richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

WM 2010 Kleines Finale URU : GER

Uruguay : Deutschland  3 : 2 2 : 3

Na, das war ja mal ein hübsch flottes Fußballspiel. Beide Mannschaften, Uruguay wie Deutschland, waren gewillt zu gewinnen und den kleinen Pokal nach Hause zu bringen. Nur der eine oder andere hatte wohl etwas dagegen, Platz 3 klar zu machen. Allen voran, der mit Buhrufen geschmäht „Handballer“ Suarez, der mit seinem unrühmlichen Handspiel die Mannschaft aus Ghana um das Halbfinale betrog (freilich, das klingt hässlich, in einem Sport, der doch die schönste Nebensache der Welt sein soll). Dieser Suarez, der bei Ajax Amsterdam die Tore am Fließband schießt (so hört man), vernebelte alleine vor Butt. Ich schätze, solche Chancen haut er normalerweise blind hinein. Eine weitere Gelegenheit, dieses Mal aus spitzerem Winkel, lässt er ebenfalls aus. Dass er dabei nicht mal das Tor getroffen hätte (Butt wehrte ab), ist blamabel. Auf der anderen Seite dachte sich Kießling, dass es nicht fair wäre, fünf Minuten vor Schluss die Entscheidung herbeizuführen. Am Elfmeterpunkt bekommt er den Ball zugespielt, hat alle Zeit der Welt und entscheidet sich weder für die rechte, noch für die linke Ecke, sondern haut den Ball über die Latte und in den zweiten Rang. Nun wissen wir, warum er auf der Ersatzbank sitzt (andererseits, Cacau hat auch nicht gerade geglänzt). Aber den Vogel schießt wohl Muslera ab. Der Towart Uruguays dürfte vermutlich unter Drogen gestanden sein. Anders ist seine Leistung nicht zu erklären. Im Besonderen beim zweiten Gegentreffer, wo er unmotiviert aus dem Tor läuft, um dann den hereingeflankten Ball zu verfehlen, der wiederum dem zweifach (!) gedeckten Jansen auf den Kopf fällt und von dort ins Tor (ich schätze, er weiß bis heute nicht, wie er es gemacht hat). Wieder einmal bewahrheitet es sich, dass die Deutschen, wenn sie keine Angst haben (im Gegensatz zum Halbfinal-Spiel gegen die Spanier*), immer für ein Tor gut sind. Dass sie am Ende nicht doch noch den Ausgleich kassierten, war wohl Forlan und der Latte zu verdanken. In der letzten Aktion setzte Forlan einen Freistoß an besagte Latte. Der Fußballgott hatte scheinbar genug, wieder an der Dramatikschraube zu drehen. Schade. Die Verlängerung hätte es sicherlich in sich gehabt. Und wäre es zu einem Elfmeterschießen gekommen, wir wüssten ja, wie es ausgegangen wäre, oder?

Und zu guter Letzt, um ein wenig politischen Dampf abzulassen, könnte man die deutsche (und schweizer) Nationalmannschaft hernehmen, wenn es wieder darum geht, jener Fraktion Paroli zu bieten, die behauptet, es gäbe zu viele „Ausländer“ im „Inland“. Wo wäre die deutsche Nationalmannschaft, hätte man vor Jahren und Jahrzehnten der Zuwanderung einen Riegel vorgeschoben? Sie würde mit Sicherheit nicht um Platz 3 gespielt haben. Und die Schweizer hätten den kommenden Weltmeister nicht schlagen können. Das trägt natürlich nicht zu einer konstruktiven Diskussion bei, ich weiß. Aber es bietet sich eben einfach so schön an. Und weil ich noch gut das vergilbte Bild der „deutschen“ Fußballmannschaften im Kopf habe, damals, in den 70er und 80ern, muss man sich einfach die Namen der WM-Spieler aus deutschen und schweizer Landen auf der Zunge zergehen lassen (und sie damit natürlich auch wieder würdigen). Ich finde es jedenfalls köstlich.

Jerome Boateng
Cacau
Miroslav Klose
Lukas Podolski
Mario Gomez
Piotr Trochowski
Mesut Özil
Sami Khedira
Serdar Tasci
Jerome Boateng
Dennis Aogo


Gokhan Inler
Valon Behrami
Hakan Yakin
Gelson Fernandes

Xherdan Shaqiri
Blaise Nkufo
Albert Bunjajku
Eren Derdiyok

Und mit einem Lob an die deutsche Wertarbeit, die sich den 3. Platz redlich verdient hat, schließe ich meine vorletzte WM-Berichterstattung. Zur EM-Qualifikation kann mich dann die germanischen Leserschaft gerne auf den Arm nehmen. Bis dahin versteige ich mich in rotweißrote Fußballträume.

*) „Uns hat heute einfach vielleicht der Mut gefehlt. […]“ – Manuel Neuer nach dem Spiel gegen Spanien

Advertisements

Eine Antwort zu “WM 2010 Kleines Finale URU : GER

  1. Guido M. Breuer Samstag, 10 Juli, 2010 um 23:18

    Hilfe, was mach ich denn jetzt? Ich sehe kaum Ansätze, dem lieben Ricardo zu widersprechen! Vielleicht, weil die Emotionen raus sind, Deutschland hat eine gute WM mit einem schönen und sehenswerten Spiel abgeschlossen. Auch wenn die große Spannung nicht drin ist in diesem „kleinen Finale“.
    Aber eins noch: Mein absoluter Superstar dieser WM ist mit Abstand Diego Forlan. Ich habe mich dabei erwischt, wie ich ihm die Daumen gedrückt habe beim letzten Freistoß. Verdammt, warum nur die Latte? ich hätte diesen tollen Schuss gerne dringesehen. Sein Tor in diesem Spiel war auch absolut sehenswert. Schön für die deutschen Jungs, gegen diese Urus das letzte Spiel zu bestreiten!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: