Mythen der Ernährung (4): Wenn ich nur aufhören könnt‘ mit dem süßen Gift

Was bisher geschah // »Genauso wie Alkohol und Tabak ist Zucker in Wirklichkeit eine Droge. Das mag übertrieben und weit hergeholt sein, aber Zucker ist die gefährlichste Droge aller Zeiten und kann noch immer überall ohne Probleme erworben werden«“, schrieb Paul van der Velpen, Leiter des Amsterdamer Gesundheitsdienstes im Jahr 2013.

Diese Ansage war der britischen Tageszeitung The Telegraph sogar einen Artikel wert. Während die verbotenen, weil abhängig machenden Substanzen nach allen Regeln der Kunst medial und politisch ausgeschlachtet werden (War on drugs), rudern Politiker und Redakteure bei den erlaubten Drogen (Tabak, Alkohol und Zucker) immer wieder zurück und verharmlosen das Problem. Aber Zucker, so unschuldig dieses süße Gift auch in den Köpfen der meisten Menschen erscheinen mag, ist eine Einstiegsdroge. Eric Clapton stellte einmal in einem Interview fest, dass seine Heroinabhängigkeit mit Zucker, dem er in der Kindheit verfallen war, begonnen hat. Lustig, nicht?

Verzichten Sie auf Zucker!

Zucker macht krank.

Zucker macht abhängig.

Die Lebensmittelindustrie weiß das alles und verwendet die süße Droge trotzdem für ihre Profitgier. Gehen Sie doch mal in Ihren Supermarkt und durch die Regalreihen und suchen Sie Produkte ohne Zucker bzw. Süßungsmittel. Sie werden ganz schön lange suchen müssen. Ein Blick nach den USA zeigt, dass 70 % aller angebotenen Lebensmittel künstlich „gezuckert“ sind.

Nichtsdestotrotz schlage ich vor, dass Sie – am besten heute noch – damit beginnen, wenigstens Zucker in flüssiger Form so gut es geht zu meiden:

Getränke mit hinzugefügtem Zucker
Limonaden, Lifestyle-Drinks, usw.

Getränke mit natürlichem Zuckergehalt
Fruchtsäfte, frisch gepresste Säfte

Falls Sie meinen, Smoothies und direkt gepresste Fruchtsäfte würden gesund sein, dann sollten Sie die Probe aufs Exempel machen: Geben Sie die Früchte, die Sie sonst pürieren bzw. auspressen, auf einen Teller und versuchen Sie diese ratzeputz aufzuessen. Die schwer verdaulichen Ballaststoffe verhindern, dass Sie zu viel Obst bzw. Gemüse und damit Fruchtzucker zu sich nehmen, in dem sie den Magen füllen. Gibt es hingegen keine Ballaststoffe mehr, gibt es auch kein Halten mehr und der konzentrierte Zucker in flüssiger Form – dem Alkohol sehr ähnlich – zuckert ihr Blut und macht die Leber fett. Nebenei bleiben Sie hungrig, da das Hormon, das dem Gehirn sagt: „ich bin satt“, gegenüber dem (Frucht)Zucker wirkungslos bleibt. Bereits 1865 wusste man, dass bei einer Diät auf Früchte verzichtet werden sollte. Ja, eine gesunde Ernährung benötigt keine Früchte. Diese sind ein süßer Luxus. Wäre dem nicht so, hätte die Spezies Mensch die Eiszeit wohl kaum überleben können und wäre ausgestorben. [Siehe hierzu den Vortrag von Dr. Gary Fettke „Is Fruit Good or Bad to you?“ und Kapitel 2 im Buch „The Saccharine Disease: Conditions Caused by the Taking of Refined Carbohydrates such as Sugar and White Flour von Dr. T. L. Cleave]

Warum sind wir aber so versessen auf zuckerhältige Produkte? Die Einnahme von Zucker löst in unserem Gehirn ein Dopamin-Feuerwerk aus, das uns in Verzückung versetzt – Gleiches geschieht durch die Konsumation von Kokain. Würden Sie eigentlich Ihren Kindern ein Päckchen Kokain in die Schultasche mitgeben – aus Zuneigung und Liebe? Das Dilemma mit jedem Suchtmittel ist, dass die Einnahme in immer höheren Dosierungen erforderlich ist, um im Gehirn das gewünschte Feuerwerk auszulösen. Früher oder später kommt freilich der Punkt, wo die immer größer werdende Dosierung ernstlichen Schaden im Gehirn bzw. im Körper anrichtet. Nebenbei sei angemerkt, dass der Neurotransmitter Dopamin die unangenehme Eigenheit hat, Serotonin zurückzudrängen. Serotonin ist das Gegenteil von Dopamin: es löst Zufriedenheit und Happiness aus und die Wirkung hält längerfristig an. Haben Sie wenig Serotonin, dann sehen Sie die Welt in recht düsteren und dunklen Farben. Aber das ist eine andere Geschichte, über die ich später noch erzählen werde.

Zucker sowie denaturierte Lebensmittel (vor allem Produkte mit weißem Mehl!) sind zum größten Teil für die explodierende Karies-Epidemie in den letzten 100 Jahren verantwortlich. Während Völker mit traditioneller Ernährung ein perfektes und gesundes Gebiss bis ins hohe Alter haben bzw. hatten, ist die moderne Welt ohne Zahnarzt, Füllungen, Kronen und Brücken nicht mehr vorstellbar. Ich werde in späterer Folge über die Ergebnisse des amerikanischen Zahnarztes Dr. Weston A. Price, der in den 1930er Jahren Stämme und Völker aufsuchte, um sie zu untersuchen, erzählen. Seine beeindruckende Abhandlung Nutrition and Physical Degeneration: A Comparison of Primitive and Modern Diets and Their Effects (1939) hat meine letzten Zweifel ausgeräumt und es ist eine Tatsache, dass unsere moderne Zivilisation seit hundert Jahren dabei ist, von einem Profitsystem* – im wahrsten Sinne des Wortes – vergiftet zu werden. Politiker, Manager, Ärzteschaft und Medien spielen sich gegenseitig den Ball zu und waschen ihre Hände in engelhafter Unschuld, während unsere Kinder und Kindeskinder mit chronischen Krankheiten, Fettleibigkeit, Diabetes, Depressionen, Krebs, Karies und diversen gesundheitlichen Problemen zu kämpfen haben und haben werden. [siehe Vortrag von Dr. Robert Lustig: The Hacking of the American Mind].

Spielen Sie bei diesem abgekarteten Spiel nicht länger mit. Verzichten Sie auf Zucker und in weiterer Folge auf denaturierte, somit wertlose Nahrungsmittel. Sie können es auch langsam angehen. Schritt für Schritt. Aber tun Sie den ersten. Vielleicht retten wir auf diese Weise die Welt. Denn mit echter Gesundheit, d.h. mit einer natürlichen Ernährung, kommt geistige und körperliche Spannkraft.

Der Mann wird wieder Mann.
Die Frau wird wieder Frau.
Der Mensch besinnt sich, Mensch zu sein.

Darin liegt die Lösung all unserer Probleme. Und keine Sorge, Sie müssen nichts essen, was Ihnen nicht schmeckt 😉

***

 * Meine Generation, die Kinder der 1970er Jahre, wurden von der damals immer größer und politisch einflussreicher werdenden Lebensmittelindustrie als Laborratten einem Experiment unterzogen, das unsere Gesundheit nachhaltig schädigte. Zucker und ausgeklügelte Fertigprodukte wurden in allen Formen den Kindern und Jugendlichen als auch den werdenden und stillenden Müttern als „gesund“ und „nahrhaft“ dargeboten. Die Werbeleute hatten – damals wie heute – keine Skrupel, die Unschuldigsten drogenabhängig und krank zu machen und ihnen und ihren Eltern noch das letzte Geld aus der Tasche zu ziehen.

Michael Mudd, ehemaliger Spitzenmanager einer der größten Lebensmittelkonzerne, schrieb im Jahr 2013 in der New York Times seine Sicht auf die Dinge nieder:

»Aber Stück für Stück wichen die Manager vom ehrbaren Geschäftsfeld, nämlich die Menschen ausreichend zu ernähren, ab und folgten der verabscheuungswürdigen Mission Umsatz und Gewinn zu steigern („increasing shareholder value“), in dem sie die Menschen dazu verführten mehr und mehr äußerst profitable, aber nährstoffarme Markenprodukte zu konsumieren.

Wenn man die Manager, die diese Firmen leiten, damit konfrontiert, antworten sie, dass sie nicht den Bedarf schaffen, sondern diesen nur befriedigen. „Wir geben den Leuten nur das, was sie wollen. Wir halten ihnen nicht die Pistole an ihren Kopf“, heißt es immer wieder. Aber nichts ist weiter von der Wahrheit entfernt. Über die Jahre wurden unablässig Anstrengungen unternommen, um die Zahl von „Essgelegenheiten“ und die damit verbundene Essensmenge, die konsumiert werden sollte, zu erhöhen.«

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4 Kommentare zu „Mythen der Ernährung (4): Wenn ich nur aufhören könnt‘ mit dem süßen Gift“

  1. Naja – da kann man schon noch etwas differenzieren! Der Konsum von industriellen Lebensmitteln ist sicher unnötig und ungesund – vor allem auch Nudeln … Früchte sind gut, wenn man sie in Maßen genießt und unverarbeitet, wenn sie regional verfügbar sind. Ab und zu ein Stück Kuchen, ein Glas Wein oder Bier und alle paar Wochen Mal ein Schnaps ist auch unschädlich.

    1. Das könnte man freilich für alle Stoffe sagen, dass die Dosis das Gift ausmacht. Also ein bisschen Koks geschnupft, ein bisschen Arsen geleckt und ein Tröpfchen Quecksilber, geschluckt, das geht schon, nicht?

      Am Ende muss jeder für sich (und seine Kinder) entscheiden, welche Stoffe in welcher Dosis noch verträglich bzw. „unschädlich“ sind. Einem Kleinkind würde man beispielsweise nicht zugestehen, „hie und da“ Schnaps zu trinken oder eine Zigarre zu rauchen, auch wenn es die Erwachsenen nachäfft: „Aber in Maßen darf man diese Sachen doch genießen!?“

      In späterer Folge werden wir noch hören, dass sich Krebszellen nur von Glucose (umgewandelte Kohlehydrate) ernähren kann. Da macht es keinen Unterschied, ob die verspeisten Früchte vom hauseigenen Obstbaum gepflückt oder beim Diskonter ums Eck gekauft wurden, die Krebszellen freuen sich auf den Treibstoff.

      Wir sehen, die Ernährung ist ein weites Feld und wir haben die Angewohnheit, jene (ungesunden) Dinge, auf die wir glauben, nicht verzichten zu können, zu relativieren – im Prinzip handeln wir wie der Drogensüchtige, der nicht von seinem Stoff loskommt und es sich schön redet. Auf diese Weise bleibt alles beim Alten.

      Zugegeben, beim Geburtstag meiner Mutter hab ich auch ein Stück Torte gegessen und ein Gläschen Sekt getrunken 😉

      1. Es freut mich, dass Sekt und Torte wohl geschmeckt haben 😉
        Torte esse ich gar nicht, die Kombination von Zucker mit Fett ist immens.
        Zwischen einem Körper im Wachstum und einer ausgewachsenen Person sollte man bei der Ernährung generell unterscheiden – auch Säugetierkinder in der Natur bekommen eine andere Kost.
        Quecksilber und andere Spurenelemente nehmen wir auch mit „natürlicher“ Ernährung auf.
        Die Vielfalt macht es aus. Wenn ich nur Bohnen esse ist das wie jede andere Kost ungesund. Es gibt so weit es mir bekannt ist keine Menschen, die sich nur von einem Nahrungsmittel gesund ernähren können – und wenn nur zwischen verschiedenen Fleisch oder Fisch Sorten unterschieden wird. Was wir nicht brauchen sind die Dinge die in der Region in der wir leben nicht wachsen, wie den momentanen Hyp auf Avocado und ähnliches …

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