Em 2021: Spieltag #7

Der 7 Spieltag der Europameisterschaft.

Ukraine : Nordmazedonien 2:1
Die Ukraine zeigt Nerven, Nordmazedonien Spiellaune.

Österreichs letzter Gruppenspielgegner Ukraine zeigte ansprechenden Kombinationsfußball. Freilich, die Mazedonier machten es ihnen nicht gerade schwer, wollten sie doch gleich von Beginn zeigen, dass sie gewillt sind, mitzuspielen. Das war schon überraschend, aber auch recht gefährlich, weil sie es nicht verstanden, den Ball zu halten. So wurden sie eins ums andere Mal in der Vorwärtsbewegung kalt erwischt, weil ein Pass direkt zum Gegner gespielt wurde oder ein Dribbling nicht funktionierte. Die Ukrainer bedankten sich und schalteten schnell um – trotzdem gab es anfänglich nichts Zählbares. Da musste schon ein Eckball und die Stürmernase von Yarmolenko herhalten, der die Situation vor dem Tor „übernaserte“ und den Ball unter dem Torhüter einschob. Dafür war das zweite Tor aus dem Spiel heraus entstanden – punktgenau startete der Ukrainer auf gleicher Höhe und lief alleine aufs Tor zu. Ließ sich diese Gelegenheit nicht entgehen.

Der gute alte Pandev von Nordmazedonien hatte auch seinen Auftritt, in dem er ein Tor machte. Leider stand er im Abseits. Schade. So cool hat er den Torhüter überhoben, da können sich die jungen Offensivspieler, die allesamt nervös einfach nur draufhalten, eine Scheibe von ihm abschneiden. Dass er dann unnötig im Strafraum gefoult wurde, zeigt, mit ihm ist einfach zu rechnen. Im Nachschuss wurd dann der Strafstoß verwertet und da stand es plötzlich nur noch 2:1 für die Ukrainer. Siehe da, sie wurden nervös, fahrig, ungenau. Die Mazedonier leckten Blut und spielten munter darauf los, kamen zu der einen oder anderen Halbchance, während die Ukrainer einen Elfmeter vergeben und eine 100%ige auslassen. Ja, wenn die Nerven flattern, dann ist Schluss mit Fußballspielen.

So gesehen wird das „Endspiel“ der Österreicher gegen die Ukraine eine Zitterpartie. Hoffe, der Teampsychologe wird eine Gruppentherapiesitzung anberaumen. Thema: „Net anscheißen, sondern die Entscheidung suchen.“ Weil, mit Beistrich in der Hose können wir gleich nach Hause fahren und in Quarantäne gehen.

Dänemark : Belgien 1:2
Danish Dynamite und Belgische Schokolade à la DeBruyne.

Die ersten dreißig Minuten eine völlige Überraschung. Ich hätte keinen Cent auf die Dänen gesetzt, befürchtete bereits im Vorfeld ein weiteres Defensivspektakel, das einen zum Gähnen bringt. Doch siehe da, die Dänen mit Feuer im Herzen geben ordentlich Gas. Die Belgier, die wichtige Stammkräfte schonen, sind mit dem Pressing des Gegners überfordert. Nach wenigen Minuten ist es auch ein Abspielfehler, der den dänischen Führungstreffer ermöglicht. Erst mit dem Ende der 1. Halbzeit beginnen die Belgier das Spiel zu kontrollieren, freilich nur deshalb, weil sich die Dänen zurückziehen. Vermutlich wollten sie unbedingt mit der Führung in die Pause gehen und den Belgiern keine Konterchance einräumen.

Nach der Pause ändert sich freilich das Bild. Weil nun Kevin DeBruyne, Axel Witsel und Eden Hazard in die Partie kommen. Und DeBruyne bereitet kurz nach der Pause auch schon den Ausgleich vor, nur um wenig später mit einem satten Weitschuss den Siegestreffer zu machen. Wir sehen, „Geld“ schießt doch Tore. Die Dänen bemüht, waren bereit, alles zu geben, aber mit den Belgiern in Bestbesetzung ist nicht gut Kirschen essen. Zwar hatten die Dänen mehr vom Spiel, viel mehr Chance – so gab es noch Minuten vor dem Ende einen Kopfball an die Querlatte – aber effektiver waren nun mal die Belgier. Beinahe im Schongang haben sie die Angelegenheit erledigt. Wer auch immer die Belgier schlagen will, der muss DeBruyne irgendwie aus dem Spiel nehmen – mit fairen Mitteln versteht sich.

Die Dänen haben nun ihr Endspiel gegen Russland, denen wohl ein Unentschieden reichen würde. Arme Russen. Das Dänische Dynamit wird ihnen um die Ohren fliegen. Ein heißer Tanz erwartet uns. Die Belgier sind mal im Achtelfinale und werden wohl gegen die Finnen nichts anbrennen lassen. Aber wer weiß.

Niederlande : Österreich 0:2
Wo ist denn nur Arnautovic, wenn man ihn braucht?

Eigentlich fängt es gar nicht schlecht an. Die Österreich verstecken sich nicht, pressen ordentlich gegen die Niederländer, die dadurch nicht in Schwung kommen. Doch dann, dann macht ausgerechnet Alaba einen Fehler, verschätzt sich, steigt einem Niederländer auf den Fuß. Im Strafraum. Elfmeter. Verwandelt. Schon früh im Rückstand. Das motiviert die Niederländer, das bringt die Österreicher aus dem Konzept. Trotzdem wird gegen die Oranjes angepresst. Wie wir das 90 Minuten durchhalten wollen, ist mir freilich ein Rätsel. Die Verteidigungslinie recht hoch, gefährlich hoch. Ein langer Ball, ein verlorener Sprint und schon gibt es Alarmstufe Rot. Verwunderlich, dass wir dieses Konzept gegen die schnellen und technisch versierten Holländer praktizieren.

Dann natürlich hie und da Aussetzer, Abspielfehler, Unkonzentriertheiten, die zu Top-Chancen des Gegners führen. Gottlob werden diese Möglichkeit sträflich vergeben. Auf der anderen Seite kommen wir gar nicht erst vors Tor. Weil es die Niederländer besser verstehen, den Ballführenden anzupressen und dessen Passwege zuzustellen. Oftmals wird dann zu hastig abgespielt oder Tempo herausgenommen. Auf diese Weise verpuffen Angriffsbemühungen. Es wirkt, als hätten die Niederländer einen Mann mehr am Feld. Bitte durchzählen.

In der zweiten Halbzeit gab es wieder Licht, aber auch Schatten. Wir kamen wenigstens Ansatzweise vor das gegnerische Tor, entwickelten sogar zeitweise ein Powerplay vor dem Strafraum der Niederländer – aber im schnellen Umschaltspiel waren die Oranjes eine Klasse für sich. Warum wir so hoch verteidigten – und damit lange Bälle provozierten, wissend, dass die Schnelligkeit und Spritzigkeit der niederländischen Offensivspieler unsere Defensivleute vor große Probleme stellen würde, ist mir ein Rätsel.

Natürlich gab es unnötige Ballverluste, aber zumeist verstanden die Niederländer unser Offensivspiel mit gutem Pressing zu verhindern. Auf der anderen Seite waren unsere Pressingversuche oftmals nur kräfteraubendes Anlaufen. Wenn schon Pressing, dann ganz oder eben gar nicht.

Wieder einmal hat man gesehen, dass die Österreicher die Ordnung verlieren, wenn sie unter Druck kommen. Ohne den gesperrten Arnautovic, der immer Ruhe und Selbstsicherheit ausstrahlt, war es natürlich noch schwieriger, das Spiel in den Griff zu bekommen. Wobei, so viel haben die Niederländer gar nicht machen müssen, um zu Chancen zu kommen. Da reichte ein langer Ball, ein Sprint und ein Querpass. In der Defensive machten sie die Räume eng und das war’s dann für uns. Es fehlten die Ideen und wohl auch Mut und letzte Entschlossenheit.

Gegen die Ukraine muss es besser werden, wollen wir nicht wieder heimfahren. Wie es geht, haben die Mazedonier gezeigt, die mit Elan und Einsatz die nervösen Ukrainer beinahe ein Bein gestellt hätten. Kurz und gut, die Hoffnung lebt und sie ruht auf Arnautovic.

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