Ein Geburtstag wie noch keiner.

Heute also begehe ich den Jahrestag meiner Geburt. Ein Sonntagskind, das an einem Samstag zur Welt gekommen ist. In aller Früh. Vermutlich hält es mich deshalb selten lange im Bett, beinahe so, als würden mich die kreativen Kräfte aus dem Schlafzimmer zerren. Selten geschieht es, dass ich am Morgen zuallererst mit einem Blogbeitrag beginne und die Tagebuchkritzelei auf später verschiebe. Dabei gäb’s viel zu notieren. Die Erinnerung wird mich hoffentlich nicht im Stich lassen. Wiewohl, hab ich mir nicht gestern Nacht, die andere als einen späten Abend ansehen würden, Notizen gemacht?

Dieser Geburtstag ist anders. Vielleicht, weil ich im Wonnemonat Mai die Heizung erneut zum Tanz auffordern musste, sind die letzten Tage und Wochen recht kühl und feucht gewesen. Bestes Schreibwetter! Allzu viel Sonnenschein und blauer Himmel würden dem Dichter sowieso nur das schlechte Gewissen in die Brust jagen. Also besser das Jammern und Gluckern der Heizung ertragen, die am Ende die Kühle vertreibt.

Dieser Geburtstag ist wie noch keiner, weil ein Versprechen gegeben wurde, dass, wenn es gehalten, das größte Glück für das Kind, das gerade diese Zeilen denkt und schreibt, bedeuten würde. Dieses Versprechen weist den Weg in eine neue Zukunft, über deren Qualität nur das Schicksal Bescheid weiß. Man wird sich darauf einlassen müssen, besser, ich darf mich darauf einlassen, wenn die Sterne günstig stehen. Es ist ein großes Geschenk, dass ich fürs Erste Ungewissheit und Goldene Waage in eine Kiste packen und in die hinterste Ecke meines Kellers stellen kann. Sodann hole ich mir Blumen und Schmetterlinge ins Haus, die mir eine duftende Schönheit vor Augen führen. Es gilt gelassen zu bleiben und sich hie und da erfüllenden Tagträumen hinzugeben.

Die Inspiration, ausgelöst durch das helle Lachen einer Frau, mag zwar viele Wochen her sein, aber hübsch verpackt steht es auf dem Gabentisch und erinnert mich, welch Reise ausgelöst wurde, die noch immer nicht zu Ende gedacht ist. Obwohl das neue Buch „14 Tage Ewigkeit“ praktisch in seinem Umfang als beendet betrachtet werden kann, ist die darin erzählte Geschichte noch lange nicht zu ihrem Schlusspunkt angekommen. Bei genauerer Betrachtung schreibe ich bereits an der Fortsetzung, ohne, dass ich es vorgehabt hätte. Man könnte auch sagen, es hat sich ergeben. Einfach so. So einfach.

Der geneigte Leser mag mit alledem vorerst nichts anzufangen wissen. Zu kryptisch, zu poetisch verfälscht scheint das Geschreibe. Und doch wird sich alles erklären. Auf wundersame Weise wird sich Dichtung und Leben, Leben und Dichtung vermengen. Das vorläufige Endresultat mag für die Welt als kleines Wunder gelten, für das Geburtstagskind als großes, kaum vorstellbares. Deshalb sprühen die kreativen Einfälle, verwandelt sich der Skeptiker, der seit ein paar Jahren nur noch den Lug und Trug dieser Welt hinausposaunen wollte, in einen Poeten, der beinahe ausschließlich seine Innenwelt besingt. Eine hübsch angenehme Melodie ist es, die er summt und die anderen Menschen, wenn er Glück hat, ein Lächeln, gar Freude schenken wird.

Im Bett liegend, in vielen Gedanken versunken, beinahe ertrunken, dachte ich, über die Brotlosigkeit ein paar Zeilen hinzuwerfen. P. meinte, ich hätte meine Zukunft „entkommerzialisiert“ und gab mir den guten Rat, dass ich diesen Begriff gar nicht mehr in den Mund nehmen sollte. Möchte ich denn nicht in Geld, das eigentlich Freiheit und Unabhängigkeit bedeutet, schwimmen? Natürlich will ich in Freiheit und Unabhängigkeit baden. Weil es Möglichkeiten bietet und am Ende einen Hof in die Erde stellt.

Diese stoische Erde mag wie ein Ufer wirken, das auf das launenhafte Meer trifft. Und dort, irgendwo in diesem Ozean, treibt ein kleines Boot, mit einem entwurzelten Bäumchen und einem Mädchen, das ihr rotes Haar in zwei Zöpfe geflochten hat und zum Horizont blickt. Es sehnt sich nach dieser stoischen Erde, die ihr Bäumchen aufnimmt, wo es sich verwurzeln darf. Und mit dem verwurzelten Bäumchen ist das Mädchen endlich angekommen, an jenem Ort, den sie vielleicht einmal Heimat und Geborgenheit nennen wird. Es mag nach einem magischen Ort klingen und ist doch nur Wirklichkeit. Aber diese Wirklichkeit ist es wiederum, die diesen Ort magisch machen wird.

Es ist die Magie, dieser magische Moment, nach dem wir uns alle sehnen, die unser Leben erst zu einem Leben machen. Der gewöhnliche Alltag, das tägliche Einerlei, all die Routine, sie bringt uns ein wenig Sicherheit, aber keine Erfüllung. Der Dichter, der diese Magie auf das Papier zwingen will, kämpft einen aussichtslosen Kampf. Gewiss, er wird es immer wieder versuchen, immer wieder wird er von neuem beginnen. Es bleibt ihm auch keine andere Wahl. Wenn er die Stimme seiner Muse hört, hie und da mit verschlafener Stimme (im Olymp gehen die Uhren anders), dann erwacht die Sonne, die seinen Körper, seinen Geist angenehm durchströmt und ihn zum Tische zwingt und zur Feder greifen lässt. Es ist die Wonne, die er sich immer gewünscht hat.

Heute, an diesem kühl verregneten Dienstag Morgen, das Kalenderblatt zeigt den 25. Mai 2021, hat er Geburtstag. Im Hintergrund gluckert und jammer die Heizung, die die Kühle vertreibt, aber die wohligste Wärme, die spendet ein Gedanke.

Nur ein Gedanke.
Aber welch Gedanke!

2 Kommentare zu „Ein Geburtstag wie noch keiner.“

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