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Mythen der Ernährung (1): Leben um zu essen oder Essen um zu leben

Dieser Beitrag ist kurz gehalten – obwohl es viel, sehr viel zu sagen, zu schreiben gäbe. Aber so ist das, wenn die Dinge im Kopf reifen und im Herzen blühen.

Vor über einer Woche war es, als es Klick machte und wieder einmal ein Puzzleteilchen in ein anderes ging. Ich musste erfahren, dass die sogenannte »Ernährungswissenschaft«, die sich in den letzten 50 Jahre ans Licht der Öffentlichkeit propagandisiert hat, am ehesten einer religiösen Glaubensgemeinschaft ähnelt, die so manche Studien, die die damalige und gegenwärtige Orthodoxie in Frage stellen, als Häresie verdammt und die verantwortlichen Forscher als Ketzer medial und beruflich verbrennt. Man könnte beinahe meinen, wir wären im finsteren Mittelalter gelandet, wo die hohen Herren und Damen in den Universitäten, Forschungsanstalten und Krankenhäusern sich wie Hohepriester gebärden und so tun, als hätte es die Aufklärung nie gegeben. Der österreich-ungarische Kinderarzt Ignaz Semmelweis (1818-1865) kann diesbezüglich ein trauriges Lied darüber singen:

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Zwei Jahre also.

Wenn ich mich jetzt recht entsinne, dann war es vor genau zwei Jahren, als ein Satz gedacht und ausgesprochen wurde, der mich in eine beträchtliche Schieflage brachte. Das kleine Boot, so war damals zu befürchten, drohte zu kentern. Schwimmwesten waren keine an Bord. Ich hätte mich also über Wasser halten müssen, so lange, bis die Umrisse eines Landstriches in Sicht kämen. Keine angenehme Vorstellung, im kalten Wasser zu treiben und zu warten. Weder damals. Noch heute.

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Wien, im März 1938 #1 Helen Blank

Nun, es ist bald 80 Jahre her, dass Österreich zur Ostmark und ins damalige Deutsche Reich integriert wurde. Ob dieser sogenannte Anschluss freiwillig oder mittels Zwang erfolgte, darüber wird das eine oder andere Mal gestritten, weil damit auch die Frage nach Schuld und Komplizenschaft einhergeht. Je nach politischer Wetterlage wird der Opfermythos zum Spielball intellektueller Agitatoren.

Durch Zufall bin ich auf das Archiv des Leo Baeck Institutes in New York City gestoßen. Das Zentrum für jüdische Geschichte hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Leben der österreichischen Immigranten vor 1938 mittels eines Fragebogens zu dokumentieren. Im Internetarchiv können Sie einige der eingescannten Fragebögen durchsehen: link

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Paukenschläge II

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Am 1. September 2007 tippte ich diese Zeilen: »Da fällt eine Türe ganz sachte ins Schloss und du vermeinst, einen Paukenschlag gehört zu haben. Vermutlich, weil es einer ist. Oder zwei. Eigenartig ist’s, diese geschlossene Türe zu sehen, die so lange offen stand. Nun heißt es, brav anzuklopfen und zu warten, ob einem aufgemacht wird. Das wird jetzt keiner verstehen. Und das ist gut so.«

9 Jahre später. Vergangenheit. Zukunft. Gegenwart.

Graf Popovic: »Eines noch, mein lieber Märwald, bevor wir uns wohl verabschieden müssen … glaubt nicht, wenn Ihr die Reise mitmacht, dass Ihr dadurch Euer Glück finden werdet … es kann sein … es kann auch nicht sein … wie wurde mir einmal gesagt? Ein weiser Mann, der einen neuen Weg beschreitet, tut es nur deshalb, weil er einen neuen Weg beschreiten will. Versteht Ihr? Es geht nicht um das große, hehre Ziel, das wie eine schwere Schatzkiste hinter der nächsten Biegung auf einen wartet … zu meist wartet da nichts … und es ist auch nicht, dass der neue Weg schöner oder erfüllender wäre als der alte … nein, nein … er ist weder besser, noch ist er schlechter … es ist einfach ein anderer Weg … mehr ist es nicht. Gewisse Ängste, bestimmte Sorgen werdet Ihr auch auf diesem neuen Weg mit Euch tragen, andere werdet Ihr liegen lassen dürfen und andere wiederum werden Euch aufgebürdet werden. Ihr seht, so einfach will es uns das Leben nicht machen … aber so schwierig vielleicht auch nicht. Ich würde es gerne sehen, wenn Ihr die Reise tut, [zwinkert] oder auch nicht tut. Aber –  und das meine ich so ernst, wie nur irgendetwas – lasst es nicht zu, niemals, dass Euer tiefer Wunsch in den Jahren die noch vor Euch liegen, durch die alles zersetzende egoistische Gier ersetzt wird. Denn dann wird er zu einer Gefahr für Leben und Geist. Übt Euch, dann und wann, in einer reinigenden Bescheidenheit, die den sturen Kopf und die träumende Seele wieder freimacht. Wir verstehen uns?«

Azadeh
oder
Die 13 Tage des Leutnant Johann Gottfried von Märwald
niedergeschrieben irgendwann im Jahre 2002

343 Stufen den Wiener Stephansdom hinauf und wieder hinunter

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Manchmal verschlägt es mich am Morgen zum Wiener Stephansplatz. Dann bleibt nichts anderes übrig als im Schanigarten einer Wiener Kaffeehauskette einen Verlängerten zu schlürfen und dazu eine Topfengolatsche zu verputzen. Wenn man Glück hat, ergattert man ein Plätzchen mit Sicht auf den Steffl. Herz, was willst du mehr? Gegen 10 Uhr wird es dann freilich ein wenig unangenehm, weil Touristenschwärme summen und zirpen. Aber bis dahin hat man wohl schon in sein Tagebuch gekritzelt und ist bereit, für neue Abenteuer. Und weil ich noch nie den Südturm bestiegen habe, dachte ich mir, dass es nun an der Zeit sei. Gesagt, getan.

Für €4,50 darf man nicht nur 343 Stufen hinauf- und hinuntersteigen, sondern erhält als Bonus einen beachtlichen Drehwurm. Als ich gerade die ersten Stufen nehmen wollte, kam mir ein asiatisches Touristenpärchen entgegen – beiden waren ziemlich gezeichnet vom Abstieg. Die junge Frau schien mir in einer besseren Verfassung zu sein als der junge Mann, der scheinbar dem Hergott dankte, wieder zu ebener Erd gehen zu können. Ja, die enge Wendeltreppe ist kein Zuckerschlecken, da büßt man schon ordentlich Kalorien ein. Der „Gegenverkehr“ gestaltete sich aber nicht so schlimm wie anfänglich befürchtet – der eine drückt sich an die Mauer, der andere schiebt sich vorbei. Easy.

Das Glocken- und das Turmzimmer sind schon die Anstrengung wert. Mit dem Aufzug kann ja heutzutage jeder fahren. Aber 343 Stufen zu erklimmen, das hat schon durchaus etwas Gottergebenes. Vergessen wir nicht, dass bereits vor über einem halben Jahrtausend hier Menschen auf- und abgelaufen sind. Später sollte hier die Pummerin (türkische Kanonen!) bis 1945 ihren Platz finden – kaum zu glauben, wie man diese 20 Tonnen schwere Glocke damals durch halb Wien bewegen und in rund 60 Meter Höhe befestigen konnte. In den Nachtstunden hat der Turmwächter im Turmzimmer nach einem möglichen Feuer Ausschau gehalten und gegebenenfalls Alarm geschlagen. Ja, Feuer war seit jeher die größte Gefahr in einer von Wehranlagen eingegrenzten und dicht an dicht gebauten mittelalterlichen Stadt. The Great Fire of London, im Jahr 1666, zeigt, wie schnell ganze Häuserzeilen in Schutt und Asche übergehen können – im Tagebuch von Samuel Pepys ist dieses Großfeuer in aller emotionaler Deutlichkeit beschrieben.

Ja, manchmal braucht es ein Feuer. Ein inneres, versteht sich. Dieses innere Feuer – ist es göttlicher Natur? – wird am Ende all die bösen und dunklen Gedanken verbrennen, die einen plagen. Gerade in einer Zeit, in der man an einer Weggabelung steht, braucht es 343 Stufen und einen Drehwurm, um zu verstehen, worum es im Leben wirklich geht. Bedenken wir, dass der Stephansdom, in all seiner Größe, in all seiner Detailverliebtheit, vor über 500 Jahren Stein für Stein gebaut wurde. Unglaublich, dünkt es einen. Und doch hat der Mensch dieses unglaubliche Werk vollbracht. Daran soll man ermessen, wozu der Mensch – so er gemeinsam mit Gleichgesinnten an der Zukunft schmiedet – fähig ist. Ja, das sollte wir niemals vergessen.