richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Was soll das ebook kosten, ha?

Authors and readers no longer need Big Publishing to find and engage one another.
The sooner we all realize this, the better off we’ll all be.
Douglas Rushkoff
Author & Media Theorist

update: Sehr guter Artikel über die Preisgestaltung im kindle.store von amazon.com aus der Sicht eines Indie- bzw. Selfpublishers.

update: Auch ein empfehlenswerter Artikel über den Autor Adrian White und wie er seine drei Romane preislich einordnet – inklusive der Marketing-Aktion, für kurze Zeit das eine oder andere seiner ebooks gratis anzubieten.

Heute werde ich also die restlichen drei Titel offiziell mit ISBN (pro Format) im Verzeichnis Lieferbarer Bücher (VLB) eintragen. Damit ist die Veröffentlichung amtlich, wenn man so will. Die Buchpreisbindung greift auch bei ebook-Titeln. Das ist die gegenwärtige gemeinsame Sichtweise der Buchbranche. Bei genauerer Betrachtung gibt es natürlich Haken und Ösen, die man bedenken muss, wenn man mit virtuellem Text kaufmännisch herumtut. Zum Beispiel, dass kein Leser ein ebook oder E-Book kauft, sondern vielmehr die Lizenz, den Text auf einem Ausgabegerät zu lesen. Die Fallstricke sind da bereits inkludiert – zum Beispiel, wie man sein legal erworbenes ebook verschenkt, verkauft oder verleiht. Gewiss, die Industrie hat sich dahingehend bereits Gedanken gemacht – und findet Lösungen. Irgendwie. Von den Kopierschutz-Funktionen eines DRM will ich jetzt gar nicht anfangen. Aber als Appetizer zum Beispiel die Überlegung eines US-Publikumsverlages, den Verleih von ebooks zu limitieren. Wenn die öffentliche Bücherei das ebook 20 Mal verleiht* verliehen hat, ist Schluss. Punkt.

*

Yep. Die Angst der Buchbranche ist bei jeder Entscheidung spürbar. Nur nicht zu viel. Besser noch warten. Abwarten. Tee trinken. Naja. Im Oktober 2010 habe ich einen jungen US-Verlag unter die Lupe genommen. Sein Konzept: weg vom stationären Buchhandel, hin zum flexiblen Webshop – radikal umgesetzt. Hier zum Nachlesen. Weiters ein Artikel, warum wir zwar an ebooks glauben, aber trotzdem nicht satt werden. Hier übrigens eine Statistik über die Marktanteile der ebook-shops im Januar 2011:  statista

*

ebook vs. print
Warum gibt es heutzutage noch Monopole?

Gut. Wenn ich die Daten im VLB einpflege, muss ich mich auch endgültig für einen Preis entscheiden. Da gehen ja die Meinungen auseinander. Hier die Konsumenten, die meinen, so ein virtuelles Buch kann unmöglich so viel kosten, wie ein real gedrucktes, dort die Verleger, die meinen, dass das sehr wohl der Fall sein kann. Pattsituation. Am längeren Ast sitzen (im Moment) die Verleger. Sie setzen den Preis des ebooks fest. Punkt. Später kann der Konsument entscheiden, ob er bereit ist, den Preis zu zahlen. Dabei darf man nicht vergessen, dass Verlage primär ein Monopol auf ein Buch haben. Seltsam, oder? Wo wir doch meinen, die freie Marktwirtschaft  von bösen Monopolen  säubern zu müssen. Weil jedes Monopol die Herrschaft über den Preis hat. Der Konsument hat keine Wahl. So verhält es sich auch in der Verlagsbranche. Wenn du den Top-Bestseller kaufen möchtest, so wird dieser nur von einem Verlag angeboten. Take it or leave it. Das sollte man stets im Hinterkopf behalten, wenn die Wogen wieder hochgehen.

49 vs. 99
 Warum setzt Apple die Nachkommastellen fest?

Wie dem auch sei, ich muss jetzt einen Preis festsetzen. Gewiss, ich biete ja bereits seit über einem Jahr meine ebooks an. Aber nun geht es in die ernsthafte Runde. Da sollte man sich keinen Schnitzer erlauben. Mit einer ISBN und dem Eintrag im VLB wird das ebook erwachsen, da sind Sandkastenspiele nicht mehr erlaubt. So! Rotkäppchen 2069, mit diesem Titel habe ich begonnen und einen Verkaufspreis von € 6,99 festgelegt. Die 99 Cent sind übrigens von Apple vorgegeben. Im iBookstore sind nur zwei Nachkommabeträge erlaubt. 99 oder 49. Und weil es die Buchpreisbindung gibt, bedeutet es, dass man sich auf einen dieser beiden Nachkommabeträge festlegen muss. Interessantes Detail, dass Apple somit den Preis von ebooks mitgestaltet.

Kosten, Kosten, Kosten!

Ein Verlag, der seine gedruckte Bücher auf Lager hält, hat Kosten. Abgesehen von den Lagerkosten, der Logistik, ist es vor allem das gebundene Kapital, das jedem Unternehmer schwer zu schaffen macht. Ein ebook, das in direkter Konkurrenz zum gedruckten Buch angesehen wird, verschlimmert die Lage. Weil jedes verkaufte elektronische Buch ein gedrucktes Buch weniger verkaufen lässt. Deshalb orientieren sich die Verleger beim Preis des ebooks am regulären Verkaufspreis des gedruckten Buches – egal ob Taschenbuch oder HardCover. Interessant ist ja, wie die Verlage aus der Bredouille kommen, wenn sie zuerst das ebook hochpreisig ansetzen – immerhin konkurriert es ja mit der teuren Hardcover-Ausgabe. Und später, wenn das Taschenbuch erscheint, muss sich natürlich der Verkaufspreis des ebooks am günstigeren Taschenbuch orientieren. Aber wie soll das gehen? Ein ebook ist ein ebook. Text ist nun mal Text. Wie erklärt man dem Konsumenten, dass er in einem halben Jahr das ebook regulär zum Preis eines Taschenbuchs bekommt, während er heute den Preis eines Hardcovers, also doppelt so viel, bezahlen muss. Nicht einsichtig, oder? Mit anderen Worten: Die ebook-Preise orientieren sich so lange am gedruckten Buch, so lange der Verlag davon ausgeht, dass das elektronische Buch Konkurrenz bedeutet.

€ 1,99 –  € 4,99 – € 6,99

Wie dem auch sei. Kommen wir zum Ausgangspunkt zurück. Ich muss Tiret, Brouillé, Schwarzkopf und Madeleine bepreisen. Hm. Da Tiret auf (vorerst) 4 Bände ausgelegt ist – und Madeleine die nächsten Tage als ebook erscheinen wird – müsste der Konsument natürlich alle drei Bände auf einmal kaufen, falls er Blut geleckt hat. Das kann ins Geld gehen – und ist vielleicht ein Hemmschuh. Gerade für einen unbekannten Autor (der nicht mal einen Verlag als »Qualitätsmerkmal« anführen kann. Tja. Ich tendiere dazu, Tiret für EUR 1,99 anzubieten. Als Door-Opener. Brouillé und Madeleine für jeweils EUR 4,99 und Schwarzkopf – in Anlehnung an Rotkäppchen 2069 – für schlappe EUR 6,99.

Zu billig, Stupid!

Klingt das vernünftig? Vielleicht. Wäre da nicht diese dumme Sache, dass über den Preis auch die Qualität (unbewusst) definiert wird. Ein Produkt, das im Vergleich zu anderen, um ein Vielfaches günstiger ist, weckt Misstrauen. Kein Wunder also, wenn Diskonter-Produktmarken billig aussehen müssen. Ein Designer muss sich gehörig anstrengen, um dieses Ziel zu erreichen (gestern, beim JVM-Treffen, da wurde mir ein Taschenbuch gezeigt, das bewusst »abgefuckt« produziert wurde, was in der Herstellung und im Druck gar nicht einfach war). So! Ich werde mal darüber eine Nacht schlafen. Vielleicht fällt mir ja dahingehend noch etwas anderes ein. Who knows?

* ich danke A. Knorr und W. Grossmann für die Richtigstellung.

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19 Antworten zu “Was soll das ebook kosten, ha?

  1. Petra Mittwoch, 27 April, 2011 um 10:40

    Beim „Monopol auf Bücher“ musste ich ein wenig schmunzeln, Richard. Hast nicht auch du ein Monopol auf deine Bücher? Wie reagiertest du, wenn Verlag Kannschmich in Peking plötzlich ungefragt deine Bücher herausgeben würde? Ist so ein „Monopol“ so negativ? Ich sehe das eher als Geschäftspartnerschaft.

    Amanda Hocking hat ja u. a. Erfolg gehabt, weil sie ihre E-Books fast verramschte. Nun liest man überall kritische Stimmen, ob sie mit den ordentlichen Preisen ihres neuen Verlags überhaupt zusätzliche Fans auftun kann, die den Preisunterschied nicht verstehen werden. Ob sie nicht den Erfolg hatte, weil trendy Lesefutter eh kaum noch bezahlt werden will. Ich las auch kritische Beiträge zum Selbstverramschen bei lebendigem Leib, dem sich in den USA vor allem die Selbstverleger hingeben. Ein Riesenpool an Discounterware, von den meisten nicht mal professionell selbstgestrickt – Bytes zum Schrottpreis – und jede Menge Schrottbücher. Was ist dir selbst deine Arbeit denn überhaupt wert?

    Was ist ein Buch? Ist es wirklich nur Text in Farbe auf einer anderen Farbe? Ist ein Buch nur noch Herstellung, Konvertierung, Material? Verkommt Buchtext zu Content, billigst zu haben? Welche Rolle spielst du als Autor? Was leistet der? Was hätte der verdient? Zahlst du nur dem Verleger Einkommen oder bekommt auch der Autor in dir ordentliche Honorare?

    Was solltest du anderen wert sein? Werde ich dein Buch billiger verspeisen können als ein Ekelmenu in der Fastfoodkette? Was gebe ich für einen Kinoabend aus, für ein Konzert, für einen Abend in der Kneipe? Wie viel Geld werfe ich für unsinnige Apps und das Smartphone heraus? Lese ich einen Text auf dem Niveau von Manufaktum oder Aldi? Werde ich ein Billigstbuch vielleicht nur kaufen und sammeln, weil es billigst war – und mit hunderten anderen nie lesen, weil’s ja nichts ausmacht bei dem Preis?

    Ich persönlich denke, E-Books müssen natürlich billiger sein als Print – TBs sind ja auch billiger als HCs. Dass sie das HC nicht kannibalisieren, dafür ließen sich Strategien finden. Und wer sagt denn, dass in beiden Ausgaben haargenau das Gleiche stehen muss?
    Aber das Schlimmste wäre für mich, einen Autor schon zu Lebzeiten des Buchs zu verramschen. Dafür ist noch genug Zeit, wenn das Buch komplett scheitert, oder?

    • Richard K. Breuer Mittwoch, 27 April, 2011 um 11:48

      Gut gebrüllt, Löwin 😉

      Bezüglich Monopol ist es ja so, dass ich der AUTOR bin und der hat natürlich immer das Monopol auf seinen Text. Man stelle sich vor, der Autor könnte seinen Text an mehrere Verlage verkaufen. Er würde demnach Lizenzen vergeben, wie es ja in vielen anderen Bereichen üblich ist. Und wenn die Bücher gemeinfrei sind, also rund 70 Jahre nach dem Tod des Autors, passiert ja genau das. Jeder kann den Text veröffentlichen und Geld dafür verlangen. Früher war das ein einträgliches Geschäft – heute, mit den Gratis-ebooks im Web ist das natürlich nicht mehr so. Aber klar, unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten, ist so eine „Geschäftspartnerschaft“ vielleicht sogar notwendig.

      Die Sache mit dem „Selbstverramschen“ ist eine gefährliche Sache. Je mehr ihre Bücher für Lau verschenken, desto schwieriger wird es, aus der Masse herauszustechen, egal wie gut dein Text ist. Am Ende ist es wieder dieses Lottospiel. Wenn du Glück hast, schaffst du es.

      Die Diskussion um die ebooks fasziniert mich. Weil der Mensch seit jeher nach Trägermedien gesucht hat, um das Wort zu verbreiten und festzuhalten. War es nicht immer schon der Traum der Menschheit, jedes Buch jederzeit lesen zu können? Deshalb gab es ja mal riesige Bibliotheken (Alexandria mit der größten Papyrus-Sammlung in der Antike – leider abgebrannt), die Information und Wissen „für alle“ bereitstellen wollten. Heute sieht man den großen Vorteil der digitalen Daten (Zugänglichkeit, Verbreitung) als Gefahr. Aber eine Gefahr für wen? Für Unternehmer, die noch immer jedes Produkt nach ihrer Gewinnspanne beurteilen. Für die Vielzahl an Autoren hingegen ist es keine Gefahr, da sie schon jetzt nicht von den Buchverkäufen leben können. Verbreitung ist also für sie durchaus wünschenswert und streichelt das Ego.

      Das größte Dilemma bei Büchern ist ja, dass die Konsumation unglaublich viel Zeit in Anspruch nehmen – in Vergleich zu einem Kinoabend, oder einem Ekelmenü. Zeit ist kostbar. Vielleicht wird es bald die 90Minuten Bücher geben, die um billig Geld zu haben sind. Elektronisch macht das Sinn. Oder Fortsetzungsgeschichten, analog von TV-Serien, die jede Woche veröffentlicht werden. Die Buchwelt ist noch zu sehr auf das Trägermedium Papier fixiert und versucht die Produkte 1:1 in die digitale Welt zu transferieren. Es wird seine Zeit brauchen, bis diese Schranke fällt. Vermutlich erst dann, wenn ein Verlag nur noch im Digitalen zu Hause ist und hin und wieder das Papier bedruckt.

      Ach, Petra, es gäbe so viel darüber zu schreiben …

  2. Pingback: Kindlemania - Schreibtäter

  3. Doris Mittwoch, 27 April, 2011 um 18:02

    Ja, die leidige und gleichzeitig äußerst spannende Preisfrage: Wie teuer darf/muss/soll ein eBook sein?

    Ich habe jetzt mein erstes eBook in den Kindle-Shop gestellt, ein Fachbuch zum Thema Werbetexten. Und ich bin völlig planlos, was den Preis anbelangt: Soll ich mich an den Preisen für Fiction orientieren oder ist mein eBook mehr wert, weil es dem Leser konkreten Nutzen bietet und ihm im Endeffekt Geld spart (zB, weil er seine Broschüre selbst textet, anstatt einen professionellen Texter zu beauftragen)? Ist es mehr wert als ein „normales“ Sachbuch aus dem Bereich Marketing, weil es konkrete Handlungsanleitungen und Problemlösungen bietet? Oder sind diese Fragen dem potenziellen Leser völlig egal, weil er Non-fiction-eBooks rein nach dem Preis kauft? Erwartet sich der Leser auch bei elektronischen Fachbüchern einen niedrigen Preis oder schade ich mit einem niedrigen Preis meinem Ruf als Fachfrau?

    Ich. Habe. Absolut. Keine. Ahnung.

    Liebe Grüße aus Innsbruck!
    Doris

    • Richard K. Breuer Mittwoch, 27 April, 2011 um 19:03

      Aha. Non-Fiction. Da liegt der Durchschnittspreis der Top-Ten-kindle-Bücher bei USD 10,40 – generell sind die Sachbücher also teurer als die Belletristik-Titel. Aber wie hoch der Preis angesetzt werden soll/muss, hmm, schwer zu sagen. Ich gebe jetzt mal besser keinen Tipp ab und warte, wie du dich entscheidest 🙂

      Schickst du mir dann den Link? Will schließlich sehen, wie Frau Dr. Doppler publiziert. Ja, ja.

  4. Petra Mittwoch, 27 April, 2011 um 19:29

    Als Sachbuchautorin Print kann ich nur sagen, dass Sachbuchleser und vor allem Fachbuchleser generell mehr Geld hinlegen, weil sie sich auch einen nachhaltigeren Nutzen versprechen. Ratgeber darf man je nach Inhalt auch in Relation setzen zu Workshop-Preisen, die der Kunde damit spart. Allerdings sind solche Leser auch recht anspruchsvoll.
    Und es gibt da die ganz üble Sektion der Seo-Guru-Heilsbringer, die ihre ach so weltwichtigen Superratgeber allesamt wie Sauerbier kostenlos anbieten – von denen sollte man sich unbedingt unterscheiden, wenn man mehr zu bieten hat.

    So sehr mich diese Diskussion hier eben auch umtreibt (plane Neuauflage meines Romans als Kindle), frage ich mich doch: Würde ein Kneipenwirt lange überlegen, wie viel er für sein Bier nimmt? Würde unser traditioneller Bäcker seine Brötchen für 10 Cent heraushauen, nur weil Brötchen bei Aldi so billig sind? Welchen Typen renne ich da eigentlich hinterher, denen „Geiz ist geil“ auf die Stirn geschrieben steht – will ich die wirklich als Leser?

    Mein konkreter Tipp: Die direkte Konkurrenz beobachten und deren Preisstruktur anschauen.

    • Richard K. Breuer Mittwoch, 27 April, 2011 um 19:50

      Die Frage ist ja primär, woran kann der Konsument erkennen, dass er es mit einem tollen Buch zu tun hat, wenn er den Autor nicht kennt. Das Dilemma ist ja, dass ein Buch auszusuchen, recht zeitintensiv sein kann, vorausgesetzt, man liest sich den Klappentext durch und blättert in die Leseprobe. Zumeist braucht es seine Zeit, bis man mit dem Text warm wird. Deshalb ist hier der Preis durchaus ein Kriterium. Ist der Preis unterhalb einer „Schmerzgrenze“ angesetzt, und gefällt einem der Klappentext und das Cover, dann spricht nichts gegen einen Kauf. So werden all diese USD 0,99 ebooks gekauft. Die meisten werden vermutlich gar nicht gelesen. Es sind Spontankäufe.

      Wenn ich mit meinen historischen Romanen gegen etablierte Verlage und/oder Autoren antrete, ziehe ich im Normalfall immer den Kürzeren bei gleichem Verkaufspreis. Aber über den (günstigeren) Preis könnte ich eventuell eine Überlegung im Konsumenten auslösen („Okay, das ebook schaue ich mir mal an …“). Das hat nicht unbedingt mit der „Geiz-ist-geil“-Mentalität zu tun, sondern ist diese vorgefasste Meinung des Konsumenten, dass unbekannte Produkte billiger sein müssen, als bekannte/beworbene. Es sei denn, man versucht sich in der Hochpreis-Region. Aber bei Büchern ist dahingehend die Luft eher dünn.

      Und wenn man als Indie-Autor zum „Geheimtipp“ avanciert, darf man sich gratulieren. Aber bis dahin ist es ein weiter Weg.

  5. R.C.N. Donnerstag, 28 April, 2011 um 3:21

    Hallo Richard,
    viel Glück bei der Preisfindung 🙂 Es scheinen ja alle Autoren zu experimentieren, jeder hat eine Meinung und zwar eine andere und die netten Internetgurus, die so gerne zitiert werden, machen auch nichts anderes, als ausprobieren.
    Ob es etwas nützt, weiß ich nicht, aber ich verrate dir, wie ich mich als Konsument verhalte – verhalten würde, ich habe nämlich gar keinen e-reader. Würde ich ein digitales Buch von einem bekannten Autor mit Verlag hinter sich zum gleich hohen Preis wie eine Printausgabe kaufen? Nein. Auch kein Sachbuch.
    Würde ich erwarten, dass weniger Seiten weniger kosten, als ein 598-Seiten plus Buch? Ob mit oder ohne Verlag hinter sich: Yep.

    Stichwort: verramschen … mmh … sicher kann ich mir vorstellen, dass sich manche Menschen mehr digitale Bücher für 0.99 Cents kaufen und evtl. nicht wirklich lesen. Aber nun, nicht jedes gedruckte Buch wird auch gelesen, nur weil es im Buchhandel gekauft worden ist. Wenn man Geld mit ebooks verdienen möchte, dann scheint doch die Verkaufsmenge ausschlaggebend zu sein und der Wunsch gelesen und für gut oder ausgezeichnet befunden zu werden müsste dann zurück stehen. Also irgendwie mehr ans Geschäft, als an die „Eitelkeit“ denken. Was man sicher nur über den Preis erreicht.
    Mein persönlich bevorzugter Preis für ein digitales Buch wäre auf jeden Fall nicht mehr als 50 % vom Preis der Printausgabe, möglichst preisgünstiger. Nun ist ja da das Problem, dass POD-Bücher eh im Druck teurer sind, als ein Buch im Publikumsverlag, deshalb würde ich bei meinem eigenen Buch weniger als die Hälfe ansetzen. Und damit nicht das Gefühl haben ich würde mich verramschen. Empfindet aber sicherlich jeder Autor anders.

    Eigentlich finde ich es ganz gut, dass man mit dem Preis experimentieren kann, mit Printausgaben geht das nicht 🙂

    Grüße aus Melbourne

    • Richard K. Breuer Donnerstag, 28 April, 2011 um 8:54

      Oh, Melbourne. Sehr schön. Im Moment gehen ja viele Verlage davon aus, dass ihre ebooks um (fast) jeden Preis gekauft werden, im Besonderen bei den Bestsellern. Bis sich ein Preis-Standard in den Köpfen der Konsumenten festsetzt, wird wohl noch eine Weile dauern. Ausschlaggebend wird sein, wie sich die Konsumenten verhalten. 50 % der Printausgabe klingt mal nicht schlecht. Interessant wäre auch ein „Print + ebook“- Modell, wie es mancher Verlag in den USA bereits anbietet.

      Also dann, auf auf zum freudigen Experimentieren.

      • Doris Donnerstag, 28 April, 2011 um 10:21

        Hallo zusammen,

        danke für eure Infos und Tipps. Ja, es wird uns wohl allen eine längere Periode des Experimentierens bevorstehen. Aber das ist ja auch spannend 🙂

        eBooks, Kindle – das steckt bei uns noch total in den Kinderschuhen. Keiner weiß, wo die Reise hingeht. Autoren werden unabhängiger, müssen sich aber auch mit völlig neuen Aspekten auseinandersetzen – es ist ja schon das Marketing auf Amazon eine Wissenschaft für sich. Und die Preisfindung ist ja ohnehin ein Gwirx.

        Aber es macht Spaß, von Anfang an bei dieser neuen Entwicklung dabeizusein.

        Richard, du wolltest noch den Link zu meinem eBook: http://www.amazon.de/Starke-Broschüren-besten-Ideen-Konzept/dp/B004XTTV9K/ref=zg_bs_610896031_1

        Liebe Grüße!

      • Richard K. Breuer Donnerstag, 28 April, 2011 um 11:29

        Die Leseprobe habe ich mir schon angesehen, Doris. Gut geschrieben, wie nicht anders zu erwarten war 🙂 Wie ich bemerkt habe, verkauft sich das ebook auf amazon ja schon. Mal sehen, wie es sich „on the long run“ tun wird.

  6. michael Montag, 2 Mai, 2011 um 12:11

    Hallo Richard!

    So unglaublich es klingt – der Preis ist bei keinem Produkt wirklich ausschlaggebend für Erfolg oder Misserfolg.

    So gut wie nie wird ein gutes Buch entdeckt. Das ist leider ein Wunschtraum vieler Autoren, der sich nie erfüllt.

    Nehmen wir an, du stellt ein Buch als gratis Downlaod zur Verfügung.
    Heißt das automatisch, dass das Buch wegen dem kleinsten möglichen Preis (€ 0,-) extrem erfolgreich wird? Wahrscheinlich nicht.
    Auch ein unüblich hoher Preis muss nicht automatisch bedeuten, dass niemand bereit ist das Buch zu kaufen.
    Tatsächlich hat der Preis weniger Einfluss auf den Erfolg, als man glauben möchte.

    Das Produkt „Buch“ hat nur wenige Möglichkeiten, den Käufer vorab zu überzeugen.
    Man ist immer skeptisch, ob es hält was es verspricht.

    Es braucht daher viele Empfehlungen von vielen Seiten, um überhaupt von den Lesern und Händlern wahrgenommen zu werden. Ohne Kundenrezensionen würde auch Amazon sehr wenig verkaufen.

    Verlage verschenken zu diesem Zweck unzählige Gratisexeplare an ausgewählte Opinion Leader mit maßgeschneiderten Rezensionen etc, etc,… die nur noch mit cut&paste übernommen werden müssen.

    Damit wird versucht einen entsprechenden Buzzz zu generieren um in weiter Folge „ins Geld zu kommen“.

    Wie soll man aber als Selbstverleger einen Buzzz lostreten?

    Entweder über herkömmliche Marketingmittel für die man Geld in die Hand nehmen muss, oder digital mit Hilfe von Sozialen Netzwerken.

    Ein super Beispiel ist pay with a tweet oder pay with facebook .
    In beiden Fällen bezahlt der Interessent mit einem tweet oder facebook Eintrag an alle seine Follower bzw Friends. Marketing um Null Euro im Austausch für Einnahmen von Null Euro.

    Der Leser hat nicht das Gefühl nichts bezahlt zu haben – er hat ja im Austausch alle seine Kontakte bzw sein soziales Netzwerk über das Buch informiert.
    Je öfter das Buch auf diese Art erwähnt wird, umso größer werden Buzzz und öffentliches Interesse.

    Der Autor hat das Buch aber auch nicht hergeschenkt, denn der Buzzz hat einen tatsächlichen monitären Gegenwert.

    Wenn man seien Rechte nicht mit creativ Commons verschenkt, kann man später jederzeit das Preismodel entsprechend anpassen und Geld verdienen.

  7. Richard K. Breuer Montag, 2 Mai, 2011 um 13:20

    So unglaublich es klingt – der Preis ist bei keinem Produkt wirklich ausschlaggebend für Erfolg oder Misserfolg.

    Naja, so würde ich das nicht unterschreiben. Ich denke, es geht primär um einen angemessenen Preis, also jenen Preis, denn die größte Zahl an potenziellen Käufern bereit ist, zu zahlen. Warum ein Produkt überhaupt erfolgreicher ist als ein anderes, Gleichwertiges, tja, das ist ja noch eines der Mysterien der freien Marktwirtschaft.

    Die Idee, mit Sozialen Netzwerk Einträgen zu „zahlen“, finde ich eine interessante und gute Überlegung. Aber so einfach ist das auch wieder nicht. Jeder Teilnehmer an einem Netzwerk versucht ja, ein gewisses Außenbild von sich zu generieren. Würde das Buch aber nicht im Einklang damit sein, würde er oder sie es auch nicht in die Welt tragen. Und je mehr solcher Einträge entstehen, desto weniger Wirkung haben sie auf die anderen.

    Dass ein Buch oder digitales Produkt erfolgreich wird, weil es 0,- kostet, ist natürlich nicht erwiesen. Aber es besteht eine größere Chance, dass es viral verbreitet wird, als jene Produkte, die Geld kosten. Meine Erfahrung mit „Gratis“-Downloads ist jene, dass man vielleicht viel Traffic bekommt, aber ob das heruntergeladene Buch am Ende überhaupt angeblättert wird? Es braucht einen Tipping Point, dann ist ein „Gratis“-Produkt in aller Munde – es gibt kein Hindernis, es nicht herunterzuladen, somit könnten es alle auch tun.

    Ich hoffe, dass durch die digitalen Produkte endlich einmal über den Preis und somit über den Wert von Produkten diskutiert wird. Ein Song zum Herunterladen kostet heute etwa 99 Cent. Warum nicht 89? Oder 9 Cent?

  8. michael Montag, 2 Mai, 2011 um 14:40

    Das pay per tweed oder pay per post Zahlungssystem ist keine Option, sondern zwingend um den Download starten zu können. Es ist also keine Gefälligkeit, sondern tatsächlich im Austausch zum Download.

    Der Preis für tangible goods (alle digitalen Files) ist nicht 89 Cent oder 9 cent sondern real nahezu Null. Dessen sind sich alle Leute in der Verwertungskette und auch die Endkunden bewusst.
    Jeder Preis darüber ist eine Hürde die nur ein sehr gefragter Inhalt zu überwinden mag.
    Wie man mit Null Euro Pricetag trotzdem sehr gut verdienen kann, ist im Buch „Free – The Future of a Radical Price“ beschrieben (unbedingt die englische Ausgabe lesen).

    Ich muss nochmals darauf hinweisen: Zahlreiche Empfehlungen sind das einzige wirksame Mittel, um ein Buch bekannt zu machen und die Kaufschwelle beim potentiellen Kunden zu überwinden.

    Du kannst das freilich auch mit Pressetexte, Einladungen, Gratisexemplaren, Lesungen, Flyer, Postkarten, Radiosendungen, Buchtipps, etc….. erreichen. Keine Frage.
    Muss man sich nur ausrechen, wie viel diese Varianten kosten und wie viele Bücher man dafür verkaufen muss. Allerdings muss man in diesem Fall auch noch den Umsatz versteuern und den Distirbutor bezahlen.
    Bei „pay with a post“ aber nicht.

    Im Durchschnitt hat ein Facebook Nutzer 130 Friends.
    Ein digitales Gratisexemplar ist also 130 Empfehlungen wert.

    • Richard K. Breuer Dienstag, 3 Mai, 2011 um 9:14

      Zahlreiche Empfehlungen sind natürlich ein gutes und wirksames Mittel, um ein Produkt bekannt zu machen. Kennst du ein Beispiel, wo dieses „pay with a post“ durchgeführt wurde, durchgeführt wird?

      • michael Dienstag, 3 Mai, 2011 um 9:39

        Das ist ein gratis Service von ‚Innovative Thunder‘ die das ursprünglich für Ihr eigenes Buch erfunden haben und es jetzt öffentlich zur Verfügung stellen. Das Buch ist übrigens auf jeden Fall einen Tweed/ein Posting wert.

        http://www.paywithatweet.com

        Das „pay with a post“ ist zur Zeit nicht verfügbar, aber ist wahrscheinlich nur temporär.

    • Richard K. Breuer Dienstag, 3 Mai, 2011 um 19:24

      Sehr genial, Michael. So stell ich mir Lösungen vor: simpel und effektiv. Ich werde das demnächst mal ausprobieren und darüber bloggen. Danke für den Link!

  9. Pingback: König und Markt oder Was soll ein ebook kosten? « richard k. breuer

  10. Pingback: Empfohlene Preisgestaltung für Kindle-Books | Matthias Czarnetzki

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