Poetische Tränen #Azadeh

Es gilt das Besondere festzuhalten. Kostbar sind jene Momente, die einem die innere Welt näherbringen. Es gibt freilich keine Erklärung. Es ist wie es ist. Wir können nur mit Ehrfurcht das Erlebte festhalten, auch wenn Worte und Sätze dafür nicht ausreichen. Das göttliche Prinzip kann niemals von Menschen erforscht und ergründet werden. Wer es versucht, muss kläglich scheitern. Nur die schöne, wahre und gute Kunst mag einen Weg gefunden haben, sich dieses Prinzips anzunähern. Und doch bleibt am Ende alles nur Fragment.

Wenn das Schicksal den Hobel ansetzt, dann sind wir nur noch Passagier auf einem besonderen Schiff, das in eine aufgewühlte, stürmische See geworfen wurde. Wenn die Wellen über einem zusammenschlagen, man den Horizont nicht mehr ausmachen kann, fühlt man sich ängstlich und allein. So geht es dahin. Bis der Sturm sich legt, die aufpeitschende See sich wieder anschickt ihr friedlicheres Kleid anzuziehen. Bald kehrt Ruhe ein. In der äußeren wie in der inneren Welt.

Vor 19 Jahren war es, als ich mit meinem Erstlingswerk Azadeh meine verlorene Geschichte finden sollte. Das Lachen einer Frau führte über Umwege zu jener Inspiration, die einen jungen österreichischen Leutnant erfand, der sich im Musenspiel verfing. Von der Illusion zur Realität, von der Realität zur Illusion. Als ich den Roman schrieb, wusste ich noch nichts von der künstlerischen Innenwelt, die in einem schlummert. Ich schrieb aus dem Instinkt, der Idee. Und nun, all die vielen Jahre später, nach dem ich viele Bücher veröffentlichte, blieb Azadeh Manuskript. Zu wahr schien mir diese verschlungene Geschichte zu sein, um sie dem Zorn der Wirklichkeit auszusetzen.

Doch dann, mit einem Male, war es das Lachen einer Frau, das eine Inspiration auf direktem Wege in Herz und Hirn beförderte. Da war er wieder, der gedanklich-kreative Fluss, der nicht enden will und so lange währt, solange die Hand die Kraft hat, die Feder zu halten. Ohne, dass ich es bemerkte, durchlebte ich mein Erstlingswerk. Erst als ich zufällige Episoden der letzten Wochen mit jenen im Manuskript verglich, fiel es mir auf und ein. Es brachen alle Dämme. Wie konnte es sein, dass ich vor beinahe 2 Jahrzehnten, noch grün hinter den musischen Ohren, die Dinge, die nun geschehen, vorwegnehmen konnte. Ist es, weil das Wahre, Gute und Schöne in jedem Menschen steckt?

Und so verging kaum ein Tag, an dem ich nicht eine Träne aufs Manuskript vergoss. Unmöglich konnte der Verstand hier helfen. Er spielte keine Rolle, war nur Zaungast, während Herz und Seele berauscht den Weg wiesen und die vorhandenen Gefühle ins Tausendfache zu steigern wussten.

Der neue Roman, er liegt noch roh und wild vor mir, ist bereits fertig gedacht. Man könnte meinen, es ist die moderne Fortsetzung zu Azadeh und vielleicht ist es das auch. Nicht dass ich es so wollte, aber die Dinge geschehen und wir haben sie zu akzeptieren.

Und so notiere ich diese Momente, wo ich meinem älteren Ich, der später einmal auf diese längst vergangenen Seiten blickt, dass das Hier und Jetzt eine verrückte Zeit war. Eine Zeit, als ich in den Kaninchenbau hinabstieg und in späterer Folge auf eine poetische Dichtung stieß, die mir keine andere Wahl ließ, als in den Olymp zu reisen. Und doch folgten und folgen mir die einen oder anderen Kaninchen, mir anzeigend, dass eine falsche Virus-Theorie und eine betrügerische Pandemie nicht vergessen werden dürfen. Gewiss, wenn die Poesie zu Ende gesungen wurde, der Alltag übers kreative-künstlerische Land zieht, dann heißt es, den Kampf gegen den politischen Wahnsinn erneut und mit mehr Mut aufzunehmen.

Aber bis dahin, wie viele Tage oder Wochen es auch sein werden, koste ich den Besuch meiner Muse aus. Wie lange sie bleibt? Niemand weiß es. Niemand wird es jemals wissen. Aber sie bleibt, bis die verlorene Geschichte gefunden und geschrieben wurde.

So war es vor bald 20 Jahren.

So ist es heute.

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