Der Schlagabtausch in der zweiten Reihe: Die Debatte zwischen Pence und Harris #USA

Das war sie also, die einzige Debatte (transcript) der Vizepräsidenten vor der Wahl in den USA im Jahr 2020. Die Position eines Vizepräsidenten ist eine sehr undankbare – herrlich humorvoll in der HBO-Serie VEEP in Szene gesetzt: man spielt immerfort die zweite Geige, tut so, als würde es einem das gar nichts ausmachen, politisch abgemeldet zu sein und gleichzeitig hat man der Welt zu zeigen, dass man für das wichtigste Amt bereit ist, sollte der Fall der Fälle eintreten. Wenn alles in geordneten Bahnen verläuft (im Gegensatz zur „magischen“ Flugbahn eines Projektils, das Lyndon B. Johnson in das Oval Office und John F. Kennedy ins Grab beförderte), erinnert sich später niemand mehr an den Vizepräsidenten. Aber im Jahr 2020 ist alles anders. Ist es?

Man ist so alt wie man sich fühlt, nicht?

Das Alter macht den Unterschied. Gerade in Zeiten einer (von den Medien ins Absurde hochgespielten) Pandemie, die vor allem ältere Menschen mit Vorerkrankungen „hinwegrafft“, muss der Wähler den „Ersatzspielern“ die nötige Aufmerksamkeit schenken. Der amtierende Präsident Donald Trump ist 74 Jahre, sein Herausforderer Joe Biden gar 78 Jahre alt. Im Gegensatz dazu ist Vizepräsident Mike Pence 61 Jahre und Senatorin Kamala Harris 56 Jahre jung. Hat man also in der heutigen Debatte bereits den kommenden Präsidenten der USA gesehen und gehört? Possible.

Bevor wir in medias res gehen, noch ein Wort zur Herkunft von Kamala Harris: Ihr Vater stammt aus (British) Jamaika, ihre Mutter aus Indien und beide gehörten in ihren Ländern zur Oberschicht. Ich erwähne es deshalb, weil man sonst Gefahr läuft, sich im Black Lives Matter/ White Supremacist-Dickicht der Medien zu verfangen.

Debatte und Unterhaltung.

Die Debatte war, wie zu erwarten, eine recht langweilige Angelegenheit. Da wünscht man sich mehr ungeschliffene Trumps in die Politik und auf die Bühnen. Ja, ohne The Donald ist Washington ein Schnarchfest. Man kann sagen was man will, aber Trump ist mehr Entertainer denn Berufspolitiker. Viele halten ihm das vor. Aber die Debatte zwischen Pence und Harris zeigt, wie sich Politik anfühlt, wenn das Salz in der Suppe fehlt.

Mike Pence

Der amtierende Vizepräsident Mike Pence ist ein aalglatter Berufspolitiker, der gekonnt zwischen verschiedenen Themen hin- und herspringen kann (und dabei unliebsamen Fragen ausweicht), der stoisch die Angriffe der Gegenseite pariert und jede Gelegenheit dazu benutzt, kleine Seitenhiebe auszuteilen. Während Trump oftmals aus dem Bauch heraus vorgegebene Pfade verlässt, um dem Skript eine persönliche Anmerkung hinzuzufügen, zieht Pence eine exakte Linie. Es ist schwer vorstellbar, dass ein Pence aus der Reserve und damit in einen Fehler gelockt werden kann.

Kamala Harris

Kamala Harris, das noch unbeschriebene Blatt im Wahlkampf, versucht sich als eine starke, selbstbewusste Politikerin zu präsentieren, die ihren Mann stehen kann und erinnert dabei – im Guten wie im Schlechten – an Hillary Clinton. Die Debatte zeigte ihre Grenzen auf. Sie wirkte sicher und tough, solange sie die eingelernten Phrasen in die Kamera sprechen konnte. Aber wehe, sie musste auf eine Attacke ihres Gegenübers reagieren, dann wankte sie, dann versuchte sie die Situation mit einem gespielten Lächeln zu retten, was ihre Hilflosigkeit nur noch mehr in den Vordergrund rückte. Kurz und gut, Kamala Harris spielte die Rolle einer Vizepräsidentin und schlüpfte für ein paar Schritte in die Mokassins eines Mike Pence.

Eine letzte Frage!

Kamala Harris Unerfahrenheit zeigte sich am Ende der Debatte als es darum ging, die Frage einer Schülerin zu beantworten, die da lautete:

„Wenn ich die TV-Nachrichten verfolge, dann sehe ich zwei Kandidaten, die sich gegenseitig ’niedermachen‘. Wenn nicht einmal unsere Spitzenpolitiker miteinander auskommen können, wie sollen dann die Bürger miteinander auskommen? Ihr Verhalten könnte dazu führen uns wieder zusammenzubringen.“

Mike Pence schüttelte eine perfekte Antwort aus dem Berufspolitiker-Ärmel: „Hier, in Amerika, können wir anderer Meinung sein. Wir können heftig debattieren, so wie Senator Harris und ich auf der Bühne heute Abend. Aber wenn die Debatte vorbei ist, kommen wir als Amerikaner zusammen. Und das ist es, was die Leute machen, in den großen Städten und in den kleinen Gemeinden im ganzen Land. Ich möchte dir sagen, dass wir jeden Tag daran Arbeiten so gut zu regieren wie es die Leute verdienen. Du solltest eine gute Debatte schätzen. Wir schätzen eine gute Diskussion. Aber wir kommen immer zusammen und wir sind in Krisenzeiten immer füreinander da. Und wir haben das speziell in diesem schwierigen Jahr erfahren.“

So klingen Antworten eines Politikers, der weiß, worum es geht. Ohne Donald Trump oder die Republikanische Partei auch nur mit einem Wort zu erwähnen, ist das Gesagte die beste Wahlwerbung und Balsam für die Ohren einer verängstigenden Generation.

Im Gegensatz dazu stolperte Kamala Harris im Dschungel von Skript und Improvisation zu einer Antwort. Sie erwähnt ungeniert Joe Biden und den Vorfall in Charlottesville, der in der Geschichte der USA nur eine lächerliche Randnotiz ausgemacht hätte, aber dank der left leaning Medien und der Spin-Abteilung der Demokraten zu einem Elefanten aufgeblasen wurde, um das Land zu spalten. Das ist die Grube, die sich die Demokraten selber gegraben haben: Vier Jahre lang sprachen sie davon, dass das Land gespalten sei (und gossen immer wieder Öl ins Feuer), und jetzt, wo das Feuer außer Kontrolle geriet, tun sie so, als hätten sie damit nichts zu tun und zeigen mit dem Finger auf Trump.

Es sieht ganz so aus als würden die Demokraten bereit sein, die USA eher in Flammen aufgehen zu lassen, als Donald Trump noch weitere vier Jahre im Oval Office zu gönnen. Operation Scorched Earth is underway.

***

Was gesagt werden muss: Analog zu Hillary Clinton 2016, sehe ich in einer möglichen Präsidentschaft von Kamala Harris die größte Gefahr für die USA und die Welt. Weil sie als erste (farbige) Frau im Oval Office unangreifbar und unantastbar wäre und damit freie Hand für Präventivkriege im Ausland und verfassungswidrige Interventionen im Inland hätte. Während jeder politische (und sogar private) Schritt von Donald Trump in den Medien peinlichst genau beobachtet und kritisiert wird, würden die Hofschreiberlinge Kamala zu Füßen liegen und vermutlich sogar einen Weltkrieg beklatschen und bejubeln. Sie wiederholte ungeniert die absurde (und als falsch erwiesene) Behauptung, Präsident Putin hätte ein Kopfgeld auf US-Soldaten ausgesetzt. Dann führte sie weiter aus, dass ein Präsident Joe Biden Putin und Russland zur Verantwortung ziehen würde. Ähnliches hörten wir seinerzeit von Hillary Clinton und es war zu befürchten, dass es unter ihrer Präsidentschaft einen offenen Stellvertreterkrieg (proxy war) zwischen Ost und West in Syrien geben würde. Es ist m.E. Trump zu verdanken, dass Syrien nicht zu einem failed State à la Libyen bombardiert wurde. Das ist übrigens einem Friedensnobelpreisträger zu verdanken und wir sollten uns daran erinnern, wie Politiker und Medienleute alle gelacht und geklatscht haben als das Blut in den libyschen Straßen floss.

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