert, der eine gewisse Frau Festerling der „öffentlichen Aufforderung zu Gewalttaten“ bezichtigt. Da ich mich für Sprache aus beruflichen Gründen interessiere, wollte ich natürlich wissen, mit welchen Worten die gute Frau die Menge aufgepeitscht hat. Heutzutage würde es bekanntlich an ein Wunder grenzen, könnte man gewöhnliche Bürger aus ihrem gemütlichen Schlaf aufwecken. Die Aussage, die nun die Staatsanwaltschaft beschäftigt, lautet wie folgt:

Wenn die Mehrheit der Bürger noch klar bei Verstand wäre, dann würden sie zu Mistgabeln greifen und diese volksverratenden, volksverhetzenden Eliten aus den Parlamenten, aus den Gerichten, aus den Kirchen und aus den Pressehäusern prügeln.

Die Rede, in der dieser Satz gesprochen wurde, fand in Leipzig statt. Im Jahr 2016. So weit ich weiß, gehören Mistgabeln nicht mehr zum Inventar städtischer facebook-Revolutionäre der Neuzeit. Freilich, in den historischen Museen Deutschlands und Österreichs kann man die eindrucksvollen Waffen der Bauernaufstände bewundern. Dreschflegel und Sensen standen hoch im Kurs und ambitionierte Landwirte konnten damals so manchen Fürsten zum Einlenken bewegen. Heinrich von Kleist hat ja eine Novelle über solch ein (wahres) Ereignis geschrieben – und ich gehe davon aus, dass eine Schrift wie Michael Kohlhaas heutzutage auf den Index landen würde, weil, wo kämen wir hin, wenn die Bauern und Bürger anfangen würden, von den Eliten Recht einzufordern. Bereits der Philosoph Spinoza (1632-1677) wusste zu seiner Zeit, dass jeder nur so viel Recht hat wie er Macht hat. Heute ist das natürlich nicht anders.

Sehen Sie, wer sich ein wenig mit den gegenwärtigen Zuständen abseits der Lügenpresse Wahrheitspresse auseinandersetzt, der erkennt, dass die Elite und deren Handlanger in Behörden und Medien mit zweierlei Maß messen. Es gilt, die linke gegen die rechte Seite und die rechte Seite gegen die linke auszuspielen. So lange die Masse der Bürger unschlüssig bleibt, haben die Fürsten in Berlin Washington und Brüssel leichtes Spiel. Da kann es schon vorkommen, dass die Behörden zwielichtige Gestalten (auf Staatskosten) anheuern, um eine angemeldete bürgerliche Demonstration in Misskredit zu bringen – so der langjährige Präsident (1994-2000) des Thüringer Landesamtes für Verfassungsschutz Helmut Roewer, der in einem Interview aus dem Nähkästchen plaudert.

Für mich liegt klar auf der Hand, dass LEGIDA und PEGIDA und wie sie alle auch heißen mögen, zur kontrollierten Opposition der Eliten gehören. Woher ich das weiß? Nein, wissen kann ich es nicht, aber die Vergangenheit zeigt, dass jede größere (revolutionäre) Bürgerbewegung früher oder später von den Eliten vereinnahmt und mit deren loyalen Handlangern besetzt wurden. Denn, schalten wir kurz mal das Gehirn ein, es geht doch nicht um die „Islamisierung des Abendlandes“. Nope. Es geht darum, dass die Bürger ihr Recht auf Selbstbestimmung einfordern und all die korrupten Fürsten sowie deren Handlanger zur Verantwortung ziehen. Dazu braucht es keine Heugabeln, keine Dreschflegel – nur einen gemeinsamen Willen – und Eier in der Hose.

6 Antworten zu “Hüten Sie sich, den Teufel beim Namen zu nennen

  1. zip Freitag, 15 Januar, 2016 um 13:06

    Denn, schalten wir kurz mal das Gehirn ein, es geht doch nicht um die “Islamisierung des Abendlandes”. Nope. Es geht darum, dass die Bürger ihr Recht auf Selbstbestimmung …
    … unter dem propagandistisch getrommelten Vorwand einer political correctness, die nicht einmal in vollendeter Abstraktion hinreichend begründet werden kann, unter dem Vorwand von Gewaltfreiheit und Toleranz komplett aufgeben, dass sie ihre Eigeninteressen aus den Augen verlieren und zu einer manipulierbaren Masse von gehirngewaschenen, vergnügungssüchtigen Arbeits- und Konsumsklaven geformt werden können.

    Um das zu erkennen und die notwendigen Schlüsse daraus zu ziehen,…
    Dazu braucht es keine Heugabeln, keine Dreschflegel – nur einen gemeinsamen Willen – und Eier in der Hose.

  2. zip Freitag, 15 Januar, 2016 um 13:16

    Zur political correctness noch:

    Politik (in einer Demokratie) ist bekanntlich die Aushandlung von Interessen entlang gesellschaftlicher Konfliktlinien, um zu einem vorläufigen Minimalkonsens zu gelangen.

    Wenn ich meine Interessen durch ständige Relativierung und Rücksichtnahme relativiere und aufgebe (= pc), bin ich politisch letztlich nicht mehr handlungsfähig.

  3. Pingback: Und der Gewinner in der Kategorie Antisemitismus geht an: Oscar So White | richard k. breuer

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